Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • @Vera Spillner:

    05.07.2012, Benni Banni
    besser kann man es nicht sagen!
  • Wissenschaft muss kommuniziert werden!

    05.07.2012, Alejandro Nunez
    Nach Jahren in der Grundlagenkrebsfroschung wurde mir klar, dass die Leute, die mich umgeben, keine genaue Vorstellung hatten, was ich machte außer "etwas gegen Krebs" - natürlich. Eine Nacht bin ich in ein Taxi eingestiegen und habe dem Taxifahrer darum gebeten, seine Tochter gegen HPV impfen zu lassen, denn das sei schließlich die erste Impfung gegen Krebs - entgeistert schaute er mich an und sagte, dass er davon nichts gewusst habe. In diesem Moment wurde mit klar, dass wissenschaftliche Fortschritte kommuniziert werden müssen, damit sie einen Impakt in der Bevölkerung haben und diese ihre Nutzen daraus ziehen kann, schließlich forscht man, um den Fortschritt voranzutreiben und den Lebensstandard zu verbessern!

    Aus diesem Grund begrüße ich die Veranstaltung des CERN zum Higgs-Boson sehr. Sie ist nicht "sehr doof", sie war dringend notwendig, da schließlich das Geld für den Bau so einer Riesenmaschine auch aus meiner Tasche kam! Und dann erleichtert es mich doch sehr zu wissen, dass dieses Opfer etwas Sinnvolles gebracht hat, auch wenn viele keine weitere Auswirkungen dieses Ereignis verstehen werden.

    Mit allem Respekt gegenüber Prof. Veltman, aber er kommt aus einer Generation in der Kommunikation nicht groß geschrieben war, mitunter weil der Generation die heutigen Möglichkeiten zur Kommunikation fehlten, aber anderseits, weil sie sie nicht brauchten. In der globalisierten Welt, in der wir leben, können manche Herausforderungen nicht mit einem Team von 10 Personen erledigt werden, man braucht eine Vernetzung von unterschiedlichen Knowhows und so eine präzise Zusammenarbeit darf doch gefeiert werden und ist an sich schon ein Erfolg. Deswegen habe ich nichts gegen ein bisschen Freuen.



  • Was ist Sigma ?

    05.07.2012, Alois Weddeling
    2. Absatz:
    "... Die Wahrscheinlichkeit, dass die beobachteten Signale eine Fehlmessung oder statistische Fluktuation sind, liegt bei eins zu einer Million ... Zum Vergleich: Bei der Bekanntgabe letzten Herbst, dass es erste schwache Signale gäbe, lag das Signifikanzniveau nur bei 2 Sigma"

    Wie soll ich das als nicht-Physiker vergleichen?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Weddeling,

    Teilchenphysiker geben die Wahrscheinlichkeit, dass es ein Teilchen gibt, in Sigma an. Es bezeichnet in der Wissenschaft die Standardabweichung: Je höher der Sigma-Wert ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es sich bei einem Fund um Zufall handelt. Ein Wert von drei Sigma bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es das Teilchen wirklich gibt, bei etwas mehr als 99 Prozent liegt. Das reicht den Forschern aber nicht aus. Vier Sigma bedeuten schon eine Wahrscheinlichkeit von 99,99 Prozent, bei fünf Sigma eine von 99,99994 Prozent - das gilt dann praktisch als sicher.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de

  • Etwas überspitzt...

    04.07.2012, Karsten König
    Ich denke, dass die Pressekonferenz richtig war. Schließlich ist es doch so, dass auch andere Forschungsgruppen in Seminaren und Kolloquien über ihre Ergebnisse referieren. Der einzige Unterschied ist doch nur, dass das CERN noch einen Internetstream für die Öffentlichkeit eingerichtet hat. Im Sinne der Wissenschaftskommunikation halte ich dies für wichtig, denn das CERN ist eine Einrichtung, die international auch in der breiten Öffentlichkeit Beachtung findet. So war es für jeden Interessierten möglich zuzuhören, wenn er ein wenig physikalische Vorbildung hatte. Diese Praxis wird außerdem immer üblicher, man denke z.B. an Pressekonferenzen der NASA. Ich halte es nicht für einen Egotrip, im Gegenteil macht es - es sei noch einmal erwähnt - die Kommunikation, auch untereinander, einfacher.

