Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ideen in einer Denkpause

    03.06.2013, Markus Hach, Neunkirchen
    Die Frage, ob und warum es in unserer Gesellschaft immer weniger Genies gibt, lässt sich möglicherweise nicht nur durch wissenschaftliche Studien, sondern auch durch persönliche Erfahrungen zumindest beleuchten.
    Ich bin der Meinung, es gibt heute immer weniger Genies, weil sie von den so genannten Eliten unserer durchorganisierten, mechanisierten und vernetzten Gesellschaft nicht mehr erwünscht sind. Die deutschen Universitäten haben mit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System ihre Freiheit aufgegeben und ihre Forschung dem zielgerichteten und durchgeplantem Diktat der Wirtschaf(lichkeit) unterworfen und „produzieren“ am Fließband leistungsbereite, junge, oft psychisch angeschlagene Absolventen, die durch dieses System darauf trainiert wurden, in möglichst kurzer Zeit zu liefern, was von der Industrie gefordert und verlangt wird, anstatt ihrer eigenen forscherischen Neugier und Intuition folgen zu können.
    (Ich hatte das Glück, Physik im Diplomstudiengang zu beginnen, und habe Vorlesungen und vor allem die Mentalität der Studenten in beiden Varianten erlebt, weiß also, wovon ich rede.)

    Das Wesen des wissenschaftlichen Genies zeichnet sich dadurch aus, Neues zu schaffen, neue Ideen und Sichtweisen in die Welt zu setzen, oder ihnen zum Durchbruch zu verhelfen. Dieser Prozess ist per Definition nicht planbar, da die Idee während des psychisch-kreativen Aktes ihres Schöpfers aus seiner Intuition heraus, erst spontan, fast schon zufällig dann entsteht, wenn er über ungelöste Probleme unserer Gesellschaft oder der Menschheit nachdenkt. Meistens entstehen solche Ideen in einer Denkpause, im Moment zwischen zwei Gedanken, wenn das Genie gerade offen für eine derartige Eingebung ist.
    Für solche Denkpausen bleibt im sich immer weiter beschleunigenden Forschungs- und Wirtschaftsbetrieb jedoch immer weniger Zeit.

    Eine Erziehung, wie sie momentan an deutschen Universitäten praktiziert wird, fördert diese ungesunde Entwicklung, indem die Forschungsthemen vorgegeben werden und unter hohem Zeitdruck bearbeitet werden sollen.
    Dieses System erstickt jede Kreativität. Für Genies ist der Weg Einsteins, sich außerhalb der universitären Forschung zu stellen, um seinen eigenen Gedanken nachgehen zu können, fast nicht mehr gangbar, da unser Wissen seit seiner Zeit derart angewachsen ist, dass es nicht mehr möglich ist, sich dieses Wissen in Eigenregie selbst anzueignen. Es ist ein Spagat einerseits ins universitäre System gehen zu müssen, um sich dieses Wissen anzueignen, aber andererseits nicht die dort vorherrschenden Denkstrukturen zu übernehmen, um sich seine Eigenständigkeit im Denken erhalten zu können. Der universitäre Forschungsprozess hat sich dermaßen beschleunigt, dass es fast nicht mehr möglich ist, ihn zu stoppen, um eigene Ideen einwerfen und zur Diskussion stellen zu können.
  • Frage zu einem Detail

    02.06.2013, Stefan Pschera
    Das Axon leitet das Aktionspotential zu den Endknöpfchen. Wird nun jedes Endknöpfchen speziell angesteuert oder feuern immer alle? Dazu finde ich keine Literatur. Wenn die Endknöpfchen unspezifisch feuern, so wird aus der Eingangsvielfalt (ca. 20 000 Synapsen) ein Ausgang. Dies wäre eine extreme Konvergenz und Verlust an Information.

    Wenn man das Gehirn nachbauen möchte, muss eigentlich dieses Detail bekannt sein.


    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Pschera,

    es sind immer alle Endknöpfchen gleichzeitig von einem Aktionspotential betroffen. Allerdings verfügen Nervenzellen über verschiedenste Mechanismen, um im Rahmen von Lernvorgängen die Wirkung der feuernden Zelle auf die nachgeschaltete zu kontrollieren, also zu verstärken oder abzuschwächen. Das bedeutet, dass der Reiz, der ein Neuron erreicht hat, nicht unterschiedslos an alle anderen Zellen, mit denen die feuernde Zelle verbunden ist, in gleichem Maß weitergegeben wird.

