Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Kurzschluss

    04.04.2017, Pollo Asado
    Warum stellen Kernkraftbefürworter den geschlossenen oder zu schließenden Kernkraftwerken als Ersatz nur die veralteten Kohlekraftwerke gegenüber? Dass die auch nicht "gesund" sind, weiß man im 21. Jahrhundert doch schließlich schon längst. Es gibt - hallo! - mittlerweile bessere, ausgereifte und dennoch sogar steigerungsfähige Alternativen.
  • Forschung um den heißen Brei

    04.04.2017, Katharina Voss
    Es ist erfreulich, wenn wenigstens in einigen Ländern der Welt Forschungsanstrengungen unternommen werden, um die Krankheitsmechanismen des Chronic Fatigue Syndroms, besser gesagt der Myalgischen Enzephalomyelitis, zu entschlüsseln. Man sollte dabei aber nicht vergessen zu erwähnen, dass Ron Davis` Forschung von den Patienten und ihren Angehörigen finanziert wird, nicht aber, wie man es erwarten können sollte, von den NIH.

    Bedauerlich ist allerdings, dass nun seit Jahren um den heißen Brei herum geforscht wird. Leider beschäftigen Forscher wie Davis sich nicht mit der Historie der Krankheit. Deshalb entgeht ihnen auch ihr infektiöser Charakter, der durch die zahlreichen dokumentierten Epidemien und Cluster beglaubigt wird. Derzeit wird ausschließlich an den molekularen und metabolischen Anomalien herumgepuzzelt, in der Überzeugung, hier die Ursache für die Krankheit finden zu können. Aber angesichts der horizontalen Übertragbarkeit und des komplexen Krankheitsbildes ist es viel plausibler, die metabolischen Anomalien als eine der Folgen eines infektiösen Geschehens zu betrachten.

    Doch es hat offenbar auch durchaus positive Aspekte, so ins Blaue hineinzuforschen, wie Ron Davis es tut. Denn dabei ist er auf eine interessante Entdeckung gestoßen: Wenn das Blutserum von Gesunden auf die Zellen von Erkrankten trifft, sehen die Zellen plötzlich gesund aus. Wenn aber das Serum Erkrankter zu gesunden Zellen gegeben wird, dann zeigen diese die gleichen krankhaften Veränderungen wie die Zellen von „CFS“-Patienten. [1] Diese Versuche weisen auf einen symptomauslösenden, krankmachenden Stoff (oder ein Pathogen?) im Serum der Erkrankten hin.

    Nun erhebt sich mit Fug und Recht die Frage, was das für die Blutbanken heißen könnte, sollte sich Davis` Entdeckung durch weitere Untersuchungen bestätigen lassen. Bereits 1999 wurden auf einer Konferenz in Syndney nachdenklich stimmende Daten einer Klinik der Vrije Universiteit Brussel vorgestellt. [2] Bei 34 (4,5%) von 752 ME/"CFS"-Patienten brach wenige Tage bis zu einer Woche nach einer Bluttransfusion eine grippeähnliche Erkrankung aus, die den Beginn ihrer ME/"CFS"-Erkrankung markierte. Die temporäre Verknüpfung der Krankheit mit einer Bluttransfusion spricht für die Übertragung eines pathogenen Erregers via Blutkonserve.

    Obwohl Ron Davis also ein entschiedener Gegner der Infektionshypothese ist, [3] die ME/"CFS" als infektiöse, übertragbare Krankheit beschreibt und latente und reaktivierte bzw. persistierende niedriggradige Infektionen für das chronische Krankheitsgeschehen verantwortlich macht, scheint seine Forschung nunmehr indirekt diese Hypothese zu bestätigen. Womöglich ist ihm noch gar nicht bewusst, auf welchem Glatteis er sich bewegt.

