Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Glaube vs. Vernunft

    19.01.2012, Jakob Thomsen
    Jedes Mal, wenn das Thema "Glaube" auftaucht, überlege ich, ob ich mein "Spektrum der Wissenschaft"-Abonnement kündigen soll. Dann überlege ich mir, dass ich Spektrum seit über fünfzehn Jahren lese und dass ich die anderen, guten Artikel sehr vermissen würde. Ich versuche es also mit konstruktiver Kritik.

    Wenn das Thema "Glaube" schon drankommt, dann wäre es interessant, es wirklich wissenschaftlich zu untersuchen. Also zum Beispiel Neurologen und Psychologen zu Wort kommen zu lassen: Was passiert im Gehirn, wenn jemand an etwas glaubt? Gibt es so was wie ein "Glaubenszentrum" im Gehirn? Welche psychologischen Mechanismen wirken? So fällt zum Beispiel auf, dass das Positive in der Welt einer höheren Macht zugeschrieben wird, das Negative dagegen den Menschen. Wie kommt es zu dieser Spaltung?

    Interessant wäre auch die evolutionäre Sicht: Ist "Glaube" ein evolutionärer Vorteil oder das psychische Äquivalent zum Schnupfen, also eine lästige aber meist harmlose Fehlfunktion des Gehirns, deren Ursache darin liegt, wie unser Gehirn die Welt abbildet? "Simuliert" unser Gehirn etwa alle Objekte mit demselbem Mechanismus, als "Aktoren" mit bestimmten Zielen und Absichten, egal ob es sich um Menschen, Tiere, Steine oder Götter handelt?

    Interessant fand ich im Artikel den Ansatz zu versuchen, das Glaubenssystem widerspruchsfrei zu machen. Etwas, was nicht mit experimentellen Mitteln fassbar ist, mit mathematischen Mitteln zu untersuchen, erscheint sinnvoll. Die Mathematik, als Wissenschaft aller Muster und Strukturen, bietet vielleicht auch hier passende Werkzeuge an. Was mir hier fehlt, ist ein konsequentes Vorgehen. Bevor die "Arena" zur Diskussion "Glaube versus Vernunft" eröffnet wird, ist es notwendig, erst einmal die grundlegenden "Spielregeln" aufzustellen.
    (1) Analog zum antropischen Prinzip ließe sich festlegen, dass ein Glaubenssystem sich an die Logik bzw. Mathematik halten muss. Nicht, weil die Logik über "Glaube" steht, sondern weil wir sonst von Anfang an aufgeben müssten überhaupt darüber zu reden. Insbesondere gilt das mathematische Werkzeug "Beweis durch Widerspruch".

    Das reicht leider erfahrungsgemäß nicht aus, da in glaubensbezogenen Diskussionen oft "Logikfouls" auftreten. Vielleicht wäre ein logisch/rhetorisch gewandter Linguist hier gefragt, der übliche Fehler und Tricks aufzeigt und analysiert. Beispiel: Beliebt ist etwa, die implizierten Voraussetzungen zu wechseln, z. B. einen Gott mal als "allmächtig" darzustellen (erschafft die Welt, die Naturgesetze, das Jenseits etc.), anderseits als hilflos den Umständen ausgeliefert (muss hilflos mitansehen, wie die Menschen Übles tun). Begründet wird dies oft mit folgender Verneblungstaktik: Man könne nicht wissen, ob Allmächtigkeit oder Hilflosigkeit zutreffen.

    Daraus folgt die nächste Regel:
    (2) Die unterschiedliche Szenarien dürfen nicht vermischt werden. Entweder wir befinden uns im Szenario A, "dauerhaft allmächtiger Gott" oder im Szenario B "dauerhaft hilfloser Gott". Besteht jemand darauf, A und B zu kombinieren, eröffnen wir das Szenario C "variabel-mächtiger Gott" usw. Es können beliebig viele Szenarien sein, wichtig ist nur dass klar ist, über welches wir gerade sprechen. In diesem Beispiel gehört etwa die Formulierung "Gott lässt Leid zu" ins Szenario B oder C, die Formulierung "Gott verursacht Leid" hingegen in A oder C.

