Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Der Mond beeinflußt irdisches Leben! - Wie er das aber tut, ist noch nicht sicher

    21.08.2015, Steffen Seidel
    Der Mond beschreibt eine elliptische Bahn um die Erde. An seinem erdfernsten Punkt ist er zirka 1½ Lichtsekunden (ca. 450 000 km) von der Erde entfernt. An seinem erdnächsten Punkt dagegen nur eine Lichtsekunde (ca. 300 000 km). Bei Ebbe und Flut bewegt sich keineswegs nur das Wasser. Auch der Festlandsboden hebt und senkt sich. Ist der Mond an seinem erdfernsten Punkt, um 30 cm. An seinem erdnächsten Punkt um ca. 80 cm. Im Durchschnitt sind es ca. 50 cm.
    Bei Voll- und bei Neumond sind die Gezeitenkräfte besonders stark, da Erde, Mond und Sonne auf einer Linie stehen. (Springtide/Springflut)

    Das Erde-Mond-System ist ein Zwei-Körper-System, das um eine gemeinsame Achse rotiert. Dabei befindet sich das Rotationszentrum noch innerhalb der Erde. (Die Bewegung eines Leichtathleten beim Hammerwurf oder eine Einarm-Zentrifuge [mit Gegengewicht] könnten das bildlich darstellen.) Die tatsächliche Auswirkung des Mondes ist darüber hinaus deshalb so schwierig aufzuzeigen, weil der Mond ca. 19 Erdenjahre benötigt, um die gleiche Position wieder einzunehmen. Da externe Störungen auftreten können, ist aber selbst eine Beobachtungsdauer von 19 Jahren nicht sicher genug. 3x19 Jahre (ohne offensichtliche Störeinflüsse) sollten es schon mindestens sein. Das wären knapp 60 Jahre.

    Die 'Gezeiten-Berge' und '-Täler' laufen dem aktuellen Mondstand um ca. 3 Stunden (soweit ich mich erinnere) hinterher. Wenn sich also der Boden hebt, ist der Mond schon 3 Stunden weiter gezogen. Die Schwerkraftwirkung des Mondes steht also nicht annähernd mehr Senkrecht über der Stelle, die sich gerade hebt. (Nicht mehr auf der gleichen Linie, die durch Erdzentrum und die sich hebenden Position des Bodens führt.) Ein dort befindlicher Gegenstand erfährt dadurch eine Beschleunigung. Diese scheint vernachlässigbar klein zu sein. Wie gravierend solche 'Kleinigkeiten' aber sein können, zeigt ein Experiment, das nicht nur rechnerisch sondern auch mehrfach praktisch durchgeführt wurde.

    Ein Fluss fließt immer bergab. Gibt man einem Schiff einen Antrieb, der die Fließgeschwindigkeit des Flusses exakt neutralisiert, sollte man annehmen, das Schiff bleibt unverrückbar auf seiner Position stehen. Der geringe Schwerkraftunterschied zwischen den beiden Enden des Schiffes reicht jedoch aus, dass sich das Schiff trotzdem und sogar gegen den Wasserwiderstand in Bewegung setzt. Ohne jeglichen Antrieb bedeutet das, dass das Schiff trotz Wasserwiderstand schneller als die Strömung flussabwärts fährt. Das gilt für kleine Boote wie für große Schiffe. Ermittelt man den den Höhenunterschied zwischen Bug und Heck des Bootes gegenüber dem Meeresspiegel, und rechnet diesen um, auf ein Boot mit der Größe einer Pflanzenzelle so ist die beschleunigende Kraft sicher deutlich kleiner, als die, die auf eine Pflanzenzelle wirkt, die vom Heben auf einen Gezeiten-Berg oder oder dem Senken in ein Gezeiten-Tal auf so eine Pflanzenzelle wirkt.
    Die Pflanzen haben Mechanismen, die dafür sorgen, das Wasser in einem Stängel nicht zurückfließen kann, sondern nur vor- bzw, aufwärts. Das Heben eines Gezeiten-Berges sollte auf den Wassertransport im Pflanzenstängel keine Auswirkung haben. Senkt sich jedoch der Gezeiten-Berg, senkt sich der mit dem Boden verbundene Pflanzenstängel gezwungenermaßen mit gleicher Geschwindigkeit. Das enthaltene Wasser kann jedoch träger reagieren. Es wird scheinbar nach oben gedrückt und gelangt in die höheren Pflanzenteile.

