Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • @Reinhard Müller - Fuzzy Logic und andere Freiheitsmechanismen

    02.09.2015, Wolfgang Klein, Wehrheim
    Meiner Erinnerung nach gibt es Experimente, die zeigen, dass ein Mensch ohne dauernden Datenfluss in seinen externen Schnittstellen sowieso nicht richtig "funktioniert". Isoliert man beispielsweise Menschen in dunklen Wassertanks bei Körpertemperatur von der Außenwelt, dann werden sie in kurzer Zeit "durchdrehen".

    Das heißt: Der Mensch ist ohne seine Umwelt gar nicht denkbar. Er bildet mit seiner Umwelt ein quasikontinuierliches Gesamtsystem6nbsp;- ganz im Gegensatz zu Schrödingers Katze, einem Gedankenexperiment Erwin Schrödingers, das Schwächen der Kopenhagener Deutung der Quantenmechanik aufzeigen sollte. Das makroskopische Objekt "Katze" ist absurderweise in einem Überlagerungszustand von tot und lebendig, bis jemand die Kiste aufmacht und nachschaut. Schrödingers Katze ist aber ein gutes Beispiel dafür, was für ein Unsinn herauskommen kann, wenn man die Begrifflichkeiten einer Theorie nicht peinlich genau klärt. Hier zieht sich die traditionelle QM auf einen rein formalistischen Standpunkt zurück und verweigert sich einer ontologischen Begriffsklärung. Darauf hat schon Dieter Zeh in seinem Buch "Physik ohne Realität" hingewiesen. Eine mögliche Lösung der Widersprüche der QM Kopenhagener Prägung hat übrigens der von mir schon zitierte Hugh Everett III mit seiner universellen Wellenfunktion vorgeschlagen. Everetts wissenschaftliche Karriere wurde vom Bohr-Umfeld systematisch behindert. Sein Doktorvater Wheeler war ein begeisterter Bohr-Fan, weshalb Everett nur eine entschärfte Version seiner Dissertation einreichen durfte.

    Trotz Schrödingers Katze und Hugh Everett III wurde der Wellenkollaps-Unfug, dessen exakte mathematische Formulierung übrigens wesentlich von John von Neumann stammt, noch Jahrzehnte weiter gelehrt (auch mir wurde er in meinem Studium noch als Faktum vorgesetzt) und wird es bis heute, trotz zunehmendem Umdenken der Physikergemeinde. Viele Wissenschaftsjournalisten haben bis jetzt anscheinend noch nicht einmal verstanden, dass Schrödingers Katze ein Gedankenexperiment GEGEN die im gleichen Zug vorgetragene Kopenhagener Deutung ist. Sie wird in den Medien meist als Beleg dafür angeführt, wie "merkwürdig" und "schwer zu verstehen" die Quantenmechanik ist.

    Auch in Anlehnung an die systematischen Einwände von Everett (Einleitung in der Vollversion seiner Dissertation) untersucht man heute den Übergang von Quantenereignissen auf makroskopische Objekte. Max Tegmark beschreibt in seinem Buch "Our Mathematical Universe" quantenmechanische Erklärungsmodelle der Neuronenaktivität, die er in diesem Zusammenhang untersucht hat.

    Schon philosophisch ist der Begriff "freier Wille" extrem fragwürdig - man muss gar nicht die Naturwissenschaften bemühen. Was soll denn die Grundlage von menschlichen Entscheidungen sein? Ist man Vulkanier ;-), dann trifft man alle Entscheidungen "logisch" (also deterministisch). Daran ist nichts frei. Man könnte Entscheidungen auch zufällig treffen, nach einer beliebigen Wahrscheinlichkeitsverteilung. Das kann abhängig von der Verteilungsfunktion mehr oder weniger frei (= beliebig) sein, ist aber leider auch willensfrei. Man könnte auch an Fuzzy Logic denken, also eine Mischung zwischen Logik und Statistik. Oder die Entscheidung entsteht als Lösung eines Optimierungsproblems. Oder sie ist chaotisch6nbsp;- mit unterschiedlich Attraktoren, die abhängig von irgendwelchen Nachkommastellen angelaufen werden oder nicht.

