Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Quantenmechanische Unbestimmtheiten und Entscheidungsfreiheit

    21.11.2012, Gunter Berauer, München
    Herr Springer baut seinen Beitrag unter anderem auf der Annahme auf, dass die Vorgänge in der Mikrophysik reversibel seien. Das ist aber leider nicht korrekt. Die newtonsche Theorie beschreibt zwar alle Geschehnisse als reversible Vorgänge, auf atomaren Skalen gilt diese Theorie aber definitiv nicht mehr. In der Mikrophysik gilt die Quantenmechanik, nach der bei allen Wechselwirkungen eines Teilchens mit seiner Umwelt durch den quantenmechanischen Zufall beim Kollaps der Wellenfunktion die Reversibilität immer wieder gestört wird. Die Wellenfunktionen sind zwar zeitsymmetrisch, sie beschreiben die Entwicklung der Auftrittswahrscheinlichkeiten von Ereignissen (nicht die Ereignisse selbst) aber ausschließlich für die Zeit zwischen zwei Wechselwirkungen, wie etwa zwischen zwei Zusammenstößen eines Gasteilchens mit einem anderen. Durch die zufallsbedingten Unschärfen bei den vielen Kollisionen der Teilchen in einem Gas wird selbst der Weg eines einzelnen Teilchens in hohem Grade irreversibel. Diese Sicht ist übrigens nicht meine persönliche Meinung, sondern entspricht der gängigen Interpretation der Quantenmechanik. Die Richtung des Zeitpfeils hat deshalb weniger mit Emergenz als vielmehr mit der Quantenmechanik zu tun.

    Noch etwas zur Freiheit: Mit den quantenmechanischen Unbestimmtheiten kann man Entscheidungsfreiheit zwar noch nicht vollständig erklären, da stimme ich Herrn Springer zu. Der durch die Quantenmechanik begründete Indeterminismus unserer Welt ist aber, auch nach Ansicht etlicher Philosophen, dennoch eine notwendige Voraussetzung für die menschliche Freiheit.
  • Nachhaltige Therapie für neurodermitiskranke Kinder - Gewinn an Autonomie und Gesundheit

    20.11.2012, Katrin Grella, Leipzig
    Warum meidet die Wissenschaft so konsequent den Blick nach Gelsenkirchen in die dortige Städtische Kinderklinik? Das ist mir schon immer ein Rätsel. Als Mutter eines stark von Neurodermitis betroffenenen Kleinkindes haben wir das dort erprobte und erfolgreiche Behandlungsmodell kennen gelernt und selbst mit Erfolg absolviert. Wie viele andere vor und nach uns auch. Bitte dort informieren. Für Betroffene unbedingt empfehlenswert!!! Alles Gute.
    http://www.kjkge.de/Inhalt/Fachbereiche/Paediatrische_Psychosomatik_Allergologie_und_Pneumologie/Behandlungsspektrum/Neurodermitis.asp
  • Unklarheiten im Bezug auf die Gegenstands- und die Beobachterebene

    20.11.2012, Arno Ros, Magdeburg
    Ich schätze Ihre durchweg eingängig geschriebenen und anregenden Artikel sehr - was nicht heißt, dass ich ihnen immer inhaltlich zustimmen kann. Für Ihren Beitrag über "Komplexität und Emergenz" zum Beispiel scheint mir eine nicht hinreichend herausgestellte, und keineswegs nur bei Ihnen zu beobachtende Doppeldeutigkeit im Gebrauch des Wortes "Emergenz" kennzeichnend zu sein.

    "Emergenz" wird ja üblicherweise, wie Sie selber schreiben, für das "Entstehen" eines bestimmten Phänomens verwendet, und damit also, wie man meinen sollte, für ein bestimmtes, in der Zeit ablaufendes Geschehen, das im Normalfall durch bestimmte Faktoren bewirkt oder zumindest begünstigt worden ist. Beim von Ihnen unter anderem verwendeten Beispiel der "Emergenz" eines makrophysikalischen Systems aus einer immensen Menge kleiner physikalischer Teilchen aber handelt es sich natürlich nicht um ein in der Zeit ablaufendes, durch bestimmte Faktoren beeinflusstes Geschehen. Das, was hier abläuft, spielt sich gar nicht auf der Objektebene ab, sondern auf der Ebene des Beobachters: dadurch, dass dieser von einem Begriffs-, einem Beschreibungssystem (dem der Mikrophysik) zu einem anderen (dem der Makrophysik) übergeht.

