Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Immer diese Hetze gegen Veggies.

    16.05.2013, Manuel Ko
    @ Gilbert Brands sicher kann man sich auch regional vegetarisch ernähren? Ich vermute sie spielen auf Soja an? Die Hälfte der weltweiten Getreideernte und 80% der Sojaernte wird verfüttert. Allein Deutschland importiert jährlich 5,3 Millionen Tonnen Futtersoja. Für die Fleischerzeugung braucht man ein vielfaches an Futtermittel. Nachfrage nach Fleisch steigt --> Nachfrage nach Futtermittel steigt --> Getreidepreise steigen --> Menschen hungern. Würden alle Menschen so viel Fleisch essen wie wir in den Industrieländern, bräuchte man weltweit 3 mal mehr landwirtschaftliche Nutzfläche als jetzt. Die Soaprodukte hierzulande stammen größtenteils aus Europa, das Futtersoja hingegen aus Brasilien.

    @ Michael Kühnapfel: Glaubst du die Pflanze leidet genau so darunter, dass sie dicht steht, oder das Schweinchen, das nicht im Matsch suhlen, nicht die Umgebung erkunden, keine vernünftigen Sozialstrukturen aufbauen, kein Tageslicht erblicken usw kann, nach der Geburt der Mutter entrissen wurde, um dann ohne Betäubung Körperteile abgeschnitten bekommen, damit man sich im Wahnsinn der Enge und aus Langeweile nicht gegenseitig anfrisst?

    @Ina Müller: Wenig Fleisch macht nicht krank. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung rät jedoch von mehr als 300-600g Fleisch die Woche aus gesundheitlicher Sicht ab. Der Deutsche konsumiert allerdings im Schnitt doppelt bis viermal soviel als gesundheitlich noch vertretbar wäre. Vegetarier und Menschen, die selten Fleisch essen, haben ein deutlich geringeres Risiko an Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck usw zu erkranken und leben im Schnitt länger. Lesen sie sich mal in die vorliegenden Studien ein.

    @Klaus Nicht: gerechtfertigt? Ich habe ja schon oft gemerkt, dass viele Mischköstler die Missstände ausblenden oder schönreden wollen, aber ich denke, dass es Ihnen gut tun würde, sich zu informieren.

    B12 kommt nur in den Ausscheidungen bestimmter Mikroorganismen vor. Diese befinden sich auch im menschlichen Darm. Einige behaupten, dass sie bei einer gesunden Darmflora ausreichend B12 produzieren, das ist aber nicht wissenschaftlich belegt. Dass heutzutage kaum noch B12 auf pflanzlicher Nahrung zu finden ist, liegt daran, dass der Mensch durch Spritzmittel und (übertriebene) Sauberkeit die Mikroorganismen und ihre Ausscheidungen entfernt. Da finde ich es vollkommen ok, wenn man es der Nahrung anschließend wieder zuführt, wenn man nicht auf naturbelassene Nahrung zurückgreifen kann. B12 ist heutzutage in etlichen Säften, Kellogs, Bonbons, Drinks, Zahncreme usw. enthalten. Übrigens wird mittlerweile auch Masttieren oft B12 verabreicht, da sie durch den hohen Einsatz von Antibiotika und die schlimmen Haltungsbedingungen einen B12-Mangel haben - auch keine bessere Art der Versorgung.

    @Irmgard Knapp: Dann ignorieren sie nahezu alle seriösen Studien diesbezüglich

    @Christine Wilholm: Richtig und falsch kann man sich sowohl mit, als auch ohne Fleisch ernähren. In Fleisch steckt nichts, was vegetarische Nahrung nicht auch gesünder bietet. Vegetarier und Menschen, die selten Fleisch essen, haben ein deutlich geringeres Risiko an Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes, Gicht, Rheuma, Bluthochdruck usw. zu erkranken und leben im Schnitt länger. Es ist kein bisschen schwer, sich ausgewogen vegetarisch zu ernähren. Die vegetarische Ernährungspyramide unterscheidet sich kaum von der Herkömmlichen. Im Schnitt sind Vegetarier besser mit Nähr- und Vitalstoffen versorgt als Mischköstler.

