Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Jaja, die Norges

    01.04.2015, J. Rott
    Ich glaube, dass man von norwegischen Verhältnissen auf die Allgemeinheit schließen kann. Dort wirken ganz andere soziale Zwänge. In einem Land, wo in der Zeitung veröffentlicht wird, wer wie viel Steuern zahlt, wirkt dadurch auch inneren Druck auf Unterstützungsmepfänger aus.
  • "...auch Wegwerfware wie Mullbinden oder eben Tampons."

    01.04.2015, AfterYou
    die tampons eben nicht, deshalb kommen sie ja hier zum einsatz.
  • Bitte was?!

    31.03.2015, Jutta Paulus
    "Die größte Schwierigkeit bei der Studie war nach Angaben der Forscher, eine Quelle für Baumwolle zu finden, die nicht von vornherein mit solchen Substanzen behandelt ist." Das heißt, sämtliche Produkte aus Baumwolle sind mit optischen Aufhellern behandelt, auch Wegwerfware wie Mullbinden oder eben Tampons. Und Stoffe, die ohnehin später gefärbt werden (womöglich schwarz) auch. Wie verrückt ist ein Wirtschaftssystem, in welchem derartige Ressourcenverschwendung "sich lohnt".
  • conflict resolution.wars without end

    31.03.2015, Sabina Vascotto
    Mandela hatte recht !

    gewaltfreie Kommunikation
    von R. Marschall !

    Ein Versuch ist es wert
  • Indizien für die matrifokale Urgeschichte

    31.03.2015, Gabriele Uhlmann, Braunschweig
    Eben las ich Ihre Reaktion auf den Leserbrief von Herrn Walter Weiss. www.spektrum.de/artikel/1340285
    Sie schrieben: "Die Abwesenheit eindeutiger Belege für einen bestimmten Sachverhalt beweist nicht automatisch dessen Gegenteil."
    Dazu möchte ich anmerken, dass Beweise nicht in situ zu suchen sind, sondern es sich hier um Indizien handelt, die in das große Puzzle, mit dem die matrifokale Urgeschichte nun langsam zusammengesetzt wird, passen. Zahlreiche Veröffentlichungen der Patriarchatsforschung haben das patriarchale Gedankengebäude durchleuchtet und sind zu einem eindeutigen Ergebnis gekommen. Genau dies meint Ihr Leser Walter Weiss. Ich selbst habe in meinem Buch "Archäologie und Macht" aufgedeckt, wie die Herrschende Lehre am Beispiel des Massakers von Talheim vorgeht, um Patrilokalität für die Bandkeramik zu postulieren, ohne auch nur einen echten Beweis vorlegen zu können. Tatsächlich wurden die naturwissenschaftlichen Daten manipuliert und mittels einer mehr als fragwürdigen Statistik in diese Richtung interpretiert. In diesem Buch erwähne ich auch, dass in der Kupfersteinzeit nur stellenweise mit ersten Patriarchaten zu rechnen ist.

    Ich habe diese Sachverhalte bereits in meinem Leserbrief zu EDGARs unsäglichem Artikel angedeutet. Offensichtlich ist die Citizen Science der Patriarchatsforschung noch nicht bis zu Ihnen durchgedrungen, dann würden Sie vielleicht einsehen, dass der Begriff Matriarchat irreführend und fatal für die Wissenschaft ist. Tatsächlich wird er von der Herrschenden Lehre nur benutzt, um die Entdeckung der Matrfokalität zu diskredieren. Das Matriarchat ist eine Erfindung von Heide Göttner-Abendroth, die sich auf die "Gynaikokratie" von BACHOFEN beruft. Dieser Patriarch wiederum hielt "die Gynaikokratie" für eine zu überwindende, niedere Stufe der Menschheit. Indirekt postuliert Göttner-Abendroth auch für die Altsteinzeit ein Patriarchat, denn für sie fängt das vermeintliche Matriarchat erst in der Jungsteinzeit an und hielte sich bis in die Bronzezeit. Die Patriarchatsforschung hat aufgedeckt, dass diese Theorie in jeder Hinsicht unhaltbar ist.
    Herr Weiss spricht erfreulicherweise nicht von Matriarchat, sondern von "matrilokal/matrifokal". Auch ich benutze den Begriff Matrifokalität für die matrilokale und matrilineare Ordnung, denn in vorpatriarchaler Zeit gab es keinerlei Herrschaftsstrukturen, ebenso wie es bei Tieren keine Herrschaft gibt. (Leider werden in den Medien auch immer wieder patriarchale Projektionen wie "Haremschef" (zum Beispiel für Gorillas oder Hirsche) benutzt. Dabei wird die female choice, die auch bei diesen Tieren wirkt, völlig ignoriert.)

