Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Klima-Engineering und die Nebenwirkungen

    31.03.2012, Christoph Dahl
    Klima-Engineering und die Nebenwirkungen

    Was wären dann die Folgen, wenn man die Sonneneinstrahlung auf unseren Planeten mindern würde?

    Die empfangene Strahlungsleistung an der Erdoberfläche würde doch dadurch deutlich reduziert. Damit wäre für die Nutzung von Sonnenenergie eine größere Fläche für das Aufstellen von Solaranlagen (thermische oder photovoltaische) erforderlich, genauso wie mehr (z. T. seltenes) Material für die Herstellung der benötigten Solaranlagen.

    Die Nutzung der Sonnenenergie, und auf ihr wird die Hauptlast bei einer Vollversorgung mit regenerativen Energien letztendlich liegen müssen, wäre deutlich aufwändiger und schwieriger, vielleicht gar unmöglich.

    Und wie sieht es mit der Windenergie aus. Ist nicht die Sonneneinstrahlung ganz wesentlich für die Entstehung von Winden? Wie würde sich dann eine künstliche Senkung der Sonneneinstrahlung auf das energetisch nutzbare Windangebot auswirken?

    Ganz nebenbei wäre doch auch interessant, inwieweit die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie der Atmosphäre Energie entziehen und somit der befürchteten Erderwärmung entgegen wirken kann.

    Letztendlich könnte die Reduzierung der Sonneneinstrahlung dazu führen, dass wir unsere Energieversorgung nicht mehr durch regenerative Quellen abdecken könnten, sondern gezwungen wären auf endliche Energieträger zurückzugreifen. Fossile Energieträger kämen ja aus klimapolitischen Gründen nicht in Frage, da würden wir dann wieder mehr CO2 in die Luft pusten müssen. Also bliebe dann nur die Kernenergie, mit all ihren bekannten Nebenwirkungen und der nach wie vor ungelösten Entsorgungsproblematik. Und wenn uns dann letztendlich doch die Brennstoffe ausgehen, hätten wir uns mit Hilfe des Klima-Engineerings auf einen Weg zur Energieversorgung festgenagelt, von dem wir immer noch nicht wissen, ob wir das jemals hinkriegen. Der nächste energiespendende Fusionsreaktor ist knapp 150 Mio. km weit weg. Hier auf der Erde ist noch kein Fusionsreaktor realisiert worden, der mehr Energie bereitstellt, als er selber verbraucht.

    Reduzierung der Sonneneinstrahlung bedeutet auch Reduzierung des Pflanzenwachstums, was dann nicht nur die Nutzung von Biomasse für die Energieerzeugung und von nachwachsenden Rohstoffen für die Industrie erschwert, sondern auch die Ernährung einer wachsenden Zahl von Menschen.

    Lebensmittel würden teurer, mehr Menschen würden verarmen und hungern.

    Und welche Folgen hätte dann das Einbringen lichtreflektierender Aerosole in die Atmosphäre. Früher oder später landen diese Aerosole doch in unserer Atemluft. Letztendlich sinken auch die in die Stratosphäre eingebrachten Aerosole, z. B. Schwefelpartikel, wieder in tiefere Atmosphärenschichten, wo sie von Mensch und Tier eingeatmet werden. Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie sich das auf unsere Atemwege, auf unsere Lungen auswirkt?

    Es macht sicher wenig Sinn, wenn wir zwar dann das Klima in einem Zustand halten können, der uns unser derzeitiges Leben weiterführen und unsere Wirtschafts- und Lebensweise beibehalten lässt, wenn dafür mehr Menschen unter Hunger und / oder Atemwegserkrankungen leiden und evtl. daran sterben müssen.

    Insofern sollte man sich wirklich die Frage stellen, ob die Klimaentwicklung wirklich die entscheidende Herausforderung für die Menschheit ist.

    Ist nicht die Frage, wie eine wachsende Zahl von Menschen in einer Welt begrenzter, eigentlich sogar schrumpfender Ressourcen überleben will, letztendlich die wirklich entscheidende? Insbesondere, da wir ja auch noch nach einem immer höheren materiellen Lebensstand streben.

