Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • "Guten Morgen" wäre man versucht zu sagen, aber das wäre nicht ganz fair.

    02.04.2017, Hans-Jürgen Steffens
    Denn es ist erfreulich zu sehen, dass gewisse Erkenntnisse sich langsam doch Bahn brechen (auch wenn Wolfgang Wicklers "Die Biologie der 10 Gebote" schon vierzig Jahre als ist). Ich persönlich formuliere es gerne in Anlehnung an Clausewitz: "Moral ist die Fortsetzung der Evolution mit anderen Mittel." Dorthin lässt sich auch die Entstehung von Religionen auf natürliche Weise einbetten: Auch sie können die Fitness einer Großgruppe erhöhen. Ein Gefühl dafür liefert das (lesenswerte) Buch des ehem. israel. Staatspräsidenten Chaim Herzog, das er zusammen mit dem Archäologen Mordechai Gichon geschrieben hat: "Die biblichen Kriege". Gott auf der eigenen Seite zu haben ist eben wie ein Heimspiel auf dem Betzenberg (ähem, räusper, zumindest war es das mal....). Und so verlieh auch die Lehre Mohammeds vom Kismet ("Die Pfeil, die Kugel, die dich treffen wird, ist dir bestimmt, du wirst ihr nicht ausweichen können.") den moslemischen Heeren in kritischen Zeiten einen "leading edge".

    Natürlich zerplatzt jede Offenbarungsreligion irgendwann an der Realität, so dass die evolutionären Vorteile immer nur - wie auch in anderen Bereichen - temporär wirken und schließlich vergehen. Waren Religionen deshalb sinnlos? Nicht ganz. ich vergleiche sie gerne mit den Feststoffboostern der Raumfähre. So wie jene ebnen sie den "Weg zum Himmel", werden aber zum passenden Zeitpunkt abgestossen, da sie ansonsten unnötigen Ballast darstellten. (In seinem Tractatus hat Wittgenstein für seine Philisophie btw ein analoges Bild gebracht.)

    MfG H.-J. S.
  • Religion ist nicht das Problem..

    02.04.2017, Joachim Clauß
    Sondern wie bierernst" man das nimmt..

    Und ausserden hat Religion NICHTS mit Glaube zu tun! Das verwechselt man anscheinend ständig.. Glauben ist nämlich ein evolutionärer Prozess, der dem Gehirn höherstehenden Lebewesen hilft, all seine Erfahrungen zu verwalten, sich daran zu erinnern, und bei häufig sich wiederholenden Prozederes ihnen auch zu Vertrauen.

    Daher wäre mir recht, das man statt Religion immer auf den "Sündenbock" zu stellen, man lieber mal danach schaut, wie ERNST immer all der ganze Kram genommen wird. (sehe man sich doch all die inzwischen inflationäre Werbung z.B. an.. Da wird das Hirn so lange "zu geschissen" bis man den ganzen Quatsch glaubt..

    Es kommt also letztlich immer auf die MASSE und die Hefitgkeit drauf an, mit der die jeweilige "Religion so durch das "Dorf" getragen wird.

    Unsere gesamte Gesellschaft ist doch schon völlig verseucht, ob man schon aus dem Begriff "öko" eine Religfion macht, oder dem Begriff "Vegan" oder der "Tierliebe" aoder eben all der ganze andere Quatsch..

    Was soll das?

    Zuerst sollte man mal tief in sein eigenes INNERES gehen und erst mal DORT die "Leichen" aus dem Keller holen!!
  • Zu viel ist immer Mist

    02.04.2017, Planloser
    Religion hin oder her, Sie war das Grundkonstrukt um allgemeinverbindliche Regeln aufzustellen, unsere heutige Gesetzgebung um eben die Vampirfledermäuse die sich nicht sozial verhalten eben doch Regeln aufzuerlegen.

