Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • 0,999... ist doch ungleich 1

    03.04.2017, Thomas Güthner, Trostberg
    Ich bin in einer Zeit zur Schule gegangen, als der Rechenschieber durch den Taschenrechner ersetzt wurde. Mit ersterem war die im Artikel genannte Frage leicht zu beantworten: 0,333 x 3 ist im Rahmen der Ablesegenauigkeit exakt gleich 1. Die ersten Taschenrechner hatten 8 Stellen Genauigkeit, und zeigten diese auch an. Die einfache Rechenfolge 1 ÷ 3 x 3 ergab ".99999999", womit sich unser Lehrer trefflich zur Verzweiflung bringen ließ.
    Spätere Taschenrechner bis heute, ca. 40 Jahre später, rechnen per Fließkomma z. B. auf 10 Stellen genau, zeigen aber nur 8 Stellen an. Die einfache Rechensequenz 1 ÷ 300 -1 + 1 x 300 ergibt aber dann doch das Ergebnis "0.99999999". Wieder ein Triumph für den "aufsässigen Schüler". Allerdings: Addition von 1 ergibt genau "2.0".
    Spaßeshalber habe ich dasselbe mit Excel 2013 ausprobiert: Obige Rechensequenz (1 ÷ 300 -1 + 1) x 300 (in einer Zelle oder per Bezug über mehrere Zellen verteilt) ergibt "0.99999999999999", bei Rundung natürlich "1". Bis 30000 als Divisor ist die Welt noch in Ordnung, die Anzahl der Neunen nimmt halt ab. Aber: Mit einem Divisor 300000 kommt Excel 2013 auf ein Ergebnis größer 1, exakt "1,00000000000655", mit wachsendem Divisor nähert sich das Rechenergebnis einer Zufallszahl. Ob Microsoft dafür eine Erklärung hat?
    Für den Naturwissenschaftler oder Techniker ist das geschilderte Problem eigentlich gar keines, da zu jeder Problemstellung auch die Angabe der geforderten Rechengenauigkeit gehört, und am Ende wird halt auf die signifikanten Stellen gerundet. Der Mathematiker kann mit solch einer "Lösung" natürlich nicht zufrieden sein.
  • Ein irritierend unklarer Artikel

    03.04.2017, Johann-Friedrich Anders
    „Chomskys Ideen sind überholt; es gibt starke Zweifel an Chomskys Behauptungen; seine Theorie stirbt einen langsamen Tod; es gibt Sonderfälle, die sich nur schwer mit der Universalgrammatik in Einklang bringen ließen; Feldforscher fanden Gegenbeispiele; einige Sprachen kommen anscheinend ohne die Rekursion aus; die Idee einer Universalgrammatik ist schlicht falsch; sie widerspricht der Erfahrung; viele Forscher geben sich nicht mehr mit rein formalen/abstrakten Modellen zufrieden; Todesglocken für die Theorie; empirische Schwächen; sie steckt in der Sackgasse ...“

    Starke Zweifel zu haben ist leicht, die Frage ist aber doch wohl: sind sie ausräumbar? Und: Sind die Gegenbeispiele wirklich Gegenbeispiele? Kommen wirklich einige Sprachen faktisch ohne die Rekursion aus? Warum dann die Einschränkung: sie kommen "anscheinend2 ohne sie aus?

    In der Sackgasse von rein formalen bzw. abstrakten Modellen zu stecken, klingt zwar vielleicht gut als Kritik; aber was wird damit eigentlich kritisiert? Was könnte eine/die Alternative zu "rein formalen/abstrakten Modellen" sein? Es klingt schon weniger überzeugend, wenn man das "rein" weglässt, und es klingt als Kritik noch weniger überzeugend, wenn man das "formal" bzw. "abstrakt" weglässt. Beide Weglassungen ändern anscheinend nichts am Inhalt. Und an der Benutzung von "Modellen" lässt sich wissenschaftlich nichts kritisieren.

    Das Referat der Chomsky-Theorie enthält zumindest eine absurde Theorie-Wiedergabe. Laut Artikel vertritt Chomsky seit 2002 eine Universalgrammatik, "die nur noch ein einziges Merkmal aufweist, die so genannte rechnerische Rekursion". Falls das zutreffend ist, dann kann man doch nicht ernsthaft die Chomsky-Verteidiger argumentieren lassen: "Auch wenn in einer Sprache eine Komponente fehlt, etwa die Rekursion, bedeutet das noch lange nicht, dass die Komponente nicht in den Baukasten gehört."

