Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Und jetzt?

    10.09.2012, ninjaturkey
    Grün streichen?

    Wieder ein Beispiel dafür, dass ein nachhaltiger Eingriff (Bodenversiegelung) in ein System weitere Probleme mit sich bringt. Schwitzen oder dürsten, man darf es sich aussuchen.
  • Weißmalerei mit Folgen oder: Schwarzmalerei mi Folgen

    08.09.2012, Dr. D. Lipinski
    Ein ähnlicher, jedoch umgehrter Effekt ist durch das Abschmelzen des Polareises zu erwarten.
    Die eisfreie See und das eisfreie Land können wesentlich mehr Wärme, wenn auch auf niedrigerem Niveau, speichern als die Eismassen. Gleichzeitig steigt die Wasserdampf- und damit die Wolkenbildung an, zumal das salzfreie Tauwasser, das zunächst an der Meeresoberfläche bleibt, da es leichter als das salzhaltige Meerwasser ist, einen höheren Wasserdampfdruck als eine Salzlösung hat.
  • Reiner Überlebenskampf

    08.09.2012, Dr.Hans-Joachim Scheel
    Den Kannibalismus der frühen Neandertaler in Spanien sollte man nicht überbewerten, denn damals gab es noch keine Moral oder Ethik, sondern nur ein Sein oder ein Nichtsein.
  • Zu: Die Bio-Regenmacher

    07.09.2012, Dr. rer.nat. Wolfgang Lehmann
    Eine ganz wichtige Erkenntnis für die zukünftige Umweltpolitik: Die Regenwaldzerstörung wirkt nicht nur global auf das Gesamtklima, sondern auch regional auf die Regenmenge und damit die Nahrungsproduktion. Nebenbei, Wissenschaft muss nicht immer tierisch ernst sein. Im Artikel finden wir " ... dampft und brodelt es ...", mit Bild und Text " ... Pflanzen ... Evapotranspiration ... ". Über unserem Wald (D, Westerwald/Taunus) sieht man immer wieder einmal Dampfsäulen aufsteigen. Wir sagen dann: "Die Füchse kochen Kaffee."
  • Wo ist der Unterschied?

    07.09.2012, Jones
    Stichworte:
    Kraft-Wärme-Kopplung; Fernwärmenetze ausbauen;
    Energieeffizienz vor allem bezüglich energetischer Renovierung von Gebäuden; Elektroautos.

    Wobei das Thema Elektroautos und Nutzung als zusätzlicher Energiespeicher schon deswegen verdächtig ist, weil jeder (incl. Politik) darüber redet ...

    Methan als Speicher würde sich doch auch anbieten, zumal das Gas in umgebauten Benzinautos, Gaskraftwerken mit Fernwärme, kleinen Blockheizkraftwerken, Brennstoffzellen, Gasherden, Durchlauferhitzern usw. verwendet werden könnte, ab sofort sauberer als Öl ist, für die Übergangszeit immer noch ausreichend aus fossilen Quellen zur Verfügung steht (sowohl über Pipelines als auch verflüssigt per Schiff), auch regenerativ produziert werden kann (Biogas, Power-to-Gas mit Elektrolyse/Sabatier)und die komplette Infrastruktur (Verteilung und Speicherung) existiert.

    Sagt das Buch etwas über diese Möglichkeiten (oder auch darüber, dass es aus irgendeinem Grund keinen Sinn macht)?
    Antwort der Redaktion:

    Sie zählen eine Reihe von Möglichkeiten auf, um Energie zu speichern und effizient anzuwenden. Sie haben Recht, alle Energieformen und Speicher werden nötig sein, um die althergebrachte Energienutzung zu ersetzen. Darunter gilt auch das Methan als effiziente wie interessante Brückentechnologie. Winterhagen widmet ihm ein ganzes Kapitel und erörtert, warum es - obwohl es wie Öl und Kohle - zu den fossilen Energierohstoffen gehört, als umweltfreundlich gilt. Und tatsächlich liegt es an der chemischen Struktur von CH4, dass bei der Umwandlung viel Energie und wenig Kohlendioxid entsteht. Der Autor setzt sich mit Gas-und-Dampf-Kraftwerken auseinander, besucht in Irsching bei Ingolstadt ein Großkraftwerk dieser Art von E.ON, das über 60 Prozent Wirkungsgrad aufweist, kommt auf die politische Dimension der Abhängigkeit von russischen Erdgaslieferungen zu sprechen und lässt sogar die unerschlossenen Methanhydrate auf dem Meeresboden nicht unerwähnt. Das Buch ist auch in dieser Hinsicht eine Empfehlung, vielleicht auch für Sie?