    Fazit: Bei freien Willen könnte man das Prädikat "frei" noch halbwegs sinnvoll als statistischen Begriff verorten. Der Substantiv "Wille" ist jedoch nach wie vor nicht exakt definiert. Ich kenne ihn im Wesentlichen von Schopenhauer und Nietzsche. Ich empfehle auch hier die in meiner anderen Zuschrift schon genannte philosophisch-religiöse Begriffsmottenkiste.

  • Bitte erst informieren.

    01.09.2015, Gernot Kloss
    Dieser Artikel sollte dringend wissenschaftlich überarbeitet werden. Seine Aussagen beziehen sich ausschließlich auf die heute vorherrschenden Horizontalläufer - was nie erwähnt wurde - und führen bei den Lesern zu völlig falschen Rückschlüssen.

    Bei diesen Horizontalläufern ergibt sich durch das Drehen der Rotoren eine spiralförmige Restströmung, die aufgrund der hohen radialen Fliehkräfte zu Spiralen mit besonders großen Durchmessern führen. Dies ergibt sehr lange Strömungswege, auf der die Restströmung stark abgebremst wird, so dass für die dahinter stehenden WKA nur noch geringe Strömungskräfte verbleiben. Die Strömungswege bei Horizontalläufern können die fünf- bis sechsfache Länge einer linearen Strömung erreichen.

    Ganz andere Erfahrungen wurden mit Vertikalläufern gemacht. Deren Restströmungen fließen überwiegend in linearer Richtung. In Windparks konnte bei abwechselnd gegenläufigen Drehrichtungen die Gesamt-Energieausbeute dieser Windkraft-Anlagen sogar gesteigert werden. Dies und die Entwicklung neuartiger Flügel-Geometrien bei Vertikalläufern wird dafür sorgen, dass diese die Horizontalläufer in Zukunft immer mehr verdrängen werden.

    Mit der Nichterwähnung von Vertikalläufern wurde unbewusst suggeriert, dass Windkraftanlagen, besonders in Windparks, eine sehr bescheidene Energieausbeute haben und sich Zukunftsentwicklungen hierin nicht mehr auszahlen werden. Diese Meinung und die, dass es in Deutschland keine geeigneten Energiespeicher zur Problemlösung der Energiewende gibt, werden oft vertreten, sind aber Nonsens.

  • Wunschdenken

    01.09.2015, pp
    >>Dem stellte das Team die elektrische Energie gegenüber, die das Windkraftwerk in 20-jährigem Betrieb bereitstellt.<<

    Richtig wäre: ...bereit stellen könnte, wenn andauernd Sturm mit höchster zulässiger Windgeschwindigkeit weht!

    Der so entstehende Fehlerfaktor liegt bei 15 und darüber. Bei irdischen Windverhältnissen bringt ein Windrad seine Entstehungsenregie nach 12 bis 15 Jahren zurück, alles andere ist Augenwischerei.
  • Strahlungsabsorption durch Wasser - geologisch jüngere Gebiete strahlen weniger

    01.09.2015, Steffen Seidel
    Wie man in der oberen Karte gut sehen kann, ist die Strahlungsintensität in den Bereichen Schwarzes Meer, Nordsee/Irische See weitaus geringer, als in den umliegenden Gebieten, obwohl es sich definitiv um Gebiete mit kontinentalem Gestein und ohne Vulkanismus (vergl. Korsika und Sardinien) handelt. Im Bereich Nordsee/Irische See kann man auch feststellen, dass, je nach Wassertiefe, die Strahlungsintensität geringer wird, je tiefer das Wasser ist. Es ist also plausibler, anzunehmen, dass das Wasser die Strahlung abschirmt, als dass es in den Meeren fast keine Strahlung gäbe, wie es die Farbabstufung auf der Karte andeutet. Wobei die Bodenbeschaffenheit von Irland möglicherweise auf Boden ozeanischen Ursprungs deutet, denn (frühere) vulkanische Aktivität ist mir nicht bekannt.

    Die besonders auf der zweiten Karte auffälligen Land-Gebiete besonders niedriger Strahlungsaktivität (z.B. Südostasien, Mittelamerika) sind im wesentlichen Gebiete erdgeschichtlich jüngeren Entstehungsdatums durch vulkanisch/plattentektonische Aktivität. Details über die Entstehungsgeschichte der Antarktis und die vulkanischen Aktivitäten kenne ich nicht. Es lässt sich aber vermuten, dass der Eispanzer einen Teil der Strahlung absorbiert.

