Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Akupunktur

    02.07.2013, André
    Leider muss man doch sagen, dass aus wissenschaftlicher Sicht, die Akupunktur eher zu den Placebo-Instrumenten der Medizin gehört. Daher sind Tätowierungen hier genauso wirksam wie Nadeln.

    Lg

    http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2769056/
  • Vor 8000 Jahren noch kein Ärmelkanal

    02.07.2013, E. Sauerwein
    Vor 10000 Jahren (8000 v. Chr.) war Britannien noch keine Insel, und Irland noch mit Britannien verbunden. Allerdings war die Themse ein (rechter) Nebenfluss des Rheins, der nach der Einmündung derselben nach Westen in den Atlantik floss (heute Ärmelkanal). Menschen konnten also damals zu Fuß vom Kontinent nach Irland gelangen, nötig war allerdings die Überquerung größerer Flüsse, Seefahrten waren also noch nicht unbedingt nötig. Vor 9000 Jahren (7000 v. Chr.) etwa wurde zunächst Irland abgetrennt, Britannien wurde etwa vor 7000 Jahren (5000 v. Chr.) zur Insel - Referenzen: Wikipedia, National Geographic März 2013. Wenn sich die Hain-Bänderschnecken schon früher in Irland nachweisen ließen, könnten sie auch auf dem Landweg dorthin gelangt sein, mit oder ohne menschliche Hilfe.
    Antwort der Redaktion:

    Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Der Grund weshalb die Autoren der Studie eine schnelle Verfrachtung annehmen, ist nicht zwangsläufig die heutige Insellage Irlands, sondern vielmehr die Tatsache, dass sich keinerlei genetische Hinweise auf eine langsame Ausbreitung der Schnecken dingfest machen lassen. In diesem Fall müssten beispielsweise die britischen und irischen Schnecken verwandt sein oder sich im Genom der irischen einige Hinweise auf eine längere Trennung von denjenigen aus den Pyrenäen nachweisen lassen. Das ist allerdings nicht der Fall. Demnach müssen die Tiere rasch dahin verbracht worden sein. Das könnte theoretisch durch Reisen zu Fuß geschehen sein, aber dann würde man die Hinterlassenschaften dieser Reisenden auch in anderen Regionen Europas/Brittaniens erwarten und nicht ausschließlich an der irischen (West-)Küste.

    Mit besten Grüßen, Jan Dönges (Redaktion)

  • Medizinische tattoos

    02.07.2013, MeckyMeck
    Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass schon Nerven gereizt werden, gerade am Oberarm hatte ich ein Kribbeln in den Fingern. Jedoch werden Akupunkturnadeln 10-40mm tief in die Haut gestochen, so tief vermag ein Tattoo nicht gestochen zu werden. Eine kleine Reizung lässt sich jedoch nicht ausschließen, weshalb vllt. ein gering positiver Akupunktureffekt auch beim tätowieren stattfinden kann. Natürlich aber nicht längerfristig!

    Wissenschaftlich belegen kann ich das aber nicht, sind lediglich meine Eindrücke und ein bisschen medizinisches Fachwissen.
  • Akupunktur

    02.07.2013, Jonas
  • Plagiat, Rüge und Verjährung

    02.07.2013, Guido Graffelder, Kleve
    Zum Vergleich Totschlag versus "geschummelt" – unter Umständen sollte man je nach Person und Umständen von Betrug sprechen – fällt meinem juristisch laienhaften Verständnis eine Differenzierung ein.
    Der Straftatbestand eines Betrugs kann sicher relativ rasch verjähren. Ein mittels Betrug erlangter Besitz kann nach meinem Empfinden jedoch nicht durch eine Verjährung legalisiert werden.
    Beispiel: Komme ich durch Fälschung eine Grundbucheintrags in den Besitz einer Liegenschaft, so kann diese durch Verjährung der betrügerischen Handlung wohl nicht in mein Eigentum übergehen.
    Ist es nicht verführerisch zu wissen, dass nach einer zu kalkulierenden Schonfrist die Verleihung eines Doktortitels mittels Kombination von Plagiat, Rüge und Verjährung legalisiert wird?
    Schießlich: Gibt es einen Unterschied in der Beurteilung eines betrügerischen Erwerbs materieller Vorteile gegenüber einem Titelerwerb in gleicher Weise?
  • Entstehung des Asteroidengürtels