    Reinhard Löser

  • an Reinhard Löser

    07.09.2012, Tim
    Der "sinkende" Energieverbrauch lässt sich allerdings zu einem erheblichen Teil durch Produktionsauslagerungen erklären, da die genutzte Wärme ja auch Prozesswärme in der Industrie ist. Ausgelagerter Energieverbrauch ist aber kein sinkender Energieverbrauch.

    Die Energiefrage ist nach wie vor völlig offen. Photovoltaik und Windkraft bringen uns praktisch gar nicht weiter, selbst wenn wir die Kapazitäten (unrealistischerweise) noch verzehnfachen können. Atomenergie spielt nach wie vor eine marginale Rolle und wird auch in Zukunft kein (relatives) Revival erleben.

    Wir können wirklich nur hoffen, dass Winterhagens Buch ein wenig dazu beitragen kann, daß die Leute künftig etwas weniger an Energiemärchen glauben.
    Antwort der Redaktion:

    Ihre Einschätzung, dass die Energiefrage - oder wie die Politiker es nennen - die Energiewende uns noch manches Kopfzerbrechen machen wird, ist völlig richtig. Winterhagen hat auch keine Antwort parat. Jedenfalls sind es weder die Erneuerbaren noch die Atomenergie, die uns aus der Bredouille bringen. Allerdings kann die rationelle Energieanwendung, also Einsparungen und der Verzicht auf Energievergeudung, den Verbrauch senken. So wie es in der Industrie oder im Privathaushalt praktiziert wird. Energie geht nämlich immer deutlicher in die Kosten. Unternehmen haben deswegen grundsätzliches Interesse, Energie effizient anzuwenden. Wenn allerdings in Deutschland die Stromkosten steigen, werden sie sicherlich ihre energieintensiven Prozesse in Länder mit niedrigeren Energiekosten "auslagern". Da haben Sie recht.

    Reinhard Löser

  • Corioliskraft

    06.09.2012, Dr. Walter Gläßel
    Mit Interesse habe ich den Artikel "Wie Tief Xynthia Luft holt" gelesen. Dazu passt eine Frage, die mich schon lange umtreibt:
    Wir waren vor einiger Zeit in Ecuador am Äquator. Dort gibt es eine kleine Ausstellung mit verschiedenen Experimenten. Eines davon ist ein tragbares Wasserbecken. Es wird genau auf den Äquator gestellt, und dann das Wasser in einen Eimer abgelassen. Das Wasser läuft völlig gerade ab. Dann wird das Becken etwa 5 Meter nach Norden getragen und das Experiment wiederholt. Es bildet sich eine drehende Bewegung beim Ausfließen, was durch Einwerfen von kleinen Pflanzenblättchen noch besser sichtbar gemacht wird. Schließlich wird das Becken 5 Meter südlich der Äquatorlinie aufgestellt, und der Strudel beim Abfließen dreht sich nun andersherum.
    Ich habe bei der "Vorführung" mehrmals sehr genau zugeschaut und konnte keinen Schwindel entdecken. Die Frage ist nun, bewirken hier wirklich einige Meter Abweichung vom Äquator bereits solch unterschiedliche Reaktionen? Kann man ausrechnen, ab wann eine solche Wirkung auftritt, dass man sie ohne weiteres erkennen kann?
    Um eine Antwort wäre ich sehr dankbar.
    Antwort der Redaktion:

    In der Dezemberausgabe 2000 unserer Rubrik hat Wolfgang Bürger diese Frage ausführlich behandelt. Es gibt den Coriolis-Effekt auch für den Badewannenwirbel; aber er ist so winzig klein, dass nur die sorgfältigsten Experimente ihn ans Licht bringen können. Bereits die Bewegung des Wassers, die vom Einfüllen oder vom Transport des Beckens zurückbleibt, hat einen weitaus größeren Einfluss. Demnach ist anzunehmen, dass es sich bei der Vorführung aus Ecuador um einen Schwindel handelt. Oder sagen wir, ein mit mangelhafter Sorgfalt durchgeführtes Experiment.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Gratulation