    Es ist jedoch nicht möglich, dass eine Zelle (vereinfacht gesagt) nur die Synapsen A-E ansteuert, wenn sie ihrerseits von einer Zelle X erregt wurde, und die Synapsen F-Z, wenn der Reiz von Zelle Y stammt. Für eine solche Konstruktion müssten mehrere Hirnzellen verwendet werden.

    Der dadurch bedingte "Informationsverlust", den sie beschreiben, ist allerdings durchaus gewünscht. Denn letztendlich lässt sich dadurch eine hierarchische Anordnung von Hirnarealen realisieren, die immer abstraktere Konzepte repräsentieren, indem sie konkrete Informationen untergeordneter Areale verwerfen und stattdessen auf die Gemeinsamkeiten in den Erregungsmustern reagieren.

    Eine sehr ausführliche und allgemeinverständliche Einführung in diese Thematik finden Sie in "Das Konnektom" von Sebastian Seung.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Dönges / Redaktion

  • Vorsicht vor der Warnung der Warnung

    01.06.2013, Dr. Robert Hammer
    Ich habe den Beitrag zum Nocebo-Effekt mit Interesse gelesen. Es handelt sich sicherlich um ein Phänomen, dessen Erforschung neue Einsichten in die Funktionsweise der menschlichen Psyche erwarten lässt; vor allem wird damit aufgezeigt, dass psychische Vorgänge durchaus somatische Reaktionen, d.h. Krankheiten hervorrufen können.
    Ich halte es jedoch für höchst bedenklich, wenn bei medizinisch nachweisbaren gesundheitlichen Schäden durch Elektrosmog, durch die chemischen Belastungen der Umwelt oder der Nahrungsmitteln vor denen gewarnt wird, welche diese Gefahren aufzeigen. Aufgrund einer persönlichen Erkrankung bin ich für diese Problematik sensibilisiert. Ich halte die Verharmlosung dieser Gefahren für ausgesprochen verantwortungslos, da Menschen durch das Herunterspielen dieses Gefahrenpotentials zu falschen Verhaltensweisen im Umgang mit den neuen Technologien veranlasst werden, was auf Dauer zu gesundheitlichen Schäden führen kann.
    Es ist gerade auf diesem Gebiet festzustellen, dass Studien, welche eine gesundheitsschädigende Folge im Bereich der Umweltmedizin feststellen, sofort durch Studien "unabhängiger Experten" widerlegt werden. Nach meinen Beobachtungen - und persönlichen Erfahrungen - wird ein enormer finanzieller Aufwand von der Wirtschaft betrieben, um schädigende Einflüsse auf Umwelt und Menschen durch die neuen Technologien zu verleugnen. Wissenschaft hat in unserer Zeit ihren objektiven Status verloren, da sie leider auch für ökonomische Zwecke missbraucht wird.
    Der Nocebo-Effekt ist ein interessantes Phänomen, es lässt sich aber damit nicht alles erklären.
  • Kampf um Strom

    31.05.2013, Christian Gnabs
    Ich warne vor dem Buchkauf.
    Rausgeworfenes Geld für ein widerliches politisches Geschwätz ohne Abbildungen und technische Fakten in Form z. B. von Tabellen (Dadurch vermeidet man trefflich Nachprüfbarkeit). Beispiel Speicher. Kein Wort darüber, wie groß die Speicherkapazitäten sein müssten, um über mehrere Wochen (wenn Sonne und Wind fehlen) Strom zu liefern.
    Ich hörte Frau Kemfert in einer Talkshow sagen, mit der Energiewende gehe es nicht voran, weil man die Kohlekraftwerke nicht abstellt. Ohne jede Beweisführung. Politisch eben.
    Und diese Frau wollte Röttgen zur "Energieministerin" machen. Sein Fall war allein deshalb schon unumgänglich
  • Räumlich statt linear rechnen

    31.05.2013, Friedrich Kalny, Wien
    Bin überhaupt nicht vom medizinisch-biologischen Fach, habe aber "Leserbrief, zu 'Schwangere verhungern nicht' von Herrn Peter Kosek, Gütersloh" überflogen. Da vermeine ich einen gravierenden (Rechen-)Fehler zu sehen:

    Ausgangsbasis: Organmasse Köpfe (muss ich für mich als gegeben annehmen): 600 Milliliter anstatt 450 Milliliter, wobei 450 Milliliter einem Kopfdurchmesser von 9 Zentimeter zugeordnet sind

    Rechnung: Die größere Kopfmasse entspricht dem 1,333-fachen der Ausgangsbasis
    Annahme: Der Kopf vergrößert sich gleichmäßig in allen drei Dimensionen. Daraus folgt, dass sich jede Dimension des Kopfes um die dritte Wurzel aus 1,333... vergroßert
    Das ist um Faktor 1,09.... Daher (neuer) Kopfdurchmesser 9,82 Zentimeter

    Der Leserbriefschreiber geht in seinen Folgerungen aber von 12 Zentimeter aus(das heißt, es wurde linear und nicht räumlich gerechnet)!

    Bedenkt man, dass die menschliche Körpergröße durchaus um plus/minus 15 Prozent und mehr schwankt (Nordeuropa, Afrika, Asien), so scheinen mir plus 9 Prozent zwar beachtlich - aber doch ohne gravierende anatomische Veränderung machbar zu sein!
    (Randfälle würde die Evolution aussortieren...)
  • Stimmen die Grundannahmen?

    31.05.2013, Robert Orso
    Ich bin sicher, dass nachfolgende Überlegung schon von klugen Köpfen bedacht und wieder verworfen wurden, Da ich aber nicht weiß, nach welchen Stichworten ich suchen müsste, hat meine Recherche nicht viel relevantes ergeben.

    1) Wir beobachten eine ungleiche Verteilung der Materie Dichte im Universum
    2) Wir beobachten, dass die Dichte (Gravitation) in den "blauen" Regionen viel höher ist, als die messbare Materie bewirken dürfte

    Daraus folgern wir, dass irgendwelche noch nicht beobachtete Materie dieses Defizit auffüllen muss.

    Diese Forderung ergibt sich aus dem Wissen, dass Masse (Materie) den glatten Raum krümmt, was zur Wirkung der Gravitation führt.

    Was aber, wenn die unausgesprochene Voraussetzung "ohne Masse ist der Raum glatt" schon falsch ist?

    Es könnte doch auch genau umgekehrt sein: Der Raum selbst schwingt wie eine Glocke. Es ergeben sich Resonanzen mit Tälern und Bergen und Wellenlängen in der Größenordnung von etlichen Millionen Lichtjahren. In den Wellentälern würde sich zwangsläufig die Materie sammeln wie Schotter, der in einen Kessel rutscht. Die Wellenberge wären stattdessen weitgehend frei von Materie, weil hier die Masse aus einender getrieben wird.

    Wir würden unter dieser Annahme große Bereiche praktisch ohne Materie beobachten, sowie Ansammlungen von "Schotter". Wobei man sich für letztere fragen würde, wie so wenig Schotter eine so tiefe Grube ergeben kann. Wir würden quasi die viel gesuchten Gravitationswellen auf großen Skalen bei der Arbeit beobachten.

    Die Bilder der Planck-Durchmusterung sehen auf großen Skalen jedenfalls Resonanzmustern von räumlichen Schwingungen nicht unähnlich. Sehen wir hier vielleicht das Abbild des Ur-"Knalls" in drei oder mehr Raumdimensionen?

    Was auf großen Skalen einleuchtend scheint, muss auf kleinen Skalen nicht funktionieren. Die Masseverteilung in einer einzelnen Galaxie ließe sich so vermutlich nicht erklären. Es bleibt aber trotzdem die Frage, ob die Grundannahme "Ohne Materie ist der Raum glatt" beweisbar ist. Also die Frage, ob der Umkehrschluss von "Materie -> Masse -> Raumkrümmung" zu "Raumkrümmung -> Masse -> Materie" universell gültig ist.
  • Volumen- und Durchmesserzunahme

