Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Die Notwendigkeit einer zweiten Aufklärung

    11.01.2012, Helmut Hansen
    Es ist eine unbestreitbare Tatsache, dass der Glaube an eine transzendente Dimension des Seins Menschen auch heute noch umtreibt. Es gibt wohl kaum einen Gegenstandsbereich, der emotional so polarisierend ist wie dieser. Die beiden vorausgegangenen Kommentare belegen dies auf eine sehr eindrückliche Weise. Die Existenz dieses Bereichs wird ebenso heftig bestritten, wie sie behauptet wird. Doch bis heute gibt es nicht die allergeringste objektive Grundlage für oder gegen die Existenz dieser transzendenten Sphäre.

    Es ist eine historisch seltsam anmutende Tatsache, dass gerade der Gegenstandsbereich, der allem zu Grunde liegen soll, bis heute wissenschaftlich unaufgeklärt geblieben ist. Wir haben die Struktur der Materie aufklären können, den Kode des Lebens entschlüsselt und sind im Begriff, die Energie der Sonne zu bändigen, doch das Transzendente ist nach wie vor Gegenstand diffuser Überzeugungen.

    Um seine Existenz zu behaupten, beziehen wir uns auf Texte, deren Ursprünge sich im Dunkel der Zeit verlieren. Als Papst Johannes Paul II. 1998 seine Enzyklika FIDES et RATIO publizierte, war dies zugleich der Ruf nach einer modernen Metaphysik - ein Ruf, der bis heute allerdings unbeantwortet geblieben ist.

    Doch Metaphysik als Wissenschaft ist möglich! Was sie möglich macht, sind gerade jene Eigenschaften, die auch dem christlichen GOTT zugeschrieben worden. Es sind beispielsweise Eigenschaften wie die der ALLGEGENWART (Psalm 139 und der UNSICHTBARKEIT (Röm 1, 20).
    Es sind diese speziellen Eigenschaften, die das Transzendente von allen uns bekannten Forschungsgegenständen unterscheiden. Doch bis heute ist niemand systematisch der Frage nachgegangen: Wie muss eigentlich ein Universum aussehen, wenn sein letzter und ultimativer Grund durch diese speziellen Eigenschaften charakterisiert sein soll?

    Es ist unmittelbar einsichtig, dass ein Universum mit unsichtbarem Grund sehr speziellen Bedingungen genügen muss. Der Physiker Albert Einstein hat sich stets die Frage gestellt, ob Gott bei der Schaffung des Universums eine Wahl hatte - oder ob spezielle Bedingungen, wie die der logischen Einfachheit, überhaupt eine Wahl zuließen. Es ist nahe liegend anzunehmen, dass Gott, wenn er auf der Bühne des sichtbaren Universums unsichtbar bleiben wollte, dasselbe auf eine sehr spezielle Weise einzurichten hatte.

    Die durch die vorgenannten Eigenschaften diktierten Bedingungen lassen sich in der Tat spezifizieren - mit dem höchst überraschenden Ergebnis, dass u-n-s-e-r Universum eben diese Bedingungen empirisch (!) zu erkennen gibt; wenigstens näherungsweise.

    Diese Art von wissenschaftsorientierter Metaphysik hat indessen einen Preis: Wenn die UNSICHTBARKEIT dieses ultimativen Grundes das ebenso zwangsläufige wie natürliche Ergebnis einer spezifischen Konzeption des Universums ist, dann wäre es einem solchermaßen definierten Gott nicht länger möglich, sichtbar in Erscheinung zu treten - weder zu Beginn noch am Ende der Zeit. Unsichtbarkeit wäre, so verstanden, eine temporär unaufhebbare Eigenschaft Gottes.
    Mit anderen Worten: Eine moderne Metaphysik, die diesem Gedanken folgt und Bestand hätte, würde dramatische Folgen für unser Gottesbild haben.

    Ob unsere "aufgeklärte" Gesellschaft an derlei Untersuchungen Interesse hat, ist indessen eine offene Frage.
  • Ein umfassendes Problem

    11.01.2012, Sören Schewe
    Richtig, Antibiotikaresistenzen sind ein umfassendes Problem, sogar derart umfassend, dass wir vor lauter Kritik an der Landwirtschaft diesbezüglich nicht vergessen sollten, dass hier auch die Humanmedizin eine wenig rühmliche Rolle spielt. Die Akteure mögen andere sein, das Problem ist es aber nicht. Genau das steht im obigen Kommentar. Dass es in der Landwirtschaft weniger Forschung, Handlungswillen, Leitlinien oder gar Öffentlichkeit gäbe, kann ich übrigens nicht bestätigen. Wann hast Du denn zuletzt etwas über Krankenhauskeime gelesen/gesehen? Über "Massentierhaltung" lese ich ständig.
  • Kritik an der reinen Unvernunft

    11.01.2012, Martin Schmaude, Esslingen
    Worum geht es eigentlich in diesem Artikel? Es geht um zwei Grundtexte (die allerdings im Laufe der Jahrhunderte mannigfaltigste Umgestaltungen und Verkehrungen erfahren haben): Das Alte Testament und das Neue Testament. Darum herum wurde ein unglaublicher Wust von Sekundärliteratur geschaffen. Diese wiederum hatten und haben hauptsächlich das Ziel die Grundaussagen der Urtexte zu interpretieren und im Großen und Ganzen als wahr darzustellen. Ein für den modernen Geist unerhörter und unglaublicher Vorgang! Man stelle sich vor, beinahe alle Betrachtungen, Besprechungen, Diskurse, Klubs, Foren, Bücher die über STAR TREK geschrieben, gedreht oder anderweitig publiziert wurden hätten zum Ziel den Grundwahrheitsgehalt dieser Serie zu beweisen. Das Ganze wäre der völligen Lächerlichkeit preisgegeben. Nicht so bei den genauso fantastischen, ungereimten und unsinnigen Erzählungen der beiden Bibelteile. Beinahe unwillkürlich kommt mir dabei Monty Python in den Sinn: „Betet den Schuh an!“
    Das Gedankenspiel darf erlaubt sein: Was, wenn im Alten Testament tatsächlich durch historische Gründe bedingt kein unsichtbarer Gott, sondern ein Schuh angebetet werden würde und im Neuen Testament sagen wir, ein Schuhmachersohn für die Erlösung der Welt (was immer das sein soll) geopfert werden würde? Nun, man darf annehmen, dass die Theologie durchaus auch dies mit hermeneutischen Zirkeleien zu untermauern versuchen würde. Mit anderen Worten: Ganz gleich, was in den Grundtexten auch für Aussagen stehen mögen, würde eine entsprechende Theologie mit aller Macht versuchen, diese Aussagen zu rechtfertigen. Der Inhalt ist also gänzlich unwichtig, nur die Beweisführung ist wichtig. Was für eine Schande!

    Bereits die Tatsache der im Lauf der Zeiten völlig unterschiedlichen religiösen und vorreligiösen spirituellen Systeme zeigt, dass Inhalte hier völlig irrelevant sind (und irr genug). Animismus, Schamanismus, Hinduismus, der Glaube der alten Ägypter, der Sumerer, Vielgötterei oder die Vorherrschaft weiblicher Gottheiten in so genannten Gartenbaukulturen zeigen doch schlagkräftig, wie unsinnig es ist, Inhalte (theologisch oder sonst wie) beweisen zu wollen. Es handelt sich ganz einfach bei all diesen literarischen Schöpfungen um historisch bedingte irreale Räume, die der menschliche Geist durchschwirrt und erfindet!