    Ein weiteres verbreitetes "Foul" besteht darin, dass Widersprüche mit der Frame "warum?" oder dem Verweis auf ein "tiefes Geheimnis" verschleiert werden. Hier die Funktionsweise an einem trivialen (mathematischen) Beispiel:
    Behauptung: Es gibt nur endlich viele natürliche Zahlen.
    Überlegung: Wenn n die größte Zahl wäre, ließe sich n + 1 bilden.
    Dieser Widerspruch zur Behauptung lässt sich nicht "reparieren". Weder durch die Frage "warum gibt es n + 1?" noch durch die Aussage "n + 1 ist ein tiefes Geheimnis". Die Behauptung ist ganz einfach und für immer widerlegt.
    Das führt zu folgender Regel:

    (3) Tritt in einem Szenario ein Widerspruch auf, so ist dieses Szenario damit ein für alle Mal erledigt, d. h. diese spezielle Kombination von Voraussetzungen existiert nicht. Dieses Szenario lässt sich nicht "reparieren". Man kann nur versuchen, eine oder mehrere Voraussetzungen zu ändern. Damit entwirft man aber ein neues Szenario, d. h. Schlussfolgerungen aus dem widerlegten können nicht ungeprüft übernommen werden. Stellt sich heraus, dass eine Voraussetzung in sich widersprüchlich ist, so sind alle Szenarien, die diese Voraussetzung enthalten, ungültig. Diese Regel scheint oft missachtet oder missverstanden zu werden, daher hier einige Beispiele:

    Beispiel: der Allmächtigkeitsbegriff. Kann irgendetwas allmächtig sein? Angenommen X wäre allmächtig. Dann könnte X einen Gegenstand erschaffen, den nichts (auch X selbst) niemals verändern (z. B. zerstören) kann. Kann X so einen Gegenstand nicht erschaffen, so ist X trivialerweise nicht allmächtig. Gelingt es X anderseits so einen Gegenstand zu schaffen, so ist X auch nicht allmächtig, denn dann gibt es etwas, das X nicht kann: diesen Gegenstand verändern. (Erschafft anderseits X so einen Gegenstand und kann ihn doch verändern, so hat X "geschummelt": der Gegenstand war nicht unveränderbar). Alle Szenarien, die als Annahme einen allmächtigen Akteur voraussetzen, sind also hinfällig. Für jedes der betroffenen Szenarien (z. B. A, C, ...) können wir nur eine modifizierte Version (z. B. A', C', ...) untersuchen, die dann z. B. den Begriff "allmächtig" etwa durch "sehr mächtig" ersetzt.

    Ein komplizierteres Beispiel:
    Immer wieder wird der "freie Willen" ins Spiel gebracht. Der Begriff ist umstritten und nicht richtig definiert. Unterscheiden wir daher zwischen mehreren Typen "freien Willens", die es geben könnte: der "starken" und schwachen" Variante. "Starker" freier Wille besagt, dass eine Entscheidung nur frei ist, wenn sie nicht vorhergesagt werden kann. Könnte man sie vorhersagen, so wäre sie festgelegt und nicht mehr frei (könnte man sie entgegen der Vorhersage ändern, so wäre es keine richtige Vorhersage). "Schwacher" freier Wille würde dagegen akzeptieren, dass eine Entscheidung festgelegt bleibt auch wenn neue Informationen, hier eben in Form der Vorhersage des Verhaltens, eintreffen. Kombinieren wir das mit dem Begriff "Allwissenheit", so zeigt sich, dass "Allwissenheit" nicht mit "starkem" freien Willen verträglich ist: Allwissenheit" beinhaltet das eigene Verhalten im Voraus zu kennen. Nur "schwacher" freier Wille ist mit "Allwissenheit" verträglich. Es gibt in dieser Art weitere einander ausschließende Voraussetzungen. Leider scheinen diese Zusammenhänge wenig beachtet zu werden.