    Endeffekt ist aber auch zu viel Religion oder zu viel Regularien negativ genauso wie zu wenige. Wie sich die Vampire in Folge einer Dürre verhalten stand leider nicht im Text - ob die Fledermäuse dann auch noch teilen oder doch lieber versuchen sich selbst zu retten. Moral und Religion wird schnell über Bord geworfen wenn es um Tod oder Leben geht.
  • Trugschluss würde ich mal sagen, oder?

    02.04.2017, Tenpel
    »Und wer weiß, vielleicht würde die komplette Abkehr von Religionen die Menschen ja sogar ein bisschen fairer, gerechter und kooperativer machen …«

    Ja, zB mit Hitler, Stalin und Mao. Diese drei wahnhaften Diktatoren waren alle areligiöse bzw. religionsfeindlich, Herr Ebert ;-)

    Der Artikel greift mE viel zu kurz.

    Alle Denksysteme (dazu zähle ich Religionen wie Philosophien als auch Wissenschaften) können Moral und Gerechtigkeit fördern oder innerhalb dieser Denksysteme kann Moral und Gerechtigkeit degenerieren. Keines ist immun gegen Wahnsinn und keines ist ausschließlich "nur gut".

    Sie könnten zB mal darüber nachdenken, dass der sog. aufgeklärte Westen erst millionenfachen Massenmord via Atombombe erfunden hat. Das kommt nicht aus den arabischen Ländern oder Asien.
  • Rundgedreht

    02.04.2017, Wolfram Obermanns
    1. Die hier implizit vorgestelltehn Definitionen von Religion, Ethik und Evolutionswissenschaft sind m. E. eklatant defizitär. Wer käme z. B. auf die Idee eine Staatstheorie allein auf eine Befragung von strammen Nationalisten zu stützen?
    2. Die ethischen Regeln nicht nur der hier vermutlich gemeinten monotheistischen Religionen übersteigen ein simples tit for tat.
    3. Es läßt sich fragen inwieweit tit-for-tat überhaupt ethisches Handeln darstellt.
    4. tit-for-tat läßt sich zwar als eine runtergebrochene Formulierung des kategorischen Imperativs bezeichnen, Äquivalenz ist damit aber beiweitem nicht hergestellt und ist so eben auch nicht DIE Maxime und Grundlage z. B. unserer allgemeinen Gesetzgebung.
    5. Maxime und Grundlage unserer Gesetzgebung ist die Menschenwürde. Allgemeine, muslimische und sozialistische Formulierungen zur Auskleidung dieser apostrophierten Menchenwürde belegen die Existenz eines soziokulturellen, in einem weiteren, zeitgenössischeren und so auch religionswissenschaftlicheren Sinn religiösen Hintergrund des Konzepts.
    6. Reden wir jetzt in diesem Kontext noch von Sciences oder doch von Arts? Aus dem angelsächsischen Raum schwappt die Konfusion über diese Formen von Wissenschaft nach Kontinentaleuropa. Gendersciences wildern mit geisteswisschenfaftlichen Methoden in der Naturwissenschaft und enden im Obskurantismus. Evolutionary sciences wildern mit naturwissenschaftlichen Methoden in den Geisteswissenschaften und enden ihrerseits im Obskurantismus.

    Natürlich kann man versuchen mit einem Schlitzschrauber eine Torxschraube zu drehen, aber Drehmomente kann man so nicht wirklich übertragen. Nachher ist so eher entweder das Werkzeug oder die Schraube oder beides kaputt. Eine entsprechende Beobachtung läßt sich m. E. sowohl bei den Gender-, wie bei den Evolutionswissenschaften und natürlich auch den Religionen machen.
    Die wesentliche intelektuelle Resource des populären Diskurs zwischen Religion, Gender- und Evolutionswissenschaft scheint mir die Bildungslücke zu sein!
  • Nicht Ethik steht im Zentrum der Religion

    02.04.2017, Johanna
    Ein klassischer Irrtum:
    Nicht Ethik, sondern die Gottesfrage (säkular: Sinnfrage)
    bildet das Zentrum der monotheistischen Religionen.
    So schlecht kann der Religionsunterricht doch nicht
    gewesen sein, dass man DAS nicht mitbekommt.
  • Ganz schrecklich ?

