Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Seekrankheit nach langer Zugfahrt

    02.02.2012, Halec Radicec
    Interessante Geschiche.
    Ich bin einmal drei Tage lang mit dem Zug unterwegs gewesen. Kaum am Boden angekommen, bin ich gestolpert und beinahe umgefallen, obwohl der Boden glatt war. Verursacht wurde das von dem Eindruck/dem Gefühl, der Boden würde sich wie durch Wellen bewegen. Nah einigen mislungenen Versuche habe ich das Laufen aufgegeben und mich auf einer Wiese hingelegt. Nach einiger Zeit bin ich aufgewacht und es ging auch mit dem Laufen.
  • ist doch irgendwie selbstverständlich...

    02.02.2012, Uwe Zimmermann
    ...die einzige Möglichkeit den Stau zu verhindern, ist es, die Passagiere vorher zu sortieren, dazu brauche ich keine aufwändige Studie und keine Modelle - das sagt mir der gesunde Menschenverstand. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum die Fluggesellschaften, die tagtäglich mit diesem Problem konfrontiert werden, nicht schon längst ein funktionierendes System gefunden haben.

    An vielen Flughäfen, von denen ich in letzter Zeit gestartet bin, werden die Passagiere grob in zwei oder drei Gruppen nach Sitzreihennummer sortiert, gleichzeitig wird aber diese Sortierung nicht wirklich überwacht, so dass die Drängler der ersten Reihen stets wieder für Verstopfung sorgen. Dabei wäre es so einfach, die Sitzreihen nacheinander aufzurufen...

    Ich verstehe auch nicht, wieso die Fluggesellschaften nicht sehr viel restriktiver im Bezug auf das Kabinengepäck sind. Auf meinen Flügen blockieren immer Mitreisende das Boarding, weil sie ihr viel zu großes und umfangreiches Kabinengepäck nicht verstaut bekommen.

  • Intuition statt Herleitung

    02.02.2012, Dr. Wolfgang Klein
    Als Mathematiker mit theoretischer Physik als Nebenfach (schon einige Zeit her) kann ich die Sicht des Autors Tony Rothman nur bestätigen. Bei mir hat es einige Semester gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, wie theoretische Physiker zu ihren Gleichungen und Ungleichungen kommen, nämlich nicht wie Mathematiker durch Herleitung aus (letztendlich) wenigen einfachen Axiomen, sondern durch Analogieschlüsse, Ahnungen, "Intuition" und so fort.

    Vor einiger Zeit habe ich mal versucht, mich ein wenig mit Stringtheorie zu befassen (z.B. mit dem Lehrbuch von M. Kaku). Dieses fängt im Grund damit an, dass die verwendeten Symmetriegruppen vom Himmel fallen. Das Thema Symmetriegruppen steht meines Wissens in enger Beziehung zu dem, was Tony Rothman über den Lagrangeformalismus und das Wirkungsprinzip schreibt (Erhaltungsätze, Satz von E. Noether). Gerade beim Satz von E. Noether habe ich den Eindruck, dass der von Physikern zwar häufig zitiert, aber nicht wirklich verstanden wird, falls die Betreffenden überhaupt die Arbeit von Emmy Noether gelesen haben.

    Bedauerlich ist auch der teilweise schlampige Umgang mit mathematischen Theorien (Operatortheorie, Lie-Gruppen). Man sehe sich beispielsweise die Ausführungen von Walter Greiner über Lie-Gruppen und Lie-Algebren an und vergleiche die mal mit einem Mathematikbuch zum selben Thema. Mir ist noch die denkwürdige Aussage meines Professors für theoretische Physik (Haug) in Erinnerung: "Ein Hilbertraum ist ein undendlichdimensionaler Vektorraum mit Skalarprodukt." Ein anderes Beispiel ist sein Umgang mit uneigentlich Integralen: Ein existierendes beidseitig uneigentliches Integral wandelte er in zwei nicht existierende einseitig uneigentliche Integrale um, formte diese zu zwei existierenden eigentlichen Integralen um und hatte dann in Summe das beidseitig uneigentliche Integral vom Anfang in ein eigentlich Integral umgewandelt.

