Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Ein strukturiertes Nichts

    17.08.2014, Dr. Gunter Berauer
    Wenn das, was als dunkle Energie bezeichnet wird – was immer sie physikalisch sein mag –, einen negativen Druck im Raum erzeugt, dann entspricht dieser einer negativen Energiedichte und damit auch einer negativen Masse. Und diese wird dann, schon nach Newtons Theorie ein nach außen gerichtetes Gravitationsfeld zur Folge haben, welches den Raum und mit ihm das Weltall beschleunigt auseinander treibt. Wenn die dunkle Energie negativ ist, dann darf man sie nicht betragsmäßig zu den übrigen (positiven) Energien z.B. aus baryonischer und dunkler Materie hinzuzählen, sondern muss ihr Vorzeichen berücksichtigen. Bei dem behaupteten Verhältnis der Beträge von (negativer) dunkler Energie und (positiven) übrigen Energien von 70:30 wäre dann die Gesamtmasse des Alls momentan negativ (30 – 70 = – 40).

    Nun schreiben die Autoren aber auch, dass die Gesamtkrümmung des Weltalls vermutlich exakt Null ist. Das ist aber nach Einstein wiederum nur dann möglich, wenn die Gesamtenergie bzw. Gesamtmasse des Alls ebenso exakt Null ist, die positiven und negativen Energieanteile sich also gegenseitig aufheben. Dann müsste das oben genannte Verhältnis aber 50:50 sein und nicht 70:30. Stephen Hawking, Alan Guth und andere vertreten auch die Ansicht, dass die Gesamtmasse des Alls immer schon exakt Null war und dass dies auch so bleiben wird. Johri und Singh glauben dies auch rechnerisch belegt zu haben (siehe Seite 41 in dem Buch „Vom Irrtum des Determinismus“, LIT Verlag 2012). Ein Weltall mit deutlich von Null verschiedener Gesamtenergie hätte nach seiner spontanen Entstehung aus dem Nichts (siehe z.B. bei Alan Guth) wegen der Unschärferelation auch keine lange Lebensdauer gehabt. Mit dem Lamda-Ansatz für die Friedmanngleichungen (diese ergeben sich übrigens bereits exakt aus der Newton’schen Physik auch ohne Einsteins Theorie) lässt sich nun aber eine zeitlich konstante Gesamtenergie gar nicht gewährleisten. Denn mit der kosmologischen Konstante wird der negative Energieanteil proportional zum steigenden Volumen des Weltalls mit der Zeit immer größer und dessen Gesamtenergie immer negativer, was schon sehr seltsam anmutet. Mit der kosmologischen Konstante lässt sich zwar die beschleunigte Expansion des Alls erklären, nicht aber auch die Forderung nach dauerhaft verschwindender Gesamtmasse erfüllen, wovon wir aber heute sehr wahrscheinlich ausgehen müssen. Vielleicht ist die dunkle Energie ja gar nichts so Exotisches. Gravitationsfelder wären z.B. ein natürlicher Kandidat für dunkle Energie; sie besitzen bekanntlich eine negative Energiedichte und damit negative Masse und tragen sicher zur dunklen Energie bei. Wenn man diese negativen Feldenergien in den Friedmanngleichungen (ohne kosmologische Konstante) berücksichtigt, erhält man zwei Lösungen, von denen die eine tatsächlich ein sich beschleunigt ausdehnendes Weltall bedeutet. Ein weiterer Kandidat wären vielleicht die Higgsfelder, die m.E. ebenso negative Energien verkörpern. Einige Kosmologen vertreten sogar die Ansicht, dass die negative Gesamtmasse aller Gravitationsfelder ausreicht, um die positiven Energieformen zu Null aufzuwiegen, was meinen Rechnungen zufolge aber nicht ausreicht.