    Auch was das Menschenopfer betrifft, so wird die Unwissenheit Ihrer Redaktion vielleicht daran liegen, dass die Tophets der Karthager als Kinderopferstätten verunglimpft wurden, und gleichzeitig Göttner-Abendroth für diese Kultur ein Matriarchat postuliert, weil die Priesterschaft die Heilige Hochzeit für die Große Göttin Tanit zelebrierte. Dazu ist zweierlei zu sagen:
    1. Längst ist bekannt, dass es sich bei den Tophets um Kinderfriedhöfe handelt, die nicht nur Ausdruck einer hohen Kindersterblichkeit sind, sondern vor allem der für das Patriarchat typischen Überbevölkerung und deren Zivilisationskrankheiten.
    2. Die Patriarchatsforschung hat ebenso festgestellt, dass die Heilige Hochzeit ein erzpatriarchales Ritual mit einer öffentlichen Vergewaltigung einer Priesterin ist, deren Ziel es war, die Frau zur Aneignung ihrer Macht zu "berühren". Diese "Macht" ist ein männliches Konstrukt, nämlich die "Gebärmacht", die die Fähigkeit zur Unsterblichkeit impliziert, und die in den Köpfen gebärneidischer Priesterkönige erdacht wurde, um sich selbst unsterblich zu machen. Wie Sie meinem letzten Leserbrief schon entnehmen konnten, ist die Ehe resp. die Hochzeit die Basis des Patriarchats. Lesen Sie hierzu auch das zweiteilige Buch "Die Erfindung der Götter" von Gerhard Bott.
    3. Tatsächlich sind keinerlei Menschenopfer aus matrifokaler Zeit bekannt. Aus Sensationsgier werden aber so manche Bestattungen zu solchen hochstilisiert, vielleicht auch, um die Steinzeit als eine menschenfeindliche, furchtbare, glücklich überwundene Zeit hinzustellen, nach dem Motto "Sie wollen doch wohl nicht in die Steinzeit zurück". Tatsächlich ist ein Menschenopfer nur in einer patriarchalen Theologie denkbar. Darüber hat die Patriarchatsforscherin Kirsten Armbruster kundig geschrieben.
  • Potential kann einfach besser ausgeschöpft werden.

    31.03.2015, Peacewood
    Es ist doch naheliegend, dass Menschen, die sich keine Sorgen um ihre soziale Absicherung machen müssen, ihr Potential viel besser ausschöpfen können, weil sie nicht gezwungen sind, die eigene Leistungsfähigkeit ausschließlich zur Bestreitung des Lebensunterhalts zu verschwenden. Außerdem wird eine garantierte soziale Absicherung die wirtschaftliche Risikobereitschaft des einzelnen steigern, sodass in der Folge der Anteil selbständiger Tätigkeiten deutlich zunehmen wird.

    @Am_Rande
    Die Annahme, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Qualität eines Sozialsystems und der Arbeitsmoral der Bevölkerung steht, entspringt wohl einer, gegenüber Menschen mit nicht-nordeuropäischer Herkunft, nicht sehr freundlich gesinnten Geisteshaltung, oder können sie dafür auch wissenschaftliche Belege anführen?
    Vielleicht können Sie aber auch nur kurz erklären, warum eigentlich die meisten Staaten, deren Bevölkerung eine höhere Arbeitsmoral aufweist als die deutsche Arbeitnehmerschaft, trotzdem ein noch schlechteres Sozialsystem haben als wir.
  • Weibliche Spuren?