    Man erinnere sich an die Aussage von Bertrand Russell, dass man ausgehend von einer falschen Aussage jede Aussage herleiten kann. Beispiel: 0 = 1 => Bertrand Russell ist der Papst.
  • Warum es sich neben einer Kiste besser denkt

    01.02.2012, Hartl Johann
    Also ich glaube da fehlt eine Information dazu, wie man das am besten in den Alltag überträgt. Natürlich hat der Verfasser recht mit diesem bildlich dargestellten Versuch. Ich verstehe das folgendermaßen:
    Man hat eine Sache zu bearbeiten. Z.B. anfertigen eines Gebrauchsgegenstandes. Solange man mit dem Erstellen des Gebrauchsgegenstandes theoretisch aus Texten und unmittelbar davorstehend befaßt ist, ist man "mitten in der Kiste." Entferne ich mich aber räumlich, setze mich irgendwo hin und lasse von innen her von selbst einströmendes Gedankengut kommen, dann ergeben sich meist ganz neue Perspektiven, die die praktische Arbeit am Gebrauchsgegenstand fördern. Man ist dann bildlich gesprochen eben "neben der Kiste".
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Hartl,

    den Autoren der Studie geht es um die ganz konkrete, wortwörtliche Umsetzung. Um die Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen, müssten Sie sich also eine Kiste zimmern und direkt daneben Platz nehmen, wenn Sie nach kreativen Problemlösungen suchen.

    Da sich der förderliche Effekt jedoch nur zeigt, wenn man die Ergebnisse vieler Teilnehmer mittelt, sollte man als Einzelner besser keine größeren Hoffnungen mit dieser Maßnahme verbinden. Da sind die von Ihnen vorgeschlagenen Methoden sicher deutlich erfolgversprechender.

    Mit besten Grüßen, Jan Dönges (Redaktion)

  • Punktförmige Teilchen?

    01.02.2012, Hans Palm, Frankfurt am Main
    Eine Ergänzung zu meinem vorherigen Leserbrief:

    Es ist unklar, ob es überhaupt punktförmige Teilchen, also Teilchen ohne räumliche Ausdehnung gibt. Bei Elektronen, Myonen und Neutrinos hält man es für möglich. Allerdings sind diese Teilchen besonders schnell, also erst recht keine Angriffspunkte für Gravitationskräfte.

    Für Quarks wird auch Punktförmigkeit angenommen; jedenfalls können sie sich nicht unendlich nahe kommen, weil dann die Teilchen, die sich aus ihnen zusammensetzen, auch punktförmig würden.
  • Eine Zumutung

    01.02.2012, K. J. Düsberg
    Der Artikel von Tapp ist eine Zumutung: Weder über die Theodizee-Problematik im Besonderen noch über religionsphilosophische Probleme im Allgemeinen informiert er in korrekter Weise.

    Es wird zwar über Versuche berichtet, das Theodizee-Problem zu lösen. Verschwiegen wird aber, dass diese Versuche längst als gescheitert erwiesen sind: Es gibt keine – haltbare – Lösung des Theodizee-Problems (was Löffler im anschließenden Streitgespräch bemerkenswerterweise zugesteht). Es sei hier nur auf den kurzen Übersichts-artikel von Andrea M. Weisberger verwiesen: „The Argument from Evil“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).

    Überhaupt ist die Auswahl der erwähnten Literatur extrem selektiv und einseitig: Es kommt nur solche pro, keine kontra Religion vor. Kein einziges Wort zu dem Klassiker der modernen Religionsphilosophie (und -kritik): „The Miracle of Theism“ (dt.: „Das Wunder des Theismus“) von John Leslie Mackie geschweige denn eines zu neueren Publikationen wie „Breaking the Spell. Religion as a Natural Phenomenon“ von Daniel C. Dennett, „Religion Explained. The Evolutionary Origins of Religious Thought“ (dt.: “Und Mensch schuf Gott”) von Pascal Boyer, „The God Delusion“ (dt.: „Der Gotteswahn“) von Richard Dawkins, „Die Frage nach Gott“ von Norbert Hoerster, „God. The Failed Hypothesis. How Science Shows that God does not Exist“ von Victor J. Stenger oder “Irreligion. A Mathematician Explains why the Arguments for God just don’t Add up” von John Allen Paulos.

    Dabei ist doch offenkundig, dass man erst dann von der Vernünftigkeit des religiösen Glaubens (und der Wissenschaftlichkeit theologischer Dogmatik) zu reden berechtigt wäre, wenn man die in diesen und vielen anderen Publikationen enthaltenen religionskritischen Argumente entscheidend entkräften würde. Nicht einmal eine Andeutung, wie das gehen soll, findet sich in dem Artikel. Jedenfalls ist der Hinweis darauf, dass die von vielen als widersprüchlich angesehene christliche Trinitätslehre sich doch als widerspruchsfrei herausgestellt habe, in diesem Zusammenhang eine ganz unerhebliche Marginalie.