    In dem Spektrum-Artikel wird auch erwähnt, dass man im Vakuum lokal u.U. recht hohe Energiedichten messen kann. Das ist zwar sicher richtig, aber nur die halbe Wahrheit. Denn diese Quantenfluktuationen erscheinen im Vakuum symmetrisch zum Energienullpunkt: mal gibt es positive, mal negative Energiewerte, im zeitlichen Mittel kommt etwa Null heraus, ganz nach Maßgabe der Unschärferelation. Das Vakuum zeigt sich also bei „längerer“ Betrachtungszeit als energetisch neutral. Genauso wie offenbar auch das Weltall als Ganzes eine energetisch neutrale Struktur ist - wenn man so will, ein „strukturiertes Nichts“.
  • Wozu der markante Kamm auf dem Schädel diente, ist nicht genau bekannt

    15.08.2014, Robert Orso
    Wenn die Darstellung halbwegs realistisch ist, dann hat ein Kamm dieser Größe sicherlich erhebliche Auswirkungen auf das Flugverhalten. Ich kann mir gut vorstellen, dass er die gleiche Funktion hatte wie das Leitwerk eines Flugzeuges, nur eben vorne angebracht.

    Je größer das Tier, umso wichtiger wird Kraft sparendes Gleiten anstelle von aktivem Flattern. Bei Tieren dieser Größe kann ein solches Leitwerk durchaus ein Plus an Wendigkeit bringen.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Orso, solche Überlegungen gibt es in der Tat - unter anderem meinen manche Forscher, dass die Pterosaurier mit Hilfe der Schädelhauben über das Wasser gesegelt sein könnten. Aber eine defintive Antwort gibt es meines Wissens nicht.

    Beste Grüße, jd / Redaktion

  • Wahrheit und Realität

    15.08.2014, Eduard Kindsvater
    Als erstes: Danke für die gelungene Zusammenfassung! 180 Seiten in wenigen Worten wie etwa diesen:  "[T. Nagel] ..wenn ich ehrlich sein soll, so muss ich zugeben, dass der Materialismus und die  Evolutionstheorie, wie auch der Glaube an Gott alleine und jeder für sich, die Fragen des Daseins nicht ausreichend beantworten können"

    Es sind wohl die wichtigsten Fragen der Menschheit:
    -Was war zuerst, Materie oder Geist? Wie sind wir das geworden, was wir sind? Was (wer) sind wir und warum? Gibt es Leben nach dem Tod? Was können wir sein und wie? Gibt es eine ideale Form der Gesellschaft auf der Erde? Ist es möglich das Miteinander so auszugestalten, damit es Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden, Nachhaltiges Leben... für Alle gibt? 
    Was ist der Sinn des Lebens? Wo geht unsere Reise hin?...

    Was ist die Triebfeder der Evolution: -Zufall? "Selbstorganisation der aus "Nichts" entstandener Masse" oder Zielgerichtete Entwicklung des "Urverstandes" (auch "Geist" genannt), der aus seiner Energie zu Masse wurde und aus deren "Staub" zur "denkenden" Materie und ihrer Ausprägung in Höchstform - Mensch? (E=mc2)

    -Wenn wir evtl. doch "kein Zufall" sind, was ist dann das Ziel dieser möglichen "Entwicklung"? 

    Wer diese "eine" Frage beantworten, den Weg dahin zeigen und dorthin führen kann, der hat damit auch alle anderen Fragen beantwortet, denn er müsse sich bereits selbst im Ziel befinden...

    mehr unter: http://Facebook.com/Eduardsface
  • Realistische Einschätzung der Risiken statt Zweifel säen