    02.04.2017, Ralph Fischer
    Gottesanbeterinnen fressen die Männchen während der Paarung sogar auf.

    Das ist ähnlich wie bei Spinnen. Wenn sich 2 instinktgesteuerte Räuber gegenüberstehen setzt sich über die Zeit die Art durch, bei der die Weibchen nicht von den Männchen gefressen werden.
    Und es gibt sogar noch den Vorteil, daß das Männchen dadurch die Brut versorgt.
  • Wieviel Strom enthält ein Liter Diesel oder Benzin?

    02.04.2017, Jürgen Baumann
    Diesel und Benzin kommt aus Raffinerien. Diese stehen meist im eigenen Land. Wieviel kWh Strom wird benötigt, um einen Liter Benzin oder Diesel herzustellen? Dazu sind leider keine Zahlen verfügbar. Aber es gibt Indikatoren, die auf einen Bedarf von 1 bis 2 kWh pro Liter hinweisen.

    Nehmen wir an, wir haben einen Mittelklassewagen in der Nähe des heutigen Durchschnittsverbrauch von Neuwagen. Er liegt derzeit laut Schweize TCS bei Neuwagen bei ca. 6 Litern. Nehmen wir konservativ an, wir haben eine effiziente Raffinerie, die nur 1 kWh pro Liter Treibstoff braucht, dann wären das immerhin 6 kWh für die 6 Liter, die der Neuwagen für die 100 km braucht.
    Ein Elektrofahrzeug kommt damit bereits 40 km weit (bei einem Verbrauch von 15 kWh/100 km – mein BMW i3 liegt derzeit bei 15.2 kWh/100 km). Damit “generiere” ich aus dem Nichterzeugung von fossilen Treibstoffen bereits 40% der elektrischen Energie, weil der Treibstoff ja nun nicht produziert werden muss.
    Wenn ich mir noch überlege “Wo ist elektrischer Strom noch in der Kette von ‘well to tank’ nötig?” dann finde ich die Bohrung, den Transport in den Tanker (braucht Pumpen), das Pumpen aus dem Tanker zur Raffinerie oder per Zugtransport dorthin, aus der Raffinerie in die Tankwagen, aus dem Tankwagen in die Tankstelle, aus der Tankstelle in den Tank des Fahrzeuges.

    Ich bin mal mutig und behaupte: “Das alles braucht auch eine kWh pro Liter”. In dem Fall sind wir bereits bei 80% der benötigten elektrischen Energie zum Fahren. Und wenn das Fahrzeug halt 8 Liter Benzin pro 100 km braucht (oft hört man ja, die Werte der Hersteller sollen nicht stimmen), dann haben die Herstellung des Treibstoffes und die Transportvorgänge schon mehr elektrische Energie verbraucht, als mein elektrisches Fahrzeug selber braucht.
    Thematisiert wird das Thema „Stromverbrauch“ von fossil angetriebenen Fahrzeugen auch in diesem Youtube Clip (4 min): https://www.youtube.com/watch?v=BQpX-9OyEr4
    Hier geht es um den Energiebedarf einer Raffinerie in Grossbritannien. Have fun!
    P.S. Kennt jemand genauere Untersuchungen zu diesem Thema? Ich wäre sehr interessiert daran …
  • Arterhaltung ohne Gottesbezug