    Nebenbei bemerkt: „dass Wissenschaftler für ihre Prämissen Gewissheit beanspruchen müssen und damit auf einen Akt der Anerkennung oder des Glaubens angewiesen sind“ (und insofern wohl eine quasireligiöse Einstellung haben sollen), mag zwar eine These von Habermas wiedergeben, steht aber im Widerspruch zu dem in der Wissenschaftstheorie so gut wie unstrittigen Fallibilismus in bezug auf empirische Wissenschaften (siehe z.B. Gerhard Schurz, Einführung in die Wissenschaftstheorie). Was man von Habermas’ wissenschaftstheoretischen Eskapaden zu halten hat, kann man u. a. bei Adolf Grünbaum nachlesen (A. Grünbaum, Die Grundlagen der Psychoanalyse. Eine philosophische Kritik [dt. Übers. von: The Foundations of Psychoanalysis. A Philosophical Critique], etwa S. 66: Habermas kenne nicht einmal den „elementaren Lehrstoff der Wissenschaftsphilosophie“).

    Zu drei von Löffler im anschließenden Streitgespräch mit Voland aufgestellten Behauptungen jeweils ein kurzer Kommentar:

    1) Der Versuch, im Rahmen der Big-Bang-Kosmologie (ohne Inflation) den kosmologischen Gottesbeweis zu reanimieren, ist längst als misslungen nachgewiesen, auch ohne Rekurs auf Multiversum-Theorien, u. a. von Adolf Grünbaum in einer Reihe von Aufsätzen (z. B.: „Die Schöpfung als Scheinproblem der physikalischen Kosmologie“ [dt. Übers. von: „The Pseudo-Problem of Creation in Physical Cosmology“], „Theological Misinterpretations of Current Physical Cosmology“).

    2) Löffler behauptet, dass auch Wissenschaft auf Grundannahmen basiere, die ihrerseits nicht überprüfbar seien; ein Beispiel sei das Kausalprinzip. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Schon älteren wissenschaftstheoretischen Veröffentlichungen kann man entnehmen, dass das Kausalprinzip eine empirische Aussage macht, die zwar weder direkt verifizierbar noch direkt falsifizierbar, sehr wohl aber auf indirekte Weise überprüfbar ist. Das hat z. B. Wolfgang Stegmüller gezeigt im Abschnitt 7 von Kapitel VII seines Buchs „Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Band I: Wissenschaftliche Erklärung und Begründung“. Man sollte deshalb besser nicht von einer Grundannahme, sondern von einer Oberhypothese sprechen. Wissenschaftliche Oberhypothesen sind zudem in hohem Maß bestätigt und damit – vermutlich – wahr. Das trifft für das Kausalprinzip zumindest dann zu, wenn man neben deterministischer auch probabilistische Kausalität mit einbezieht. Im Gegensatz dazu ist die für jede Religion konstitutive Oberhypothese „es gibt Übernatürliches“ – vermutlich – falsch. Denn für diese Existenzaussage gibt es nicht den Hauch eines Belegs. Und eine Existenzaussage, für die es keinerlei Beleg gibt und auch keine adäquate Erklärung dafür, warum, zumindest bisher, Belege ausgeblieben sind, sollte man rationalerweise als falsch ansehen. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion ist somit einer zwischen Wahrheit und Falschheit.

    3) Man kann natürlich Fragen stellen, auf die die Wissenschaften keine Antworten geben. Das Problem ist nur, dass die von Religionen bereitgestellten Antworten auf diese Fragen nichts taugen. Löffler erwähnt die Frage „nach dem letzten Sinn der Gesamtwirklichkeit“. Die religiösen Antworten darauf unterstellen, dass es einen solchen Sinn überhaupt gibt. Bisher ist es jedoch noch niemandem gelungen, diese Existenzbehauptung auch nur halbwegs plausibel zu machen (worauf Voland zu Recht verweist; s. auch Bernulf Kanitscheider, Entzauberte Welt). Als weitere Fragen führt Löffler an: „Was ist wichtig im Leben?“, „Wo soll man sich engagieren?“. Dabei geht es offenbar um normative Angelegenheiten, etwa um Moral oder Politik. Dass in dieser Hinsicht Religionen Besseres zu bieten hätten als Ethik oder politische Philosophie, ist wohl kaum anzunehmen. Jedenfalls ist eine religiöse Begründung von Moral unhaltbar – was man im Wesentlichen schon seit Platon weiß. Eine kurze Zusammenfassung der zentralen Argumente gegen religiöse Begründungen von Moral findet sich in dem Artikel von David O. Brink: „The Autonomy of Ethics“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).
  • Doch nicht so schlecht?