    Diesen Umstand in Rechnung zu stellen, ist unter anderem deswegen wichtig, weil man sich darüber im Klaren sein sollte, dass der mal objekt- und mal beobachterbezogene Gebrauch von "Emergenz" mit unterschiedlichen Erklärungswünschen verknüpft werden kann: Objektbezüglich gebraucht ist beispielsweise die Frage danach, wie sich die "Emergenz" (Konrad Lorenz: die "Fulguration") von Lebewesen aus Anhäufungen chemischer Stoffe erklären lässt, eine Frage der Evolutionsbiologie. Dieselbe Frage beobachterbezüglich verstanden läuft hingegen auf die Frage hinaus, ob es möglich ist, methodisch nachvollziehbare Schritte zu benennen, die es uns erlauben, von einer Beschreibung eines bestimmten Phänomens als eine Anhäufungen chemischer Stoffe zu einer anderen Beschreibung zu wechseln, der zufolge es sich hier um ein mehr oder weniger komplexes Lebewesen handelt.

    Eine weitere wichtige Implikation der genaueren Differenzierung zwischen dem gegenstands- und dem beobachterbezogenen Gebrauch des Begriffs "Emergenz" betrifft - wie ich hier allerdings nur andeuten kann - die von Ihnen ebenfalls angeschnittene Frage der "Realität" emergenter Phänomene. Normalerweise versuchen wir die Frage, ob es Gegenstände einer bestimmten Art tatsächlich gibt, ja dadurch zu klären, indem wir prüfen, ob sich mindestens ein Gegenstand direkt oder indirekt sinnlich nachweisen lässt, der unter einen bestimmten Begriff fällt. Eine zentrale Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass der betreffende Begriff als ein methodisch einwandfreier Begriff gelten darf. Da dies beispielsweise auf Begriffe wie (als Substanzen verstandene) "Geist" oder "Seele" nach allem, was wir gegenwärtig wissen, nicht zutrifft, "gibt es" keine Geister oder Seelen. Da wir hingegen auf der anderen Seite keine Probleme haben, Begriffe für z. B. alltagsweltliche Gegenstände wie Stühle oder Tische als methodisch unproblematisch aufzufassen, und da sich natürlich tatsächlich Gegenstände sinnlich nachweisen lassen, die unter diese Begriffe fallen, spricht nichts dagegen, Stühle oder Tische als "reale" Gegenstände aufzufassen - auch wenn man natürlich versuchen könnte, sich ihnen mit Begriffen der Mikrophysik zu nähern.

  • Guetekriterien?

    20.11.2012, Jeremias Grynspan
    Ich frage mich, wie bei einem alltagspsychologisch bekannten (und wissenschaftlich umstrittenen) Konstrukt, anthropogenen und offensichtlich unscharfen Antwortkriterien und fuer psychologische Beobachtungen ungeschulten Ratern eine reliable, valide und objektive Messung zustande kommen soll.
  • Vorsicht, Fehler

    19.11.2012, M.L. Winz
    Hier haben sich Fehler eingeschlichen. Die Poren bestehen nicht, wie beschrieben aus Alpha-Helices (diese wären bei Proteinen/Peptiden, jedoch nicht bei DNA zu finden), sondern aus Doppel-Helices. Außerdem sind es laut Originalartikel 54, nicht 48 davon, die zusammen die Nanopore bilden.
    Mit freundlichen Grüßen
    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank, es muss natürlich "Doppelhelix" heißen. Die Anzahl der Helices im Text ist allerdings korrekt: Sechs der Elemente bilden die Pore, die restlichen 48 nur den kürzeren Kragen - zusammen die im Originalartikel genannten 54.
  • Feigenblatt praktische Anwendungen

    19.11.2012, Harald Kirsch, Düsseldorf
    So gerne ich Spektrum der Wissenschaft auch lese, den nahezu zwanghaften und teilweise an den Haaren herbeigezogenen Hinweis auf die möglichen praktischen Anwendungen einer Forschung finde ich unnötig und störend. Ein aktuelles Beispiel ist der Artikel über den Physiknobelpreis. Wenn sogar der Nobelpreisträger Serge Haroche damit zitiert wird, dass er seine Forschung primär als Grundlagenforschung versteht, dann könnte man es doch dabei belassen. Der Hinweis auf Quantencomputer scheint mir fast reflexartig in jeden Artikel über Quantenphysik eingefügt zu werden. Ich würde nichts vermissen, wenn Grundlagenforschung in Spektrum der Wissenschaft als solche dargestellt wird. Die Rechtfertigung durch praktische Anwendung ist im Unterschied zur Rechtfertigung durch reinen Erkenntnisgewinn eher schwach.
  • Ereignishorizont