    02.04.2017, Urs Freund
    Sehr geehrter Herr Ebert, im Gegensatz zu Vampirfledermäusen versteht sich "der" Mensch nicht als instinktreduziertes Lebewesen, das seinem biologischen Programm bewusstlos ausgeliefert ist. Zumindest würde sich dann nicht erklären, warum es Quantenphysik, Kunst und eine Philosophie des Geistes gibt. Das Gebot "Du sollst nicht töten" wäre ein Programm zur Arterhaltung. Da sich "der"Mensch mit einer gewissen Plausibilität jedoch immer mehr als Schädling auf diesem Planeten präsentiert, könnte der Erweis einer Überwindung jeder Instinktreduzktion gerade im Töten des anderen, nächsten etc. bestehen - nämlich ebenso wie das Abschlachten von Tieren durch die Nahrungsmittelindustrie letztlich "nur" Arterhaltung ist, egal in welchem industriellen Rahmen diese Abschlachtung von statten geht. Mit Bezug auf eine Gottheit oder einen wie auch immer gearteten Schöpfer wird jedoch alles anders: begreife ich das Brot in meiner Hand als Industrieprodukt, kann ich es auch wegwerfen, wenn es mir nicht mehr schmeckt oder wenn ich satt bin. Begreife ich es als etwas, was ein Schöpfer für mich hat wachsen lassen, wird dies schwieriger. Der Feind, den ich in einer kriegerischen Auseinandersetzung töten soll/ muss ist genauso Geschöpf wie ich; im Falle seienr Tötung durch mich, würde ich mich folglich an einer Schöpfung Gottes "vergreifen", die mir doch ontologisch völlig gleich gestellt ist. Zumindest die Vorstellung an einen Gott ist daher durchaus sinnvoll, um allgemeines Abschlachten moralisch zu verhindern, und das dachte Kant genauso, indem er schrieb, dass Gott eine notwendige Vorstellung sei.
  • Es gaebe mehr Frieden und keine perversen Hinrichtungen im Namen der Relegion

    02.04.2017, Asuki
    Die meisten Kriege entstehen durch Religionen. Und Relegionen verbreiten Unsinn und gehoeren daher verboten.
  • Ein ganz simples Dankeschön.

    02.04.2017, AN620
    Genau deswegen macht micht die Aussage vom christlich-jüdischen "Werte"fundament auch so wahnsinnig, weil dieses (wie fast alle Glaubensrichtungen) gerade die Entkopplung von diesem natürlichen Prozeß darstellte. Die großen Übel erlauben ihren Anhängern nämlich eine Art von moralischem Kredit für alle anderen Bekennenden, vermutlich weil auch darin schon die Aufgabe bestand, wer möchte schon alleine an etwas glauben aka Dachschaden. Da aber damit der eigentliche Austausch von Gefälligkeiten schon stattgefunden hat wird jede weitere Erwartung lediglich von Annahmen gespeist und vermutlich oft von der Realität eingeholt. Jemand der in allen anderen auch nur Diener/Sklaven/Abhängige für (seine) eine Instanz sehen kann, dürfte die natürliche Grenzen und Abläufe des Miteinanders kaum mehr spüren unter all den Ketten. Endgültig werden die Konzepte der Dankbarkeit ausgesetzt wenn ich den Anderen durch Glaubensdifferenzen sogar noch aus dieser Einheit von Sklaven auszustoßen vermag (s.z.B. Pogrom, Hexenverbrennung oder Missionierungstätigkeiten) und durch das Leben entstanden Bande von teilweise sogar reiner Schuld dann einfach ins moralische Nichts stürzen können.
  • Und wieder ein Beitrag mehr zur "Glaube vs. Vernunft"- Polarisierung...

    01.04.2017, c_nahstoll
    ...schade!
    Das einzige, was in dieser Kolumne von "Ebert extrapoliert" wirklich auffällig ist, ist die leider immer noch weit verbreitete Tendenz in den Naturwissenschaften, die bereits lange widerlegte und heutzutage unhaltbare Weltsicht des Modernismus (18./19. Jahrhundert) weiter als positiv und den einzigen akzeptablen epistemischen Weg anzupreisen. Diese Weltsicht äußert Herr Ebert z.B. in der folgenden pseudo-logisch, pseudo-naturwissenschaftlich anmutenden Denkreihe:

    (1) Fledermäuse teilen ihre Blutmahlzeit mit Artgenossen --> dies ist eine Vorstufe von Moral --> Fledermäuse tun dies ohne "Religion".
    (2) Menschen teilen ihr Essen mit anderen Menschen --> wir haben letzte gemeinsame Vorfahren mit den Fledermäusen --> unsere Moral ist ein rein ontologisch-natürliches Erbe der Evolution --> Wozu brauchen wir eigentlich Religion?!