    Eine Hypothese:
    Glaubensssysteme sind in sich notwendigerweise widersprüchlich. Aus einem Widerspruch kann bekanntlich alles gefolgert werden, und genau das ist wohl das Ziel. Die Widersprüche werden durch Denkverbote ("kein Bild machen!") geschützt oder als "Geheimnisse" und "tiefe Wahrheiten" verschleiert, bzw. hinter Fragen versteckt, um keine Konsequenzen daraus ziehen zu müssen "Aber WARUM gibt es diesen Widerspruch?". Widersprüche zu verstecken statt ihre Konsequenzen zu akzeptieren bringt darüber hinaus immer neue Konzepte als "Ausrede" hervor, wie z. B. den "freien Willen" (der dazu dient zu verschleiern, dass ein Wesen, das die Welt erschafft auch die Verantwortung dafür trägt) so dass das resultierende Gebilde weit komplexer erscheint, als es ist. Auch der "Sinn des Lebens" dient zu dazu, von etwas abzulenken: Der Tatsache, dass die (meisten) Menschen sich eine gute Welt wünschen, aber stattdessen eine Welt vorfinden, in der es auch Leid gibt. Es ist nicht der Zweck des Konstrukts "Sinn des Lebens", gefunden zu werden. Kein Leid wäre weniger schlimm, wenn klar wäre, "warum"/"wozu" es passiert! Die Suche nach dem Sinn lenkt schlicht davon ab, das die Welt nicht so ist, wie wir sie gerne hätten. Um es auf den Punkt zu bringen: Der "Sinn des Lebens" ist irrelevant! Im Grunde möchte jeder Mensch doch nur ein glückliches Leben leben.

    Fazit: wenn das Thema "Glaube" schon unbedingt im Spektrum vorkommen muss, dann wünsche ich mir eine Diskussion auf WISSENSCHAFTLICHEM Niveau!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Thomsen, viele der Beispiele, die Sie diskutieren, und auch die Art, wie Sie sie diskutieren, sind vollkommen auf dem Niveau der heutigen analytischen Religionsphilosophie. Ihre Schlussfolgerungen sind aber manchmal etwas zu schnell. Das Allmachtsproblem mit dem unveränderbaren Gegenstand z. B. wird schon seit Jahren diskutiert. Die Lösung, die Ihnen entgangen zu sein scheint, ist, dass ein allmächtiges Wesen aufhören könnte, allmächtig zu sein. Dann kann es tatsächlich etwas Unveränderbares erschaffen – es muss nur zugleich seine Allmacht ablegen. Oder, eine andere Lösung: Etwas Unveränderbares zu erschaffen ist grundsätzlich logisch unmöglich, und zwar völlig unabhängig davon, ob ein Wesen allmächtig ist oder nicht. Logisch Unmögliches kann man aber von einem allmächtigen Wesen nicht fordern (oder Allwissenheit ist trivialerweise ein leerer Begriff)! Was Sie über die Unerträglichkeit von Widersprüchen schreiben hat meine vollste Zustimmung. Verstecken, Ausreden erfinden oder Ablenken sind nicht statthaft. D’accord. Deshalb hatte ich in meinem Artikel ja auch einige anscheinende Widersprüche sehr deutlich herausgestellt. Sie sollten den Theologen nur nicht pauschal unterstellen, sich vor den Problemen zu drücken. Bedenken Sie z. B., dass theologische Forschung im Durchschnitt etwas anderes ist, als das, was manches fromme, aber einfach gestrickte Blättchen so schreibt. Und auch die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ so pauschal als Ablenkungsmanöver darzustellen, schießt wohl über Ihr Ziel hinaus. Das ist eine ernsthafte Frage, die Menschen umtreibt, ob sie nun religiös oder nichtreligiös sind! Schließlich ein letzter Punkt: Wenn Sie die mathematisch-logischen Methoden erwähnen, sollte auch klar sein, dass ein indirekter Beweis (=ein Beweis durch Widerspruch) NICHT erlaubt, auf die Falschheit aller, sondern nur auf die Falschheit mindestens einer Prämisse zu schließen (oder auf die inkompatible Formulierung der Prämissen). Man kann also mit Widersprüchen durchaus wissenschaftlich umgehen und sich z. B. fragen, welche der Prämissen man verwerfen muss oder wie man die Prämissen vernünftig umformulieren sollte. Es gibt darüber hinaus auch eine so genannte „parakonsistente Logik“ (Graham), die dem Faktum Rechnung trägt, dass wir in unseren Alltagsüberzeugungen oft beides haben: Widersprüche und logische Zusammenhänge.

