Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • "Das Auge, das ins Universum schaut, ist das Auge des Universums selbst." (J. Gaarder)

    21.12.2011, Julia Suchanka, Würzburg
    Danke für diesen Artikel, Herr Tapp! Als Medizinstudentin mit persönlichem Interesse an Philosophie freut es mich sehr, dass es Ihr Artikel auf die Titelseite des Spektrums geschafft hat! Goethes Frage "Was die Welt im Innersten zusammenhält" muss jeder selbst für sich herausfinden - schließlich lebt jeder ja auch irgendwie in seinem eigenen persönlichen, alltäglichen Mikrokosmos.
    Ohne Vorstellungskraft, Fantasie und Hoffnung geht es aber auch in der Wissenschaft nicht. "L’imagination est plus important que la connaissance." Dieser Satz stammt von Albert Einstein.
    Hätten Forscher (beziehungsweise der denkende Mensch im Allgemeinen) nicht eine Idee, eine Vision an etwas auf Neues zu entdecken, säßen wir wahrscheinlich noch auf Bäumen, ganz zu schweigen von den neuesten enorm spannenden Entwicklungen in z. B. Astrophysik und Medizin.
    "Ich weiß, dass ich nichts weiß" - selbst uns 2011 tut dennoch bei aller Erkenntnis Bescheidenheit immer noch gut. Und sie treibt uns an, nach neuen Erkenntnissen zu suchen.
    Ich wollte immer schon wissen, wie der Mensch "funktioniert" und mein Leben sinnvoll verbringen - in dem ich anderen Menschen, denen es nicht gut geht helfe. Durch Politik und Philosophie lässt sich die Welt leider nicht so leicht zum Guten verändern ... sonst hätte ich diesen Weg gewählt.
  • Thema verfehlt!

    21.12.2011, K. Rust, Ahrensburg
    Bereits der Titel "Vernunft und Glaube" und das dazugehörige Bild sind stark einengend. Weder gibt es, wie hier suggeriert wird, ein Auseinanderdriften von Vernunft und Glaube, noch wird auf die Trennung zwischen Intellekt und Vernunft eingegangen. So kann man durchaus die Frage stellen, ob Wissenschaft immer vernünftig ist. Außerdem werden im Anfang des Artikels "gängige Widersprüche" aufgezählt, die eigentlich dem Kindergartenbereich zuzuordnen sind. Ursache dafür ist meines Erachtens, dass Glaube hier einseitig dem kirchen-christlichen Zweig zugeordnet wird. Andere Religionen sind hier nicht erwähnt. Welche Hybris! Vielleicht sollte man sich einmal beispielsweise mit Zen oder der christlichen Mystik auseinandersetzen, um zu erkennen, dass unsere menschliche Logik uns nur bis zu einem gewissen Punkt führt, den der Intellekt nicht überschreiten kann. Wenn man sich allerdings darauf versteift, in Gott einen alten Mann mit Rauschebart zu sehen, fällt es einem leicht, Religion abzulehnen. Merkwürdigerweise waren viele führende Naturwissenschaftler sehr gläubig. Heisenberg z. B. soll einmal gesagt haben: "Wenn man den Kelch der Erkenntnis ganz austrinkt, findet man auf seinem Grund Gott." Letzten Endes bewegen sich die Argumente der "Ungläubigen" immer nach auf der Ebene. "Ich glaube nur das, was ich sehe!" Naturwissenschaft ist ein sehr gutes Mittel, die Gesetzmäßigkeiten dieser Natur (sic!) zu ergründen, aber sie ist nicht geeignet, deren Grenzen zu überschreiten. Die These "es gibt nur das naturwissenschaftlich Ergründbare" ist ein reiner Glaubenssatz. Es ist die Religion der Atheisten, und diese unbewiesene These zu verteidigen wird eine Energie aufgewendet, die inquisitorische Züge aufweist. Ich möchte abschließend als gläubiger Naturwissenschaftler die These aufstellen, dass die Menschheit nur dann eine Überlebenschance hat, wenn sie Wissenschaft und Glaube als sich ergänzende und sich nicht widersprechende Bereiche sieht. Ein Wort der Klärung zum Schluss: Weder der islamische Fundamentalismus noch die Gräueltaten, die im Namen der Kirche verübt wurden, haben irgendetwas mit Glauben zu tun!
  • Zipfel verpasst

