Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Dunkler Kosmos - Dunkler Unsinn?

    12.09.2013, Rudolf Thilo, Niederwerrn
    Die schon viele Jahre lang anhaltende Diskussion um "Dunkle Materie" und "Dunkle Energie" verfolge ich mit zunehmender Erheiterung: Da gibt es etwas "Dunkles", das vermeintlich viel häufiger und insgesamt wichtiger erscheint, als alles das, was sich direkt beobachten und nachweisen lässt, aber ganz egal, wie raffiniert die Experimente auch ausgeklügelt werden, der Kram lässt sich einfach mit nichts nachweisen!

    Das erinnert mich an die Suche nach dem "Wärmestoff" bis vor einigen Jahrhunderten: Beim Verbrennen von Holz und Kohle oder auch dem Reiben der Hände sollte dieser freigesetzt werden, wodurch die wärmende Wirkung entstehe.

    Erst mit dem Bohren von Kanonenrohren (bei dem immense Hitze entsteht) und Nachwiegen von Kanone und Bohrabfall wurde ein Gewichtsverlust von genau Null bewiesen. Damit war klar, dass ein "Wärmestoff" als Quelle der Wärmewirkung nicht in Frage kommt, was die Sache aber noch rätselhafter machte, da es jetzt gar keine Erklärung für Wärme mehr gab. Es dauerte noch sehr lange, bis Herr Braun die nach ihm benannte Molekularbewegung entdeckte und so klar wurde, dass es sich bei Wärme um Materieschwingungen handelt.

    Meine dreiste Behauptung ist, dass es weder Dunkle Materie noch Dunkle Energie gibt, sondern dass das Bekannte und Sichtbare alles Kosmische korrekt erklärt, wenn man nur den richtigen Blickwinkel hat. Entweder gilt es ein ganz grundlegendes physikalisches Phänomen neu zu verstehen (so, wie einst die Molekularbewegung), oder aber unser Sonnensystem befindet sich ganz trivial nicht an einem durchschnittlichen Platz in unserer Galaxis und im Universum, so dass unser irdischer "Blickwinkel" ein ganz ausgefallener ist, der unsere Beobachtungen verzerrt.

    Ganz persönlich bin ich fest davon überzeugt: Es gibt keine Dunkle Energie und keine Dunkle Materie, genauso wenig, wie die "Dunkle Seite der Macht" aus Starwars ;-)
  • Kein Ideenklau, aber schwer wiegende handwerkliche Mängel

    12.09.2013, Eduard Kirschmann, Hannover
    Das oben erwähnte "Zeitalter der Werfer" stammt von mir. Ich kam 1999 ebenso wie nun die Arbeitsgruppe um Roach zu dem Ergebnis, dass die körperlichen Anpassungen an das Werfen mit dem Übergang zum Homo erectus ihren Abschluss fanden. In diesem Kontext hätte er mich zitieren müssen (das Gleiche gilt für Richard W. Young), hier ein Zitat aus der englischen Übersetzung meiner Arbeit, die online verfügbar ist und in Zeiten von Google schwerlich zu übersehen, wenn man entsprechende Suchbegriffe eingibt:

    “The adaptations of the physique for throwing were completed with the transition to Homo erectus. In connection with the final transition to pure errestriality, the physical proportions of the hominids of this developmental line changed drastically once more. These changes should not be seen solely as aspects of a now compromise-free adaptation to bipedality, even if Homo erectus was probably our first purely ground-living ancestor and could therefore do without adaptations to climbing. With Homo erectus, the legs got longer and heavier and the upper body at the same time became more gracile; thus, the body’s center of gravity migrated lower. First through the new distribution of mass that resulted was the effective use of the windup made possible, which is characteristic of the human high-performance throw and which we can observe today, e.g., in javelin. The barrel shape of the human thorax is to be seen in the context that a thrower needs broad shoulders as levers for the rotation of the upper body around its long axis. At the same time, the upper body should counter this rotation with the lowest inertial moment possible. For this reason, the form of the human male upper body emphasizes the shoulders so clearly. From the viewpoint of the throwing hypothesis, it is understandable that no other primate shows even close to such good physical proportions for this kind of throwing technique.”
    Eduard Kirschmann: The Age of Throwers, 1999.