    02.07.2013, Wim
    Die These, die Felsbrocken des Asteroidengürtels wären ein Überbleibsel aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems, die sich nicht zu einem Planeten geformt haben, ist falsch. Denn es ist mittlerweile erwiesen, dass die Asteroiden zwischen Mars und Jupiter Bruchstücke sind, die Bestandteil von etwas Größerem waren. Zudem waren diese Bruchstücke aufgeschmolzen und somit einer enormen Hitzeeinwirkung ausgesetzt.

    Auch die Schlussfolgerung daraus, größere Asteroiden wären miteinander kollidiert, wodurch sich die kleineren Bruchstücke und die enorme Hitzeeinwirkung erklären lassen, ist haltlos. Denn Kollisionen zwischen Asteroiden sind selten und werden dermaßen überschätzt, als dass sie ständig einen Trümmerhaufen von noch kleineren Stücken verursachen. Im Normalfall werden bei den meist harmlosen Zusammenstößen der Asteroiden kaum Bruchstücke erzeugt, die nicht mal annäherungsweise das riesige Trümmerfeld des gesamten Asteroidengürtels erklären können – geschweige denn, dass sich dadurch die umfassenden Schmelzungen der Asteroiden erklären ließen.

    Tatsächlich wird in der Frühzeit unseres Sonnensystems ein Komet mit einem Planeten kollidiert sein, mit dessen Zerstörung sich das gigantische Trümmerfeld entlang der ehemaligen Umlaufbahn des Planeten eher beschreiben lässt. Deshalb wären die Zwergplaneten Ceres und Pallas keine Asteroiden, sondern ehemalige Monde des Planeten 'Astro' gewesen. Bei dieser Kollision könnten sogar mehr als 50 % des Planeten in alle Richtungen weggeschleudert worden sein.

    Wenn diese These einer kosmischen Zerstörung eines Planeten irgendwie der Wahrheit entsprechen soll, müssten als Mindestbeweis auch Überreste des zerstörten Kometen im Asteroidengürtel vorhanden sein. Diese Bruchstücke, die von der Ferne wie Asteroiden aussehen, müssten aber typisches Kometen-Material aufweisen, wodurch dieser Theorie ein erstes wichtiges Indiz zukommen würde. Vgl. die These des Buchs: "KOMETEN AUF KOLLISIONSKURS Gefahr aus dem All" (auch im Web).
  • Elektron als Photonenenklave

    01.07.2013, Manfred Hörz
    Meines Erachtens bestehen die Elementarteilchen aus einem Stoff, vielleicht Photonen oder gar aus Teilchen, die die Photonen erst konstituieren. Die Ruhemasse eines Elektrons wäre dann die Summe der relativistischen Masse seiner Photonen (plus eventueller virtueller Teilchen). Die elektrische Ladung und der Spin des Elektrons würde mit den Photonenspins und vielleicht deren internen Bahndrehimpuls zusammenhängen. Von außen her betrachtet, d.h. nimmt man den bezüglich der sich bewegenden Photonen ruhenden Raum des Elektrons ein, so zeigt sich dieser Effekt als magnetischer Dipol.