    @Bernich: Genau! Folienkartoffeln: ein paarmal mit der Gabel einstechen, in eine Schicht Alufolie einwickeln und direkt in die Glut legen. Zum testen, ob sie gar sind mit einem Spieß oder einer Gabel einstechen. Mit Zaziki servieren Fertige fleischlose Burger, Schnitzel, Grillwürstchen, Nuggets, Fleischbällchen, cordon bleu ect. gibt es mittlerweile in vielen Geschäften. Schmeckt allerdings nicht alles gut. Die Burger vom Aldi (süd) kann ich wärmstens empfehlen. Die fleischlosen Produkte vom Lidl sind alle spitze, jedoch nicht ständig im Sortiment. Hit hat auch gute Auswahl. Onlineshops wie veganwonderland bieten eine super Auswahl, leider meist zu stolzen Preisen. Sehr gut sind auch aus der Tiefkühltheke: Kartoffelpuffer, Kartoffeltaschen mit Füllung, Käseecken und Knoblauch/Kräuterbutterbaguettes. Wenn ihr im Anschluss um ein Feuer oder den Grill sitzt ist Stockbrot super. Grillkäse Grillcamombert usw. gibt es auch mittlerweile in Discountern. Halloumi ist lecker! Du kannst Baguettescheiben rösten, mit Käse, Basilikum, Sauce nach Wahl, Feta und Tomate überbacken. An Gemüse kommt auf dem Grill super: Champignons, Tomaten, Paprika, Zwiebeln. Du kannst dir auch sogenannte Gemüsebomben basteln: geschnibbeltes Gemüse nach Wahl in Alufolie mit Öl, Gewürzen und Olivenöl oder Kräuterbutter packen und auf den Grill. Auberginen, Pilze, Zucchini kannst du am Tag zuvor marinieren und Spieße machen. Maiskolben sind der Burner! nach dem Grillen mit Butter bestreichen und mit Salz bestreuen. Ich habe mal Zucchini ausgehöhlt und mit einer Käse-Gewürze-Zwiebelfüllung versehen, in Alufolie eingepackt und ab auf den Grill Bananen kannst du als Nachtisch mit Schale auf den Grill legen.
  • Fakten

    16.05.2013, AnimalAlliance
    Da werden in einem Artikel nichts weiter als einige wenige Ergebnisse jüngerer Studien präsentiert, und der erstaunte Leser reibt sich vor Verwunderung die Augen, wie sich einige Kommentatoren angesichts dessen zu emotional ausufernden Rechtfertigungsorgien ihres Fleischkonsums veranlasst fühlen! Die hierbei zur Schau gestellte Unkenntnis zahlreicher Kommentatoren über fleischfreie Formen der Ernährung ist schlicht erschreckend und erinnert in ihrer Faktenresistenz sehr an die eifrige PR-Arbeit der Tabakindustrie im zurückliegenden Jahrhundert, analoge Erkenntnisse über die Pathogenität ihrer Produkte infrage zu stellen.

    Von ethischen oder auch ökologischen Erwägunen einmal abgesehen, kann eine objektive und qualifizierte Beurteilung der gesundheitlichen Folgen des Konsums tierischer Produkte nur zu einem Ergebnis kommen: Fleisch tötet - Menschen wie Tiere. Die Faktenlage ist erdrückend.

    Eleni Linos et al: Red meat consumption during adolescence among premenopausal women
    and risk of breast cancer; Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2008; 17(8). August 2008

    Fu Z et al.: Well-done meat intake and meat-derived mutagen exposures in relation to breast cancer risk: the Nashville Breast Health Study; Breast Cancer Rs Treat. 2011 May 3

    Hu J et al: Meat and fish consumption and cancer in Canada; Nutr Cancer. 2008 May-Jun; 60(3), 313-24

    Vang A et al: Meats, processed meats, obesity, weight gain and occurrence of diabetes among adults: Findings from Adventist Health Studies; Ann Nutr Metab. 2008 Mar 18; 52(2), 96-104

    Wang L et al: Meat intake and the risk of hypertension in middle-aged and older women; J Hypertens. 2008; 26(2):215-222

    Tzoulaki I et al: Relation of iron and red meat intake to blood pressure: cross sectional epidemiological study; BJ. 2008 Jul 15

    Aune D et al: Meat consumption and cancer risk: a case-control study in Uruguay; Asian Pac J Cancer Prev. 2009 Jul-Sep; 10(3): 429-36

