Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Wilderei und Trophäenjagd

    23.10.2015, Tom Schulze-Helmke
    Vielen Dank für diesen ausführlichen Artikel mit vielen neuen Informationen. Wolfsfreunde diskutieren dieses Thema auch in der Facebookgruppe "Schützt die Wölfe in Deutschland"
  • Der Energiebedarf des menschlichen Gehirns

    23.10.2015, Prof. Dr. med. Dieter Böning, Berlin
    Im Artikel taucht wieder die gängige Behauptung auf, dass das große menschliche Gehirn besonders viel Energie verbraucht. Es handelt sich um etwa 20% des Ruheenergieumsatzes (Greger R., Windhorst U. Comprehensive Human Physiology , !996, S. 585, Tabelle 29.1) in Körperruhe bei einem Gewichtsanteil von nur etwa 2%. Dabei wird aber übersehen, dass Fett (10–20% der Körpermasse), Bindegewebe und Knochen nur einen sehr niedrigen Stoffwechsel haben und dass auch die untätige Muskulatur (35–40% der Körpermasse) bis auf Atemmuskeln und Herz sehr wenig Energie verbraucht. Der Anteil am Gewicht der tätigen Organe dürfte also 4-6% betragen.

    Wenn man sich bewegt, steigt der Energieumsatz der Muskeln stark an, während das Gehirn nur wenig mehr verbraucht. Der Tagesenergieumsatz eines Mannes ohne anstrengende körperliche Arbeit beträgt etwa 9600 kJ (2400 kcal). Der Umsatz des Gehirns beträgt in dieser Zeit etwa 1500 kJ (360 kcal), also 16% des Gesamtumsatzes. Bei intensiver Muskelarbeit, wie man sie bei einem laufenden Jäger in der Steinzeit annehmen kann, verdoppelt sich der Umsatz, der Hirnanteil sinkt auf 8%.

    Des Weiteren verbraucht das Gehirn fast nur Traubenzucker, deshalb ist für den laufenden Energiebedarf Pflanzenkost vorteilhaft, vor allem Früchte und Körner. Fleisch fressende Raubtiere finden Kohlehydrate nur als Muskelbestandteil (Glykogen, zirka 1-2% des Muskelgewichts beim ausgeruhten Beutetier) und im Darminhalt der Beute.

    Ein Vorteil bei Fleischverzehr ist der hohe Eiweiß- und Lipidanteil der Beutetiere, der den Aufbau der Körperstrukturen erleichtert, und der geringere Aufwand für Nahrungsaufnahme und Verdauung.
  • Bitte was?

    23.10.2015, Christian
    Neurotransmitter, die in so hohen Dosen freigesetzt werden, dass sie die Nervenzellen killen? Welcher Idiot designt denn sowas? Das ist als hätte man einen Verstärker, der die Kabel schmilzt, wenn man ihn voll aufdreht. Ich wäre für eine Sammelklage gegen die Evolution. Lausige Arbeit. Hätte so nie releast werden dürfen.
    Antwort der Redaktion:
    Das ist die allgemeine Verrohung der Sitten. Früher hatte man noch Betatester. Heute lassen die Entwickler ihren verbuggten Kram auf die Nutzer los, und dann muss man noch mal ewig auf n Patch warten.
  • Tinnitus als akustischer Parkinson ?

    23.10.2015, Peter Johnen
    Leider fehlt dem Artikel letztlich ein Erklärungsansatz, worin genau der über die fehlenden Hochtöne hinausgehende Informationsmangel im Sprachverständnis besteht, der durch die abgestorbenen auditorischen Nervenfasern verursacht würde. Was sind denn "komplexere Schallmuster" der Sprache gegenüber der Musik und wieso können Nerven gerade die nicht mehr übertragen? Ich kann hier nur einen reinen Leistungsabfall bei der komplexen semantischen Informationsverarbeitung im auditorischen Kortex des alternden Gehirns erkennen.