    21.12.2011, Dr. Detlef Skaley
    Der Titel weckt Erwartungen, die vom Artikel nicht erfüllt werden. Anstatt etwa der Frage nachzugehen, welche Rolle Glaube generell beim menschlichen Tun, bei der menschlichen Entwicklung und des vernunftbegabten Handelns einnimmt, werden einseitig die Lehren einer speziellen Ausprägung einer einzigen Religion propagiert. Dabei hätte der Autor einen Zipfel zu einem wissenschaftlicheren Ansatz schon fast in der Hand gehabt, als er den Wahrheitsanspruch dieser Glaubensrichtung erwähnte, aber leider verpasste, ein Fragezeichen zu setzen. Vollends vor den Kopf gestoßen muss sich wohl ein Andersdenkender fühlen, wenn er / sie in die Ecke der Ungläubigen gestellt wird, wenn auch in einem Zitat.

    Der Redaktion von SdW wünsche ich ein gutes Händchen, damit wir in Zukunft nicht über den wissenschaftlichen Anspruch von, pars pro toto, Esoterik oder UFOlogie lesen müssen.
  • Überflüssig...

    20.12.2011, Kirsten Schmidt
    Ich lese die Spektrum der Wissenschaft gerne, weil ich es schätze, über Versuche, Entdeckungen, Hypothesen und Möglichkeiten von Lösungen drängender Probleme informiert zu werden.
    Aber Gottes"beweise"? Die "Vernunft" eines angenommenen Weltenlenkers? Die "Vereinbarkeit" von Wissenschaft und Religion?
    Nicht verifizierbar, nicht falsifizierbar - aber seitenweises Ausbreiten über die Annahme, es gäbe einen Gott. Nun gut, das menschliche Hirn funktioniert eben so, dass Lücken in der Erkenntnis mit Annahmen gefüllt werden...darüber würde ich lieber etwas lesen!
    Mir kommt der ganze Artikel vor wie eine Verteidigung der Existenzberechtigung der Theologie - seht her, was wir Wichtiges zu diskutieren haben. Öde.
  • Luft bewegt die Vögel

    20.12.2011, Hans Palm, Frankfurt am Main
    Am Schluss des Artikels werden drei Punkte erwähnt, die den Forschern mysteriös erscheinen:
    a) Vogelschwärme sind nicht kugelförmig, sondern horizontal abgeflacht;
    b) an den Rändern eines Schwarms befinden sich mehr Vögel als im Innern;
    c) Geschwindigkeitsvektoren, die von der Durchschnittsgeschwindigkeit des Schwarms abweichen, korrelieren über weite Teile des Schwarms.

    Ich habe den Eindruck, dass den Forschern ein ganz wesentlicher Punkt entgangen ist: Anders als die im Artikel erwähnten Kugelsternhaufen bewegen sich Vögel eben nicht im luftleeren Raum, ganz im Gegenteil! Man kann das Verhalten von Vogelschwärmen nicht realistisch analysieren, wenn man die Luftströmungen vernachlässigt, die doch bei so leichtgewichtigen Vögeln sicher eine entscheidende Rolle spielen!

    Verständlicherweise bevorzugen die Vögel im Schwarm Positionen, wo sie Windunterstützung haben und sie daher selbst Kraft sparen können. Daher die abgeflachte Form des Schwarms: So ist die Schwarmoberfläche größer, es haben mehr Vögel Kontakt zum Wind. Daher halten sich die Vögel lieber an den Rändern auf; dort und hinten haben sie höhere Geschwindigkeiten.

    So bleibt beim Verhalten von Vogelschwärmen nicht mehr viel Rätselhaftes übrig, außer vielleicht: Warum steigen Vögel der derselben Art überhaupt gleichzeitig auf, vereinigen sich zu Schwärmen, die kunstvolle Manöver vollziehen, und lassen sich dann wieder an ihrem Ausgangsort nieder?

