Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Konstruktion von Realität?

    19.06.2012, Michael Perlbach
    Ich erinnere mich noch an ein Streitgespräch, das ich 1995 führte.
    Es ging darum ob Eskimos, deren Sprache sehr viel mehr Sorten von Schnee kennt als z.B. das Deutsche, eine andere Realität als wir wahrnehmen, weil sie eben Schnee nach anderen Kriterien unterteilen.
    Ich war damals -und bin es auch heute noch-, der Ansicht, daß sowohl die Eskimos als auch wir den gleichen Realitätsbezug haben. Der Unterschied besteht doch nur darin, daß die Eskimos Schnee -aus Überlebensgründen- genauer studiert haben als z.B. ein Mitteleuropäer.

    Ich denke, daß Menschen unterschiedlicher Sprachgemeinschaften statt unterschiedliche Realitäten wahrzunehmen, die Realität lediglich unterschiedlich ordnen. Der Ausdruck "Konstruktion von Realität" hingegen suggeriert, daß sich Realität durch Sprache quasi erschaffen ließe, daß man z.B. einfach per Sprachnorm die Schwerkraft aufheben könnte, indem diese in einer entsprechenden Sprache nicht thematisiert wird.

    In extremer Konsequenz behauptet diese Formulierung auch die Unmöglichkeit von Kommunikation zwischen Sprachgemeinschaften: Da Realität etwas jeweils sprachabhängig Konstruiertes ist, können verschiedene Sprachen dann auch keinen gemeinsamen Bezugsrahmen haben - es sei denn, sie konstruieren zufälligerweise die gleiche Realität.

    Man möge mich nicht mißverstehen: Daß Sprachformen letztlich Lebensformen sind, ist tatsächlich, wie mein Vorredner schon ausführte, nichts Neues. Und je mehr empirische Belege man zu diesem Konzept zusammentragen kann, desto mehr wird es sicher an Klarheit gewinnen.

    Aber die Behauptung, daß wir mit Sprache Realität konstruieren - halte ich für irreführend. Meine Auffassung: Wir leben in einer ungeheuer komplexen Realität, die wir nicht überschauen können und die verschiedene Sichtweisen und Interpretationen verkraftet, allerdings - nicht jede beliebige.

    Es gibt Grenzen der Interpretierbarkeit, die für alle Menschen gleichermaßen zutreffen. So mögen etwa unterschiedliche Sprachen jeweils ein unterschiedliches Zeit-Richtungsempfinden erzeugen, aber sie werden nichts daran ändern können, daß z.B. der gestrige Tag verstrichen ist und nicht mehr zurückkommt.
  • Kleine Korrektur in Absatz 1 - einsperren

    18.06.2012, Bernhauer
    Anders als im Artikel angegeben, braucht man im dreidimensionalen Raum nur vier Seiten, um jemanden einzusperren, nämlich ein Tetraeder (dann muss man allerdings auf die lieb gewonnenen rechten Winkel verzichten). Und im vierdimensionalen Raum braucht man dementsprechend auch nur 5 massive Tetraederklötze für ein vierdimensionales Gefängnis.
    Dieses Hypertetraeder hat übrigens eine schöne Eigenschaft: Wenn man seine Kanten mit einer punktförmigen Quelle auf eine Ebene projiziert, erhält man ein Pentagramm, dessen Spitzen noch zu einem Fünfeck verbunden werden. Die einzelnen Tetraeder erhält man dann, wenn man eine beliebige Spitze sowie alle davon ausgehenden Kanten entfernt.
    Vielleicht ist das der Grund, warum die Alchemisten früher versuchten, mit diesem Zeichen die höheren Mächte einzufangen.
    Antwort der Redaktion:
    Stimmt – zum Einsperren genügt zur Not auch ein Tipi (Indianerzelt) mit dreieckiger Grundfläche. Aber es wäre schon arg unkomfortabel. Und ob es mit den Vorschriften zur Käfighaltung vereinbar ist ...?
  • Defizite eher im Nah- und Güterverkehr

    18.06.2012, Elmar Fässler
    Die Qualität des Eisenbahnverkehrs wird auch in Zukunft durch seine Abdeckung der gesamten Fläche gemessen werden.
    Das Zusammenspiel von Güterverkehr, Nahverkehr und schnellem Fernverkehr ist in Deutschland heftig ausbaufähig: Die Gelder wurden die letzten Jahrzehnte meist in prestigeträchige Hochgeschwindigkeitsstrecken mit hohem Tunnelanteil gesteckt, Nahverkehrsstrecken abgebaut, der Ausbau dringend benötigter Güterstrecken fand nicht statt.
    Welche Vorteile bringt eine bis zu 400 Kilometer pro Stunde schelle NGT-Technologie, wenn ich in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland alle zig Kilometer eine Großstadt habe?

