Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Kalte Fusion 2.0?

    30.01.2017, Ivan
    Gab es nicht schon mal so zwei "Spezialisten", die veröffentlicht haben, dass sie die kalte Fusion entdeckt haben. Am Ende konnte es keiner reproduzieren und die beiden haben damit ihre Karrieren begraben?
  • Realitätsnähe ist nicht der Punkt, wohl aber Entscheidbarkeit

    30.01.2017, Malte Pagel

    Natürlich wäre es im wirklichen Leben eine unverzeihliche Panne, den auffälligsten und am leichtesten klassifizierbaren Unterschied bei Menschen (nämlich das Geschlecht) nicht in eine vernünftige Relation zum einzigen wahlfreien Parameter des Experiments (Medikament oder Placebo) zu setzen – umso unverständlicher, da es ungefähr gleich viele Frauen wie Männer gibt. Aber wenn man so argumentierte, müsste man sich auch fragen, wieso ein behandelnder Arzt ein Medikament mit selbst bei wohlwollender Betrachtung der Statistik derart miserabler Heilungsaussicht überhaupt in die Finger bekommt.

    Das Beispiel ist sicherlich absichtlich derart plakativ konstruiert; zur Verdeutlichung eines Sachverhaltes ist Übertreibung durchaus angemessen. Die Fälle aus der Realität zeigen, dass sich unglückliche Verteilungen der zu untersuchenden Mengen trotz größter Sorgfalt nicht vermeiden lassen.

    Aber auch wenn man großzügig die Planer von Studien, die das Paradoxon zeigen, von aller Schuld freispricht: Bei einer Statistik, die ein Simpson-Paradoxon aufweist, ist etwas faul. Im besten Fall kann man aus den widersprüchlichen Resultaten etwas lernen (siehe 'Der Sieg des Guten'); in schlimmeren Fällen ist mindestens eine der Sichtweisen (im Sinne der ursprünglichen Fragestellung) falsch. Das Paradoxon ist nicht 'erledigt' im Sinne von 'jetzt, da wir darüber wissen, werden wir Wege finden, es zu verhindern', aber es handelt sich bei den auftretenden Fällen (auch denen aus der Realität!) keineswegs um Sachverhalte mit komplementären, trotz der Widersprüchlichkeit gleichermaßen als korrekt anzusehenden Sichtweisen.

    Die vom Autor zumindest angedeutete Feststellung, es gebe kein Entscheidungskriterium, ist nicht richtig. Es mag weniger leicht sein als im vorliegenden Fall, den Schlüssel zu finden; es mag schwierig sein zu formulieren, was man eigentlich von der Studie zu wissen wünscht; aber letztendlich ist jedes Problem, das auf einer endlichen Menge von Elementen mit bestimmbaren Eigenschaften beruht, entscheidbar - notfalls durch Abzählen der Einzelelemente.

  • Weiterführender Vortrag

    30.01.2017, Heiner
    Es gibt zu den Rindern des Helios einen weiterführenden und wie ich finde unterhaltsamen Vortrag des math.space Wien: https://www.youtube.com/watch?v=8JZY5FSaHk0

    Viel Vergnügen!
  • Verborgener 'Bias'

    29.01.2017, Reiner Zorn
    In der Tat scheint hier kein Paradox vorzuliegen, sondern nur ein subtiler Fall von statistischer Verzerrung ("statistical bias"). Im Beispiel des Artikels ist zwar die Hälfte aller Personen männlich, und die Hälfte hat das Medikament bekommen, aber unter den Männern haben 75 % das Medikament bekommen, unter den Frauen nur 25 %. Fordert man, dass in allen Untergruppen (männlich/weiblich, Augenfarbe) das Medikament mit gleicher Wahrscheinlichkeit gegeben wird, zeigt eine einfache Rechnung, dass das "Paradox" nicht auftreten kann. Man könnte jetzt argumentieren, dass bei der Konzeption einer Studie nicht alle relevanten Unterkriterien bekannt sind, also die gleichwahrscheinliche Zuordnung des Medikaments nicht gewährleistet werden kann. Dies sollte sich aber bei einer zufälligen Zuordnung Medikament/Placebo im Grenzfall großer Probandenzahlen automatisch ergeben. Schon die Zuordnung im Beispiel hier (60/20 bei Männern und 20/60 bei Frauen) oder eine noch extremere kann zufällig nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 4 x 10–11 auftreten (kumulierte Verteilungsfunktion der Binomialverteilung für zwei Größen). D. h. das gegebene Beispiel kann eigentlich nur durch "böse Absicht" zustande kommen.
    Antwort der Redaktion:

    Hinter dem (konstruierten) Beispiel mit dem Medikament und dem Placebo steckt zweifellos Absicht. Damit ist das Paradox jedoch nicht erledigt. Die Beispiele im Kasten zeigen, dass eine ungleichmäßige Verteilung der Fallzahlen auf die Untergruppen vorkommt und nicht durch einen geeigneten Experimentaufbau zu vermeiden ist (schon weil es sich nicht um kontrollierte Experimente handelt).