    Letztendlich müssten wir uns doch viel mehr um einen schonenderen Umgang mit unseren Ressourcen bemühen. Das würde auch den menschgemachten CO2-Ausstoß senken.
  • Eigentlich eine Binsenweisheit

    31.03.2012, Tom
    Der Artikel ist gut, im Kern enthält er aber nur eine alte Binsenweisheit: man kann mit einfachen Statistiken und Korrelationen keine qualitativen Zusammenhänge beweisen. Speziell wenn die abgezählten Ereignisse (wie z.B. Sitzenbleiben) in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen stehen können.
    Leider ist der schlampige Umgang mit Statistiken heute eher die Regel als die Ausnahme (z.B. kann man auch nicht aus der geringen Frauenquote in den Vorständen auf eine Diskriminierung von Frauen schließen).
    Insofern - im Sinne eines Appells an mehr Sorgfalt, um nicht zu sagen mehr Intelligenz statt Ideologie in der Politik - ist der Artikel sehr zu begrüßen.
  • Ein Spiel mit dem Feuer

    31.03.2012, Bernard Neelen
    Ich halte das Climate Engineering für ein Spiel mit dem Feuer!

    Angesichts der Unmöglichkeit das Klimasystem mit seinen fast unendlich vielen Faktoren und Mechanismen überhaupt beschreiben zu können, würde ein aktiver Eingriff die Dinge zudem noch komplexer werden lassen.

    Der eingefügte Link enthält Satellitendaten von der Universität von Illinois.

    http://igloo.atmos.uiuc.edu/cgi-bin/test/print.sh?fm=03&fd=17&fy=1995&sm=03&sd=17&sy=2012

    Frage: Wo hat sich hier eigentlich was geändert?
  • hübsch!

    31.03.2012, Fritz Kronberg
    Das Erdmännchen auf den angeblichen versteinerten Regentropfen läßt mich eigentlich an einen verfrühten Aprilscherz glauben. Der Artikel scheint aber trotzdem ernst gemeint zu sein.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Kronberg,

    er ist ernst gemeint. Kein Aprilscherz.

    Beste Grüße,

    Antje Findeklee
    Redaktion spektrum.de
  • Eher eine kosmologische Zufälligkeit

    30.03.2012, Klaus Grigoleit, Hamburg
    Die neue Theorie der Entstehung einer Supernova vom Typ 1a durch die Kollision zweier Weißer Zwerge ergänzt zwar die bisherige Auffassung interessant, geht aber von einer großen kosmologischen Zufälligkeit aus und erfasst wiederum keine rotationsvariablen Gravitationszustände Weißer Zwerge. Dazu formuliert der Physiker Wolfgang Demtröder in seinem Fachbuch "Experimentalphysik 4" (Springer, 2005, S. 348 und 353): "Nach Verlust eines großen Teils seiner Hülle wird aus dem Riesenstern ein Weißer Zwerg, wenn seine Restmasse im Falle eines nicht rotierenden Sterns M < 1,4 M (Sonne) ist. Bei einem rotierenden Stern kann M bis zu 3 M (Sonne) sein."

    Ein veränderlicher Rotationszustand eines Weißen Zwergs, der einen erheblichen Teil der Gravitation des Weißen Zwergs im Hinblick auf die Chandrasekhar-Bedingung von 1,4 M (Sonne) kompensieren kann, wird offenbar gemeinhin nicht berücksichtigt. Wahrscheinlicher könnte daher eine Ursache der Entstehung der Supernovae Typ 1a sein, die sich aus einer solchen Änderung des Gravitationszustands Weißer Zwerge dahingehend ableiten lässt, dass eine seltene Supernova des Typs 1a gerade dadurch entstehen könnte, dass ein schnell rotierender Weißer Zwerg mit einer gravitativ teilweise kompensierten Masse von mehr als 1,4 Sonnenmassen, und dadurch in einem stabilen Zustand befindlich, auf Grund der Abnahme seiner Rotation (vgl. die Abnahme der Rotation von Neutronenstern/PUlsaren!) mit seiner Masse von M > 1,4 M (Sonne) in einen Gravitationszustand gelangt, in dem die Wirkung der Chandrasekhar-Grenze von 1,4 Sonnenmassen eintritt und auf Grund seiner dann erheblich zu großen Masse, ohne einen Reststern zu hinterlassen, als SN Typ 1a explodiert.
  • Erstaunlich deutlich