    Ich vermute, weil es ihnen einfach Spaß macht. Wir Menschen gehen auch gerne zu Popkonzerten oder auf Fußballplätze, um dieses besondere Gemeinschaftserlebnis zu empfinden. Aber um die Gleichzeitigkeit des Aufsteigens zu erklären, muss man vielleicht doch Gedankenübertragung in Erwägung ziehen.
  • Gelungenes Zeitgeist-Summary

    20.12.2011, Werner Ivens, Rottenburg
    „Wer Wissenschaft und Kunst besitzt, hat auch Religion, wer jene beiden nicht besitzt, der habe Religion.“
    Dieses meines Erachtens elitäre Konzept entwarf Goethe:
    Für die dümmeren Massen haben wir die Religion, die anderen können sich daüber erheben, weil sie Wissenschaft und Kunst besitzen.
    Heute stehen Naturwissenschaftler an vorderster Front der Religionskritik und die Philosophen müssen nachziehen, weil sie dieses Thema lange verschlafen haben.
    Dass Vernunft und Glaube als Doppelpack verschränkt sind, wie ein Möbius-Band, könnte im SdW-Cover-Foto [Vernunft/Glaube] assoziiert werden, oder ist das konkurriende Verhältnis doch eher beschreibbar als oxymoronmässiger Widerspruch wie ein „verheirateter Junggeselle“.
    Es ist nicht entscheidend, ob ich an Gott glaube oder nicht.
    Habe ich einen religiösen Zugang zur Wirklichkeit, gehe ich von heiligen Sätzen aus, die unbedingt geglaubt werden müssen.
    Als philosophischen Zugang habe ich Hypothesen über Zustand und Entwicklung der Welt, die fehleranfällig sind und verbessert werden müssen.
    Als agnostische Grundstruktur darunter, weiß ich nicht, was die Wahrheit ist.
    Ich hab nur Hypothesen, die ständig durch neue Indizien aufgedated werden müssen.

    Insgesamt halte ich Ihren Vernunft und Glaube Leitartikel für ein gelungenes Zeitgeist-Summary auf nur 16 Seiten.
  • Gottesglauben, Ungläubige und Wissenschaftlichkeit

    20.12.2011, Dr. Wolfgang Lüdge
    Mein Glauben an wissenschaftliche Berichterstattung im Heft 1/12, Vernunft und Glaube, wurde schwer erschüttert.
    Als Erstes fehlt die Begriffsbestimmung „Glauben“. Für Herrn Tapp ist Glauben identisch mit dem Gottesglauben der monotheistischen Religion. Der Vielgötterglaube im Hinduismus, der Glaube im Buddhismus, der Glaube an ein harmonisches Zusammenleben gemäß der konfuzianischen Lehre aber auch der Glaube der Atheisten an das moralische Verhalten der Menschen unabhängig von religiösen Dogmen wurde schlicht ignoriert, obwohl die überwiegende Mehrheit der Weltbevölkerung diese Glaubensart bevorzugt.
    Die Gleichsetzung des Begriffs Glauben mit dem Gottesglauben diskriminiert auf diese Weise den Glauben derjenigen, die keinen Gott für ihren Glauben an die moralischen Werte einer Gesellschaft benötigen, indem sie als Ungläubige bezeichnet werden, wie leider auch in diesem Artikel geschehen.
    Zweitens: Das auch in diesem Artikel vertretene Dogma „Gott ist demnach der Grund für die Ordnungsstrukturen der Welt“ ist wissenschaftlich sowohl mit Blick auf die Entstehung des Lebens und insbesondere des Menschen durch die Evolution, die ohne eine Ordnungsstruktur auskommt, als auch durch die Ergebnisse der kosmologischen Forschungen widerlegt.
    Drittens: Dogmen benötigen keine Wissenschaft. Sicher kann eine Religion mit Gottesglauben für ihre Argumentation eines moralischen Verhaltens mit Vernunft argumentieren. Wenn sie dies nicht täte, wäre sie unvernünftig, wissenschaftlich ist sie damit jedoch noch nicht. Wissenschaftlichkeit setzt Zweifel an Dogmen voraus, d. h. ohne Winkelzüge auch die Existenz eines Gottes in Zweifel zu stellen und mit wissenschaftlichen Methoden zu überprüfen, ob ohne Annahme einer Ordnungsstruktur, d. h. ohne einen ordnenden Gott, andere Ergebnisse sowohl in unserer physikalischen und biologischen Umgebung als auch im moralischen Verhalten der Menschen untereinander erhalten werden.
    Die wissenschaftliche Fragestellung klingt sehr simpel, ist aber entscheidend: Kommt man mit der Annahme eines ordnenden Gottes zur besseren Erklärung der Entstehung des Kosmos, des Lebens auf der Erde, der menschlichen Gesellschaft und des moralischen Verhaltens der Menschen untereinander? Solange diese wissenschaftliche Fragestellung von einer gottesbezogenen Religion abgewehrt wird und das Dogma der Existenz eines Gottes als unantastbar gilt, ist Religion von Wissenschaftlichkeit weit entfernt.
    Antwort der Redaktion:
    Der Ausdruck „Glaube“ wird für viele, nicht nur für christliche Haltungen verwendet. In meinem Artikel ging es aber um den christlichen Glauben – ohne anderes im Entferntesten diskreditieren zu wollen. Als „Ungläubiger“ wird in meinem Aufsatz niemand bezeichnet.