    Die Verhältnisse in einer Raumstation sind etwas komplizierter als auf der Erde. Das ganze zu berechnen, liegt nicht innerhalb meiner Möglichkeiten und ganz sicher nicht in dem Zeitrahmen, den ich für einen Leserbrief aufwenden kann.

    Da die auftretenden Kräfte zwar fast unmessbar klein scheinen, aber immer noch größer sind als nötig, um ein Kreuzfahrtschiff oder einen Supertanker in Bewegung zu versetzen, kann man mit Sicherheit annehmen, dass sie sich auch auf Tiere und Menschen auswirken.

    Wir haben nun außer dem Lichteinfluss eine direkte und eine indirekte Gravitationswirkung des Mondes. Ob die unterstellten Phänomene aber tatsächlich diejenigen sind, die durch die Mondkräfte bewirkt werden, und welchen Anteil die einzelnen Kräfte daran haben, wird noch jede Menge Forschungsarbeit erfordern.

    Zusätzlich kann man nicht zwingend anscheinend offensichtliche Kausalitätsketten in biologischen Systemen unterstellen. Interne Taktgeber, so hat die Forschung gezeigt, können an ganz anderen Orten zu finden sein, als erwartet. Hier Spektrum war kürzlich ein Artikel, dass der Jagderfolg nachtaktiver Beutegreifer (Löwen) um so höher ist, je dunkler es ist, also bei Vollmond nahe Null.
    Für potentielle Beutetiere bedeutet das, sie können mögliche Jäger bereits auf große/sichere Distanz entdecken. Vollmond ist für sie also eine Zeit, bei der eine hohe Aktivität bei minimalem Risiko möglich ist und die es deshalb zu nutzen gilt.
    1. Ist das (das Vollmondlicht) die Ursache für die menschliche Unruhe bei Vollmond, (die übrigens 3 Tage vor dem eigentlichen Vollmondtermin beginnt) so geht das bereits weit über die bisher allenfalls unterstellte Lichtwirkung hinaus.
    2. Ich hatte eben die internen Taktgeber erwähnt. Es spricht nichts prinzipiell dagegen, dass zwar das Ziel (die Ausnutzung des Vollmondlichtes), das Gleiche ist wie oben, die Steuerung jedoch nicht durch das Mondlicht erfolgt, sondern der Taktgeber auf direkte oder indirekte Gravitationswirkungen z.B. Springtide/Springflut reagiert. Dafür könnten auch marginal geringen Kräfte hinreichend sein.
  • Wille Ja, Frei Nein

    20.08.2015, Sylvia
    Ich finde der Autor hat viele wichtige wissenschaftliche Fakten nicht beachtet. Ja es gibt die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen und zwischen alternativen zu wählen, Verhalten "willentlich" zu verändern und zu steuern. Was der Autor aber vergisst ist dass die Fähigkeit sich für eine alternative zu entscheiden stark von "der Biochemie" in unserem Gehirn abhängt. Da man mit Medikamenten oder ähnlichen Wirkstoffen die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen beeinflussen kann oder im Tierversuch sogar komplett inhibieren kann, kann man nicht vom freien Willen sprechen. Das wird auch sichtbar wenn man Fälle von Hirnverletzungen betrachtet, bei denen sich der Charakter eines Patienten komplett verändert. Es gibt einen Willen, aber frei ist dieser Willen nicht, sondern abhängig davon, welche Neurotransmitter sich gerade wo in unserem Gehirn befinden.
  • Freier Wille kommt aus der Seele

    20.08.2015, hahoyer
    Kann man am Konzept der Willensfreiheit festhalten, ohne so etwas wie eine Seele anzunehmen? Eine Seele wäre etwas, was außerhalb der materiellen Welt exisitiert. Ich kann mir das schwer vorstellen. Deshalb ist der Glaube an die Willensfreiheit für mich so etwas wie Religösität. Vermutlich ist es sogar äquvalent zum Glauben an höhere Wesen.
    Somit ist es vermutlich auch müßig für Libet und Co. die Existenz des freien Willen zu widerlegen, noch ist es für die "Antiwillusionisten" erfolgversprechend, seine Existenz zu beweisen.