    30.03.2012, Klaus Grigoleit
    Es ist schon erstaunlich, dass sich ein Physiker so öffentlich über die Angewohnheit der Physik, Probleme "hinwegzurenormieren" oder vorhandene Lösungsansätze "total zu ignorieren", in dieser deutlichen Form äußert. Zu den ignorierten Lösungsansätzen gehört beispielsweise der von Robert B. Laughlin (Nobelpreis 1998) erforschte fraktionelle Quanten-Hall-Effekt, der sowohl für die Genese der gebrochenzahligen Quarkladungen als auch hinsichtlich der vom Standardmodell immer noch als Punktteilchen definierten Elektronen bedeutend ist.

    Und die Kosmologie geht auch stets vornehm über die Frage hinweg, wie die elektrisch gebrochenzahlige Ladung der Quarks aus dem urknall entstanden sein könnte.

    Aber die Physik ist sowieso irrational und transzendent! Wieso? In nahezu allen maßgeblichen physikalischen Parametern wie Spin, Drehimpuls, Kreisumfang usw. steckt die Zahl Pi, und Pi ist nun einmal eine irrationale und transzendente Zahl, es sei denn, der Wirkungswert von Pi würde in einer letzten Nachkommastelle mit dem Erreichen des physikalisch kleinstmöglichen Wirkungs-Teilbetrags von hquer/halbe (Planck'sches Wirkungsquantum) auf Null aufgehen.
  • Vorne oder hinten?

    30.03.2012, Siegfried Gipp
    Interessant, der Gadanke, dass die Vergangenheit sowohl "vorne" als auch "hinten" verortet werden kann. Beides kann durchaus Sinn machen. Wenn ich die Vergangenheit betrachte, wende ich mich der Vergangenheit zu. Konsequenterweise liegt sie dann vor mir. Wenn ich von einem linearen Zeitverlauf ausgehe, liegt dann die Zukunft logischerweise hinter mir. So gesehen wird also "vorne" und "hinten" ich-zentriert definiert. Objektiv kann vorne ganz woanders sein.
  • Argumente? Optionen? Kosten?

    30.03.2012, Jonas S.
    Grundsätzlich kann man die Kritik an der Ethikkomission und wie die ganze Sache insgesamt gelaufen ist ja schon berechtigterweise Kritisieren. Dabei muss man dann aber doch trennen:
    - so viel schneller als der Ursprünglich geplante Atomausstieg wird's ja jetzt auch nicht gemacht - was genau ist also das Problem?
    - wenn man mangelnde Kompetenz vorwirft, sole man selbst natürlich mit Sachwissen und -argumenten nur so um sich werfen - leider passiert das nicht, anstattdessen warden einzelne Punkte aus dem Bericht aufgegriffen, als unsinnig abgetan - und das dann leider nicht begründet.
    - unabhängig von Expertenmeinungen und sonstigem - Demokratie bedeutet, dass die Mehrheit entscheided, auch wenn es einem (vielleicht sogar begründeterweise) gegen den Strich geht. Klar kann auch die Mehrheit nicht entscheiden, dass eins und eins ab jetzt drei ergibt - in der Frage der Energieversorgung ist das doch aber wohl drin.
    - Wieviel Arbeitsplätze hängen den jetzt eigentlich genau an diesen energieintensiven Branchen? Und andersrum - wieviel Arbeitsplätze können in einer "Effizienz"-Branche geschaffen werden?
    - Atomkraft ist TEUER. Zumindest für die Gesellschaft, selbst ohne GAU - Rückbau, Lagerung, die Subventionen die eh schon in der Vergangenheit geflossen sind.
    - Atomkraft ist furchtbar kompliziert und zentralisiert, und nur einzelne Unternehmen profitieren. Bei den Dezentralen verdient auch der Handwerker von nebenan, gleiches bei Wärmedämmung von Häusern usw.
    - Vielleicht haben wir einen höheren Strompreis - gleichzeitig aber auch besser isolierte Häuser. Was kommt UNTERM STRICH den tatsächlich als Mehrbelastung raus?
    - Warum wird mit keinem Wort die Situation vor ein paar Wochen erwähnt, als deutscher Solarstrom in Frankreich beim Häuserheizen geholfen hat?
    - Pumpspeicherwerke … das ist also unsere einzige Option für Energiespeicherung? Warum wird mit keinem Wort die Möglichkeit von Strom-zu-Gas erwähnt, wo wir als netten Nebeneffekt schon die komplette Infrastruktur inclusive gigantischer Speichermöglichkeiten haben?
    - Schade für die großen, überregionalen Energieversorger. Riesen Verluste. Im Normalfall wirft man in so einem Fall die Geschäftsführer raus, weil sie offensichtlich die Zeichen der Zeit verkannt haben und NICHT schon vor zehn Jahren viel starker in Regenerative investiert haben. Selber Schuld, Strukturwandel verkannt, setzen, sechs.
    - Klar kann Atomkraft sicher sein - aber siehe Norwegen, was kostet den ein neues AKW? Wieivele Milliarden? Da ist die Energiewende doch nicht so wesentlich teuerer (wenn net billiger).
    - Persönliche Meinung: mir ist eine dezentrale Energieversorgung, wo die einzelnen Erzeugerstellen Privatpersonen oder Stadtwerken gehören zehnmal lieber als eine zentralisierte, wo ein paar Großkonzerne n Haufen Geld machen!

