Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • 16.06.2012, Scientist of Antara
    Das ist etwas, was es eigentlich gar nicht geben sollte. Die Wissenschaft ist echt faszinierend. Ein ständiges umdenken und entdecken.

  • Lächerliche Wissenschaft?

    16.06.2012, Karin Lucassen
    Lieber Herr Kronberg,

    das Interview mit Prof. Heitmeyer ist nur ein Auszug aus der wissenschaftlichen Arbeit im Zeitraum von 10 Jahren! Wenn ein Mensch keine Teilhabe mehr an der Gesellschaft hat, sprich Zugang zur Arbeit, Wohnraum, Anerkennung, Kultur usw. wird er sich denjenigen zuwenden, die seine Probleme aufnehmen. Und das sind genau in diesem Fall die Rechtsextremen.

    Wenn Sie vom sozialen Anstieg bedroht sind, Angst um Ihren Arbeitsplatz haben, um einen Arbeitsplatz kämpfen müssen und dabei verlieren, werden Sie einen Schuldigen für diese ganze Misere suchen. Sprich einen Schuldigen finden wollen, wie die meisten den Bankern die Schuld an der Finanzkrise geben. Das entspricht aber nicht der Wahrheit, sondern ist ein kleiner Teil des vorhandenen System!

    Im vorherrschende System haben nicht alle die gleichen Chanchen, sondern nur wer finanziell bevorteilt ist!

    Und dass die Umverteilung von unten nach oben politisch so gewollt ist, ist ein Fakt! Denn dies geschah unter der Regierung Schröder. Haben Sie die Zeit verschlafen?
    Prof. Heitmeyer ist realistisch und aktuell.

    Antwort der Redaktion:

    Gekürzt: Bitte unterlassen Sie Beleidigungen und persönliche Angriffe. Die Redaktion.

  • Dynamo an den Bremsen

    16.06.2012, Nicola Martinoni
    Es ist für mich nicht zu glauben, dass diese Bremstechnik nicht schon jetzt der Fall ist. Um die Bremsen zu schonen und um Energie zu sparen, wird sie auf die Gotthard-Strecke seit mindesten 50 Jahren schon betreiben. Mit dem alten DC- Antrieb waren 3 bremsende Zuge nötig, um ein Zug hoch zu ziehen (Wirkstrom!). Heute werden bis zu 80 Prozent wieder gebraucht (AC Umformertechnik).
  • Toll

    15.06.2012, Kranke Sister
    N-Heterocyklische Carbene \o/
  • plus 20 Grad Celsius

    15.06.2012, Reinhard Funk
    "... in einem Bereich von minus 20 bis plus 20 Grad Celsius beiderseits des Titanäquators." Könnte es sich hier um einen Übersetzungsfehler handeln und in Wirklichkeit 20° geographischer Breite gemeint sein?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Funk,

    Sie haben vollkommen Recht: Es handelt sich um geografische Breite. Wir bedauern den Fehler und haben ihn korrigiert.

    Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktion Spektrum.de

  • Die wertvollen Minen im All

    15.06.2012, Klaus Deistung
    Bereits in den 80er Jahren wurde über die Möglichkeiten berichtet. Auch heute wird es noch etliche Jahre dauern, bis es sich lohnt. Vom Mond wurde Material geholt - in vergleichsweise kleinen Mengen.
    Der Asteroidengürtel ist um ein Vielfaches (im Mittel um 2 AE) weiter entfernt – auch eine Zeitfrage. Nach der Ressourcenerfoschung kann es losgehen – der, der den Berg abtrug, fing mit einem Stein an.
    Der Blog sollte als Aprilscherz gelten – aber so abwegig war die Idee nicht:
    http://www.scilogs.de/kosmo/blog/go-for-launch/allgemein/2010-04-01/asteroid_aus_gold
    Kleine Asteroiden könnte man ev. auch mit einem aufgesetzten Triebwerk transportieren, auf einer großen Raumstation aufbereiten – und gezielt zur Erde senden, wobei eine Wasserlandung dann ev. sinnvoll wäre.
  • Otto Koehler hat die Frage schon vor 75 Jahren beantwortet

    14.06.2012, Herbert Bibinger
    Das Fragezeichen bei "Können Tauben zählen?" kann man getrost seit 75 Jahren weglassen. Otto Koehler hat sich in den 1930er Jahren vielfach mit dem unbenannten Zählen und Denken
    beschäftigt und seine Methoden und Ergebnisse auch in Filmen dokumentiert.
    Siehe zum Beispiel seine Arbeiten
    "Kann die Taube Anzahlen erfassen?", Verhandlungen der Deutschen Zoologischen Gesellschaft 1935, S. 39-54,
    "Können Tauben zählen?", Zeitschrift für Tierpsychologie Bd. 1, 1937
    und zahlreiche spätere Veröffentlichungen.
    Eine allgemeine Zusammenfassung findet sich in: Grzimek Tierleben, Sonderband Verhalten, 1974, S. 320-336.
    Antwort der Redaktion:

    Die Arbeiten Otto Koehlers waren mir nicht bekannt, und ich habe die von Herbert Bibinger zitierten Publikationen mit grossem Interesse gelesen.