    Koutros S et al: Meat and meat mutagens and risk of prostate cancer in the agricultural health study;
    Cancer Epidemol Biomarkers Prev. 2008 Jan; 17(1):80-7

    Di Pietro PF et al: Breast cancer in southern Brazil: association with past dietary; Nutr Hosp. 2007 Sep – Oct; 22(5):565-7

    Ferrucci LM et al: Intake of meat, meat mutagens, and iron and the risk of breast cancer in the Prostate, Lung, Colorectal, and Ovarian Cancer Screening Trial; Br J Cancer. 2009 Jul 7; 101(1): 178-84

    „Western“ Diet linked to increased risk of colon cancer recurrence, Science Daily, August 15, 2007-10-29

    Lam TK et al: Intakes of red meat, processed meat, and meat mutagens increases lung cancer risk; Cancer Res, 2009 Feb 1; 69(3): 932

    Aeberli I et al: Dietary intake and physical activity of normal weight and overweight of 6 to 14 year old Swiss children; Swiss Med Wkyl; 2007 Jul 28; 137 (29-30): 424-30

    Bandera EV et al: Consumption of animal foods and endometrial cancer risk: a systematic literature review and meta-analysis; Cancer Auses Control. 2007 Jul 19

    http://www.hsph.harvard.edu/news/press-releases/2011-releases/red-meat-type-2-diabetes.html

    Tard A et al: Dioxins, furans and dioxin-like PCBs: Occurrence in food and dietary intake in France; Food Addit Contam. 2007 Sep; 24(9): 1007-17

    Virtanen et al: Diabetologigia, 1994, Apr., 37(4), 381

    Karjalainen et al: Scandinavian Jounal of Immunology, 1994, Dec., 40(6) 623

    Nilsson et al: American Jounal Of Clinical Nutrition, 2004, Nov., 80(5), 1246 – 1253

    Hoppe et al: European Journal Of Clinical Nutrition, 2005, Mar., 59(3), 393-398

    Dosch et al: Journal Of Immunology, 2001, Apr. 1, 166(7), 4751-4756

    Guggenmoos et al: Journal Of Immunology , 2004, Jan. 1, 172(1), 661-668

    Seely: International Journal Of Cardiology, 2002, Dec., 86(2-3), 259-263

    Moss and Freed: International Journal Of Cardiology, 2003, Feb., 87(2-3), 203-216

    Annals Of Neurology. 2002, Dec., 52(6), 793-801

    Danby: Journal Of The American Academy Of Dermatology, 2005, 52, 360-362

    J. Agric. Food Chem., April 6, 2011, 59 (9), 5125–5132

    WHO/FAO, Diet, nutrition, and the prevention of chronic disease. Report of the Joint WHO/FAO expert consultation, 26 April 2002

    Matthews VL, Wien M, Sabaté J. The risk of child and adolescent overweight is related to types of food consumed. Nutr J. 2011; 10-71

    Cumming RG, Klineberg RJ. Case-control study of risk factors for hip fractures in the elderly. Am J Epidemiol. 1994

    Chan JM, Stampfer MJ, Ma J, Gann PH, Gaziano JM, Giovannucci E. Dairy products, calcium, and prostate cancer risk in the Physicians’ Health Study. Am J Clin Nutr. 2001

    Chan JM, Gann PH, Giovannucci EL. Role of diet in prostate cancer development and progression. J Clin Oncol. 2005(23), 8152-8160

    Cramer DW, Harlow BL, Willet WC. Galactose consumption and metabolism in relation to the risk of ovarian cancer. Lancet. 1989

    Canete R et al: Development of insulin resistance and its relation to diet in the obese child; Eur J Nutr. 2007 Jun; 46(4)

    Ibiebele TI et al: Dietary pattern in association with squamous cell carcinoma of the skin: a prospective study; Am J Clin Nutr. 2007 May; 85(5)

    Cai H et al: A prospective study of dietary patterns and mortality in chinese women; Epidemiology 2007, May; 18(3): 393-401

    Kontogianni MD et al: Relationship between meat intake and the development of acute coronary
    syndromes: the CARDIO2000 case-control study; Eur J Clin Nutr. 2007 Mar 14

    Fabijana Jakulj et al: A high-fat meal increases cardiovascular reactivity to psychological stress in healthy young adults; Journal of Nutrition April 2007