  • Abschied von der Wissenschaft

    18.06.2012, Andreas Kyriacou
    Da verabschiedet sich also ein kleines Funktionärengrüppchen aus freien Stücken vom Wissenschaftsbetrieb. Soll ja vorkommen. Aber wieso die FAZ einen Artikel darüber schreibt, bleibt schleierhaft.
    Antwort der Redaktion:
    Der Beitrag (in der Süddeutschen, nicht der FAZ) ist ein Gastkommentar. Das heißt, er ist nicht von einem Redakteur geschrieben und die Redaktion macht sich den Inhalt nicht automatisch zu eigen - ob es einen konkreten Anlass für diesen Text gab, müsste man natürlich bei den Kollegen erfragen.
  • Kosmische Expansion weitergedacht

    18.06.2012, Ernst Hammann, München
    Was passiert eigentlich, wenn sich die kosmische Expansion immer weiter beschleunigt - so sehr, dass Nukleonen auseinandergerissen werden? Da es keine freien Quarks geben kann, würde auf diese Weise höchst effektiv neue Materie im Universum entstehen, und man käme auf diesem Umweg mal wieder zu einer Variante des Steady State-Modells. Ich wüsste zu gerne, ob das schon mal jemand ausgerechnet hat.
  • Weitere Schreibfehler

    18.06.2012, Dr. Wolfgang Klein
    Ich habe das Buch mittlerweile interessehalber erworben. Da hätte man wirklich mal einen Syntax-Checker einsetzen sollen: "fiel" statt "viel", (Niels) "Bohn" statt "Bohr".

    Die mühsame Erklärung des von Neumann'schen Konzepts des "Kollaps von Wellenfunktionen" soll verständlich sein, ist aber nur verzwackt. Für Leser wie mich (gibt es auch noch andere?) wäre es besser gewesen, ansatzweise auf die Konzepte von linearen Operatoren auf einem Hilbertraum, Eigenvektoren und Eigenwerte und den Spektralsatz für normale (kompakte) lineare Operatoren einzugehen. Nur für solche gelten nämlich die Überlegungen. Man hat den Eindruck, Byrne hat das auch alles nicht so richtig verstanden.

    Wie in meiner letzten Zuschrift (warum auch immer nicht veröffentlicht) schon angedeutet, halte ich persönlich die Vielweltenhypothese weder für sonderlich originell noch für überprüfbar. Das Buch habe ich erst zur Hälfte durch. Ich hoffe noch eines besseren belehrt zu werden. Ein Gegenbeispiel für originelle Außenseiterpositionen wäre Emmy Noether - häufig oberflächlich von Physikern zitiert und wahrscheinlich kaum wirklich verstanden. Anmerkung: Ich behaupte nicht, dass ich ihre Arbeit vollständig verstanden hätte. Ich habe ihren Artikel über Symmetriegruppen zwar seit langem in meiner Sammlung, habe ihn aber noch nicht gründlich durcharbeiten können.

    Wissenschaftstheoretisch halte ich von Veranschaulichungsversuchen wie dem von Hugh Everett III sowieso wenig. Der Realitätsgehalt ist fragwürdig.
  • Bahnsteige beim Stuttgarter Kopfbahnhof können verbreitert werden

    18.06.2012, Jutta Radicke
    Der Stuttgarter Kopfbahnhof hat - im Gegensatz zu Stuttgart 21, das schon mit heutigen Zügen einen Engpass darstellt - erhebliche Reserven: Der Stuttgarter Kopfbahnhof verfügt über Gepäckbahnsteige, die heute nicht mehr benötigt werden. Diese könnte man abbauen und die Passagierbahnsteige verbreitern.
  • Stuttgart 21 wird nicht "kräftig gebaut"

    18.06.2012, Nico Nissen
    Stuttgart 21 wird nicht "kräftig gebaut". Der Baubeginn ist um ein Jahr verschoben worden. Bisher wurde nur zerstört, ohne dass überhaupt sichergestellt wurde, dass je mit dem Bau begonnen werden kann.
  • Anmerkung zu Möglichkeiten und Gefahren

    18.06.2012, Klaus
    1. "Es genügt es uns erst einmal, zu wissen, dass wir selbst überprüfen können, was in unserer Nahrung steckt. Das gilt nicht nur für Sushi. Wir könnten auch testen, ob in unserem Brot, Müsli oder Keksen vielleicht Zutaten aus gentechnisch verändertem Getreide enthalten sind."

    Testen kann man nur, was man kennt und dokumentiert ist. Für einen sicheren Nachweis gentechnisch veränderter Organismen benötigt man immer die bekannte Gensequenz des veränderten Organismus. Findet man einfach nur nicht bekannte oder nicht erwartete Gensequenzen, können diese selbstverständlich aus natürlichen Quellen stammen.
    Der Nachweis von gentechnisch veränderten Lebensmitteln, den manch einer vielleicht wünscht, gelingt also nicht dadurch, dass man etwas anderes findet als erwartet, sondern nur, wenn man das nachweist, was gentechnisch verändert ist. Dazu muss es bekannt sein.