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Danke für den Buchhinweis! Endlich geht auch die Religionskritik voran!

    29.01.2017, Dr. Michael Blume
    Als zum Thema Forschender und Bloggender (bei den scilogs) hat mich dieser Buchhinweis sofort interessiert und inzwischen habe ich mir das Buch auch gekauft und lese mit Genuss darin. Die ebenso prägnante wie gute Rezension habe ich auch ebenfalls bereits weiterempfohlen.

    Inhaltlich kann ich es nur begrüßen, dass nun endlich auch Religionskritiker beginnen, die Befunde zur Evolutionsforschung zu Religiosität und Religionen ernst zu nehmen und von mehr oder weniger gewitzten Polemiken zur Auseinandersetzung mit der Empirie überzugehen. Davon können die Wissenschaften, dann aber auch die Weltanschauungen und Religionen selbst und schließlich die Gesellschaften insgesamt profitieren, um Lebensförderliches zu stärken und Gefährliches zu entschärfen.

    Danke an F.M. Wuketits und A. Grabner-Haider für dieses wichtige Buch und an spektrum sowie Frank Schubert für die "wegweisende" Rezension in Spektrum der Wissenschaft! :-)
  • Kalender-Rechnen

    29.01.2017, Herbert Steiner
    Sehr schöner Beitrag über das Kalenderrechnen, es passt alles ganz genau.
    Ich habe selbst eine Theorie für das gregorianische Kalenderrechen entwickelt bzw. modifiziert und in meinen Blog veröffentlicht, was für das Kopfrechnen bestens geeignet ist.
    Mit dieser Methode sind Berechnungszeiten von ca. 2 Sekunden bis zur augenblicklichen Erkennung möglich.
  • Fällt auf

    28.01.2017, Olaf Schlüter
    Dass die ersten beiden Postings sich über Kritik an Trump beschweren, fällt auf. Hier hätte ich das nicht erwartet. Es ist offensichtlich, dass Trump in seiner Politik wissenschaftlichen Erkenntnissen keinen Wert zumisst, es sind für ihn Meinungsäußerungen wie alles andere auch. Aber im Netz findet man unter jedem Artikel, der Trump ob seiner faktenignoraten Politik kritisiert, gleich mal etliche Posts von Trump-Fans. Ich kann mich des Eindrucks nicht mehr erwehren, dass hier eine koordinierte Web-Aktion am Werk ist.
  • Aderlass der Wissenschaft unter Bush, jetzt halt wieder.

    28.01.2017, Bollisee
    Bereits unter Bush wurden Wissenschaftler nicht mit Visa versorgt, oder durften schlichtweg ohne Begründung zu ihrem Arbeitsplatz nach einem Besuch in der Heimat nicht mehr zurück. Die amerikanische Wissenschaft ist bisher deswegen führend, weil man sich über Jahrzehnte die führenden Köpfe aus der Restwelt weglockte. Gibt es jetzt noch einen Maulkorb für die Wissenschaft, dann wird die vermehrt außerhalb der USA erfolgreich sein. Gut für die konkurrierenden Länder, schlecht für die Wissenschaft (und den Klimaschutz). Das hat nichts mit Trump-Bashing zu tun, sondern mit der Realität. Da hilft auch kein "Alle-Hacken-Ständig-auf-dem-kleinen-Trump-rum-Geheul". Nachdenken und Erkenntnisgewinn konnte nicht einmal die Inquisition wirklich aufhalten.
  • weiß einer, ob die geflogen sind?

    28.01.2017, Torsten Irion
    wie müssen Knochen aussehen, die eine Landung von einer Vierteltonne aushalten? Und können solche Knochen leicht genug sein, um Fliegen zu ermöglichen?