    01.02.2012, Prof. Dr. Martin Wenzel, Augenklinik Petrisberg
    In Studium und Literatur stehen viele Interessierte vor der wichtigen Frage, die auch T. D. Lamb in seinem Artikel unbeantwortet ließ: Warum muss das Licht im Auge in der Netzhaut erst die dicke Nervenfaserschicht durchdringen, bevor es die Lichtrezeptoren der Netzhaut erreicht? Dadurch ist der "blinde Fleck" als weitere Unvollkommenheit der Evoultion nötig und auch die Blutgefäße der Nervenfaserschicht, die das Sehen ebenfalls hindern. - Dies sollte nicht als "Mangel der Evolution" dargestellt werden.

    Die Rezeptoren der Netzhaut zählen zu den stoffwechselaktivsten Zellen, die es in der Natur gibt. Sie müssen zweierlei leisten. Zum einen haben sie einen extrem hohen Energieverbrauch und auch Materialverschleiß, wenn sie Licht in Nervenimpulse umwandeln. Zum zweiten liefern sie eine riesige Inforamtionsmenge, die an das Gehirn geleitet werden muss. Um beiden Aufgaben gerecht werden zu können, muss die Rezeptorenschicht von beiden Seiten mit je einer der beiden Aufgaben verknüpft werden. Unter den Rezeptoren, dem Licht abgewandt, liegt die Aderhaut, die den Rezeptoren die Nährstoffe liefert und den Abfall abtransportiert. Über den Rezeptoren, dem Licht zugewandt, liegen die Nervenfasern, die über den blinden Fleck zum Gehirn ziehen und dabei das einfallende Licht behindern.

    Damit muss das Auge ähnliche Probleme lösen, die bei astronomischen Spiegelteleskopen kaum besser gelöst sind. Auch dort hindern der Fangspiegel und seine Streben das einfallende Licht beim Weg zum Parabolspiegel, und trotzdem werden heute die meisten Teleskope so gebaut. Ein zweiter Vergleich ist möglich: Beim großen Gesichtsfeld zur Orientierung ist weder beim Teleskop noch beim Auge maximale Detailerkennung gegeben. Eine gute Detailauflösung ist nur in einem sehr kleinen zentralen Gesichtsfeldbereich zu erzielen. Genauso hat das Auge einen kleinen Fleck, die "Macula" in dem sehr gutes Sehen ohne "störende" Nervenfasern und aufliegende Gefäße möglich ist. Diese Kombination zwischen Übersichtlichkeit und Detailerkennen erfordert beim Teleskop einen Okularwechsel, beim Auge ist es in einem optischen Gerät verwirklicht.

    Würde, wie es viele fordern, die Netzhaut ihre Nervenfasern durch die Aderhaut nach hinten ableiten, wäre die Versorgung der Rezeptoren durch die Aderhaut reduziert. Dies wäre ein ernstes Problem, denn die meisten schweren Sehstörungen der Netzhaut entstehen bereits jetzt schon durch eine Behinderung ihrer Ernährung durch die Aderhaut (vgl. Spektrum der Wissenschaft 4/2002, Seite 48, "Wenn die Netzhaut verfällt").
  • Astronomisches Jenseits?

    01.02.2012, T. Hoff
    Sie schreiben in der November-Ausgabe: "Wenn Astronomen ihre Teleskope auf den Himmel richten, können sie bis zu einer Entfernung von rund 42 Milliarden Lichtjahren sehen."