    Zu einzelnen Abschnitten im Artikel:

    „Wie aber kann man von Vernunftfreundlichkeit sprechen, wo sich doch der Glaub so häufig in Widersprüche verstrickt: mit den Ergebnissen der Naturwissenschaften, mit den Vernunfterkenntnissen der Philosophie und sogar mit sich selbst?“
    Man muss unbedingt noch ergänzen: Mit den Glaubensvorstellung praktisch aller anderen religiösen Systeme und der auch in krassem Widerspruch zur so genannten Alltagsvernunft steht, die z.B. davon ausgeht, dass das, was immer im bekannten Lebensraum geschieht, auch im unbekannten geschieht (z.B. dass Menschen nicht vom Tod wiederaufstehen wie Lazarus).
    Aber wem fällt da nicht fast automatisch Tertullian ein, der da schrieb:
    »Gestorben ist Gottes Sohn; es ist ganz glaubhaft, weil es ungereimt (ineptum) ist. Und begraben, ist er auferstanden: es ist gewiss, weil es unmöglich ist.«
    De carne Christi V.
    Bei allem Respekt, aber eine Person, die solches von sich gibt, würde in einem anderen Kontext als schwer psychisch krank und dissoziiert gelten. Völlig fehlender Realitätsbezug. Vernunft aber hat doch mit Realität eine äußerst innige Beziehung. Das kann man vom Christentum (und anderen Religionen) wohl kaum behaupten.
    „Die Texte der Bibel oder der frühen Konzilien sind in einer ganz anderen Zeit als der unsrigen geschrieben worden, mit anderen Absichten und Zielen, mit einem anderen geistigen Horizont. Nur selten ist es ihre Hauptabsicht, von einem historischen Geschehen zu berichten. Meist gehören sie zu anderen literarischen Gattungen.“

    Nun, ich würde mal sagen sie gehören zusammen mit der Bibel hauptsächlich mal in die Gattung „Phantastische Literatur“. Ihr Wahrheitsgehalt dürfte den eines „Herrn der Ringe“ kaum übersteigen.
    Interessanterweise gibt es ja wohl Hinweise darauf, dass z.B. das fünfte Buch Moses von den damaligen Priestern eigenhändig geschrieben, dann versteckt und hernach (Tusch) von denselben „gefunden“ wurde um es als große Göttliche Offenbarung herauszubringen. Literatur, die vorgibt eine Offenbarung zu sein bleibt natürlich trotzdem Literatur. Etwas, was die Theologie wohl nicht begreifen möchte!

    „Das hermeneutische Problem hat sich seit der Antike weiterentwickelt. Heute liegen ausgearbeitete philosophische Hermeneutiken und Interpretationstheorien vor. Sie ermöglichen eine sorgfältige und methodisch kontrollierte Analyse, Einordnung und Interpretation biblischer Texte.“

    Richtig! Und auch hier wird damit der Status der Bibel als Literatur (und nicht als Offenbarung und nicht als Wahrheit) deutlich. Literatur, derentwegen eine unglaubliche Menge an Sekundärliteratur entstanden ist und für die schrecklichste und blutigste und menschenunwürdigste Taten vollbracht worden sind.

    „Exegeten müssen einen Text also dahin gehend sortieren, was als direkter Aussageinhalt gelten kann (zum Beispiel die Schöpfung durch Gott) und was der bildhaften Ebene zuzurechnen ist (der Schöpfungsablauf in sechs Tagen).

    Woher nehmen die Exegeten denn die Unverschämtheit zu behaupten, die Welt sei durch Gott geschaffen worden? Auch dies sind, wie die Behauptung (die im Übrigen durchaus lange genug wortwörtlich geglaubt wurde) die Welt sei in sechs Tagen erschaffen worden, nur Worte auf Pergament. Mit anderen Worten: Literatur!

    Nach einem Absatz über die Theodizee kommt der Autor zum Schluss: „Dann besteht zumindest für das harte, logisch Problem des Übels (logical problem of evil) Aussicht auf Lösung: Dass der gute Gott um das bestehende Übel weiß, es ändern kann und will, erzeugt keinen harten Widerspruch mehr.“

    Was für eine Peinlichkeit. Hier wird mit allerlei (für mich schwer nachvollziehbaren) Winkelzügen etwas wegdiskutiert, um die Sehnsucht des Menschen nach der großen Vatergestalt zu befriedigen. Hier kann man eigentlich nur noch kurz an Ockhams Rasiermesser erinnern und sich hernach mit Grausen Abwenden.

    „Theologen dagegen müssen beurteilen, ob die Kernaussagen selbst angemessen und die Theorien theologisch adäquat sind.“

    Zumindest den ersten Teil dieser Aussage werden die Theologen ganz sicher NICHT erfüllen. Im Gegensatz zu den Wissenschaften dürften Theologen nämlich die Grundaussagen NICHT hinterfragen, sonst definieren sie sich sofort selbst weg (oder verwandeln sich in Literaturhistoriker, s.o.). Dies wird ja schön im Streitgespräch zwischen Herrn Voland und Herrn Löffler deutlich: „Das ist im dogmatisch geschlossenen Universum nicht möglich. Da wird derjenige anerkannt, der seine Dogmen nicht streng überprüft, sondern bestenfalls hermeneutisch interessant auslegt.“ (S. 65) und: „Auch Wissenschaftler machen unhinterfragbare metaphysische Annahmen. Aber sie sind offen für Revision.“ Dies beantwortet auch die hinterlistig eingefügte Bemerkung des Autors zu Habermas! (S. 61) Mehr ist dazu nicht zu sagen.

    „Gerade weil der christliche Glaube beansprucht, wahr zu sein, muss er davon ausgehen, dass er Ergebnissen der Naturwissenschaften nicht wirklich widersprechen kann.(*) Denn wenn beides wahr wäre, Glaube und wissenschaftliche Erkenntnis, und beides sich widerspräche, müsste es zwei sich widersprechende Wahrheiten geben. Das ist aber offenkundig unmöglich. Die entscheidende Frage lautet hier, ob der Glaube seinen Wahrheitsanspruch auch berechtigterweise erheben kann.“

    Ein feiner Absatz und eine feine Analyse. Und was bekommen wir als Antwort? „Es ist schwierig, die Frage nach der Wahrheit des Glaubens von außen zu beantworten." Das ist eine glatte Ohrfeige an jeden realistisch wissenschaftlichen Geist! Verzeihung, aber für wie dumm möchte uns der Autor denn verkaufen? Das ist doch wohl ein klassischer Zirkelschluß. Wenn nicht von außen, wie soll denn Wahrheit dann beantwortet werden? Die Aussage (Christentum = wahr) wird von bestimmten Personen postuliert und dann sagen uns diese Personen, dass es doch etwas schwierig wäre, die Wahrheit dieser Aussage außerhalb dieses Personenkreises zu beantworten. Uff. Auch der nächste Absatz arbeitet mit einem äußerst cleveren Argument: Wir sind vielleicht keine Wissenschaft, aber wir sagen mal, wir wären eine, und der Beweis, dass wir keine sind, wird sicher nicht vor dem Sanktnimmerleinstag erbracht werden. Bis dahin machen wir einfach weiter (und kassieren Steuergelder).

    Zum Abschluß dieses Abschnitts noch so eine kleine Unverschämtheit: „Und schließlich geht es um eine der Gründungsdisziplinen im abendländischen Universitätskanon.“ Sehr gut. Die Theologie leitet ihren Anwesenheitsanspruch an den Universitäten also nicht aus ihrer Wissenschaftlichkeit her (denn die kann sie nicht beweisen), sondern aus der Historie. Gewohnheitsrecht gegen Sinnhaftigkeit sozusagen. Oder eine andere Spielwiese der Kirche(n) auf denen diese Tendenzbetriebe öffentliche Gelder für ihre eigenen Zwecke missbrauchen.

    „Es schreibt der göttlichen Schöpfermacht zu, logos zu sein – was nicht nur Wort bedeutet, sondern auch Vernunft oder Sinn“ In einem ca. 1800 bis 2000 Jahre alten Text wird vom Wort Gottes geschrieben. Eine Konnotation dieses Wortes ist „Vernunft“. Nun will uns der Autor doch tatsächlich weismachen, dass diese konnotative Bedeutung mit der übereinstimmt, die unser heutiges (nachaufklärerisches) Wort „Vernunft“ hat? Schreibt er nicht weiter oben selbst: „Die Texte der Bibel oder der frühen Konzilien sind in einer ganz anderen Zeit als der unsrigen geschrieben worden, mit anderen Absichten und Zielen, mit einem anderen geistigen Horizont.“?