    Denn die Infektionshypothese hat schon einige Wissenschaftler aus der Kurve getragen, weil Forschung in dieser Richtung spätestens seit der Lake Tahoe-Epidemie von 1984 politisch unerwünscht ist. Jüngstes Opfer dieser Politik ist Judy Mikovits, leitende Autorin der XMRV-Studie von 2009. Sie und ihre Mitautoren hatten im Blut von 67% ihrer ME-kranken Probanden ein Retrovirus gefunden, das sie als XMRV bezeichneten. Sie gingen damals davon aus, dass es weitgehend identisch mit dem von Robert Silverman und Joseph De Risi „entdeckten“ XMRV sei, die es 2006 – fälschlich – mit der Entstehung von Prostatakrebs in Zusammenhang gebracht hatten. Tatsächlich aber hatte Mikovits nicht das von Silverman und De Risi als XMRV bezeichnete Retrovirus gefunden, sondern Sequenzen eines Humanen Gammaretrovirus, das dem Silverman-XMRV nur ähnlich ist. [4]

    Das Silverman-XMRV stellte sich später als Artefakt, als künstlich im Labor erzeugtes Virus heraus. Als Silverman, Coautor der XMRV-Studie von 2009, Mikovits Patientenproben sequenzierte, wurden sie mit seinem XMRV-VP62-Plasmid, das als Kontrollstandard eingesetzt wurde, kontaminiert. So wurde ein Teil der Studienergebnisse verfälscht, nämlich Silvermans Beitrag zur Studie. Das führte jedoch dazu, dass die gesamte Studie 2011 von Science widerrufen wurde und Mikovits wissenschaftliche Karriere ruiniert wurde.

    Auch der hier im Artikel erwähnte Ian Lipkin trug zur Demontage von Judy Mikovits Forschung bei. Denn seine Multi-Center-Studie, die ein für alle Mal abklären sollte, ob es eine Verbindung von XMRV und/oder pMLV (polytropic murine leukemia virus) mit ME/“CFS“ gibt, hatte nur das bestätigt, was längst bekannt war: dass es sich bei dem Silverman-XMRV um eine Laborkontamination handelt, und dass dieses Virus in der Tat nicht im Blut von Menschen zu finden ist. Lipkin hatte nämlich nur nach einem gattungsmäßigen pMLV und dem XMRV VP62, der Kontamination aus Robert Silvermans Labor, gesucht, also quasi unter der Laterne. [5]

    Dabei hatte Lipkin 2013 selbst von Hinweisen auf Retroviren berichtet, die er bei 85% seiner Untersuchungsproben von einer ME-Patientenkohorte gefunden hatte. [6] Für seinen Einsatz beim Zu-Grabe-tragen der XMRV-Forschung wurde er jedoch 2014 von den NIH mit einem Zuschuss von 31 Millionen Dollar „belohnt“.

    Von den NIH darf man sich also nichts erwarten. So beginnt auch die neu gestartete NIH-Studie – eine, wie Studienleiter Avindra Nath hier im Artikel zitiert wird, „Hypothesen bildende Untersuchung“ – ihrem Studiendesign und der fragwürdigen Patientenauswahl nach zu urteilen im Niemandsland und wird mutmaßlich auch da enden. (Eine ausführliche Analyse zu der Studie ist auf meinem Blog zu lesen.) [7]

    Man darf aber äußerst gespannt sein, in welche Richtung sich Ron Davis weitere Forschung enwickelt. Mut macht jedenfalls sein Sinneswandel in Bezug auf Behandlungsoptionen. Hatte er vor nicht allzu langer Zeit noch hauptsächlich Nahrungsergänzungsmittel als Therapeutika in Erwägung gezogen, spricht er inzwischen davon, dass ein Nährstoffcocktail wohl keine kurativen Effekte haben wird (was auch den Patientenerfahrungen entspricht), sondern ein richtiges Arzneimittel, womöglich eines, das man nicht als Option auf dem Schirm hat.

    Und forscht er wirklich, wie behauptet, ohne Hypothese und ergebnisoffen, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einige seiner derzeitigen Mutmaßungen bezüglich der Krankheit über Bord werfen müssen und etliche – für ihn und viele andere – neue Erkenntnisse dazugewinnen. Denn das Wissen um die Myalgische Enzephalomyelitis ist nicht ganz so bescheiden, wie es gern, auch von Davis, immer wieder dargestellt wird. Schon bei den frühen Epidemien wurden Übertragungswege, Pathomechanismen und Krankheitsbild sorgfältig dokumentiert. Man muss die alten Forschungsarbeiten nur lesen …