    Wie soll ich das verstehen? Das Universum soll schließlich erst ca. 13,7 Mrd Jahre alt sein. Da Licht nun mal mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, kann ein Teleskop, das in den Himmel gerichtet wird, auch nur Lichtteilchen einfangen, die aus max. 13,7 Mrd. LJ Entfernung kommen. Der sichtbare Horizont ist somit nicht 42 Mrd. LJ entfernt, sondern nur 13,7 Mrd. LJ - es sei denn, das Universum wäre viel älter.
    Antwort der Redaktion:
    Unsere Angabe stimmt schon. Die Reisezeit des Lichts beträgt zwar 13,7 Milliarden Jahre; man könnte also vermuten, dass es in dieser Zeit 13,7 Milliarden Lichtjahre zurücklegt. Aber das ist nur eine untere Grenze. Denn der Kosmos expandierte in dieser ganzen Zeit. Wie man auf 42 Mrd. Lichtjahre kommt, erklärte Ned Wright von der University of California in Los Angeles schon vor längerer Zeit recht ausführlich (allerdings auf englisch).
  • Guter Aufruf zur Besinnung

    01.02.2012, Harald Bruckner
    Stimmt schon, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der pysikalischen Grundlagen dahin geändert hat, dass sie nicht mehr die Natur möglichst exakt beschreiben, sondern der Natur vorschreiben, wie sie sich zu verhalten hat. So gesehen ist der Artikel als Aufklärung recht gut und treffend geschrieben. Für eingefleischte Physiker ist er natürlich entbehrlich - wie Herr Kronberg schreibt.
  • Einstürzende Altbauten

    31.01.2012, Udo Holländer
    Hallo,

    bin begeistert über diesen Artikel von Tony Rothman. Soviel Nestbeschmutzung
    in diesem Forum hätte ich nimmer erwartet. Chapeau !
    Um das Ganze noch würziger zu machen:
    Zu der erwähnten Selbstgefälligkeit der Physikerzunft kommt m. E. noch eine
    vollkommene Blindheit gegenüber den eigenen kategorial gesetzten
    Voraussetzungen eigenen Forschens. Es wimmelt sozusagen nur so von Aporien: Plato lässt
    grüßen, Aristoteles hat´s als Systemdenken eingetütet, die arabischen Rück-Übersetzungen waren oftmals nur vergebliche Rettungsversuche, Descartes hat den Sack dann richtig zugemacht und das sich so seiner selbst vergewisserte Ego braucht später nur noch zu sagen, daß die Natur quantifizierbar sei. Der Widerspruch hielt sich in Grenzen, weil schon keiner mehr so recht merkte, welch Verdünnisierung der Wirklichkeit und Einengung des Blickes damit einherging.

    Wacklige Altbauten mit Rissen im atomarem Fundament sind bei rausgekommen. Nicht schön !
    (das war meine Kurzform).

    Ich denke, das diese Diskussion deshalb an´s Eingemachte geht, weil sich die >Form< der Rationalität kritisieren lassen muss. Also das, was die meisten Wissenschaftler als ihre eigene Denkvoraussetzung gar nicht wahrnehmen. Es geht um geltende Denkformen und Strukturen, die eigentlich nur noch auf eine zweite, Menschen gemachte Naturform rekurrieren können
    ( das Wissen um die erste ist m. E. spätestens mit den Vorsokratikern, hier insbesondere mit Parmenides` Abweisung des >Nichts abhanden gekommen). Trost für die armen Platoniker, die im Nebenberuf Physiker sind:
    alle Anderen stehen genauso im Regen, sind aber mittlerweile im Anspruch etwas
    bescheidener geworden.

    Wie lautet sinngemäß einer der letzten Sätze des wunderbaren Artikels:

    "Die Physiker sollten nicht die Beschreibung einer Landschaft mit der
    Landschaft selbst verwechseln."

    Dem kann ich nur beipflichten und an den sympathischen Computer aus:
    "Per Anhalter durch die Galaxis" erinnern:

    Die von den Menschen gestellt Frage nach dem Ganzen und überhaupt kann er
    nach vielen Jahren des Rechnens nur adäquat mit >42< beantworten.
    Diese Antwort hat Klasse !

    Will sagen:
    Allein die Möglichkeit einer Fragestellung, die nach einem sinnhaften Ganzen im Kleinen und im Großen fragt (und sage mir keiner, das sei n i c h t die Frage nach der Wahrheit >Grüße auch an die Tunnelbauer am CERN ) ist schon Teil des Problems.
    Woher kommt bloß diese denkerische Abwehr gegen Unwägbarkeiten, Nichtkausalität, Nicht-Abgeschlossenheit und Nicht-Linearität ?