    „Auf einen Punkt gebracht: Eine Religion, deren Gott vom Wesen her vernünftig ist, wird sozusagen von ihrer höchsten Instanz her auf ein positives Verhältnis zur Vernunft festgelegt.“
    Hierzu möchte ich kommentarlos folgendes Zitieren:
    „Es liegt vor, dass du, Galileo, Sohn des sel. Vincenzio Galileo aus Florenz [] angezeigt wurdest, dass du die von einigen gelehrte falsche Doktrin, die Sonne sei der Mittelpunkt der Welt und stehe still und die Erde bewege sich auch in einer täglichen Bewegung, für wahr hieltest; [] dass Du auf die der Heiligen Schrift entnommenen Einwände, die dir bisweilen entgegengehalten wurden, antwortetest, indem du besagte Schrift deinem Sinn gemäß auslegtest; [] Wir sagen, verkünden, urteilen und erklären, dass du dich, obengenannter Galileo, [] diesem Hl. Offizium der Ketzerei dringend verdächtig gemacht hast, nämlich dass du die falsche und den Heiligen und göttliche Schriften widersprechende Lehre für gültig gehalten und geglaubt hast, wonach die Sonne der Mittelpunkt der Welt sei [] und infolgedessen hast du dir alle kirchlichen Strafen und Bußen zugezogen, die von den Kirchensatzungen [] auferlegt und gegen sie verkündet werden. Wir sind es zufrieden, dass du von ihnen freigesprochen werdest, vorausgesetzt, dass du zuvor [] den obengenannten Irrtümern und Ketzereien und jeglichem anderen Irrtum und jeder Ketzerei wider die Katholische und Apostolische Kirche abschwörst, sie verfluchst und verabscheust [](1)

    Zum Abschluss möchte ich noch folgende Bemerkung machen. Dieser Versuch, Theologie, und mithin das gesamt Christentum zu einer „rationalen“ Religion zu erheben sind nichts anderes, als letzte Anpassungen und Rückzugsgefechte! Wenn du deinen Feind nicht besiegen kannst, so gleiche dich ihm an! Die Aufklärung und das wissenschaftlich rationale Denken sind nicht durch oder wegen des Christentums in die Welt gekommen, sondern TROTZ und GEGEN dieses!
    Erst mit dem Auftauchen von Aufklärung und Humanismus begann die Christenheit, all die unglaublichen Verstiegenheiten der biblischen „Berichterstattung“ als „Metaphern“ und „Bilder“ zu deuten, die für etwas anderes stünden, als für die wortwörtlich zu glaubende Wahrheit. Hier versucht sich eine völlig überkommene Geisteshaltung ein neues Mäntelchen umzulegen, um weiter ihr Unwesen treiben zu dürften. Seien wir auf der Hut!
    Oder, um mit Thomas von Aquin zu enden, „wonach die Vernunft zum Gipfel irdischer Tugend leiten könne, wie den Alten geschehen, aber nur Glaube und übernatürliche Gnade […] über die Vernunft hinaus zum Sitz Gottes leiten könnten.“(2)
    Verzichten wir doch weise auf den letzten Teil der Reise!

    (1) „Urteil und Abschwörung, von 22. Juni 1633“ Übers. Christian Wagner, in Galileo Galilei; Schriften, Briefe, Dokumente, Hrsg. Anna Mudry, Band 2, Berlin 1987, S. 205-209
    * Schreibt der Autor nicht gleich zu Beginn seines Artikels, „Wie aber kann man von Vernunftfreundlichkeit sprechen, wo sich doch der Glaub so häufig in Widersprüche verstrickt: mit den Ergebnissen der Naturwissenschaften, [...] mit sich selbst?“ Ja, was denn nun?
    (2) J. Campbell „Schöpferische Mythologie“ Basel 1992 S. 141

    Antwort der Redaktion:
    Das Argument von Herrn Schmaude setzt schon voraus, was es zeigen will: Dass es sich bei Star Trek und der Bibel um Vergleichbares handelt. Es sind aber Bücher mit ganz verschiedenen Intentionen, die aus ganz unterschiedlichen Lebenszusammenhängen stammen. Star Trek ist (gut gemachte!) Unterhaltungsliteratur, die Bibel vor allem Glaubenszeugnis. Star Trek erhebt keinen Geltungsanspruch, die Bibel schon (wobei es aber nicht primär darum geht, ob paranormale Phänomene wirklich so stattgefunden haben). Dass man mit beidem ganz verschieden umgeht, versteht sich von daher von selbst.

    Christian Tapp
  • Was sind denn für Sie die Kriterien für Menschenwürde, Herr Unkelbach?

    11.01.2012, Dr. Roland Pardon
    Herr Unkelbach, warum sollte die Menschenwürde von der prominenten Stelle im Artikel 1 in die bloß einleitende Präambel verschoben werden? Woher haben Sie Ihr anscheinend ja sehr ausgiebiges Wissen über die Menschenwürde, und wem sie zukommt? Können Sie es so erklären, dass ein Zweifler das nachvollziehen kann? Oder können Sie sich bloß auf die Antwort zurückziehen: Wenn Sie es nicht wissen, dann kann ich es Ihnen auch nicht erklären. (In Klammern, wenn Sie so ein verworfenes Subjekt sind, dass Sie nicht FÜHLEN, dass ich im Recht bin, dann disqualifizieren Sie sich selber.) Wenn Sie das sagen würden, kann Ihnen jeder mit Fug und Recht entgegenhalten, dass Sie frech und impertinent die Regeln des Disputes verletzen. Dann würden Sie (nicht vorhandene?) Gründe durch unverschämte Diffamierung ersetzen.

    Aber Sie sind sicher ein fairerer Disputant. Deshalb frage ich Sie, woran erkenne ich, dass ein Demenzkranker, ein Neugeborenes, oder ein 7 Tage alter Fötus in der gleichen Weise und im gleichen Maße Menschenwürde hat wie ein gesunder Erwachsener? Offenbar sind die Unterschiede sehr augenfällig; Gemeinsamkeiten, z.B. des humanen Fötus mit dem eines Schweines sind auch zunächst augenfällig - wo liegen also Ihre Kriterien? Auf Ihre Gründe bin ich gespannt. Aber bitte solche Gründe, die jeder in dieser Gesellschaft verstehen und als gültig anerkennen kann, auch Atheisten wie ich.
    Mit der Antwort auf die vorige Frage hätten Sie dann auch die Frage nach dem ominösen Wesen der Würde, die Sie aufwarfen, beantwortet. Gegenstand von Dahls Artikel war die Schwierigkeit, solche Kriterien zu nennen - deshalb bin ich besonders gespannt.

    Noch ein Literaturhinweis: Franz Josef Wetz, Illusion Menschenwürde - Aufstieg und Fall eines Grundwertes, Klett-Cotta, 2005.
  • "Glaube ist die Illusion zu wissen, was niemand wissen kann."

    11.01.2012, Rainer Rosenzweig, Nürnberg
    Dass sich Spektrum als populärwissenschaftliches Magazin dem Thema "Vernunft vs. Religion" widmet, ist mutig und äußerst begrüßenswert. Die Wissenschaft sollte nicht länger so tun als finde sie im wertfreien Raum, im "Elfenbeinturm", statt und könne sich abkoppeln von jeglicher Weltbild-Diskussion. Das ist verfehlt und verhilft nur Fanatikern und Fundamentalisten aufs Schild, die dann unwidersprochen das Blaue vom Himmel herunter behaupten können, sei es noch so absurd und längst durch Fakten und Erkenntnisse widerlegt.

    Durch das Interview ist neben einem religiösem Standpunkt auch ein nichtreligiöser vertreten, insofern ist das Thema auch halbwegs ausgewogen behandelt, sofern das in der gebotenen Kürze überhaupt möglich ist. Den Hauptartikel einem Theologen zu überlassen, ist ein nahe liegender Gedanke der Redaktion. Allerdings weisen die einseitig aus der christlichen Ecke heraus formulierten Gedanken des Artikels von Herrn Tapp – obwohl sehr zurückhaltend und unter Einbeziehung kritischer Argumente vorgebracht – so viele Schwächen und Angriffspunkte auf, dass man sich wohl doch eher einen allgemeinen, vielleicht eher religionswissenschaftlichen Überblick gewünscht hätte.