    Konkret bezieht sich dieser Widerlegungsversuch auf die Erklärung des Spracherwerbs, der bei Chomsky, laut den Kritikern, "ein entscheidender Schwachpunkt" ist – was mir deutlich weniger scheint als eine Widerlegung. Und dann sollte eine alternative Theorie, finde ich, an diesem Punkt jedenfalls eine plausible Alternative vorschlagen – bei allen Schwachpunkten, die sie selber als neue Theorie (laut Feyerabend) haben darf.

    Die zentrale inhaltliche Alternative scheint mir, wenn auch ziemlich vage, in dem Satz formuliert zu sein: "Kinder erlernen … zunächst einfachste grammatische Muster; später erraten sie Stück für Stück die dahinterliegenden Regeln…. Durch Verallgemeinerung gelangen sie von einem gehörten Beispiel zum nächsten."

    Als Alternativtheorie zu Chomsky sollen diese Sätze wohl zum Ausdruck bringen: Das Gehirn ist anfangs ein unbeschriebenes Blatt, auf das von außen kommende grammatische Muster geschrieben werden, und die beginnt der heranwachsende Mensch als Regeln, als System, zu verstehen, nach denen/nach dem dann die eigenen Sätze zu gestalten sind.

    Mir ist vollkommen unklar, wie man meint, diese Behauptung rein empirisch beweisen zu können. Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine Versuchsanordnung aussehen könnte, die so ein Ergebnis hervorbringen könnte. (Umgekehrt hat Chomsky, wenn ich mich recht erinnere, in den fünfziger Jahren in seiner Kritik an Skinner zu beweisen versucht, dass diese Vorstellung nicht funktionieren kann.)

    Es mag ja sein, dass "viele moderne Linguisten unglücklich (sind) über abstrakte Modelle, die am Schreibtisch ausgedacht werden, während unzählige linguistische Daten – oft online zugänglich – darauf warten, analysiert zu werden" – aber seit wann ist so ein Unglücklichsein vieler (?) moderner Linguisten ein guter Grund dafür, eine Theorie für "überholt", sie zur theoretischen "Sackgasse" zu erklären?

    Kurz: Der Artikel in Spektrum der Wissenschaft ist ein irritierend unklarer Artikel, finde ich.

    Unakzeptabel, ja ärgerlich finde ich schließlich die Benutzung des Max-Planck-Zitats: "Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben."

    Wahrscheinlich hat ja Planck völlig Recht, aber das von Planck festgestellte historische Faktum kann man doch nicht gegen Zeitgenossen benutzen. Da ist es schlicht überhaupt kein Argument, sondern nur ein Totschlagversuch.
  • Schwarmintelligenz ist ein wenig zutreffender Begriff

    03.04.2017, Walter Weiss, Kassel
    Da gefällt mir leider grundsätzlich Verschiedenes nicht:

    (1) "Schwarmintelligenz" hat mit Intelligenz gar nichts zu tun. Gibt man einer Mehrheit von Entscheidern eine Frage zur Beantwortung, so wird sich keineswegs das Mitglied durchsetzen, das die beste Kenntnis von der Materie hat - warum auch immer? Die Antwort der Mehrheit wird also immer SCHLECHTER sein als die bestmögliche. Warum sollte sich schließlich der Bestunterrichtete bei den Beratungen der Mehrheit durchsetzen? ALLENFALLS könnte, wenn er das tatsächlich schaffen sollte, die Entscheidung der Mehrheit seiner Antwort entsprechen.

    (2) Demokratie hat mit "Schwarmintelligenz" überhaupt nichts zu tun. In der Demokratie entscheidet über wesentliche Staatsfragen niemals das Volk im ganzen oder auch nur die Mehrheit der Bürger, die die Regierungspartei gewählt hat, sondern die Regierung, d.h. ein Personenkreis, im allgemeinen sogar der Chef dieses Personenkreises allein (bei uns die Kanzlerin) über die Antwort auf eine für den Staat wesentliche Frage. Dafür ist dieser Chef im Zweifel absolut nicht speziell vorgebildet - weshalb er sich im Idealfall sachkundiger neutraler Berater bedient. Im Idealfall, denn meistens erliegt er stattdessen dem unausweichlichen Einfluß extrem starker Lobbyisten.
    >
    > (3) Trotzdem ist die Demokratie als die "beste aller schlechten Staatsformen" jeder Alleinherrschaft oder auch Oligarchie vorzuziehen, und zwar ganz einfach deswegen, weil Perversionen bei der Staatsführung, wie sie sonst nach aller Erfahrung ständig vorkommen, bei dieser Staatsform minimiert oder doch minimierbar sind. Und das insbesondere deswegen, weil die Staatsführung immer nur auf Zeit bestellt ist, also - wenigstens theoretisch und nach der Idee - immer nur auf Abruf Macht hat.
  • Herrlich die Vergleiche