    31.03.2015, Walter Weiss, Kassel
    Das erstaunliche Faktum, dass in den bisher gefundenen Gräbern dieser Kultur - wie man die behandelte örtliche Situation wohl nennen muss - keinerlei männlich betonte Objekte (wie Waffen und Begleitopfer bis hin zu Menschenopfern) gefunden worden sind, könnte, und zwar sehr deutlich, auf eine matrilokal/matrifokal eingerichtete Gesellschaft hinweisen. Es wäre der Wissenschaft sicher dienlich, wenn sich in dieser Hinsicht Kundige an den Ausgrabungen und ihren Deutungen beteiligen würden. Womöglich könnten dann zusätzliche Erkenntnisse gewonnen werden, womöglich auch würden Spuren nicht übersehen, die anderweitig (um nicht zu sagen: herkömmlich) tickende Archäologen übersehen würden. Und: Hoffentlich ist es nicht zu spät dafür.
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank für ihre Zuschrift. Hier gilt der Leitsatz kritischer Archäologie: Die Abwesenheit eindeutiger Belege für einen bestimmten Sachverhalt beweist nicht automatisch dessen Gegenteil. Eine matriarchalisch organisierte Gesellschaft lässt sich also nicht dadurch belegen, dass Waffenfunde fehlen. Wie der Artikel beschreibt, deuten die bisherigen Funde lediglich auf eine wenig geschichtete, weit gehend egalitäre Gesellschaft hin.
    Mir ist übrigens nicht bekannt, dass Menschenopfer ein Kennzeichen patriarchaler Gesellschaften wäre. So opferten die Inka in Notzeiten ihre eigenen Kinder den Göttern, vermutlich weil dies das Wertvollste war, was sie hatten. Das hat nichts mit männlicher Aggression oder dergleichen zu tun.
  • Menschenbild?

    31.03.2015, Franz Bode
    Es gibt etliche Studien zur Arbeitsmoral und zur Neigung Sozialmissbrauch zu betreiben. Alle die ich kenne widersprechen der immer noch dominanten Meinung (in Politik, Medien und natürlich Wirtschaft) dass man Arbeitslose drangsalieren muss.
    Es gibt auch Studien die belegen wie traumatisch Arbeitslosigkeit ist, das Gegenteil also von genüsslicher Faulheit.
    Angesichts dessen ist die Äußerung des offenbar einzigen Arbeitslosenseelsorgers in Deutschland (in Berlin) das System sei "sündig", zwar nicht wissenschaftlich - aber dennoch relevant.
    Aber es gibt hier einen harten Bodensatz von Interessierten, bis in die Spitzen der Politik, die dafür sorgen dass solche Aspekte nicht in politisches Handeln einfließen.
    In hundert Jahren, wenn die Menschen kooperativ statt konfrontativ arbeiten, und eine viel höhere soziale und kulturelle Lebensqualität haben, wird man mit Grausen zurückblicken auf unsere Zeit, wie wir aufs Mittelalter.
  • Korrelation und Kausalität

    31.03.2015, Am_Rande
    Der Effekt könnte auch darauf zurückgehen, dass Staaten mit besserem Sozialsystem generell eine höhere Arbeitsmoral haben.

    Der Effekt könnte auch darauf zurückgehen, dass ein Staat, dessen Bevölkerung generell eine höhere Arbeitsmoral hat, sich ein teureres und also besseres Sozialsystem leisten kann.
  • Exorbitanter Männerüberschuß!

    31.03.2015, Felix Haller
    Ich habe zwei Fragen und zwei Anmerkungen.

    1. eine Frage zu Totgeburten:
    Ich habe mich vor ca. 45 Jahren intensiv mit Demographie beschäftigt. Bei den Totgeburten waren auffallend deutlich mehr männliche als weibliche Babies. Auch heute liegt die Anzahl der männlichen Totgeburten signifikant über der der weiblichen.
    Wie verhält sich dieser Sachverhalt zu der von Ihnen referierten These, weibliche Föten seien während der Schwangerschaft möglichweise gefährdeter?

    2. eine weitere Frage zur Sexualproportion:
    Die Sexualproportion ist in den letzten 100 Jahren leicht gefallen. Wurden vor ca. 100 Jahren noch auf 100 Mädchen knapp 106 Jungen geboren, so sind es heute ca. 105; und zwar weltweit. Diese Veränderung ist doch erheblich. Was könnten die Gründe sein?

    3. eine Anmerkung:
    Ihre Feststellung: „Im Winter, bei Mangelernährung und Stress, nach Naturkatastrophen, Krisen und Kriegen werden etwa mehr Mädchen geboren“ ist falsch! Das genaue Gegenteil ist der Fall. Die amtlichen Statistiken zeigen, daß in Kriegs- und Krisenzeiten die Sexualproportion auf 107 bis zu 108 ansteigt. Auch hier hat die Wissenschaft noch keine überzeugenden Antworten.