    Christian Tapp
  • Religion ohne Vernunft

    20.12.2011, Walter Weiss, Kassel
    Allein die Naturwissenschaften beruhen auf Vernunft und Rationalität, allein sie können verlässliche Grundlage unseres Denkens sein.

    Danach sind Glaube und Religion nichts als Menschenerfindungen – mit zwei Zweckrichtungen:

    (1) einer ursprünglichen: diejenigen Naturphänomene zu erklären, die – bisher – nicht naturwissenschaftlich erklärt werden können oder vor deren Erklärung Tabus bestehen (Beispiel: Tod);

    (2) einer erst nach großer Vermehrung der Menschen (über die Größe einer Großfamilie hinaus) notwendig gewordenen: Empathie zwischen zusammen Lebenden zu schaffen, also die Überwindung des Eigennutzes zu lehren (meist mit dem Versprechen, im Nirwana dafür belohnt zu werden).

    (1) dient dem Einzelnen, (2) einer größeren Gemeinschaft.

    In (1) fehlt es nach Definition an jeder Ratio. In (2) kann die Ausgestaltung rational sein, ohne dass dies auf Religionen beschränkt wäre: Auch die ebenfalls menschliche Erfindung 'Demokratie/Menschenrechte' hat diese Eigenschaft, ohne die geschichtlich grauenhaften Erfahrungen mit den Religionen aufzuweisen und ohne auf Religionen angewiesen zu sein.

    Allenfalls Teilaspekte von Religionen können rational sein, z. B. die Religionsgeschichte, die Sprachexhegese, die psychologisch-medizinische Untersuchung der Fragen, warum es gewissen Menschentypen/auf gewisse Weise erzogenen Menschen besser/schlechter als anderen Menschen geht, usw. Das sind indessen erkennbar ohnehin nur Teilaspekte installierter Wissenschaften (Geschichte, Sprachwissenschaften, Medizin, Psychologie usw.).

    Nur soweit derartige Teilaspekte Gegenstand von Forschung und Lehre sind, ist es in unserer Gesellschaft vertretbar, sie an den Hochschulen zu lehren. Ansonsten haben sie dort nichts zu suchen und sind nichts anderes als Astrologie. Soweit Theologen gleichwohl auf Lehrstühlen bestehen, wird ihre Einstellung spätestens dann entlarvt, wenn es darum geht, auch für Islam-'Wissenschaftler' entsprechende Lehrstühle einzurichten.

    Eine Trennung von Staat und Kirche kann gar nicht oft genug reklamiert werden.

    Keine Religion ist von Vernunft oder Verstand ausgefüllt. Das wird bereits an dem verwandten Vokabular deutlich: Wer ständig Glaube mit Wahrheit, glauben mit wissen gleichsetzt oder gar an Wunder glauben möchte, pervertiert den eindeutigen allgemeinen Wortgebrauch, erst recht den der Naturwissenschaften; es kann ihm nicht gelingen, durch solche Verfälschungen die Religionen zur Wissenschaft zu machen.

    Kein Naturwissenschaftler, der seine fünf Sinne beisammen hat, wird bestreiten, dass bestimmte Menschen mit Glauben glücklich (oder auch unglücklich!) sind – eben weil Glaube und Wissenschaft aus den genannten Gründen völlig heterogen sind. Und auch ein Naturwissenschaftler kann zu der Auffassung gelangen, dass es ordnende Mächte außerhalb der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse geben könnte – natürlich ohne seine Intention aufzugeben, auch in dieser Richtung noch weiter naturwissenschaftlich zu forschen.

