Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Netz von autarken Systemen anvisiert

    25.08.2016, Walther Mathieu, Herzogenrath
    Ihr Einwurf beschreibt die Problematik der Energiewende auf dem Strommarkt recht zutreffend, aber leider nicht vollständig. Ein wesentlicher Aspekt ist nur schummrig beleuchtet, ein anderer liegt gar völlig im Dunkeln. Zum Dritten: Wird nun EWeLiNE der ultimative Heilsbringer sein? Wohl kaum …

    Der erste Aspekt: Die Frage ist nicht nur, ob die große Transformation der Stromversorgung gelingen kann, sondern ob sie es soll oder vielleicht gar unbedingt muss. Die Antwort fällt sehr unterschiedlich aus, je nachdem, wen man fragt. Ein Politiker wird Ihnen etwas anderes sagen als ein leitender Vorstand eines Braunkohlekonzerns und der wiederum etwas völlig anderes ein Klimawissenschaftler. Es herrscht auf dem Strommarkt ein knallharter Verdrängungswettbewerb zwischen den Anbietern von regenerativer und fossiler Energie, der auch mit unlauteren Mittel ausgetragen wird, zum Beispiel über die leider immer noch nicht regulierte Lobby beim deutschen Bundestag, der seit dem Tod von Hermann Scheer und dem Ausscheiden von Hans Josef Fell jährlich neue Grausamkeiten beschließt. Dass die Energiewende im Stromsektor bei gutem Willen und hinreichendem Einsatz von intelligenter Planung und Steuerung sehr wohl gelingen kann, hat Karl-Martin Hentschel 2010 in seinem Buch "Es bleibe Licht" überzeugend dargestellt.

    Der zweite Aspekt: Energieversorgungssysteme - das weiß jeder Häuslebauer - werden heute nicht mehr rein von der Versorgungsseite (Therme und Brenner) her konstruiert, im Mittelpunkt steht vielmehr der Speicher. Intelligente Verbrauchssteuerung ist ein Thema, ein weiteres die ebenfalls intelligente Abstimmung der verschiedenen Erzeuger - man verzeihe hier die physikalisch unkorrekten Begriffe "Erzeugung" und "Verbrauch", wo es nach dem ersten Hauptsatz "Bereitstellung" und "Nutzung" heißen müsste. Was aber für das System "Haus" gilt, ist auch im Großen richtig: Es bedarf unbedingt intelligenter und umfänglicher Speicher, mit denen das tages- und jahreszeitlich sowie wetterbedingt schwankende Energieangebot vereinnahmt, aufbewahrt und vergleichmäßigt werden kann.

    Eine reine Eingrenzung auf die bereitgestellte Energieform "Strom" - Batterien fallen hier dem Hausbesitzer sicher zuerst ein - verstellt den Blick auf Lösungen, die im großen Maßstab bereits verfügbar sind: Das Gasleitungsnetz und die Gasspeicher. Das so genannte Power-to-Gas-Verfahren ist einfach, funktioniert ausgezeichnet und wird bereits im Großversuch betrieben. Auch wenn durch jede Umwandlung Verluste auftreten - zweiter Hauptsatz - das reichliche Strahlungsüberangebot von rund 1kW/m² Erdoberfläche des schon seit langer Zeit in unserer Nähe perfekt funktionierenden Kernfusionsgroßreaktors rechtfertigt auch verschwenderischen Umgang mit der von ihm bereitgestellten Energie.