    Jedoch wäre es schon ein Fortschritt, wenn man aufhören würde, das Konzept des freien Willens im Bereich der Wissenschaft verorten zu wollen.

    Aber natürlich ist selbst das nicht so einfach, da Rechtssysteme gewöhnlich ziemlich auf der Existenz der freien Willens basieren. Das muss dann getrennt werden. Ist nochmal so ein Akt, wie die Trennung von Kirche und Staat, denke ich.
  • Weltanschauung statt Wissenschaft

    20.08.2015, Tobias
    "Mit den künftigen Fortschritten der Neurowissenschaft wird sich präziser klären lassen, inwieweit wir bewusste Kontrolle ausüben und in welchem Maß unbewusste Prozesse unsere Aktionen beherrschen."

    Im letzten Satz wird meiner Meinung nach das Dilemma deutlich. Die Neurowissenschaft zu fragen, inwieweit "wir" bewusste Kontrolle ausüben ist nicht zielführend. Die Neurowissenschaft bestreitet ja eben, dass es so etwas wie ein "wir" (Singular: Ich) überhaupt gibt.

    Einigte man sich darauf, dass Entscheidungsprozesse vollständig auf neuronale Aktivität zurückzuführen sind, dann sind "wir" nichts anderes als unser Gehirn. Definiert man das "ich" auf diese Weise, dann obliegt ihm der Wille vollständig. Allerdings wäre jeder Prozess determiniert, also mit Kenntnis aller Umstände theoretisch vorhersehbar. Ob man da von Freiheit sprechen möchte bleibt am Ende immer eine Frage der Weltanschauung.
  • Naive Wissenschaftsgläubigkeit

    20.08.2015, Dieter Freundlieb
    Die Diskussion um die Willensfreiheit bleibt solange ein müßiger Streit, als sie unter der Voraussetzung eines Wissenschaftsglaubens ausgetragen wird, der über ein naturalistisches bzw physikalistisches Weltbild nicht hinausgeht. Deshalb sind auch die Argumente, die hier gegen die Leugner der Willensfreiheit vorgetragen werden, letzten Endes nicht erfolgreich. Sie verbleiben nämlich selbst noch innerhalb des selbstgesetzten Rahmens eines naturalistischen Weltbilds.

    Um die Unhaltbarkeit der von den 'Willusionisten' wie von ihren Gegnern vorgebrachten Argumente zu erkennen, muss man über die naive Metaphysik der Naturalisten hinausgehen. Sie können nicht erkennen, dass ihre Argumente, philosophisch betrachtet, auf selbstwidersprüchlichen Annahmen beruhen. Viele Gehirnforscher sind leider philosophisch zu ungebildet, um das zu sehen, und glauben, mit ihren provokativen Behauptungen zur angeblichen Unfreiheit des menschlichen Geistes könnten sie große Aufmerksamkeit erzielen (die dann auch bei der Einbringung von Forschungsgeldern nützlich sein könnte).

    Wie kann man also die Widersprüchlichkeit ihrer Argumente zeigen? Das geht folgendermaßen:

    Mit ihrer These der Unfreiheit des Willens aufgrund der angeblichen Tatsache, dass alle Vorgänge im menschlichen Gehirn naturgesetzlichen Regeln unterworfen sind - seien sie deterministisch oder indeterministisch - erheben die Gehirnforscher einen Wahrheitsanspruch. Die entgegengesetzte These der Willens- und Entscheidungsfreiheit wird ja ausdrücklich geleugnet.