    Des Weiteren ist es doch so, dass die Entdeckung dieses neuen Bosons auch auf Supersymmetrie hinweisen könnte, wenn es nicht dem SM entspricht, aber Eigenschaften hat, die aus der SUSY folgen. Insofern könnte es auch zu einer Wiederbelebung der Stringtheorie führen.
  • Erfolge auch einfach mal mitfeiern können

    04.07.2012, Vera Spillner
    Es ist der große Tag des Higgs-Teilchens – und Nobelpreisträger Martinus Veltman schimpft. Er schimpft über das große Brimborium, das das CERN rund um das Higgs veranstaltet, er schimpft über die Stringtheorie und glaubt, sie durch monotone Wiederholungen seines Standardsatzes niederstrecken zu können, wie einst Nietzsche seinen Gott.

    Sicher, wir sind ja alle kritisch, postmodern und abgeklärt - und dennoch: auch wenn das CERN natürlich eine allzu große Pressekonferenz veranstaltet hat, auch wenn das Higgs-Boson aus unerfindlichen Gründen den Titel ‚Gottesteilchen‘ erhält ... – die Entdeckung eines neuen Teilchens ist doch trotzdem großartig! Ein solches Ereignis ist immer aufregend - so finde ich es, so finden es die Physiker vom CERN - so finden es doch bestimmt auch andere Leser. Es ist ein toller Erfolg für ein Projekt, an dem unzählige Menschen aus vielen Ländern mitgearbeitet haben und dem sie Zeit und Begeisterung widmen.

    Was erreichen wir mit dem Auffinden des Higgs-Teilchens? Nun, wir ergänzen einerseits unser Bild der Welt – und wir nähern uns andererseits möglicherweise einer ersten Falsifikation von Subtheorien im Spektrum der derzeit besten Universaltheorien: der Standard-Modell-Theorien und ihrer supersymmetrischen Erweiterungen. Dies ist doch unbestritten ein großer Fortschritt – war man doch jahrzehntelang nicht in der Lage gewesen, hier zwischen verschiedenen theoretischen Modellen zu unterscheiden.

    Und ist die Stringtheorie tot, wie Veltman es 'möchte'? Ein vorurteilsfreier Leser wüsste sicher, dass in den vergangenen Jahrzehnten durch die Stringtheorie mindestens ein großer Fortschritt erzielt wurde: nämlich eine Reduktion der notwendig zu postulierenden Input-Parameter für eine Theory of Everything! Und wo Theorien den Experimenten vorauseilen, da ist dies ein spannendes neues Verständnis von Fortschritt (siehe auch der spannende Beitrag von Dieter Lüst, ‚Ist die Stringtheorie noch eine Wissenschaft?‘ in Spektrum der Wissenschaft Mai 2009, S. 34).

    Müssen wir nun also alle mit dem Nobelpreisträger zynisch (und irgendwie auch ein wenig wütend) aus dem Abstand auf das CERN (hinab-) blicken? Ach wo, mitnichten, wie ich finde. Viel schöner ist es doch, einen Erfolg auch mal mitfeiern zu können! Ein neues Teilchen ist gefunden und eine spannende Zeit liegt in den kommenden Monaten noch vor uns. Wie schön, wenn Menschen gemeinsam friedlich an einem solch spannenden Großprojekt arbeiten, wie schön, wenn wir unseren Horizont und unser Wissen über unser Universum erweitern können! Ich werde die kommenden Erkenntnisse sicher interessiert verfolgen.
  • DLR-Projekt Next Generation Train

    04.07.2012, Joachim Winter
    Das Projekt konnte vom Autor natürlich nicht im vollen Umfang und mit allen Details dargestellt werden. Wer sich weitergehend informieren möchte, kann dies auf der DLR web-Seite tun:
    http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10467/740_read-916/

    Wir haben die Kommentare zur Kenntnis genommen und werden die noch nicht berücksichtigten Aspekte in unsere wissenschaftlichen Arbeiten einbringen.

