Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Wunschdenken zum Klimawandel?

    11.06.2012, Bieski
    Wir sehen nur, dass zwischen Wunschdenken und realer Welt eine Riesenkluft vorhanden ist.
    Dazu sind die Bedingungen, unter denen die Menschen dieser Welt nun einmal leben müssen, aber auch deren Bedürfnisse, höchst unterschiedlich. Allein der Glaube durch Energiesparen den Energiehunger einer stark zunehmenden Weltbevölkerung und damit auch die Klimaänderung nur etwas beschränken zu können, zeigt die Realitätsferne solcher Propagandisten. Auch der in diesem Artikel zum Beispiel wieder aufgenommene Hinweis, in Deutschland den Standby-Modus bei Elektrogeräten zu verbieten, ist von einer solchen Realitätsferne geprägt. Die Industrie ist bereits heute immer mehr global vernetzt und damit können die technischen Voraussetzungen und Bedingungen auch nur weltweit verändert werden. Allerdings entstehen die größten Leerlaufverluste nicht durch den Standby-Modus bei Elektrogeräten, sondern in den Energieversorgungsnetzen selbst und das zum größten Teil wieder nur aus ökonomischen Gründen. Wie sich diese Verhältnisse durch die aus der Energiewende veränderten Netz- und Einspeisebedingungen dabei zukünftig in Deutschland entwickeln, scheint noch gar nicht endgültig geklärt. Also in Bezug auf Klima und Energie nicht nur auf die anderen zeigen. Energie ist die wichtigste Voraussetzung für alles Leben. Wir müssen uns darauf einrichten, dass der Energiehunger weltweit zunehmen wird und die Auswirkungen auf das Klima und Umwelt von großen Teilen der Weltbevölkerung als das kleinere Übel angesehen werden. Dieses wird nicht durch kleinliche und nur dem eigenen Ansehen dienende Selbsttäuschungsmaßnahmen, auch nicht durch gut gemeinte Appelle und Absichtserklärungen zu verändern sein. Vielmehr müssen Forschung und Entwicklung weltweit rasant gefördert werden, um die sich anbahnenden Energieengpässe und den Klimawandel weltweit zu verhindern, oder zumindest auf eine nicht den Fortschritt bremsende oder sogar rückläufig machende Weise zu beeinflussen.
  • Lest das Buch

    10.06.2012, Nicole
    Ich finde das Thema auch sehr spannend.
    Deshalb habe ich dazu das Buch "Biopunk: DIY Scientists Hack the Software of Life" von Marcus Wohlsen gelesen (Current Hardcover, 2011), das wohl auch als Vorlage für diesen Artikel genutzt wurde. Leider wird das hier nirgends erwähnt.
    Wer mehr über die DIY-Biologie-Bewegung wissen möchte sollte das Buch lesen.
  • Schwach begründet

    10.06.2012, Hajo Dasting-Hussner
    Christoph Pöppes Rezension von Kanitscheiders »Das hedonistische Manifest« hat mir in jedem Fall Lust auf das Buch gemacht - ich habe es mir gekauft. Es ist aber nicht mein erstes Buch von Kanitscheider. Beim Lesen der Rezension sind mir jedoch einige Schwächen in der Argumentation aufgefallen.

    So meint Christoph Pöppe, dass die fehlende Begeisterung von Genussmenschen für kriegerische Abenteuer empirisch ausgesprochen schlecht begründet sei. Als Beispiel führt er "die Franzosen" und "die Amerikaner" an - die ersteren "kultivierte Genießer par excellence", die letzteren hedonistische Bekenner durch Festschreibung des "pursuit of happiness" in der Unabhängigkeitserklärung. Ich halte es allerdings für ziemlich fragwürdig, hier ganzen Völkern Eigenschaften zuzuschreiben. Fest steht jedenfalls, dass die Menschen, die sich zu Staatstreue und militärischem Gehorsam verpflichtet fühlen, im Grunde überall in der Überzahl sind - auch unter Franzosen und Amerikanern. Das sieht man schon an dem ausgeprägten Nationalstolz, den man bei beiden findet. Überhaupt wären Staaten und Nationen ohne überwiegende Staatstreue nicht denkbar. Hedonisten, die auch meist ausgeprägte Individualisten sind, sind aber auf der ganzen Welt eher in der Minderheit. Christoph Pöppes Einwand halte ich daher für etwas oberflächlich.