    Geologisch jüngere Gebiete geben offenbar weniger Strahlung ab. Das Wasser/der Eispanzer muss trotzdem einen erheblichen Teil der Strahlung absorbieren. Es gibt auf dem Meeresboden durchaus Gebiete kontinentalen Ursprungs, die sonst sichtbar wären. Wie es auch auf dem Land ehemaligen Meeresboden, entstanden in tiefen Meeresregionen gibt. Diese Gebiete müssten deutlich erkennbar sein, gäbe es keine Strahlungsabsorption.
    Antwort der Redaktion:
    Ich vermute ja eher, dass die Dicke der Kruste einen größeren Einfluss auf die Intensität der Strahlung in der Karte hat.

    Abschirmung durch Wasser kann jedenfalls schon mal keine Rolle spielen. Erstens weil wir über Antineutrinos reden, und zweitens, weil die Emissionen nicht von einem Satelliten aus gemessen wurden, sondern von unterirdischen Detektoren. In vielen Fällen durch den gesamten Erdkörper hindurch. Außerdem sieht man sehr wohl kontinentale Krustensplitter am Meeresboden, was auch im Artikel steht.
  • Antwort auf Schneefreundin

    01.09.2015, Peter Flamm
    Die Sache ist ohnehin undurchsichtig. "Erkältungsviren" gibt's nicht. Sind die Probanden etwa mit Grippeviren infiziert worden? Dann war das ein riskantes Experiment. Wir auch immer: 168 Versuchspersonen wurden zwei Monate lang beobachtet. Ist das Ergebnis signifikant? Wenn 167 Personen Kurzschläfer waren, wie das heute so üblich ist, und eine ein Langschläfer, erklärt sich das Ergebnis doch von selbst. Und was heißt "Kurzschläfer"? Es gibt definitiv Personen, die gar nicht länger als sechs Stunden schlafen können, selbst wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Und was ist mit dem anekdotisch jedenfalls wohlbekannten Phänomen, daß die Grippe immer am freien Tag ausbricht - wenn man endlich mal lang schlafen konnte? Da muß wohl noch viel geforscht werden.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Leser,

    Sie finden einige Antworten auf Ihre Spekulationen nicht nur in unserem Artikel, sondern auch in der Originalarbeit, die wir im ersten Absatz verlinkt haben.

    Mit freundlichen Grüßen
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de

  • Link falsch

    01.09.2015, Manfred Raida
    Link zum Paper dringend korrigieren der führt zu einem Sunscreen Paper
    Antwort der Redaktion:
    Seltsam. Vielen Dank.
  • Grammatik

    01.09.2015, Schneefreundin
    "Wer pro Nacht sechs Stunden oder weniger schlief, erkältete sich mehr als viermal so häufig als Langschläfer"

    als = wie? Sonst ist die Aussage nämlich eine etwas andere:

    * Vergleich derselben Person, wenn sie max. sechs Stunden schläft vs. wenn sie lang schläft
    * als Langschläfer erkältet sie sich mehr als viermal so häufig.

    Beste Grüße
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Leserin,

    gut beobachtet! Ich habe den Artikel daher nicht verändert ... ;-).


    Viele Grüße zurück
    Jan Osterkamp
  • Vertipper

    31.08.2015, A
    "eine Fehlkontruktion" -- genau wie dieses Wort ;-)
  • Sehr konstruierter Artikel.

    31.08.2015, Rumburak
    Auch wenn ich mir nur die Lippen von Mona Lisa anschaue, bekomme ich nicht den Eindruck, dass sie nicht lächelt.
    Die Lippen der hier abgebildeten Dame entgegen wirken nie lächelnd, auch nicht aus der Ferne.
  • Begrifflichkeiten