    Zur Anatomie der Schulter schrieb ich 1999:
    “I presume additionally that the demands of throwing present a sufficient explanation for the changes in chest and shoulder anatomy in the course of hominid evolution. It remains, however, for a good anatomist to investigate this question and thus put the throwing hypothesis to the test.”

    Genau diesen Test hat die Arbeitsgruppe um Neil Roach durchgeführt und damit meine 13 Jahre alte Annahme bestätigt. Darin liegt ihr Verdienst, den ich keineswegs in Abrede stellen will.

    Bei der Frage, warum es im Verlauf der menschlichen Evolution zu deutlichen Anpassungen an das Werfen gekommen ist, fällt die Arbeitsgruppe aber deutlich hinter wissenschaftliche Standards zurück. Mein elaboriertes Modell von 1999 wird schlicht ignoriert, statt dessen gibt es eine ordentliche Portion Jägerlatein.

    Der Link im obigen Beitrag führt übrigens ins Leere. Die englische Übersetzung vom Zeitalter der Werfer findet man unter: http://armedapetheory.de/blog/?page_id=164


  • Am Problem vorbei argumentiert

    11.09.2013, Robert Orso
    Es wird bemängelt, dass die durch das EEG angestiegenen Stromkosten den Wirtschaftsstandort gefährden und zur Abwanderung der Energie hungrigen Industrie führt.

    Allerdings ist nicht die erneuerbare Energie "so teuer", sondern die klassischen Energieträger werden zu einem Preis auf den Markt geworfen, der den tatsächlichen Kosten bei weitem nicht entspricht.

    Die "billige" Kohle beschert uns eine Klimaerwärmung deren Folgekosten unabsehbar sind. Das "billige" Gas und Öl verhindert effiziente Investitionen in Energie sparende Maßnahmen und heizt dem Klima weiter ein. Die ach so geliebte und "Klima neutrale" Kernkraft ist ein finanzielles und ökologisches Desaster ersten Ranges. Die Kosten für Bau, Betrieb und Entsorgung sind um ein deutliches Höher als alles was während der Laufzeit an Einnahmen erwirtschaftet werden kann. Aber auch hier tragen die Kosten natürlich wieder andere und in der Betriebsbilanz werden sie nicht gegen gerechnet.

    Auf unserem Planeten gibt es nichts umsonst. Jede von der Sonne in den letzten 300 Millionen Jahren eingestrahlte Kilowattstunde kann in Form fossiler Brennstoffe nur ein einziges mal ausgegeben werden. Jeder Tag an dem ein Kernkraftwerk läuft erhöht den Berg an unvernichtbarem, extrem radioaktivem Material, das wir anschließend für die nächsten paar hundert tausend Jahre vor dem Zugriff von Menschen und der versehentlichen Freisetzung durch natürliche Ursachen bewahren müssen. Eine wahre und bislang weltweit ungelöste Herkules Aufgabe für die Politik, die gerade einmal bis zur nächsten Wahl denken kann.

    Die Menschen müssen endlich kapieren, dass Energie nur deshalb (scheinbar) so billig ist, weil wir davon auf Pump leben. Die ungestützten Kosten für erneuerbare Energie sind viel näher am ehrlichen Wert. Wenn bestimmte Waren und Dienstleistungen mit diesen Kosten teurer oder unfinanzierbar werden, ist das nicht ein Fehler der Energiepolitik, sondern die schlichte Tatsache, dass diese Dinge eben ökologisch nicht tragbar sind und daher ohnehin langfristig ersetzt oder abgeschafft werden müssen.

    Die Energiewende ist notwendig. Deutschland hat das begriffen und ist stark genug das durchzuziehen. Aber man muss den Leuten auch die Wahrheit sagen: Das wird nicht billig. Das kostet viel Geld. Aber die Vorteile am Ende sind das auch wert.

    Die Welt, betrieben mit erneuerbarer Energie, wird zweifellos eine andere sein als die jetzige und einige Dinosaurier werden auch dort keinen Platz mehr haben und beizeiten aussterben.