    Tatsächlich scheint auch mir, dass Koehler und seine Mitarbeiter in ihrer Publikation von 1937 einiges von dem, was Damian Scarf et al. später fanden, vorweggenommen haben. Diese Feststellung soll Scarfs Verdienste nicht schmälern; wissenschaftliche Doppelentdeckungen sind häufig und angesichts der erdrückenden Vielzahl wissenschaftlicher Publikationen heute fast unvermeidlich. Auch dass er Koehler nicht zitiert hat, ist ihm schwerlich vorzuwerfen; für einen englischen Muttersprachler ist eine auf Deutsch verfasste Arbeit dieses Alters praktisch unzugänglich.

    Speziell interessant an den Arbeiten Koehlers ist allerdings, dass er noch einen Schritt weiter geht als Scarf: Zusätzlich zu einem Experiment, in dem eine Taube zwischen zwei visuellen Darstellungen mit geometrischen Formen unterschiedlicher Anzahl zu unterscheiden hatte, mussten seine Versuchstiere die Anzahl mehrerer aufeinander folgender Ereignisse erkennen können: Der Taube war erlaubt, aus einer größeren verfügbaren Anzahl Getreidekörner nur eine bestimmte, beschränkte Anzahl zu fressen. Während einer Lernphase wurde die Taube jeweils weggescheucht, wenn sie ein Korn mehr aß, als ihr erlaubt war. Während einer anschließenden Testphase wurde der Taube erlaubt, ohne Strafe so viel zu essen, wie sie mochte, um zu prüfen, ob die Taube tatsächlich gelernt hatte, sich auf eine bestimmte Anzahl Körner zu beschränken. Anzahl und räumliche Anordnung der insgesamt angebotenen Körner wurden variiert, damit sich die Taube nicht an visuellen Mustern orientieren konnte. Die Anzahl der erlaubten Körner wurde schrittweise erhöht (2, 3, 4, 5, 6, …). Für die Anzahlen 1 bis 6 war die Taube tatsächlich in der Mehrheit der Fälle fähig, sich auf die vorgegebene Anzahl Körner zu beschränken. So fraß sie in 65 Prozent aller Fälle nur 5 Körner, wenn 5 Körner erlaubt waren. Zudem ließ in Fällen, wo sie ein Korn mehr als erlaubt aß, ihr Verhalten Angst vor der zu erwartenden Bestrafung vermuten. Offensichtlich war sich die Taube bewusst, wie viele Körner sie bereits gegessen hatte.

    Das in diesem Experiment nachgewiesene Verhalten der Taube kommt einem Zählen im eigentlichen Sinne schon viel näher als das von Scarf nachgewiesene Verhalten, wo die Tauben die Anzahl von Objekten eher abschätzen als zählen mussten. In Koehlers Versuch war nicht eine ungefähre, sondern die genaue Anzahl von Ereignissen (Fressen eines Kornes) entscheidend.

    Die Frage, ob der Begriff "zählen" in diesem Zusammenhang wirklich gerechtfertigt ist, steht allerdings vor zwei Schwierigkeiten:

    Erstens müsste man genau definieren, was unter "zählen" zu verstehen ist. Wenn ich mir eine Anzahl von beispielsweise drei Ereignissen in meinen Gedanken als dreimalige Wiederholung eines Lautes vorstelle ("hm – hm – hm"), gilt dies bereits als Zählen? Oder muss ich für jede Anzahl ein eigenes Symbol verwenden ("1 – 2 – 3"), damit der Begriff "zählen" gerechtfertigt ist?

    Zweitens besteht die offenkundige Schwierigkeit, dass wir die Gedanken der Taube nicht wahrnehmen – und auch aus Koehlers Experimenten nicht erschließen – können. Koehler formuliert denn auch sehr vorsichtig. Er behauptet nicht, Tauben könnten auf sechs zählen, sondern sie könnten „auf sechs handeln“. Wahrscheinlich stelle sich eine Taube die Anzahl von sechs Ereignissen als eine sechsmalige Wiederholung eines Lautes vor ("hm – hm – hm – hm – hm – hm"), anstatt verschiedene gedankliche Symbole für verschiedene Anzahlen zu verwenden ("him – hem - ham – hom – hum – hüm" oder auch: "eins – zwei – drei – vier – fünf – sechs").

