Fomalhaut b war der erste Planet überhaupt, dessen sichtbares Licht sich von einer Kamera einfangen ließ: Zwei Bilder des Weltraumteleskops Hubble aus den Jahren 2004 und 2006 zeigten einen hellen Punkt im Orbit des Sterns Fomalhaut. Diese Entdeckung durch ein Team um Paul Kalas von der kalifornischen Universität Berkeley war eine Sensation. Doch die Advanced Camera for Surveys (ACS), die Hubble die Aufnahmen ermöglichten, wurde 2007 durch einen Kurzschluss lahm gelegt. Eine andere Hubble-Kamera, der Space Telescope Imaging Spectrograph (STIS), lieferte im Jahr 2010 endlich eine neue Aufnahme von Fomalhaut b. Doch darauf liegt der Planet deutlich neben der Spur. Nur ein Messfehler? Oder existiert Fomalhaut b überhaupt nicht?
Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble aus dem Jahr 2004 zeigten schließlich einen hellen Punkt, der sich dicht am inneren Rand des Staubrings befand. Eine solche Entdeckung ist zunächst nicht ungwöhnlich, denn auch ein Stern im Hintergrund des ohnehin recht verrauschten Bildes hätte diesen Effekt hervorrufen können. Doch in einer Aufnahme von 2006 war der Punkt ein wenig weiter gewandert. Das Team um Paul Kalas konnte diesen Punkt schließlich mit dem Planeten identifizieren, der von den Theoretikern vorhergesagt wurde.
In einem Artikel in der englischen Wissenschaftszeitschrift New Scientist und auf der Nachrichtenseite des Fachjournals Nature wird die erhitzte Debatte zwischen Kalas und Jayawardhana deutlich. "Ich fühle mich unwohl dabei, dass das Aushängeschild für direkt abgebildete Planeten der schwächste oder am wenigsten sichere Fall sein könnte", wird Jayawardhana zitiert. Kalas dagegen: "Ein einzelner Wissenschaftler versucht eine Debatte aus dem Nichts herbeizuführen."
Die unklare Datenlage erweist sich auch als Spielwiese für alternative Erklärungsmodelle. Die hohe Reflektivität von Fomalhaut b im Sichtbaren könnte sich statt eines Staubrings um auch durch eine Wolke aus irregulären Satelliten erklären, wie britische Astronomen der Universität Cambridge berechnen. In einer Arbeit, die in der britischen Fachzeitschrift Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erscheinen wird, diskutieren Grant Kennedy und Mark Wyatt die möglichen Auswirkungen einer Staubwolke um Fomalhaut b (Link zur Veröffentlichung). Der Planet könnte in diesem Szenarium mit nur einigen Erdmassen wesentlich leichter sein als angenommen. Eine Partikelwolke mit einer Gesamtmasse von etwa fünf Monden könnte ihn umhüllen und für die beobachtete starke Lichtreflexion verantwortlich sein. Die Autoren diskutieren sogar die Möglichkeit, dass Fomalhaut b regelmäßig in den großen Staubring eintaucht, um seinen Vorrat an Begleitmaterial aufzufüllen. Unabhängig von solchen Modellen ist ebenfalls unklar, ob das Fomalhaut-System weitere, bislang unsichtbare Planeten beherbergt.
Für das Jahr 2012 ist eine erneute Beobachtung des Fomalhaut-Systems mit dem STIS angesetzt. Vermutlich wird sich erst mit den zu erwartenden Aufnahmen entscheiden lassen, ob die Zweifel an Fomalhaut b berechtigt sind. Es ist zumindest unwahrscheinlich, dass wir Fomalhaut b gerade zufällig dabei beobachten, wie er aus einer Millionen Jahre alten Umlaufbahn heraus geschleudert wird. Sollten die Aufnahmen von 2012 den Planeten also weiterhin auf Abwegen zeigen, wird sich die Zahl der Kritiker um Ray Jayawardhana vergrößern, ebenso der Bedarf an alternativen Erklärungsmodellen. Wie auch immer das exotische System tatsächlich aussieht: Bis auf weiteres wird Fomalhaut b aber seinen besonderen Platz in der Liste der Exoplaneten behalten.
Mike Beckers









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