    Menschen sind nun einmal auf die Erkenntnisse beschränkt, die ihnen ihre körperlichen Sinne verschaffen – auf ehrlicher und logischer Ausnutzung dieser Erkenntnisse beruht jede Kultur, jedes Denken, jeder naturwissenschaftliche Fortschritt, aber eben gerade nicht Glaube und Religion.
    Antwort der Redaktion:
    Herr Weiss, am Anfang Ihres Leserbriefes legen Sie ein „naturalistisches Glaubensbekenntnis“ ab, bei dem ich mich unwillkürlich frage, wie die Leserschaft von Spektrum wohl reagiert hätte, wenn ich statt meines Artikels auch einfach ein christliches Glaubensbekenntnis abgelegt hätte!? Gegen einen so extremen Naturalismus, wie Sie ihn propagieren („allein die Naturwissenschaften ...“!) gibt es mindestens seit Kant eine ganze Latte von philosophischen Argumenten. Ich gebe Ihnen aber Recht mit Ihrer Kritik daran, dass Glaube mit Wahrheit gleichgesetzt wird. Aber Vorsicht: Unser alltägliches Glauben ist nicht viel anderes als Für-wahr-Halten. Das Problem besteht doch eigentlich erst da, wo das Pathos „Wir haben die Wahrheit gepachtet“ auftritt. Zu sagen, ich bin überzeugt, dass das, was ich glaube, wahr ist, ist fast schon eine Tautologie. Ihr Hinweis auf die Beschränkung auf Sinneserfahrung ist hilfreich. Auch Thomas von Aquin war der Ansicht, dass all unsere Erkenntnis von den Sinnen ausgeht. Dazu gehört aber auch das, was wir durch das Zeugnis anderer erfahren. Wie bewerten wir diesen Sinnes-Input? Und übrigens: Logik können wir nicht durch Sinneserfahrung lernen – wenn Sie also fordern, man müsse die Sinneserfahrung, unsere einzige Wissensquelle, logisch ausnützen, haben Sie die Quellen längst sinnvoll erweitert.

    Christian Tapp

  • Quecksilber als potentes Umweltgift

    20.12.2011, Dr. Hans-Joachim Scheel
    Da Industrieabfälle schon länger die Meere vergiften, wie Quecksilberuntersuchungen an Fischen belegen, sorgen zusätzliche Euecksilberemissionen in der Atmosphäre für weitere Umweltschäden. Allein schon deswegen ist der derzeitige Klimaschutz für die Katz und wirkungslos.
  • Vernunft und Glaube

    19.12.2011, Michael Stadler
    Das Verhältnis von Glaube und Vernunft ist eigentlich bereits geklärt.
    Die Religionen sind ein durchaus weltliches Machtsystem, das es hier zu Lande immerhin ein Jahrtausend lang fertig brachte, den wissenschaftlichen Fortschritt zu unterdrücken. Die wissenschaftliche Weltsicht ist aber wesentlich geeigneter, die technische (und auch erkenntnistheoretische) Entwicklung voranzutreiben, als der Glaube an übernatürliche Wesen, die als sowohl allmächtig als auch völlig willkürlich agierend gedacht werden. Damit kann man alles erklären - und das Gegenteil genauso. Daher war die Religion zu einem Rückzug verdammt, der in verstreuten logikwidrigen Restbeständen von Glaubenssätzen endet. Selbst die Entstehung der Religiosität selbst ist hinreichend wissenschaftlich erklärt (vgl. z.B. Pascal Boyer "Und Mensch schuf Gott"). Die Theologie in eine Reihe mit ernsthaften Wissenschaften zu stellen, ist für eine Wissenschaftszeitschrift unangemessen.
    Besonders schön ist die unbelegte Behauptung Herrn Tapps, ein Religionsunterricht würde "religionsmündig" machen (S. 62). Das wäre der Fall, wenn die Schulen ihrem Bildungsauftrag gerecht würden und einen Religionsunterricht anböten, der über Religionen aufklärt: über ihre Entstehung, ihre Unterschiede und ihre Historie, die in erster Linie eine Kette von Verbrechen ist. Ein "Religionsunterricht", der als konfessionelle Indoktrination betrieben wird, hat an einer staatlichen Schule keine Daseinsberechtigung.
    Die oft strapazierten "Vorteile" der Religion für die Gesellschaft ließen sich wesentlich effektiver durch die Verbreitung humanistischer Ideale erreichen als durch die staatliche Alimentierung der Amtskirchen.
    Antwort der Redaktion:
    Es ist eine Aufgabe des konfessionellen Religionsunterrichts, die von Ihnen geforderte Aufgabe zu leisten. Das reicht aber nicht für Religionsmündigkeit. Ähnlich wie man sich kaum für eine Sportart oder ein Musikinstrument entscheiden kann, wenn man nur über Sport und Musik „aufgeklärt“ worden wäre. Religionen muss man von innen kennen lernen, um frei und aus eigener Anschauung darüber entscheiden zu können, welcher Religion man angehören will oder eben nicht. Günter Grass, nicht als besonders religiöser Mensch bekannt, hat u. a. aus diesem Grund seine Kinder taufen lassen, habe ich mir sagen lassen.