    14.08.2014, Wolfgang Monninger, Essen
    Die Frage "Wird Fracking den Energiehunger stillen?" kann nur mit Nein beantwortet werden, denn der Energiehunger einer modernen Industriegesellschaft ist immer größer als die Ressourcen, und Fracking wird dabei nur einen begrenzten Beitrag leisten können - eben solange der Vorrat reicht. Aber Fracking könnte eine Brückentechnologie sein, in der Tat.
    Der Artikel von Chris Mooney (SdW 8/2012, S.72), der Methodik und Risiko des Fracking sehr sorgfältig und fair beschreibt, gibt allerdings keine Handhabe, diese Methode als "Technologie mit unbefristeten Umweltfolgen" zu brandmarken und sie damit auf eine Ebene mit Fukushima zu stellen - wie Springers Einwurf suggeriert.
    Worum es geht, ist eine realistische Einschätzung der Risiken: Welche Stoffe können die Umwelt belasten? Und: Über welche Mengen und über welchen Zeitraum reden wir?
    Die USA fracken derzeit in 30 Bundesstaaten an rund 500 000 Bohrlöchern, sie waren damit bisher erstaunlich erfolgreich, allerdings nach einer langen Phase des Experimentierens und Optimierens. Auf jeden Fall liegen nun genügend Daten vor, um von diesen Erfahrungen profitieren und die Risiken besser einschätzen zu können. Dies müssen wir nutzen und dabei auch Erfahrungen im eigenen Untergrund sammeln, denn die Geologie ist überall anders. Warum tun wir das nicht?
    Ich gehe davon aus, dass die Mengen von entweichendem Methan (im Vergleich mit anderen Methanquellen wie zum Beispiel dem auftauenden Permafrost) sehr gering sein werden. Und sie werden beim Ende der Förderung von Schiefergas gegen null gehen - also nicht unbefristet sein. Auf der Habenseite steht eine bedeutende Energiequelle zu bezahlbaren Preisen. Im Übrigen ist Methan aus der Wasserleitung zum Beispiel aus dem Münsterland durchaus bekannt - ohne Fracking.
    Das Bundesumweltamt möchte Fracking verbieten, weil sich die Risiken dieser Technologie nicht sicher vorhersagen lassen (siehe dazu den herrlichen Beitrag von Dieter Nuhr WDR2, 7. August 2014). Springers Einwurf folgt offenbar diesem Gedanken.
    Soll Deutschland wieder das Land der "Dichter und Denker" werden (das war von Mme de Staël eher herablassend gemeint), ausgerüstet nur mit dem Verstand und einer Leselampe? Dieses Land ist ein Technologieland, hat aber noch immer kein realistisches Verhältnis zur Politik der Technik. Es verbohrt sich in die Fülle der Gefahren und gerät in (German) Angst. Dass ein Wissenschaftsjournal nicht willens ist, das ganze Bild zu zeigen, ist zum Sich-die-Haare-Raufen.
    Wie bitte soll Deutschland seine künftigen Energieprobleme lösen, wenn nicht durch intelligenten Einsatz aller Möglichkeiten. Haben wir keinen Zukunftswillen mehr? Würden wir die selbst Maßstäbe, die viele für die Energietechnologien fordern, für unseren Autoverkehr anwenden (mit zirka 4000 Toten pro Jahr allein in Deutschland), so müssten wir das Auto sofort verbieten. Warum also diese Doppelmoral?

    Noch ein Hinweis: Von Josh Fox, dem Filmemacher von "Gasland" und "Gasland II" stammt der Satz: "When you create doubt, no matter how specious your argument is … it doesn’t matter if you go out and say something ridiculous. … The whole purpose is to create inaction and create a feeling that we do not know what is happening when we actually know exactly what’s happening." - Noch Fragen?

  • Wind in den oder aus den Segeln?

    13.08.2014, Hermann Koch-Gröber
    Danke sehr für Ihre offenen Beiträge.
    Als "Verursacher" erlaube ich mir mitzudiskutieren; die Kontroverse überrascht mich keineswegs, sondern bringt uns weiter:

    0. Jegliches manuelles Abschalten des Verbrennungsmotors beim Fahren bei heutigen Serienautos ist hochgradig gefährlich, u. a. wegen Bremskraftverstärkung, Servolenkung oder gar Lenkradschloss. Finger weg von solchen Experimenten!

    1. Für Automobilentwickler stellt sich seit Jahren und auch in Zukunft sehr intensiv die Notwendigkeit, Spritverbrauch zu reduzieren, so dass der Motorleerlauf auch beim Fahren ein nicht zu vernachlässigendes Potenzial darstellt. Man nutzt aber einen systemischen Ansatz: Es wird nicht extra dafür eine "komplizierte Zusatztechnik" eingeführt, sondern die "Elektrifizierung" der Nebenaggregate wie z. B. Bremskraftverstärker oder Servopumpe (d. h. die notwendige Energie kommt nicht mehr von der Drehung des Verbrennungsmotors, sondern aus dem elektrischen Bordnetz) wird ohnehin zunehmend eingeführt, so dass Motor-Stopp beim Fahren "nur" noch eine weitere Systemfunktion ist. Tatsächlich jedoch sind die Sicherheitsanforderungen aber so komplex, dass etwas passieren wird, was man von Start-Stopp-Systemen moderner Autos kennt: an der einen roten Ampel stellt er ab, an der anderen nicht, ohne dass ein Grund zu erkennen ist - das System hat sich dann programmiert auf die "sichere Seite" begeben.