    Die Forderung, Energie primär dort zu speichern und zu verbrauchen wo sie anfällt, ist der richtige Ansatz. Kleinräumig strukturierte, möglichst autarke Zellen, in einem gemeinsamen Verbund - das ist die auf Dauer stabilste Struktur. Das gilt natürlich nicht nur für Strom, sondern für möglichst viele Produkte: Wasser, Müll, Lebensmittel, Dienstleistungen, Güter des täglichen Bedarfs.

    Dazu muss aber die heilige Kuh des "globalen freien Handels" endlich geschlachtet werden. Ein Prinzip dass ohnehin nur deshalb lukrativ ist, weil es immer noch Flecken auf der Erde gibt, in denen Sklavenarbeit den Händlern auch dann noch guten Profit beschert, wenn sie die Produkte am anderen Ende der Welt unter den dortigen (und ehrlichen) Herstellungskosten anbieten können.
  • Urknall

    11.09.2013, Maschinist
    Alle reden vom Urknall und alle reden von einem irreschweren "Erbsengroßen Materieklumpen" vor besagten Knall. Es wird aber mit keinem Wort erklärt, wer dieses erbsengroße Gebilde aus dem Säckel geschüttelt hat. Wäre mal interessant, was einem Astrophysiker dazu einfällt!
  • Bitte keine Lobby- und Politartikel auf Spektrum

    11.09.2013, Martin Rake
    Ich schätze Spektrum sehr als Zeitschrift mit inspirierenden Berichten aus vielen Themenbereichen der Wissenschaft. Aber müssen solche unfundierten Meinungsbeiträge wie die von Konrad Kleinknecht wirklich sein? Letztes Jahr wollte er die Kernkraft wiederhaben (http://www.spektrum.de/alias/energie/zehn-jahre-reichen-nicht-zum-umstieg/1146932) und jetzt sollen Wind- und Solarkraftwerke abgeschaltet werden, mitten im Wahlkampf haben solche tendenziösen Beiträge auch einfach ein Geschmäckle.
  • Kleine und große Mondwenden

    11.09.2013, Franz-Stephan Beyer
    Es ist darauf hinzuweisen, dass der Zyklus der Mondwenden zwischen kleinen und großen Mondwenden mit seinen 18,61 Jahren - also zirca 19 Jahren - physikalisch nicht identisch ist mit dem 19-jährigen Lunisolarzyklus (Meton-Zyklus). Letzterer ist zu beachten, wenn Sonnen- und Mondjahre bei einem Lunisolarkalender in Übereinstimmung gebracht werden müssen. Das wird in dem Artikel meiner Ansicht nach nicht deutlich genug unterschieden und kann zu Missverständnissen führen.
  • unmittelbar zum Beitrag von Herrn Dunst

    11.09.2013, Walter Weiss
    Das ist mir aus der Seele gesprochen! Und wenn ein Autor sich wie Her Kleinknecht als Physiker geriert, ist mir das nachgerade peinlich, denn gerade ein Naturwissenschaftler sollte allein von Fakten ausgehen und nicht - auch noch versteckt - Propaganda für wirtschaftliche Interessentengruppen machen.

    Genau wie die 'Rettungsaktionen' für die in Not geratenen Südstaaten nicht die Staaten, nicht ihre Bürger, sondern ihre Banken und deren Kunden - im wesentlichen: deutsche Banken und Versicherungen, sowie Großanleger - gerettet haben, und zwar zulasten der europäischen, insbesondere deutschen Steuerzahler, so soll auch auf dem Stromsektor eine weitere gewaltige Umverteilung von Vermögen von unten nach oben stattfinden.

    Die Absichten unserer Regierung liegen für jeden, der sich um die Kenntnis der Einzelheiten bemüht, auf der Hand - hoffentlich wachen die Oppositionsparteien (die bisher die meisten Steilpässe verschlafen haben) jetzt 5 Minuten vor der Wahl doch noch aus ihrem Phlegma auf und zeigen den Wählern, wo es langgehen sollte!

  • Sehr einseitiger Kommentar. Wahlkampf?