  • Mehr Zeit senkt bestimmt die volkswirschaftliche Belastung

    04.07.2012, Bieski
    Nicht alle Länder können sich den Luxus leisten, ihre Energiewirtschaft ohne Vorbild in kürzester Zeit und unter Inkaufnahme enormer volkswirtschaftlicher Verluste umzustellen. Eigentlich brauchen solche Prozesse Jahrzehnte, damit nicht riesige vorhandene volkswirtschaftliche Investitionen einfach aufgegeben werden müssen. Einem Hauruckverfahren folgen fast immer unkalkulierbare Risiken. Da scheinen die Franzosen vorsichtiger zu sein. Die zu fördernden neuen Energiegewinnungstechniken sind längst noch nicht ausgereift. Dazu gehört vor allem Umweltverträglichkeit, Kontinuität der Versorgung und vor allen keine enormen Kostensteigerungen, damit sie auch langfristig bei der Bevölkerung Akzeptanz finden.
    Schnelle und hohe Subventionen verzögern nur die Erlangung einer notwendigen technischen und wirtschaftlichen Reife und verzerren den Markt. Wir werden sehen, ob andere Länder unsere Fehler wiederholen und ob andere, hier zuerst die Franzosen, sich bei einer erforderlichen Umstellung unter weniger Zeitdruck, dann auch wirklich geschickter anstellen.
  • Fotovoltaik wird immer unkritisch hervorgehoben

    03.07.2012, Uli
    In fast jedem Beitrag zur Energiewende wird die Fotovoltaik in einer Art hervorgehoben, die an früheres Lob der Kernkraft erinnert. Endlich wird zwar anerkannt, dass die Fotovoltaik ihre Energie nur zu den Zeiten liefert, zu denen wenig Strom gebraucht wird, aber dieses Problem wird ähnlich abgetan wie die Entsorgungsproblematik der Kernenergie (es gibt zum heutigen Zeitpunkt keine Lösung dafür). Ebenso wird das Problem der Entsorgung der Solarzellen überhaupt nicht thematisiert (auch das ist Sondermüll und über die entsprechenden Müllmengen wird nicht geredet), genau so wenig wie über den Produktionsprozess für Solarzellen (das ist keineswegs ein sauberer Prozess).

    Für die Speicherung des Stroms wird immer auf Entwicklungen bei der Speicherkapazität von Batterien verwiesen, die sich noch lange nicht materialisiert haben, und die Verwendung der Akkus von Stromfahrzeugen ins Feld geführt, die aber noch keineswegs gesichert ist, denn erst mal müssen die Menschen all die notwendigen Elektroautos gekauft haben und auch als Zwischenspeicher zur Verfügung stellen wollen. Oder soll hier mit einer Art von Enteignung gearbeitet werden?
  • Lesen!

    03.07.2012, Fritz Kronberg
    Sehr geehrter Herr Klicken,

    Zitat: Ihre Aussage, man würde sich auf politische Prominenz bei der Dokumentation beschränken, zeigt allerdings, dass Sie sich mit der Materie offensichtlich nicht beschäftigt haben, oder einen veralteten Stand haben Zitat Ende

    Wie die meisten Menschen in diesem Lande beziehe ich den wesentlichen Teil meiner Informationen aus der Presse (im weitesten Sinn). Dort wird nur die politische Prominenz erwähnt und nur das entfaltet auch öffentliche Wirkung.