    19.11.2012, Manfred E.
    Diese Galaxie ist für mich gesehen, jenseits unseres gegenwärtigen Ereignishorizontes.
    Wir leben somit in einer sehr interessanten und ereignisreichen Zeit.
    Schauen wir zu, was noch alles auf uns zukommt.
  • Der Sinn der Übung?

    19.11.2012, Robert Orso
    Das mag wissenschaftlich ja recht interessant sein. Ob es vertretbar ist, ein komplettes, funktionierendes Ökosystem eines Sees zu Testzwecken absichtlich zu zerstören, wie es beim Tuesday Lake offenbar geplant ist, möchte ich allerdings bezweifeln.

    Was ist der zu erwartende Nutzen bei der Aktion? Man will feststellen, ob und wie weit im Voraus man das Umkippen erkennen kann und mit welchen massiven Mitteln es dann noch abgewendet werden kann. Man will also feststellen, wie weit man ein Ökosystem 'beherrschbar' an den Rand des Zusammenbruchs treiben kann.

    Das wird wohl kaum dazu führen, dass ökologischer Missbrauch möglichst frühzeitig abgestellt wird, sondern eher dazu, dass man noch ein wenig weiter macht, weil das System doch noch nicht ganz am Absterben ist und man das kurz vor dem endgültigen Kollaps (vermutlich) noch wieder irgendwie gerade biegen kann. Die Kosten der Sanierung muss dann natürlich die Allgemeinheit tragen.

    Eine neue Variante der ewig gleichbleibenden Mentalität: Wir wissen, dass unser Handeln in die Katastrophe führt, aber gerade jetzt können gerade wir leider nichts dagegen tun. Wenn es WIRKLICH brenzlig wird, werden andere nach uns schon eine Lösung finden. Und ein Bisschen geht's ja noch.

    Wer finanziert solche Studien?
  • Ökonomische Lithium-Einsenphosphat-Batterie-Zelle 26650

    18.11.2012, otto krammer
    kostet derzeitFOB China 0,32€ pro Watt Ladevermögen, bei garantierter 2.000 facher Wiederaufladung zu 80% Beständigkeit, also über 10 Jahre Lebensdauer, Tendenz fallend. So wird sich die Lithiumbatterie immer mehr durchsetzen.
  • Wie rechnet sich das?

    16.11.2012, Joachim Blechle
    Ich lese das so:
    420 Mio. Jahre nach dem Urknall, das sind 3 % des bisherigen Alters des Universums, sendete die Galaxie Licht aus, welches dann 13,3 Milliarden Jahre bis zur Erde brauchte und hier vom „Hubble“ Teleskop empfangen wurde. Die Galaxie dürfte dann jetzt so ca. 440 Milliarden Lichtjahre (13,3 x 100:3) von uns entfernt sein. Vielleicht aber noch weiter, da sich das Universum ja beschleunigt ausdehnt.
    Frage: Wie rechnen Sie das?
  • Quid pro quo

    15.11.2012, Gilbert Brands
    In den vergangenen Zwischeneiszeiten war es mehrfach erheblich wärmer (im Mittel) als heute, und weder ist das Eis komplett geschmolzen noch sind Eisbären und Robben ausgestorben.

    Ich denke allmählich über ein typisches James-Bond-Szenarium nach: wenn Leute mit dem eigenen Vorgarten nicht mehr zufrieden sind und anfangen, selbstherrlich mit der ganzen Welt spielen zu wollen, ist es Zeit, sich zu überlegen, wie man sie erschlagen kann.

    Das eigentliche Kernproblem - die maßlose Überbevölkerung der Erde durch die Spezies Mensch - wird leider nirgendwo berücksichtigt. Im Gegenteil: die in einigen Industriestaaten zu beobachtende Umkehr der Bevölkerungsdichte, die man mit einigem guten Willen auch als Reaktion der Natur auf den Störfaktor betrachten kann, wird politisch massiv durch Massenimmigration aus "demografischen Gründen" ausgebremst.
  • Richtigstellung zur Zerfallsrate des Bs-Mesons

    14.11.2012, Reinhard Funk
    Vielleicht haben sich einige Leser über den Satz gewundert:

    "gelang es ... den Zerfall eines Bs-Mesons zu beobachten – ein Ereignis, das ... extrem selten vorkommen soll: ... passiert dies tatsächlich nur einmal pro 300 Millionen Zerfälle."