    Wang-Hong-Xu et al: Nutritional factors in relation to endometrial cancer: A report from a
    population-based case-control study in Shanghai, China; International Journal of Cancer, volume 120, 8, April 2007, 1776-1781

    Faramawi MF et al: Consumption of different types of meat and the risk of renal cancer: meta-analysis of case-control studies; Cancer causes control. 2007 Jan 22

    Aune D et al: Meat consumption and the risk of type 2 diabetes: a systematic review and meta-analysis of cohort studies; Diabetologia. 2009 Aug 7

    Murakami K et al: Effect of dietary factors on incidence of type 2 diabetes: a systematic review of cohort studies; J Nutr Sci Vitaminol (Tokyo). 2005 Aug; 51(4): 292-310

    E. Papakonstantinou et al: Food Group Consumption and Glycemic Control in People With and Without Type-2-Diabetes, The ATTICA study; Diabetes Care 28: 2539-2540, 2005

    Jiang R et al: Dietary iron intake and blood donations in relation to risk of type 2 diabetes in men: a prospective cohort study; Am J Clin Nutr. 2004 Jan; 70(1): 70-5

    Larsson SC et al: Red meat consumption and risk of cancers of the proximal colon, distal colon and rectum:
    The Swedish Mammography Cohort. Int J Cancer. 2005 Feb 20; 113(5): 829-34

    Kono S.: Secular trend of colon cancer incidence and mortality in relation to fat and meat intake in Japan; Eur J Cancer Prev. 2004 Apr; 13(2): 127-132

    Fariba Kolahdooz et al: Dietary patterns and ovarian cancer risk; Am J. Clin Nutr 89: 297-304, 2009

    Cross AJ et al: A prospective study of meat and fat intake in relation to small intestinal cancer; Cancer Res 2008 Nov 15; 68(22): 9274-9279.

    Yan Yan Quin et al.: Persistent organic pollutants and heavy metals in adipose tissues of patients with uterine leiomyomas and the association for these pollutants with seafood diet, BMI, and age; Environmental Science and Pollution Resarch.

    Freire C et al: Hair mercury levels, fish consumption, and cognitive development in preschool children from Granada, Spain; Environ Res. 2009 Nov 10

    Diez S et al: Prenatal and early childhood exposure to mercury and methylmercury in spain, a high-fishconsumer country; Arch Environ Contam Toxicol., 2009 Apr; 56(3): 615-22

    Brinkmann MT et al: Consumption of animal products, their nutrient components and postmenopausal circulating steroid hormone concentrations; Eur J Clin Nutr. 2009 Nov 11.

    Lindahl et al. (1984). A vegan regimen with reduced medication in the treatment of hypertension. Br. J. Nutr. 52:11-20

    Michael Yeh et al: Higher intakes of vegetables and vegetable-related nutrients are associated with lower endometrial cancer risk; Journal of Nutrition, Vol. 139, No 2, 317-322, February 2009-03-10

    Barnard ND et al: The effects of a low-fat, plant-based dietary intervention on body weight

    Barnard ND et al: A low-fat vegan diet improves glycemic control and cardiovascular risk factors in a randomized clinical trial in individuals with type 2 diabetes; Diabetes Care, 2006; 29(8): 1777-1783
  • Moralaposteltum gegen Moralaposteltum

    15.05.2013, Hanna
    Dass Kühe keine Pferde sind, scheint, wie man aus den letzten Lebensmittelskandalen lernen konnte, offenbar nicht immer klar zu sein. Dass Fleischesser anders ticken als Vegetarier aber schon; dieser Abschluss ist offenbar aus der bekannten journalistischen Not, der akuten Ermangelung eines guten, griffigen Abschlusses, erwachsen - das macht ihn aber erstens nach über 20 Jahren anhaltendem Vegetarismus-Trend nicht erhellender und ist zweitens keine Entschuldigung.