    Der dritte Aspekt: So wichtig es sein mag, belastbare Vorhersagen für die Planung der Bereitstellungsinfrastruktur im Stromsektor zur Hand zu haben (Stichwort EWeLiNE) - die Struktur unseres Energiesystems wird sich insgesamt im Rahmen der Energiewende tief greifend wandeln. In dem Maß, wie kleine, intelligente und sparsame Einheiten von Bereitstellungs-, Speicherungs- und Verbrauchssystemen entstehen, steigt der Grad von deren Autonomie: Am Ende der Entwicklung wird ein überwiegend kleinräumiges, engmaschiges und fehlertolerantes Netz von autarken Systemen stehen, die überhaupt keiner zentralen Steuerung mehr bedürfen. Unbedingt fest steht schon jetzt: Das Kondensationskraftwerk - die gute alte Dampfmaschine - wird in näherer Zukunft ausgedient haben; die Verbrennung fossiler Rohstoffe muss so schnell wie möglich beendet werden.
  • gibt es schon einige Zeit ...

    25.08.2016, Jochen
    ein (wohl kommerzieller) Kickerautomat steht im Bremer Universum:
    http://umbau-universum-bremen.de/duell-gefaellig/
    hatte keine Chance :D
  • Hätte man denn Konsequenzen ziehen können?

    24.08.2016, @humorkritik
    Ernstgemeinte Frage: hätte man seit 2009 denn ernsthafte Konsequenzen ziehen können? Das leist sich bei dir so, als sei die mangelnde Baustabilität schuld - aber was da jetzt zusammengebrochen ist, wurde sicher nicht nach 2009 genehmigt, gebaut und abgenommen, oder?

    Davon abgesehen würde ich allerdings selbstverständlich davon ausgehen, dass aus den Problemen von Aquila zumindest im Katastrophenschutz etwas gelernt worden sein müsste.

    Ich hab nur keine Ahnung, was. Das wäre mal ein interessanter Artikel...
  • Odontotermes?

    24.08.2016, @humorkritik
    Da hast du wohl recht: wirklich zu gut.

    FTR, wenn ich tippen müsste, würde ich auch Soldaten einer Odontotermes-Art tippen. Aber wenn ich das richtig im Kopp hab, dann gab's leider keine vernünftigen Metadaten zu dem Foto...
  • Frage

    23.08.2016, Rudolph Gerlach
    Sollte man die bevorzugte Nahrung nicht anhand des Gebisses bestimmen?
    Ein Tier frisst, was es findet. Und stirbt, wenn es dauerhaft das Falsche ist.
    Auch, wenn es in diesem Fall richtig ist, dass der Höhlenbär en Pflanzenfresser war, und Kommentar 2 die Sache richtig beleuchtet.
    Liegt hier vielleicht ein methodischer Fehler vor?
    Antwort der Redaktion:
    Die Gebisse von Höhlenbären deuten ebenfalls auf eine überwiegend pflanzliche Nahrung hin, sowohl was die Form der Molaren angeht als auch die Abnutzungsspuren. Die Frage ist, wie groß der pflanzliche Anteil war.
  • Überschrift ist falsch - 2

    23.08.2016, Heinrich Sauer
    Die Höhlenbären waren wohl Herbivoren. Das sind sich von Pflanzen ernährende Tiere (oder Pflanzen). Nicht umsonst gibt es diesen Fachausdruck. Um Opfer oder Profiteur von -ismen, hier Veganismus, sein zu können, muss man der entsprechenden _Ideologie_ anhängen - hier: Aus Überzeugung nichts (fr)essen, was tierischen Ursprungs ist. Dass Höhlenbären aus einer solchen Überzeugung heraus Pflanzenfresser waren, bestreite ich. Die Überschrift ist also schon aus sprachlicher Sicht falsch. Ich schließe mich Herrn Jenne an: ts ts!
  • Die Überschrift ist schlicht falsch,

    23.08.2016, Martin Jenne
    denn nicht der Veganismus hat den Bären ausgerottet, sondern das geringe Pflanzenangebot. Wenn ein Pflanzenfresser keine Pflanzen mehr bekommt, stirbt er - Sie können Kühe auch nicht mit Fleisch füttern!
    Und sowas erscheint im Spektrum - ts ts.
  • Nicht überzeugend

    23.08.2016, Ulrich Hartmann
    Daß der Höhlenbär ein Pflanzenfresser war, ist nichts Neues. Aber wieso soll ihm das zum Verhängnis geworden sein? Anders als der Braunbär kam er in Mitteleuropa in Kalt- wie in Warmzeiten vor, konnte sich also an unterschiedliche Klimaverhältnisse anpassen. Auch starb er schon vor Ende der Eiszeit aus, also nicht zur Zeit der größten Klimaveränderungen.
  • Plausibel. Aber vielleicht war es viel einfacher.