    Christian Tapp
  • Deprimierende Entwicklung nicht nur für grüne Gentechnik

    19.01.2012, E. Bieski
    Leider scheinen die Deutschen ein wenig risikoreiches Völkchen zu sein. Das mag seine Gründe haben. Einer der Gründe liegt in den immer weniger vorhandenen biologischen und physikalischen Interessen und damit auch Kenntnissen breiter Bevölkerungsschichten. Das nutzen interessierte Kreise aus, um ihr eigenes Süppchen zu kochen. Man hat den Menschen ein Sicherheitsbedürfnis und dessen mögliche Erfüllung für alle Lebenslagen ja direkt suggeriert, obwohl in der Natur das Leben selbst mit den größten Risiken belastet ist.

    Durch diese Einstellung breiter Schichten wird technischer Pioniergeist und die Wissenschaftsforschung gerade für neue und noch nicht weltweit etablierte Grundlagen und Prozesse mehr und mehr nun auch nach außerhalb Deutschlands abwandern. Wen wundert es. Aber gerade diese Prozesse sind es, die vor allem unsere wirtschaftliche Zukunft mitbestimmen. Ohne Risiko keine Weiterentwicklung und kein Fortschritt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Auswirkungen klar erkennbar werden. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät für Kurskorrekturen.
  • Deprimierende Entwicklung

    19.01.2012, Ulrich Heemann
    Ich finde es bezeichnend, hier die redaktionelle Einschränkung "Die Meinungen unserer Autorinnen und Autoren geben nicht unbedingt die Position der Redaktion wieder" eingefügt zu finden, die nach meiner Erinnerung auch in anderen Kommentarbeiträgen keineswegs immer beigefügt war.

    Verbirgt sich dahinter tatsächlich ein Meinungsstreit in der Redaktion (was diese Einschränkung rechtfertigen würde) oder ist es nur die gleiche Angst, die auch andere angesichts des zu erwartenden Widerspruchs einiger gesellschaftlicher Gruppen in solchen Situationen befällt und eine klare Positionsbeziehung oder - besser - substanzielle Positionsabwägung verhindert resp. diese nur einzelnen Vertretern überlässt.

    In jedem Falle würde ich mir (mit der Bitte, obige etwas polemische Fragerstellung nicht zu persönlich zu nehmen) wünschen, dass zur grünen Gentechnik endlich einmal eine fundierte Darstellung aller Argumente und Gegenargumente erschiene, die mit solcher Ernsthaftigkeit erstellt würde, dass niemand an dieser Zusammen- bzw. Gegenüberstellung und ggf. auch den entsprechenden politischen Konsequenzen vorbei käme. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass hierzu in Ihrer (sehr guten!) Zeitschrift schon einiges zu diesem Thema erschienen ist, aber (nach meiner Erinnerung) eher punktuell.

    Mut!

    Mit freundlichen Grüßen,
    U. Heemann
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Heemann,

    vielen Dank für Ihre Zuschrift. Nach interner Diskussion sind wir zum Schluss gekommen, dass dieser Zusatz zukünftig bei allen Kommentaren standardmäßig erscheinen soll, gleich ob sie in der Redaktion erstellt oder von Gastkommentatoren geliefert werden (er wurde bereits nachträglich in einige Kommentare der letzten Zeit eingefügt).