    Ich teile Koehlers Vorsicht und möchte daher das Fragezeichen im Titel meines Artikels unbedingt stehen lassen. Tatsächlich aber geben die Resultate von Koehlers Studien Anlass zu der Vermutung, dass die numerische Kompetenzen von Tauben noch weiter gehen, als die Studie von Scarf et al. schlussfolgern lässt.

    Stéphane Hess

  • Hier spricht ein Lobbyist der noch Drittmittel benötigt

    14.06.2012, wawczyniakhamb@aol.com
    anstatt sich Gedanken darüber zu machen, wie mit den endlichen Resourcen unserer Erde nachhaltig umzugehen ist, sodass auch unsere Enkel noch eine Überlebenschance besitzen, macht sich Herr Martin Elvis als Forscher von Quasaren Gedanken darüber, wie man platinhaltige Asteroide einfangen und zur Erde transportieren könnte. Geld spielt anscheind keine Rolle in der heutigen Zeit mit den astronomisch hohen Staatsschulden und Investoren wissen nicht mehr, wo sie ihre Milliarden äußerst gewinnbringend investieren können.
    Sein Loblied auf die segensreiche Exploration von Resourcen sollte er sich unter anderem in dem Dokumentarfilm über den Abbau von Ölschiefern in Alaska vor Augen führen. Interessante Dokumentationen gibt es auch über den Gold und Uranabbau und deeren folgen.
    Besser wäre es, er würde bei seinem Forschunggebiet bleiben und wenn er unbedingt schriftstellerisch berühmt werden will, sollte er sích auf Science Fiction Geschichten beschränken.
    Ich kann auch nicht nachvollziehen wie ein solcher Artikel in NATURE erscheinen darf -ich dachte es wäre eine seriöse naturwissenschaftliche Zeitschrift.
  • Längeres Leben

    13.06.2012, Klaus Deistung
    Etwas festzustellen und gesicherte Daten finden ist schon ein Schritt – das Problem, wie es im Detail funktioniert – ist ein anderes. Dann müssten die älteren Herren um 20 Jahre jüngere Frauen haben – oder Samen spenden statt der jüngeren. Das schafft aber wieder neue Probleme.
    Die Wissenschaft arbeitet daran, wie sie das Leben – im Endergebnis der Menschen – verlängern kann. Bei meinen Recherchen habe ich nicht herausfinden können, ob die Arbeiten von Dr. Carrel vor 100 Jahren, der Muskeln eines Hühnerherzen 36 Jahre am Schlagen hielt, fortgesetzt wurden. Das ist aber ein realer Ansatz, der mit einem „reinen“ Wasser des Lebens endet.
    Das andere Problem ist, dass wir uns bei der gegenwärtigen Reproduktionsrate wesentliche Schritte eigentlich nicht leisten können. Besonders Indien zeigt, dass bei einer Halbierung der Geburtenrate die Bevölkerung stark gewachsen ist – weil die Menschen dort auch immer älter werden.
    Länger leben ist nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein soziales Problem und nicht zu unterschätzen!
  • Ockham's Razor

    13.06.2012, Dr. Wolfgang Klein
    So etwas wie die Vielweltentheorie ist als physikalisches Modell doch nur relevant, wenn sich aus ihr experimentell überprüfbare Folgerungen herleiten lassen, die sie von anderen Theorien, die mit weniger Annahmen auskommen, unterscheidet. Ansonsten würde ich es mit William of Ockham halten und kompliziertere Theorien ohne zusätzlich messbare Besonderheiten von der Betrachtung ausschließen.

    Kann man die Vielweltentheorie überprüfen? Ich glaube nein. Wo liegt dann ihr Nutzen - darin, dass sie unserem unterbewussten Hang zum Determinismus besser Rechnung trägt?

