Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Kurzsichtigkeit - Die neue Pandemie

    31.08.2015, Dr. Holger Casselmann
    Der Artikel greift möglicherweise etwas zu "kurz". Er beginnt mit der These, dass bei Kurzsichtigkeit der Augapfel zu lang ist. Deshalb liegt der Fokus bei Sicht in die Ferne vor der Netzhaut und nicht auf ihr. So steht es schließlich in allen möglichen Lehr- und Physik-Schulbüchern. Ich halte es für einen wissenschaftlichen Fehler, diese Auffassung ungeprüft zu übernehmen.

    Als Kurzsichtiger weiß ich aus eigener und unschöner Erfahrung, dass nach jeder neuen verschriebenen Brille die Dioptriezahl im Betrag - also die Kurzsichtigkeit - zugenommen hatte. Das passiert auch vielen anderen Personen im Alter zwischen 25 und etwa 45, was die meisten Brillenträger und Optiker bestätigen können. Bei mir hatte sich in diesem Zeitraum die Dioptrie von etwa -3,0 auf -5,5 verändert. Eine Erklärung durch weiteres Längenwachstum des Augapfels erscheint in diesem Alterabschnitt absurd. Eine andere, m. E. viel schlüssigere Erklärung könnte sein, dass die Linse eine zu starke und irreversible Krümmung ausbildet. Dies würde nicht nur den vorgelagerten Fokus bei Fernblick erklären, sondern auch die Ursache: viel Lesen, das heißt ständiger Blick im Nahbereich erfordert eine starke Krümmung (Verdickung) der Linse, ebenso bei Nahblick unter schlechten Lichtverhältnissen, weil die Pupille größer öffnet und die Schärfentiefe abnimmt. Die Linse muss dies auch durch entsprechende, noch präzisere Krümmung ausgleichen. Sie ist mit zunehmendem Alter immer weniger in der Lage abzuflachen, was erst scharfe Fernsicht ermöglicht.

    Das Auge stellt sich also über die Krümmung der Linse immer mehr auf den häufig "benutzten" Nahbereich ein. Dass diese, bei der es sich ja um ein bewegliches und flexibles Organ handelt, die Ursache für die Kurzsichtigkeit ist, erscheint doch glaubwürdiger als die durch nichts begründete Annahme, der Augapfel würde auf etwas schlechtere Lichtverhältnisse und häufige Naheinstellung des Auges mit Längenwachstum antworten. Die Experimente mit den Schülergruppen in Asien lassen eben mehrere - auch einleuchtendere - Erklärungen zu.
  • Naturwissenschaften

    31.08.2015, Georg Bonacker
    Obwohl die Wissenschaft unser heutiges Leben mit Elektrizität, Antibiotika und Internet überhaupt erst ermöglicht habe, erscheine sie den meisten als zu kompliziert, um sich damit auseinanderzusetzen. (Lars Jaeger!) - Na, vielleicht würden wir weniger unter "Reizüberflutung" zu leiden haben - ohne diesen Naturwissenschaftsterror und ein bisschen mehr Natur genießen können dürfen?
  • Ceres Hammer...

    30.08.2015, Holger Rösler
    Ich hab mir das noch mal angeschaut... also mit Ceres... Da hat ein Ufo mit seinem Fusionsantrieb den Metallkern eines Asteroiden heiss gemacht und da hat das natürlich geglüht. Und as war nicht ein Ufo, sondern eine Flotte... Ich bin begeistert. Die waren aber nur scharf auf Transurane. Und sie scheinen irgendwelche Silikate gefunden zu haben, die sie nur in grossen Mengen abtransportieren wollen... Ich vermute, das da auf Ceres nen Berg von meterdicken Diamanten rumliegt. Jetzt ist der richtige Augenblick um in Panik zu geraten. https://www.youtube.com/watch?v=0R-7kmmWRJo
  • Alles ändert sich

    30.08.2015, Andreas Grund
    Betrachtet man die Möglichkeiten neuartiger Analysetechnologien, auf Basis welcher Technologie auch immer, stellt dies in der Regel auch althergebrachte Denkweisen bezüglich Recht und Ordnung in Frage.
    Dass statistische Verfahren teils extrem wirkungsvolle Werkzeuge sein können, zeigt nicht zuletzt die Möglichkeit, psychische Erkrankungen wie Psychosen schon in ihrer Entstehung zu erkennen.