    1 http://www.meaction.net/wp-content/uploads/2015/05/Ron-Davis-Transcript.pdf.
    2 https://web.archive.org/web/20140213014427/http://www.mecfs-vic.org.au/sites/www.mecfs-vic.org.au/files/Article-1999deMeirleir-Blood.pdf. https://web.archive.org/web/20160309042951/http://sdnl.nl/syndrome.htm#Blood3 http://www.openmedicinefoundation.org/2016/08/30/mecfs-ground-breaking-metabolomics-results-by-ronald-w-davis-phd/.
    4 Heckenlively, Kent; Mikovits, Judy "Plague: One Scientist's Intrepid Search for the Truth about Human Retroviruses and Chronic Fatigue Syndrome, Autism, and Other Diseases", Skyhorse Publishing 2014.
    5 Lipkin, W. Ian et al. „A Multicenter Blinded Analysis Indicates No Association between Chronic Fatigue Syndrome/Myalgic Encephalomyelitis and either Xenotropic Murine Leukemia Virus-Related Virus or Polytropic Murine Leukemia Virus“, mBio. 2012,
    http://mbio.asm.org/content/3/5/e00266-12.full.
    6 „We also found retroviruses in 85% of the sample pools.“ Ian Lipkin, zitiert in Fleming, Russel „Transcript: Ian Lipkin – CDC Telephone Broadcast Conference 10 September 2013“,
    https://docs.google.com/file/d/0B-NT-7M70igudmZVSVJUTnZVclU/edit?pli=1.
    7 http://meversuscfs.blogspot.de/2016/03/they-hate-you.html.
  • Kohlekraftwerke schaden

    04.04.2017, Raimund Kamm
    Nicht die Stilllegung von Atomkraftwerken sondern die schlechte Alternative schadet. Dass der Feinstaub und die Abgase von Kohlekraftwerken - besonders von alten mit schlechterer Abgasreinigung - die Menschen in der Nachbarschaft schädigt, ist seit langem bekannt. Diese Kohlekraftwerke emittieren über die Kamine u.a. auch Quecksilber und Uran.
    Die Alternative sind PV und Windkraft, die erheblich sauberer den Strom erzeugen. Und die zusammen mit anderen Erneuerbaren Energien, Lastmanagement und Verbund auch die Stromversorgung garantieren können.
    Raimund Kamm
  • Die Ethik der Ausgrenzung

    04.04.2017, M. Kuehnapfel
    Ehrlich gesagt: Ich verstehe diese ganze "ethisch essen" Kampagne nicht. Sind den Pflanzen keine Lebewesen? Haben sie nicht einen genauso langen evolutiven Weg hinter sich wie die Tiere? Klar, sie sind uns total fremd mit ihrer Fähigkeit, Licht zu essen und chemisch zu kommunizieren. Aber mir sind Menschen wie Precht und andere, die propagieren, uns fremdes Leben könne bedenkenlos vernichtet werden, echt suspekt.
    Klar, die PR Maschine läuft, vegane Produkte sind der Renner zu Zeit, aber mit Ethik und Umweltschutz hat das alles wenig zu tun.
    Wie sieht es eigentlich mit er Energiebilanz der Nahrungsaufnahme aus bei pflanzlicher und tierischer Ernährung? Es gibt zwar einiges an Studien, die allerdings nur den physikalischen Brennwert zu Grunde legen. Gibt es da auch seriöse Untersuchungen?
  • Fleisch aus der Retorte

    04.04.2017, L. Simon
    wäre sicherlich eine gute Alternative für all jene die weiterhin Fleisch konsumieren möchte, bedarf aber noch intensiver Forschung was den Geschmack betrifft.
    Hier gibt es übrigens eine gute Zusammenfassung was Gesundheitsvorteile bei vegetarischer Lebensweise bzw. Krebsrisiko Fleisch betrifft: http://www.medizin-transparent.at/vegetarier-gesuender-ohne-fleisch
  • ungeeignet für Leben

    03.04.2017, Robert Orso
    Wir tun so, als ob wir die geringste Ahnung hätten, unter welchen Widrigkeiten sich Leben entwickeln kann oder nicht. Wir kennen im Universum genau einen Fall - unseren. Das muss nicht zwangsläufig relevant sein. Mag sein, dass wir dort nicht überleben könnten, oder andere Lebensformen, die sich auf unserem Planeten entwickelt haben. Das müssen sie aber auch nicht.
  • Falls es jemand sucht:

    03.04.2017, J. G. Brecht
    Der Fluß heißt Aach, nicht Ach. Und das Städtlein neben der Aachquelle heißt logischerweise auch Aach...
    Antwort der Redaktion:
    Danke für den Hinweis - ich habe den Fehler ausgebessert.