    31.08.2015, Reinhard Müller, Erlangen
    Die überwiegend skeptischen Kommentare lassen sich auch wie folgt darstellen: Woher wissen die Philosophen und Neurowissenschaftler, dass sie eine der Problemstellung angemessene Begrifflichkeit verwenden?
    Wieso sollen Begriffe wie "Geist", "freier Wille", das bewusst Gedachte bin "ich", die unbewussten Vorgänge sind das (fremde) Gehirn ..., hilfreich sein?
    Man denke an die alte Äthervorstellung der Physik. Schall breitet sich im Medium Luft aus, Licht breitet sich als Wellen des Äthers aus. Natürlich muss dann auch die Addition von Geschwindigkeiten gelten. Das Michelson-Moorley-Experiment zeigte: falsch! Insbesondere ist der Ätherbegriff untauglich.
    Dies einmal zur Kenntnis genommen, dauerte es nicht lange, bis Einstein mit unglaublicher Konsequenz die Faktenlage umsetzte und die erkenntnisreichste Theorie aller Zeiten schuf. Machen wir in der Neurowissenschft doch auch ein (Gedanken-)experiment und lassen wir jede Begrifflichkeit erst einmal weg: Ein Mensch sitzt in einer geschlossenen Kiste. Er hat einen Einbahnkommunikationsweg nach draußen, so dass wir seine "Entscheidungen" oder deren Ausbleiben registrieren können. Die Experimentatoren haben die Wahl, Umweltparameter von außerhalb der Kiste hinein zu übertragen oder dies zu lassen.
    Welchen Unterschied macht es dann, wenn einer solchen Entscheidung zum Beispeil synaptische Aktivitäten zeitlich vorausgingen, die dem Probanden nicht "bewusst" waren? Es gibt offenbar eine Entstehungsweise von Entscheidungen, die wir schlicht zur Kenntnis zu nehmen haben. Wir wissen nicht, ob vielleicht die verspätete Bewusstwerdung nur den Zweck hat, die womöglich chaotische (zufällige?*) Entstehung der Entscheidung dem ordnenden rationalen Großhirn vorzuenthalten. Nichts zwingt uns, den bewussten Teil der Entscheidung als ein Zeichen "freien Willens" und den vorbewussten Teil als biochemische Programmierung zu betrachten, die mit uns als "Person" nichts zu tun hat. - Nein, die ganze Entstehungsgeschichte der Entscheidung stammt von dem Menschen in der Kiste! Was bisher metaphorisch als "freier Wille" bezeichnet wurde, steckt das vielleicht in dem Begriff "zufällig"? Ich höre schon ganze Heerscharen aufschreien, Zufall wäre ja wieder kein "freier Wille". - Es sei jedoch der Hinweis erlaubt, dass obiges Kistenexperiment große Ähnlichkeit mit Schrödingers Katze hat. Bei aller Vieldeutigkeit der Quantenmechanik scheint jedoch eines sicher zu sein: E l e m e n t a r e Ereignisse sind im strengsten Sinn zufällig und bedürfen keiner Ursache. Erst das Zusammenspiel sehr vieler elementarer Ereignisse bringt Statistik ins Spiel und die kausalen Gesetze der klassischen Physik resultieren.
    Vielleicht dürfen wir interpretieren: Erst sehr viele chaotische neuronale Vorgänge überlagern sich zu einer Tendenz und erst die darf dann dem rationalen Gehirn präsentiert werden, das auf Anschaulichkeit und Vereinbarkeit mit unserer physikalischen Umwelt besteht.
  • Kein Aufstand der Maschinen

    31.08.2015, Günter Jantzen, Hannover
    Es ist sehr erfreulich, dass Michael Springers Einwurf, die Initiative der KI-Forscher, vor den Gefahren autonomer Waffen zu warnen, aufnimmt und verbreitet. Es gibt gute Gründe, vor einem Wettrüsten mit AI-Waffen zu warnen. Der offene Brief der KI-Forscher http://futureoflife.org/AI/open_letter_autonomous_weapons benennt einige davon. Beunruhigend ist, dass diese Waffen viel leichter und kostengünstiger herzustellen sind, als Nuklearwaffen und daher bald allgegenwärtig in den Händen von Terroristen und Warlords ihre destruktive Kraft entwickeln könnten.

    Nicht in dem offenen Brief genannt und für mich auch nicht so plausibel, ist das Gefahrenszenario, dass einleitend und motivierend in diesem Einwurf entwickelt wird. Die Sorge, dass Maschinen dem menschlichen Geist das Wasser reichen können, dass künstliche Intelligenz (KI) den Fähigkeiten unseres Denkens nahekommen wird, Ray Kurzweils antihumane Vision, einer "Singularität", bei der das menschliche Denken auf intelligente Maschinen übergehen wird.