    Allerdings würde zu einem Zusammenhang des Absterbens der auditorischen Nervenfasern und dem Entstehen von Tinnitus passen, dass es heute Theorien gibt, die davon ausgehen, dass Tinnitus durch 'unbeschäftigte' Nervenzellen entsteht, die aufgrund ihrer 'Beschäftigungslosigkeit' in eine regelmäßige autogene 'Schwingung' geraten. Es gibt wohl Erkenntnisse aus der allgemeinen Hirnforschung, die diese Theorie der durch Isolation oder Reizmangel in autogene Schwingungen geratenden Hirn- bzw. Nervenzellen bzw. Zellsysteme nahelegen (Parkinson; Oszillation; www.brainlinks-braintools.uni-freiburg.de/material/gug_2013_5_s68.pdf).

    Der vorliegende Artikel liefert insofern eine interessante Erklärung für diese Störung im auditorischen Regelkreis, denn die Neurone sind ja nicht alle gleichzeitig mit den ihnen vorgeschalteten auditorischen Nervenfasern abgestorben. Dies würde Tinnitus als einen Riss in der Informationskette und daraus resultierende 'durchdrehende' Neurone oder auch nachgelagerter Hirnzellen erklären, die dann eben sinnlose und falsche Information (einen virtuellen Piepton, eben „akustischen Parkinson“) generieren bzw. weitergeben.

    Ich bin übrigens Informatiker, nicht Naturwissenschaftler, soll heißen: grau ist alle Theorie...
  • Im Grunde ok aber

    23.10.2015, Andreas
    Guten Tag,

    Sie haben in Ihrem Artikel zwar dargelegt, dass reine Tonaudiogramme nicht ausreichend sein können um einen Hörverlust nachzuweisen. Jedoch ist folgenden Aussage nicht korrekt:"Die abweichenden Ergebnisse haben die Experten früher mit individuell verschiedener Signalverarbeitung im Gehirn erklärt." In Hno-Klinken in denen ich selbst mit Patienten und Versuchstieren gearbeitet habe werden schon seit langer Zeit ABR am Menschen sowie Sprachaudiogramme genutzt um den Hörverlust/Schaden zu identifizieren. Wir glauben nicht, dass der Verlust der Sprachdiskriminierung nur auf vers. Signalverarbeitung im ZNS beruht sondern eine Folge eines Lärm induzierten Schadens sind.

    Man muss aber sagen, dass das Wissen der meisten niedergelassen HNO-Ärzte sehr bescheiden ist und man hier öfter mit den von Ihnen beschrieben Problemen konfrontiert wird. Wie eine schöne Umfrage einer Cochlea Implant Firma mal zeigten wussten >95% der über 50 jährigen HNO-Ärzte nicht was das CI ist. Hier sieht man wieder wie erbärmlich die Facharztfortbildung ist. Wenn man sich mit Pseudowisenschaftlichen Seminaren Punkte zusammen sammeln kann oder durch das beantworten einfacher Fragen im Deutschen Ärzteblatt, die man nachschlagen kann in eben diesem Ärzteblatt, diese erhält, ist klar wo unser Problem liegt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas
  • Wissenschaftliche Trugschlüsse, methodische Mängel, fehlende Gegennachweise

