Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Verantwortlich

    06.02.2013, Dr. Peter Ziegler
    Wer hat eigentlich die Doktorarbeit von Frau Schavan betreut, wer hat diese Arbeit beurteilt, wer hat ein Gegengutachten im Rahmen der Promotion erstellt? Sind die dabei Beteiligten nicht dafür mitverantwortlich, dass die Arbeit mit den nun festgestellten Mängeln überhaupt zugelassen wurde?

    Mein Doktorvater hat pingeligst darauf geachtet, dass ich in meiner Arbeit alle Stellen, die ich aus anderen Publikationen verwendet habe, auch im Literatur- bzw. Zitatenverzeichnis aufgeführt habe. Das ist für beide Seiten vielleicht lästig und arbeitsintensiv, aber es ist ein Aspekt der Qualitätssicherung der Arbeit.
  • Politik

    06.02.2013, Fritz Kronberg
    Es wagt zwar niemand von den führenden Repräsentanten des Staates (einschließlich der Opposition, bei der man das allerdings verstehen kann) die Frage zu stellen, warum wohl praktisch ausschließlich Regierungspolitiker so unter Lupe genommen wurden, und vermutlich auch weiterhin werden. In sofern wird Herr Kopec wohl noch lange warten müssen. Die politische Motivierung der Betreiber von Guttiplag und Vroniplag ist mit Händen zu greifen. Herrn Lingenhöhl ist zuzustimmen, wenn er feststellt, daß Frau Schavans Qualifikation für ihr Ministeramt durch den Titelentzug in keiner Weise berührt wird. Daß sie in dem kommenden Rechtsstreit sich nicht hinreichend um ihr Amt kümmern könnte, halte ich allerdings für unwahrscheinlich. Sie hat vermutlich alles, was ihr dazu einfällt schon von sich gegeben und kann die Angelegenheit weitgehend in die Hände der Fachanwälte und Gutachter legen. Die Frage ist allerdings, ob sie die Nerven hat, die unweigerlich folgenden öffentlichen "Hinrichtungen" durchzustehen. Bis jetzt wirkt sie so, als ob sie das könnte.
  • Atommüll sollte rückholbar gelagert werden

    06.02.2013, Prof. Dr. Walter A. Franke, Berlin
    Mit großer Wahrscheinlichkeit wird in einigen Generationen die Möglichkeit bestehen, durch eine erzwungene Kernspaltung unterkritische Mengen der Transurane in Spaltprodukte zu verwandeln. Das wäre besonders wichtig beim Neptunium, seine Radiotoxizität ist wegen der langen Halbwertszeit von einer viertel Million Jahren zwar niedriger als die der anderen Transurane; leider geht aber Np-237 bei Berührung mit Wasser schnell in die fünfwertige Stufe über. Es bildet sich das einwertige NpO2-Ion das mit praktisch allen Anionen außer Phosphat leichtlösliche Komplexe bildet. Die Menge an Np 237 nimmt für mehr als 1000 Jahre noch zu, da es laufend durch den α-Zerfall von Am-241 (Halbwertszeit 432 Jahre) gebildet wird. Alle anderen Transurane sind stärker radiotoxisch, ihre Oxide sind aber im neutralen Milieu extrem unlöslich.

    In etwa 30 bis 50 Jahren werden in Deutschland gut verpackt in Castor-Behältern etwa 12.000 TonnenBrennelemente ohne Wiederaufarbeitung vorhanden sein. Darin enthalten sind insgesamt etwa je 5 Tonnen Neptunium und Americium und mehr als 90 Tonnen Plutonium. In den USA und anderen Ländern hat man sich für eine kontrollierte rückholbare Lagerung entschieden (Monitored Retrievable Storage). Damit künftige Generationen darüber entscheiden können, wie mit diesem Erbe zu verfahren sei, sollte man dies auch bei uns tun. Die Lagerung in Bergwerken dürfte dabei entschieden unsicherer und zudem erheblich teurer sein als die Unterbringung in einem entsprechend gesicherten zentralen Bunker.