    Michael Springer begründet diese Sorge damit, "dass unser Gehirn als Resultat der biologischen Evolution Bewusstsein entwickelt hat ... Sofern unser Denkvermögen aber das Ergebnis einer gewöhnlichen Anpassung durch Versuch und Irrtum über geologische Zeiträume hinweg ist, gibt es keinen prinzipiellen Grund, warum es mit zielgerichteter Forschung und Entwicklung nicht gelingen sollte, binnen einer historisch messbaren Zeitspanne Vergleichbares hervorzubringen."

    Die biologische Evolution ist die Milliarden Jahre alte Geschichte des Lebens auf unserem Planeten. Prinzipiell ist natürlich denkbar, dass Menschen diese "natürliche Zuchtwahl" in künstlicher Weise beschleunigt nachvollziehen und dass dabei Lebewesen mit Bewusstsein entstehen könnten.

    Das hat aber nichts mit KI-Systemen zu tun. Diese werden zwar gerne als "autonome Agenten" bezeichnet. Es sind aber Maschinen, die stumpf nach festgelegten Spezifikationen Programme ausführen. Sie fühlen und empfinden nichts. Wenn ihr Verhalten auf uns überraschend wirkt, dann spielt uns unser Einfühlungsvermögen einen Streich.

    In "Ego: Das Spiel des Lebens" beschreibt Frank Schirrmacher, wie im 18. Jahrhundert mechanische Automaten die Menschen erschütterten und neue Weltbilder formten. Verzückt blickten die Menschen auf Tänzerin und Flötenspieler und begannen zu glauben, sie seien nach dem gleichen Schema gestrickt. Mutig zerschlugen Weber, deren Arbeit nichts mehr galt, die mechanischen Webstühle und verloren ihren Kampf. Die Anmut der Tänzerin und die Schrecken der neuen Produktionsmaschinen waren real. Aber nicht die Maschinen waren lebendig, gut oder böse, oder in sonst einer Weise mit menschlichen Attributen beschreibbar, sondern der aufkommende Frühkapitalismus leitete eine neue Mechanik in den Beziehungen der Menschen ein.

    In einer vergleichbaren Situation befinden wir uns heute. Unsere Arbeits- und Lebenswelt wird mechanischer. Prozesse werden automatisiert, wir vermessen und optimieren uns. Start-ups, die Standards und Infrastrukturen unseres Zusammenlebens in Frage stellen, werden in Milliardenhöhe bewertet.

    Und wieder tauchen die alten Projektionen auf. Keine Tänzerin, aber ein Püppchen ist auf dem "Spektrum"-Titel "Künstliches Bewusstsein" zu sehen. Und Springers Einwurf beschwört den Aufstand der Maschinen: "Am Ende einer ungehemmten KI-Waffenevolution droht eine Art Skynet aus den 'Terminator'-Filmen: ein globales System autonomer Killermaschinen, für die jeder Mensch ein potenzielles Ziel darstellt."
    Es sind Püppchen, die Mama sagen können, aber nicht Mama meinen. Es sind Killermaschinen weil so programmiert, aber ohne eigenes Ziel und ohne eigenen Willen. Ich sehe nicht die Gefahr, dass die Maschinen sich verselbstständigen. Ich sehe die Gefahr, dass die Welt immer maschinengerechter wird. Dass wir Verantwortung abgeben, nicht an bewusste Kreaturen, sondern an stumpfe Automaten, die diese Verantwortung nicht im menschlichen Interesse wahrnehmen können; dass mit der Erosion der Infrastrukturen auch die Standards des menschlichen Zusammenlebens erschüttert werden. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Entfernen wir uns davon und nehmen die Maschinen als Maßstab, so werden wir selbst zu gefühllosen Püppchen und Monstern.
  • Das Imperium der Philosophen schlägt zurück

    31.08.2015, Wolfgang Klein, Wehrheim
    In letzter Zeit häufen sich Beiträge ähnlich dem von Eddy Nahmias in den Medien. Ich sehe darin den verzweifelten Versuch, einer im Untergang begriffenen Strömung der Geisteswissenschaften (vorübergehend) zu alter Bedeutung zu verhelfen. Manche der Vertreter, meist Philosophen, berufen sich dabei sogar auf die Logik.