    2. Segeln spart aber nicht alleine durch das Abschalten des Motors im Leerlauf!
    Herr Svoboda hat es schon gut auf den Punkt gebracht: dadurch dass vor allem mäßige Gefällestrecken, aber auch andere Stellen, in denen die Geschwindigkeit absehbar, aber ohne Notwendigkeit eine Bremsung reduziert werden muss (z. B. vor Ortseingang) genutzt werden. Keineswegs behaupte ich, da die Welt revolutionieren zu wollen - man kann das gerne als eine Ausprägung der vorausschauenden Fahrweise auffassen, die seit langem empfohlen wird.

    3. Dabei möchte ich klarstellen, dass es zwar weit verbreitet, aber dennoch ein Irrglaube ist, dass die Schubabschaltung generell die effektives Art des Spritsparens sei. Die Erklärung ist einfach: auch die geringe Motorbremswirkung im höchsten Gang entzieht dem System "Kfz in Bewegung" Energie. Wenn die Fahrsituation diesen Energieverlust nicht erfordert, ist Segeln = antriebsloses Rollenlassen effizienter. Umgekehrt ausgedrückt: Schubabschaltung ist dann absolut sinnvoll, wenn die Bremswirkung einen Nutzen bedeutet, also stärker verzögert werden muss oder das Gefälle zu steil ist, so dass man beim Segeln zu schnell wird. Dafür gibt es viele Gelegenheiten, aber eben auch fürs Segeln.

    4. Wohl bekannt und sehr respektabel sind die Technologien von Toyota und anderen bei elektrifizierten Kfz, was Rekuperation angeht. Dennoch ist es auch hier ein Irrglaube, dass mit einem elektrischen Antrieb an Bord alles klar sei: auch ohne Wärmekraftmaschine sind die Verluste in Summe bei den Energieumwandlungen von Arbeit über elektrische Maschine, Leistungselektronik, Batterie laden, Bat. entladen, Leistungselektronik, el. Maschine wieder in Arbeit => kin. Energie alles andere als vernachlässigbar. Auch hier hat die direkte Nutzung der potentiellen und kinetischen Energie für die primäre Funktion Fahren - Segeln - vielfältige Vorteile. Wir sehen da durchaus auch noch Forschungsbedarf, auch wenn schon einige Ergebnisse vorliegen. Andererseits sehe ich durchaus gute Gründe, dass auch mittelfritig eine erhebliche Anzahl an Kfz nicht elektrisch oder hybridisiert angetrieben verkauft werden - die müssen aber auch Ressourcen schonen!

    5. Manuelles Segeln bei einem Fahrzeug mit Handschaltung ist machbar, sofern die oder der Fahrer(in) immer in Eigenverantwortung das Fahrzeug unter Kontrolle hat. Auch ich kenne "Hinweise", dass das Rollenlassen eines Fahrzeugs (klar, Motor an, s. o.) verboten sei. Vielleicht liest diese Diskussion jemand, die oder der tatsächlich eine solche Vorschrift zitieren kann - ich wäre für einen Hinweis dankbar.

    Mein Beitrag ist nun recht lang, aber es gibt noch einige Aspekte mehr.
    Gerne diskutiere ich in diesem Medium weiter, Sie könnten mich jedoch auch per Mail über die Hochschule Heilbronn direkt kontaktieren.
  • Ergänzung zu meinem Kommentar

    13.08.2014, Lilly Maier
    Aus einem spektrum-Beitrag von 2012:

    "Frau Klein leidet an mittelgradigen bis schweren depressiven Episoden, die sie bereits seit ihrer späten Jugend alle ein bis zwei Jahre heimsuchen. Albträume reißen sie aus dem Schlaf, Angstzustände, die sie selbst als "schlechte Erinnerungen" bezeichnet, quälen sie. Zwar bessert sich die Depression durch die Therapie in den folgenden Wochen, doch Anspannung und innere Unruhe wollen einfach nicht nachlassen. Im Lauf der Behandlung kommen mehr und mehr körperliche Leiden zur Sprache, ihr starkes Übergewicht etwa."

    http://www.spektrum.de/alias/psychische-traumata/wenn-die-kindheit-krank-macht/1152639
  • ACE-Studie

    13.08.2014, Lilly Maier
    Schon Mitte der 1980er Jahre beobachtete der US-amerikanische Arzt Vincent J. Felitti während eines Adipositas-Programms hohe Abbrecher-Quoten. Zu seinem Erstaunen hatte die Mehrheit der Abbrechenden erfolgreich Gewicht verloren. Zufällig und zur Überraschung der Forscher kam in detaillierten biografischen Interviews von 286 adipösen Teilnehmern heraus, dass Missbrauch in ihrer Kindheit bemerkenswert häufig war und immer ihrer Übergewichtigkeit voranging. Kein Arzt hatte vorher diese Information von diesen Patienten erhoben, trotzdem waren sich viele Patienten des Zusammenhangs zwischen ihrem Missbrauch und dem Übergewicht klar bewusst.

    Wider Erwarten (der Forscher) war für viele Betroffene ihr Übergewicht überhaupt nicht das Problem – es war ihre LÖSUNG für Probleme, die in der Vorgeschichte von niemandem anerkannt wurden. „Wer Übergewicht hat, wird übersehen, und das ist für mich der Weg, den ich gehen muss“, sagte eine Betroffene. Ganz allgemein fanden die Forscher bei ihren übergewichtigen Patienten das Vorherrschen von starken, dem Abnehmen entgegenstehenden Kräften. Im übertragenen Sinn gaben sie mit einem Fuß Gas und mit dem anderen bremsten sie, sie hatten den Wunsch, Gewicht zu verlieren, waren aber voller Angst vor den Veränderungen, die ein Gewichtsverlust im sozialen Bereich bewirken würde.

    Die Folge dieser Beobachtung war die so genannte ACE-Studie (ACE = Adverse Childhood Experiences, „negative Kindheitserfahrungen“), die an der Abteilung für Präventive Medizin des Kaiser Permanente Hospital in San Diego mit knapp 18.000 Mittelschichts-Amerikanern durchgeführt wurde. „Wie man aus Gold Blei macht“ übertitelten die beiden Forschungskollegen Vincent J. Felitti und Robert F. Anda die Ergebnisse, denn sie fanden heraus, dass ein starker Zusammenhang zwischen negativen Kindheitserlebnissen (Schläge, Missbrauch, Vernachlässigung, Miterleben von Gewalt gegen einen Elternteil, usw.) und der späteren Gesundheit besteht. Sie stellten fest, dass belastende Kindheitserlebnisse häufig sind und dass meist mehrere solcher belastenden Kindheitserlebnisse zusammen auftauchen: Nur ein Drittel der Studienteilnehmer berichtete überhaupt keine ACEs.

    Negative Erfahrungen in der Kindheit konnten direkt mit krank machendem Fehlverhalten und Erkrankungen im Erwachsenenalter in Verbindung gebracht werden. Je mehr ACE-Punkte (also Arten negativer Kindheitserfahrungen) eine Person berichtete, desto höher war ihr Risiko auf problematische Verhaltensweisen wie Rauchen, Alkoholkonsum oder Essstörungen.