    Nun kann man aber zeigen, dass für einen Begriff von Wahrheit in einem rein naturalistischen Weltbild überhaupt kein Platz ist. Innerhalb dieses Weltbilds gibt es nämlich nur faktisch vorhandene Dinge, Zustände oder ablaufende Vorgänge, eben in diesem Fall alles, was faktisch im Gehirn abläuft, wenn wir Gedanken abwägen und Entscheidungen treffen, die wir (angeblich irrtümlich) für frei halten und als richtig oder falsch einstufen.

    Es wäre aber unter den naturalistischen Annahmen auch der Fall, dass die These der Hirnforscher, dass es keinen freien Willen gibt, selbst nur als deterministische oder indeterministische Folge ihrer eigenen Hirnprozesse zustandekommt. Wenn 'Willusionisten' das zugeben, müssten sie sofort einsehen, dass ihr Wahrheitsanspruch genauso eine Illusion ist wie alles andere, was sie als wahr (oder falsch) behaupten. Es kann ja unter ihren naturalistischen Voraussetzungen so etwas wie Wahrheit gar nicht geben. Denn mit Wahrheit meinen wir nie nur so etwas wie einen faktisch ablaufenden oder abgelaufenen, neurophysiologisch beschreibbaren Hirnprozess. Ein Vorgang im Gehirn oder wo auch immer ist niemals an sich wahr oder falsch. Vielmehr meinen wir mit Wahrheit das Zutreffen einer Behauptung auf etwas in der Welt außerhalb des Hirnprozesses.

    Entweder erheben also die 'Willusionisten' einen Wahrheitsanspruch, was innerhalb ihres Weltbilds aber keinen Sinn ergibt. Oder sie produzieren, wenn sie ihre Thesen vortragen, nur Sprachgeräusche, die von irgendwelchen Hirnprozessen verursacht sind, aber mit Wahrheit oder Falschheit nichts zu tun haben können. Wenn sie Wahrheitsansprüche stellen und zugleich an ihrem naturalistischen Weltbild festhalten, befinden sie sich, ohne es zu bemerken, in einem performativen Widerspruch. So nennt man das in der neueren Philosophie, wenn etwas negiert wird (in diesem Fall Willensfreiheit), die Behauptung aber nur Sinn macht, wenn das Negierte wahr ist. Wenn ihre Behauptungen also das Ergebnis von freien Abwägungen im Licht von Evidenzen sind und nicht bloß die Wirkung einer neurologisch beschreibbaren Ursache.

    Die Ontologie, also die Lehre davon, was es gibt, an die die 'Willusionisten' glauben, ist einfach zu restriktiv und simplistisch. Und leider trifft das auch auf ihre Gegner zu, solange sie in derselben restriktive Ontologie gefangen sind.

    Ich kann nur empfehlen, sich einmal mit Thomas Nagels kleinem Werk "Mind and Cosmos" (2012) vertraut zu machen. Nagel zeigt meines Erachtens unwiderleglich, dass wir unseren Kosmos nie auch nur annähernd vollständig verstehen werden, solange wir nicht einsehen, dass wir es in der Welt des menschlichen Geistes unter anderem mit Dingen zu tun haben (Wahrheit, aber auch ethische Normen), die prinzipiell aus dem Rahmen der naturalistischen Ontologie und der rein naturwissenschaftlichen Verstehbarkeit herausfallen, aber deshalb noch lange nicht nichts sind.
  • Zustand des Gehirns entscheidet über Reaktion: zuerst

    20.08.2015, Kinseher Richard
    Ein Experiment mit Nematoden zeigte, dass nur der Zustand von Neuronen zu dem Zeitpunkt wo ein neuer Reiz registriert wird - darüber entscheidet, welche Reaktion darauf erfolgt. D.h. auf einen bestimmten Reiz können zustandsabhängig unterschiedliche Reaktionen kommen.
    ( www.sciencedaily.com/releases/2015/03/150313110402.htm ´Free will? Analysis of worm neurons suggest how a single stimulus can trigger different responses´; DOI: 10.1016/j.cell.2015.02.018)
    Dieser Ablauf würde zunächst eindeutig gegen einen freien Willen sprechen.
    Allerdings - müssen wir Menschen uns meist nicht sofort entscheiden. Denn wenn wir ein Problem gedanklich abwägen - dann ergibt sich in unserem Gehirn immer jedesmal ein anderer Zustand von Neuronen *) ; auf dessen Grundlage dann eine Entscheidung erfolgen kann.
    *) dieser Zustand ändert sich dauernd, da unsere Wahrnehmung auch von Körper-/Umwelteinflüssen zusätzlich stimuliert wird