    Eine Schlußbemerkung:
    Ihr Aufsatz suggeriert, daß es „im fruchtbaren Alter ein ausgewogenes Verhältnis von geschlechtsreifen Paarungspartnern“ gebe, und daß „eine notwendige männliche Reserve also nützlich sein“ könnte.

    Aufgrund der wesentlich höheren Übersterblichkeit des männlichen Geschlechts gilt das für vergangene Jahrhunderte. In den letzten 6 – 7 Jahrzehnten ist die Übersterblichkeit in den unteren und mittleren Jahrgängen stark zurückgegangen. Sie greift erst, wenn Männer die 50 überschreiten. Dieser Rückgang führt dazu, daß sich das Geschlechterverhältnis heute erst bei ca. 60 Jahren angleicht!

    Wir haben einen exorbitanten Jungmännerüberschuß!

    Wie kommt es dazu? Ich mache es so kurz wie möglich; nur Stichworte:
    * Sexualproportion 105,5
    * Rückgang der Übersterblichkeit (s.o.)
    * Rückgang der Geburtenzahlen seit ca. 1970
    * das Paarungsverhalten: ältere Männer, jüngere Frauen (Altersabstand zwischen 2 bis 5 Jahren)

    Wir haben uns seit dem Ende des 2. Weltkrieges - zugegeben etwas überspitzt formuliert - zu einem Volk von jungen Männern und alten Frauen entwickelt.
    Wer das nicht glaubt, der mache mit mir in einer Samstagnacht einen Bummel durch diverse Diskotheken und am Sonntagnachmittag darauf Besuche in Altenwohnheimen. An diesen paradigmatischen Orten wird es offensichtlich.

    Eigene Berechnungen und Schätzungen nach Zahlen des Wiesbadener Instituts ergeben für die Kohorten der heutigen 25 bis 45jährigen bei den Singlepersonen (nicht verheiratet, nicht verlobt, nicht in einer Partnerschaft sich befindend, aber dem Partner- und Liebesmarkt zur Verfügung stehend) ein Verhältnis von mindestens 1:2! Auf eine suchende Singlefrau kommen mindestens 2 suchende Singlemänner. Singlefrauen in dieser doch so entscheidenden Altersgruppe sind rar!

    I stop here.
    Enough for one go.

    Live from Hamburg
    Felix alias Bakwahn
    Hamburg Bangkok Duesseldorf
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Haller,

    vielen Dank für Ihr Interesse! Nur kurz zu Ihren Anmerkungen zu dem Studienergebnis von Orzack und Kollegen. Zunächst zu ihrem ersten Punkt: Tatsächlich zählen die Autoren ja unter anderem auch (siehe die Grafik im Text), mehr männliche Totgeburten zwischen den Wochen 18 und 36). Davor passiert natürlich noch eine Menge mehr - was auch so sein muss, da ja trotzdem am Ende noch mehr Jungen geboren werden. Die (notgedrungen knappe) Überschrift bezieht sich auf dieses Verhältnis. Aber ich erkenne natürlich Ihren Punkt und denke über die Überschrift noch einmal nach. Auf Ihre zweiten Frage kann ich leider nicht im Detail eingehen, sie stand ja nicht im Mittelpunkt der vorgestellten (und für tieferes Interesse im Text verlinkten) Studie. Im Diskussionsteil spekulieren die Experten hier ein wenig - im wesentlichen vermuten sie, dass Schwankungen im Laufe der Menschheitsgeschichte immer mal wieder natürlich vorkamen. Hierzu finden Sie womöglich nützliche Detail in Hewlett, B.S.: J Anthropol Res 47(1), S. 1-37 (1991), auf die sich die Forscher beziehen.

    Zu Ihrer Anmerkung: Da stimmen die von Ihnen ins Feld geführten "amtlichen Statistiken" und die von den Forschern zitierten, sowie die Ergebnisse weiterer mir bekannter Studien (siehe Verlinkung) in der Tat gar nicht überein. Auf welche Statistik beziehen Sie sich hier genau? Tatsächlich vermute ich persönlich angesichts der streuenden Einzelergebnisse aber ohnehin, dass in dieser Hinsicht noch einiger Forschungsbedarf besteht. Kernpunkt des Absatzes war ohnehin, dass das Geschlechterverhältnis am Ende von sehr vielen Faktoren abhängt.