    Also nicht „Abnehmen macht depressiv“, sondern (zu)viel essen ist für Menschen, die in ihrer Kindheit Gewalt und Vernachlässigung erfahren haben, eine Art „Selbsttherapie“, um die seelischen Folgen (häufig Depressionen, Angststörungen, usw.) irgendwie auszuhalten. Nimmt man diesen Menschen ihr (vermeintliches) Schutzmittel weg, kommen die durch (zu)viel Essen zuvor in Schach gehaltenen seelischen Traumafolgen wieder verstärkt an die Oberfläche. Wie gesagt: dieser Zusammenhang wurde schon vor längerem aufgedeckt - leider wird er immer noch (auch in dieser Forschungsarbeit wieder) ignoriert.
  • Psychische Faktoren

    13.08.2014, Henrik Franz
    Mich würde einmal interessieren, wie sich psychische Faktoren auf die Lebenserwartung auswirken. In der jetzigen Zeit wird immer gesunde Ernährung und viel Sport gepredigt. Aber was bringt das, wenn man geistig verarmt, weil man nur noch Sport und Ernährung im Kopf hat und ansonsten vor dem Fernseher sitzt? Ich kenne so viele, die nur Arbeit, Sport und Fernsehen kennen, sich aber gesund ernähren. Viele sind ganz unzufrieden mit ihrem Leben, bekommen psychosomatische Krankheiten bis zum burn-out. Schade, dass dies nicht in eine derartige Untersuchung einfließt, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass dies nicht auch zu einer Lebensverkürzung führt. Aber das ist selbstverständlich nur eine Vermutung.
  • Höchste Zeit

    13.08.2014, Liane Mayer
    Es ist wirklich höchste Zeit, dieses wichtige Forschungsthema in Angriff zu nehmen!
    Dabei sollte man sich auf Dauer nicht auf direkte Suizide und -versuche beschränken.
    Es gibt darüber hinaus ja auch den langsamen Selbstmord durch einen ungesunden Lebensstil, der durchaus nicht immer auf Unwissenheit oder mangelnde Selbstbeherrschung zurückzuführen ist, sondern eben auch auf einen zu geringen Lebenswillen.
    Man braucht nur zu beobachten, wie wenig z. B. die harschen Warnungen auf den Zigarettenpackungen fruchten, um zu erkennen, dass viele Menschen gar nicht darauf aus sind, lang zu leben. Sonst würde ja wohl heutzutage niemand mehr neu zu rauchen beginnen, oder?
    Auch hochriskantes Fahrverhalten mancher Autofahrer fällt in diese Kategorie.
    So gesehen sind autoaggressives und suizidales Verhalten noch viel weiter verbreitet als von den genannten Studien ermittelt und es wäre super, wenn endlich jemand einen Weg fände, da wirksam etwas dagegen zu tun!
  • Von West nach Ost

    13.08.2014, Albrecht Schaefer
    Madagaskar liegt nicht vor der Westküste, sondern ca. 400 km vor der Südostküste Afrikas.
    Antwort der Redaktion:

    Vielen Dank für den Hinweis! Wir haben die Insel jetzt an ihren angestammten Platz zurückverlegt. Der liegt natürlich, wie Sie richtig schreiben, im Osten. (jd/Red)

  • Aufklärung oder...Propaganda?

    12.08.2014, Wojciech Pischinger
    Muß man eigentlich unbedingt ein Esoteriker, ein Anhänger des ID oder ein religiöser Fundamentalist sein, um dieses Buch sachlich nicht optimal zu finden? Ist eine Fluktuation, wo die Teilchen aus dem VAKUUM, also einem bereits präformierten Teil der Raumzeit, erscheinen, wirklich mit einer postulierten "Hyperfluktuation" - Entstehung des Kosmos aus einer Singularität - vergleichbar?
    In der Urknallkosmologie soll lt. Author "alles wunderbar zusammenpassen". Welche früheren Aussagen dieser sagten die Existenz Dunkler Materie und Energie voraus? Wie gut passt die netzförmige Großstruktur des Universums mit dem inflationären Modell zusammen? Wie erklärt man die Werte der Rotverschiebung ferner Galaxien die offenbar DISKRETE und nicht zufällige Werte anzunehmen scheinen? Ich bin weder Esoteriker, noch ein Gläubiger - meine Probleme mit diesem Buch betreffen die Sachinhalte...
  • So viel Simulation wie möglich