    Weil wir bewusste Überlegungen anstellen und Reaktionen verschieben können, haben wir die Möglichkeit, eine Entscheidung und Folgehandlung zumindest zu beeinflussen.
    Die Experimente von Libet/Haynes haben den Nachteil, dass nur eine sehr eng begrenzte Wahlmöglichkeit (Handbewegung) vorgeschrieben ist. Eine echte Willensfreiheit ist somit nicht möglich. Man hätte den Versuchspersonen z.B. auch noch anbieten müssen, dass sie zum Kaffee trinken oder auf ein kühles Bier gehen könnten
  • Der tatsächliche Erdmittelpunkt ?

    20.08.2015, Rappelkopf
    "Denn den modernen Messungen liegt der tatsächliche Erdmittelpunkt als Referenz zu Grunde."

    Kann mir als Laie nicht vorstellen, dass der tatsächliche Erdmittelpunkt unverrückbar immer an der gleichen Stelle ist. Die Erde unterliegt Verformungen durch Schwerkrafteinflüsse, Gezeitendynamik, Verschiebungen der Plattentektonik, jahreszeitliche Eisschildveränderungen an den Polen usw.

    Daher müsste wohl auch der tatsächliche Erdmittelpunkt ständig in Bewegung sein; keine Ahnung allerdings, ob um Millimeter, Meter oder was auch immer.
    Antwort der Redaktion:

    Das ist richtig. Gemeint ist der Erdmittelpunkt in Bezug auf das durch die Längen- und Breitengrade definierte Koordinatensystem einer idealisierten Erdkugel.
    Mit besten Grüßen jd/Red.

  • Die Skepsis überwiegt.

    19.08.2015, Robert Orso
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    Die lunar bedingten Gravitationsschwankungen sind in kleinem Maßstab, also in einem winzigen Wasserkörper wie dem der Zelle, jedoch deutlich geringer als kombiniert etwa in den Weltmeeren
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    Das kann man durchaus sagen. Bei der gravitativen Wechselwirkung die einen inneren (oder äußeren) Tidenhub verursachen soll wirkt ja nicht die absolute Anziehungskraft des Mondes – die hier schon fast unmessbar ist, sondern nur die Differenz zwischen Mond zugewandter und Mond abgewandter Seite der Zelle.

    Ich vermute, die Autoren der Studie haben die Größe dieses Wertes berechnet und in ein Verhältnis zu den möglichen gravitativen Störungen durch vorbei gehende Menschen, vorbeifahrende Autos usw. gesetzt. Ich habe das tatsächlich gemacht und der postulierte, durch den Mond verursachte intrazelluläre "Tidenhub" ist wahrlich verschwindend gering im Vergleich zu allen möglichen alltäglichen Störungen. Ganz abgesehen davon dass die Schwerkraft Differenz ohnehin nur auf Objekte unterschiedlicher Dichte wirkt, auf gelöste Stoffe innerhalb von Zellmenbranen beispielsweise so gut wie überhaupt nicht. Was beispielsweise dazu führt dass Zellbestandteile selbst in einer Ultrazentrifuge nur schwer voneinander zu trennen sind.

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    Im Orbit ist der lunare Zyklus deutlich schneller...
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    Aha? Der lunare Zyklus wird durch den Umlauf des Mondes um die Erde bestimmt und ändert sich nicht willkürlich, wenn sich ein Objekt in der Erdumlaufbahn befindet.