    06.09.2012, Rudi Zimmerman
    den Wissenschaftlern des Projekts "ENCODE" kann man nur gratulieren, dass sie es geschafft haben, ihre Arbeitsplätze bis zum Ende ihres Lebens gesichert zu haben. Das eigentlich interessante wissenschaftliche Problem gerühren sie dabei nicht einmal. Das Ergebnis ihrer Untersuchungen zeigt doch, dass praktisch jede Körperzelle auf Erfahrungen reagieren und ihre Zellfunktion auf die bestehenden Umweltverhältnisse einstellen kann. Kurz gesagt: jede Zelle ist anpassungsfähig. Als Philosoph stellt sich mir nun die Frage, ob diese körperlichen Reaktionen des Menschen durch Umweltbedingungen eindeutig determiniert wird, ob der Mensch also eine Maschine ist, deren Reaktionen bei Kenntnis aller Umweltbedingungen berechenbar wären - wobei als weiterer Faktor die genetisch ererbten Reflexkonstanten zu berücksichtigen wären. Oder ob das Individuum bei der Vielfalt der vorhandenen Reaktionsmöglichkeiten einen Entscheidungsspielraum hat, also in bestimmten Rahmen frei entscheiden kann. Letzteres würde bedeuten, dass zwischen den Determinanten Ererbung und simple Reaktion auf Umweltreize eine steuernde ICH-Instanz vorhanden ist, die letztlich dann auch einen Einfluss auf die zellinternen Vorgänge hat, die die Produktion von Eiweißen steuert usw.. Die Philosophie lebender Systeme, die ich vertrete, betrachtet die geistige Instanz des ICHs als den Kern jedes Individuums und postuliert die Freiheit des sogenannten "Willens".
    Rudi Zimmerman, Webphilosoph (z.B.:www.rudi-zimmerman.de)
  • Fleischallergie

    05.09.2012, Günter Sittl
    Ich bin zwar kein reiner Vegetarier, aber die Vorstellung einer weltweit verbreiteten Allergie gegen Fleischkonsum hat einen gewissen Reiz. Wenn Appelle an die Vernunft, in Bezug auf die Welernährungssituation, nicht helfen, wäre eine biologische Lösung des Problems hilfreich.
  • das klingt profi

    05.09.2012, jb
    bravo. und ich dachte, die dummen metallvögel und deren kondensstreifen wären ursächlich.
  • Weitere Informationen

    04.09.2012, Daniel Kreft
    Ein wirklich sehr spannendes Thema! Wer sich noch etwas tiefer in die Materie einlesen möchte, dem würde ich gerne folgenden Beitrag empfehlen: http://www.forschung-und-wissen.de/je-mehr-kohlendioxid-desto-weniger-wolken/

    Liebe Grüße
    Daniel
    Antwort der Redaktion:
    Anm. d. Redaktion: Das ist die Pressemitteilung der MPG.
  • Knipsen? Nein -- (Re-)Konstruieren

    02.09.2012, Mapologist
    Natürlich wurde hier kein Foto "geknipst" im Sinne von "einfach mal den Auslöser drücken".

    Jede Fotografie ist konstruiert (und damit methodisch verzerrt) -- und dieses Spektrogramm ist sogar noch erheblich konstruierter (inkl. Mathematik).

    Alle modernen ("projektiven") Wissenschaften haben seit der Renaissance das Problem des "inverse mappings" -- d.h. der Rekonstruktion einer zuvor erfolgten (und meist die Komplexität erheblich reduzierenden) Projektion.

    Sigmund Freud (der mit der Kastrations- bzw. Beschneidungsangst) hätte eine wahre Freude an solchen Projektionen (genauer: "Karten" bzw. "Mappings"), wie sie die Wissenschaftler heute liefern...

    Denn nur wer die "besten" Karten hat (und die besten Geschichten erzählen kann....)
  • Eisausdehnung versus Volumen

    31.08.2012, Stephan Matthiesen
    Ergänzend zum vorhergehenden Kommentar: Es hat auch technische Gründe, dass die meisten Datensätze die Ausdehnung oder die Fläche angeben, denn das Volumen ist einfach wesentlich schwerer zu beobachten. Dazu muss man ja die Dicke der Eisschicht beobachten können. Mit Satelliten kann man die Eisdicke eigentlich erst seit Cryosat gut bestimmen, der eben genau aus dem Grund gebaut wurde. Allerdings wurde er erst 2010 gestartet (der erste Cryosat wurde 2005 gleich beim Fehlstart zerstört), d.h. man hat gerade mal Daten über 2 Jahre.

    Cryosat arbeitet mit einem Radar-Altimeter (Höhenmesser) der mit Radar die Höhe der Eisoberfläche misst und damit auf die Dicke schließt. Es gibt zudem eine ganze Reihe von anderen, älteren Satelliten mit Radar-Altimeter, aber sie sind nicht für Meereis speziell gebaut und viele haben auch gar keine polare Umlaufbahn, sodass sie einen Kreis um den Nordpol gar nicht vermessen können. Dann gibt es natürlich ältere Messungen von Forschungsschiffen oder militärischen U-Booten, aber das sind immer nur Punktmessungen. Drittens kann man Schätzungen des Eisvolumens vornehmen, indem man annimmt, dass neu frierendes Eis je nach Temperatur um soundsoviel cm pro Woche zunimmt. Aber das ist mit sehr großen Schätzfehlern behaftet.