    Der christliche Glaube ist – wie bereits in einigen Kommentaren hier vermerkt – nur *ein* Angebot unter vielen anderen religiösen Weltbildern. Schon das ist eigentlich eines der wesentlichsten Argumente gegen jede Art von religiösem Glauben (im Sinne von "für wahr halten"): Dann müssten sich alle anderen religiösen Vorstellungen in anderen Teilen der Welt irren. Zufällig wir seien also im "wahren" Glauben aufgewachsen und erzogen worden? Schwer zu "glauben" …

    Die im Artikel zu Beginn gemachte nötige Trennung des Wortes "Glaube" in ein emotionales Gefühl ("faith") und ein "für wahr halten" ("belief"), wird im Artikel dann leider wieder vermischt, etwa wenn zum Beispiel auf S. 58 von der Bibel als "Heiliger Schrift" und der dafür notwendigen "anderen Bedeutungsebene" die Rede ist.

    Der Vorschlag (auf S. 62), am Wissenschaftsstatus der Theologie festzuhalten, solange die Unwissenschaftlichkeit nicht bewiesen ist, mutet gar abenteuerlich an. Würde Herr Tapp das Gleiche auch für den Glauben an UFOs, Elfen oder Klabautermänner vorschlagen? Da bleibt man doch lieber bei dem ontologisch sparsamen Gebot, eine (außergewöhnliche) These erst dann ernst zu nehmen, wenn relevante und mindestens ebenso außergewöhnliche Belege dafür zu finden sind, und nicht etwa dann, wenn es möglichst viele Menschen gibt, die daran geglaubt und Schriften darüber verfasst haben.

    Die Theologie auf die Hermeneutik historischer Schriften zu beschränken, würde weder den Theologen noch ihren Kritikern gefallen – dann könnte man ja auch ganz auf "Theologie" verzichten und stattdessen gleich nur von Hermeneutik sprechen.

    So bleiben am Ende des Artikels die vielen, auch vom Autor eingeräumten Gegenargumente gegen den Glauben: Von der Theodizee über die missglückten Gottesbeweise bis hin zur "umstrittenen" Wissenschaftlichkeit. Damit ist die Titelfrage des Spektrum-Hefts aus meiner Sicht klar beantwortet: Sind Wissenschaft und Religion vereinbar? Nach dem heutigen Stand von Wissenschaft und Theologie zu urteilen: definitiv nein.
  • Nicht verstanden?

    11.01.2012, Torben
    Was hab ich daran nicht verstanden? Antibiotikaresistenzen sind ein umfassendes Problem. Über einen Aspekt wird berichtet und die Reaktion darauf ist hier, auf einen gerade mal nicht berichteten anderen Aspekt mit vollkommen anderen Akteuren zu verweisen (der im Übrigen ungleich mehr professionelle und öffentliche Zuwendung erfährt als das entsprechende Problem in der Landwirtschaft, da gibt es deutlich weniger Forschung, weniger Leitlinien, weniger Handlungswillen und weniger Öffentlichkeit). Mit EHEC hat das nichts zu tun, aber das dient der Argumentation offenbar ebenso wie banale Methodenkritik ohne Substanz. In der deutschsprachigen Wissenschaftsblogossphäre - und die ist überschaubar - reagiert man bei Vorwürfen gegenüber Praktiken in der hiesigen Landwirtschaft reflexartig: Von Ausgewogenheit keine Spur, das ganze wird schnell weltanschaulich verortet und dann als fehlerhaft und unwissenschaftlich gegeißelt.

  • Keine Bagatellisierung

    10.01.2012, Sören Schewe
    Hallo Torben!

    Ich glaube, Du hast die Aussage des Kommentars nicht ganz verstanden. Es geht nicht darum, etwas zu bagatellisieren. Lars warnt lediglich - völlig zurecht - davor, dass wir uns jetzt mit großer Begeisterung auf die Tierhaltung stürzen und darüber völlig vergessen oder ausblenden, dass es in der Humanmedizin ein ähnlich drängendes Problem gibt.

    PS: "Die Veterinärmedizin" hat damit übrigens auch nichts zu tun.
  • Weiter so!

    10.01.2012, Johannes Maschke
    Klingt ja super! Ich hoffe, dass diese Methoden schnell weiterentwickelt werden, und dass ihrer Förderung nichts im Wege steht!

  • 2. Sphärenmusik

    10.01.2012, Patricia Otero
    Ja, diese Frequenzen hätte ich auch sehr gerne gehört :-)!!
  • Nee

    10.01.2012, Torben
    Weil ein großer Teil der Resistenzen vom Patient „Mensch“ ausgeht, wird das Wirken der Veterinärmedizin bagatellisiert? Seltsame Reaktion. Ich kann mich nicht erinnern, dass in der Berichterstattung ein „Hauptschuldiger“ ausgemacht wurde, etwas, das jetzt wohlfeil kritisiert werden könnte.
  • Verwirrende Zahlen

    10.01.2012, Fabian Cundano Maltez
    Heißt es auf Seite 80, dass mit der Enercon E-126 Windkraftanlage (7,5 MW) etwa 10.000 Haushalte mit Strom versorgt werden können, so heißt es auf S. 82, der Èole Vertikalrotor habe mit seinen etwa 4 MW rund 800 Einfamilienhäuser versorgt.

    Das heißt, pro MW Windenergie können zwischen 1300 "Haushalten" und 200 "Einfamilienhäusern" versorgt werden - also ein Unterschied von mehr als Faktor 7 (schließlich ist ein Einfamilienhaus genau ein Haushalt). Welche Zahlen stimmen denn nun?

    Leider erlebe ich immer wieder, das Vertreter von unterschiedlichen Energiekonzepten sich ihre Zahlen schönrechnen, um am Ende die Überlegenheit ihres Systems zu preisen. In einem wissenschaftlichen Artikel wünsche ich mir mehr Klarheit. Es wäre wünschenswert, dass Standards erklärt werden, nach welchen Energiekonzepte objektiv verglichen werden können - um den Leser eben gegen Schönfärberei durch Lobbygruppen zu rüsten.
    Antwort der Redaktion:
    Schön, dass es Leser gibt, die kritisch alles noch einmal nachrechnen. In der Tat tut sich hier eine Diskrepanz auf. Die erklärt sich folgendermaßen: Die Angabe zum Darrieus-Rotor Èole ist eine Quellenangabe aus: http://www.energyprofi.com/jo/Besondere-Windenergiesysteme.html (Internetseite zu besondere Windenergiesystemen, dort relativ weit unten). Da der Rotor nicht mehr arbeitet, kann ich diese Angabe nicht weiter nachprüfen. Sie deckt sich aber mit anderen Quellen. Hier wird von (kanadischen) Einfamilienhäusern(!) aus dem Jahr 1992 geredet.



    Die Angabe zur Enercon E-126 kann man errechnen (respektive: habe ich errechnet). Energieversorger gehen davon aus, dass ein (deutscher) Haushalt heute im Schnitt 3.500 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht. (Das deckt sich mit meinen Erfahrungen). Ich habe vorsichtshalber sogar
    einen Wert von 4500 kWh angenommen. Dividiert man dies durch die Anzahl der Stunden im Jahr (365 x 24 = 8760) macht das einen durchschnittlichen (kontinuierlichen) Verbrauch von etwas über 500 Watt. Dann habe ich nur noch die 7,5 MW durch 514 W geteilt (das kommt heraus, wenn man genau
    rechnet) und erhielt 14591 Haushalte. Zur Sicherheit habe ich diesen Wert großzügig auf 10.000 Haushalte abgerundet, weil die Haushalte ja nicht immer gleich verbrauchen, sondern mal mehr (und mal weniger). Garniert mit einem "etwa" kann die Aussage wolh so stehenbleiben, denke ich.



    Das hat also nichts mit Schönfärberrei oder gar Lobbygruppen zu tun.