    Elementarteilchen, deren Photonenspins up und down ausgeglichen sind, wären elektrisch neutral. Die Größe der elektrischen Ladung hängt dann von der Anzahl der Photonen ab. Dass ein Elektron unter sehr hohen Energien sich desintegrieren kann, würde nicht verwundern, denn die internen Photonen würden sich dann zu anderen Teilchen reintegrieren. Das ist zugegebenermaßen sehr spekulativ. Aber es gibt doch einige Gründe hierfür. Beispielsweise die QED, deren Wechselwirkungsteilchen virtuelle Photonen sind. Oder die Tatsache, dass hochenergetische Photonenjets, die aufeinander gejagt werden, Elektron (und Positron) ergeben können. Auch kommen bei Zerfällen als Zwischenprodukte oft Photonen vor. Indiz, dass in der Tat vielleicht der Vater von Feynman nicht ganz Unrecht hatte, wenn er fragte, woher denn die Photonen der Wechselwirkung kämen, wenn nicht aus dem Inneren der Teilchen. Auch die berühmte Gleichung E = c^2 m wird so qualitativ verständlicher, beachtet man, dass wahrscheinlich nicht zufällig c^2 der Proportionalitätfaktor der Umwandlung von Energie in Materie (oder umgekehrt ist), also das Quadrat der Photonengeschwindigkeit im Vakuum.
    Eventuell könnte man die dunkle Materie auch damit erklären. Das wären sehr hermetisch abgeschlossene Raumgebiete (stärker als das des Elektrons), die daher nur wenig virtuelle Photonen aussenden können. Wahrscheinlich sind sie am Anfang des Universums entstanden, als sehr hohe Energien zur Verfügung standen, um deren Geometrie (Raumkrümmung) hinreichend abzuschließen.

  • "Medizinische Tattoos"

    01.07.2013, Philipp Hummel
    Lieber Herr Koszler,

    es gibt Vermutungen, die in diese Richtung gehen. Beispielsweise trägt Ötzi, der Mann aus dem Eis 57 Tattoos, die teilweise mir Akupuntur-Stellen gegen Rheuma überlappen. Ötzi hat wohl an Rheuma gelitten. http://blogs.smithsonianmag.com/artscience/2012/12/can-tattoos-be-medicinal/

    Von Studien zu dem Thema weiß ich allerdings nichts.

    VG,

    Philipp Hummel
  • Statt Sitzenbleiben mehr Förderunterricht

    01.07.2013, Andreas
    Wie wäre es damit, den schlechten Schülern mehr Unterrichtsstunden (Förderunterricht) im nächsten Jahr zu geben, statt sie sitzen zu lassen? D.h. wenn du schlecht bist in der Schule, musst du "Zur Strafe" im nächsten Jahr noch öfter hin. Das hat sicher auch eine abschreckende Wirkung auf den ein oder anderen Faulpelz. Und die Schüler profitieren vielleicht mehr vom Förderunterricht als vom Sitzenbleiben. Sitzenbleiben ist aber wohl einfach billiger als zusätzlicher Förderunterricht. Und da liegt das eigentliche Problem.
  • Drake-Gleichung und Exoplanetenforschung

    01.07.2013, Andreas
    Frau Seager ist nicht die erste, die die Parameter der Drake-Gleichung mit neuen Erkenntnissen aus der Exoplanetenforschung abschätzt. Selbiges findet sich z.B. hier:

    http://asmaier.blogspot.de/2010/07/exoplaneten-kepler-findet-unmengen.html

    Der Autor kommt dort zu der Abschätzung:

    "Auf das ganze Universum hochgerechnet (100 Milliarden milchstrassenähnliche Galaxien) ergibt sich N=200 Millionen, also etwa eine Zivilisation pro Galaxienhaufen. Die Entfernung zur nächsten Zivilisation liegt nach diesen Abschätzungen dann etwa bei 1-10 Millionen Lichtjahren. Das ist verdammt weit und ein Kontakt praktisch unmöglich. Das würde erklären, warum wir bisher noch keinen Außerirdischen begegnet sind."
  • Wann hat das Experimentieren endlich ein Ende?

    01.07.2013, Uwe Zimmermann, Ph.D.
    Ist es nicht an der Zeit, mit dem Experimentieren an den Schülern etwas vorsichtiger zu werden? Selbst durfte ich während meiner Schulzeit im Lande Bremen Zeit mit der Mengenlehre mit Holzklötzchen verplempern, mich später 2 Jahre lang in der sogenannten Orientierungsstufe langweilen. In den Jahren seither verfolge ich mit Abstand die diversen Experimente, die in verschiedenen Bundesländern durchgeführt werden, um nach spätestens einer Legislaturperiode wieder umgeworfen zu werden.

    Ich halte es zunächst einmal für unverantwortlich, dass in Deutschland immer noch jedes einzelne Bundesland alleine über das Bildungssystem bestimmen kann, und zum anderen, dass es ausschließlich durch die gerade aktuelle Regierungsdoktrin reguliert wird.