    An mehreren Stellen hält Christoph Pöppe Kanitscheiders Argumentation für schwach, ohne überzeugende Argumente dafür zu bringen. So halte ich Kanitscheiders "Symmetrie"-Argument - nach dem jeder, der Misshandeln befürwortet, damit rechnen muss, sich selbst in der Rolle des Misshandelten wiederzufinden, was hedonistischen Zielen abträglich ist - durchaus für überzeugend. Jeder, der sich auf eine rationale Diskussion einlässt, kann sich diesem Argument schwer entziehen. Christoph Pöppe schreibt dazu: "Ein Hedonist hätte gegnüber den zahlreichen Anhängern dieses Irrglaubens kein Argument gegen sadistische Praktiken - an Untermenschen, versteht sich - in der Hand." Aber gibt es überhaupt ein rationales Argument, dass Anhänger eines Irrglaubens - also Menschen, die zumindest in bestimmten Punkten irrational sind - überzeugen könnte? Ein solcher Anhänger eines Irrglaubens ließe sich durch keine wie auch immer geartete Argumentation beeindrucken. Ich halte daher Pöppes Bemerkung hier für irrelevant.

    Ich jedenfalls freue mich auf das Buch und kann zumindest bis jetzt bestätigen, dass es brilliant geschrieben ist.
    Antwort der Redaktion:

    Für ganz so oberflächlich halte ich mein Argument nicht. Selbstverständlich gibt es pflichtbetonte Franzosen und lustbetonte Preußen; aber: Die Tatsache, dass sehr viele (zum Beispiel) Franzosen und Amerikaner keinen nennenswerten Widerspruch zwischen der Verfolgung persönlicher Genussziele und Staatstreue (samt pflichtbewusster Opferbereitschaft) sehen, schwächt Kanitscheiders Argument, nach dem es einen solchen prinzipiellen Widerspruch gibt.

    Was die Anhänger des "Irrglaubens" angeht: Es gibt viel zu viele Leute, die der Überzeugung sind, man könne die Menschen in höher- und minderwertige einteilen, ansonsten aber rationalen Argumenten durchaus zugänglich sind. Ich würde es für verfehlt halten, diesen Leuten gegenüber - mit der Begründung, sie seien ohnehin irrational - jedes Argumentieren aufzugeben.

    Christoph Pöppe

  • Biohacker und die Zukunft

    10.06.2012, Mike Blüggel
    Der Artikel ist sehr gut und interessant geschrieben.
    Vor allem die Anschaulichkeit finde ich gelungen. Nicht nur Gespräche oder Studien, sondern es einfach mal selbst auszuprobieren, ist der Punkt, wo jedem bewusst wird, was dort überhaupt gemacht wird.
    Molekulare Biologie ist ein Gebiet der Naturwissenschaft, das viele junge Menschen sowie die Gesellschaft beschäftigt.
    Früher gab es chemische Kampfstoffe, doch genetisch veränderte Krankheiten oder von Bakterien produzierte Gifte sind ebenfalls gefährlich (wenn nicht sogar noch gefährlicher, da sich Krankheiten von selbst weiter vermehren und übertragen).
    Man sollte nur entscheiden, ob man als Biohacker etwas Gutes bewirken will oder einfach aus Spaß etwas Gift produziert.
  • Realisten!

    10.06.2012, Tim
    "liebenswürdigen Idealisten"? Es liest sich eher so, als die Einwohner dieses interessanten Dörfchens ganz im Gegenteil sehr einfallsreiche Realisten, die abseits bürokratischer Zwänge das tun, was sie für sinnvoll halten.

    Ich lese daraus ein Plädoyer für konsequente Subsidiarität bis hinunter in die Gemeinden. Genau das brauchen wir auch in Europa.
  • Überfluss ist möglich (vielleicht, wenn wir umdenken)

    10.06.2012, RalfLippold
    Peter Diamandis und Steven Kotler beschreiben in "Abundance - The Future is Better Than You Think" welche Möglichkeiten uns als Menschheit offen stehen.