    Also kurz gesagt: Für das Volumen gibt es weniger gute Daten, die länger als ein paar Jahre zurückgehen. An den vorliegenden Daten kann man zwar sehen, dass das Eisvolumen ebenfalls abnimmt, aber eben nur mit viel größeren Messfehlern. Hier sind ein paar Grafiken dazu: http://neven1.typepad.com/blog/2012/08/record-dominoes-9-piomas-sea-ice-volume.html

    Die Ausdehnung und Fläche ist dagegen mit Satelliten viel einfacher zu bestimmen. Eis ist ja weiß, und Wasser sehr dunkel, fast schwarz. Die Farbe/Reflektivität ist nur eine der Methoden (und geht nur im Sommer, wenn es hell ist). Man kann auch die Oberflächentemperatur mit Infrarotsensoren messen (Gefrierpunkt!). Andere Satelliten nutzen Mikrowellen, die von Eis und Wasser unterschiedlich reflektiert werden. Und natürlich melden Schiffe ebenfalls, wo sie auf Eis stoßen. Während die Dicke nur von Forschungsschiffen kompliziert gemessen werden kann, tragen zur Beobachtung der Ausdehnung auch all die kommerziellen Schiffe bei; sie brauchen ja dazu nur aus dem Fenster gucken.

    Für die Eisfläche gibt es daher eine ganze Reihe von Datensätzen, die alle auf unterschiedlichen Satelliten bzw. Methoden beruhen und Jahrzehnte zurückreichen. Erstens kann man also Vergleiche über lange Zeiträume anstellen, und zweitens kann man all die verschiedenen Methoden miteinander vergleichen und daran sehen, dass die Abnahme nicht etwa auf methodischen Fehlern beruht, sondern real ist.

    Wenn man verschiedene Datensätze vergleicht, muss man nur aufpassen, dass die genauen Zahlen sich unterschieden. Das liegt daran, dass die verschiedenen Methoden mitunter Unterschiedliches messen (manche Satelliten sehen z.B. Schmelztümpel auf dem Eis als Wasser, andere als Eis), und manche machen Angaben über die Eisfläche (Löcher im Eis werden nicht mitgerechnet, engl. ice area), während andere die Eisausdehnung (sea ice extent) angeben, d.h. das Gebiet, in dem mindestens 30% Eisbedeckung herrscht (andere nehmen 15%). Also: Wenn man Ab- oder Zunahmen anschauen will, dann muss man immer die Zeitreihen desselben Datensatzes nehmen, nicht den japanischen von 1990 mit dem dänischen von 2012 vergleichen oder so (Skeptiker picken sich gerne ihre Daten so selektiv...).

    Das bedrückende ist natürlich, dass ALLE Datensätze einen dramatischen Rückgang in den letzten Jahren zeigen und in fast jedem Datensatz dieses Jahr schon ein Rekord gebrochen wurde, obwohl die Schmelzsaison noch nicht zuende ist.

    Wer sich für die einzelnen Daten interessiert und damit herumspielen will, findet übrigens eine gute Übersicht hier: https://sites.google.com/site/arcticseaicegraphs/

    Wissenschaftlich ist das eine spannende Sache, aber menschlich ein ziemliches Disaster...
  • Alter Hut

    31.08.2012, Castle
    Wo ist da der Mehrwert? In UK/North America werden solch Ergebnisse kaum beachtet. Der Forschungsschwerpunkt liegt hier zu Lande oftmals falsch. Es dünkt, dass man hier seit 20 Jahren stehen geblieben ist.

    Trotzdem sehr gründliche Forschungsarbeit.
  • Verlegung von Stromtrassen

    31.08.2012, Paul Neuenhofer

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    zum aktuellen Problem "Neue Stromtrassen verlegen" habe ich folgende Frage:

    Warum kann man eine neue Stromtrasse von Nord nach Süd nicht einfach
    durch ein oder mehrere Unterwasserkabel auf dem Grund des Rheines (oder Elbe) verlegen ?
    Im Meer geht es doch auch.
    Damit wäre eine riesige Strecke oberhalb der Erde verschwunden,
    es wäre wahrscheinlich viel billiger und ein großer Teil der Diskussionen wäre vom Tisch.
    Es müssten nur noch Querverbinden im Land gebaut werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Paul Neuenhofer
    Piepersweg 32
    41066 Mönchengladbach

    E-Mail: pdneuenhofer@arcor.de