    Ihre Anregung nehme ich ebenfalls dankend auf, dieses Thema brennt uns schon länger auf den Nägeln und sollte bald umgesetzt werden.

    Mit freundlichen Grüßen
    Daniel Lingenhöhl
    Redaktionsleiter Online
  • Beben bei Gasförderung

    18.01.2012, Frasuli
    Nahe Hannover hatte es vor einigen Jahren bei der Gasförderung deutlich spürbar gebebt. Ganz so ruhig, wie im Artikel beschrieben, ist also auch der Norden nicht.
  • Keine Probleme in Potzham bei München

    18.01.2012, Geothermiker
    Probleme in Potzham?
    Da hätte der Verfasser mal etwas mehr recherchieren sollen und nicht nur in der Wikipedia blättern.
    Das Beben bei Unterhaching (von der dortigen Geothermieanlage) war nur von Geräten gemessen worden (also ein Mikrobenen) und verursachte dort keine Probleme. Weder technischer Natur, geschweige denn dass irgendwelche Anwohner sich beschwerten.
  • Wenn schon Ökonomie, dann aber richtig!

    18.01.2012, Peter Spang
    Die Tötung von Walen, aus welchen Gründen auch immer, ist anachronistisch, irrational und wirtschaftlich sinnlos.
    Der Versuch, sie durch ein ökonomisches Mäntelchen in geordnete Bahnen zu lenken, erscheint mir ähnlich sinnvoll, wie den Stierkampf über erhöhte Eintrittspreise abschaffen zu wollen.
    Wer soll den "Preis" eines Wales festlegen? Diejenigen , die mal wieder den Preis von allem und den Wert von nichts kennen? Fällt der Preis, ist der Wal dann auch nichts mehr wert?
    Wer soll Fangquoten von Arten festlegen, die möglicherweise ihre Reproduktionsfähigkeit längst unterschritten haben? Unsere Freunde vom IWC und die "wissenschaftlichen" Waljäger?
    Ich hoffe nicht, daß dies die ernste Meinung der Autoren ist.
    Allein die aus dem Whale-Watching erzielten Gewinne lassen die Rechnung was der Walfang "erwirtschaftet" mit Sicherheit lächerlich erscheinen.
  • Luther und die Vernunft

    18.01.2012, Prof. Dr. Jürgen Hübner, Mauer bei Heidelberg
    Es ist sehr zu begrüßen, dass in einer naturwissenschaftlichen Zeitschrift auch Grundfragen diskutiert werden, die allem Wissen vorausliegen. Hier nur eine Anmerkung zur Bildunterschrift auf Seite 59: Luther ("polemisierte gegen die Vernunft") kann auch sagen: "In der Tat ist es wahr, dass die Vernunft (ratio) Sache und Zentrum (res et caput) aller Dinge sei, das Beste und Göttliche vor den übrigen Dingen dieses Lebens." (Weimarer Ausgabe 39/I, 175, 9f.) Sie kann die Vorgänge in der Natur und unsere Welt erschließen. Gott allerdings, und das meint Luther, kann sie nicht erfassen. Behauptet sie das zu können, übernimmt sie sich, wird - in Luthers deftiger Sprache - "zur Hur". Umgekehrt ermächtigt aber die Wirklichkeit Gottes gerade zum Denken - also auch zur Naturwissenschaft. In dieser Perspektive kann Naturwissenschaft auch nicht zu einer alles umfassenden Ideologie werden, die Sinn und Bedeutung menschlichen Lebens und des Lebens überhaupt nivellieren würde.
  • Vielleicht finden sie auch bald die Bande, an der die Mikrowellen reflektiert wurden.

    17.01.2012, A.Lien
    Die Technik ist weiter als die Theorie. Mikrowellenstrahlung von "damals" könnten wir heute nur empfangen, wenn sie an irgend etwas reflektiert und zurückgeworfen wurde. Aber wenn sich der Theorie nach das Weltall damals noch nicht wesentlich über 380.000 Lichtjahre (Radius) ausgedehnt hatte - was sollte den vorauseilenden Wellen die Reflexionsfläche bieten, von der wir heute die Signale empfangen?
  • IWC Total korrupter Haufen!