    In welcher Weise kann die Politik darauf reagieren? Doch in erster Linie so, dass – ausgehend von einem festen moralischen Wertesystem – Konzepte regelmäßig überprüft werden.
    Im Beispiel Unterwanderung von Anonymisierung müsste geprüft werden, anhand welcher Informationen eine eindeutige Identifikation möglich ist. Eine neue Form von (Daten-)Abschirmung um den Wähler wird notwendig. In der Vergangenheit war es ausreichend, wenn man sich in eine Wahlkabine mit mehr oder weniger geschlossenem Vorhang begab, um seine Kreuzchen zu machen und anschließend einen Zettel in – wie vorsintflutlich – einen Kasten zu werfen. Bedenkt man die Möglichkeiten heutiger Forensik, müsste man in Zukunft wohl elektronisch von einem anonymisierten Terminal aus wählen.
    Das Beispiel zeigt, wie weit diese beiden Welten auseinander liegen. Da wird in irgendwelchen Labors ein neues Analyseverfahren entwickelt, und plötzlich gibt es Bedarf für geänderte Wahlabläufe.

    In der Wirtschaft spricht man von Multiplikatoren. Einzelne kleine Entwicklungen können zusammen genommen einen sehr großen Effekt haben.
    Da ist es nicht verwunderlich, dass Politiker – und nicht nur die – manchmal überrascht von neuen Entwicklungen sind.

    Angesichts dieser Herausforderungen könnte es sinnvoll erscheinen, das Gefährdungspotenzial neuer Technologien in Bezug auf die Grundrechte unserer Gesellschaft regelmäßig neu zu bewerten und konsequent Maßnahmen daraus abzuleiten, wie dieser Bedrohung zu begegnen ist. Eventuell zeigte sich dann, dass neue Technologien eben auch eine große Unterstützung für die Grundrechte der Menschen darstellen können.
  • "Das" versus "Dass"

    30.08.2015, Karl Sauruck
    Gerne lese ich die sehr interessanten Informationen von Spektrum.de. Dabei ist mir aber aufgefallen, dass trotz des Einsatzes von geballtem Intellekt Probleme mit der Unterscheidung von "das" und "dass" bestehen:

    "Die heutigen Archäologen definieren Menschen aus der Jungsteinzeitmenschen vor allem über die sichtbaren Hinterlassenschaften ihrer Kultur – etwa landwirtschaftlichem Gerät, DASS heute eine damals revolutionäre Technologie und damit den Anbruch einer neuen Ära erkennen lässt."

    Das ist für die Aussage des Artikels natürlich nicht relevant, auch ist dieser Satz von Dr. Osterkamp nur ein Beispiel von vielen.

    Vielleicht könnte man durch eine Studie feststellen, ob es eine "Das-Dass-Blindheit" ähnlich einer "Rot-Grün-Blindheit" gibt ....

    Eigentlich wollte ich diese Bemerkungen nicht öffentlich, sondern nur gegenüber Herrn Dr. Osterkamp machen. Leider gibt er keine E-Mail-Adresse an und mit Facebook habe ich es nicht so. Das trifft leider auf die Mehrzahl der Autoren zu.

    Beste Grüße
    Karl Sauruck
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Sauruck,

    Dass stimmt natürlich ;-)! Sobald es eine Studie zum Thema Das-Dass-Schwäche gibt, werde zumindest ich mich freiwillig melden - und bis dahin weiter bemühen.

    Beste Grüße zurück,
    Jan Osterkamp

    PS: Die Profilseiten der Autoren haben Sie sicher schon gefunden - aber Sie haben recht, daran werden wir mit unserer Technik noch einmal nachbessern müssen, um unsere Auffindbarkeit zu erhöhen.
  • Trügt uns das subjektive Gefühl?