    22.10.2015, Altmannshofer, Christoph
    Da ich nur die Zusammenfassung aus "Spektrum" kenne, nicht die Originalveröffentlichung, sind die folgenden Fesstellung natürlich mit Vorsicht zu betrachten. Bei der Lektüre Ihrer Zusammenfassung drängen sich mir allerdings gleich ein ganzes Bündel Fragen auf.
    Die zunäschts naheliegenste ist, ob für den sehr begrenzten wissenschaftlichen Erkenntnissgewinn überhaupt die Nutzung menschlicher Leichenteile nicht etwas pietätlos ist. Das ist allerdings im Rahmen der freien Wissenschaft und der Tatsache, dass die Vorbesitzer der Fäuste einer wissenschaftlichen Verwendung ihrer Leichen (vermute ich mal) zugestimmt haben, etwas was Herr Carrier mit sich selbst ausmachen muss.
    Daher beschränke ich mich mal darauf, die Studie methodisch "auseinaderzunehmen".
    Ob die mit dieser recht abenteuerlich anmutenden Konstruktion gewonnenen Ergebnisse tatsächlich auf real auftretende Kräfte von lebenden Fäusten übertragen lassen, sei mal dahingestellt, kann aber auch erst mal als Aussage des Studienautors akzeptiert werden. Die Studie birgt auch so genügend methodische Angriffspunkte.
    Der frappierenste ist, dass die Gegenprobe fehlt. Schimpansen gelten in der Zootierhaltung nach Großkatzten als die gefährlichsten Tiere, da sie einen Pfleger/ eine Pflegerin problemlos lebensgefährlich verletzen können. Da wünscht man sich doch als geneigter Leser doch eine Erklärung, warum nicht mal die möglichen Schlagkräfte von Schimpansenhänden vergleichend untersucht werden. Entsprechend eingesetzt sind die Hände der Menschenaffen alles andere als ungeeignete Waffen.
    Daneben leuchtet mir auch nicht ganz ein, warum eine Hand mit der man wunderbar eine Keule greifen kann, die um ein vielfaches wirkungsvoller ist und gekonnt eingesetzt einen Gegner auch noch auf Distanz halten kann, selbst als Waffe eingesetzt werden sollte (wohlgemerkt in einem Umfang der evolutionär wirksam wird).
    Dazu vermisse ich Verweise auf fossile Belege. Wenn die These stimmt, dass Fäuste und Faustkämpfe ein entscheidender Schritt in der Evolution der menschlichen Hand waren, dann sollte man doch wenigstens zwei drei Fossile Schädel finden, an denen entsprechende Frakturen nachweisbar sind. Was man aber stattdessen massenhaft findet sind Werkzeuge, deren Herstellung (wer schon mal versucht hat einen "einfachen" Faustkeil selbst herzustellen wir das bestätigen) eine recht gute Fingerfertigkeit erfordern.
    Insgesamt drängt sich bei der Lektüre also der Verdacht auf, dass einem leider Verbreiteten Trugschluss gefolgt wurde: Man hat eine hübsche These, die nochdazu ein gängiges Klischee erfüllt, und versucht ein Experiment zu entwerfen, das die These belegt. Die Ergebnisse werden dann entsprechend gedeutet. Die Ergebnisse die übrigens vorhersehbar waren: Der Mensch kämpft mit der Faust, also wird sie vermutlich dazu geeignet sein. Weitere recht effektive und daher auch oft eingesetzte Schlagarten, z. B. mit der Handkante oder mit dem Ballen der Stark angewinkelten Hand, bei dem der empfindliche Mittelhandbereich gar nicht erst beansprucht wird etc. wurden leider auch gar nicht berücksichtigt.
    Ebenfalls unberücksichtigt ist der fehlende Geschlechtsdimorphismus bei den Händen. Hätten sich Hände, wie vom Autor behauptet in ihrer heutigen Form tatsächlich aus männlichen Rangkämpfen entwickelt, sollten sich Männer und Frauenhände doch deutlich unterscheiden. Männerhände müssten (genetisch fixiert) deutlich besser als Fäuste nutzbar sein als Frauenhände oder könnten sich (doch wenigstens bei einigen Vormenschenarten) gleich ganz zu reinen Prügeln entwickelt haben, während Frauenhände sich hätten zu empfindlichen ochpräzisionspinzetten entwickeln müssen.
    Unstrittig hat sich in der menschlichen (männlichen?) Kultur der Faustkampf als eine Form (unter vielen) des ritualisierten Kampfes herausgeprägt. Ich sehe aber nicht, dass er die treibende Kraft hinter der Evolution der Hand sien sein soll, sodern denke, dass er eher eine Nutzung des vorhanden darstellt.
    Wenn man der Theorie dennoch weiter folgen will müsste man unter der gleichen Fragestellung auch untersuchen ob unsere Hüften nicht darauf ausgelegt sind eine Aufprall beim Ringen besser zu verkraften, ob unsere Oberkörper besonders glatt sind, um einem Gegner beim Ringen leichter zu entgehen etc.
    Leicht überspitzt ausgedrückt, könnte man wahrscheinlich sogar nachweisen, dass ein aufrechtgehender, zur Interaktion in Gruppen fähiger Homo sapiens deutlich besser als ein eher einzelgängerischer Gibbon dafür geeignet ist, in Gruppen zu 11 Individuen einen runden Gegenstand mit den Füßen in ein eckiges Tor zu befördern. Ich würde aber dennoch davon abraten, daraus zu schließen, dass sich aufrechter Gang und Sozialverhalten der Menschen durch das ritualisierte Austragen von Konflikten in Fußballspielen entwicklet haben könnten.
    Im Fazit: Eine Studie die leider, grade im Bezug auf die menschliche Evolution, von ihrem gesamten Aufbau her keine Seltenheit ist. Eine provokante These die an sich schon kaum bis garnicht wiederlegbar ist, häufig mit leicht sexistischem BEigeschmack, wird mit einer recht simplen aber wenig aussagekräftigen Methodik belegt. Dem wissenschaftlichen Urgrundsatz, dass eine These eindeutig WIDERlegbar sein muss wird kaum bis gar nicht gefolgt. Mit dem Ergebnis, dass die menschliche Hand - zur Faust geballt - völlig ungeeignet zum Zuschlagen ist war, wie gesagt, kaum zu rechnen. Ob es dabei "nur" um billige und schnelle Publicity für den Wissenschaftler geht, oder ob tatsächlich zwanghaft Belege für eine einmal gefasste, fragwürdige Theorie zur menschlichen Evolution gesucht werden sei dahingestellt.
    Die Lehre daraus für den wissenschaftlich interessierten Laien, wie im "Spektrum" lobenswerter weise anhand besonders krasser Beispiele auch immer wieder dargstellt, kann nur sein, vermeintliche wissenschaftliche Erkenntnisse nicht unhinterfragt zu akzeptieren, sondern die Methodik und die gesamte Herangehensweise an die Fragestellung kritisch zu betrachten. Je spektakulärer und populärer die These, desto genauer sollte man hinschauen.
  • Carrier soll mal Karate machen