    17.01.2012, Alfred Schloch
    "Es gibt einige Hürden, ein solches System zu etablieren, insbesondere die Fragen, was als nachhaltig einzustufen wäre und wie die Anteile verteilt werden sollten. Wir denken aber, dass der IWC in der Lage ist, die richtigen Antworten zu finden." Das ist eine lächerliche Aussage. Der IWC hat überhaupt keine Ahnung und besteht zum Großteil aus von Japan bezahlten (bestochenen) Dritte-Welt-Ländern. Er ist zu gar nichts in der Lage.
  • corticale neuroregeneration bei hemiplasie

    17.01.2012, Dr.Hans-Joachim Scheel
    nach hämorhagischen apoplex ist nach der plastizität von nervenzellen zu erwarten, dass die intakte gehirnhemisphäre die ausgefallenen funktionen ihrer anderen hälfte teilweise kompensieren kann. dieser vorgang erleichtert die rehabilitation von motorischen bewegungsabläufen bei halbseitenlähmung nach hirnblutung
  • Immunsystem

    17.01.2012, Dr. Peter Ziegler, Alsbach
    Die übertriebene Hygiene unserer Zeit ist sicher ein Faktor, der das Training des frühkindlichen Immunsystems verhindert. Wie sagten schon die Alten? "Sieben Kilo Dreck pro Jahr muss das Kind mitnehmen, damit es gesund gedeiht." Sieben Kilo sind sicher übertrieben, aber wenn man die Fernsehreklame anschaut, in der suggeriert wird,im normalen Haushalt muss man mit Desinfektionsmittel den Boden putzen, dann kann man nur fordern, die Bevölkerung aufzuklären, dass das Unfug ist!
  • Scholastische Metaphysik immer noch aktuell

    17.01.2012, Patrick Sele
    Prof. Tapp schreibt: „Daraus ergibt sich auch etwas für das Verhältnis von Theologie und Philosophie. Weder die große mittelalterliche Synthese aus beiden noch die extrem religionskritischen philosophischen Standpunkte scheinen unverändert Bestand zu haben.“

    Was die mittelalterliche Synthese aus Theologie und Philosophie anbetrifft, so ist Prof. Tapps Einschätzung möglicherweise zu pessimistisch. Wie der amerikanische Philosoph Edward Feser in seinem Buch „Aquinas: A Beginner’s Guide“ (Oxford: Oneworld Publications, 2009) aufzeigt, ist die auf der Metaphysik des Aristoteles aufbauende scholastische Metaphysik nie widerlegt worden.
  • Segen für die Menschheit

    16.01.2012, Heinz J. Bredl, Schwäbisch Gmünd
    Der Artikel beginnt mit dem zentralen Satz: „Die Theologie reklamiert für sich rationales Denken und Wissenschaftlichkeit.“ Die Beanspruchung dieser Prädikate durch diese Disziplin ist wohl an Tollkühnheit kaum überbietbar.

    Für die Einordnung in die Kategorien „rationales Denken“ und „Wissenschaftlichkeit“ gelten Kriterien. Für beide Kategorien, als auch für Argumente simpler Alltäglichkeit, sind es dieselben. Sie wurden von vielen über einen langandauernden Prozess herausgearbeitet und erlangten Anerkennung. Sie sind anerkannt, nicht weil sie jeder Art der Hinterfragung standhalten, sondern weil sie praktisch sind. Praktisch sind sie, weil sie ermöglichen, Gehirngespinste, Märchen und Lügen von Aussagen zu unterscheiden, die das nicht sind. Bessere Kriterien werden jederzeit willkommen geheißen. Es gibt jedoch zurzeit keine; auch nicht in den erlauchtesten Kreisen der Natur- und Geisteswissenschaften, und schon gar nicht in der Theologie und Philosophie. Auch die Theologie muss sich ihnen stellen, wenn sie ernst genommen werden will; stellt sie sich jedoch diesen, kann sie nicht ernst genommen werden.