    23.08.2016, Konrad Lehmann
    Als zusammenhängende Story erzählt, klingt die Sache mit den Projektilen zur Jagd gewiss sehr überzeugend. Aber es bleibt eine Geschichte, die sich jedem Beweis entzieht.
    Auf Spiegel Online war in den letzten Tagen von einem Norditaliener zu lesen, der im Bett der Etsch Tausende von Steinen mit interessanten Formen gesammelt hat. Meine Frau und Töchter haben im Strandurlaub gerade Säcke voller Meeresschnecken zusammengeklaubt. Zweck? Sammlerlust.
    Von Natur aus kugelrunde Steine sind auffallend und reizvoll. Gut möglich, dass eine prähistorische Sammlernatur sie einfach nur zum Vergnügen aufgehäuft hat.
    (Denn wenn es Wurfgeschosse waren: Warum wurden sie dann nicht ge- und verbraucht? Warum so viele?)
  • Wirtschaftlichkei?

    23.08.2016, amphibol
    Wenn schon heute "im Schnitt" 87% aller Fahrten ohne Probleme mit dem Elektroauto erledigt werden können, so kann das sehr gut sein. Die meisten Wege sind sicher unter 100 Kilometern, da sollte die Reichweite noch kein echtes Problem sein. Nur ist es fraglich, ob ein teures Fahrzeug, immerhin kosten E-Autos noch deutlich mehr als herkömmliche, für die Leute wirtschaftlich sein kann, wenn sie zusätzlich noch Mitfahrzeuge mieten oder Carsharing betreiben müssten.
  • Danke für Termitennews (+Mecker für das Foto)

    22.08.2016, @humorkritik
    Mein lieber @Fischblog, ich bin dir ja sehr gewogen und freue mich, dass du meinen kleinen Termitenfreunden einen längeren Blurb mit wunderbar verklickbaiteter Überschrift widmest. Aber das Foto! Das ist doch gar nicht Reticulitermes flavipes (Kollar, 1837)! Da hätte es tatsächlich auch PD-Fotos mit der rochtigen Art gegeben! *meckermoeperflipsyaussi*

    Aber das Foto ist schon sehr geil. Ich hab mir mal gerade den Acc con goopholidon da angesehen und bin arg neidisch. Ich hab selbst Bilder von den Mistviechern geschossen, in situ, und kann die leider sagen: die sind arg schnell, so dass fast alle meine Fotos bewegungsunschaft sind. Zudem sind sie klein, so dass die Schärfentiefe meist für'n Arsch ist. Und zahlreich, so dass ich nie ein Bild mit einer oder zwei Termiten allein hinbekommen habe - immer wuselte irgendwo noch was rum, was die Ausschnittsauswahl versaut hat.
    FTR, in Kombination ist klein & schnell & zahlreich nicht nur für's Foto, sondern auch für Fotografierende eine Pest. Spätestens, wenn dir die Soldaten bis in den Schritt gekrabbelt sind wird die Fotosession abgebrochen. Wenigstens entzünden sich die Bisse nicht, das sezernierte Sekret scheint Staphylococcus aureus keine Chance zu lassen.
    Antwort der Redaktion:
    Ich bekenne mich schuldig - das Foto zeigt den Beißwerkzeugen nach auch keine Männchen, sondern irgendeine Verteidigungskaste. Aber es ist zu gut um es liegenzulassen.
  • Ohne die (kooperativen) Trolle ...