    Falls dann später die Entscheidung gegen eine Transmutation fällt, bleibt ein Vorteil des Abwartens: In hundert Jahren wird die Wärmeentwicklung auf ein Fünftel des heutigen Werts gesunken sein; eine günstige Vorbedingung für eine endgültige geologische Tieflagerung.
  • Letzte Ausfahrt Schadensbegrenzung

    06.02.2013, Manfred Wechsberg
    Peinlich, Herr Lingenhöhl, Ihre Vorverurteilung! Aussagen von Gremien der Wissenschaft bedürfen Ihrer Meinung nach also keiner Uberprüfung? Sie sind Ihnen heilig? Bei der Verleihung des Titels ist den Gremien nichts aufgefallen? Jedenfalls war die Verleihung eine falsche Entscheidung?! Ich bitte um einen fairen Journalismus!
  • Antwort an Herrn Lingenhöhl

    06.02.2013, Norbert Kopec
    sehr geehrter Herr Lingenhöhl!
    Ich möchte mich heute mal an Sie persönlich wenden betreffs Doktorarbeiten! Wann ist damit zu rechnen, dass die nächsten, die ihre Doktorarbeiten abgeschrieben oder anders gefälscht haben, vielleicht nicht nur vor 30 Jahren,
    sondern vielleicht sogar vor 50 , 100 und weiter zurückliegend veröffentlicht werden. Ich warte schon sehnsuchtsvoll darauf, auch die so genannten Aufklärer
    in die Schlaglichter gezerrt werden und endlich Ihre Strafe bekommen. Es mag wohl richtig sein das Doktorarbeiten und sonstige Wissenschaftliche Arbeiten kontrolliert werden, in Klammern, müssen. Aber wer hat sonst so viel Langeweile, Arbeiten die vor mehr als 30 Jahre geschrieben wurden zu kontrollieren. Sie tun es ja nicht selbst, sondern mit Hilfe von Computerprogrammen. Die haben nämlich die Zeit. Wird vielleicht auch ein Herr Virchow oder Koch
    vielleicht sogar Sauerbruch oder auch andere in die Öffentlichkeit gezerrt? Oh was wartet da noch auf uns. Ich harre des kommenden.
    ( Es ist kein Spott )
    Ihr sehr ergebende Leser!
  • vielleicht ist es an der Zeit...

    06.02.2013, Uwe Zimmermann, Ph.D.
    Vielleicht ist es an der Zeit, in Deutschland die grundsätzliche Bedeutung eines deutschen Doktortitels zu überdenken. An vielen Stellen werden Doktoren produziert, nur damit man sich später mit einem Namenszusatz schmücken kann. Warum müssen hochrangige Politiker und hochbezahlte Manager unbedingt einen Doktortitel auf der Visitenkarte haben? Und warum ist hier ausgerechnet ein deutscher Doktortitel soetwas besonderes?

    Als Doktor einer schwedischen Universität (2003, Doktorarbeit vollständig dort im Internet abrufbar) steht mein Doktortitel nicht in meinem deutschen Reisepass, weil dieser eben nicht von einer deutschen Universität vergeben wurde. Und er muss es auch gar nicht - warum sollte er? Nur warum steht der Titel meiner deutschen Kollegen in deren Pass?

    Was Frau Schawan angeht: sicher, in der deutschen Rechtsprechung muss auch weiterhin gelten "im Zweifel für den Angeklagten" - aber war es nicht gerade Frau Schawan, die ihren früheren Kollegen Herrn von Guttenberg aus den eigenen Reihen am lautstärksten beschimpft hat?

    Was Plagiate in einer philosophischen oder historischen Doktorarbeit angeht, so fehlt mir als Naturwissenschaftler zwar zunächst einmal grundsätzlich die Kompetenz, diese zu beurteilen. In der Arbeit des Herrn von Guttenberg war dies jedoch eine offensichtliche Sache, wenn bereits die erste Seite zum größten Teil eine 1:1 Kopie einer vollständig ungenannten und ungekennzeichneten Quelle war. Zur Arbeit von Frau Schawan habe ich bisher keine derartigen Details in der Öffentlichkeit zu sehen bekommen.