    Und ganz grundsätzlich: man stelle die Leute vor die Wahl einer zentralen Energieversorgung die regelmäßige Brennstofflieferungen braucht (beim AKW eben Uran oder sonstwas), die in der Hand ein paar weniger Firmen ist, oder einer dezentralen Stromversorgung, die KEINERLEI Brennstoff braucht und zudem zum Großteil in privater oder kommunaler Hand ist?
    Das ware die eigentliche Frage, die es zu klären gibt. DANN kann man alle entsprechenden Konsequenzen ziehen. Und WENN ein Land die Energiewende in zehn Jahren durchziehen kann, dann ist es im Moment Deutschland (dank der letzten zehn Jahre Vorbereitung), und natürlich Japan, einfach weil die so ziemlich alles machen können was sie wollen, wenn sie nur wollen - und da besteht durchaus die Möglichkeit, dass sie das tun. Und auch Japan wird dabei im übrigen sehr stark auf CH4 setzen, da dort eh schon viel mit Gas gemacht wird - Infrastruktur schon da, Probleme halbiert. Subbr.

    PS.: wenn wir auch noch Autos mit Gas betreiben, brauchen Tankstellen nur noch n Gasanschluss statt regelmäßige Lieferungen per Tanklaster. Macht des Sinn bzw. geht des?

    PPS.: weniger mit dem Schicksal hadern, mehr das Schicksal in die Hand nehmen, dann gibt's die großen Energieversorger auch in zwanzig Jahren noch. Wenn die ganzen "Experten" dieser Konzerne (und der Politik, Stichwort Megabremse Rösler) einfach mal alle an einem Strang ziehen würden, wär au scho viel besser, gell ...
  • Über Ethik in Systemen lässt sich streiten

    29.03.2012, Bieski
    Ethik wird jeder entsprechend seiner persönlichen Einstellung und seiner Lebensumstände anders sehen. Und wenn Ethik die größte Zielstellung der Politik wäre, dann hätten zumindest längst unser immer mehr ausuferndes und menschenverachtendes Finanzsysteme der Vergangenheit angehören müssen.
    Aber es ist schon ein ganz besonderer Vorgang in der Politik, einen so gewagten und gewaltigen Schritt für die Umstellung eines Technischen-, Wirtschafts- und damit auch Sozialsystem vom Urteil eines willkürlich ausgewählten Kreises mehr oder weniger ideologisch und daher vorbelasteter Persönlichkeiten und dann davon noch wenig Betroffener, abhängig zu machen.
    Fachleute hätten zwar die ideologischen Zielstellungen stören können, aber zumindest wären die positiven und möglichen negativen Auswirkungen in eine sachliche Beurteilung eingeflossen und auch beachtet worden. Eine große Chance für eine längst fällige Neuordnung des Energiesektors wurde vertan und die negativen Auswirkungen werden uns noch jahrzehntelang anhängen
  • Warum 1 Jahr "Inkubationszeit"?

    29.03.2012, Robert Orso
    Ich bin nun kein Spezialist auf dem Gebiet, aber eine etwa einjährige "Inkubationszeit" des Effekts deutet doch eher auf eine vermehrte Produktion männlicher Spermien bzw. eine Reduktion der weiblichen Spermien oder zumindest eine Bevorzugung direkt bei der Befruchtung.