    Erstes Kriterium: Eine Aussage, bzw. eine Hypothese muss „verifizierbar“ sein. Das heißt lediglich: Sie muss in einen Kontext plausibler Belege und Begründungen hineingestellt werden und diese müssen nachprüfbar sein.

    Zweites Kriterium: Eine Hypothese muss „falsifizierbar“ sein. Das heißt: Sie muss widerlegbar sein. Nicht falsifizierbar ist z.B. eine Hypothese dann, wenn sie logisch so aufgebaut ist, dass sie selbstbestätigend ist,
    oder sich selbst widerspricht oder wenn sie den Anspruch erhebt, nicht widerlegt werden zu können.

    Drittes Kriterium: Wenn eine Aussage/Hypothese nur aus Begründungen besteht, die nicht verifizierbar/nachprüfbar sind, so darf diese nicht Bauelement weiterer Rückschlüsse, Hypothesen, Theorien- und Organisationsbildungen sein; auch solche Begründungen müssen jedoch falsifizierbar sein.

    Viertes Kriterium: Da alle Hypothesen, welche die Vergangenheit betreffen, in der Gegenwart aufgestellt
    werden -- da alle Hypothesen, welche die Zukunft betreffen, in der Gegenwart aufgestellt werden -- und da alle Hypothesen, welche die Gegenwart betreffen, in der Gegenwart aufgestellt werden, müssen Hypothesen aller Fälle mit Argumenten und Belegen der Gegenwart verifizierbar und falsifizierbar sein (es ist in allen Fällen gar nicht anders möglich).

    Ob die Theologie mit ihrem Anspruch rationalen Denkens und Wissenschaftlichkeit diesen Kriterien standhält, ist leicht überprüfbar. Warum? Weil der Theologie das einfachste, weil überschaubarste Konzept aller natur- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen zu Grunde liegt: Sie hat eine einzige Basisaussage, nämlich: „es gibt einen Gott“, und von dieser einen hängen alle anderen (theologischen) Aussagen und Thesen existentiell ab. Eine Aussage „es gibt keinen Gott“ (egal, was immer darunter verstanden wird) oder die Hypothese „es könnte vielleicht einen Gott geben“ würde die Theologie zwangsweise auflösen.

    Da die Theologie die in der (Natur-)Wissenschaft und auch im alltäglichen Leben geltenden Spielregeln und Grundsätze gemäß der genannten Kriterien missachtet, kann man ihr weder rationales Denken noch Wissenschaftlichkeit noch Vernunft zubilligen. Die Theologie – und mit ihr verwandte Geisteshaltungen – hält sich nicht wegen einer zu Grunde liegenden Rationalität oder aus Vernunftgründen am Leben. Sie überdauert, und damit der Glaube an einen Gott und an ein Jenseits, weil die Menschen die Unvernunft aus allerlei Gründen der Schwäche lieben und akzeptieren und weil diese Unvernunft mit Heilsversprechungen so effektiv als Religion und Kirche organisiert ist.

    In der angespannten Rechtfertigungsdialektik und Wortakrobatik heutiger Theologie weisen Anzeichen darauf hin, dass man, nachdem man bereits gezwungen war, Himmel, Hölle und Teufel abzuschaffen, es für möglich hält, auch den „Gott“ abschaffen zu müssen. Es wäre ein Segen für die Menschheit und würde der intellektuellen Selbstkastration endlich ein Ende bereiten, welche sich die Theologen, die „Gläubigen“, die Religionsanhänger unterziehen.
  • Erkennen Wissenschaftler Wunder?