    22.08.2016, Jürgen Paape
    in den Patentämtern, die "vage definierte, triviale Anwendungsfälle einer Technologie" erst einmal patentieren, gäbe es kaum erfolgreiche "Patenttrolle". Dort liegt doch wohl das Problem.
  • Kylonischer Frevel

    21.08.2016, Wilhelm Wolff
    "Doch die Machtübernahme scheiterte an der athenischen Aristokratie, die den so genannten 'Kylonischen Frevel' postwendend niederschlug und die Putschisten zu Tode steinigte." Der Kylonische Frevel bestand nicht im Putsch, sondern in der Tötung der Putschisten, da die Putschisten in einem Tempel Schutz gesucht hatten und ihre Tötung somit einen Bruch des Asylrechts darstellte.
    Insgesamt aber ein interessanter Artikel, danke dafür!
    Antwort der Redaktion:

    Danke für den Hinweis, Sie haben Recht - wir haben die Textstelle jetzt geändert.

    Viele Grüße, jd/Red

  • Das Elementarquantum Dunkler Energie

    21.08.2016, Peter Pohling
    Riess und Livio stellen auf Seite 14 die Frage: „Warum ist die Vakuumenergie so gering?“ Hier meine Lesermeinung zu der brisantesten Frage des Artikels:
    Einen Fingerzeig zu deren Beantwortung könnten uns möglicherweise die Feldkonstanten der Kräfte geben. 1898 berechnete Max Planck mit Newtons G, mit c und dem Wirkungsquantum eine erste Längenkonstante der Natur. Mit der Länge von 4∙10^-35 m ergibt sich die extreme Planck-Energie von 4,9∙10^9 J. Den Wert der hier gesuchten geringen Vakuumenergie liefert eine Verwandte von G. Das ist die Coulomb-Konstante im Coulombschen Gesetz. Deren Strukturgleichung ist gegenüber der von G noch einfacher. Sie besteht nur aus den Quadraten von h und einer zweiten Längenkonstante. Analog zu Plancks Intention ergibt die Coulomb-Konstante eine elektrische Elementarlänge von 5∙10^38 m und – was die Kosmologen besonders freuen dürfte - die extrem geringe, „fast euklidische“ Krümmung des Kosmos. Diese Minimal-Krümmung liefert nicht nur eine Erklärung für die innere Struktur der Elementarladung. Das Elementarquantum h∙c/l(E) der Dunklen Energie füllt ein Raumelement von der Größe des Elektrons. Meine Vermutung deckt sich mit den Erwartungswerten der Kosmologen für die Dichte der Dunklen Energie und für die Relation zwischen den Elektron- und den Proton-Radien unter www.naturkonstanten.de Aus dem Wert 3,9∙10^-64 J des Quantums Dunkler Energie folgen sowohl die Energiedichte des Skalarfeldes der Dunklen Energie als auch der Zahlenwert für die kosmologischen Konstante. Vielleicht bauen uns die Eigenschaften der Partikel eine Brücke für das Verständnis der „brisanten“ Dunklen Energie.
  • Verhulst und Poincaré

    21.08.2016, Detlef Kroll
    Die Bifurkation geht auf meinen Lieblingsmathematiker Henri Poincaré zurück, der dies schon im Jahre 1885 beschrieb (und den Begriff prägte) und der wiederum die logistische Gleichung von Verhulst aus dem Jahre 1837 aufgegriffen hatte, beide sollten in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.

    Chaosmathematik ist in letzter Zeit etwas aus der Mode gekommen, vielleicht liegt es am Namen. Man muss es einmal selbst nachgerechnet haben, um die Faszination daran zu begreifen. Denn was dabei geschieht, scheint dem "gesunden Menschenverstand" zu widersprechen, selbst dem von Mathematikern. Wo wir eine proportionale Abhängigkeit erwarten, emergiert beim iterativen Rechnen ein völlig unerwartetes Systemverhalten.

    Daher freue ich mich sehr über diesen Artikel, der hoffentlich weiteres Interesse an diesem wichtigen Thema weckt.
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