    Es ist natürlich eine rechtmäßige Frage, welche Inhalte die Schule heute vermitteln muss, und ob dies auch weiterhin das Auswendiglernen von Schillers Glocke oder das Ziehen von Wurzeln ist. Aber wie auch schon von anderen hier kommentiert, so kann und darf die Schule nicht zu einem Unterhaltungsmedium verkommen. Mitte der 1990er schrieb Carl Sagan in seinem Buch "The Demon-Haunted World", dass wir eine Gesellschaft geschaffen haben, die zunehmend durch Wissenschaft und Technik geregelt ist, in der aber immer weniger tatsächlich etwas von Wissenschaft und Technik verstehen.

    Aber es geht nicht nur um Wissenschaft und Technik, es geht auch um Kultur und Sprachen. Und wenn es nicht alle Schüler schaffen, sich zumindest eine gewisse Basis der entsprechenden Lerninhalte anzueignen, dann muss man diesen Schülern eben mehr Zeit dafür geben. Dies kann und darf auf keinen Fall zur Kostenfrage werden, denn die Kosten, die sich ansonsten später für die Volkswirtschaft ergeben, dürften noch um einiges größer ausfallen.

    Fazit aus meiner Sicht und Erfahrung ist, dass eben nicht alle Schüler und Studenten gleich sind. Es gibt Unterschiede im persönlichen Lerntempo, die sicherlich auch durch das soziale Umfeld bestimmt sind. Und auf diese Unterschiede muss das Bildungssystem Rücksicht nehmen - koste es was es wolle!

  • Tatoo

    01.07.2013, Michael Koszler
    In der Akupunktur werden die "Energiebahnen" auf der Haut als Meridiane bezeichnet. Es würde mich interessieren, ob Tatoos einen Einfluss auf Meridiane und Akupunkturpunkte haben.
    Gibt es da Untersuchungen bzw. Forschungsergebnisse?
  • Wasch mich, aber mach mich nicht nass

    01.07.2013, Ingo Mehling, Frankfurt
    Das Problem, das mit dem Doktortitel in seiner heutigen Form besteht, liegt darin, dass es bei seinem Erwerb gerade bei Medizinern, Juristen und Politikern in der Regel nicht um die Qualifikation als Forscher geht, sondern um das Erwerben von Prestige. Der Doktor wird damit nur noch zum Mittel für die Karriere und zum Gelderwerb.

    Das zeigt sich exemplarisch bei von Guttenberg. Der Mann war ein aufstrebender CSU-Politiker, dessen Familie schon seit Langem in Oberfranken einen erheblichen politischen Einfluss hat. Klar, dass die Universität Bayreuth so jemandem nicht die Promotion mit summa cum laude verweigert und dass die Zweitgutachter, die auch alle aus Bayern stammen, ihr Einverständnis dazu gaben. Alles andere hätte bedeutet, sich bei Institutionen unbeliebt zu machen, die einen erheblichen Einfluss auf die Karriere der beteiligten Personen und die Finanzierung ihrer Lehrstühle und Forschungsprojekte haben. Leidtragende sind die ehrlichen Doktoranden, denn ein Doktortitel aus der juristischen Fakultät der Universität Bayreuth ist jetzt wirklich nur noch eine Lachnummer.

    Schön, dass Herrn Kempen und Herrn Eitel die akademische Freiheit so wichtig ist, aber solange sie zu solchen Abhängigkeiten nichts sagen, bleibt das alles nur hohles Gerede. Ist aber auch kein Wunder, denn die beiden haben sich ja auch im bestehenden System nach oben gearbeitet und dabei eben auch die Mittel benutzt, die dafür erforderlich sind. Deswegen wird man von ihnen wohl kaum etwas Erhellendes über die Vermeidung von wissenschaftlichem Fehlverhalten erfahren, denn dann müssten sie ja auch Strukturen kritisieren, von denen sie selbst profitieren.
    Dementsprechend inhaltsleer ist das Interview. Das läuft dann nur noch nach dem Motto: Wasch mich, aber mach mich nicht nass.
  • Kooperation und nicht Egoismus