    Ein durch Hunger verringerter Fructosegehalt im Ejakulat könnte sich ebenfalls unterschiedlich auf die Fitness der "X" bzw "Y" Spermien auswirken.

    Ob allerdings eine knapp 4%ige Verschiebung des Geschlechterverhältnisses unter so dramatischen Bedingungen überhaupt einen messbaren "Gewinn" für die Gesamtpopulation bringt ist doch auch noch nicht sicher.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Osro,



    danke auch für Ihre Zuschrift! In der Tat, die "Inkubationszeit" könnte darauf hindeuten, dass Hunger (von Vater und Mutter) während der Befruchtung eine Rolle spielt. Nicht auszuschließen ist aber auch, dass einfach ein längerer Zeitraum der Unterernährung (etwa während der Schwangerschaft) überhaupt statistisch greifbar wird. Belegen lässt sich leider bislang offenbar keine der Hypothesen. Ihre Skepsis über den womöglich geringen Effekt der Verschiebung teile ich - ganz wegzuleugnen ist er aber wohl nicht (und als Ansatz für angeregte Diskussionen dient das Thema offenbar auf jeden Fall).



    Viele Grüße, Ihre Redaktion Spektrum.de/jo
  • Noch immer unsauber

    29.03.2012, BLugger
    Ich habe mich wie Hockenberry sehr an den Formulierungen gestoßen und finde sie nach wie vor irreführend - "nach der das Geschlechterverhältnis durch die Umweltbedingungen während der Schwangerschaft mitbestimmt wird". Das klingt wie ein Mega-Epigenetischer-Effekt. Fast schon so, als müssten genetische Männer sich zu Frauen wandeln.
    a) Geht es doch wohl eher um die Mangelernährung zum Zeitpunkt der Befruchtung
    b) Wenn doch während der Schwangerschaft, so kann dies nur bedeuten, dass mehr männliche Föten und Embryos zu Fehlgeburten führten.
    Um es sauber zu machen, empfehle ich, da offensichtlich das Paper selbst keinen Aufschluss ergibt, auf den Begriff Schwangerschaft zu verzichten und dahingehend zu korrigieren, dass in Hungerszeiten eben mehr Mädchen *geboren* werden als Jungs.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo BLugger,



    danke für's Nachhaken - und siehe meine Antwort an Herrn Weber, der etwas schneller mit seiner Zuschrift in die selbe Richtung gezielt hat.



    Wie gesagt (zu a)), lässt die Datenauswertung höchstens den Schluss zu, dass eine Überlappung von Phasen der Hungersnot mit Schwangerschaften (und auch mit dem Zeitpunkt der Befruchtung und einer gewissen Zeit vorher) offenbar dazu führt, dass das durchschnittliche Verhältnis von neugeborenen Jungen zu Mädchen sich verändert.



    Den Ausweg "in Hungerszeiten werden eben mehr Mädchen *geboren* als Jungs" wollte ich auch nicht wählen: Gerade am Ende des ausgewerteten Zeitraums (dem Geburtstermin) war die Hungersnot wohl bereits vorbei. Das kann bedeuten, dass der Zeitpunkt der Befruchtung ausschlaggebender ist - beweist aber nichts, weil die Daten dafür wieder nicht ausreichen. (Mich würde interessieren, aber das nur am Rande, ob man bei den Daten tatsächlich einen Stichtag festmachen konnten, an dem eine Hungersnot für eine einzelne Befragte "endete")



    Viele Grüße, Ihre Spektrum.de-Redaktion/jo
  • Genetik?

    29.03.2012, Daniel Weber
    Ich finde es sehr problematisch, dass im Artikel immer von einer Geschlechtsbestimmung *während* der Schwangerschaft - durch Hunger - gesprochen wird. Soweit ich in Schule und Studium gelernt hab, ist das Geschlecht beim Menschen genetisch determiniert und kann daher nach der Empfängnis nicht mehr verändert werden. Es ist wohl sinnhafter, davon zu sprechen, dass Hunger allgemein eine Befruchtung mit X-Chromosom-tragenden Spermien fördert - zumindest wäre das wissenschaftlich ernster zu nehmen, als eine unterstellte, nachträgliche genetische Umprogrammierung von Y auf X.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Weber,



    danke für die Zuschrift. Tatsächlich sollte nicht der Eindruck entstehen, dass der Ernährungszustand während der Schwangerschaft über irgendeinen Mechanismus das Geschlecht des Ungeborenen verändert - das ist natürlich nicht der Fall.