    Wow, liebe Gemeinde, seht´s mir nach. Ich weiß: Widerspruch gibt´s zuhauf, aber das hat einfach mal Spaß gemacht (obwohl mir eigentlich schon nach Tschernobyl nicht mehr so recht zum Lachen war).
    MIt Wunsch nach Veränderung und
    umstürzlerischen Grüßen

    Udo Holänder
  • Die Schlangengrube

    31.01.2012, Hartl Johann
    Wirklich sehr informativ dieser Artikel. Das sind alle mich interessierenden Artikel in Spektrum.de
    Es zeigt auch einmal mehr, wie der Mensch der Neuzeit aus Gewinnsucht (Verkauf von jungen Tigerphytons) mit seiner ihn umgebenden Natur umgeht, wenn ihm seine Schlangen über den Kopf wachsen. Sie werden einfach ganz naiv in die freie Natur entsorgt. Gehen wir Zauberlehrlinge nicht in fast allen anderen Bereichen (Umweltvergiftung, Überbewirtschaftung, Terrorbekämpfung...) genauso damit um?

    Mit freundl. Grüßen

    Hartl Johann
  • Menschengrube

    31.01.2012, Hansruedi Baetschmann
    Die Menschengrube

    Der Planet Erde im Sonnensystem steht womöglich vor seiner größten Krise: Ausgesetzte Menschen übernehmen das Festland und die Meere - und besiedeln auch schon den Südpol. Die ersten drastischen Folgen für die Natur werden jetzt sichtbar. usw. usw.

    Nichts gegen den Artikel, ich finde ihn gut und informativ. Die Idee zu dieser Übung, die Optik um ein paar Glieder in der Kausalkette auf den Ursprung allen Übels zu richten, entspringt spontanem Übermut beim ersten Morgenkaffee.
  • Sich informieren geht der Meinungsbildung voraus

    31.01.2012, Dr. Gerd Haag, Linnich
    Etwas Dümmeres als Springers Einwurf "Unwissen schadet nicht" habe ich in Spektrum der Wissenschaft seit Langem nicht gelesen. Dieses ist auch als Kritik an Ihrem von mir ansonsten geschätzten Magazin gedacht.

    Dass Fische auf ein gelbes Ziel geprägt werden können, an dem sie Futter finden, mag ja sein. Dass sie aber an dieser Prägung bis zum Verhungern festhalten, wenn man das Futter danach woanders versteckt, halte ich für eine reine Erfindung, um pseudowissenschaftlich die These zu stützen, es sei zielführend, Laien an Entscheidungen über komplizierte Probleme zu beteiligen.

    Übertragen wir doch einmal auf Springers Anregung das angebliche Tierexperiment auf das Szenario Stuttgart-21. Dann hätten die Experten beider Seiten Unrecht und müssten von den Laien auf den rechten Weg gebracht werden. In Analogie zu den Fischen müsste man die Laien alle möglichen Problemlösungen praktisch ausprobieren lassen, also sowohl einen Tiefbahnhof als auch einen oberirdischen Durchgangsbahnhof zu bauen, drittens aber auch alles so zu belassen wie es ist. Am Ende erkennen dann auch die Experten im praktischen Betrieb, welches die beste Lösung ist. Im Sinn von Springer wäre diese nicht ganz billige Strategie im besten Sinn demokratisch.

    Überhaupt hat Springer ein seltsames, geradezu absurdes Demokratieverständnis. Sonst könnte er nicht wollen, dass die Griechen über die verordneten Sparmaßnahmen abstimmen. Sogar Laien wissen, dass der Ausgang dieser Abstimmung vorhersehbar und keine Lösung des Problems gewesen wäre. Die Frage ist nicht, ob eine Demokratie in einer Welt funktionieren kann, in der nur noch Experten Bescheid wissen, sondern vielmehr, ob nicht die Pflicht, sich zu informieren, dem Recht, seine Meinung zu äußern, zeitlich vorausgehen sollte. Darauf hinzuweisen wäre verdienstvoller als populistisch zu behaupten, die Gesellschaft sei auf Leute angewiesen, die nicht wissen, wovon sie reden. So jedenfalls ist Springers Einwurf unter dem Niveau Ihres Magazins.