    Mehr steht auch nicht im Artikel, das Zitat für sich klingt aber euphorischer als es die Realität zulässt.

    2. "Gegen einen Missbrauch dieser Technologien könne man sich nicht vollkommen schützen, meint Wimmer. "Aber das muss uns keine schlaflosen Nächte bereiten, denn wir haben ja die Möglichkeit, die Missbrauchswahrscheinlichkeit einzuschränken, und zum anderen durch biomedizinische Forschung neue Impfstoffe und Medikamente zu entwickeln und damit immer etwas schneller zu sein als eventuelle Terroristen."

    Die Hoffnung, schneller zu sein als eventuelle Terroristen, erscheint mir trügerisch. Welche Werkzeuge sollen entwickelt werden, wenn die Art der Gefährdung nicht bekannt ist. Wäre das einfach, sollte Grippe auch längst kein Problem mehr sein. Glücklicherweise sind die Gefahren durch mangelhafte Kompetenz der Täter bei Herstellung und im Umgang mit potenziell gefährlichen Stoffen tatsächlich begrenzt. Das sollte aber nicht zu einer Unterschätzung des Gefährdungspotentials führen. So wie hier beschrieben, wächst auch deren Potenzial.
  • Ergänzung zur Beschreibung des Bremssystems

    18.06.2012, Raimar Oetzel
    Die Rückspeisung der Bremsenergie ist eine schon seit Jahren verwendete Technik, die neben der Energierückgewinnung auch den Vorteil einer verschleißfreien Bremse hat. Die Bremskraft kann immer nur so hoch gewählt werden, wie es der Haftbeiwert und ein vorgegebener Schlupf zulassen. Zur Erhöhung der Bremskraft können zusätzliche Schienenwirbelbremsen, ab einer geringeren Geschwindigkeit dafür ausgelegten mechanischen Bremssysteme zum Eingriff kommen. Bei diesen Bremssystemen, die nur im Falle einer Notbremsung aktiviert werden, ist die in Wärme umgesetzte Energie verloren.
  • 16.06.2012, Scientist of Antara
    Das ist etwas, was es eigentlich gar nicht geben sollte. Die Wissenschaft ist echt faszinierend. Ein ständiges umdenken und entdecken.

  • Lächerliche Wissenschaft?

    16.06.2012, Karin Lucassen
    Lieber Herr Kronberg,

    das Interview mit Prof. Heitmeyer ist nur ein Auszug aus der wissenschaftlichen Arbeit im Zeitraum von 10 Jahren! Wenn ein Mensch keine Teilhabe mehr an der Gesellschaft hat, sprich Zugang zur Arbeit, Wohnraum, Anerkennung, Kultur usw. wird er sich denjenigen zuwenden, die seine Probleme aufnehmen. Und das sind genau in diesem Fall die Rechtsextremen.

    Wenn Sie vom sozialen Anstieg bedroht sind, Angst um Ihren Arbeitsplatz haben, um einen Arbeitsplatz kämpfen müssen und dabei verlieren, werden Sie einen Schuldigen für diese ganze Misere suchen. Sprich einen Schuldigen finden wollen, wie die meisten den Bankern die Schuld an der Finanzkrise geben. Das entspricht aber nicht der Wahrheit, sondern ist ein kleiner Teil des vorhandenen System!

    Im vorherrschende System haben nicht alle die gleichen Chanchen, sondern nur wer finanziell bevorteilt ist!

    Und dass die Umverteilung von unten nach oben politisch so gewollt ist, ist ein Fakt! Denn dies geschah unter der Regierung Schröder. Haben Sie die Zeit verschlafen?
    Prof. Heitmeyer ist realistisch und aktuell.

    Antwort der Redaktion:

    Gekürzt: Bitte unterlassen Sie Beleidigungen und persönliche Angriffe. Die Redaktion.

  • Dynamo an den Bremsen

    16.06.2012, Nicola Martinoni
    Es ist für mich nicht zu glauben, dass diese Bremstechnik nicht schon jetzt der Fall ist. Um die Bremsen zu schonen und um Energie zu sparen, wird sie auf die Gotthard-Strecke seit mindesten 50 Jahren schon betreiben. Mit dem alten DC- Antrieb waren 3 bremsende Zuge nötig, um ein Zug hoch zu ziehen (Wirkstrom!). Heute werden bis zu 80 Prozent wieder gebraucht (AC Umformertechnik).
  • Toll

    15.06.2012, Kranke Sister
    N-Heterocyklische Carbene \o/
  • plus 20 Grad Celsius

    15.06.2012, Reinhard Funk
    "... in einem Bereich von minus 20 bis plus 20 Grad Celsius beiderseits des Titanäquators." Könnte es sich hier um einen Übersetzungsfehler handeln und in Wirklichkeit 20° geographischer Breite gemeint sein?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Funk,

    Sie haben vollkommen Recht: Es handelt sich um geografische Breite. Wir bedauern den Fehler und haben ihn korrigiert.

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de