    Der Männerüberschuss im mittleren Erwachsenenalter, den Sie ja auch noch ansprechen, ist allerdings in der Tat vorhanden. Auch wenn er etwa in Ländern wie Katar und Kuwait eher dramatische Ausmaße annimmt als in Deutschland. Vielleicht interessiert Sie dazu ein Artikel unserer Kollegen von Gehirn&Geist, den Sie unter "http://www.spektrum.de/alias/hinter-den-schlagzeilen/mann-frau/1207678" finden.

    Und noch kurz Schlussbemerkung: Da haben Sie den letzten Satz des Absatzes aber unterschlagen, nicht wahr? ;)

    Viele Grüße,
    Jan Osterkamp
    Redaktion Spektrum.de
  • Mittelalterliches Benehmen der Lehrer

    30.03.2015, Späth Ludwig
    Dieses partzielle Sonnenfinsternis kommt nicht alle Jahre und nach dem viel darüber gesprochen und geschrieben wurde sind besonders Kinder neugierig dies zu sehen.
    Aber natürlich mit entsprechenden Sichtschutz. Wer sieht schon bei schönen Wetter mit bloßen, ohne Schutz, in die Sonne? Ein Kind oder ein gesunder Mensch einmal kurz und wahrscheinlich nie wieder. Da müssten diese Kinder immer von der Sonne fern gehalten werden. Ist doch kein Unterschied zwischen halb bedeckt oder normal. Sie strahl immer mit der gleichen Intensität.
    Oder ging es den Lehrern um den schwarzen Mann im Mond?



  • Female Choice

    30.03.2015, Gabriele Uhlmann, Braunschweig
    Nach dem Lesen des Artikels „Stark als Paar“ von Blake EDGAR bleibt mir nur zu hoffen, sich alle anderen Leser den zugehörigen Literaturtipp zu Herzen nehmen, und das Buch „Mütter und andere“ von Sarah BLAFFER HRDY (2010) lesen. Leider geht der Einzeiler in Ihrem Literaturtipp „Die Anthropologin erörtert die erstaunliche Sozialkompetenz von Kleinkindern“ völlig am Inhalt des Buchs vorbei, so dass zu fürchten ist, dass sich nur wenige, die sich für das arttypische, menschliche Sexualverhalten interessieren, davon angesprochen fühlen. Wer dieses Buch aufmerksam liest, wird feststellen, dass EDGAR BLAFFER HRDYs These missbräuchlich verwendet, ihr das Wort im Munde umdreht, und vielleicht das Buch gar nicht gelesen hat, und stattdessen nur das veraltete „Mutter Natur“ kennt. Auf S. 448 von „Mütter und andere“ in Fußnote 20 schreibt BLAFFER HRDY (2010), nach ihrer Emeritierung: „Ich gehörte übrigens zu denjenigen, die schon frühzeitig davon überzeugt waren, dass Menschenaffen zur Patrilokalität neigten. Ich änderte meine Meinung im Verlauf der Arbeit an ‚Mutter Natur’.“ Leider kam diese Erkenntnis etwas spät, so dass „Mutter Natur“ eher verwirrte als aufklärte.