    Gerhard Samulat



    Bitte beachten Sie dazu auch die Stellungnahmen des Autors: Kommentare 12, 18 und 19!
  • Wie viel Gramm Metaphysik dürfen’s denn sein? –: Naturalismus und Agnostizismus

    10.01.2012, Dr. Josef Klein, Berlin
    Eckart Voland meint, nach Leibniz’ Begriff von Wissenschaft könne Theologie dazu gehören, nach dem Begriff von Science im Sinne Galilei indes nicht (abgesehen davon einmal, dass Galilei eigentlich mehr Italienisch sprach). Mir geht es hier weniger um die Theologie, die noch zu Galileis Zeiten scholastisch verfügte, dass die Philosophie einzig ihre Magd sein könne und die anderen Wissenschaften sozusagen die Hilfskräfte von Fall zu Fall. Wichtiger scheint mir zu betonen, dass die Wissenschaft, von Galilei initiiert, fortan eine Mathematisierung der Natur als Forschungsstrategie sich zur Aufgabe bei der theoretischen Aufbereitung der empirischen Daten und zur obersten Forschungsmaxime gemacht hat. So liest man das noch bei Max Bense, dem Atheisten pur, bis Ernst Cassirer. Davon kann indes heutzutage nicht mehr die Rede sein. Würde die Mathematisierung der Natur tatsächlich der Standard sein, so würden noch ganz andere „Wissenschaften“ als die Theologie aus dem Tempel der Alma Mater hinausfliegen, so zum Beispiel die auf Populismus schielende Soziobiologie à la R. Dawkins – die Jurisprudenz wollen wir mal ganz beiseitelassen (die hat es nicht notwendig, sich auf die Albernheiten des Naturalismus überhaupt einzulassen, da sie einen unbedingten Bedarf der „Zweiten Natur“ des Menschengeschlechts erfüllt, der aus der gesellschaftlichen Organisation der Menschennatur per Moral, Sitten und Recht entspringt). Was nun die Biowissenschaften anlangt, so wird man ja wohl nicht ernsthaft glauben machen wollen, dass metaphorisches Geklingel wie „egoistisches Gen“ einen exakten Terminus abgeben kann, da allenthalben sogar beim Menschen bestritten wird, dass das „Ich“ was Handfesteres denn eine „Illusion“ sei. Oder zu erinnern wäre an die Figur von den „betrügerischen“ Einzellern, Bakterien und Viren, die andere ihrer Art im Überlebenskampf der Evolution aufs Kreuz legen wie der Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi den Max-Ernst-Experten Werner Spies mit völlig frei im Stil von Max Ernst und anderen zeitgenössischen Malern verfertigten Kunsterzeugnissen. Mit der Mathematisierung der Natur ist es also nicht weit her. Ebenso kann die Neurobiologie nicht gerade alles auf den mathematischen oder gar bloß auf den formal-logischen Kalkül bringen, nicht anders die Verhaltensbiologie, die Evolutionäre Emotionsforschung, von den Blumen- und Tierkundlern ganz zu schweigen. Das Galilei-Programm von der Mathematisierung der Natur ist hier nicht ansatzweise gefragt. So dient hier ebenfalls der Name „Galilei“ lediglich als Metapher für etwas, was man selbst nicht so ganz genau weiß und nicht genau wissen will noch kann. Und diese theoretische Vagheit samt Unvermögen wird kaschiert mit dem Anglizismus „Science“, als ob das die Patentlösung wäre. Science ist sozusagen alles, gleich ob es exakte oder bloß deskriptive Naturwissenschaft oder nur Sachbuch-Naturwissenschaft ist.

    Die Zersetzung des positivistischen Begriffs von Wissenschaft geht geistesgeschichtlich nicht nur einher mit dem Postszientismus (bzw. der Postmoderne) und der Aufkündigung aller erkenntniskritischen und wissenschaftstheoretischen Standards durch den Naturalismus. Freilich ist das Spektrum des Naturalismus breit gefächert, da W. Sellars (mit metaphysischem Anstrich), dort W. v. O. Quine und so weiter. Dabei bleibt bei Quine rätselhaft, wie sein Naturalismus einerseits und seine beträchtlichen Arbeiten zur Logik andererseits zusammen harmonieren sollen. Denn wie Logik und Mathematik empirisch sich herleiten und sonst in der Natur sinnlich wahrnehmbar gründen und per Beobachtung gleich kapitaler Hirsche und Elche im Forst sich bewahrheiten lassen sollen, bleibt Quines und der übrigen Naturalisten Geheimnis. Möglicherweise weiß da die eine Gehirnhälfte nicht, was die andere tut. Bei der Unterhöhlung des Begriffs von den exakten Naturwissenschaften tut das Erstarken der Biowissenschaften ihr Übriges. Zu erinnern wäre etwa an deren Nachweis tierischer Intelligenz bei Experimenten, von denen man sich wünschen würde, dass sie den Härtetest bestehen gleich den epochemachenden Forschungen des nobelpreisverdächtigen Nanophysikers Jan Hendrik Schön. Da haben doch die drolligen Tierchen so liebliche Namen wie Ulla, Udo, Kasimir und Cosima, damit auch noch dem letzten Begriffsstutzigen klar wird, welch groß angelegte Feldstudien die Generalisierung der tierischen Intelligenz bei Hund, Ratte, Affe und Katz belegen sollen, nämlich reduziert auf zumeist ein Exemplar der Gattung. Und so nimmt es nicht wunder, was solcherart in einem westfälischen Hühnerhof Großartiges beobachtet ward. Dort in Westfalen, wo sinnigerweise Voltaires „Candide“ bekanntlich in die Schule von Maître Pangloss am Hof des Leibniz-Land-schlosses von Baron von Thunder ten Tronckh ging, soll es Hennen geben, die beim Aufpicken der Körner tatsächlich ganz artig zählen, ja sogar Additionsspiele um die Wette betreiben und mitunter – als Höchstleistungen in Sachen höherer Mathematik – über den gödelschen Unvollständigkeitssatz sinnieren, indem sie, plötzlich innehaltend, sich hinterm Ohr verlegen mit dem rechten Hühnerbeinchen kratzen. Oder anders gesagt: Man weiß bei diesen Sensationsmeldungen nur allzu oft nicht, was Dressur, was intelligente Versuchsanordnung durch den Menschen und was überhaupt durch andere Experimente empirisch da überprüfbar ist. Aber wir haben eben alle so gerne unseren „echten“ Max Ernst, unseren „echten“ Picasso und unseren „echten“ Mann mit dem Goldhelm (Rembrandt respektive Rembrandtschule) über dem Kanapee hängen. Und ein Naturwunder zur Abwechslung ist doch auch mal schön. Es muss ja nicht immer gleich ein Marienwunder à la Fatima sein – da hätte die Gottesmutter denn wirklich viel zu tun. Aber nicht dass ich etwas gegen die These von der tierischen Intelligenz einzuwenden hätte! Als ich noch Pennäler war, hatte unser Hund zu Hause, ein Foxterrier, Bello geheißen, mein Lateinbuch aufgefressen, ganz wißbegierig, und fortan hat er immerzu Zitate von Tacitus, Caesar, Lukrez, Seneca und Cicero sowie von Sextus Empiricus gebellt, aber so deutlich und klar artikuliert, dass er nicht nur Petronius, den Verschwörer des guten Geschmacks, sondern auch Descartes derart entzückt hätte, dass letzterer über die Tiere etwas anthropomorpher gedacht haben würde. Seit geraumer Zeit weilt Foxterrier Bello indes in den ewigen Jagdgründen und paukt mit Winnetou und Old Shatterhand das Anglerlatein. Auf die Idee, ihm mein Mathematikbuch zu verfüttern, bin ich leider damals nicht gekommen. Sonst hätte ich Quines Naturalismusdoktrin sicherlich verifizieren können. Schade.

    Bliebe also der Begriff vom „Naturalismus“. Kein Zweifel, dass das biologische Erkenntnisproblem ein eigenes biologisches Wissensideal zeitigt, das, auf die eigene WissenschaftrRegion begrenzt, neben dem der exakten Naturwissenschaften herläuft, ist mehr als selbstverständlich, nicht aber, dass dies für alle Wissenschaften – gleichgültig ob diese Natur- oder Geisteswissenschaften seien – allgemein-verbindlich sein soll. Den methodologischen Naturalismus, der nur die Naturwissenschaften auf die experimentell und logisch kontrollierbare Erfahrung verpflichtet, wollen wir dahingestellt bleiben lassen. Der „ontologische Naturalismus“ geht indes weiter in seinem Alleinvertretungsanspruch in Sachen Wissenschaft, der einzig der Naturwissenschaft gebühre. Ich kann hier die Widersprüchlichkeit desselben – zudem in all seinen Varianten, sei’s der von W. Sellars, sei’s der von G. Vollmer etc. – nicht im einzelnen ausbreiten.