    01.07.2013, Michael Gansera, Dresden
    An Herrn Sapolsky ist offensichtlich völlig vorübergegangen, dass wir Menschen in Gemeinschaften nicht nur leben, sondern vor allem KOOPERIEREN. Er sieht Gemeinschaften nur als Institutionen, um sich möglichst viele Vorteile auf Kosten anderer zu verschaffen. Aber hat nicht schon Richard Dawkins vor fast 40 Jahren („Das egoistische Gen“) gezeigt, daß parasitisches Verhalten in Gemeinschaften nur zu einem geringen Prozentsatz möglich ist, weil die Gemeinschaften sonst zerbrechen? Für den Bestand von Gemeinschaften sind – was jedes Kind verstehtnbsp;- andere Eigenschaften nötig als skrupelloser Egoismus.

    Wer – wie Sapolsky – soziale Intelligenz nur in Hinblick auf Heimtücke und Intrige wahrnimmt, sieht nur die Eiterbeulen menschlichen Sozialverhaltens. Woher kommen denn kulturelle Höchstleistungen, von den eiszeitlichen Höhlenmalereien bis hin zu CERN oder der Brennstoffzelle? Eines ist klar: Engstirnige intrigante Egoisten sind an solchen Errungenschaften sicher nicht ursächlich beteiligt. Sie schmarotzen nur. Schade, dass ich mit meinem Abonnement den Schmarotzer Sapolsky finanziere.
  • Musik und Emotionen - die Strebetendenz-Theorie

    01.07.2013, Bernd Willimek, Bretten
    Das größte Problem bei der Beantwortung der Frage, wie Musik Emotionen erzeugt, dürfte die Tatsache sein, dass sich Zuordnungen von musikalischen Elementen und Emotionen nie ganz eindeutig festlegen lassen. Die Lösung dieses Problems ist die Strebetendenz-Theorie. Sie sagt, dass Musik überhaupt keine Emotionen vermitteln kann, sondern nur Willensvorgänge, mit denen sich der Musikhörer identifiziert. Beim Vorgang der Identifikation werden die Willensvorgänge dann mit Emotionen gefärbt. Das gleiche passiert auch, wenn wir einen spannenden Film anschauen und uns mit den Willensvorgängen unserer Lieblingsfigur identifizieren. Auch hier erzeugt erst der Vorgang der Identifikation Emotionen.
    Weil dieser Umweg der Emotionen über Willensvorgänge nicht erkannt wurde, scheiterten auch alle musikpsychologischen und neurologischen Versuche, die Frage nach der Ursache der Emotionen in der Musik zu beantworten. Man könnte diese Versuche mit einem Menschen vergleichen, der einen Fernsehapparat aufschraubt und darin mit einer Lupe nach den Emotionen sucht, die er zuvor beim Ansehen eines Films empfunden hatte.
    Doch wie kann Musik Willensvorgänge vermitteln? Diese Willensvorgänge haben etwas mit dem zu tun, was alte Musiktheoretiker mit "Vorhalt", "Leitton" oder "Strebetendenz" bezeichnet haben. Wenn wir diese musikalischen Erscheinungen gedanklich in ihr Gegenteil umkehren (der Ton strebt nicht fort, sondern ich will, dass der Ton bleibt), dann haben wir im Prinzip den Willensinhalt gefunden, mit dem sich der Musikhörer identifiziert. In der Praxis wird dann alles noch etwas komplizierter, so dass sich auch differenziertere Willensvorgänge musikalisch darstellen lassen.
    Weitere Informationen erhalten Sie über den kostenlosen Download des fünfteiligen Artikels "Warum klingt Moll traurig? Die Strebetendenz-Theorie erklärt das Gefühl in der Musik" des Onlinemagazins "musik heute" unter dem Link:
    http://www.musik-heute.de/tags/strebetendenz-theorie/
    oder über den kostenlosen Download des E-Book der Universität München "Musik und Emotionen - Studien zur Strebetendenz-Theorie":
    http://ebooks.ub.uni-muenchen.de/26791/