    Mir ist schon lange kein Beispiel mehr begegnet, in dem eine so krude Form des ontologisch-materialistischen Reduktionismus eines Naturwissenschaftlers (denn Herr Ebert bewirbt seine Kompetenz ja als Diplomphysiker!) so unverblümt stehen gelassen wurde, ohne sich mit den Problemen dieser Aussagenlogik zu befassen.

    In dieser 'Extrapolation' stecken so viele methodologisch-naturwissenschaftliche Überinterpretationen und philosophisch-epistemische Fehlschlüsse, dass man sich fragt, ob Herr Ebert überhaupt ein Fachmann ist, der in einer Zeitschrift wie der SdW hierüber schreiben sollte! Das krude Weltbild, das durch diesen Artikel als 'state-of-the-art' vermittelt wird, ist weder faktisch richtig, noch berücksichtigt es die Bandbreite menschlichen Erkenntnisgewinns, noch regt es Leser/-innen dazu an, aus der Polarisierungs-Scheinrealität "Dumme Religion vs. aufgeklärte Naturwissenschaft" herauszutreten, um sich wirklich in einen Dialog zwischen Naturwissenschaft und Religion zu begeben. Ich würde mir als treuer Leser wünschen, dass eine angesehene Zeitschrift wie die SdW sich ernsthafter der Ausbalancierung solch einer Kolumne widmen würde. Andere (Noch-) EU Länder bekommen so etwas nämlich hin!

    Ich möchte interessierte Leser/-innen hier gerne an das 'Faraday Institute For Science and Religion' der Universität Cambridge (www.faraday-institude.org) oder die deutschsprachige Karl-Heim-Gesellschaft (www.karl-heim-gesellschaft.de) verweisen.
    Herrn Ebert möchte ich zur Lektüre wärmstens die 'Faraday Papers' (http://www.faraday.st-edmunds.cam.ac.uk/Papers.php) empfehlen, wenn er danach strebt, sein naturwissenschaftliches Weltbild mit Fakten aus Wissenschaftsgeschichte, Evolutionsbiologie, Epistemologie, Moralforschung, Theologie, etc. so zu umzugestalten, dass in seiner nächsten Kolumne hoffentlich mehr der Dialog zwischen Wissenschaft und Religion, und weniger der (nicht-existente) Kampf der beiden Ausdruck findet.
    Ansonsten ist diese Kolumne ohne passende Gegendarstellung weder naturwissenschaftlich noch hilfreich für eine Zeit, in der er notwendig ist miteinander zu reden, anstatt sich unbegründet stolz entgegen dem Gegenüber zu erheben und zu behaupten: "Ich weiß es ja sowieso besser als du."
  • Wer ist hier das Milchmädchen?