    31.05.2013, Dr. Hans Schiefer, Eggersriet (Schweiz)
    Herr Kosek schließt, dass eine Volumenzunahme des Gehirns von 450 auf 600 Milliliter (Faktor 4/3) mit einer Zunahme des Durchmessers von 9 auf 12 Zentimeter verbunden ist (ebenfalls Faktor 4/3). Werden konstante Proportionen des Gehirns vorausgesetzt - wie durch die Beschreibung mit einem Durchmesser impliziert - betrüge der Zuwachs des Durchmessers aber lediglich (4/3) ^ (1/3), also ziemlich genau 1,1, womit sich ein Durchmesser von 9,9 anstatt 12 Zentimeter ergibt. Dieser Zusammenhang ist der mathematischen Tatsache geschuldet, dass sich Volumina proportional zur dritten Potenz von Längen verhalten. Ob die Anatomie der Frau damit erheblich anders aussehen muss, möchte ich als Medizinphysiker nicht beurteilen. Bei einem heutigen Normalwert des Geburtsgewichtes zwischen 2,5 und 4 Kilogramm (was einer Längenzunahme von 17 Prozent entspricht, wenn Proportionalität vorausgesetzt wird) scheint mir dieser Gedanke aber nicht zwingend.
  • Recht und Willkür...

    31.05.2013, Lutz Martin
    @ demoslogos:

    "Das Regelung nur beschränkt gelten um Leid vorzubeugen, zu lindern oder zu beseitigen schließt aber auch nicht aus, dass sie aus ethischen Gründen formuliert wurden."

    Das ist nicht ausgeschlossen, aber eben auch nicht automatisch der Fall. Wie bereits betont, kann nur über die Ermittlung der jeweiligen Motivation festgestellt werden, ob eine H/U moralisch ist oder nicht, und nur eine Analyse des gesamten Prozesses aus epistemischen, ethischen und moralischen Vorgängen kann Hinweise auf ihre eventuelle Fehlerhaftigkeit ergeben. Abgesehen davon sind "Regelungen" in Form strafbewehrter Gesetze NIEMALS ethisch, weil sie Gehorsam (also ANTImoralisches Verhalten) erpressen sollen. Wie außerdem schon festgestellt, ist Ethik anarchistisch, d.h. eine ethisch voll entwickelte Gesellschaft hätte keine strafbewehrten Gesetze mehr, sondern höchstens noch pragmatische Absprachen. Allein das Vorhandensein solcher Gesetze deutet also auf ethische Entwicklungsdefizite hin. Leider werden wir vorläufig nicht ohne Rechtswesen und Exekutive auskommen, aber aus logisch-methodischen Gründen können sie weder als ethische Elemente gelten, noch Ethik ersetzen.

    "Die uneingeschränkte Gültigkeit der Menschenrechte für Menschen lässt erkennen das sie aus ethischen Gründen formuliert wurden,"

    Ihre "Uneingeschränktheit" läßt eigentlich eher darauf schließen, daß sie NICHT aus ethischen Gründen formuliert wurden, denn ethische Reflexion muß sich auf BESTIMMTE moralische Objekte in ihrem BESTIMMTEN Zustand zu einem BESTIMMTEN Zeitpunkt beziehen. Wie alle Lebewesen ist auch der Mensch nicht in jedem seiner Zustände überhaupt ein moralisches Objekt, denn dieser Status setzt Leidensfähigkeit voraus. Es ist von elementarer Bedeutung für die Funktionalität der Ethik, daß ihre Bezugsobjekte stets korrekt bestimmt und nur tatsächlich vorhandene Bedürfnisse und Interessen (B/I) berücksichtigt werden. Leblose Gegenstände haben keine B/I, sind also prinzipiell keine moralischen Objekte, und wo ein lebendiges Wesen (egal, ob Mensch oder nicht) seine moralische Objekthaftigkeit vorübergehend oder endgültig verloren hat, dürfen nur die B/I Dritter in eine ethische Reflexion einfließen. Anderenfalls wäre sie irrational und würde zu fehlerhaften Ergebnissen führen.

    "Eine uneingeschränkte Gültigkeit ist nur nötig, wenn man die Menschenrechte als universell ansieht."