    22.10.2015, Anita Gribofsky
    Bei einem geraden Fauststoß (Zuki) mit voller Kraft wird lange vor den Finger- oder Handknochen das Handgelenk beschädigt. Wenn also die Evolution den Faustkampf als Grundlage für die Weiterentwicklung der Hand / des Arms verwendet hätte, so wäre unser Handgelenk steifer/stabiler.
  • Alle Kriegsparteien zerstören Altertümer

    22.10.2015, Paul R. Woods
    Der Titel ist korrekt und beschreibt eine Tradition, die es bestimmt schon vor Troja gab, später von den Römern mit Karthago fortgeführt wurde und von modernen Industriestaaten (wechselseitiges Plündern durch deutsches Militär und dann durch alliierte Truppen) fortgesetzt wurde. Die Bombardierung der Ebene der Tonkrüge fand seine Fortsetzung im Zulassen der Plünderung der historischen Einrichtungen in Bagdad.
    So schockierend die Zerstörung von Palmyra auch sein mag, mich regte viel mehr die Ermordung des alten Herrn auf, der Palmyra für die Menschheit zu bewahren suchte.
  • Ursprungsland...?

    22.10.2015, MBD
    Diese Forschungen sind sicher so richtig, insofern als dass es dort den frühesten Nachweis von Hunden gibt. Nur leider wird suggeriert, das der Hund ein einziges Mal domestiziert wurde; Funde von zahmen Wölfen in Europa, weiteren Teilen Asiens und Israel legen jedoch nahe, dass dies öfter geschehen sein kann. Zudem ist die absolute Bestimmung Hund-Wolf zu dieser Zeit mehr als umstritten. Die Morphologie des Wolfes dieser Zeit ist noch weitgehend unbekannt! Ein wenig mehr Detailrecherche und Hinterfragung der "spektakulären" Ergebnisse wäre wünschenswert...
  • Die syr. Regierung plündert in Syrien?

    21.10.2015, Lorenz
    "... systematisch und mit schwerem Gerät. Die syrische Armee plünderte etwa ein Fünftel der Stätten auf diese Weise."

    Wie wurde das denn festgestellt?
    Im Falle von Palmyra hies es z.B., dass die syr. Regierung transportfähige Güter Richtung Damaskus abtransportierte, bevor der IS dort einfiel. Eine Differenzierung zwischen 'Plündern' und 'Retten' stelle ich mir bei Satellitenbildern schwer vor. Der verlinkte Artikel (Dartmouth College) spricht von einem Mangel an Beweisen und einem hohen Maße an parteiischen Äußerungen ('the highly politicized nature of reporting').