    Was soll eigentlich der "Kollaps der Wellenfunktion" sein? Im mathematischen Modell wird ein quantenmechanisches Experiment repräsentiert durch die Anwendung eines Hilbertraum-Operators, der der jeweiligen Observablen (z.B. dem Ort oder dem Spin) zugeordnet ist, auf einen Zustandsvektor (z.B. einer Wellenfunktion). Die im Experiment messbaren Werte einer Observablen sind reelle Eigenwerte im Spektrum des Operators. Bei Anwendung transformiert der Operator den Zustandsvektor vor dem Experiment in einen anderen Zustandsvektor, was man sich bildlich so vorstellt, dass durch das Experiment die Wellenfunktion verändert wird. Wo findet da ein "Kollaps" statt? Das ist doch alles nur gezwungen bildhaft und hat genauso wenig Realitätsgehalt wie die Idee eines Massepunkts in der klassischen Mechanik.
  • Je später die Zeugung, desto älter die Enkel

    12.06.2012, Rosa Brandt
    Frage: Was ist eigentlich mit den Töchtern? Ich lese in dem Beitrag nur etwas von Söhnen und Enkeln.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Frau Brandt,
    (und alle anderen Leser, die in der Studie den Bezug auf Töchter und Mütter vermisst haben),



    die Forscher haben sich wohl vor allem für den generationenübergreifenden Effekt interessiert, der die Telomere in den Hoden auch bis ins höhere Alter verlängert und damit offenbar Einfluss auf die Telomerlängen der Kinder nimmt. Bis in die Enkelgenerationen kann sich dieser Effekt aber natürlich nur über die männlichen Nachkommen (der mittleren Generation) auswirken. Tatsächlich finden die Forscher auch eine besonders hohe Korrelation zwischen dem Alter der Großväter zu den Telomerlängen ihrer Enkel (übrigens sowohl der weiblichen als auch der männlichen).
    Das Alter der Mütter der mittleren Generation haben die Forscher dabei auch berücksichtigt, hier aber keine statistisch signifikanten Korrelationen zu den Telomerlängen der Kinder festgestellt.



    Ein Mechanismus der lebenslangen Telomerverlängerung läuft in den (weiblichen) Eizellen übrigens nicht ab: sie liegen ja schon vor der Pubertät in einem lebenslang ausreichender Pool vor und verändern sich darin nicht mehr. Spermien werden dagegen kontinuierlich nachgebildet.

    Viele Grüße,
    Jan Osterkamp.
  • Lange Telomere-lange Lebenserwartung

    12.06.2012, Anina Burga
    Wie wirken sich längere Telomere älterer Väter auf deren Töchter aus? Da Frauen im Schnitt sowieso älter als Männer werden, wäre eine fehlende positive Korrelation nicht weiter von Belang.
  • Mengenoperationen sind biologisch allgemein

    12.06.2012, Norbert Hinterberger
    Um erklären zu können, warum Tiere teilweise zu denselben intellektuellen Leistungen in der Lage sind wie Menschen, sollte man vielleicht zuerst daran denken, dass wir alle in derselben Welt leben. Wir mussten uns also alle an ein und dieselbe Welt anpassen – natürlich mit unterschiedlichen Ausrüstungen (bei unterschiedlichen Arten). In dieser Welt müssen aber nichtsdestoweniger alle Lebewesen auf die eine oder andere Art klassifizieren können, weil wir keine Welt von Unikaten vor uns haben, sondern von Mengen von gleichen oder eben ungleichen Dingen und Eigenschaften. Erfolgreiche mengenoperative Schätzungen (von denen das Zählen einen Spezialfall darstellen dürfte, jedenfalls, wenn man das menschliche Zählen mit Symbolen meint) unterlagen vermutlich keinem wesentlich geringeren Selektionsdruck als das Klassifizieren, welches in der Umweltorientierung wohl primär war. Beides kann man evolutionär auf sehr einfache Mechanismen zurückführen (weiter unten), was dafür spricht, dass diese Fähigkeiten nicht nur von Menschen entwickelt wurden. Mengentheoretisch wird das Zählen ja ohnedies schon seit Cantor auf das Klassifizieren bzw. auf Mengenbildung allgemein zurückgeführt. Insbesondere wird die Zahl 1 in der Mengenlehre als Kardinalzahl aller ein-elementigen Mengen betrachtet, die 2 als Kardinalzahl aller zwei-elementigen Mengen, und so weiter.

    Die in dem Artikel zitierten Ergebnisse sind nur dann überraschend, wenn man die folgenden Überlegungen zur Einfachheit von Klassifikationen und Mengenoperationen auf untersten biochemischen Ebenen – also ihre evolutionären Ursprünge - nicht in Betracht zieht. Unsere Erkennungs-/Erkenntnis-Apparate mit ihrem prominentesten Vertreter, dem Gehirn und seinen Abstraktionsfähigkeiten, sind nicht aus dem evolutionären Nichts hervorgegangen.