    03.04.2017, Tomasz
    "Gottesanbeterinnen fressen die Männchen während der Paarung sogar auf. Eine Praktik, die selbst Alice Schwarzer nicht gutheißt. "

    Ich schmeiße mich weg :D
  • Fleischlos ist übertrieben

    03.04.2017, Klaus Deistung
    Es mag Leute geben, die das brauchen! Für die Masse hat das J. Rott begründet und ich schließe mich im Grunde seiner Meinung an. Der Mensch hat vergleichsweise keinen langen Darm wie die nur Pflanzenfresser – aber auch nicht den kurzen Darm wie die Fleischfresser. Der Homo sapiens liegt da in einem Mittelbereich.
    Mittlerweile hält man nicht nur Tiere in – oft zu engen – Ställen, sondern auch die Fische in entsprechenden Becken. Auch hier wird durch Umweltschützer… gekämpft, um den Tieren ein tierwürdiges Leben zu ermöglichen.
    Religionen und ihre Vertreter sind stolz, wenn religiöse Eltern mehr Kinder haben als nicht religiöse. Das drückte sich auf der einen Seite in Kondomverbote aus, und die andere Seite meidet die Aufklärung. Das ist ein fataler Irrtum das zu würdigen. Dieses Tabuthema(?) sollte man auch bedenken!
    Die Welt kann nur mit immer mehr Einschränkungen für die Natur – Rodung großer Flächen, Überfischung der Meere… auch durch Ignorierung von Verboten, die Versorgung für immer mehr Menschen sicher stellen.
  • Ursprung der Argumentationskette

    03.04.2017, Judith Meinke
    Religion ist doch nicht etwas, das erst zum Dasein irgendwann dazukommt, wie etwa ein Person, die zu irgend einem Zeitpunkt in einen Verein eintritt, und sich dann fragt, wie wäre es ohne die Mitgliedschaft.
    Religion steht über dem Dasein der Geschöpfe. Jeder Mensch ist ja gerade geschaffen, dass er nach Religion verlangt, und Tiere sind ebenso vom Schöpfer inklusive ihres Verhaltens erschaffen worden.
  • wie es sein sollte

    03.04.2017, Gordon3113
    man achtet auf sich selbst und andere. Es gibt nur dieses eine Leben.

    Die geistig Schwächeren bekommen ein paar Glücksbringer gebastelt.
  • Herrliche Satire ...

    03.04.2017, kafka
    Zitat: "Doch Vorsicht. Der Umkehrschluss gilt natürlich nicht. Nicht jeder rücksichtslose Mensch hat automatisch auch einen Dachschaden. Sonst wären die Psychiatrien voll mit Scheidungsanwälten, Hedgefonds-Managern und Spielerfrauen."
    Einfach köstlich ...
  • Tierheimkatzen sind nicht repräsentativ

    03.04.2017, Birgit Rödder
    Nun ja, ich habe nur den abstract des Originalartikels gelesen, aber man kann wohl folgern, dass Katzen in Tierheimen nicht glücklich sind - und diese Erkenntnis ist alles andere als neu. Unter optimalen Lebensbedingungen steigt die Chance, auch Freude zu beobachten, deutlich an, wie die Forscherinnen immerhin schon vermuten.
    Die hier beschriebenen Elemente der Mimik wurden übrigens schon von anderen, anerkannten Forschern wesentlich differenzierter und damit aussagekräftiger interpretiert, z.B. Blinzeln und Miauen. Kein Anlass also, diesen Artikel zu kaufen.
    Stellungnahme:
    Liebe Frau Rödder,

    unser Artikel ist frei zugänglich ;-)

    Mit freundlichen Grüßen
    Die Redaktion
  • Wunderbar

    03.04.2017, Ernstl
    Das man diese wunderbaren Tiere retten konnte.
  • sine religio

    03.04.2017, kaki
    Hallo, ich habe schon oft über den Spruch nachgedacht, dass die Welt nur aufgrund von Religion viele Kriege führt.