    Aber wie bereits mit dem Hühnerhofbeispiel zur höheren Mathematik angedeutet, ist der starke Begriff vom „ontologischen Naturalismus“ – von dem Christian Tapp meint, dass er der Theologie als Glaubenswissenschaft Kopfschmerzen bereiten würde – schon einmal ein theoretisches Unding, da ein Widerspruch in sich wie jene Figur von der Güte „rundes Viereck“; denn noch nie, seit sich die Erde um die Sonne dreht, war die Ontologie eine Naturwissenschaft, und wird wohl auch nie eine sein. Diese contradictio in adiecto läßt sich selbstverständlich ganz leicht umgehen, indem wir den Namen „ontologischer Naturalismus“ kurz in „starken Naturalismus“ abändern. Aber das hilft nicht viel. Denn alles, was zu diesem Thema überhaupt geschrieben und erörtert wird, ist metatheoretischer Natur und gehört nicht der ersten Natur noch der Objektsprache an. Die metatheoretischen Erörterungen gehören stattdessen der Welt III an – ich verwende nun der Einfachheit halber den Trialismus der Drei-Welten-Theorie von Popper; diese Drei-Welten-Theorie hat, wie Popper (in: Objektive Erkenntnis) zugibt, eine Ähnlichkeit mit Hegels Unterscheidung vom subjektiven und objektiven Geist; nur sei sie enttheologisiert. Welt I ist die Welt der Physik und der Biologie, Welt II ist die Welt des subjektiven Erlebens, Welt III ist die Welt der geistigen Gegenstände und der Gestalten des objektiven Geistes – also das Reich der Wissenschaften, der Mathematik nicht zuletzt, sowie zudem des Rechts etc.

    Aber auch in Ansehung dessen, dass es von dem seit Pythagoras, Euklid und Archimedes nicht gerade geringsten Vertreter unter den Mathematikern, Kurt Gödel, einen mathematisch ontologischen Gottesbeweis gibt, der seiner Widerlegung erst harrt, muss festgehalten werden, dass einige Herrschaften da denn doch etwas zu voll den Mund in Sachen „Naturalismus“ als höchstes Stadium des wissenschaftlichen Atheismus nehmen. R. Dawkins geht im „Gotteswahn“ vorsichtshalber oder aus Unkenntnis gar nicht darauf ein; möglicherweise wäre ihm hierzu auch nur eine Sottise (von wegen Wissenschaftsblenderei) eingefallen wie zur Kontroverse Euler versus Diderot. Schon I. Kant muß Dawkins als „Atheisten“ verkaufen, was Kant nie war: Die Gottesbeweise (den ontologischen, den kosmologischen und den physiko-theologischen) hat Kant nur „deshalb“ widerlegt, um seinen eigenen Gottesbeweis, den moralischen mit dem Postulat Gottes, zu installieren (vgl. hierzu J. Klein, Semiotik des Geistes, Buch I, Berlin 2010, S. 761,771). Und ferner wird Frank J. Tipler – als Beiträger zum „anthropischen Prinzip“ – implizit zum Atheisten umfunktioniert und zurechtgebürstet, als ob der nicht sich in einer „Physik der Unsterblichkeit“ versucht hätte. Tiplers wissenschaftlich positives Argument für das Dasein Gottes, auf informationstheoretischer Basis, habe ich – neben dem von C. F. v. Weizsäcker – in der „Semiotik des Geistes I“ (S. 689, 692 ff.) freilich zurückgewiesen. Was Gödel anlangt, so bin ich allerdings selbst nicht der Auffassung, dass das quod erat demonstrandum unter Gödels Gottesbeweis allzu lange Bestand haben würde: Das q. e. d. steht freilich ohnehin nirgendwo darunter. (Ich selbst gehe erst in Buch II der „Semiotik des Geistes“ darauf ein; in SdG I – Berlin 2010 – habe ich mich nicht dazu geäußert.) Gleichwie. Haltbar ist einzig ein methodologischer Agnostizismus.

    Auch E. Volands Eingeständnis, Naturwissenschaftler würden notgedrungen nicht voraussetzungslos arbeiten – hierin ganz Popper folgend, dass seine Prämisse vom Realismus nur eine metaphysische sein kann, da sie nicht wissenschaftlich überprüfbar sei (vgl. Popper, Objektive Erkenntnis) –, ist nicht ohne kurios pikante Würze, wenn er meint, trotzdem sei es den Naturwissenschaften vergönnt, empirisch zu arbeiten, obwohl sie gar nicht darüber entscheiden könnten, ob sie nun in einer Simulation leben oder nicht! Da können wir gleich an Wunder glauben. Was ist da noch der Unterschied zwischen kritischer Wissenschaft, Sciencefiction und Lourdes respektive Fatima? (Aber zum Thema Skeptizismus und Simulation habe ich schon im Sommer 2011 einen Vorschlag gemacht, wie externalistisches Wissen trotz des Gehirn-im-Tank-Problems nach Putnam & Brendel möglich ist: www.spektrumverlag.de/artikel/1073683, www.spektrumverlag.de/artikel/1115669 . Und dieser mein Vorschlag erfüllt sogar mit den Sherrington-Formeln die Mindestanforderungen des Galilei-Programms der Mathematisierung der Natur. (Trotzdem trete ich Quines Naturalisierungen der Erkenntnistheorie mitnichten bei, obgleich gerade meine Sherrington-Formeln genau diese wie nichts anderes sonst wohl zu bestätigen scheinen.)

    Ähnlich wie Popper (der kein Naturalist ist) und wie Voland für den Realismus räumt für den Naturalismus unter anderem auch Vollmer ein bißchen Metaphysik ein, die sich nicht vermeiden lasse, schon um sich von den großen Systemen der Metaphysik abgrenzen zu können: Aber wie viel Gramm Metaphysik dürfen's denn sein? Wenn Johannes Paul II. äußert, dass der Geist nicht aus der Evolution stammen könne, so ist das für E. Voland schon eine gehörige Prise zu viel an Metaphysik. Dabei muss das päpstliche Statement vom Primat des Geistes in philosophie-systematischem Anbetracht mitnichten dem Prinzip der Evolution widersprechen, so etwa, nun rein als Hilfskonstruktion, wenn die Theologen sich der Grundannahme des objektiven Idealismus von Ch. S. Peirce bedienen würden, wonach (ähnlich wie im System Schellings), die Materie geronnener Geist sei; dies läßt sich desgleichen in die informationstheoretische Hypothese von C. F. v. Weizsäcker übertragen, wonach Materie gleich Form gleich Information sei (vgl. hierzu J. Klein, SdG I, S. 357, 404 f., 412, 481). Und Peirce ebenso wie Weizsäcker vertreten evolutionistische Positionen. Woher der Geist stammt, dies ist eine noch ziemlich ungeklärte Frage. Der (Inquisitions-)Fall Galilei liegt hier indes total außer jeder Vergleichbarkeit. Überdies rekurrieren nicht wenige Physiker auf platonistische bzw. neuplatonistische Positionen, so Weizsäcker, Heisenberg, Shimon Malin etc., welche immer auf den Primat des Geistes hinauslaufen. Wollen oder sollen wir diese Herrschaften nun aus der Science-Kirche exkommunizieren? Wer gäbe wem das Recht dazu? Die kritische Vernunft etwa? Womöglich die von der Vernunftreligion des Immanuel Kant! Mit dem stehen unsere Naturalisten ja auf bestem Fuß! War nur ein kleiner Scherz am Rande.