    Daniel Lingenhöhl fragt sich und uns aber weiter, ob es in der Allgemeinheit ein Verständnis für diese Fragestellung gäbe: Es handelt sich doch um letztendlich nichts anderes, als den von der Medienindustrie in derselben Öffentlichkeit geführten Feldzug gegen Raubkopien von Filmen und Musik - nur dass es in der Wissenschaft noch nicht einmal um einen finanziellen Ausgleich für den Bestohlenen geht, sondern einzig und allen darum, dass man gerechterweise den Originalautoren nennen muss, dessen Gedanken man sich zueigen macht - selbst in der OpenSource-Gemeinschaft (Wikipedia, Gnu, etc.) wird dieser geringste Aufwand gewürdigt und beachtet.

    Zu Gilbert Brands Frage bezüglich der damaligen Gutachter und Doktorväter: diese sind nach nunmehr weiteren 30 Jahren höchstwahrscheinlich längst im Ruhestand.
  • Rücktritt, trotz Verdienste?

    06.02.2013, Dominique Boursillon
    "Doch es ist eine Leistung des Wissenschaftssystems, wenn es auch in dieser heiklen Personalie die eigenen Standards wahrt." Das ist unsinnig und reiner Obrigkeitsfanatismus! Wenn Sie Standards stezen wollen, dann brauchen Sie Könner - keine Schwätzer; wenn einer etwas kann, dann sollte der Titel oder dessen Abwesenheit keine Rolle spielen... Wie wir an Dr. Merkel sehen reicht der Titel nicht aus, um aus Deutschland das Land zu machen in dem Milch und Honig fließen. Die Verdienste Frau Schavans sind unumstritten, daher wäre eine Fortführung des Amtes kein Problem. Auch Ihr Einwand, der anstehende Gerichtsprozess würde Frau Schavan über Gebühr in Anspruch nehmen und sie solle das Amt zumindest ruhen lassen ist unsinn. Trauen Sie der Frau doch etwas zu... Und warum soll sie nicht mehr arbeiten? Sie hat sich die Suppe selbst "eingebrockt", jetzt muss sie sie auch auslöffeln, und dazu bedarf es nicht Ihres Mitleids. Dennoch muss Frau Schavan zurücktreten, denn sie hat die Angelegenheit zu sehr bagatellisiert, dazu kommen noch ihre scharfen Angriffe gegen Herrn zu Guttenberg.
    Im Übrigen: Ein Fakultätsrat ist schwerfällig und bei 12 von 15 Stimmen ist der Titel futsch, da wird auch kein Gericht etwas ändern. Zudem gehört das saubere Zitieren bei den Geisteswissenschaftlern zum A und O (anders als bei den Naturwissenschaftlern), daher sind gehäufte Fehler dieser Art ein grober Mangel und kein "wiederholtes, ignorierbares Versehen".
  • Und was ist mit der Hochschule?

    06.02.2013, Gilbert Brands
    Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Doktorarbeiten in enger Zusammenarbeit mit dem Doktorvater entstehen und die Arbeit schließlich von mehreren Professoren gelesen und begutachtet wird, bevor der Titel vergeben wird, stellt sich schon die Frage, ob dort wissenschaftliche Vollpfosten oder ebenfalls Betrüger am Werk waren (schließlich ziehen Professoren auch wieder beträchtliches Ansehen aus der Zahl betreuten Doktorarbeiten). Wieso sind die eigentlich noch in Amt und Titel? Außerdem werden Doktorarbeiten auf viele Universitätsbibliotheken verteilt und werden dort gelesen. Und dort ist auch nirgendwo etwas aufgefallen?
    Als Beamter des Bildungsvollzugsdienstes der BRD habe ich weiß Gott sehr wenig für Frau Schawan übrig, aber noch sehr viel weniger für diese politisch motivierten Kesseltreiben auf der Grundlage eines etwas intelligenteren Textverarbeitungssystems, das für diese "Plagiats"beweise herangezogen wird.
  • Hinweis sei gestattet

    06.02.2013, J A Werhahn
    In diesem Fall verstehe ich die Motive der Ankläger nicht. Wer steht dahinter, mit welchen Motiven (Wem nutzt es?)?
    Mein Gefühl aus langjähriger Beobachtung von Frau Schavan, mit ihren von mir beobachteten persönlichen Leistungen in BW und D, sagt mir, dass sie bleiben sollte.
  • nur EIN Aspekt!