    11.09.2013, Alex. Lokowandt
    Wie Sie Herr Lingenhöhl, bei einem so einseitigen Kommentar auf eine sachliche Diskussion hoffen können, ist mir schleierhaft. Was Herr Kleinknecht als "Lösung" vorschlägt, ist eine Verhinderung der Energiewende - nicht ihre Rettung. Warum sich ein Teilchenphysiker berufen fühlt, die Halbwahrheiten der großen Energiekonzerne in diesem Forum wiederzukäuen ist mir nicht klar. Ich kann es mir nur mit dem laufenden Wahlkampf erklären.

    Jede einzelne Aussage zu widerlegen, würde zu weit führen. Aber das Ziel der Energiewende ist auch, die überkommenen Strukturen und Denkmuster hinter uns zu lassen, was Herr Kleinknecht nicht gelingt. Den Energiekonzernen kann ich das nicht vorwerfen, für sie bedeutet ein Erfolg der Energiewende einen vollständigen Umbau des Kerngeschäfts. Wenn aber ein Professor nicht in der Lage ist, auch die Motivation des Redners zu hinterfragen, stimmt mich das ärgerlich. Wie viele andere Parteien, die sich berufen fühlen bei diesem Thema mitzureden, lässt er in seinem Kommentar viele Fakten aus. Eine beliebte Art der Lüge. Das sollte eines Professors unwürdig sein.
    Warum ignoriert er (Bio-) Gasanlagen, die sehr gut EE ergänzen können?
    Warum erwähnt er nicht, dass die Nord-Süd Stromtrassen auch für die neuen küstennahen Kohlekraftwerke benötigt werden?
    In Baden-Württemberg und Bayern werden sehr viele Gaskraftwerke in Form von Kraft-Wärme-Kopplung gebaut, aber die Energiekonzerne weigern sich, diese in ihre Regelungssystem zu integrieren. Neue Kohlekraftwerke zu bauen, damit die Gaskraftwerke stillstehen, ist unsinnig.

    Die Energiewende hat Probleme. Als Diplom-Informatiker bin ich mir aber sicher, dass diese lösbar sind. Sie werden aber nicht von den Energiekonzernen oder ihren Lobbyisten in der Wissenschaft gelöst, sondern von Bürgern und kleinen Unternehmen, wenn der Gesetzgeber sie nicht daran hindert.

  • Was soll diese Konzern-Propaganda....?

    11.09.2013, Oliver Dunst
    .... auf einer Internetseite, die für Wissenschaftlichkeit und Objektivität steht?

    Statt der Gefahr der herannahenden Klimakatastrophe, mit ihren verheerenden Naturkatastrophen, STürmen, Dürren und der Überschwemmung ganzer Länder (um nur einiges zu nennen) zu begegnen, gibt es immer noch Menschen, die sich mehr um die "Wirtschaftlichkeit" ihrer Kraftwerke sorgen machen als um die Existenz der Menschheit! Denn die Kosten dieser gewaltigen Zerstörungen werden sie nicht tragen müssen. Ebensowenig die Folgekosten von Uranabbau und Atommülllagerung. Die Atomenergie wurde seit Bestehen vom dt. STaat mit hunderten Milliarden subventioniert.

    Für wen arbeitet Herr Kleinknecht eigentlich? Ist ihm nicht bekannt, dass die Strompreise durch den exorbitanten Anstieg der Strommenge durch die aufstrebenden regenerativen Energien an den Börsen eklatant gefallen sind? Und dass die EEG-Umlage somit nichts weiter ist, als die Subventionierung alter Kraftwerke der Atom- und Kohleverstromung, die längst abgeschaltet gehören? Warum redet er vom Notstand wenn in Deutschland die doppelte Menge Strom produziert wird, die eigentlich gebraucht wird?