    Zitat: was ich unter großen Entbehrungen jahrelang hochgehalten habe. Zitat Ende

    Was ist das?

    Zitat: Ich zum Beispiel möchte einfach nicht, dass meiner Arbeit in der Forschung die Grundlage entzogen wird. Zitat Ende

    Das ist ein verständlicher Wunsch. Allerdings ist mir nicht ganz klar, wie ein nicht als solches gekennzeichnetes Zitat in irgend einer anderen Arbeit Ihnen die Grundlage für Ihre Arbeit in der Forschung entziehen könnte, zumal ja in dem Moment, wo es gekennzeichnet wird, die Verwendung ganz legal ist. Ich bitte Sie doch die ersten beiden Sätze meines Kommentars noch einmal zu lesen. Die sind die wichtigsten, und wenn Sie damit nicht einverstanden sind, bleibt Ihnen das natürlich unbenommen, aber dann hätte ich doch gern dafür eine stichhaltige Begründung.

    Mit besten Grüßen,

    F. Kronberg
  • Vernunft

    03.07.2012, Fritz Kronberg
    Offenbar wollen die Franzosen (sinnvollerweise) sich nicht den Luxus leisten, wegen irrationaler Ängste eine der saubersten Energieformen, über die wir zur Zeit zu erträglichen Preisen verfügen, stillzulegen. An dieser Stelle könnten wir vom Nachbarn lernen, wenn nicht die jahrzehntelange grüne Propaganda (die sich mit mehr Sinn gegen Kohlekraftwerke gerichtet hätte) nicht das mangelnde Wissen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung im naturwissenschaftlichen Bereich hätte ausnutzen können. Das Ziel, auf die so genannten erneuerbaren Energien als wesentlichen Träger (möglichst als einzigen) umzusteigen ist richtig und findet meine volle Unterstützung, aber der Weg dahin sollte mit Bedacht verfolgt werden. Dazu gehört, dass man nicht wegen zweier Unfälle, die sich in Deutschland nicht ereignen können, überstürzt auf den derzeit saubersten Teil unserer Energieversorgung verzichtet.
  • Von wegen "gefühlte Moral"!

    03.07.2012, Dieter Krogmann
    Die Autorin resümiert am Ende ihres Beitrages:

    "Der für jede Vernunft unzugängliche Ekel zementiert somit eher bestehende Normen und Vorurteile. Auf diese Weise macht er die ohnehin oft trüben Gewässer moralischer Diskurse noch schlammiger, mahnt Kelly."
    "Bleibt festzuhalten: Eine Emotion liefert keine tiefere Weisheit und auch keinen Leitfaden für unser Handeln. Insofern ist Ekel unmoralisch."

    Die eigentliche Ursache bzw. die Verursacher für diesen "Ekel" werden mit keinem Satz erwähnt. Die sozial-ethische Haltung jeder sozialen Gruppe unterliegt der Manipulation der jeweiligen Machtelite. Gerne werden werden negative Folgen dieser Manipulationen dann als kollektive Schuldzuweisung an die Gesellschaft formuliert. Das Problem liegt also bei den Macht- bzw. Führungseliten einer jeden Gesellschaft.

    Der Appell sollte also endlich einmal an die richtigen Adressen gerichtet werden!
  • Chronische Leiden sind Kopfsache

    03.07.2012, Dieter Krogmann
    Die Erkenntnisse, im obigen Beitrag beschrieben, dürften doch ein weiterer Beweis dafür sein, wie unsere Gesellschaft den Mensch (ausbeuterisch) überfordert. Unser Organismus reagiert entsprechend. Das wie eine Seuche um sich greifende Burnout-Syndrom ist hier ebenfalls ein Grundpfeiler dieser Erkenntnis.

    Aber, so vermute ich, das kann der Psychopharmakaindustrie nur recht sein. Die laufende "Produktion" immer neuer potenzieller Konsumenten sichert den Profit!
  • Sorte oder Varietät?