    28.08.2015, Reinhart Auer, Starnberg
    Bei der Lektüre des Artikels beschleicht einen das Gefühl von Unsicherheit und Verwirrung hinsichtlich der Position des Autors: Er spöttelt zwar einerseits über die "Willusionisten", gibt aber doch am Ende seiner Ausführungen zu, selbst nicht recht zu wissen, wie viel oder wie wenig Willensfreiheit er uns und sich zugestehen soll; und er erinnert dann daran, dass die Beantwortung der Frage, die auch er nicht liefern kann, aus strafrechtlichen Gründen (und natürlich ganz allgemein aus Gründen des Umgangs und der Beurteilung von Menschen durch Menschen) wichtig sei.
    Um nicht die Bibliothek des wissenschaftlichen Hin und Her über das Willensfreiheitproblem um eine weiteren Beitrag zu bereichern, mache ich einen Sprung zur Kunst, die uns ja oft zu überzeugenderen Aha-Erlebnissen führt als das bewusste und vernünftige Denken, und zwar zu Goethes Faust: Wie könnte in uns das Gefühl von Empörung über das Todesurteil gegen Gretchen, die Kindsmörderin, entstehen und wie würde sich unser Mitleid mit ihr erklären, wenn wir davon überzeugt wären, dass sie "auch anders gekonnt" hätte, also, um mit Freud zu sprechen, dass sie wirklich "Herr im eigenen Haus" gewesen wäre? Goethe berührt hier die aktuell werdende strafrechtliche Problematik (siehe oben), ohne sie weiter zu explizieren. Vielleicht sollten wir das subjektive Gefühle der freien eigenen Entscheidungsmacht doch immer öfter zu Gunsten der zunehmenden gegenteiligen Belege aus der Neurowissenschaft in Frage stellen, wenn wir dazu neigen, über andere (und über uns selbst) den Stab zu brechen, weil man ja "auch anders gekonnt hätte" - oder nur hätte können sollen, aber eben nicht konnte? Das würde auch der goetheschen Lösung durch die Gnade am Ende von Faust II einen neuen und ganz modernen Sinn geben.
  • positiv vs. komparativ

    28.08.2015, jan
    "...mehr als 15-mal so lange stabil zu halten wie bisher möglich..."
    ich denke "als" wäre richtig gewesen.
    Antwort der Redaktion:
    Das wäre "15-mal länger als". Die Kombination "so ... wie" scheint mir durchaus üblich zu sein.
  • Alter

    28.08.2015, Kai Petzke
    Was muss ich mir denn unter "Jugendlichen im Alter von 14 bis 27 Jahren" vorstellen? Junggebliebene Erwachsene? Schnell gealterte Jugendliche? Oder waren "14 bis 17 Jahre" gemeint?
    Antwort der Redaktion:
    Das habe ich mich auch gefragt. Tatsächlich steht in der Zusammenfassung aber "the population between the age of 14 and 27". Leider ist das Paper nach wie vor nicht online, so dass wir das bisher nicht klären konnten.
  • Autonomie und Selbstbezug

    28.08.2015, Dieter Eichrodt, Glengarriff (Irland)
    Das synaptische Verknüpfungsnetzwerk unseres Gehirns bestimmt die Muster der elektrochemischen Erregungsprozesse die in ihm ablaufen können – also unsere Gefühle und Gedanken. Diese Erregungen wirken in einem zyklisch-kausalen Rückkopplungsprozess verstärkend oder abschwächend auf die Synapsen zurück. Dabei wirken durch äußere Sinnesreize stimulierte „Fremderregungen“, die uns im allgemeinen bewusst werden, parallel zu internen „Selbsterregungen“, die uns meist nicht bewusst sind und dem „Housekeeping“ unseres Denkorgans dienen: Gedächtnis, Vergessen und andere lebensnotwendige Funktionen. Bei uns nehmen Letztere den weitaus größten Teil der Aktivität in Anspruch: Des Menschen Gehirn beschäftigt sich in erster Linie mit sich selbst – was einen wesentlichen Unterschied zum Gehirn der Tiere ausmachen mag. Diese Selbstbezüglichkeit ist es, die uns Autonomie verleiht! Und diese unbewusste Autonomie ist es wiederum, die uns die Illusion eines „Ichs“ und eines „freien Willens“ vorgaukelt. Könnten die Philosophen und die Neurowissenschaftler sich darauf einigen, dass freier Wille nur ein anderes Wort für Autonomie ist, wäre ein lang anhaltender Streit aus der Welt.
  • Akausalität der Gehirnvorgänge