    12.08.2014, Wolfgang Herzner, Wien
    Ich bin Informatiker, aber seit Jahren an Hirn- und Bewusstseinsforschung interessiert. Mir ist klar, dass viele Erkenntnisse, über die ich in dieser Zeit erfahren habe, auf Basis von Versuchen mit Primaten erworben wurden. Aber viele dieser Erkenntnisse legen auch nahe, dass Primatenbewusstsein dem menschlichen deutlicher näher ist als noch vor Jahrzehnten angenommen. Neben allgemeiner Sympathie für Tiere ist es vor allem dieser Aspekt, der meine Skepsis gegenüber Primatenversuchen nicht verschwinden lässt. Und Formulierungen wie "wurde ich von einem aufgeputschten Mob gejagt" von Prof. Kreiter, die seine Grundeinstellung gegenüber Menschen wiederzuspiegeln scheint, machen mir leider die Anliegen der Primatenforscher auch nicht sympathischer. Was in dem Artikel fast nicht angesprochen wird (gerade mal kurz am Ende des zweiten Absatzes)- und meiner Beobachtung nach auch in der öffentlichen Diskussion zu wenig, ist der Nutzen für die Menschheit. So hat man den Eindruck, es geht um wertfreie Forschung, in deren Rahmen halt bedauerlicherweise auch Primaten mitmachen müssen. Würde man jedoch etwa anhand von Beispielen den Nutzen der Primatenforschung darstellen, würde die Diskussion vermutlich sachlicher verlaufen. Ein weiterer Aspekt, den der Artikel ebenfalls nicht anspricht, sind Alternativen zur Primatenforschung, vor allem Computermodelle und Simulationen. Natürlich werden diese wohl noch lange nicht (vielleicht nie) die Forschung am lebenden Objekt vollständig ersetzen können, aber ein "so viel Simulation und so wenig Tierversuche wie möglich" wäre doch ein schönes Ziel.
  • Antioxidanzien: Des Guten zu viel ?

    11.08.2014, Horst J. Koch, Aue
    Den Beitrag von Emmerich habe ich mit großem Interesse gelesen, spiegelt er doch die Forschungsergebnisse der letzten Jahre wider. Wieder einmal hat sich der wissenschaftstheoretische Ansatz von Thomas Kuhn bestätigt, durch den klar wurde, dass naturwissenschaftliche Aussagen nicht (nur) auf Fakten basieren, sondern vielmehr eher im Sinne von Regierung und Opposition funktionieren (1). Anfang der 1990er Jahre habe ich in zwei kleinen Beiträgen auf die vitale Bedeutung der Oxidantien (Radikale wie OH+, Singulettsauerstoff, Peroxide etc.) für das Immunsystem%nbsp;– insbesondere in den Peroxisomen - hingewiesen (2,3). Zu dieser Zeit waren Vitamin C und Vitamin E gerade bei neurodegenerativen Erkrankungen und bei Rauchern, die Dilutionstherapie bei Schlaganfällen, die HET (Hormonersatztherapie) nach der Menopause en vogue. Wer eine andere Meinung vertrat, hatte es schwer, sich zu rechtfertigen. Dabei lag der Schluss doch nahe, dass die Zellen oxidatives Potenzial brauchen, um sich gegen Krankheitserreger zu wehren. Selbstverständlich sind Vitamine in üblichen Mengen nützlich, auch Hormone, wenn sie fehlen. Meinungsbildnern empfehle ich den mentalen Rollentausch, ganz einfach vorübergehend die Gegenposition zu ihrem Dogma zu vertreten und mit sich diskutieren. Ab und an können wir alle von dieser einfachen Technik profitieren.


    1. Kuhn Th. S: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1967; 2. Auflage 1976
    2. Koch, HJ: Antioxidantien und Immunsystem. Pharmazeutische Zeitung 137,49 (1992) 86
    2. Koch HJ: Antioxidative Vitamine in der Prävention. Deutsches Ärztebl. 93 (1996) A-197




  • Private Daten sind zu schützen wie die eigene Wohnung

    10.08.2014, Max Maier
    Der Artikel von Alex Pentland über den Umgang mit riesigen Datenmengen geht in die richtige Richtung.

    Die Vorschläge gehen mir allerdings nicht weit genug. Ich persönlich möchte das Speichern meiner personenbezogenen Daten in fremden Datenbanken generell verbieten.