    02.07.2012, Agnes Pahler, Aichtal
    Bei der Auflistung der Krankheiten, die den Kakaobaum befallen können, ist ein Übersetzungsfehler passiert: (S. 80 unten): Die Gattung Phytophthora gehört taxonomisch zu den Niederen Pilzen, ist aber eben doch ein Pilz, während im Englischen die Echten Pilze als fungi bezeichnet werden und somit Phytophthora als "fungi-like" charakterisiert wurde. Des Weiteren ist Matina 1-6 eine Sorte oder Kulturform (S. 83). Im Englischen bezeichnet "variety" eine Sorte, während die deutsche Varietät für eine natürlich vorkommende Abweichung steht.
    Übrigens ist der Anbau von Kakao in Mischkulturen, wie ihn die Autoren propagieren (S. 82), keineswegs eine neue Erfindung, sondern stellt die seit alters überlieferte Anbauweise dar.
    Inzwischen erkennt die Agrarindustrie lediglich, dass Mischkulturen den im 20. Jahrhundert eingeführten Monokulturen auf tropischen Böden überlegen sind.
  • Für Schulmaterial unbedingt wissenschaftliche Bezüge korrekt verwenden!

    02.07.2012, Prof. Dr. Dietrich H. Nies, Halle
    Schöner und interessanter Artikel. In der Einleitung sind allerdings ein paar Fehler drin, die so besser nicht auf die Schüler (der Artikel bietet Sondermaterial für die Schulen an) losgelassen werden. RNA besteht aus Nukleotiden und nicht "aus den Basen Adenin" etc. Gut, könnte man gerade so nochmals durchgehen lassen. Bei "Mutation in der RNA" sträuben sich aber meine Nackenhaare! Das ist noch schlimmer als "Protein-Expression".

    Fazit: Wenn schon Material für die Schulen, bitte unbedingt nochmals Fachleute (in diesem Fall einen Mokularbiologen) rüberschauen lassen, damit falschen Bezüge und Ausdrücke korrigiert werden können.
    Antwort der Redaktion:
    Besten Dank für Ihre Zuschrift und Ihr generelles Lob. Als betreuender Redakteur des Artikels (und Biochemiker) möchte ich zu Ihren Kritikpunkten Stellung nehmen, da ich die Sache etwas anders sehe.

    Natürlich haben Sie Recht, dass RNA aus Nukleotiden besteht; ich wollte jedoch die Einführung dieses Fachbegriffs, der letztlich für den Artikel nicht gebraucht wird, vermeiden, da der Text ohnehin sehr anspruchsvoll war und nur schwer auf ein Niveau herunterzubrechen, das für Nichtbiologen nicht zu abschreckend wirkt. Daher entschied ich mich an dieser Stelle, nur die Basen explizit zu erwähnen, da diese später noch eine wichtige Rolle spielen. Um Einwänden wie Ihrem zuvorzukommen, habe ich allerdings ausdrücklich geschrieben, RNA bestehe IM WESENTLICHEN aus den Basen, nicht ausschließlich. Zu dieser Formulierung stehe ich weiterhin, da schließlich die Basen das Wesentliche der RNA bedeuten, nämlich die genetische
    Information. Alles andere ist ja eher Verknüpfungs- und Baumaterial.

    Ebenso diente die Formulierung der "Mutation in der RNA" der Vereinfachung der Gedankengänge. Man könnte sie allerdings missverstehen im Sinn, dass die Mutation erst auf RNA-Ebene eingeführt würde; dies ist natürlich nicht der Fall. Dennoch behaupte ich, kann man mit Fug und Recht von Mutationen auf RNA-Ebene reden, da diese ja die Information der DNA widerspiegeln. Und wenn eine DNA eine Mutation hat, findet sich die Entsprechung auch in der RNA.

    Der Ausdruck "Protein-Expression" schließlich kommt im Artikel meines Wissens nirgends vor.