    Sie sind ja nur "universell" für Mitglieder der Spezies Homo sapiens. Die aber stellen nur eine Teilmenge aller moralischen Objekte dar, und genau das macht die Menschenrechte zu einem ethischen Problem. Immerhin hätte man ein Recht für ALLE Wesen formulieren können, die bestimmte ethisch relevante Eigenschaften gemeinsam haben. Statt dessen aber hat sich der Mensch willkürliche Vorrechte gegenüber anderen empfindungsfähigen Wesen eingeräumt und sie so zu fortwährendem vermeidbarem Leiden verurteilt. Diese Praxis ist im Prinzip faschistisch weil logisch äquivalent der Selbstbevorrechtung "gesunder heterosexueller nationalsozialistisch denkender ArierInnen" gegenüber allen Wesen, die diesen Kategorien nicht entsprechen. Wir werden den Faschismus und auch etliche andere verheerende "Ismen" erst dann endgültig überwunden haben, wenn wir unser Verhalten gegenüber anderen Lebewesen AUSSCHLIESSLICH daran orientieren, ob und inwiefern sie leidensfähig sind. Solange wir strafbewehrte Gesetze brauchen, sollte sich das auch in deren Formulierungen widerspiegeln.

    "Es ist seit über 60 Jahren eine Zunahme der Bemühung von Menschen, ihr Verhalten ethisch zu kontrollieren, zu beobachten. Diese Aussage ist nicht zynisch, wenn man betrachtet wie kurz der Zeitraum zurückliegt in den es noch als zulässig galt Menschen als Sklaven zu halten oder sie aufgrund ihrer Abstammung zu diskriminieren, sie wegen ihres Weltbildes zu verfolgen und auch zu töten. Und beachtet man auch die Anstrengungen, die für die Umsetzung nötig waren und immer noch sind, kann man erkennen das sie gesteigert wurden, nur ethische Absichten sind eine Erklärung für diese Motivation."

    NOCH einmal (und ich möchte Sie bitten, sehr gründlich darüber nachzudenken): Ein als "positiv" bewerteter Zustand an sich läßt KEINE Schlüsse darauf zu, ob er infolge ethischer Erwägungen zustandegekommen ist. Z.B. kann eine H/U lediglich aus religiösen Überzeugungen erwachsen sein. Die aber sind beliebig, weil unprüfbar oder falsch. Würden wir akzeptieren, daß Menschen gemäß solchen Überzeugungen handeln, bliebe uns nur, ALLES hinzunehmen, was das mit sich bringt, oder die Verwicklung in einen Selbstwiderspruch. Es ist also um der logischen Konsistenz willen, daß wir nicht-moralisches Verhalten grundsätzlich ablehnen und auf die ETHISCHE Begründung jeder einzelnen H/U bestehen sollten. Das ist auch insofern unverzichtbar, als moralisches Verhalten fehlerhaft sein kann und ein Lernen aus Fehlern nur dann möglich ist, wenn man sie und ihre Ursprünge erkannt hat.

    "Was ist denn nun Voraussetzung für Ethik, die Entwicklungsstufe oder das Wissen?"

    Das läßt sich doch nicht voneinander trennen. Der Mensch entwickelt sich, INDEM er Wissen erwirbt, es zu einem möglichst konsistenten Ganzen integriert und - sofern er moralisch ist - zum Wohle aller leidensfähigen Wesen nutzt, OHNE sich selbst willkürliche Vorteile gegenüber nichtmenschlichen Tieren herauszunehmen.

    "Die Notwendigkeit ethisches Denken zu erlernen widerspricht ihrer Position aus Kommentar 19 (vom 17.05.13), in dem sie noch Empathie als wesentliche Vorrausetzung für ethisches Handeln sehen, wie folgender Satz zeigt: "Herstellung und Konsum tierischer Produkte ist also Folge einer Erziehung, die Empathie unterdrückt, Ignoranz fördert und ethisches Denken verhindert.""

    Folgende Passage scheinen Sie überlesen zu haben: "Übrigens ist Empathie ohnehin nur von sekundärer ethischer Bedeutung, !-> denn weder kann sie ethische Reflexion ersetzen, noch ist ihre An- oder Abwesenheit relevant für den ethischen Status einer Handlung oder Unterlassung. <-! Empathie ist lediglich eine Emotion und als solche nur dann nützlich, wenn sie in Einklang mit dem ethisch Erforderlichen steht und moralisches Handeln erleichtert." Eine H/U aus reiner Empathie ist NICHT moralisch, aber wenn z.B. Kinder entsetzt ablehnen, Tiere zu töten, nur um sie zu essen oder ihre Leichenteile anzuziehen, ist das eine günstige Gelegenheit, diese Emotion "mit ethischer Substanz zu füllen" und so auch rational zu stabilisieren.