    Daniel Lingenhöhl
  • Henne und Ei

    03.04.2017, Harald Lieder
    Der Artikel macht dankenswert klar, dass Religionen (oder, fast synonym, auch Ideologien) nicht die Ursache unseres Wertesystems sind, sondern umgekehrt: unser evolutionär ausgeformtes So-Sein erfordert - rein biologisch - ein dazu passendes Wertesystem. Dieses wird von Religionen übernommen und mit einem gänzlich anderen Kausalzusammenhang versehen, i.a.W. Götter o.ä. sollen plötzlich der / die Stifter sein.

    Rekigionen bestehen allerdings nicht nur aus solcher Paraphrasierung evolutionär ohnehin notwendiger Wertesysteme. Da sie bei allen bekannten ursprünglichen menschlichen Gesellschaften auftreten, muss wohl mehr dahinterstecken. Religionswissenschaftliche Forschungen scheinen zu belegen, dass Gemeinschaften mit einer Religion evolutionäre Vorteile haben. Offenbar sind weitere typische Bestandteile von Religionen etwa die Stiftung einer Gruppenentität (etwa dergestalt, dass ein Stammesgott über "seine" Anhänger wache) und der Abgrenzungsmöglichkeiten gegenüber Angehörigen konkurrierender Gruppen der gleichen Spezies. M.a.W. Religionen sind u.a. auch Apologetik-Lieferanten, wenn es darum geht, ein Individuum der eigenen Spezies eben doch töten zu dürfen, wenn es Mitglied eines "feindlichen" Stammes ist.

    Dazu passend: das jüdische (später christliche) Gebot "Du sollst nicht töten" meinte bekanntlich ursprünglich keineswegs alle Menschen, sondern nur das eigene Volk, die Juden. Es war nicht nur vollkommen in Ordnung, Midianiter zu ermorden, sondern Jahwe forderte Mose explizit dazu auf. Mit Formulierungen, die darauf abzielen, unsere biologisch bedingten Tötungshemmschwellen möglichst radikal abzubauen.
  • Wie kann man die wegfangen ?

    03.04.2017, Peter Meier
    Ein seltener Fisch, niemand weiss wie gross die Population ist, vielleicht sind einige einzigartig, und die Leute schnappen die sich einfach an statt sie dort leben zu lassen ? Das ist kein Forschen, das ist Rumtrampeln wie eine Horde Kleinkinder.
  • Denn die einen sind im Dunkeln...

    03.04.2017, Jonas
    Prinzipiell ist der Artikel gut und er hilft, endlich mit längst überholten Vorurteilen aufzuräumen, welche die Patienten nicht nur marginalisieren, sondern auch verantwortlich sind, dass deren Zugang zum Gesundheitswesen und sozialstaatlichen Leistungen stark eingeschränkt ist und sie auch im sozialen Umfeld starker Diskriminierung ausgesetzt sind.

    Zwei Punkte halte ich für aber für verbesserungsbedürftig. An keiner Stelle wird darauf eingegangen wie schwer die Krankheit ist. Im IOM-Bericht steht:
    "Patients with ME/CFS have been found to be more functionally impaired than those with other disabling illnesses, including type 2 diabetes mellitus, congestive heart failure, hypertension, depression, multiple sclerosis, and end-stage renal disease [...] and and 25-29 percent of patients report being house- or bedbound." [www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25695122, S. 31f]
    Im schlimmsten Fall sind die Patienten so schwer erkrankt, dass sie sich kaum bewegen können und so eine hohe Reizsensitivität haben, dass sie ihr Leben in abgedunkelten und schallgedämmten Räumen verbringen müssen. Es wäre vor allem wichtig zu erklären, dass Müdigkeit/Erschöpfung in diesem Kontext nichts mit dem zu tun hat, was gesunde Menschen nach Anstrengung fühlen, sondern sowohl in Art und Ausmass eine schwer behindernde und nicht überwindbare körperliche Schwäche darstellt. Dazu kommt, dass zur Erschöpfung hinzu noch eine Reihe weiterer stark einschränkender Symptome kommen.