    Zuletzt sei Ihnen versichert, dass unsere Artikel durchaus von Experten kontrolliert werden. In diesem Fall zunächst von mir als promoviertem Biochemiker, und vor Druck auch noch einmal von den beiden Autoren, die ja selbst die beteiligten Wissenschaftler sind.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Hartwig Hanser
  • Meine Antwort

    01.07.2012, Hajo Dasting-Hussner
    Ich denke nicht, dass die Diskussion weit über Kanitscheiders Werk hinausgeht. Kanitscheider zeigt ja gerade, dass jede Ethik, die unseren biologischen Background ignoriert, letztlich zum Scheitern verurteilt ist. Das, was eine Ethik von Menschen fordert, müssen sie auch erfüllen können. Es geht hier nicht nur um Lust, sondern auch um Freude im weiteren Sinn. Warum sollte also eine Gesellschaft aus Hedonisten nicht funktionieren können, wenn man davon ausgeht, dass auch sie (aufgrund der evolutionär herausselektierten altruistischen Ausstattung des Menschen) Freude daran haben, allein oder zusammen mit Anderen etwas für eine Gemeinschaft tun zu können? Trägt nicht eine befriedigende Arbeit erheblich zum Lebensglück bei? Schließt das eigene Glück automatisch das Glück der Anderen aus? Mir scheint, dass sie dem Hedonismus hier dieselben Vorwürfe machen, die ihm auch schon die klassische Philosophie gemacht hat. Keineswegs zeichnet Kanitscheider in seinem Buch einen Hedonisten, der sich außer für seine eigene Lust sonst für nichts und niemand interessiert.

    Wenn ich mit einzelnen Individuen argumentierte, so meinte ich eigentlich damit, dass man hier besser auf empirische Daten (erhoben aus Befragungen vieler einzelner Individuen) schauen sollte, die aus wissenschaftlichen Studien stammen. Stereotypen erfüllen diese Voraussetzungen nicht.

    Es ging bei meinem Einwand in der Hauptsache ja auch nicht darum, inwieweit ein Sadist einer bestimmten Rationalität zu folgen bereit ist, sondern darum, inwieweit die Argumentation eines Pflichtethikers besser sein sollte, als die eines Hedonisten. Sie vertraten ja die Ansicht, dass ein Hedonist hier kein Argument gegen sadistische Praktiken in der Hand hätte. Warum nicht?

    Hajo Dasting-Hussner
    Antwort der Redaktion:

    Zur letzten Frage zuerst. Nehmen wir an, ich bin ein lupenreiner Hedonist, mein Nachbar auch, aber er ist zugleich Sadist. Wir verstehen uns eigentlich ganz gut, laden uns auch gegenseitig zur Grillfete ein, nur wird die nachbarliche Harmonie dadurch empfindlich gestört, dass die Schmerzensschreie seiner Frau, wenn er sie auspeitscht, nicht zu überhören sind. Als ich ihn darauf anspreche, entschuldigt er sich, versieht seinen Folterkeller mit einem Schallschutz, und ich kann wieder ungestört meinen Feierabend genießen.

    Es ist aber nicht vorrangig der Lärm, der mein Vergnügen beeinträchtigt. Die Tatsache an sich, dass er seine Frau auspeitscht, macht mir zu schaffen. Ob man diese Empfindung als "Beeinträchtigung der Seelenruhe" in die hedonistische Begriffswelt einsortiert oder schlicht "Mitgefühl" nennt, halte ich persönlich für zweitrangig (ich bin eben offensichtlich kein lupenreiner Hedonist).

    Jedenfalls spreche ich ihn darauf an; aber er kann mit meinem Mitgefühl nichts anfangen. Das Leiden seiner Frau sei ein Nebeneffekt seiner Lustbefriedigung, den er billigend in Kauf nehme, im Prinzip nicht anders, als wir beide den Tod des Schweins billigend in Kauf nehmen, dessen Nackenmuskulatur wir soeben genüsslich verzehren.