    Christian Tapp

  • Nichts Neues seit Galileo

    19.12.2011, Freda R. Carpino
    Das Problem hat sich seit Galileo nicht grundlegend verändert: Die grundsätzliche Frage lautet, wo denn die endgültige Quelle der Erkenntnis zu liegen hat. Für die Naturwissenschaften ist es klar: in der Natur. Für die Religion ist es auch klar: in der Heiligen Schrift, bzw. in den der Auslegung mächtigen Priestern. Das führt immer wieder zu Problemen.

    Bei einem legeren Religionsverständnis wie etwa von Planck, Einstein oder Freud, wird das unter den Teppich gekehrt. Ist aber trotzdem noch latent vorhanden.

    Und ganz besonders krass wird es, wenn die verschiedenen Religionsgelehrten aufeinandertreffen: Dann denkt jeder, er wüsste ganz genau, was richtig und falsch sei. Und alle anderen, die sich der Meinung nicht anschließen seien im Zustand der Sünde und des Irrtums. Religion ist also latent intolerant. Nicht nur zu den Naturwissenschaften, sondern auch intern.
  • Münchhausen grüßt

    19.12.2011, Dirk Graf
    Ist ja sehr süß, wie Herr Tapp auf S. 61 die Wahrheit bemüht, um die Religion in den Stand einer Wissenschaft zu heben. Aber Religion ist nicht nur das Christentum, sondern auch Kreationismus, Cargo-Kult, Allah und ... und...

    Im übrigen habe ich festgestellt, das für jeden Gläubigen die andere Religion IMMER die falsche und damit (ein Blick in die Nachrichten reicht) die zu bekämpfende ist.

    Und spätestens da hört Wissenschaftlichkeit auf.
  • Theologie eine Wissenschaft?

    19.12.2011, Hans-Peter Nicolai
    Da fehlt doch was in der Betrachtung, ob Theologie eine Wissenschaft ist oder nicht ...
    Es gibt sicher Erscheinungen und Kräfte, die - wenn vielleicht nicht im gesamten Universum gültig sind - doch unabhängig von einem Betrachter oder Erleider vorhanden sind - die Schwerkraft, die Elementarteilchen, die Möglichkeit der Kernfusion mit allen Konsequenzen.
    Die Auswirkungen dieser "absoluten", dem Raum-Zeit-Gefüge innewohnenden Eigenschaften erzeugt das Sonnensystem, das, was wir Erde nennen, erleidet der Urschleim, die Dinosaurier, die Affen und letztendlich auch der Mensch, aber es gibt sie auch unabhängig von der Anwesenheit eines kommentierenden Betrachters.
    Zwar wird mehr und mehr nachgewiesen, dass auch Affen Gefühle haben und zeigen, auch Mitgefühl, auch sie täuschen, tricksen und töten, sie haben auch das, was wir "Selbstbewusstsein" nennen, aber bislang gibt es noch keinen Nachweis dafür, dass Affen einen Glauben an ein höheres Wesen haben, zumindest gibt es in der Affengesellschaft keine soziale Stellung "Priester". So ist der Mensch wohl - zumindest nach heutigem Wissen - das einzige Lebewesen, welches an Geister, Götter, Allmacht und dergleichen glaubt. Also ist doch die Frage nicht die, ob es einen Gott gibt, sondern wir müssen uns fragen, was bei der "Menschwerdung", beim Übergang von ...pithecus zum homo ... wohl geschehen ist, dass die Homo sapiens (sapiens) ein solches Gedankenkonstrukt aufbauen - unabhängig davon, ob es logisch ist, ob es so etwas gibt oder nicht - die Möglichkeit, das Vorhandensein eines Gottesglaubes ist eine (allein) dem Menschen innewohnende Eigenschaft, aber deshalb muss das Ergebnis des Konstrukts nicht notwendigerweise vorhanden sein.
    Antwort der Redaktion:
    Herr Nicolai, ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass aus dem Vorhandensein des Gottesglaubens noch nicht das Vorhandensein des Gottes, an den geglaubt wird, folgt. Dafür muss man eigene Argumente, z. B. eben die berühmten Gottesbeweise, versuchen – wenn man denn meint, dass man das Problem direkt argumentativ angehen kann. Was den Übergang zum Menschen und seine Entwicklung religiöser Überzeugungen angeht, gebe ich zu bedenken, dass man die Entstehung eines Gedankens von der Frage nach der Wahrheit seines Inhalts abkoppeln muss. Z. B. kann ich das Ergebnis einer komplexen Rechenaufgabe raten – dadurch wird es aber nicht falsch. Wenn man also wissen will, was es mit religiösen Behauptungen auf sich hat, darf man sie nicht nur historisch oder evolutionsmäßig untersuchen, sondern muss sich auch mit ihrem Inhalt befassen.