    Zudem kann ich meiner Vorrednerin nur zustimmen: Pauschale Klischees wiederzukäuen mag verlockend sein, verzerrt aber naheliegenderweise die Tatsachen. Mit ein bisschen Sensibilität für das Thema hätte die Autorin so beispielsweise herausfinden können, dass sich mittlerweile schon Gegentrends gegen Vegetarismus herausbilden. Das Klischee nämlich, dass Vegetarier ihren Mitmenschen gern moralinsaure Grünkernküchlein unterjubeln, wird ihnen inzwischen oft pauschal vorgeworfen: Noch bevor man die eigenen Gründe für die Fleischlosigkeit erklären kann oder betonen kann, dass diese natürlich nur für die eigene Motivation sprechen, bekommt man als Vegetarier oft schnell vorgehalten, sich doch bitte mit seinen Standpauken zurückzuhalten. Dass neutrale Aufklärungen dabei oft nur subjektiv als Belehrungen erfahren werden, vielleicht auch, weil die "Belehrten" sich zum ersten Mal in ihrem Leben ihren Fleischkonsum reflektieren, sei nur nebenbei erwähnt.

    Drittens: Die "moralische Vegetarierin" oder der moralische Standpunkt, also "Menschen, die sich vor allem aus ethischen Gründen vegetarisch ernähren, etwa weil Fleischkonsum bedeutet, dass Tiere getötet werden und leiden müssen", wird im Artikel gleichgesetzt mit Mitgefühl. Das aber ist in der wissenschaftlichen Ethik höchst umstritten. Mitgefühl kann natürlich in einer Begründung eine Rolle spielen; andere Begründungen wie Speziesismus (verkürzt: Warum ist es plausibel intelligente Schweine zu Töten, aber bewusstlose Menschen nicht?) oder Würde von Lebewesen (z. B. Albert Schweitzer) werden allenfalls gestreift, aber nicht expliziert. Wenn man das alte Fass schon aufmacht, dann bitte richtig.

    Viertens und letztens: Der Artikel trägt außerdem dazu bei, das klassische Schwarz-Weiß-Denken zu bestärken. Realerweise finden viele Vegetarier jedoch auch einen gemäßigten Fleischkonsum aus guter Produktion (bei anderen Personen) vertretbar. Allerdings sehen sie eben, dass scheinbar die Mehrheit der Bevölkerung und die betroffene Nahrungsmittelindustrie natürlich kein Interesse daran hat, die Fleischproduktion einzudämmen oder nach ethischen Richtlinien zu orientieren. Daher halten sie ihren eigenen Vegetarismus als Gegentrend für ein wichtiges Zeichen.
  • Der Übermensch

    15.05.2013, Michael
    Jau, der Vegetarier oder besser gesagt, die Vegetarierin als Übermensch. Peinlicher und armseliger gings nicht, oder?

    Ich hätte gedacht das Konzept "Übermensch" hätten wir 1945 hinter uns gelassen, als der Führer, übrigens ein überzeugter Veggie [1], sich vor seiner Strafe gedrückt hat. Aber so kann man sich ja irren.

    Des öfteren wird behauptet Vegetarier wären durch ihre Ernährung schlauer. Nur wenn man nach überprüfbaren Daten verlangt dann wird es sehr dünn und mager.

    Vor einiger Zeit wurde eine langjährige britische Studie quer durch die Veggie-Verbände und Blogs hin und her geteilt, weil dort geschrieben wurde dass die Veggies schlauer sind, bessere Abschlüsse haben etc.

    Nur wenn man sich die Aussagen der Studie [2] genauer anschaut, dann entdeckt man folgendes:

    "Some of the participants who reported being vegetarian said they consumed fish or chicken. We found no difference in IQ scores, or any marker of socioeconomic status, between this group and the strict vegetarians. It may be that vegetarianism exists as a continuum, with those who describe themselves as vegetarian but who are prepared to eat white meat or fish (flesh that is paler and less obviously meaty than beef, pork, or lamb) having the same trait but less of it than those who avoid consuming any animal flesh."

    [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler#Privatleben
    [2] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1790759/
  • Klischees

    15.05.2013, Bernich
    Schade, dass Sie bereits ganz am Anfang das Klischee des "Verzichtens" in ihren Artikel unterstützen.
    Vegetarier oder Veganer müssen nicht auf leckeren Grillgenuss verzichten und auf Gras oder Gemüse rumkauen.
    Längst gibt es Alternativen mit "fleischigem" Biss und Würze auf Seitan- und Soja-Basis.
    Sogar im Billig-Discounter findet man zunehmend solche Produkte.
    Klar, wenn man eine Gluten- oder Sojaallergie hat, wird es schwierig, aber das trifft auf die wenigsten zu.
    In dem Fall müssen sie aus gesundheitlichen Gründen verzichten und nicht aus ethischen.