    Sprechen die Fachleute wirklich von der "Syrian Arab Army" bzw. Regierungskräften oder vielleicht von Gebieten die unter deren Kontrolle sind?
    Ein solcher Konflikt ist natürlich eine Einladung an Kriminelle und natürlich auch kriminelle Regierungsangestellte, aber eine große und systematische Zerstörung und Plünderung, beispielsweise für den Schwarzmarkt, durch Regierungskräfte wäre doch schon ein hartes Stück. Anders sieht es mit Kriegsschäden aus. Bauwerke wie z.B. die Zitadelle von Aleppo laden für eine militärische Nutzung förmlich ein und vermutlich wird man da dann auch beim Beschuss nicht zimperlich sein; aber das ist halt Krieg.
  • Neues Zeitalter des Artensterbens hat begonnen

    21.10.2015, Stefan
    Ich finde es ist kein Frage, dass ein neues Zeitalter begonnen hat! Entscheidend ist für mich nicht unbedingt die messbare Aktivität des Menschen, sondern das dabei auftretende massive Artensterben. Das Verschwinden der Arten finde ich deutlich markanter, als den wie auch immer gemessenen "Output" des Menschen und seiner Technologien.
    Es könnte ja sein, dass auch der Mensch im Zuge dieses neuen Zeitalters verschwindet, wie ein Parasit, der sich durch die Errungenschaft der Nutzung fossiler Energiespeicher und chemischer, nuklarer und genetischer Technologien kurzfristig massiv verbreitet und dabei viele Arten verdrängt hat. Wenn er langfristig kein Gleichgewicht mit seiner Umwelt finden kann, wird nicht der verschwundene Parasit, seine Fähigkeiten oder Gift-/Abfallstoffe dieses Zeitalter prägen, sondern die Auswirkung seine Handelns, also der Artenschwund im Gesamtsystem.
  • Wenn das Geschlecht im Vordergrund steht....

    21.10.2015, MiMiMa
    Sexuelle Belästigung ist die unangenehme Variante der Geschlechter-Diskriminierung. Denn dieser "der Spass" beginnt im Kleinen:

    Mir, weiblich, sagte ein Forscher ins Gesicht, dass Frauen weniger zielgerichtet seinen und nicht wissen, was sie wollen. Er hatte übrigens eine Vollzeit-Hausfrau zuhause, die ihm den ganzen Background bügelte. Und dieser Mann war zuständig für Anstellungen...

    Ein militärischer Vorgesetzter nörgelte dauernd an meinen Leistungen herum, obwohl ich sämtliche männlichen Leistungsziele erreichte und meine Rektruten ebenfalls gute Leistungen erbrachten. Ein Jahr später erfuhr ich, dass er zu einem Kollegen sagte, Frauen hätten im Militär nichts zu suchen....

    An einem Meeting war der einzige Einwand eines Professors auf meinen Vortrag, ob ich psychologische Probleme hätte, da ich das Wort "ich" zu häufig in den Mund genommen hätte. Hätte er das auch einem Mann gesagt?

    Da sind nur drei Beispiele, aber sie zeigten mir, dass ich machen kann was ich will. Am Ende verändert mein Geschlecht die Rezeption meiner Arbeit. Und da dies unbewusst passiert, nützen objektive Argumente meist wenig.

    Deshalb habe ich mich, trotz eines Jahrespreises für meine Dissertation, aus dem Angestelltenpool zurückgezogen und mich mit meinem Hobby erfolgreich selbständig gemacht. Meine Kundinnen schätzen mich.

    Aber eben, aus der MINT-Wissenschaft habe ich mich verabschiedet. Wie so viele Frauen, die von vergleichbaren subjektiven Urteilen die Nase voll haben. Schade um die vielen Jahre Studium, Schade um den Brain-drain...
  • Es werden nicht die weniger hübschen aussortiert

    21.10.2015, ralf
    @meppl - es werden nicht notgedrungen die weniger hübschen aussortiert, sondern die hübschen, die nicht mitmachen
    - es gibt Studien, dass besonders hübsche Frauen den Nachteil haben, dass keiner sie einstellt, weil man dann sehr leicht genau dem oben genannten Vorwurf ausgesetzt ist, dass sie nur genommen wurde, weil sie hübsch ist und wenn diese sich dann nicht darauf einlässt, dass sie jemand einstellt, weil er mehr mag als nur eine gute Mitarbeiterin, hat sie auch von der Seite den Kürzeren gezogen - also wie all zu oft gibt es dazu keine eindeutigen Aussagen
  • Juristische und moralische Fragen