    Nach alledem kurzum: Der Agnostizismus ist kein „windelweicher Atheismus“, wie die Spektrum-Redakteure fragend in den Raum stellen, sondern ein wissenschaftliches Gebot, aus dem Ignoramus-ignorabimus und aus der Einsicht, daß Gott keine wissenschaftlich überprüfbare Hypothese abgeben kann, eine wissenschaftliche Tugend zu machen, statt sich im Smalltalk (irgendwo zwischen den „Feuchtgebieten“, den „Schoßgebeten“ und „Harry Potter“) zu ergehen oder in verunglückter Poetry of Science, und möge auch laut Dawkins Wissenschaft die Poesie der Realität sein[1]. Da täte eine kritische Ästhetik wider naturalistische Spekulationen ohnehin not, ein „Candide“ à la Voltaire: Diesmal gegen den Pseudo-Galilei als Inbegriff der naturalistischen Spekulationen vom Biohühnerhof statt gegen die spekulative Metaphysik von Leibniz.
  • Windkraftpotenzial für Europa

    10.01.2012, Dipl. Ing. Wolfgang Fischer, Pitten (Österreich)

    Im 2. Teil der Serie Energie wird die Nutzung der Energie des Windes behandelt. Dabei wird kaum auf die Frage eingegangen, wie groß ist das Windkraftpotenzial für Europa bzw. weltweit? Als Versuch einer Antwort möchte ich meine eigenen Berechnungen hinsichtlich Windenergie vorlegen: Ausgehend von der eingestrahlten Energie der Sonne auf die Erdoberfläche mit rund 5,6. 1021 kJ/Jahr (Erdoberfläche 510. Millionen km², eingestrahlte Energie durchschnittlich 8,7 kWh/m² Tag, Albedo rund 0,35) wird angenommen, dass nur 1 Promille in Windenergie umgesetzt wird. Das bedeutet, im Wind sind weltweit etwa 5,6 1018 kJ enthalten oder 1,56 1015 kWh.

    Das oben angeführte Windkraftpotenzial von Europa beträgt 1300 TWh oder 1300. 1012 kWh. Das sind ein 0,083 % Anteil der Gesamtwindenergie. Wenn weltweit das Zehnfache der in Europa geernteten Windenergie, das sind 13.000 TWh genutzt werden, ist das immer noch weniger als ca. 1 % der Gesamtwindenergie.

    Ein negativer Einfluss auf Windverhältnisse bzw. dem Klima und - der erzeugten Windenergie ist somit kaum denkbar.

    Den oben genannten Zahlen soll der Gesamtstrombedarf Europas (EU mit Schweiz und Norwegen) mit 4300 TWh für das Jahr 2020 und 5000 TWh für 2050 gegenübergestellt werden. Zusätzlich werden das Potenzial der Wasserkraft Europas (ca. 400 Th) und der Fotovoltaik mit realistischen 600 TWh hinzugezählt. Erst dann können knapp die Hälfte des europäischen Strombedarfs – in Summe 2300 TWh in Europa bereitgestellt werden. Soll Europa aber sicher mit elektrischer Energie versorgt werden, bleibt nur ein Ausweg, die moderne Kernenergie. Gerade hier hat der Kontinent alle Möglichkeiten, beginnend mit der vorhandenen Technik bis zu gut ausgebildetem Personal.

    Ein ganz entscheidender Punkt in allen bisher bekannten Konzepten ist das Fehlen leistungsfähiger Stromnetze. Hier hätte ich den Vorschlag entlang von Autobahnen oder Eisenbahnlinien einen geschlossenen Betonkanal mit den Innenabmessungen von etwa 4,0 x 2,5 m zu verlegen. In diesem werden auf beiden Seiten insgesamt 4 Hochspannungsgleichstromrohrgasleitungen für +/- 500 kV geführt. Jede Leitung ist für 2,5 GW Übertragungsleistung ausgelegt. Insgesamt kann so ein „Stromhighway“ 10 GW übertragen. Über Europa wird so ein Leitungsnetz gelegt, welches die regionalen Netze über Umrichterstationen verbindet.

    Zum Abschluss finde ich es äußerst störend, mit den Begriffen Leistung und Energie locker umzugehen. Was hat es für einen Sinn, wenn von installierter Windparkleistung von 27 GW und 20 GW Fotovoltaik berichtet wird, aber die erreichten Volllaststunden im Jahr unterschlage. Bei obigen Zahlenwerten wäre die Jahreserzeugung bei Windkraftanlagen etwa 55 TWh (2500 Volllaststunden/a) und bei der Photovoltaik nur geringe 18 TWh (900 Volllaststunden/a). Oder umgekehrt: Sollen angenommener Maßen die Stromlücke Europas von ca. 2000 TWh mit Photovoltaikanlagen geschlossen werden, ergibt sich ein Flächenbedarf von etwa 20.000 km². Von dem Materialbedarf gar nicht gesprochen.
    Antwort der Redaktion:
    Der Beitrag "Frische Brise" beginnt mit dem Satz: "... die Forscher um Michael B. McElroy von der Harvard University (Cambridge, Massachusetts) haben [ausgerechnet, dass] ... sich mit Windkraftanlagen eine Leistung erzielen [lässt], die mehr als dem 40-fachen des derzeitigen globalen Bedarfs an elektrischer Energie entspricht ..." Die Quelle dazu lautet: http://www.pnas.org/content/early/2009/06/19/0904101106 (Global potential for wind-generated electricity). Das ist mithin eine saubere Angabe über die Potenziale der Windenergie. Und zwar gleich zu Beginn des Beitrags. Sie deckt sich aber offensichtlich nicht mit Ihren Kalkulationen.



    Im Gegenteil: Von der Harvard University (und andere Quellen bestätigen das) wird behauptet, dass allein mit Windenergie der gesamte Strombedarf der Welt gedeckt werden könne, selbst wenn die Anlagen (ausschließlich an Land aufgestellt) nur zu einem Fünftel der Zeit laufen sollten und ansonsten Flaute herrscht. Zusammen mit der Fotovoltaik und weiteren erneuerbaren Energien sollte sich demnach (leicht) ein Energiesystem aufbauen lassen, das auf fossile Energieträger und der Atomkraft verzichten kann.



    Dreh- und Angelpunkt ist - wie Sie richtigerweise erkannt haben - das Stromnetz. Überaus interessant finde ich Ihren Vorschlag, entlang von Autobahnen oder Eisenbahnlinien einen Tunnel zu verlegen, in dem Hochspannungsleitungen verlegt werden sollten. Das deckt sich mit dem Positionspapier "Stromübertragung für den Klimaschutz" (http://www.vde.com/de/InfoCenter/Seiten/Details.aspx?eslShopItemID=d5fef2e1-d1e6-4e07-b26d-0e26f8699416) des Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDE und ist sehr unterstützenswert. (Für ein anderes Magazin habe ich darüber bereits berichtet.)



    Zu Ihrem letzten Punkt möchte ich vermerken, dass ich als Physiker sehr wohl darauf achte, die Begriffe Leistung und Energie sauber zu trennen. Falls es mir in dem vorliegenden Beitrag mal nicht gelungen sein sollte, bitte ich Sie, mir die Stelle(n) zu benennen.



    Dass sowohl Windenergieanlagen als auch Solaranlagen nicht immer gleichmäßig Strom produzieren, ist mir selbstverständlich bewusst. Daher hatte ich bereits zu Beginn des Artikels (als es um das Gesamtpotenzial der Windenergie ging) angemerkt: "... Die durchschnittliche Auslastung deutscher Windkraftanlagen ... [betrug] in den vergangenen zehn Jahren etwa 17 Prozent. Das heißt, die Anlagen standen die meiste Zeit still ..." Man muss in diesem Zusammenhang fairerweise aber auch erwähnen, dass die Potenzialanalysen der Harvard University ausschließlich auf Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2,5 MW berechnet wurden, es mittlerweile aber bereits deutlich leistungsfähigere Anlagen gibt (was ich im Beitrag auch erwähnte).



    Herzlichen Dank für das aufmerksame Lesen des Beitrags.