    Ich bin es leid, auf Grillfeste eingeladen zu werden, auf denen mir dann "netterweise" eine Gemüseecke auf dem Grill einräumt.
    Ich bin nicht krank.
    Niemand muss Rücksicht auf mich nehmen und mir Schonkost geben.
    Ich grille nicht, weil ich mich gesund ernähren möchte, sondern weil ich leckeres Grillgut bei gutem Gewissen essen möchte.
    In Großstädten gibt es regelmäßige Treff, bei denen vegan gegrillt wird.

    Und was das Gewicht angeht, so kenne ich eine ganze Menge langjähriger Veganer, die XL-Klamotten tragen.
    Die zweifelnden Blicke meiner Mitmenschen, die hören, dass ich Veganerin bin, verdanke ich Artikeln wie diesen hier.
    Dem Körper ist es ganz egal, woher die Kalorien kommen.
    Wenn es zu viele sind, setzt er Fett an.
  • Meine Lösung: Mischkost mit wenig Fleisch

    15.05.2013, Christine Wilholm
    Ich war von meinem 15. Lebensjahr an 11 Jahre lang "moralischer" Ovo-Lacto-Vegetarier. Und dachte, ich mache alles richtig. Morgens ein Frischkornmüsli mit Sahne und Obst, viel Rohkost und Gemüse, Sojaprodukte, Hefeprodukte. Bis es mir - v.a. nach meiner Schwangerschaft - gesundheitlich immer schlechter ging. Eine Infektion jagte die nächste - von der Angina bis zur Gebärmutterentzündung. Ich war beinahe permanent mit Antibiose belastet. Bis mein Frauenarzt mir vorschlug, eine Mineralanalyse zu machen. Ergebnis: 300-fach erhöhte Kalziumwerte! Mein Zellstoffwechsel war durch Kalziumeinlagerung in den Zellmembranen bereits dermaßen blockiert, dass mein Organismus Gifte nicht mehr richtig abtransportieren konnte. Therapie: eiweißreiche Kost. So kam ich zum Fleisch zurück. Nach einem Jahr strenger Heildiät waren meine gesundheitlichen Probleme behoben. Allerdings darf ich nach wie vor stark kalziumhaltige Lebensmittel wie Milchprodukte nur in Maßen zu mir nehmen. Und ich habe eine Glutamatallergie behalten (Hefe!). Ich bin daher nie wieder zum reinen Vegetarismus zurückgekehrt - jedoch viel Fleisch esse ich nicht. Und wenn möglich, nur Tiere aus Biohaltung. Fazit: Es ist sehr, sehr schwer, sich als Vegetarier oder gar Veganer gesund und ausgewogen zu ernähren. Einfacher ist es, der Biologie zu folgen resp. zum "Fleisch nur sonntags" zurückzukehren.
  • Das Maß der Dinge

    15.05.2013, KerstinW.
    Ich denke, dass man nicht auf Fleisch komplett verzichten muss, aber eine Reduzierung würde einigen Mitbürgern wohl nicht schaden. Mich schließe ich da übrigens mit ein.
  • Wenn Thesen als Behauptungen verkauft werden

    15.05.2013, Ina Müller
    Wird Spektrum der WISSENSCHAFT jetzt zum Sprachrohr der Vegetarier? Die vermeintlich wissenschaftlichen Ergebnisse, mit denen hier versucht wird, fragwürdige Thesen zu belegen und dem Artikel ein Hauch von Seriosität zu geben, sollten wirklich unabhängig hinterfragt werden. Vielleicht von der Bundesanstalt für Fleischforschung!?

    Schließlich gibt es auch ausreichend (fragwürdige?) Studien, dass Fleischverzicht NICHT vor Krebs schützt oder Vegetarier kleinere Gehirne aufweisen. Auch die Gesundheitspropaganda darf mit Blick auf einschlägige Fachliteratur getrost zu den Akten gelegt werden.
    Vom vermeintlichen Klimarisiko durch Fleischverzehr einmal ganz abgesehen.
    Frage: Wo kommen eigentlich die tierischen Lebensmittel und Pflanzen her, die Vegetarier anstatt Fleisch konsumieren? Würde man all diesen Tieren den Gnadentod gönnen, wäre die Klimabilanz Dank sinkender Produktivität wohl katastrophal ...