    (ich hab keine Ahnung davon, bin aber neugierig, ob das einer weiß bzw. wie man so etwas aus Fossilen herauslesenen könnte... Strauße oder Pinguine würden als Fossil ja auch zunächst mal als Vögel kategorisiert, aber das sagt ja noch nichts über die Flugfähigkeit...)
    Antwort der Redaktion:
    Ob diese Art fliegen konnte, ist meines Wissens nicht genau bekannt. Andere Arten der großen Pterosaurier konnten dies jedoch:

    http://www.spektrum.de/news/salto-mortale-auf-hoher-see/895336

    http://www.spektrum.de/news/riesiger-flugsaurier-katapultierte-sich-in-die-luft/1054293

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • Totaler Humbug

    28.01.2017, Anni Hipp
    Meine Mutter hat ihr ganzes Leben lang täglich!!! 2 Liter Milch getrunken, sie ist immerhin 88 geworden und war praktisch bis auf die letzten 4 Wochen "pumperl gsund" und dafür gibt es auch genügend Zeugen
  • Mr. Trump glaubt bestimmt, dass das US Arbeiter besser können

    28.01.2017, Tom
    Ganz sicher sogar.

    /Sarkasmus off
  • @Jürgen Müller: Kritik steht doch drin.

    27.01.2017, Thomas M.
    Jürgen Müller: „Offenbar wird die dünne Datenlage gerügt, und hinterfragt, ob der angegebene Druck erreicht wurde und ob überhaupt Wasserstoff in der Druckkammer war. Warum fehlt ausgerechnet im Spektrum der Wissenschaft jeglicher Hinweis auf diese Kritik?“

    Artikel: „Fachleute sind allerdings nicht davon überzeugt, dass es sich bei dem reflektierenden Material tatsächlich um den Wasserstoff handelt. Auch das Aluminiumoxid könne unter den Bedingungen reflektierend gewesen sein, geben Forscher gegenüber dem Magazin "Nature" zu bedenken. Zusätzlich sei der Druck in der Probenkammer während des vermeintlichen Phasenüberganges unklar. Das Team hätte, so die Schlussfolgerung, weitere Experimente durchführen müssen.“

    WTF?!
    Antwort der Redaktion:
    Der Artikel wurde später korrigiert, die Red.
  • Man könnte es ja auch richtig machen

    27.01.2017, Christian Krippenstapel
    Seien wir doch mal ehrlich: der "Bioenergiepflanzen"-Anbau dient doch im wesentlichen dazu, noch mehr klassische Nahrungsmittelpflanzen in den Markt zu drücken, der eigentlich längst übersättigt ist. Wenn dabei noch ein bißchen "Bioenergie" rauskommt, dann ist das allenfalls ein willkommener Nebeneffekt.
    Wenn man es mit dem Konzept ernst meinte, würde man die wüchsigen und anspruchslosen Pflanzen dafür nutzen, die vor allem in den wärmeren Ländern im Übermaß gedeihen, wie zum Beipiel die Wasserhyazinthe. Die würden alle gerne los, aber die ist als "invasive Spezies" auf dem Index und darf in Biogasanlagen nicht genutzt werden, weil die Gesetzeslage eben nur Energiemais erlaubt. Nicht mal Zuckerrübenabfälle sind zulässig!
    Ein Schelm und Verschwörungstheoretiker, wer jetzt einen Zusammenhang darin sieht, dass das Saatgut für unseren Energiemais und das Standard-Herbizid gegen die Wasserhyazinthe vom selben Hersteller kommen ... SO sieht erfolgreiche Lobby-Arbeit aus!
  • Wo bleibt die Kritik?

    27.01.2017, Jürgen Müller
    In allen anderen Veröffentlichungen, die über diese Arbeit berichten, wird auf die massive Kritik hingewiesen, die andere Wissenschaftler an der Publikation von Silvera und Dias geübt haben. Offenbar wird die dünne Datenlage gerügt, und hinterfragt, ob der angegebene Druck erreicht wurde und ob überhaupt Wasserstoff in der Druckkammer war. Warum fehlt ausgerechnet im Spektrum der Wissenschaft jeglicher Hinweis auf diese Kritik?
  • Überdenken Sie die Überschrift

    27.01.2017, Ars Wendiger
    Die Überschrift impliziert, daß Pellets generell negativ zu bewerten sind. Es wird aber nach Lesen des Artikels und nach Sichtung der Studien deutlich, daß das Szenario "Wald abholzen" und "Pellets über weite Distanzen zu transportieren um die zu verfeuern" den Kern des Problems ausmacht. Wenn sie aber wie gerade in D Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft in einem Sägewerk verarbeiten, wird üblicherweise aus dem Sägerestholz Hackschnitzel oder z.T. Pellet gefertigt. Restholz wird noch vor Ort zur Feuerung der Heizung für die Holztrocknung verwendet. Die Pellets werden dann regional und national verkauft.
    Aus den vorbezeichneten Gründen hätte ich mir zum Schutz der nationalen Pelletherstellung einen weniger tendenziösen Titel gewünscht. Nichts desto trotz schätze ich Ihre Arbeit und freue mich weiter auf spannende Informationen.