    Es ist stets ein Umprogrammieren der Mental Models (nicht nur Einzelner, sondern ganzer Gemeinschaften), doch genau das ist nicht ganz einfach, wie wir immer wieder sehen.

    http://AbundanceTheBook.com
  • Autoklav et al.

    09.06.2012, skar
    @markus: Ein Schnellkochtopf ist in der Tat eine gute DIYbio-Lösung als Autoklaven-Ersatz (vorausgesetzt man wechselt nicht zwischen Linseneintopf und E.coli-Broth). Aber wenn man doch einen richtigen, professionellen Autoklaven für ein Butterbrot bekommen kann? Und den man einfach einschaltet und nicht extra auf einen Herd stellen muss? ;-)
    @aric: Was man braucht, hängt ganz davon ab, was man machen will. Ich empfehle, auf hackteria.org order diybio.org zu stöbern bzw. die Frage an die dortige diybio-newsgroup zu richten.
  • Ist der Artikel aus der FAZ vom 29 April ?

    08.06.2012, Aric
    Ich habe genau diesen Artikel in der FAZ gelesen, wer hat hier von wem den Artikel geklaut?

    Zum Inhalt muss ich sagen sehr interessant! Also ich würde auch gerne mit dem DIY-bio Anfangen!
    Was für Geräte bräuchte ich den so? Wenn mir jemand ein Paar Tipps geben könnte wäre ich ihm sehr verbunden.
    Antwort der Redaktion:

    Werter Aric

    ,

    der Artikel ist tatsächlich bereits in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienen. Allerdings wurde er weder von uns, noch von den Kollegen der FAS "geklaut". Vielmehr handelt es sich um eine völlig legale Zweitverwertung, über die unsere Kollegen bei der FAS auch informiert wurden. Wir fanden den Text allerdings so gut, dass wir ihn unseren Lesern, die ihn nicht bei der FAS gesehen hatten, nicht vorenthalten wollten.

    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl
    Redaktionsleiter Spektrum.de

  • ....Kalte Krieger ?

    08.06.2012, Bernard Neelen
    Wenn Frau Oreskes argumentiert:

    “Als der kalte Krieg zu Ende war, sahen diese Physiker in der Umweltschutzbewegung ihr nächstes Kampfgebiet”...

    Ich glaube gerade in der Physik werden Argumente und Erkenntnisse zumeist auf logische Fundamente gegründet und nicht in Ermangelung eines neuen Kampfgebietes. Im Übrigen beschäftigten sich die Klimaskeptiker insbesondere mit der Annahme über den Anthropogenen Anteil des Klimawandels.

    Wenn sie sich diese Liste der “1000+ Peer-Reviewed Papers Supporting Skeptic “:

    http://www.populartechnology.net/2009/10/peer-reviewed-papers-supporting.html

    .....ansehen, werden sie die “Kalten Krieger” wohl vergeblich suchen.
  • Sozialgesetze etc.

    07.06.2012, Sascha Bohnenkamp
    Forderungen und Ankündigungen von Herrschern bzgl. Schwacher, Armer, Schuldner etc. gab es im Alten Orient häufig. Das war vermutlich "schick".
    Man denke da nur z.B. an den König Urukagina aus Lagash in Mesopotamien um 2380BCE.

    Urakinga soll u.a.
    - Vorrechte des Königs bzgl. der Tempel abgeschafft haben,
    - die Einwohner von Schuldknechtschaft befreit haben,
    - missbräuchliche Ausbeutung der Schwachen durch die Mächtigeren verboten haben,
    - Schuldtilgungen und Steuererleichterungen erlassen haben.
    Er nannte sich selbst auch Beschützer der Witwen und Waisen.

    Ähnliches findet man auch für Gudea u.a., d.h. "Sozialgesetze" und ähnliches gab es sicherlich auch damals schon. Bemerkenswert ist vielleicht, dass diese Tonscheibe zu belegen scheint, dass es solche Überlegungen auch bei den Hebräern schon damals gab.
  • Sehr interessant

    07.06.2012, Markus
    aber an einer Stelle wurde ich stutzig: "sogar einen Autoclaven" ... reicht da nicht ein Schnellkochtopf?^^ 180°C sind 180°C ;-)
  • Schluss auf die Gesamtheit erlaubt?