    "Die Welt ist nicht durch den Menschen zu einem Folter- und Schlachthaus geworden, weil er sich nicht bewusst dafür entschieden hat Fleisch zu essen oder Teile von Tieren zu verarbeiten, er hatte keinen Einfluss auf die Prozesse die dazu führten."

    Es gibt keine "Prozesse an sich", denen der Mensch hilflos ausgeliefert wäre, sondern nur Dinge, die Prozesse durchmachen. Die Welt, wie sie sich uns aktuell darstellt, ist großenteils das Ergebnis konkreter Prozesse, die konkrete Menschen zu verantworten haben, weil sich jeder einzelne von ihnen zu bestimmten Zeitpunkten für oder gegen die Berücksichtigung der B/I der von seinen H/U betroffenen leidensfähigen Wesen entschieden hat. Menschen essen HEUTE Fleisch, weil sie HEUTE keine oder keine systematische Ethik haben. Dasselbe gilt für alle übrigen vermeidbaren Mißstände auf der Erde.

    "Alle bisherigen ethischen Leistungen als unethische und unmoralisch zu bewerten bloß weil sie nicht für alle empfindungsfähige Wesen gelten fördert die ethische Bildung der Menschen nicht."

    Es fördert die ethische Bildung der Menschen insofern, als es ihnen verdeutlicht, daß und warum fast alles, was sie bisher getan oder unterlassen haben, moralisch entschieden zu fehlerhaft, unmoralisch oder antimoralisch ist, und daß sie ihr Denken und Verhalten nahezu komplett ändern müssen, wenn ethischer Fortschritt kein Zufall oder erbärmliche Flickschusterei mit katastrophalen Folgen für Abermilliarden leidensfähiger Wesen bleiben soll.

    "Das ihr Maßstab für derzeit lebenden Menschen nicht erfüllbar ist, können sie an sich selber sehen. Sie selber benutzen einen Rechner, der Erdöl und seltenen Erden beinhaltet, diese Rohstoffe werden teilweise unter menschenverachtenden Bedingungen abgebaut, mir ist noch kein Gerät bekannt bei dem vollständig gesichert ist das das nicht der Fall ist. Sie können also davon ausgehen das sie dazu beigetragen heben gegen Menschenrechte verstoßen zu haben."

    Es ist doch eine moralphilosophische Banalität, daß es schon aus erkenntnistheoretischen Gründen und infolge der Unmöglichkeit eines "perfekten" ethischen Kalküls kein "perfektes" moralisches Verhalten geben kann - erst recht nicht unter den Bedingungen ethisch unreifer Gesellschaften. Trotzdem ist von jedem Menschen zu fordern, daß er lernt und einsieht, warum es notwendig und letztlich auch in seinem eigenen Interesse ist, über seine H/U im Lichte ihrer absehbaren Folgen für andere leidensfähige Wesen zu entscheiden und sie auf Nachfrage ethisch rechtfertigen zu können. Es mag praktisch unmöglich sein, einen Computer zu kaufen, der allen ethischen Anforderungen gerecht wird, aber das gilt für nahezu JEGLICHEN Konsum in einer ethisch unterentwickelten Welt. Weil wir nun mal nicht "das Beste" tun können, bleibt uns vorläufig nur, das jeweils BesseRE zu tun, und das ist VIEL mehr, als die meisten Menschen wahrhaben wollen - sei es aus Bequemlichkeit oder ethischem Bildungsmangel oder beidem.
  • Wenn "Ethik" und ökopopulistische Politik ….