    Da wir auf der Gefühlsebene keinen Konsens finden, argumentiere ich philosophisch. "Dein Konzept ist zu verwerfen, weil es nicht universalisierbar ist. Wenn du es für richtig hältst, deine Frau zu quälen, dann musst du es zugleich für richtig halten, dass du selber gequält wirst, und das stünde in krassem Widerspruch zu deiner hedonistischen Grundeinstellung." "Falsch", entgegnet er. "Du setzt voraus, dass Frauen ungefähr dasselbe sind wie Männer. Das ist nicht nur empirisch leicht zu widerlegen; die Minderwertigkeit der Frau ist eine durch Jahrtausende kultureller Tradition bestätigte Tatsache." Na ja – bis vor wenigen Jahrzehnten war sie ja auch in unserer Kultur (in milder Form) gesetzlich festgeschrieben. Ich finde keinen inneren Widerspruch in der Philosophie meines Nachbarn.

    Dass dem Hedonisten, wenn er nur seine eigene Grundhaltung lange genug überdenkt, jede Art von Sadismus zuwider sein muss, nach dem Muster: Ich kann nur glücklich sein, wenn meine Umwelt glücklich ist und deren Glück auf mich zurückstrahlt, kann mich nicht wirklich überzeugen, und meinen Nachbarn schon gar nicht. Die Leute finden ihr Glück auf so verschiedene Weisen, da sind Schlüsse dieser Art suspekt oder zumindest schlecht begründet.

    Also was mache ich? Ich rufe die Pflichtethik auf den Plan. Das geht hierzulande relativ einfach (Telefonnummer 110).

    Allgemeiner ausgedrückt (und damit auf Ihren ersten Punkt eingehend): Ja, das kommt durchaus vor, dass es einem Freude bereitet, das Richtige zu tun. Der Busfahrer, der die späte Tour mit den Besoffenen hat, der Polizist, der zu einem handgreiflichen Streit gerufen wird, der Lehrer, der einen problematischen Schüler in der Klasse hat, die tun ja auch das Richtige – sagen wir, in der Regel. Aber: Ich bin sicher, jedem von ihnen fällt eine Handlungsalternative ein, die erheblich vergnüglicher ist als die Pflichterfüllung, die Freude an der Pflichterfüllung mit eingerechnet. Und es gibt sehr viele Leute, die dann diese Alternative praktizieren, und zwar nicht als Einzelfall, sondern als Lebenseinstellung. (Was übrigens mein Vergnügen gelegentlich erheblich beeinträchtigt.)

    Haben diese Leute alle nicht richtig über ihren eigenen Hedonismus nachgedacht? Ist der Hedonismus, so wie sie ihn praktizieren, so schlecht formuliert oder vermittelt, dass die Leute das einfach nicht begreifen? Dann taugt er nicht viel. Muss man ihn umformulieren? Dann kommt wahrscheinlich etwas sehr Merkwürdiges heraus, nämlich: "Tu deine Pflicht, damit es dir wohlergehe." Wobei selbstverständlich "Pflicht" nicht die von der Obrigkeit aufgedrückte Vorschrift ist, sondern das, was du selbst für richtig erkannt und zu deiner Überzeugung gemacht hast. Dann ist es aber nur noch ein gradueller Unterschied zu der schlichten Aufforderung "Tu deine Pflicht". Denn die Begründung "damit es dir wohlergehe" ist (zumindest für einen Normalmenschen) nicht wirklich zwingend.

    Au weia, ich habe viel zu lange an diesem Text gesessen (ich bin ja auch nur Amateurphilosoph). Jetzt muss ich wieder Texte redigieren. Warum? Die Pflicht ruft. Und ich gebe zu, es ist ein schönes Gefühl, wenn man seine Arbeit gut und beizeiten erledigt ...

    Christoph Pöppe

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