    Was sich ändert sind die geometrischen Positionen von "Testobjekt", Mond, Erde und Sonne. Es ist natürlich richtig, dass die ISS und die Testobjekte in etwa 93 Minuten eine um 12.700 + 800km Änderung des Abstandes zum Mond durchführen. Wie im Übrigen auch zur Sonne, sowie durch die Elipsenbahn der ISS auch ein gutes Stück Differnz im Erdabstand. Während sich in der Zeit die Geometrie zwischen Sonne Erde und Mond nur um eine Winzigkeit geändert. Die beobachteten Zyklen entsprechen also mit hoher Präzision der Position zum Mond und nicht etwa dem der Sonne? Dieser Zyklus unterscheidet sich in seiner Länge ja nur wirklich minimal vom "Mond Zyklus". Die Messungen müssen also eine außerordentliche Präzision aufweisen um diese Differenz in den Daten überhaupt erkennen zu können. Das müssen dann allerdings andere Diagramme sein als die die in dem Papier veröffentlicht wurden. Da sind die Zyklen und Korrelationen schon sehr "ungefähr".

    Meine Hochachtung an die Wissernschaftler, die all diese Störungen aus den Beobachtungen heraus gerechnet haben, sodass kein Einfluss der wechselnden Beleuchtung durch den Umlauf und der Eigen Rotation der ISS, durch die gravitativen(?) Einflüsse von Erde und Sonne sowie durch die Besatzung und das Equipment der ISS mehr erkennbar ist.

    Die Beleuchtung der Pflanzen durch den Mond wurde natürlich ausgeschlossen? Nicht dass eine lichtempfindliche Pflanze auf das reflektierte Licht des Mondes reagiert und am Ende das Ergbenis verfälscht.

    Im Übrigen habe ich in dem verlinkten Papier überhaupt keinen Hinweis gefunden, dass Beobachtungen auf der ISS diese These unterstützen würden. Da habe ich wohl nicht sorgfältig genug gelesen.

    Ich bezweifle nicht, dass Herr Barlow etwas wichtiges gemessen hat. Ich bezweifle allerdings die Behauptung, dass die Ursache dafür ein durch die differenzielle Mond Gravitation an der Pflanze oder in der Zelle ausgelöster "Tidenhub" sein soll. Diese Annahme halte ich für sehr ... spekulativ.
  • Paradies?

    19.08.2015, bossel
    "Davor lebten die Menschen quasi im "Paradies". Aus dem wir vertrieben wurden."

    Das ist totaler Nonsens. Wenn es Sie interessiert, können Sie sich folgendes ja mal durchlesen:
    Proving communal warfare among hunter-gatherers: The quasi-rousseauan error
    http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/evan.21446/

    Darin geht es zwar hauptsächlich um Jäger & Sammler, aber mit Aufkommen der Landwirtschaft (& dazugehörigen Territorialansprüchen) wird es kaum besser geworden sein.
  • Geschichten vom Mond

    19.08.2015, Ulrich Heemann
    Dass sich der Gravitationseinfluss des Mondes auf der Erde auch bei Pflanzen bemerkbar macht, ist denkbar. Schließlich befinden wir uns ca. 6400 km vom Erdmittelpunkt entfernt, so dass wir lokal einem anderen Gravitationseinfluss ausgesetzt sind als die Erde insgesamt. Dass dergleichen aber auch in einer Raumstation messbar sein soll, kann ich kaum glauben. Natürlich, zwei unabhängige Massenpunkte, hier Mensch, dort ISS, werden zwei unterschiedliche Erdumläufe zurücklegen, sofern die Schwerpunkte und deren Geschwindigkeit nicht übereinstimmen. Aber es können dabei nur Wegunterschiede in der Größenordnung von Metern auftreten, die während eines kompletten Umlaufs durch Kontaktkräfte ausgeglichen werden müssen. Das sollte tatsächlich mit modernen Gravimetern noch nachweisbar sein. Ein Einfluss des Mondes ist aber noch um Größenordnungen schwächer. Und der sollte, von aller möglichen rationalen Erklärung mal ganz abgesehen, doch in jedem Fall viel schwächer ausfallen als der Einfluss des Mondlichtes - sofern die Pflanzen dies sehen.
    Und handelt es sich beim behaupteten "lunaren Zyklus" auf der ISS nicht stattdessen um einen "solaren Zyklus", der auf der ISS faktisch die gleiche Periodizität hat?
  • Eine wenige Beispiele