    01.04.2017, Dr. Armin Quentmeier
    „Ich denke, wir sollten aufhören, mit Milchmädchenrechnungen die Energiewende und ihre Chancen und Potenziale in Deutschland madig zu machen.“ Schön gesagt von Volker Quaschning und Stefan Rahmsdorf – und sie hoffen, durch eine gelingende Energiewende, zu der ein starker Ausbau der Elektromobilität gehört, „unseren Kindern nicht einen völlig aus den Fugen geratenen Planeten zu hinterlassen.“
    Können Elektroautos dazu beitragen? Ein nüchterner Blick auf die Zahlen ist leider wenig erfolgversprechend: der Anteil der verkehrsbedingten Emissionen liegt in hochindustrialisierten Ländern bei unter 20 %. Für Deutschland lauten die Werte: 800 Mio t CO2-Gesamtemissionen pro Jahr, davon aus PKW- und LKW-Verkehr 140 Mio t = 17,5 %; 100 Millionen t davon entfallen auf die PKW, also 12,5 % und 40 Mio t = 5 % auf LKW). Wenn tatsächlich bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutsche Straßen rollen sollten, was wäre damit für den Klimaschutz erreicht? Fast nichts: Die CO2-Einsparung, die damit erreicht werden kann, ist selbst für Deutschland lächerlich gering, im Weltmaßstab bedeutungslos: da es ca. 40 Millionen PKW, vom „Smart“ bis zum SUV oder Kombi-Transporter gibt, würden eine Million Elektroautos die Emissionen im automobilen Bereich um höchstens 2,5 % senken, also ein absolut vernachlässigbarer Betrag. 2,5 % Einsparung von 100 Mio t CO2-Emissionen sind 2,5 Millionen t CO2. Das heißt, daß bei 800 Millionen t Gesamt-CO2-Emissionen pro Jahr sich diese durch eine Million Elektroautos um 0,31 % verringert werden. Das ist ein Wert, der sozusagen im „statistischen Grundrauschen“ der Erfassung der Treibhausgas-Emissionen untergeht. Selbst wenn es 10 Millionen Elektroautos wären, könnte man damit gerade mal 3,1 % der deutschen CO2-Emissionen eingespart werden.
    Nächster Punkt, der bei der Lobpreisung der Elektromobilität vollkommen außen vor bleibt, ist die Ökobilanz über das ganze „Autoleben“: von Herstellung, Nutzung bis zum Recycling. Wie viel CO2-Emissionen verursacht allein die Batterieherstellung? Schon für ein Auto mit Verbrennungsmotor entfallen 70 % des gesamten Energieverbrauchs von der Wiege (Herstellung) bis zum Kraftstoffverbrauch während der gesamten Nutzungsdauer auf die Herstellung, also Gewinnung der notwendigen Rohstoffe und Verarbeitung zu den tausenden Komponenten, aus denen letztlich ein Auto besteht. Also, wer ein 20 Jahre altes Schätzchen in seiner Garage hat, möge es hegen und pflegen und möglichst lange fahren, das ist der gegenwärtig effektivste Klimaschutz!
    Zum Schluß noch ein paar Worte zur deutschen Energiewende, die uns von der Politik gerne als großer Erfolg verkauft wird. Dazu möchte ich aus einem Spiegel-online-Artikel vom 16.3.2017 mit dem Titel „Problem Erderwärmung – Adieu Klimaziel“ zitieren: im Jahr 2016 lag der Ausstoß an Treibhausgasen in Deutschland bei 906 Millionen t CO2-Äquivalent (neben 800 Millionen t CO2 werden auch die Beiträge von Methan, Lachgas u.a. erfaßt). In 2009 waren es 907 Millionen t CO2-Äquivalent Also fast keine Reduktion in den letzten sieben Jahren, obwohl mittlerweile über 26.000 Windräder mit 46 MW Leistung (80 % mehr als 2009) und 40 MW Fotovoltaik-Leistung installiert worden (eine Vervierfachung gegenüber 2009) ist und zahllose Häuser gedämmt worden sind. Die Kosten allein für die EEG-Umlage von 2009 bis 2016 lagen bei unglaublichen 120 Milliarden Euro - und das alles für eine kaum meßbare CO2-Einsparung!
    Fazit: Die deutsche Energiewende ist fast völlig nutzlos und hat trotz eines gewaltigen Zubaus an Wind- Solar- und Biomasse-Kraftwerken, der mit einem dreistelligen Milliardenbetrag erkauft worden ist, zur kaum meßbaren Verringerung an Treibhausgasen, vor allem CO2, geführt. „Nur noch kurz die Welt retten“ – mit der deutschen Energiewende wird das nichts und am deutschen Wesen will die Welt wieder einmal nicht genesen!
  • Wir nutzen nur 5% unserer Hirnkapazitäten

    01.04.2017, Henning Papendorf
    an kohärenter, sprich synaptisch vernetzter Möglichkeiten, was bedeutet, das 95% brach liegen oder "störendes Rauschen" erzeugen. Um das Chaos in den zum Überleben wichtigen Handlungsgrundsätzen für individuelles wie gesellschaftiches Zusammenleben auf ein erträgliches Maß zu reduzieren, benutzen die Menschen seit altersher Glaubenssystem aller Art, Aberglauben, Dogmen, Weltanschauungen, Religionen, Rechtsvorschriften, die oft religiös verbrämt sind usw. - am besten solche Systeme, die sich einer Hinterfragung oder gar wissenschaftlichen Verifizierung entziehen.