    BLAFFER HRDYs geht nun auf der Basis der Großmutterhypothese (Kristen HAWKES, 1998) und der Tatsache der female choice (Meredith SMALL, 1995) sowie ihrer eigenen Forschung von der Matrilinearität der Menschheit als einzig natürlicher Lebensweise aus, und betont, dass die Errichtung des Patriarchats dazu führte, dass die alten matrifokalen Sippen gegen die patrilokale Familie ersetzt wurden: „Ungeachtet dogmatischer Verlautbarungen, wonach Menschen für gewöhnlich ‚eine patrilokale Familienstruktur besitzen’, weil ‚Söhne in traditionellen Gesellschaften in der Nähe ihrer Familien bleiben, während Töchter fortziehen’, wird diese grundlegende Aussage über die menschliche Natur nicht von Daten über Menschen gestützt, die tatsächlich als Jäger-Sammler leben.“ (2010, S. 336) Die Patriarchatsforschung weiß dies schon länger, auch die herrschende Lehre der Archäologie muss sich zunehmend mit dieser Wahrheit auseinandersetzen, leider ebenso ungerne wie Blake EDGAR. Die Monogamie, hergestellt durch das theologisch vorgeschriebene Ritual der Ehe, ist eine Einrichtung des Patriarchats, die nur ein Ziel hat, nämlich die female choice zu unterdrücken. Nur durch Patrilokalität kann der Mann Monogamie herstellen, denn nur in seinem Haus können er, seine Eltern und Brüder „seine“ Frau kontrollieren. Nur so kann Patrilinearität gesichert werden, die Basis für den Kapitalismus. Wäre dies schon vor zwei Millionen Jahren der Fall gewesen, wäre die Menschheit längst ausgestorben. Denn das Patriarchat erzeugt nicht nur die folgenreiche Überbevölkerung, sondern züchtet eine aggressive und psychisch gestörte Population heran. (Der Begriff „Kapital“ meint ursprünglich die Zahl der Tiere einer nomadischen Viehzüchtergesellschaft. In den Steppen Eurasiens haben wir es entsprechend mit den ersten Patriarchaten zu tun.)

    Matrilinearität ist die dem Menschen zuerst einsichtige religio (Rückbindung), daher haben wir in der Altsteinzeit nur weibliche Darstellungen, eine Urmutter, die in der Nähe von Höhlen und Gewässern, den Orten, die für Geburt, Tod und Wiedergeburt, deponiert wurden. Diese erste Religion, deren Ende in Europa erst vor zirka 7000 Jahren eingeleitet wurde, war matrifokal. Um Patrilokalität (zur Unterdrückung der female choice) durchsetzen zu können, muss zuerst ein Bewusstsein von Patrilinearität vorhanden sein. Die Keilschrift- und Hieroglyphentexte und anderen heiligen Schriften sind Manifeste dieses äußerst mühsamen Prozesses. Die endlosen Listen „wer wen zeugte“ dienen beispielsweise diesem Zweck. Die Schriften sind voll von Beweisen, dass Männer von Anfang an mit ihrem neuen Wissen nicht verantwortungsvoll umgehen konnten. Und so ist es kein Wunder, dass EDGAR 2014 mit „Our Secret Evolutionary Weapon: Monogamy“ titelte. Nur hat die Monogamie des Menschen eben nichts mit Evolution zu tun, denn Monogamie ist die Waffe des gebärneidischen Mannes gegen die Frau und damit letztlich gegen sich selbst. In einer Art Stockholm-Syndrom verhaftet kann es passieren, dass Menschen glauben, dass „Monogamie unserer Spezies guttat“, wie EDGAR sich in Ihrer Zeitschrift zu behaupten trauen darf.
    Wenn EDGAR dies behauptet, dann muss er auch behaupten, dass es evolutionär von Vorteil sei, die Schwiegereltern zu versorgen. Tatsächlich ist die Familie bzw. Kleinfamilie, die in jeder Generation das Rad neu erfinden muss, eine Mangelgemeinschaft, die mit der Aufzucht schon eines Kindes überfordert ist. Es gibt daher heute keine echte Solidarität zwischen den Generationen, es sei denn, sie wird per Gesetz verordnet. Nicht Versorgung aller Mitglieder steht im Vordergrund der Familie, sondern jeder Einzelne ist einem unnatürlichen Leistungszwang ausgesetzt, der letztlich Vater Staat und seinen Protagonisten dient.

    So muss ich also nicht im Einzelnen auf die völlig überholen Thesen der im Artikel genannten „Koryphäen“ eingehen, sondern möchte meinerseits dem Autor und der Redaktion von "Spektrum der Wissenschaft" Literaturtipps geben, nämlich 1. endlich das Buch „Mütter und andere“ aufmerksam bis zur letzten Fußnote durchzulesen, 2. „Die Erfindung der Götter“ von Gerhard Bott (2009, auch Teil II 2014), 3. mein eigenes Buch „Archäologie und Macht“ (Gabriele Uhlmann 2012) sowie 4. „Matrifokalität. Ein Plädoyer für die Natur“ von Kirsten ARMBRUSTER (2014). Letzteres führt sie zu weiteren Büchern der Patriarchatsforschung, die systembedingt nur als Citizen Science betrieben werden kann, und sowohl von den Medien als auch den Gender Studies aller beteiligten Fachbereiche ignoriert wird.