    Tatsache ist: die Energiewende geht den STromkonzernen und ihrer Regierung viel zu schnell. Deswegen tun sie längst das, was Herr Kleinknecht fordert: Systematisch wird die Solarbranche durch die Streichung der Subventionen in Deutschland in den BAnkrott getrieben. Die Zerstörung von Produktionskapazitäten, die dringend für eine Energiewende gebraucht werden. Hätten die politsich Verantwortlichen nur einen kleinen Bruchteil dessen für den Umbau und die Entwicklung von Speicherkapazitäten investiert, wie sie während der Krisenjahre in die Banken gebuttert hätten, so könnten wir in 10 Jahren komplett auf Kohle und Atom verzichten.

    Es handelt sich also im wesentlichen um eine Frage des politischen Willens und nicht um eine der technischen Umsetzbarkeit, die Herr Kleinknecht uns gerne weißmachen möchte.

  • erschreckend einseitig!

    11.09.2013, Walter Weiss
    Der Autor blendet - für jeden ersichtlich, der sich umfassend auf diesem Gebiet informiert, was nicht leicht ist, da die Medien höchst mangelhaft unterrichten - ganz wesentliche Umstände kurzerhand aus. Ich kann mir schlecht vorstellen, das das nicht bewußt geschehen ist (und so distanziert sich die Redaktion auch so deutlich wie selten von dem Artikel). Die Fakten sind einigermaßen kompliziert, aber nicht unverständlich - die wesentlichen fasse ich zusammen:

    (1) Anders als die staatlichen Zahlungen für die Atomindustrie, für die Steinkohle-Energie und für die Braunkohle-Energie (in jeder dieser drei Sparten - noch mit je offenem Ende nach oben - in einer Höhe, die bisher von der Unterstützung der regenerativen Energie längst nicht erreicht ist!) hat diese Subventionen nicht der (kleine) Stromkunde bezahlt, sondern der Staat, also die Gesamtheit aller Steuerzahler.

    Diese grundlegende krasse Ungerechtigkeit muß also beseitigt werden, und zwar durch ein entsprechendes Gesetz. Dabei müssen die sehr richtigen Einspeidevergütungen durchaus erhalten bleiben, denn immerhin hat die gesamte bisherige Energiewende allein Bürger-Initiative und Bürgergeld zuwegegebracht, und diese Resource darf auf keinen Fall zugeschüttet werden.

    (2) Die vier Stromlieferungs-Oligarchen, die den Markt im wesentlichen unter sich ausmachen, bilden ein typisches Gesamtmonopol - das entweder über die ersichtlich sehr zögerliche Behörde oder eben auch durch Gesetz entschärft werden muß. Der Bürger ist in dem Grundbedürfnis, bezahlbaren Strom beziehen zu können, zu schützen. Etwa durch die Verordnung von Höchstbeträgen, die absolut oder an Strommarktpreisen orientiert festgesetzt werden könnten. Den Oligarchen geschähe kein Unrecht, denn sie könnten immer noch satt verdienen, da sie es bisher unterlassn, die sehr günstigen Strommarktpreise (zu gewissen Zeiten gibt es dort Strom umsonst) an den kleinen Verbraucher weiterzugeben. Und von wegen Dirigismus: wir haben schließlich eine SOZIALE Marktwirtschaft.

    (3) Wenn es der Staat nach derartigen Regelungen für richtig (und vor allem nach Europa-Recht überhaupt zulässig) halten sollte, gewisse industrielle Großverbaucher durch spezielle Subventionen zu unterstützen, mag er das tun - nur eben nicht zulasten der Kleinverbaucher (wie bisher).

    (4) Die Energiewende muß DEZENTRAL (wie schon an vielen Stellen in Deutschland mit Erfolg und völliger Eigenversorgung praktiziert) gestaltet werden. Weder sind die heillos überteuerten Offshor-Windräder erforderlich (wer sie gleichwohl bauen möchte, und das sind wieder die oben genannten vier Oligarchen im wesentlichen), mag das tun, aber auf eigenes Risiko, nicht vom Staat gefördert und erst recht nicht vom kleinen Stromkunden bezahlt. - Riesige Höchststromleitungen quer durch Deutschland sind für die Energiewende, wie Untersuchungen zeigen, gänzlich kontraproduktiv und dienen allein dazu, den völlig verzichtbaren Strom aus Steinkohle- und Braunkohle-Kraftwerken quer durch Deutschland und ins Ausland zu leiten, d.h. auch wieder den vier Oligarchen zu dienen - die es in den letzten 50 (!) Jahren unterlassen haben, ihre örtlichen Netze zu pflegen. Wenn es zu Stromengpässen bei dezentraler Versorgung kommen sollte, dann alein deswegen, weil diese örtlichen Netze marode geworden sind.