    Der zweite Punkt betrifft die Tatsache, dass die Psychiatrisierung von ME/CFS nicht aus dem Nichts gekommen ist. Die Krankheit war schon lange unter dem Namen Myalgische Enzephalomyellitis bekannt. Sie wurde bereits in den 1930er Jahren beschrieben und wurde als etwas ähnliches wie Kinderlähmung interpretiert. Der erste Artikel, welcher versuchte die Krankheit als psychisch bedingt abzutun löste unter Medizinern und Patienten grosse Empörung aus. Noch 1978 kam ein Symposium der Royal Society of Medicine zum Schluss, dass es sich um eine eindeutige Erkrankung mit einer klarer organischer Basis handelt. [www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1604957] Ab den 1980er Jahren wurde viel Aufwand betrieben, um die Patienten als eingebildete Kranke abzustempeln. Der traurige Höhepunkt dieser Bemühung stellen bestimmt die PACE-Trials dar, wo mit an Betrug grenzender Schludrigkeit zu beweisen versucht wurde, dass ME-Patienten mit Verhaltenstherapie und Graded Exercise behandelt werden können. [www.virology.ws/2017/03/13/an-open-letter-to-psychological-medicine-about-recovery-and-the-pace-trial]
    Trotz fehlender Evidenz konnte sich dieses Vorurteil bei den behandelnden Ärzten ab den 1990er Jahren durchsetzen. Schuld daran sind bestimmt auch Publikationen wie die DEGAM-Leitlinien, welche Rückblickend nur als böswillig interpretiert werden können. [www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-002l_S3_Muedigkeit_2011-abgelaufen.pdf] Es also nicht so, dass die Erkenntnis ME/CFS wäre eine organische Erkrankung neu ist. Ganz im Gegenteil wird die Psychiatrisierung, Diskriminierung und Marginalisierung von ME-Patienten in mittlerer Zukunft nur ein düsteres Intermezzo gewesen sein. Aktuell werden die vielen Patienten vom Gesundheitswesen und vom Sozialstaat noch im Stich gelassen. Sie leiden unsichtbar und werden von Angehörigen versorgt und gepflegt. Dies wird sich dank den neuen Resultaten hoffentlich sehr bald ändern.
  • Urheberrecht

    03.04.2017, NochNeMeinung
    @Judith Meinke
    Davon ausgehend, dass es eine Schöpfung gäbe, aber diverse Religionen mit unterschiedlicher Schöpfungsgeschichte gibt, stellen sich dummerweise schwierige Fragen beim religiösen Urheberrecht für die Schöpfung selbst. Zum Glück soll es für solch wichtige Streitfälle das Jüngste Gericht geben. Dort soll es in der Regel einen kurzen Prozess geben. Bis dahin müssen Sie jedoch viel Geduld haben. Es ist sogar zu befürchten, dass Sie das Urteil nicht erleben werden.
  • Altruismus

    03.04.2017, Hans-Bernhard Nordhoff (HBN)
    "Monotheistische Religionen sind gewichtige Durchgangsszenarien bei der
    Menschwerdung des Affen"(HBN). Teleologische Konzepte in Religionen oder
    anderswo (Die Vorsehung(A.H./Trump)) konstruieren Machtsysteme zur
    Ausübung von Herrschaft Weniger über Viele. Der in der Evolution immer wieder
    entstehende Altruismus von Individuen und Gemeinschaften wird zum Zwecke
    der Machtgestaltung unterdrückt."Ubi Terror ibi Salus"(Wo Grausamkeit ist, ist das Heil) schrieb und propagierte vielfältig Kirchenvater Augustinus.
    Wer die Herrschaft Aller über Alle (Demokratie) im Sinne des Austritts aus der
    Unmündigkeit will, muss altruistisches Verhalten (Greenpeace) nicht nur fördern
    sondern auch fordern. Die Abwesenheit von Religion kann dabei vom Vorteil sein.
    Die ontogenetische Erfahrung bildet aber immer wieder neu die phylogenetische
    Erinnerung kultureller Evolution ab und verändert sie im Fließgleichgewicht.