    19.08.2015, Dirk Gerhardt
    In der empirischen Wissenschaft muss auch die Anzahl der Beispiele berücksichtigt werden, einige wenige Beispiele für Gewaltexzesse liefern keine solide Basis für die in dem obigen Artikel formulierte Hypothese, dass in der Jungsteinzeit grundsätzlich strukturelle Gewalt mit Zunahme der Ressourcenknappheit aufkam. In der Überschrift und im Text ist hingegen sogar kurz angedeutet, dass es in der Jungsteinzeit wohl eher friedliebend zuging, mithin die Thesen von Gimbutas u.a. einer friedvolleren pan-europäischen Urkultur tatsächlich richtig erscheinen: Es fehlen sämtliche Beweise für strukturelle, systematische Gewalt, bis patriarchalisierte Kurgan-Völker in Europa auftauchten. Und mit ihnen die Idee von Herrschaft und damit auch natürlich einhergehend die exklusive Inanspruchnahme aller Ressourcen, um die dann blutig gekämpft wurde. Man vergleiche dies auch mit den Tokens-Studien von Schmandt-Besserat in Sumer. Mit der Idee der Herrschaft kamen Hierarchien, Kasten, Priesterschaft, Geld, Sold, stehende Heere, strukturelle Gewalt, Ressourcenkriege in die Welt. Davor lebten die Menschen quasi im "Paradies". Aus dem wir vertrieben wurden. Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben...
  • Erstaunlich,

    19.08.2015, Elko Friedrichs
    dass der Autor sich nicht vorstellen kann, dass es die jungen Frauen waren, die die Tat begangen haben...
  • Isolation bis der Arzt kommt...

    18.08.2015, Jan PP
    Schwefelwasserstoff bei 1,7 Millionen Bar Druck!
    Na wenigstens braucht man da kein Prüfgerät bei Kabelbruch.
    Man muß nur dem Instinkt, vom Gestank WEGzulaufen, unterdrücken :-))

    Aber an und für sich ist die Supraleiterforschung eine feine Sache, wenn ich an die reinen Leitungsverluste denke, können wir vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft 20-30% der derzeit benötigten elektrischen Energie einsparen.

    Dem Redaktionsteam baldige Genesung, falls ein Teammeeting an Designertischen erfolgen sollte und der Schienbeinvoodoozauber doch wirken sollte :-))
  • Wo liegt das Maximum?

    18.08.2015, Jens Hafner
    Mich hätte noch interessiert, ob es möglich ist, eine Art Temperatur-Obergrenze für Supraleiter zu berechnen, z.B. für alle für alle wasserstoffhaltigen Leitersubstanzen. Gibt es eine Art "physikalisches Limit" oder sind tatsächlich noch umwälzende Entdeckungen möglich, z.B. echte Raumtemperatur-Supraleiter mittels spezieller räumlicher Anordnungen der Atome (Nanotubes, Buckminster-Fullerene u.ä.).
    Antwort der Redaktion:
    Das ist eine spannende Frage. Bei den klassischen BCS-Supraleitern, zu denen die Hydride gehören, hängt die Sprungtemperatur von der Stärke der Elektronen-Phononen-Kopplung, der Phononenfrequenz und hohen Zustandsdichten im Leitungsband ab. Die können über recht weite Strecken variieren, so dass hohe Sprungtemperaturen denkbar sind. Ob sie dich realisieren lassen ist eine andere Frage. Ich persönlich bin angesichts dieser Rahmenbedingungen ausgesprochen gespannt, ob man metallische Borhydride erzeugen kann und was die dann für Sprungtemperaturen haben.
  • #1 "Intelligenter Kommentar"

    18.08.2015, Dr. Christian Thiele
    Kleiner Tipp: Anführungszeichen sind ein subtiler Hinweis etwas nicht wörtlich zu nehmen. ;-)
    Antwort der Redaktion:
    Fairerweise muss man sagen, dass die Anführungszeichen in unserer Box auf Zeit.de nicht angezeigt werden. Ich bin natürlich trotzdem erschüttert, auf was für Gewaltfantasien man in diesem Internet so trifft.