    (5) Gerade bei der allein richtigen - billigen und sozialen - dezentralen Stromerzeugung und -Versorgung, die keinerlei Lücken zuläßt, ist der Einsatz kleiner und preiswerter Speichereinheiten erforderlich. Auch die bisher bekannten (von Akkus bis zu Maschinen zur Wasserstoff- und Methan-Herstellung aus Spitzenstrom) sind dazu generell geeignet, wie zahlreiche Beispiele zeigen - es sollten aber aus der Forschung (die vom Staat überhaupt nicht unterstützt wird, in den Medien wird gerade dieser Gesichtspunkt meist totgeschwiegen) bald billige, kleine und nachhaltig herstellbare Speichereinheiten zur Verfügung gestellt werden können.

    Ich empfehle im übrigen die Lektüre des Buches von Matthias Willenbacher 'Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin' (154 Seiten, ISBN-13: 978-3451309267) und den Artikel 'Stromkonzerne in sieben Jahren versenken' in der ENERGIEDEPESCHE 3-2013, mit dem Louis-F. Stahl dieses Buch vorstellt. Der Untertitel des Artikels lautet: 'Matthias Willenbacher wagt den Frontalangriff: Bis 2020 können 100% des Stroms aus erneuerbaren Energien kommen - er sagt auch, wie das geht. Und er weiß, wovon er redet. Denn er baut selbst Solar- und Windparks...'

    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Weiss,

    der Satz, dass die Meinung des Autors nicht unbedingt die der Redaktion wiedergibt, steht unter jedem unserer Kommentare. Es handelt sich also definitiv nicht um eine singuläre "Distanzierung".

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de
  • "Effizienz auf Null reduziert"?

    11.09.2013, Marcus Gröber
    Die folgende Formulierung in diesem (ansonsten lesenwerten) Artikel finde ich etwas unpräzise: "Die hohe Effizienz dieser [Kohle- und Gas-] Kraftwerke wird so schlagartig auf Null reduziert, was sicher kein Beitrag zur effizienten Nutzung der Ressourcen darstellt."

    Ist das streng naturwissenschaftlich korrekt? Effizienz ist sowas wie "Output/Input", also erzeugte Energie pro Einheit eingesetzter Ressourcen. Wenn ich ein Kraftwerk abschalte, verbrauche ich weder Gas, noch erzeuge ich Energie. Der Begriff Effizienz verliert also irgendwie seine Bedeutung - eine begrenzte Ressource gar nicht zu nutzen, ist doch höchstens noch "effizienter", als es nur mit einem guten Wirkungsgrad zu tun.

    Dann doch lieber das zweite Argument, dass der wirtschaftliche Betrieb solcher noch unverzichtbaren Kraftwerke unter einem derartigen Modell teilweise nicht mehr möglich ist. Und vermutlich kommen noch gewisse Effizienzverluste durch das Herunter- und Wiederanfahren dazu, aber das wird wohl stark vom Kraftwerkstyp abhängen.

    Trotz aller Schwierigkeiten denke ich allerdings auch immer mal wieder an das Zitat von JFK über das Apollo-Programm: "We choose to go to the moon in this decade and do the other things, not because they are easy, but because they are hard, because that goal will serve to organize and measure the best of our energies and skills [...]"

    Vielleicht ist die Energiewende auch so ein Ziel.
  • Speicherlösungen - was geht, was geht nicht?