    28.08.2015, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Zur Diskussion um die SdW-Thematik möchte ich entgegen einer rein materialistisch-naturalistischen Deutung heutiger Hirnforschung zu bedenken geben: Wie kann die Neurowissenschaft nur auf Grund von Gehirnmessungen meinen, die Möglichkeit der Willensfreiheit des Menschen verneinen zu müssen, weil das menschliche Verhalten allein auf deterministische neuronale Prozesse im Gehirn zurückzuführen sei? Wie kann man eine von der Quanten- und Chaosphysik längst widerlegte - nämlich absolute und streng determinierte - Naturgesetzlichkeit ohne Freiheitsgrade auf die neuronalen Gehirnprozesse übertragen, ohne deren Akausalität zu berücksichtigen? Und wie kann man annehmen, ein geistiges Prinzip wie den freien Willen materiell ausmessen zu können, mit der kategorischen Behauptung, ihn nicht „gefunden“ zu haben, weil das Wollen und Handeln des Menschen allein durch die „Erregungszustände seiner Neuronen“ fixiert sei? Wenn man schon denkt, die determinierte „Hardware“ des Gehirns messtechnisch erfassen zu können, so versagt doch eine vollständige Objektivierung der Hirnprozesse, weil die unscharfe, statistischen Schwankungen unterliegende „Software“ menschlichen Verhaltens unbekannt bliebe und auch durch den messtechnischen Eingriff verändert werden kann.


  • was ist gesund?

    27.08.2015, Köbrunner
    Um eine derartige Diagnose machen zu können, müssen Schizophrene mit anderen Personen verglichen werden - logo. Dies sind aber nicht nur "Gesunde" (wobei sich wieder einmal die Frage stellt, was ist gesund) sondern alle Nicht-Schizophrenen, ansonsten würde eine derartige Diagnose scheitern.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Leser,

    das stimmt. Wir haben den Text dementspechend abgeändert.

    Beste Grüße
    Redaktion Spektrum.de
  • Drei Parameter?

    27.08.2015, Brigitte
    Und um welche drei Parameter handelt es sich nun, die für die Früherkennung einer Psychose relevant sind? Diese weiterführende Info hätte den Artikel interessant gemacht; ohne sie bleibt man ratlos zurück.
    Antwort der Redaktion:
    Tatsächlich bekommt man oft solche Zusatzinformationen, wenn man auf die dekorativ blau unterlegten Textteile klickt. Die drei Parameter sind maximale Phrasenlänge, semantische Kohärenz (also wie lang die Leute bei einem Thema bleiben), und die Präsenz spezieller Pronomen, die eine Verkettung von Gedanken anzeigen.
  • 27.08.2015, Martin Meier
    wer definiert eigentlich was normal ist und was nicht. Und wer sagt, dass die normalen Menschen nicht die unnormalen sind und nicht umgekehrt? Ungewöhnliche Gedankengänge sind also ein Indiz für eine eventuell auftretende Psychose, aha. Am besten wir erfinden jetzt noch ein Mittel, was uns alle zu normalen Menschen mit gewöhnlichen Gedankengängen macht, dann wäre die Menschheit gerettet.
  • Evolutionstheoretisches Argument

    27.08.2015, Erwin Amann
    Ich verstehe die Motivation des Autors, teile seine Argumente, dass die "Willusionisten" nicht die Existenz des freien Willens widerlegen, sehe aber auch nicht, dass der Autor die Existenz des freien Willens belegt.
    Ich möchte hier ein ganz anderes Argument zur Diskussion stellen: Angenommen, wir hätten keinen freien Willen. Alle unsere Entscheidungen sind auch ohne Bewusstsein vollkommen identisch zu der Entscheidung mit Bewusstsein. Dann frage ich mich, wie der Mensch mit Bewusstsein die Evolution überleben kann. Er braucht in bestimmten Zeiten einfach länger eine Entscheidung zu treffen, ohne daraus irgend einen Vorteil zu ziehen. Vermutlich benötigt er sogar mehr Energie im Gehirn. Warum wird er also nicht vom Menschen verdrängt, der dieselbe Entscheidung einfach nur in kürzerer Zeit mit weniger Aufwand trifft?
  • kostenfreie Sonderausgabe "Zukunft der Stadt" - MIT BILDERN !!!

    27.08.2015, Dirk
    Berti, dann hol dir mal schleunigst die kostenfreie Sonderausgabe "Zukunft der Stadt" (s. o.). Da hast du was zum Anschauen. Viel Freude beim Betrachten, wünscht Dirk