    Wenn man aber genauer darüber nachdenkt, ist Religion nur einer von vielen Gründen, warum Menschen Krieg führen oder andere Konflikte austragen.
    Selbst wenn wir "nur" verschiedene Kulturen hätten, würden wir aufgrund dieser Konflikte auslösen können.

    Lassen wir aber auch dieses außer acht, gibt es etwas dass um einiges schwerwiegender ist, nämlich eine extreme Ideologie.
    Diese ist auch der Hauptgrund, warum Religion überhaupt zu etwas negativen wird.
    Nazis werden von ihr getrieben, Islamisten und ähnliche.
    Am liebsten verweise ich hier auf South Park oder das Leben des Bryan.
    In ersterem gab es eine Episode, in der es auf der Welt keine Religion mehr gibt, jedoch trotzdem ein globaler Krieg geführt wird zwischen drei Parteien.
    Diese streiten darum, wie denn der korrekte Name lautet, (ich habe vergessen wie sie waren, es war aber immer etwas mit Atheismus) : Freie Atheistische Vereingung, Atheistische Freie Vereinigung, Vereinigung freier Atheisten.

    Also recht ähnlich der judäischen Volksfront.

    Es zeigt eigentlich nur auf, dass jegliche Individualität, am Ende zu einer extremistischen Ansicht führen kann und diese zu Konflikten führt.
    Heisst, so lange Menschen eben Individuen sind, verschiedene Meinungen und Ansichten haben, werden sich Konflikte entwickeln können.
    Und die Individualität aufgeben, wäre ein zu großer Verlust :)
  • Ist das Satire?

    03.04.2017, Rappelkopf
    Die Fledermäuse leben nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“ und das soll als „Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten können“? Das klingt eher wie das Gesetz des Neoliberalismus, besser bekannt unter dem „Recht des Stärkeren“.

    Meine Religion sagt da etwas anderes. Die Schwachen, die Ausgegrenzten, die, die sich nicht selbst helfen können und die nichts zurückgeben können, gerade die sollen Hilfe bekommen. Weil auch in ihnen ein göttlicher Funken leuchtet. Kann man glauben, muss man nicht. Die Wissenschaft kann weder Beweis noch Gegenbeweis liefern. Gefällt mir trotzdem besser als der kategorische Imperativ der Vampire.

    War vielleicht doch Satire?
    Stellungnahme:
    Ja, Vince Ebert ist ja Satiriker ;-)
  • Keine Religion

    03.04.2017, Margit Alm
    In was fuer einer wunderbaren Welt koennten wir leben, wenn Vernunft, Realitaet, wissenschaftliche Erkenntnis und erneute Erkenntnis die Welt regieren wuerden, und wir den metaphysischen Glauben an etwas, das gar nicht existiert, aufgeben wuerden.
    Natuerlich sehen einige Menschen in ihrem Glauben einen Anker, sie brauchen einen moralischen Wegweiser von 'oben'. Der Atheist - wie ich - setzt sich seinen eigenen moralischen Wegweiser und haelt daran fest bzw .revidiert, wo im Interesse neuer Erkenntnisse es notwendig wird.
    Wir koennten eine Welt ohne Krieg, ohne Gewalt, ohne Neid haben.
  • Buddhismus ist eine Wissenschaft

    02.04.2017, Martin Wienand
    Es gibt glaubensorientierte Religionen wie das Christentum, das Judentum oder der Islam.

    Und es gibt erfahrungsorientierte Religionen wie der Buddhismus oder Taoismus. Meditation ist hier das Stichwort. Die Essenz von jeder Meditation ist das Beobachten. Das Beobachten von Gedanken und Gefühlen. Die Nicht-Identifikation. Die von Buddha erfundene Vipassana ist hier so eine Art Prototyp. Im Zen-Buddhismus Za-Zen. Hier praktiziere ich und erfahre Ergebnisse. Ist daher im Grunde eine Wissenschaft.

    Natürlich gibt es auch immer Menschen, die in Buddha eine Art Gott sehen. Ist dann aber eher folkloristisch.
  • Höhere Macht

    02.04.2017, Peter Beile
    Beachtenswert ist die Rolle, die >Gott< dabei spielt.Interessant wäre eine Untersuchung, inwieweit Fairness, Empathie, Verantwortung zusammenhängen mit der Vorstellung von einer höheren Macht - ohne Bindung an Kirche und Gläubigkeit.