    Es wäre schön, wenn Sie sich auch an einen Artikel erinnern würden, der in Ihrer Zeitschrift abgedruckt war, und der die Großmutterhypothese stützt: http://www.spektrum.de/alias/soziobiologie/warum-gibt-es-grossmuetter/829410

    Bitte beachten Sie auch den "Spiegel"-Artikel „Multikulti in der Steinzeit“ (Heft 6, 2015) http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-131578982.html Hier lesen wir nämlich, dass aktuelle Untersuchungen der „Arbeitsgruppe Paläogenetik“ unter Leitung des Anthropologen Kurt ALT (Universität Mainz) bestätigen, dass es „Tanten, Onkel und Schwestern“ waren, die die Bandkeramik verbreiteten. Diese Feststellung, die heutzutage auch als „genderpolitisch korrekt geschrieben“ überlesen werden kann, muss wörtlich genommen werden, wie mir Prof. Dr. ALT in privater Korrespondenz mitteilte. Dies meint, dass nicht biologische Väter, sondern soziale Väter, nämlich die Brüder der Großmütter, in die weite Welt zogen, und natürlich auch als Brüder der Mütter an der Kinderfürsorge beteiligt waren.

    Weitere Ergebnisse in diesem Sinn aus dem Fruchtbaren Halbmond des Nahen Ostens werden folgen. Für Çatal Höyük lesen sie bitte hier: Pilloud, Marin A.; Larsen, Clark Spencer: "Official" and "practical" kin: Inferring social and community structure from dental phenotype at Neolithic Çatalhöyük, Turkey. In: American Journal of Physical Anthropology (Impact Factor: 2.48). 05/2011; 145(4):519-30. Eine Zusammenfassung davon finden Sie hier http://www.livescience.com/14824-communal-human-burials-ancient-settlement.html

    Des Weiteren bitte ich die Redaktion von der Veröffentlichung solcher hanebüchen veralteter, patriarchatsideologisch gefärbter Artikel künftig abzusehen, mit denen die Glaubwürdigkeit der Zeitschrift zunehmend gefährdet wird.
  • Chinesische Namen

    30.03.2015, Jahn Hauber
    Im Chinesischen wird der Familien(Nach-)name zuerst genannt. Bei "Li Weidong" ist also "Li" der Nachname und "Weidong" der Personen(Vor-)name.
    Da im Text öfters auf "Weidong" verwiesen wird, gehe ich davon aus, dass hier Personen- und Familienname verwechselt wurde.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Jahn Hauber,

    in der Tat! Das habe ich verwechselt (wie offensichtlich viele andere Medien auch). Laut Homepage muss es umgekehrt lauten. Ich bitte dies zu entschuldigen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
  • The Fighting Temeraire

    29.03.2015, Duneyr
    Den Artikel finde ich sehr interessant, aber was hat das Gemälde von William Turner "The Fighting Temeraire tugged to her last Berth to be broken up" mit dem Tambora Vulkanausbruch zu tun?
    Laut Wikipedia wird da ein Schiff gezeigt, das abgewrackt wird.

    Viele Grüße
    Duneyr
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Duneyr,

    der Tambora sorgte mit seinem Ausbruch dafür, dass die Sonnenuntergänge auf de Nordhalbkugel viel intensiver wurden. Turner ließ sich bei seinen Bildern davon inspirieren.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de
  • Ja, eine historische Chance vertan

    29.03.2015, Mimi
    Das Problem sind weder die Eltern noch die Lehrer, es ist die fehlende Begeisterung. Oder mangelnde Kreativität?

    An unserer Schule hätte ich mir auch mehr gewünscht, als die bloße Beobachtung.

    Das Ereignis hätte entsprechend vorbereitet werden müssen: Was passiert bei einer Sofi? Wie sieht unser Sonnensystem aus? Warum gibt es eine Mondfinsternis viel öfter als Sofi (ca. 1 Mal jährlich). Wie viele Sterne gibt es? usw. ich habe mich so aufgeregt, dass ich erneut einen Blog eröffnet habe - das ist leider symptomatisch für unsere Schulen und dabei könnten Eltern/Großeltern einen grandiosen Beitrag leisten, wen es interessiert: http://awesomebildung.blogspot.de/2015/03/partielle-sonnenfinsternis-kam.html

    MiMi
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