    Und hier die Quellen:

    Relevance of protein fermentation to gut health (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/mnfr.201100542/abstract)
    Saturated fat and cardiovascular disease: the discrepancy between the scientific literature and dietary advice (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22208554)
    Protein intake, calcium balance and health consequences (http://www.nature.com/ejcn/journal/v66/n3/pdf/ejcn2011196a.pdf)
    Psychische Störungen unter Vegetariern häufiger (http://www.animal-health-online.de/lme/2013/01/04/7792/7792/)
    Meat Intake and Mortality (http://www.thepigsite.com/articles/2669/meat-intake-and-mortality)
    Cancer incidence in vegetarians: results from the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Oxford) (Am J Clin Nutr (March 11, 2009). doi:10.3945/ajcn.2009.26736M)
    Leistungsfähig, intelligent und gesund durch Fleischverzehr (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1691485/)
    usw., usw.

    Warum wird hier nicht auch über die Risiken des Fleischverzichts informiert: Estrogenic plant consumption predicts red colobus monkey (Procolobus rufomitratus) hormonal state and behavior (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0018506X12002280)
  • Pollenflug

    15.05.2013, G. Trixl, Zürich
    Wenn Monsantoweizen auf Naturweizen kommt, wird dieser direkt umprogrammiert? Wenn es aber umgekehrt ist, was ist stärker natur oder Gentechnik oder ist beides dem Zufall überlassen?
  • Gesundheitliche Vorteile des Fleischverzichts!

    15.05.2013, AnimalAlliance
    Wenn Sie und Ihr Arzt, werter Herr Schlüter, noch nicht von den gesundheitlichen Vorteilen des Fleischverzichts gehört haben, dann wird es offenbar höchste Zeit, dass Sie beide sich mit den Erkenntnissen der Trophologie aus den zurückliegenden 10-20 Jahren vertraut machen. Die oben zitierten Quellen bieten sicherlich einen guten Einstieg in die Thematik. Wir sind uns sicher, sobald sie fachlich auf dem aktuellen Stand sind, werden Sie Ihre Vermutung eines ideologisch gefärbten Beitrags auch selbst als abwegig beurteilen.
  • Mit zweierlei Maß

    15.05.2013, Michael Kühnapfel
    Die Vermutung besonderer Empathie kann allerdings nur gelten, wenn man Pflanzen nicht als empfindende Lebewesen betrachtet. Ohne jetzt esoterisch zu werden - aber nur, weil Lebewesen so gänzlich anders sind als wir und uns fern stehen, sie zum hemmungslosen Essen freizugeben, erscheint mir genauso wenig einfühlsam und sehr vorurteilsbeladen (und man könnte sogar argumentieren, dass die meisten Pflanzen bei lebendigem Leib gegessen werden, der Verzehr also besonders grausam ist :o)
    Auch ich esse nicht alles und jedes, auch aus ethischen Gründen - aber moralisches Essen hat doch die starke Tendenz, in Dünkelhaftigkeit zu enden.
  • Gesündere Ernährung?

    15.05.2013, Gilbert Brands
    Ich kann mich an einen Beitrag vor einigen Jahren genau hier erinnern, in dem indigene Bevölkerungsgruppen mit vegetarischem/tierischem Ernährungsanteil im Variationsbereich 0-100% gesundheitlich verglichen wurden. Es wurde keinerlei (keinerlei!) Einfluss festgestellt!

    Abgesehen davon ist die "ausgewogene" vegetarische Ernährung eine Mogelpackung. Sie ist nämlich mit den hiesigen Pflanzen schlicht und einfach nicht möglich, sondern auf Importe von Gegenden rund um den Globus angewiesen.

    Besonders fragwürdig in diesem Artikel finde ich die Bemerkungen zur höheren Intelligenz von Vegetariern, die man mit Fug und Recht schon als Rassismus übler Sorte bezeichnen darf. Was sollen solche Ideologiebeiträge in einem wissenschaftlichen Medium?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Brands,

    Hintergrund der Studie zur Intelligenz waren Hinweise darauf, dass Menschen mit höherer Intelligenz seltener von koronaren Herzerkrankungen betroffen sind. Die Autoren um David Batty fragten sich, ob das zumindest teilweise mit den Ernährungsgewohnheiten zu tun hatte - die Ergebnisse deuten tatsächlich darauf hin.