  • 0,999... ist doch ungleich 1

    03.04.2017, Thomas Güthner
    Ich bin in einer Zeit zur Schule gegangen, als der Rechenschieber durch den Taschenrechner ersetzt wurde. Mit ersterem war die im Artikel genannte Frage leicht zu beantworten: 0,333 x 3 ist im Rahmen der Ablesegenauigkeit exakt gleich 1. Die ersten Taschenrechner hatten 8 Stellen Genauigkeit, und zeigten diese auch an. Die einfache Rechenfolge 1 ÷ 3 x 3 ergab ".99999999", womit sich unser Lehrer trefflich zur Verzweiflung bringen ließ.
    Spätere Taschenrechner bis heute, ca. 40 Jahre später, rechnen per Fließkomma z. B. auf 10 Stellen genau, zeigen aber nur 8 Stellen an. Die einfache Rechensequenz 1 ÷ 300 -1 + 1 x 300 ergibt aber dann doch das Ergebnis "0.99999999". Wieder ein Triumph für den "aufsässigen Schüler". Allerdings: Addition von 1 ergibt genau "2.0".
    Spaßeshalber habe ich dasselbe mit Excel 2013 ausprobiert: Obige Rechensequenz (1 ÷ 300 -1 + 1) x 300 (in einer Zelle oder per Bezug über mehrere Zellen verteilt) ergibt "0.99999999999999", bei Rundung natürlich "1". Bis 30000 als Divisor ist die Welt noch in Ordnung, die Anzahl der Neunen nimmt halt ab. Aber: Mit einem Divisor 300000 kommt Excel 2013 auf ein Ergebnis größer 1, exakt "1,00000000000655", mit wachsendem Divisor nähert sich das Rechenergebnis einer Zufallszahl. Ob Microsoft dafür eine Erklärung hat?
    Für den Naturwissenschaftler oder Techniker ist das geschilderte Problem eigentlich gar keines, da zu jeder Problemstellung auch die Angabe der geforderten Rechengenauigkeit gehört, und am Ende wird halt auf die signifikanten Stellen gerundet. Der Mathematiker kann mit solch einer "Lösung" natürlich nicht zufrieden sein.
  • Ein irritierend unklarer Artikel

    03.04.2017, Johann-Friedrich Anders
    „Chomskys Ideen sind überholt; es gibt starke Zweifel an Chomskys Behauptungen; seine Theorie stirbt einen langsamen Tod; es gibt Sonderfälle, die sich nur schwer mit der Universalgrammatik in Einklang bringen ließen; Feldforscher fanden Gegenbeispiele; einige Sprachen kommen anscheinend ohne die Rekursion aus; die Idee einer Universalgrammatik ist schlicht falsch; sie widerspricht der Erfahrung; viele Forscher geben sich nicht mehr mit rein formalen/abstrakten Modellen zufrieden; Todesglocken für die Theorie; empirische Schwächen; sie steckt in der Sackgasse ...“

    Starke Zweifel zu haben ist leicht, die Frage ist aber doch wohl: sind sie ausräumbar? Und: Sind die Gegenbeispiele wirklich Gegenbeispiele? Kommen wirklich einige Sprachen faktisch ohne die Rekursion aus? Warum dann die Einschränkung: sie kommen "anscheinend2 ohne sie aus?

    In der Sackgasse von rein formalen bzw. abstrakten Modellen zu stecken, klingt zwar vielleicht gut als Kritik; aber was wird damit eigentlich kritisiert? Was könnte eine/die Alternative zu "rein formalen/abstrakten Modellen" sein? Es klingt schon weniger überzeugend, wenn man das "rein" weglässt, und es klingt als Kritik noch weniger überzeugend, wenn man das "formal" bzw. "abstrakt" weglässt. Beide Weglassungen ändern anscheinend nichts am Inhalt. Und an der Benutzung von "Modellen" lässt sich wissenschaftlich nichts kritisieren.

    Das Referat der Chomsky-Theorie enthält zumindest eine absurde Theorie-Wiedergabe. Laut Artikel vertritt Chomsky seit 2002 eine Universalgrammatik, "die nur noch ein einziges Merkmal aufweist, die so genannte rechnerische Rekursion". Falls das zutreffend ist, dann kann man doch nicht ernsthaft die Chomsky-Verteidiger argumentieren lassen: "Auch wenn in einer Sprache eine Komponente fehlt, etwa die Rekursion, bedeutet das noch lange nicht, dass die Komponente nicht in den Baukasten gehört."

    Konkret bezieht sich dieser Widerlegungsversuch auf die Erklärung des Spracherwerbs, der bei Chomsky, laut den Kritikern, "ein entscheidender Schwachpunkt" ist – was mir deutlich weniger scheint als eine Widerlegung. Und dann sollte eine alternative Theorie, finde ich, an diesem Punkt jedenfalls eine plausible Alternative vorschlagen – bei allen Schwachpunkten, die sie selber als neue Theorie (laut Feyerabend) haben darf.

