Stellen Sie sich vor, Sie wandern durch einen Wald und treten auf eine Lichtung. Vor Ihnen liegt eine blumenübersäte Wiese im Morgenlicht. Alles scheint perfekt zu sein. Aber – kein Gezwitscher erfüllt die klare Luft des beginnenden Tags, nirgendwo am Himmel regt sich etwas: Es gibt keine Vögel! Oder stellen Sie sich vor, Sie schauen zum Himmelszelt und es zeigt sich von früh bis spät in eintönigem Hellblau: Es gibt keine Wolken! Und nun malen Sie sich als Letztes aus, wie es wäre, wenn Sie in den Nachthimmel blicken und dort statt eines sternbedeckten Firmaments eine hellgraue Fläche sehen: Es gibt keine Sterne! Die ersten beiden Szenarien sind ausgedacht: Vögel und Wolken existieren zum Glück immer noch, auch wenn Letztere nicht gerade zu den besten Freunden der Astronomen gehören. Der ergraute Nachthimmel aber ist für ein Fünftel der Menschheit – darunter jeden zweiten Europäer – inzwischen Realität. Indem wir mit künstlichen Lichtquellen die Nacht zum Tag machen, berauben wir uns eines Stücks Natur. Zu nächtlicher Stunde sehen wir keine prachtvolle Milchstraße mehr, keine fernen Galaxien oder Sternschnuppen, sondern nur noch einige wenige der hellsten Sterne. Selbst fernab großer Städte wird es bei uns nicht mehr richtig dunkel. Damit fehlt etwas ganz Wesentliches in unserem Leben.