  • Weisheit erreicht man nur mit Demut

    30.01.2012, Eike Blum
    In der Ausgabe 1/12 spricht in dem Artikel „Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen“ Professor Voland als erklärter Evolutionist von einer kausal geschlossenen Welt und erklärt, überspitzt gesagt, dass er Religion und Gott als Krücke für seelisch kranke oder verletzte Menschen – was Gott nach christlichem Verständnis sogar sein will – als Kosten sparendes Denkmodell zulassen will. Mit anderen Worten: Wir brauchen Gott nicht, das können wir alles selber.
    In der Ausgabe 2/12 zeigt in dem Artikel „Die Physik – ein baufälliger Turm von Babel“ Herr Tony Rothmann unter anderem auf, dass die mathematisch und experimentell bewiesene Sätze über das Doppelpendel etwas beschreiben, was es in dem „kausal geschlossenen System unserer Welt“ gar nicht existieren kann. Konsequenterweise müsste Professor Voland jetzt eigentlich das Doppelpendel als neuen Gott anerkennen mit der hierzu gehörigen „Religion“, welche für verstörte Physiker wie Mathematiker als seelische Krücke zugelassen werden kann.
    Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich als Gegner des unbedingten Kreationismus noch hinzufügen: Selbst höchste Intelligenz führt nie zur Weisheit, wenn sie nicht mit Demut verbunden wird.
  • Fantasiegebilde und Riesenkosten

    30.01.2012, Walter Weiss, Kassel
    Leider sind die Riesenkosten, die diese Fantasiegebilde des Verfassers auslösen würden, absolut ungerechtfertigt, wenn man ganz simple andere Möglichkeiten gegenüberstellt, die sofort ohne nennenswerten Aufwand praktiziert werden könnten - nur ein Beispiel: Um 1 kWh zu speichern, benötigt man bei Einsatz von in jedem Supermarkt billig einzukaufenden altmodischen Bleibatterien einen Platz von etwa 50 Litern/bei einem Ringwallspeicher müsste man zur Speicherung der gleich Menge Energie 4.000(!) Liter Wasser etwa 100m (!) hochpumpen.

    Mehr ist zu dem Artikel nicht zu sagen. Vielleicht nur noch folgende Nebenbemerkung: Der Verfasser trägt (wahrscheinlich unbewusst, möchte ich wenigstens hoffen) zu den Argumenten derjenigen Bürger/Energiekonzerne bei, die
    überall versuchen, die nun einmal von unserer Regierung - endlich! beschlossene Energiewende zu erschweren oder gar unmöglich zumachen. Auf derselben Ebene liegt die Behauptung (die z. T. in den Medien nach ständigen
    Wiederholungen fast wie eine unbestrittene Tatsache behandelt wird), es bedürfe unbedingt des Baus von im Meer stehenden Windmühlen (mehrfach so teuer in der Errichtung und Unterhaltung wie solchen auf dem Land - statt auch in Süddeutschland die Versorgung mit Windenergie genauso lokal wie in Norddeutschland einzurichten, und: Die daraus angeblich zwangsläufig resultierende Einrichtung umfangreichster Stromleitungen, im Wesentlichen von Nord nach Süd sei ebenfalls unabdingbar. Der regelrechte
    Kampf gegen eine örtlich einzurichtende Energieversorgung liegt nur allzu deutlich allein im Interesse der bisherigen Stromkonzerne.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Herr Walter Weiss,