    Die zentrale inhaltliche Alternative scheint mir, wenn auch ziemlich vage, in dem Satz formuliert zu sein: "Kinder erlernen … zunächst einfachste grammatische Muster; später erraten sie Stück für Stück die dahinterliegenden Regeln…. Durch Verallgemeinerung gelangen sie von einem gehörten Beispiel zum nächsten."

    Als Alternativtheorie zu Chomsky sollen diese Sätze wohl zum Ausdruck bringen: Das Gehirn ist anfangs ein unbeschriebenes Blatt, auf das von außen kommende grammatische Muster geschrieben werden, und die beginnt der heranwachsende Mensch als Regeln, als System, zu verstehen, nach denen/nach dem dann die eigenen Sätze zu gestalten sind.

    Mir ist vollkommen unklar, wie man meint, diese Behauptung rein empirisch beweisen zu können. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Versuchsanordnung aussehen könnte, die so ein Ergebnis hervorbringen könnte. (Umgekehrt hat Chomsky, wenn ich mich recht erinnere, in den fünfziger Jahren in seiner Kritik an Skinner zu beweisen versucht, dass diese Vorstellung nicht funktionieren kann.)

    Es mag ja sein, dass "viele moderne Linguisten unglücklich (sind) über abstrakte Modelle, die am Schreibtisch ausgedacht werden, während unzählige linguistische Daten – oft online zugänglich – darauf warten, analysiert zu werden" – aber seit wann ist so ein Unglücklichsein vieler (?) moderner Linguisten ein guter Grund dafür, eine Theorie für "überholt", sie zur theoretischen "Sackgasse" zu erklären?

    Kurz: Der Artikel in Spektrum der Wissenschaft ist ein irritierend unklarer Artikel, finde ich.

    Unakzeptabel, ja ärgerlich finde ich schließlich die Benutzung des Max-Planck-Zitats: "Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben."

    Wahrscheinlich hat ja Planck völlig Recht, aber das von Planck festgestellte historische Faktum kann man doch nicht gegen Zeitgenossen benutzen. Da ist es schlicht überhaupt kein Argument, sondern nur ein Totschlagversuch.
  • Schwarmintelligenz ist ein wenig zutreffender Begriff

    03.04.2017, Walter Weiss, Kassel
    Da gefällt mir leider grundsätzlich Verschiedenes nicht:

    (1) "Schwarmintelligenz" hat mit Intelligenz gar nichts zu tun. Gibt man einer Mehrheit von Entscheidern eine Frage zur Beantwortung, so wird sich keineswegs das Mitglied durchsetzen, das die beste Kenntnis von der Materie hat - warum auch immer? Die Antwort der Mehrheit wird also immer SCHLECHTER sein als die bestmögliche. Warum sollte sich schließlich der Bestunterrichtete bei den Beratungen der Mehrheit durchsetzen? ALLENFALLS könnte, wenn er das tatsächlich schaffen sollte, die Entscheidung der Mehrheit seiner Antwort entsprechen.

    (2) Demokratie hat mit "Schwarmintelligenz" überhaupt nichts zu tun. In der Demokratie entscheidet über wesentliche Staatsfragen niemals das Volk im ganzen oder auch nur die Mehrheit der Bürger, die die Regierungspartei gewählt hat, sondern die Regierung, d.h. ein Personenkreis, im allgemeinen sogar der Chef dieses Personenkreises allein (bei uns die Kanzlerin) über die Antwort auf eine für den Staat wesentliche Frage. Dafür ist dieser Chef im Zweifel absolut nicht speziell vorgebildet - weshalb er sich im Idealfall sachkundiger neutraler Berater bedient. Im Idealfall, denn meistens erliegt er stattdessen dem unausweichlichen Einfluß extrem starker Lobbyisten.
    >
    > (3) Trotzdem ist die Demokratie als die "beste aller schlechten Staatsformen" jeder Alleinherrschaft oder auch Oligarchie vorzuziehen, und zwar ganz einfach deswegen, weil Perversionen bei der Staatsführung, wie sie sonst nach aller Erfahrung ständig vorkommen, bei dieser Staatsform minimiert oder doch minimierbar sind. Und das insbesondere deswegen, weil die Staatsführung immer nur auf Zeit bestellt ist, also - wenigstens theoretisch und nach der Idee - immer nur auf Abruf Macht hat.