    Persönliche Daten sind mein Eigentum. Man mag darüber anderer Meinung sein, aber es gibt sicherlich mehr Argumente dafür als dagegen. Zum Beispiel habe sie generiert, deshalb gehören sie mir. Das gilt auch dann, wenn jemand anders die Daten erhebt oder sammelt.
    Die Daten müssen an einem Ort gespeichert werden, an dem nur ich die Kontrolle über den Zugriff habe. Zum Beispiel verschlüsselt in einer Cloud, zu der nur ich den Schlüssel habe. Schließlich bin ich der einzige, dem ich wirklich vertrauen kann.

    Wenn jemand die Daten lesen will, muss er mich vorher um Erlaubnis bitten. Ich kann diese dann beschränkt auf das, was er über mich wissen soll oder darf, erteilen oder verweigern. Ebenso, wenn er Daten über mich dort abspeichern will. Dadurch habe ich immer volle Kontrolle. Das mag für den, der Daten sammeln oder benutzen will umständlich sein aber das ist ja auch Sinn der Sache. Es darf nicht so einfach sein, sonst werden weiterhin Daten auf Vorrat, ohne Anlass und ohne Angabe über die spätere Verwendung gespeichert werden.

    Der praktische Nutzen, private Daten unter die Kontrolle des Eigentümers zu stellen, ist sofort ersichtlich. Zum Beispiel könnte ich einer Werbeagentur gegen eine Gebühr erlauben, meine Adresse zehnmal für Werbezwecke zu verwenden. Das mag für die Werbeagentur ärgerlich sein, aber ich sehe nicht ein, warum nur sie auf Basis meiner Daten Geld verdienen soll und ich nicht.
    Oder ich erlaube einem Arzt, meine Patientendaten einmal einzusehen, weil ich bei ihm gerade in Behandlung bin.
    Menschen, die ich gut kenne und denen ich vertraue, gewähre ich möglicherweise permanenten Zugriff auf ausgewählte Daten. Zum Beispiel meine Adresse und Telefonnummer. Aus praktischen Erwägungen heraus erlaube ich ihnen vielleicht sogar, diese bei sich abzuspeichern. Aber das muss immer meine Entscheidung sein, und jeder, der Daten von mir abspeichert, muss eine explizite Genehmigung einholen ("Opt-in").

    Genauso kann ich einer Behörde oder der Polizei das Einsehen meiner Daten erlauben. Im wahren Leben muss mich die Polizei ja auch erst nach meinem Ausweis, Führerschein usw. fragen, um sie zu sehen. Das können sie natürlich im Rahmen der gesetzlichen Regelungen jederzeit tun. Aber sie müssen sich an Regeln halten, und ich bekomme das immer mit.
    Es ist nicht einzusehen, warum das für meine digitalen Daten nicht gelten soll. Noch dazu, weil sich mehr und mehr Aspekte meines Lebens unweigerlich dorthin verlagern. Schließlich kann ich mich im richtigen Leben ja auch weigern, meinen Ausweis vorzuzeigen. Ich muss dann halt mit den Konsequenzen leben. Aber wieso soll ich das im digitalen Leben nicht können dürfen?

    Entscheidend ist, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Ich kriege mit, wer wann meine Daten abruft. Nur so kann Vertrauen entstehen. Nur so ist Kontrolle möglich.

    Im wahren Leben kann die Polizei oder sonst wer ja auch nicht einfach in meine Wohnung eindringen und sie durchsuchen. Meine persönlichen Daten sind zu schützen wie die Privatsphäre in meinem Haus / Wohnung. Dort habe ich meine privaten Dinge. Wieso nicht auch meine privaten Daten in der Home-Cloud? Niemand darf da einfach reinspazieren und rumschnüffeln. Geschweige denn etwas mitnehmen (sprich kopieren).
  • Dubiose Aussagen

    10.08.2014, Uli
    Im ersten Teil des Artikels legt der Autor ausführlich dar, dass es völlig verschiedene Ansätze gäbe und Lehrmeinungen gäbe und es keine einzige Studie gäbe die belegen würde, dass das schrubbern schlecht wäre. Im zweiten Absatz wird dann wieder eine einzelne Referenz herangezogen und eine bestimmte Version für das allein gesundhaltende Verkauft. Das ist als Dubios zu Bezeichnen
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