    20.10.2015, Samuel Fleischhacker, Fürstenfeldbruck
    Ich sehe diesen Artikel als interessantes Dilemma-Problem, weil es im Zusammenhang mit autonomen Fahrzeugen gebracht wird. Im Grundsatz ist es als Trolley-Problem, ein Gedankenexperiment, zum ersten Mal 1967 von Philippa Foot und erweitert als "The fat man" von Judith Jarvis Thomson beschrieben worden. Hier wäre eine ausführlichere Betrachtung der heutigen juristischen Situation in Deutschland nicht uninteressant gewesen. Werden die beiden Fußgänger auf der Straße getötet, dürfte es sich hier um Totschlag durch Unterlassung handeln, der im Widerstreit des Unterlassens eines Ausweichens und dem Handeln, also dem Töten des nur einen Fußgängers auf dem Fußweg, wenn unabwendbar, wohl straffrei bliebe. Wird in der Entscheidung, das kleinere Übel zu wählen, bewusst der einzelne, bisher ungefährdete und noch dazu zu Recht auf dem Fußweg sich befindliche Passant überfahren, und darüber hinaus sicher auch kein übergesetzlicher Notstand vorliegt, bliebe wohl nur zu hoffen, dass auf einen Verbotsirrtum erkannt wird, was aber höchst umstritten ist. Letzteres ist unabdingbar im Grundgesetz Deutschlands verankert. So gefunden bei de.wikipedia.org.

    Aus philosophisch-moralischer Sicht mögen bei einem geringeren Verletzungsrisiko für einen nicht Gefährdeten, dem Passanten, eine Unterlassung eines Ausweichens und das damit verbundene hohe Risiko für die Gefährdeten, den beiden Fußgängern, unmoralisch erscheinen. Diese Ansicht ist aber nach unserem Grundgesetz schlichtweg Unrecht.

    Ich habe erwartet, das in anderen Länderausgaben von wikipedia.org Hinweise auf die dortige juristische Bewertung zu finden seien, aber das ist nicht der Fall. Gilt dort der gleiche Grundsatz wie bei uns? Wenn nein, ändert dann ein ausländisches autonomes Fahrzeug seine Programmierung bei Grenzübertritt? Oder ein deutsches im Ausland?

    Womit man auch diskutieren könnte, ob es eine Moral gibt, die über dem Gesetz steht.

    Schade finde ich, dass keine ethischen Einschätzungen absehbarer zukünftiger Entwicklungen behandelt wurden.

    Im Artikel „Der Feind im Inneren“ in der c't (Heise-Verlag), Nr. 21, S. 83, werden über recht gravierende Sicherheitsmängel der Fahrzeugelektronik berichtet, die mit dem Internet vernetzt ist. Fahrzeuginterne Systeme, die nie dafür ausgelegt waren, sind in ihren Spezifikationen nicht hinreichend gegen Zugriffe aus dem Internet geschützt. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu PC-Programmen Firmware-Updates, wenn überhaupt, nur sehr verzögert verteilt werden, auch bei Automobilen. Mir war unbekannt, dass Fahrzeugsteuerungen komplexer sind als Betriebssysteme wie Windows und deshalb auch schwieriger zu warten. Ganz neu ist nun, dass auch Hersteller sogar bewusst Fahrzeugelektronik ohne Gewissensbisse manipulieren. Ich glaube, dass sich hier auch moralische Fragestellungen auftun.