    Speziell denke ich hier an Markus Gabriel ("jüngster Philosophieprofessor Deutschlands"), der kürzlich in "Planet Wissen" allerlei Unsinn zum Besten gegeben hat. Er argumentierte tatsächlich mit John Searles ("mein Freund John Searle") Chinesischem Zimmer, um anscheinend zu begründen, dass es keine künstliche Intelligenz geben kann. Dabei ist das Chinesische Zimmer kein Argument gegen die KI sondern nur gegen die klassische, regelbasierte KI. Praktisch jedes Argument von M. Gabriel konnte man so umdrehen, dass seine Argumentation ad absurdum zu führen war.

    Aber zurück zu E. Nahmias. Auf den drei Seiten des Artikels standen zwar jede Menge Argumente zur Verteidigung des freien Willens, aber keine einziger Definitionsversuch was freier Wille eigentlich sein soll. Der Autor formuliert hauptsächlich eigene überspitzte Behauptungen im Namen der Gegenpartei, die er danach widerlegt. So etwas nennt man Spiegelfechterei.

    In welchem Sinn könnte der Wille des Menschen "frei" sein? Zum einen gibt es die Idee des Dualismus, nach der es neben dem physikalischen Menschen noch einen davon getrennten Geist gibt, der das Handeln des Menschen bestimmt. Ich denke, man kann diese Vorstellung getrost wieder in der Mottenkiste mittelalterlicher Philosophie und Religion verschwinden lassen.

    Gehen wir einmal davon aus, dass ein Mensch Teil eines physikalischen Gesamtsystems ist. Dann wird seine Zeitentwicklung (sein Handeln) durch eine Reihe von Gleichungen bestimmt. Nach aktuellem Wissensstand handelt es sich um die Gleichungen der allgemeinen Relativitätstheorie beziehungsweise der Quantenfeldtheorie, die experimentell extrem gut bestätigt sind. Wenn man mutig und schlau ist, kann man auch die Gleichungen der (experimentell noch nicht überprüften/-baren) Stringtheorie oder Schleifenquantengravitation verwenden.

    Hierbei muss man beachten, dass die gängigen Quantentheorien NICHTDETERMINISTISCH sind. Liegt der "freie Wille" dann etwa im statistischen Charakter der Quantenwelt begründet? Wenn ja, dann ist der freie Wille nur der Zufall im Quantensystem.

    Es gibt auch zwei funktionierende DETERMINISTISCHE Quantentheorien von David Bohm und von Hugh Everett. Die von Everett gewinnt in letzter Zeit zunehmend Anhänger, beispielsweise Max Tegmark (dessen neuestes Buch ich allerdings eher durchschnittlich finde). Nimmt man in diesem Sinn an, dass sich die Welt, wie früher bei den klassischen Theorien, nach deterministischen Gleichungen entwickelt, dann gäbe es nicht einmal einen Kandidaten für den freien Willen, weil es dann keinen Zufall gibt.
  • Der freie Wille

    31.08.2015, Anne Reimerdes
    Da las ich kürzlich von dem Streit,
    ob Menschen Wille überhaupt
    tatsächlich frei und stets bereit
    zu ganz bewusstem Handeln sei.
    Laut Wissenschaft ward dies verneint,
    der Geist lenkt Mensch, bevor er kann.
    Aktivitäten im Gehirn fangen schon
    Sekunden vor dem Handeln an.
    Doch muss ich mich dagegen wehren.
    Mein Geist macht immer, was er will.
    Im Traum tobt er sich richtig aus.
    Den Körper kann er dann entbehren,
    und fühlt sich doch in ihm zuhaus'.
    Wird dann am Tag der Körper wichtig,
    muss handeln, seine Muskeln regen,
    ist es natürlich und auch richtig,
    dass wir vorab den Geist bewegen!
  • Regelmäßiges Fünfeck durch Papierfalten

    31.08.2015, Walter Weiss
    Ich vermisse den Hinweis darauf, dass sich beim normalen knitterfreien Knoten eines gleichmäßig breiten Papierstreifens ein reguläres Fünfeck ergibt – was die Origami-Papierfalter sicherlich benutzen, es kann ihnen nicht entgangen sein. Warum ergibt sich ausgerechnet ein reguläres Fünfeck?

    Antwort der Redaktion:

    Damit man aus einem Papierstreifen ein regelmäßiges Fünfeck knoten kann, muss dieser wesentlich länger als breit sein. Traditionell gehen die Origami-Spezialisten von einem quadratischen Blatt Papier aus. Das kann man nicht zum Fünfeck knoten; und wenn man es durch mehrfaches Zusammenfalten in einen mehrlagigen Streifen verwandelt, wird der Knoten hässlich (wenn er überhaupt funktioniert). Vielleicht hat deswegen die Sache mit dem Fünfeck keinen Eingang in die Theorie des Origami gefunden.