    30.05.2013, J. Schobeli
    … die Strom-, Volks- und Betriebswirtschaft und vor allem die Physik ersetzt dann funktioniert der deutsche Pressgang bzgl. "Erneuerbaren Energien".
    KEINE der Industrienationen möchte diesen deutschen ideologiedurchsetzten Sonderweg übernehmen, ca. 30% lehnen ihn jedoch TOTAL oder größtenteils ab.
    Und das, wo doch unsere Ökototalitären so sicher sind, daß am deutschen Wesen (mal wieder) die Welt genesen muß.
    Warum eine sich der Wissenschaft verpflichtete Schrift dem Ökologismus (der ja wahrlich über genügend Propagandabühnen verfügt) eine Plattform bietet zeigt wohin wir immer extremer steuern. Auf jeden Fall nicht in eine freiheitliche Wohlstandsgesellschaft.
  • Andere Interpretation

    30.05.2013, Krimm Hans
    Es hieß: "die physische Potenz eines potenziell bedrohlichen Rivalen" einschätzen? Ist da ein männlicher, nicht tierischer "Rivale"(?) wie Säbelzahntiger gemeint?
    Es wäre m. E. eine naheliegendere Interpretation betreffs Hörunterschieden bei "Er und Sie" möglich, statt des permanenten monokausalen "Sexismus" mit rivalisierendem Negativ-Mann, nämlich Kooperation. Was war außer Fortpflanzung und verschiedenen erotischen und zugleich arbeitsmäßigen Bindungsformen (zwischen Mädchen-Frauen-Männern-Jungen...) noch überlebensnotwendig in der Million von Jahren menschlicher evolutionärer Spezialisierung, nämlich Nahrungssicherung, hier Jagd wohl durch Männer (auch mit angelernten, nicht ihm entfremdeten Jungen, vergl. auch Ritter und Knappen...), die die Töne der Tiere eintaxieren mussten ( in Größeneinschätzung, auch räumlich damit besser...), und außerdem in der Jagd nicht gruppen- und selbststimulierend reden mussten und durften (Lebewesen versprengen statt "binden"), sondern hier besonders im nonverbalen Arbeits-Stil schweigend-diszipliniert-untergliedert (nicht "gleichgemacht") zusammenarbeiten mussten, was jetzt als Manko eines redefaulen Mannes oft fehlinterpretiert wird. Er hat ja ein feines Gehör, muss es daher/aber auch "abschalten".
  • Wieso statt?

    30.05.2013, Josef Schobelig
    Wieso nicht beides?
    Ich freue mich auf Mammut und Auerochse.
    Das Geld könnte z.B. auch durch das Streichen von universitären u.a. bestallter Stellen fortschritts- und technikfeindlicher Mahner und Warner hereinkommen.
    -
    Ansonsten wird das Artensterben sich auch mit noch soviel Geld nicht aufhalten lasssen, wird nicht endlich die irrwitzige Vermehrung der menschlichen Rasse in "nachhaltige" Bahnen gelenkt.
  • Wer hat die synthetischen Laute ausgewählt?

    29.05.2013, Die Moni
    Ich spekuliere auch mal:
    Wären die Laute, die zu beurteilen waren, andere, nämlich von weiblichen Forschern ausgewählt, wäre das Ergebnis ein anderes gewesen.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo liebe Leserin,

    ich bin nicht sicher, wie weit sich Anna Taylor, eine an der Studie beteiligte Forscherin, in die Experimentplanung eingebracht hat. ;-)

    Allerdings sind die synthetischen, eine Sekunde langen Laute ohnehin nicht vor dem Versuch ausgewählt worden, sondern nach physikalischen Gesichtspunkten gestaltet worden - sprich, es sind in den "Stimmen" Frequenzkonzentrationen nachgeahmt worden, indem ein Grundton durch bestimmte Filter gelaufen ist.

    Viele Grüße aus Heidelberg und weiterhin viel Vergnügen beim Lesen von Spektrum.de,

    Jan Osterkamp
    (Redaktion)
  • Elfenbein

    29.05.2013, Liane Mayer
    Wirklich hilfreich wäre es vermutlich, auf gentechnischem Weg künstliches Elfenbein tonnenweise herzustellen und damit den Schwarzmarkt dermaßen zu überschwemmen, dass das Töten von Elefanten zur Gewinnung von natürlichem Elfenbein finanziell uninteressant wird. Und in ähnlicher Weise sollte Horn von echten Nashörnern gegen die Konkurrenz von billig erzeugtem Kunst - Horn nicht mehr ankommen. Ist wahrscheinlich nicht so leicht zu machen, das Ganze, aber man darf doch träumen...
    Oder man bekämpft Aberglauben mit Aberglauben und spricht mit großem Tamtam einen Fluch aus, der angeblich bewirkt, dass jeder, der Teile einer gefährdeten Tierart ißt oder trinkt oder als Medikament einnimmt oder als Amulett am Körper trägt, vom Pech verfolgt wird ("seine Gesundheit soll geschwächt werden, seine Potenz abnehmen, seine geschäftlichen Unternehmungen sollen scheitern, seine Kinder sollen den Respekt vor ihm verlieren" usw.) Vielleicht würden die Leute sich dann hüten, weiterhin auf dem Schwarzmarkt Teile von gefährdeten Tierarten zu kaufen?
  • Zu: "Unsere Familie"