    06.02.2013, Walter Weiss
    Hier wird allein die archäologische Seite der alten Frage erörtert (an sich sogar werden nur bisherige Messergebnisse in Frage gestellt), und das auch nur hinsichtlich eines eng begrenzten Ausgrabungsfeldes. Andere Aspekte bleiben - notgedrungen? - unbehandelt, so die genetischen Ergebnisse, wonach wir alle einige Gene mit den Neandertalern gemeinsam haben, was nur dadurch erklärbar ist, dass es die Neandertaler noch längere Zeit NEBEN dem Homo Sapiens gegeben haben muß, dass es also ein gewissen Überleben gegeben haben muß.
    Antwort der Redaktion:

    Sie haben Recht mit Ihrer Feststellung. Die Forscher beziehen sich ausschließlich auf Neandertaler in Spanien, in das der moderne Mensch relativ spät eingewandert ist. Dass es davon unabhängig - zu einem viel früheren Zeitpunkt und an einem anderen Ort, aller Wahrscheinlichkeit im Nahen Osten - zu einem Aufeinandertreffen beider Menschenarten gekommen ist, wird von keiner der Forschergruppen in Abrede gestellt.

    Jan Dönges, Redaktion

  • Fälschungssichere Verpackungen

    05.02.2013, Oliver Schumann
    Ich erinnere mich an einen Beitrag, bei dem wenigstens die Verpackungen vor Fälschungen geschützt werden sollten. Dazu wurde die Mikrostruktur der Pappschachtel in einem markierten Bereich beim Hersteller eingescannt und in einer Datenbank abgelegt. Da die Oberflächenstruktur jeder Schachtel einmalig ist, würde ein Fälschung beim Abgleich mit der Datenbank sofort auffallen.
  • Der Sexismusfall R.Brüderle

    05.02.2013, Gerd Höglinger
    Wenn das die ganze Äusserung Rainer Brüderle´s gegenüber der Stern-Journalistin Laura Himmelreich war, über die sich diese so sehr entrüstet hat, dann ist diese weibliche Person hochgradig reif für eine intensive Therapie. Ausserdem ist sehr merkwürdig, dass dieser Dame erst nach vielen Monaten einfällt, diesen lächerlichen "Vorfall", der sich offenbar in aufgelockerter Gesellschaft ereignet hat, erst jetzt an die große Glocke zu hängen.
    Sicher hat diese Journalistin ein berufliches Eigentor geschossen, denn es wird sich künftig jede männliche Persönlichkeit aus Wirtschaft und Politik sehr genau überlegen, ob man ihr ein Interview geben sollte.
    Interessant wird jetzt auch die Frage, wo künftig die Grenze vom erlaubten, sehr erwünschten zum anstößigen, sexistischen Kompliment der Männerwelt gegenüber der hochgradig emanzipierten Damenwelt zu ziehen ist. Im Zweifelsfall lieber kein Kompliment mehr !
  • alter Hut

    05.02.2013, Peter
    dieses Verhalten von Mycobakterien ist seit den Anfangszeiten der Tuberkuloseforschung bekannt => http://www.vri.cz/docs/vetmed/51-7-365.pdf
  • CO2-Bilanz von Atomkraftwerken

    05.02.2013, Dr. Oppermann
    Keine Art der Energieerzeugung ist frei von CO2-Emissionen, wenn man den gesamten Lebenzyklus der Anlage betrachtet. Weder Windkraft noch Solarenergie. Selbes gilt natürlich auch für Atomkraftwerke. Der größte Teil der CO2-Emissionen entfällt bei Atomkraftwerken auf die Herstellung der Kernbrennstoffe. Je nach Herkunftsland schwanken die Emissionen erheblich. Sie liegen aber in der selben Spannbreite wie die von Solarzellen oder Windkraftanlagen. In einigen Produktionsländern unterbietet die Kernenergie diese sogar deutlich. Der CO2-Ausstoß ist also als Argument gegen die Nutzung von Kernkraft bei genauem Hinsehen nicht haltbar. Da gibt es bessere Argumente.

    Quelle: CO2-Bilanzen verschiedener Energieträger im Vergleich




  • Böse Radioaktivität?

    05.02.2013, Joachim Datko, Regensburg
    Leider wird bei Radioaktivität kaum differenziert. Das Thema wurde in den vergangenen Jahren stark emotionalisiert. Technische und naturwissenschaftliche Fakten zählen nicht mehr, sondern das Mantra von der bösen Radioaktivität.