    Trotzdem gab es immer einzelne Menschen, die anscheinend von Natur aus fehlerfrei und für alle anderen Mitmenschen nur nutzbringend handelten. Diese bezogen sich meistens auf eine höhere Wirklichkeit, wahrgenommen im eigenen, erweiterten Bewusstsein der transzendenten Selbstrückbezüglichkeit, eine besondere innere Wahrnehmung, und wurden - weil nicht verstanden - dafür entweder verfolgt oder in selteneren Fällen als Heilige, als Gottes Gesandte oder Propheten verehrt.
    "Sei still, und erkenne (verwirkliche): Ich (das eigene Selbst jenseits des Ego) bin Gott (das allumfassende Schöpferprinzip)" Psalm 46:10
    "Ich und der Vater sind Eins" Johannes 10:30 - sagte Jesus mit etwas anderen Worten, aber exakt der selben Bedeutung. Eine Aussage, die prinzipiell für alle Menschen gilt und hier und heute verwirklicht werden kann.
    Buddha, Jesus, Shankara, Meister Eckhart, Rumi, Ramana Maharshi e.a. hatten Religion völlig hinter sich gelassen und das höchste Selbst, das immer und unvermeidlich im Einklang mit allen Natur- und ethischen Gesetzen handelt, verwirklicht.
    "Ihr seid Götter und allzumal Kinder des Höchsten" Psalm 82:6

    Ich spreche überwiegend aus mir heute noch vollkommen erinnerlichen, echten Erfahrungen der letzten 65 Jahre... Das macht demütig, aber auch sehr erfüllt dank der unerschütterlichen Erkenntnisse an authentischer Wahrheit.
  • Kant touch this

    01.04.2017, Unbekant
    Es ist ja okay, wenn man sich mit Kant nicht so gut auskennt und ihn deshalb etwas verzerrt widergibt. Das genaue Gegenteil von dem zu schreiben, was Kant geschrieben hat, nämlich dass man keinen Glauben benötigt, um moralisch handeln zu wollen, geht finde ich zu weit.

    In "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" beschreibt Kant, dass die Idee der Unsterblichkeit der Seele und die Idee Gottes unbeweisbare, aber notwendige (!) Postulate der Vernunft (unser Zugang zur Moral) sind. 2 Minuten Wikipedia Recherche hätten für die Information gereicht.

    Und dann kommt auch noch der übliche Vergleich des Kategorischen Imperativs mit der Goldenen Regel "Was du nicht willst, ...". Diese Gleichstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch noch auf eine solche Weise falsch, dass einer der wichtigsten Punkte in Kants Argumentation ins Gegenteil verkehrt wird. Moral entspringt laut ihm nämlich einer universellen Vernunft und nicht aus irgendwelchen Überlegungen was ich will, was man mir antut und was nicht.

    Es wäre auch schön gewesen, wenn Moral hier nicht nur deskriptiv betrachtet worden wäre. Das will ich einem gelernten Naturwissenschaftler aber nochmal durchgehen lassen, auch wenn die normative Seite der Moral eigentlich mindestens genauso interessant ist.

    Ich fänds toll, wenn Sie in Zukunft wieder sorgfältiger beim Schreiben ihrer Kolumne vorgehen könnten. Spektrum stand bisher ja eigentlich schon für hohe Qualität. Ihr letzter Artikel war ja auch hauptsächlich dazu gut, um aus der schlechten Argumentation zu lernen.