    07.06.2012, Leonore Maurer, Wien
    Sehr geehrter Herr Wambsganß, Sie schließen von 3 gefundenen Exoplaneten auf durchschnittlich 1,6 Planeten "im untersuchten Massen- und Abstandsbereich" der Milchstraße.

    Sie machen diesen Schluss plausibel mit einem äußerst problematischen Vergleich: Schließlich weiß ich entweder, dass Deutschland viele Jahrhunderte lang christlich geprägt ist und dass zu dieser Tradition eben Kirchen in jedem Ort gehören, weswegen ich nicht auf Schlüsse aus beschränkter Erfahrung angewiesen bin. Oder ich weiß das nicht, dann weiß ich wohl kaum, wie repräsentativ die Stichprobe der zufällig besuchten Städte ist, kann also keine Schlüsse auf das Gesamte ziehen.

    Sie fordern mit Ihrem Vergleich also dazu auf, vorhandenes Wissen als Argument für einen Missbrauch statistischer Methoden zu verwenden – und Sie wecken so Zweifel an der Richtigkeit Ihres Schlusses.
  • etwas einseitig?

    05.06.2012, Sascha Bohnenkamp
    Ist das möglicherweise eine sehr amerikanische Sicht auf die Entwicklung der Computer?
    Wie ist das z. B. mit Konrad Zuse und dem Z1 und dessen Nachfolgern? Basierten die schon auf den Arbeiten von Turing? Das erscheint mir ein wenig unwahrscheinlich.
    Demnach wäre Zuse zwar der eigentliche "Vater" gewesen, aber Turing ist/war halt deutlich prominenter. Vielleicht hat auch der 2. Weltkrieg eine Rolle gespielt.
    Antwort der Redaktion:

    Es ist eine britische Sicht. Um den großen Briten Turing zu würdigen, haben wir Material aus der britischen Zeitschrift "Nature" verwendet.

    Da Zuse seine Z1 schon 1936 gebaut hat und Turings theoretische Arbeit "On computable numbers ..." erst im selben Jahr erschien, kann man sicher sein, dass Zuse diese Arbeit nicht verwendet hat. Ähnliche Gedanken aus anderen Quellen waren veröffentlicht, und man kann davon ausgehen, dass Zuse diese oder jene Arbeit gelesen hat.

    Darüber, wer den Computer erfunden hat, denken verschiedene Nationen verschieden. Die Deutschen legen Wert auf die Tatsache, dass Zuse den ersten Universalrechner gebaut hat, die Briten darauf, dass Turing die theoretischen Grundlagen geschaffen hat, und die Amerikaner, dass sie den ersten funktionierenden Universalrechner gebaut haben (wobei sie sich mit den Deutschen noch über die Auslegung von "funktionieren" streiten können). Nähere Einzelheiten finden sich hier und in den dort genannten Quellen.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • "Flaschenhals" für die Menschheit

    05.06.2012, Paul R. Woods
    Na - das ist endlich mal eine neue Theorie.

    Bisher hörte man am häufigsten, dass der Ausbruch des Toba-Vulkans (Nordsumatra) vor etwas mehr als 70.000 Jahren die Menschheit fast ausgelöscht hätte und das nur wenige in Afrika überlebt haben.
  • Fundamentalisten

    04.06.2012, Günter Stadler
    @ Bertje, zur Erhellung des von Ihnen Geschriebenen möchte ich Ihnen einen kleinen Vorschlag unterbreiten. Verzichten Sie einfach auf alle Segnungen der Wissenschaft und fristen Ihr Leben in Zukunft mit den Errungenschaften der Bibel! Das, was Sie hier der Wissenschaft ankreiden, ist doch eher der Existenz von Religionen zu verdanken.

    Umweltkatastrophen sind zu allererst Folge von
    Überbevölkerung und die haben wir z.B. dem christlichen Verbot der Empfängnisverhütung zu verdanken. Und dass ausgerechnet Christen Kriege verhindern, ist mir völlig neu. Der Vatikan hat jedenfalls nichts dagegen, wenn es gegen sozialistische Staaten Krieg gäbe. Man würde nach altbewährter Manier die Waffen und die Krieger segnen. Es gibt ein christliches Gebot, das da
    lautet: Du sollst kein falsches Zeugnis geben. Dann halten Sie sich bitte daran.