    11.09.2013, J. Heins
    Sie sprechen von der effizienten Speicherung in Pumpspeicherkraftwerken. Könnte man hier nicht auch die vielen alten Wassertürme reaktivieren, die derzeit oft in "Wohneinheiten" umfunktioniert werden, der aber aufgrund der demographischen Entwicklung immer seltener in den Städten nachgefragt wird? Wäre es ggf. auch sinnvoll, Windparks und Solarfarmen mit solchen "neuen Wassertürmen" auszustatten? Motto: Viele kleine machen einen großen See - dezentrale Lösung. Falls es wirklich so effizient ist, wie von Ihnen dargestellt - immerhin eine Technologie, die wir mittlerweile beherrschen. Für Windparks auf See könnte ich mir zudem Schwimmkörper vorstellen, die mit Überschussenergie unter Wasser gedrückt würden - über den Auftrieb könnte man die Energie wieder zurückgewinnen. Auch eine rein mechanische Lösung - die aber sicherlich eine gute Bodenverankerung benötigt. Wo werden denn Lösungen dieser Art besprochen? Ich denke, dass viele Betreiber von Solaranlagen oder Windparks gerne die Lösungen um eine lokale Speicherung erweitern würden, um eine stabile Dienstleistung zu bieten - aber wenn die Technologien nicht verfolgt und geschaffen werden, nützt eine Forderung nach Verpflichtung nicht viel. Das finde ich leider ein bisschen dünn, für die im Teaser versprochenen Lösungungsvorschläge ...
  • Ich sehe die Energiewende nicht so negativ und als Bedrohung

    11.09.2013, Oliver Mayer
    Sehr geehrter Herr Kleinknecht,
    die Einschätzung, die Sie darstellen empfide ich als wenig negativ: Man hat mit der Einführung des EEG einen anderen Weg probiert, eine neue Technologie einzuführen (was ja auch geglückt ist) und stellt nun fest (zu spät), dass man an dieser Entwicklung hätte weiterarbeiten müssen. Das ist versäumt worden. Das heutige Merit-Order-Modell funktioniert für die Erneuerbaren Energien eben nicht richtig. Die Frage ist: sollen die Erneuerbaren dann wieder verschwinden oder gehe ich die Aufgabe an, dieses Problem zu lösen und zu korrigieren. Ich bin für den zweiten Weg.
    Die Energiewende hat für mich zwei Gesichter: ein technisches, dass die Umstellung auf eine dezentrale Struktur zeigt, aber lösbar ist und ein politisch/wirtschaftliches Gesicht bei dem es um Märkte, wirtschaftliche Macht, Arbeitsplätze und Beharrlichkeiten geht. Das zweite Gesicht ist die eigentliche Baustelle. Als seinerzeit von der Dampflokomitive auf die Elektrolok umgestellt wurde, ist auf der E-Lok noch lange Zeit ein Heizer mitgefahren. Heute lachen wir darüber und machen bei der Energiewende den gleichen Fehler.
    Die Energiewende kostet Geld und nicht zu knapp. Sie ist eine Investition in die Zukunft und wird sich rechnen. Meiner Ansicht nach ist Nichts-Tun langfristig wesentlich teurer.
  • Endlich mal klare Worte

    11.09.2013, Gilbert Brands
    Im Politikjargon heißen "handverlesene Mitglieder überwiegend aus Theologen, Soziologen, Philosophen, Risikoforscher, Juristen und Politiker, aber ohne Experten für Energieversorgung oder die volkswirtschaftlichen Folgen" auch kürzer "anerkannte Wissenschaftler", um sie von "Fachwissenschaftlern" zu unterscheiden, die meist nicht öffentlich zu Wort kommen oder von vornherein schweigen, um ihre Forschungsgelder nicht zu gefährden. Es wäre wünschenswert, wenn in den Medien für die breite Masse häufiger auch einmal diese Ansichten zu lesen wären.
  • Die Speicherung macht keinen Sinn!

    11.09.2013, B. Neelen
    Bei Ihren Ausführungen haben sie nicht erwähnt das der gespeicherte
    Wind-/Solarstrom bei Lieferung quasi ein zweites Mal bezahlt wird. Der Verbraucher bezahlt den "Windmüller" und noch einmal den "Pumpmüller" für den exakt gleichen Strom.

    Wie soll da das Stromspeichern mit doppelten Kosten noch einen Sinn machen, wenn man ihn viel billiger bedarfsgerecht erzeugen kann?