    28.05.2013, Paul R. Woods
    Zur Bildunterschrift "Neanderthaler und Mensch" ist anzumerken, dass beide als zu "Homo" gehörend bezeichnet werden, beide also Menschen sind.

    Beim Anführen der Laktoseverträglichkeit wäre vielleicht Alkoholverträglichkeit oder auch Häufigkeit der verschiedenen Blutgruppen anzuführen, die ebenfalls regional sehr unterschiedlich sein können.
  • Und wenn man "Rasse" durch "Unterart" ersetzt?

    28.05.2013, Frank
    Es ist ein interessantes Thema, dass es in der Art Homo Sapiens keine Rassen geben soll. Schon klar: Man hat bei solchen Überlegungen immer das Gefühl, sich in die Nazi-Ecke zu begeben, aber für wissenschaftlich korrekt halte ich das nicht.

    Es mag sein, dass man "Rasse" kaum noch verwendet, aber es gibt ja "Unterarten" (was wohl letztlich dasselbe ist). Und ich stelle immer wieder fest, dass Biologen bei Tierarten schon bei viel geringeren Unterschieden als bei den unterschiedlichen Aussehensweisen von Menschengruppen sofort wieder neue Unterarten beschreiben und Arten in viele solche zerlegen (die man anschließend nach sich benennen kann ;-) )

    Wenn man (ab)wertende rechte Rassismus-Gedanken über Bord wirft und sagt "alle Menschen sind gleichwertig, es gibt keine besseren oder schlechteren Menschengruppen" sowie "der Mensch ist auch nur eine von vielen Tierarten", dann müsste es doch auch möglich sein zu erforschen, ob es Unterarten des Menschen gibt? So aus ganz neutraler, sachlich wissenschaftlicher Sicht? Es ist zwar im Artikel gut beschrieben worden, warum hellere und dunklere Haut sowie unterschiedliche Haare nicht zu einer solchen Unterartenabtrennung führen müssen, aber es gibt ja noch weitere deutliche Unterschiede in Aussehen und Körperbau.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo (Herr) Frank,

    in der Tat kann man, wenn man mag, ganz neutral "Rasse" auch durch "Unterart" ersetzen: Der nach vielen populationsgenetischen und molekularbiologischen Untersuchungen erreichte Stand der Wissenschaft sagt hier übereinstimmend , dass H. sapiens auch nicht in Unterarten unterteilt werden kann.

    Das Argument ist dasselbe: Innerhalb der vielfältigen Spezies Mensch gibt es überall nur fließende Übergänge. Oder, molekulargenetisch formuliert: Der größte Teil der genetischen Unterschiede beim Menschen findet sich stets innerhalb einer geografischen Population.

    Die Unterart ist (wie die Rasse) ein von willkürlichen Merkmalen abhängiges Ordnungskriterium. Man kann sie, wie Sie sagen, natürlich aus anderen als wissenschaftlichen Zwecken durchaus aufstellen (selten allerdings um seinen eigenen Namen per Nomenklatur-Vorschlag zu verewigen: Das gilt unter Forschern als stillos.)

    Und noch kurz ein Wort zu Ihrem "es gibt noch deutlichere Unterschiede in Aussehen und Körperbau" - auch solche Äußerlichkeiten wären natürlich durch vernachlässigbar wenige Genvarianten hervorgerufen. Man bräuchte eine gute Begründung (die noch nie jemand vorlegen konnte) dafür, ausgerechnet diese paar Genvarianten angesichts vieler anderer Unterschiede herauszuheben, um damit zu einer phänotypisch-rassistischen Einteilung zu gelangen.

    Mit freundlichen Grüße
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de