    Leider ist die Methodik der Studie nicht ausgelegt, darüber zu entscheiden, ob die mögliche Verschiebung des Geschlechterverhältnisses aller erfassten Neugeborenen durch Hunger erfolgt, weil bei der Befruchtung weniger männliche Kinder gezeugt werden - oder weil am Ende der Schwangerschaft mehr weibliche Kinder überlebt haben und geboren werden. Beides wäre denkbar.



    Viele Grüße, Ihre Spektrum.de-Redaktion/jo


  • "Schuld sind Deine Eltern, die haben Dich nicht im Dreck spielen lassen!"

    29.03.2012, RS
    Die genetische Prädisposition zu Allergien und erhöhten IgE-Antikörpern im Zusammenhang mit der sogenannten Atopie ist wissenschaftlich anerkannt.
    Ebenso die enge Verknüpfung von Darm und Immunsystem.
    Auch ich habe viel draußen und "im Dreck" gespielt als Kind.
    So einfach, wie viele es behaupten, ist es leider nicht.

    Tatsächlich keimfrei kann ein Kind überhaupt nicht aufwachsen, selbst, wenn die Eltern auf Hygiene achten, was in Bezug auf Helicobacter Pylori auch alles andere als schlecht für das Kind wäre.
  • Entscheidung über das Geschlecht während der Schwangerschaft?

    29.03.2012, Hockenberry
    Das ist mir neu, dass die Bedingungen WÄHREND der Schwangerschaft über das Geschlecht des Menschen entscheiden. Ich hätte wetten können, das würde im Moment der Befruchtung passieren.
    Antwort der Redaktion:
    Hallo Hockenberry,

    Wohl wahr, das Geschlecht des gerade gezeugten Kindes entscheidet sich im Moment der Befruchtung - ich habe noch einmal rasch über meine missverständlichen Sätze im Text gebügelt, vielen Dank!

    Natürlich ging es im Text um die Möglichkeit, dass die Bedingungen während der Schwangerschaften in einer Zeitspanne das Geschlechterverhältnis der in dieser Periode dann geborenen Neugeborenen verändern. Diskutiert wird etwa, dass männliche Embryos eine Unterversorgung der Mutter weniger gut tolerieren und unter diesen Bedingungen häufiger sterben.


  • ADHS und Einschulung

    28.03.2012, triguna
    In diesem Zusammenhang finde ich es für die Eltern und die Kinder äußerst schwierig, mit der Diagnosestellung so lange - bis nach der Einschulung - zu warten. Unreife kann man auch vorher schon feststellen und hoffentlich als Fachmann von ADHS unterscheiden, außerdem beginnt in den Kindergärten im letzten Halbjahr schon eine gewisse spielerische Vorbereitung auf die Schule, warum kann man da nicht mit den Kindergärten zusammenarbeiten? Da kann man vielleicht sogar noch besser feststellen, wieweit sich das Verhalten erstreckt.

    Auch die ausländischen Kinder werden in deutscher Sprache frühzeitig gefördert und bei Kindern, wo man ADHS vermutet, sollte man doch auch schon frühzeitig versuchen, die Weichenstellung zu ändern. Unser Sohn ist davon betroffen gewesen und wir haben Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um sein Verhalten aufzufangen, viel Bewegung, aber auch Regeln setzen, malen - leider Gottes, denn irgendwann muss er ja auch schreiben lernen, Geduld und liebevolle Zuwendung - eine Nervenprobe. Er hatte eine Ergotherapie - ich empfand das als Hilfe zur Erziehung und wichtig, auch eine Beratung durch die Kinderpsychologin, weil man manchmal einfach nicht weiß, wie und womit man helfen kann.
    Daher finde ich für die weitere Entwicklung die frühzeitige Diagnose (und sei es "Verdacht auf...") sehr wichtig, um frühzeitig etwas zu unternehmen und zu ändern. Das hat doch die besten Erfolgsaussichten.
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