    16.01.2012, Andreas Pohl, Bronschhofen (Schweiz)
    Lieber Herr Voland,
    Ihre Bemerkung im Interview, Wunder, die gegen die Naturgesetze verstießen, könnten von Naturwissenschaftlern erkannt werden, hat mich stutzen lassen. Auch wenn ich bis anhin kein so offensichtlich materielles Wunder erlebt habe, frage ich mich doch, wie die Wissenschaft ein potenziell einmalig auftretendes und ebenso unerwartetes wie unglaubliches Ereignis erfassen könnte. Im entscheidenden Moment wären sicherlich keine Messapparaturen installiert, oder die Messergebnisse würden als statistischer Ausreißer ausgeblendet, und nachprüfen bzw. reproduzieren ließe sich ja auch nichts mehr.

    Müsste die Aussage folglich nicht lauten: Wissenschaftler sind prinzipiell blind gegenüber Wundern?

  • Kann man die Welt kausal beschreiben?

    16.01.2012, Alexander Besch, Gifhorn
    Wenn ein erfolgreicher Atomphysiker nach Hause kommt und einen Brief seiner Ehefrau vorfindet, in dem sie ihm erzählt, dass sie sich von ihm trennen will, dann wird er sich die Frage stellen, wie viel er von der „wirklichen Welt“ tatsächlich verstanden hat. Sind es denn nicht nur winzige, teilweise unzusammenhängende Stücke der Realität, für die Wissenschaftler Gesetzmäßigkeiten entdecken und Modelle aufstellen. Sind unsere Gehirne überhaupt in der Lage, das große Ganze jemals zu verstehen? Warum teilen wir denn die Wissenschaft in Teildisziplinen wie Quantenmechanik, Chemie, Molekularbiologie, Medizin, Psychologie usw. ein und untersuchen sie separat? Vielleicht kann ja tatsächlich ein Psychologe unserem Atomphysiker mit Modellen aus seiner Welt weiterhelfen, aber Sicherheiten gibt es dafür nicht, und er wird ganz bestimmt nicht erklären können, welche quantenmechanischen Zustandsänderungen dafür verantwortlich waren, dass die Ehefrau drei Monate vorher den gut aussehenden Assistenten des Professors kennen gelernt hat. Ich weigere mich zu akzeptieren, dass man die Welt kausal beschreiben kann.

    Im Mathematikstudium habe ich durch das Arbeiten und durch das funktionierende Erzielen von Aussagen mit Gedankenstrukturen, die ich mir nicht vorstellen kann, gelernt, wie beschränkt der menschliche Geist ist, und dass man die Möglichkeit der Existenz von Dingen, die man sich nicht vorstellen kann, akzeptieren kann. Man kann sich nur eine kleinere Intelligenz als die eigene vorstellen, nicht eine größere. Wenn davon gesprochen wird, dass Gott Gebete hört, vergibt, straft, liebt, urteilt, eingreift, Leid geschehen lässt, dann gehen wir doch stillschweigend davon aus, dass Gott eine Person darstellt, ähnlich wie wir es sind, mit nur mehr Macht. Gott in dieser Vorstellung ist ein Abbild des Menschen. Vielleicht steckt hinter Gott doch viel mehr, als was sich über „eine Person“ beschreiben lässt. Vielleicht ist bei Gott auch eine ganz andere Logik und Vernunft als die unsere anzufinden. Eine, in der die Aussage „für jede Religion gilt: sie ist die einzig wahre“ richtig ist. (Das könnte man z. B. auflösen über: der Sinn des Lebens ist es, über den Sinn des Lebens nachzudenken.)

    Man kann jedenfalls feststellen, dass die Welt so beschaffen ist, dass uns das Herausfinden von Zusammenhängen innerhalb kleiner Teilaspekte der Realität vergönnt ist. Das ist doch immerhin nett von der Realität, dass sie das zulässt! Genauso aber scheint eine Eigenschaft der Welt zu sein, dass wir das große Ganze bei heftigster Grübelei nicht ergründen. Vielleicht gibt es diese beiden Eigenschaften ja mit Absicht.

    Dass die Realität einfach nur ist, ohne Grund und Ursache, kann ich mir nur schwer vorstellen.