    Bitte beachten Sie dazu auch die Stellungnahmen des Autors: Kommentare 12, 18 und 19!
  • Es ist ja so einfach

    10.01.2012, Ulrich Dittmann
    Im Grunde könnten wir alle "Heiligen Schriften" der verschiedenen Religionen, oder auch langatmige philosophische Abhandlungen über Moral und Ethik, einstampfen - wenn wir uns an dem alle Werte umfassenden schlichten Sprichwort, "Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu", orientieren würden.
    Der daraus folgende, logische Umkehrschluss, "Was du willst, das man dir tu, das füg auch anderen zu", beinhaltet auch das Gebot einer allumfassenden Nächstenliebe zu allen unseren kleinen tierischen Mitgeschwistern, was Albert Schweitzer so trefflich mit vier Worten, als die "Ehrfurcht vor dem Leben" definierte.
    Es ist ja so einfach.
    Alles ist vielfach gesagt und geschrieben - und auch allen bekannt. Logischerweise wäre ein solches Leben auch im Sinn eines möglichen Schöpfergotts.
    Doch offenbar ist der Mensch unfähig, all das in dicken Büchern verstaubende, hehre Gedankengut zu Religionen und Wissenschaften im Alltag umzusetzen.
  • Glaubensfragen

    10.01.2012, Martin Schade
    Die beiden Artikel zu "Vernunft und Glaube" gehen von einer falschen Fragestellung aus; die gebrachten Beispiele sind gegenüber Fragen menschlichen Verhaltens banal (und Jesus war kein Palästinenser, dieser Begriff hatte damals eine andere Bedeutung). Bereits zur Diskussion um den Empiriokritizismus bin ich&np;- als Ingenieur - der Meinung, dass es nicht darauf ankommt Empfindungen zu erklären, sondern welche hervorzurufen bzw. zu vermeiden. So sollte man auch hier akzeptieren, dass - solange man keine Maßnahmen daran knüpft - eigentlich egal ist, ob man z.B. die Welt als Kugel oder als Scheibe auffasst. Erst wenn man ein Ziel verfolgt, und aus unterschiedlichen Weltmodelle verschiedene Wege dorthin folgert, wird der Unterschied relevant.
    Man kann sein Vorhaben, z.B. eine Brücke, zwar exakt berechnen, aber ob es dann gelingt, diese auch gemäß den Plänen zu errichten, ob alle Mitarbeiter richtig arbeiten, ob sich die Projektgegner wie angenommen verhalten, und wie sich die bisher Unbeteiligten dazu positionieren werden, das weiß man nicht. Hier kann man nur glauben, dass es gelingt, das Vorhaben zu realisieren. Das heißt, Ihr Artikel engt unzulässig auf religiösen, insbesondere etablierte Varianten des christlichen Glaubens, ein. Den Glauben an den technischen Erfolg des Bauvorhabens und an den kaufmännischen Ertrag - und wie man Chancen und Risiken gegenüber stellen kann - betrachten Sie nicht. In [*] finden wir meines Erachtens richtig formuliert: "Bei beiden Spezies sitzt das Gefühl am Steuer, der Verstand pflastert nur die Straße" und meint, dass man mit dem Verstand nur Varianten ausarbeiten, aber sich nicht für eine entscheiden kann. Letztlich geht es darum, ob man vernünftig ist und es bleiben läßt, oder im Glauben an den Erfolg das Risiko eingeht. Und manchmal muss man seinen Verstand sehr anstrengen, um etwas Spaß zu haben.
    Das Problem läuft meines Erachtens darauf hinaus, dass man einschätzen muss, wie sich die Leute, insbesondere die Mitarbeiter, gegenüber den auf sie zukommenden Aufgaben und Problemen verhalten werden, ob sie diese richtig und gemeinsam angehen werden oder ob Streit und Zwietracht mehr Aufmerksamkeit gewinnen als die vorliegende Aufgabe. Die Hermeneutik - deren Hintergrund unzureichend erklärt worden ist - sollte deshalb auch angewandt werden, das Verhalten der Projektbeteiligten besser zu verstehen.
    Die Atheisten haben zweimal versucht, das Problem zu lösen: Die Rechten haben in der genetischen Disposition die Ursache für alle Probleme gesehen, eine aufwändige Auswahl betrieben und viele Leute kaum mitwirken lassen. Und die Linken haben in materiellen Bedingungen z. Zt. der Kindheit die eigentliche Ursache für alle Abweichungen gesehen und versucht, diese auszugleichen. Von diesem Standpunkt ausgehend sind sogar Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Ergebnisse als Fehler gewertet und bekämpft worden. Der Sozialismus hat damit geendet, dass viele Leute auf Positionen festsaßen, von denen sie nur noch wegwollten.
    Eine Freund-Feind-Maschine wäre sicherlich hilfreich, aber aus dem Scheitern beider Diktaturen ergibt sich, dass man einen Menschen nicht unabhängig von seiner Persönlichkeit einschätzen kann. Gläubige Menschen gehen davon aus, dass Gott - ob absichtlich, oder weil auch er das nicht anders kann - die Seelen der Menschen mit unterschiedlichen Vororientierungen erschafft, oder dass diese bereits aus einem vorigen Leben vorgeprägt sind. Unser Apostel Paulus hat in seinem Ersten Brief an die Korinther erläutert: "12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; 12,5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber [es ist] derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 12,7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, 12,10 einem anderen aber [Wunder-]Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will." [aus dem Web]
    Der Staat bzw. das Bildungssystem erhält daraus die Aufgabe, die mit der Seele gegebenen Anlagen der Menschen frühzeitig zu erkennen, auszubilden und die Menschen dementsprechend einzusetzen. Dazu ist auch zu klären, inwieweit ideelle Werte wie Orden und Ehrenzeichen sowie Titel zur materiellen Produkton erforderlich seien, und demzufolge auch Mittel aufzuwänden sind, um diese zu reproduzieren. Schwer verständlich ist für mich, dass das atheistische Gleichheitsgefasel immer noch Anhänger findet. Dabei ist mit Stirners "Einzigen" schon 1844 die schlechte Perspektive des atheistischen Standunktes offenbart worden.

    Sowohl in der Technik als auch in der Ökonomie ist heute akzeptiert, daß Hard- und Software beide Arbeit erfordern und ihren Wert haben; sonst wäre das Urheberrecht gegenstandslos. Bei dem Kopieren von Information von einer CD auf eine Diskette, einen Flashspeicher oder andere Datenträger wird keine Materie übertragen, sondern nur Information weitergegeben - und diese verschwindet dabei nicht an ihrem Ursprungsort. Übliche Computer benötigen nach ihrer materiellen Fertigstellung noch ein Betriebssystem, welches auch von einer RAM-Disk laufen kann, aber nach dem Ausschalten weg ist.
    Wieso bitte können die Geisteswissenschaftler schwerlich akzeptieren, dass ein Mensch sowohl den materiellen Körper auch eine Initialisierungssoftware - die Seele - erhält, bzw. dass diese überhaupt erst den Menschen ausmacht, und dass diese aus einer anderen Welt stammt?

    Für unser finales Projekt, die Rückkehr in die andere Welt, fragen wir uns, wie wir unsere Seele für den Übergang vorbereiten. Die Regeln, nach denen der Herr die Tür zum Paradies öffnet oder verschlossen hält, sind das Thema der Religion. Diese zu verstehen ist die Erkenntnis der Welt sicherlich nützlich; schließlich hat der Herr sie geschaffen, damit wir unsere Anlagen in ihr zu Fähigkeiten ausprägen. In einer Diskussion mit Zeugen Jehovas ist mir klargeworden, dass "Welt" für das im griechischen Original stehende "Kosmos" gesetzt ist; welches damals so viel wie das heutige "Wirtschaftssystem" bedeutet hat. In dessen der Verständnis liegt die Kirche auch einige Jahrhunderte hinter dem aktuellen Stand.
    Meine Erfahrung ist, dass
    * viele Vorgänge heute auf mehrere Leute aufgeteilt sind, so daß andere beeinflussen, ob das, was jemand tut, böse oder gut wird;
    * die ausschlaggebende Entscheidung - während sich die klugen zurückhalten - oft von einem dummen Menschen getroffen wird;
    * von jeder Alternative immer weitere Leute sowohl un- als auch günstig betroffen sind, so dass es keine Egoistischen Handlungen gibt;
    * wir dazu neigen, Menschen als Angehörige einer Gruppe zu sehen und als "einen von denen" zu beurteilen;
    so dass eine moralische Wertung des Anteils einzelner schwer möglich ist. Die Kirche hat mir bisher keine Antwort darauf gegeben. Hier sollten sich Philosophen und Theologen um eine Klarstellung bemühen.

    Da die Rückkehr in die andere Welt im Prinzip um die Verschiebung einer Datei vom diesseits an einen ihr entsprechenden Ort im Jenseits handelt, ist die Religion als ein Teilgebiet der Informatik anzusehen. Die überkommenen, ungenauen Begriffe der Theologie sollten in Begriffe der IT übersetzt werden; zuvor wäre allerdings die Begriffswelt der IT zu ordnen und sinnverändert übernommene Begriffe anderer Fachgebiete zu ersetzen.

    [*] Richard Wrangham Dale Peterson : Bruder Affe, S. 237