    Warum sich ausgerechnet ein reguläres Fünfeck ergibt? Ganz trivial ist das offensichtlich nicht. Albrecht Beutelspacher und Bernhard Petri brauchen dafür in ihrem Buch "Der goldene Schnitt" fast fünf (Taschenbuch-)Seiten (S. 39 – 44).

    Zu der Frage nach den durch Origami bzw. mit Zirkel und Lineal konstruierbaren Zahlen trägt das Streifenknoten nichts Neues bei; denn der Goldene Schnitt (und daraus das regelmäßige Fünfeck) ist ohne weiteres mit Zirkel und Lineal oder eben mit klasischem Origami konstruierbar.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Ein erster, wenn auch theoretischer Weg

    31.08.2015, Helge Albert, Königs Wusterhausen
    Prescott vermutet am Ende des Artikels, dass das Bewusstsein eine „emergente Eigenschaft eines geeignet konfigurierten Satzes von Selbstprozessen und kein gesondertes Element“ sei. Mit anderen Worten entsteht Selbstbewusstsein als höchste Form der Intelligenz bei einem hinreichend komplexen und komplizierten, sich in seinen einzelnen Modulen selbst organisierenden System. Selbstprozesse sind zum Beispiel das Zeitempfinden: Vergangenheit, Jetzt und Zukunft. Oder besonders ist zu nennen der Selbstprozess Kommunikation, welcher beginnend mit Gestik, über sehr differenziert gefühlsausdrückende Mimik bis hin zur komplexesten, kompliziertesten Form, nämlich der Sprache, um Zehnerpotenzen verfeinert ist. Beim Menschen lässt sich die hinreichende Komplexität und Kompliziertheit der Selbstprozesse am Beispiel Kind verstehen. Ein Kind zeigt Bewusstsein erst, wenn es diese Selbstprozesse aufgebaut und erlernt hat. Mit vielleicht anderthalb bis zwei Jahren beginnt sich das Selbstbewusstsein herauszubilden. Wenn später krankheitsbedingt beispielsweise bei der Demenz dann einzelne Selbstprozesse immer mehr eingeschränkt werden bis hin zum Verlust selbiger, verliert der erkrankte Mensch zunehmend das Selbstbewusstsein. Ich glaube fest daran, dass also ein Computer im Sinn eines komplexen, komplizierten Informationsverarbeitungssystems prinzipiell ein Bewusstsein entwickeln kann. Noch ist das menschliche Gehirn mit seiner Fähigkeit der Selbstorganisation (zum Beispiel dem Erlernen der Kommunikationsform Sprache), mit seiner massiv parallelen Verarbeitung (Kompliziertheit) und mit seiner Informationsbreite (Komplexität) dem heutigen Computer um Größenordnungen voraus. Die Synapse arbeitet nicht binär wie der heutige Computer, sondern feuert beziehungsweise leitet Information weiter über eine Bandbreite beginnend von null bis zum Maximum. Aber es sollte nur eine Frage der Zeit sein, bis die sich rasch entwickelnden Informationsverarbeitungssysteme in die Ebene der Bewusstseinsbildung aufgeschwungen haben. Das mag mindestens noch Jahrzehnte, eher noch Jahrhunderte dauern. Aber es ist eben nur eine Frage der Zeit. Diese Vorstellung hatte Marvin Minsky in seinem Artikel „Werden Roboter die Erde beherrschen?“ (SdW Spezial: Leben und Kosmos, 1994) auf seine Art beantwortet mit: „Ja, aber wir müssen diese Vision nicht fürchten; denn wir selbst werden diese Roboter sein.“ Er glaubt: „Am Ende wird es möglich sein, jedes Teil unseres Körpers und unseres Gehirns auszutauschen … Es versteht sich, dass wir uns dadurch in Maschinen verwandeln.“ Um die Billionen von Synapsen in unserem Gehirn in vernünftigen Zeiträumen durch adäquate technische Systeme zu ersetzen, schlägt er „sich selbst vermehrende Fabriken“ vor. Das ist doch schon mal ein erster, wenn auch theoretischer Weg.
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