    Einfachste Fälle von Klassifikation haben wir genau genommen schon auf biochemischer Ebene vor uns. Schon ein Einzeller ist in der Lage, alle Moleküle einer bestimmten Art eben als zu dieser Art gehörig zu bestimmen. Mit seinen spezifischen Außenrezeptoren verfügt der Einzeller daher über einen kybernetischen Klassifikations-Apparat (bzw. Erkennungs-Apparat). Klassifikation auf unterster Ebene ist also etwas ganz Einfaches.

    Auf Gehirnebene kann das Ganze dann verständlicherweise noch enorm luxurieren und zu bemerkenswerten Abstraktionen führen. Und die sind sicherlich nicht alle und vor allem nicht zwingend an Symbole gebunden, wie beim Menschen. Die gemeinsamen Nenner werden hier wohl gut adaptierte biochemische Reaktionen schon auf Zellebene sein.
    Klassifikation ist - in der Mengenlehre - ein Instrument, mit dem man eine einzelne Eigenschaft isolieren bzw. Mengen angeben kann, die diese Eigenschaft gemeinsam haben.

    Bei dem Problem, das den Tauben gestellt wurde, geht es nicht darum, die Klasse der Dreiecke oder die der Kreise oder die der Vierecke zu isolieren, sondern darum, von den Formen, Größen und Farben abzusehen (zu abstrahieren!) und die ganze Aufmerksamkeit der Anzahl zu widmen.

    Dass eine Gazelle eine Löwin gut klassifizieren können sollte, wenn sie überleben will, scheint klar. Die Abstraktionsleistung dieser Klassifizierung ist natürlich (verglichen mit der Rezeptor-Klassifikation des Einzellers) eine extrem luxurierte Leistung, weil sie ja richtig erinnert bzw. neu konstruiert werden muss. Die Abstraktionsleistung der Tauben beim "Zählen" sollte wohl in einer ähnlichen Leistungs-Skala gesehen werden, obwohl es sich eher um simultanes Schätzen handelt, das überdies einen Vergleich an Ort und Stelle zulässt (und keine schwierige Neukonstruktion wie bei Erinnerungen erfordert). Ich würde sagen, der (ähnlich wie in Mengenabbildungen) bildhaft mögliche simultane Vergleich ist die einfachere Aufgabe. Da wir wissen, dass Menschen genauso vorgehen, wenn sie nicht genug Zeit zum Zählen haben, könnten wir hier auch einen biologisch ähnlichen Mechanismus vermuten (jedenfalls für Lebewesen mit neuronaler Anlage).

    Bei der enzymatischen Katalyse im Einzeller geht es um organisch eingebaute Mengenoperationen, für die kein Bewusstsein und nicht mal eine Mehrzelligkeit erforderlich ist, weil derartiges "Zählen" als kybernetische Funktion eben schon in einzelnen Zellen vorhanden ist. Es ist selbstverständlich kein "bewusstes Zählen" (oder etwas ähnlich Anthropomorphes), aber offenbar ein kausal wirksames bzw. operatives. Anders gesagt, der Einzeller weiß nicht, dass er "zählt", aber er kann gewissermaßen gar nicht vermeiden, dass er es tut.


  • Und die Opfer?

    11.06.2012, ein ehec hus
    Und was ist aus den "Opfern" geworden? Wie kümmert man sich um die "Opfer"?

    Wer kommt für den finanziellen Schaden auf? Aldi & Co haben ihren Ausfall erstattet bekommen.

    Die Opfer leiden mit ihren Familien jeden Tag und jede Minute, jede Sekunde.
  • Lest das Buch. Aber...

    11.06.2012, Skar
    @Nicole. Das Buch kann ich durchaus empfehlen. Der Kollege hat gute Arbeit geleistet. Und dass dort mehr Informationen zu finden sind, liegt schlicht daran, dass es sich um ein Buch und keinen Artikel handelt (obwohl unser Text sowohl in der FAS als auch hier bereits alle üblichen Längennormen gesprengt hat). Uns aber Plagiat vorzuwerfen schmerzt, denn wir haben hier zwei Jahre Arbeit reingesteckt und keine Zeile aus dem Buch entlehnt. Es ergibt sich einfach, dass sich Berichte über eine (noch) kleine Szene und ihre (noch) wenigen Akteure ähneln. Das zeigt eigentlich nur, dass beide Journalisten offenbar sauber gearbeitet haben. Wer Kay Aull googelt, wird noch mehr Berichte über sie finden. Wir haben sie aber besucht, haben mit ihr gemeinsam experimentiert. Und ich erinnere mich auch nicht, dass der Autor des Biopunk-Buchs das Biohacken selbst probiert hätte.
    Jedenfalls freue ich mich über dein Interesse am Biohacken, und dass Du gute Bücher zum Thema empfiehlst, die das Thema diskutieren.
Anzeige