    Eine besondere Stärke der Untersuchung ist die umfangreiche Stichprobe. Doch es gibt auch Schwächen: So liefern die Autoren beispielsweise keine genauen Informationen darüber, wie lange ihre Versuchspersonen sich schon vegetarisch ernährten.

    Wie in der psychologischen Forschung üblich berichtet auch diese Studie nur Durchschnittswerte. Natürlich gibt es viele Vegetarier (und umgekehrt viele Fleischesser), auf die der von den Forschern beobachtete Zusammenhang zwischen Intelligenz und Ernährungsgewohnheiten nicht zutrifft.

    Mit freundlichen Grüßen
    Claudia Wolf
    Redaktion Gehirn und Geist
  • "Motivierte Evaluation" durch Herrn Lieb

    14.05.2013, Alex Lokowandt
    Sehr geehrter Herr Lieb,
    bitte erlauben Sie mir, darauf hinzuweisen dass auch Sie vermutlich eine "Motivierte Evaluatation" durchgeführt haben. Das mag vom Selbstbild eines idealisierten Arztes geleitet sein, in der Realität existieren aber auch die schwarzen Schafe. Auch diese müssen beachtet werden.
    1) Der Interessenkonflikt besteht nicht zwischen der Industrie auf der einen und einem Arzt-Patient-Symbionten auf der anderen Seite. In diesem Konflikt sind mindestens 4 Parteien vertreten: Patient, Arzt, Krankenkasse und Pharma-Unternehmen/Medizinprodukt-Hersteller. Ärzte wollen nicht nur Patienten helfen, sondern auch Geld verdienen und sich vor Schadensersatz-Forderungen schützen.
    2) Ob Gesetze oder Regeln der Berufsordnung besser gegen Interessenkonflikte helfen, hängt nicht nur von der Flexibilität der Regeln ab. Ein wichtiges Argument für Gesetze / gegen zu viel macht bei den Ärzteschaften ist der Interessenkonflikt dieser Organisationen im Kampf gegen ihre eigenen schwarzen Schafe. Die Versuchung der Ärzteschaft, Regelverstöße unter den Teppich zu kehren blenden Sie in ihrer Diskussion aber vollständig aus.
  • Landeigentum

    14.05.2013, Karl-Heinz Ackermann
    von Rousseau(vielleicht wörtlich etwas abweichend da kein Originalwerk zur Hand):
    Der Erste,der ein Stück Land eingezäunt hatte und es sich einfallen ließ zu sagen: dies ist mein, und der Leute fand,die einfältig genug waren,ihm zu glauben,war der wahre Gründer der bürgerlichen Gesellschaft.Wie viele Verbrechen,Kriege ,Morde,wie viel Not und Elend und wie viele Schrecken hätte derjenige dem Menschengeschlecht erspart, der die Pfähle herausgerissen hätte....
  • Gesundheitliche Vorteile des Fleischverzichts?

    14.05.2013, Olaf Schlüter
    Als meine Frau mit unserer Tochter schwanger war, besuchten wir gemeinsam einen Gynäkologen für eine erste Besprechung hinsichtlich der Betreuung der Schwangerschaft. Im Rahmen dieses Gesprächs stellte der Gynäkologe meiner Frau die Frage, ob sie Vegetarierin sei. Um gleich anzuschließen, dass sie in diesem Falle erwägen solle, für die Dauer der Schwangerschaft auf diese Art der Ernährung zu verzichten, da es eine Mangelernährung sei.

    Von den gesundheitlichen Vorteilen des Fleischverzichts hat dieser Arzt offenbar noch nicht gehört. Ich auch nicht. Ich weiß nur, dass zu viel Fleisch ungesund sein kann. Aber zwischen "zu viel Fleisch" und gar kein Fleisch liegt irgendwo für jeden die optimale Ernährung.

    Es ist schade, wenn ein Artikel, der als wissenschaftlicher Beitrag ernst genommen werden will, gleich mit einer so fragwürdigen These beginnt. Da vermutet man gleich einen ideologischen Beitrag.