    Christian Tapp

  • Mehr Mut!

    19.12.2011, Peter Robert
    Ich finde es erstaunlich, wie zurückhaltend viele Wissenschaftler mit religiösen Fragen umgehen (Herr Volland ist hier nicht gemeint). Es ist ja schön, dass eine religiöse Elite, wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptiert, an der Basis sieht es aber ganz anders aus. Richard Dawkins schießt keineswegs übers Ziel hinaus, er macht nur deutlich, was andere sich offensichtlich nicht trauen. Ein kleines Beispiel für den überschwappenden Kreationismus: Die "Hör Zu" brachte in der Ausgabe 47 einen Bericht mit dem Titel "Das Wunder Mensch". Na gut, von "Wundern" wird zwar leichtfertig, aber häufig doch im übertragenen Sinn berichtet. Interessant ist aber 2 Ausgaben später ein Leserbrief - und zwar nur ein einziger, also unwidersprochen : "Und es ist unverständlich, dass wir dahinter nicht den Schöpfer erkennen, nach dessen Bild wir geschaffen sind. Da schafft man sich dann mit 'Urknall' und 'Evolutionstheorie' eine Krücke, die nicht wirklich taugt." Die "Hör Zu" hat immerhin eine Auflage von 1,5 Millionen.
  • Intelligentes Netzwerk

    19.12.2011, yoatmon
    Mein Elektrofahrzeug stünde nicht zur Verfügung zur Stromversorgung in einem intelligenten Netz.
    Mein Fahrzeug soll stets zur Nutzung bereit stehen - auch für einen Notfall - um von A nach B zu gelangen. Müsste ich plötzlich und unvorbereitet eine Fahrt zum Arzt oder Krankenhaus antreten und stünde vor meinem Auto mit einer (fast) leeren Batterie, wäre das - gelinde ausgedrückt- sicherlich nicht erfreulich.
    Für weitaus sinnvoller würde ich eine Pufferbatterie im Keller meines Hauses halten. Diese könnte zur Zeiten Stromüberschusses geladen, und bei Bedarf ins Netz zurück gespeist werden. Aber nicht meine Autobatterie!
    Antwort der Redaktion:

    Wie in dem Beitrag angemerkt (oder auch hier: "Die Rechnung geht auf"), wird in jedem Fall der Besitzer selbst einstellen können, welchen Ladezustand der fremdgenutzte Autoakku nicht unterschreiten darf, die Fahrt zum Arzt oder Krankenhaus ist also durchaus drin. Und falls das Ziel doch einmal weiter entfernt ist, reicht es in jedem Fall bis zur nächsten E-Tankstelle.

    Leistungsfähige Akkus sind ressourcenintensiv - würde sich also jeder Haushalt zusätzlich zu der im Auto eine weitere Batterie leisten, wäre nichts gewonnen.

    Mit freundlichen Grüßen, Jan Dönges, Redaktion