    Als ich mich an ein Regelwerk erinnert habe, das mich in meiner Jugend in den Romanen von Isaac Asimov fasziniert hat, überlegte ich, wie seine Robotergesetze auf ein Auto bezogen lauten würden:

    1. Ein Auto darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit gestatten, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

    2. Ein Auto muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

    3. Ein Auto muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

    Bei der letzten Regel fiel mir auf, dass der Artikel von Alexander Hevelke und Julian Nida-Rümelin von einer Annahme über autonome Fahrzeuge ausging, die nicht stimmen muss und weit reichende Konsequenzen hat. Es wird von besetzten Fahrzeugen ausgegangen. Muss denn ein autonomes Fahrzeug überhaupt besetzt sein? Wird autonomes Fahren erlaubt, wird es sich sicher in Speditionen – unbemannt – durchsetzen. Lohnkosten sind immer ein erheblicher Kostenfaktor, insbesondere wenn auch noch unabdingbare Ruhezeiten mangels Fahrer wegfallen. Wie fällt denn dann die so ausführlich beschriebene Unfallsituation aus, wenn das autonome Fahrzeug unbemannt unterwegs ist? Ich hoffe, dass es in den entgegenkommenden Lastwagen zumindest dann fährt, wenn dieser ebenfalls unbemannt ist. Einem reinen Sachschaden muss doch dem Vorzug gegeben werden, auch ohne weitläufige philosophisch-moralische Diskussion.

    Hieraus ergibt sich aber zwingend, dass autonomer Verkehr ohne gegenseitige Kommunikation nicht möglich sein kann und darf. Ansonsten nimmt man in Kauf, dass es ohne zwingende Notwendigkeit zu Personenschäden kommt. Eine weitere sinnvolle Ergänzung wäre es, auch Fußgänger gleich mit zu integrieren. Ideen, Fußgängern zu signalisieren – mit einer blau leuchtenden Kühlerpartie – dass sie von einem autonomen Fahrzeug erkannt wurden und gefahrlos die Straße überschreiten können, gibt es ja schon. Eine weitere Stufe wären Antikollisionssystem wie bei Flugzeugen. Dort warnt TCAS beide zuverlässig und rechtzeitig und gibt Anweisung, wie der Gefahr begegnet werden kann. Wie schön wäre es, wenn spielende Kinder oder beim Schulende herausströmende Kinderscharen den Verkehr automatisch sperren würden. Oder im beschriebenen Szenario die beiden Fußgänger gerade noch rechtzeitig zurückspringen können, weil sie ihr Smartphone warnt.

    Sicher noch eine Utopie, aber so sinnvoll sie auch klingt, das dazu erforderliche verteilte Netzwerk stellt höchste Ansprüche an die Sicherheit. Hinzu kommt, dass Manipulationen einen anderen Stellenwert bekommen können. Was, wenn ein autonomes Fahrzeug zur eigenen Schadensbegrenzung vorgibt, bemannt zu sein, es aber nicht ist?

    Geht man davon aus, dass tatsächlich ein Großteil des Verkehrs fahrerlos unterwegs ist, wird sich aus Kosten- und sicher auch aus ökologischen Gründen ein fremdgesteuertes Verkehrssystem durchsetzen und der „Freiheit des Fahrens“ ein Ende setzen. Damit ist praktisch eine allumfassende Überwachung jeder Bewegung jedes Einzelnen möglich. Ein Smartphone kann man heute immer noch einfach zu Hause lassen. Die Telefonüberwachung wird da zu einem unbedeutenden Übel.

    Es gibt noch vieles, was ernsthaft Überlegen und Diskutieren verlangt.
  • Zu ihrem Trost!

    20.10.2015, Gottfried Heumesser
    Es ist unbestritten, dass es immer wieder sexuelle Übergriffe von höherrangigen männlichen Personen auf niederrangigere weibliche gibt. Hatten kürzlich einen solchen Fall in Wien, der sehr eigenartig behandelt wurde.
    Aber es geht auch andersherum: Es dauert leider lange, bis es einer Universitätsverwaltung auffällt, dass es nach einer (weiblichen) Berufung auf einmal keine männlichen Absolventen mehr gibt. Und es dauert noch länger, bis jemand ein legales Gegenmittel findet. Auch kürzlich in Österreich passiert.
    Habe aber selber auch Fälle erlebt, wo sich vermeintliche Karriere-Frauen an den Hals eines Professors werfen wollten und noch Job-gefährdend reagierten, als das nicht funktionierte. Ist mir auch einmal passiert, aber leider verpuffte der Angriff. Und das ist auch anderen Kollegen passiert, mit den selben Damen. Nur: ganz sauber wird man dabei leider nicht. Da kann selbst Knurren lebensgefährlich werden.