    Das Ganze ergiebt natürlich nur dann einen Sinn, wenn ein bestimmtes Zerfallsereignis zur Gesamtheit aller möglichen Zerfälle in Beziehung gesetzt wird (natürlich zerfallen alle Bs-Mesonen und damit ist der Zerfall eines Bs-Mesons keineswegs selten, sondern Gewissheit). In diesem Fall ist es der tatsächlich extrem seltene Zerfall des Bs-Mesons in ein Paar aus Myonen (Myon und Antimyon) der mit einer Wahrscheinlichkeit von 3.2x10-9 gemessen wurde (mit einem Fehle von +1,5x10-9 und -1,2x10-9). Die nach dem Standardmodell berechnete Wahrscheinlichkeit beträgt(3.54±0.30)x10-9.
  • Mir wird speiübel,

    14.11.2012, Anita Oberegger
    wenn ich lese, was Tiere wegen alles erleiden müssen, nur damit der Mensch sein Schweineschnitzel auf den Tisch bekommt, das billig ist und nicht nach Natur schmeckt. Tierschutz in Schlachthäusern. Geht das überhaupt? Ich sage NEIN! Die Wissenschaftler "verkünstlichen" unsere Nahrung immer weiter, bis keine Natur mehr übrig bleibt. Ich frage mich, warum es nicht gelingt ein "künstliches" Schnitzel herzustellen, wie es für die Vegatarier und Veganer schon gibt. Den Fleischessern reden wir dann ein, dass es vom Schwein kommt. Die Menschen lassen sich eh jeden Schwachsinn einreden, ohne auch nur im Ansatz irgend etwas zu hinterfragen.

    Hier macht mir nur eines noch Hoffnung ... dass der Mensch die Rechnung dafür bezahlen wird für die Grausamkeiten, die er anderen Lebenwesen, selbstverständlich zum *Verbraucherschutz*, antut. Ich denke hier auch an "Jurassic Park 2", als der Chaostheoretiker Dr. Ian Malcolm sagt: "Das Leben findet immer einen Weg."

    Ich hoffe, dass das Leben einen Weg findet, den Menschen, die in ihrem Forscherwahn den SINN des Lebens vergessen, einen Strich durch die Rechnung zu machen. Einen gewaltigen Strich!!! So gewaltig, dass es solche Auswirkungen hat, die NIEMALS wieder gut zu machen sind. Auswirkungen, bei den der Mensch GEZWUNGEN wird, andere Wege zu gehen. Es gibt diese Auswirkungen schon, doch sie sind zuwenig *noch* zu wenig!

    LG, Anita Oberegger
  • Erstbeobachtung des Zerfalls eines Bs-Mesons

    14.11.2012, Reinhard Funk
    Mir scheint, Sie haben den ersten Satz Ihres Artikels "Erstmals gelang es ..... den Zerfall eines Bs-Mesons zu beobachten" etwas unkritisch übernommen. Denn zur Bestimmung einer Zerfallsrate gehören natürlich mehrere (lieber viele!) Beobachtungen des Zerfallsereignisses, so daß die erste Beobachtung des Zerfalls eines Bs-Mesons wohl schon einige Jahre zurückliegt. Aber erst jetzt sind genügend Daten vorhanden um die Zerfallsrate, wenn auch noch ungenau, eingrenzen zu können. So habe ich jedenfalls den Rest des Artikels verstanden.
    Immer um Genauigkeit bemüht, grüßt Sie
    Ihr ergebener Leser Reinhard Funk
  • ein ermutigender Anfang eines noch langen Weges

    13.11.2012, DDr. Hans-Joachim Scheel, Diplombiologe im Fach Zoologie
    seit einem Unfall aus Kindertagen bin ich Innenohr geschädigt und mit Hörgeräten aufgewachsen. von allen bisherigen Implantaten und Hörhilfen ist dieser Ansatz der Beste, bedarf aber der weiteren Abklärung,vor allem WELCHEN Gehörgeschädigten es wirklich helfen kann!