    bei den vorgeschlagenen Ringwallspeichern handelt es sich weder um Fantasiegebilde, noch um Riesenkosten, die davon ausgelöst würden.
    Der von Ihnen als Mittel der Wahl angesehene Bleiakkumulator, also ganz gewöhnliche Autobatterien, haben, je nach Größe, eine Kapazität von ca. einer Kilowattstunde und einen Preis von ca. 100,- €. Die Lebensdauer so eines Akkus liegt bei zirka fünf Jahren, manchmal auch noch etwas darüber. Diese Akkus wären durchaus geeignet, um beispielsweise Stromüberschüsse einer Fotovoltaikanlage vom Tag auf die Nacht zu übertragen. Dafür würden eine Hand voll Akkus pro Haushalt ausreichen, um in sonnenreichen Perioden eine kontinuierliche und unterbrechungsfreie Stromversorgung zu sichern.
    Dies ist aber nicht die Herausforderung, um die es geht, wenn die Stromversorgung eines Landes auf eine nachhaltig aus natürlichen Energiekreisläufen zu entnehmende sichere und bedarfsgerechte Elektrizitätsversorgung umgestellt werden soll. Eine Industrienation benötigt auch dann eine zuverlässige Stromversorgung, wenn über längere Zeit kein Wind bläst und Fotovoltaik zugeschneit, ist oder wegen Nebelwetterlagen kaum Leistung abgibt. Diese in Europa anzutreffenden Situationen habe ich mit meinen Wetteruntersuchungen über einen fast 40-jährigen Zeitraum sehr gründlich analysiert. Heraus kommt, dass pro Kopf der Bevölkerung, je nach Ausgestaltung der gesamten Versorgungsstruktur, eine Speicherkapazität von 100 bis 250 Kilowattstunden benötigt wird, um auch die ungünstigen Wetterperioden sicher überbrücken zu können.
    Das wären dann schon 10.000,- bis 25.000,- € alleinige Akkumulatorkosten, die pro Kopf der Bevölkerung anfielen wären, um sicheren regenerativen Strom, der aus Wind und Sonne gewonnen wurde, bereitstellen zu können. Bei einer Lebensdauer von Bleiakkumulatoren von fünf Jahren wären das allein und ohne Verzinsung jährliche Kapitalkosten von 2000,- bis 5000,- € pro Bürger. Im Vergleich dazu liegt die jährliche Stromrechnung eines Einfamilienhaushalts bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh und einem Strombezugspreis von 20 Ct/kWh bei ca. 700,- €/Jahr.
    Die Herstellkosten zur Schaffung einer Kilowattstunde Speicherkapazität mit einem Ringwallspeicher kann dagegen in einer Größenordnung zwischen 10,- und maximal 50,- € erwartet werden. Die Lebensdauer bemisst sich in vielen Jahrzehnten und hat bei ordentlicher Bewirtschaftung keine Grenzen. Nur einmal auf 50 Jahre umgelegt käme die Schaffung von einer Kilowattstunde Speicherkapazität auf anteilige jährliche Kapitalkosten (wieder ohne Zinsen) von 0,20 bis 1,- €. Die Speicherkapazitätskosten pro Bürger und Jahr lägen damit zwischen 20,- und 250,- €/Jahr. Das läge zwischen einem Hundertstel bis maximal einem Zwanzigstel der Kosten, die Blei Akkumulatoren hervorrufen würden.
    Die hohen Kosten von Batterielösungen haben auch mit dem enormen Energieverbrauch zu tun, der die Herstellung dieser Batterien erfordert. Die Energie-Amortisationszeit gibt an, wie viele Jahre ein Energieversorgungssystem laufen muss, bis es die Energie, die zu dessen Herstellung aufgewandt wurde, wieder eingespeist hat. Bei Ringwallspeichern, die mit Windenergie- und Fotovoltaikanlagen zu einem Hybridsystem kombiniert werden, das jederzeit, auch über Flauten hinweg in der Lage ist, bedarfsgerechten und sicheren Strom bereitzustellen, ist, je nach Auslegung und konkreten Verhältnissen, eine Energieamortisationszeit von unter drei Jahren zu erwarten. Im Fall von Batteriesystemen läge diese Zeit deutlich höher und es würde, wenn dabei nicht aufgepasst wird, für die Herstellung sogar mehr Energie verbraucht werden, als damit jemals zurückgewonnen werden kann.
    Ganz abgesehen davon hat speziell der „kostengünstige“ Bleiakkumulator das Problem der Selbstentladung. Wollte man damit Stromüberschüsse des Sommers in den Winter übertragen, dann hätte sich die gespeicherte überschüssige Energie des Sommers bereits verflüchtigt, wenn sie in einer Flauteperiode während des Winters gebraucht würde.
    Was den Ausbau Windenergie betrifft stimme ich im Übrigen Ihrer Auffassung zu.



    Dr.-Ing. Matthias Popp



    Anbei einige Links, wo ebenfalls auf die die von Ihnen angesprochene Problematik eingegangen wird:
    http://www.poppware.de/Ringwallspeicher/Fragen_und_Antworten/Gigantismus.htm,
    http://www.poppware.de/Ringwallspeicher/Fragen_und_Antworten/EIKE-Kritik_am_Ringwallspeicher.htm,
    http://www.poppware.de/Links_und_Downloads/Matthias%20Popp%20-%20Redbeitrag%20beim%20BUND%20in%20Kemnath%20-%20%20zu%20-%20Atomkraft%20nein%20danke%20-%20verantwortungsvoll%20in%20die%20Zukunft.pdf
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