Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Zwei Rechenfehler

    07.10.2011, Martin Bernhauer, Karlsruhe
    Wenn es im Kasten auf S. 72 heißt "es gibt hundertmal so viele …", dann muss gelten p(A)=100 p(B) und damit p(A) = 100/101 und p(B)=1/101. Damit ergibt sich für p(B/C) = 0,0740740... was sich um ca. 1% von ihrem Fall unterscheidet.

    In Ihrem Fall sind es also nur 99-mal so viele, und selbst da ist das Ergebnis nicht korrekt, denn wenn man eine Stelle mehr ausrechnet, kommt man zu 0,07476, und das wird nach den Rundungsregeln dann zu 0,0748.
    Antwort der Redaktion:
    Herr Bernhauer hat in beiden Fällen Recht. Der erste "Fehler" war eine großzügige Rundung, damit man mit glatten Zahlen weiterrechnen kann; bei dem zweiten habe ich mir in der Tat eine Ziffer zu wenig anzeigen lassen.

    Wie tröstlich, dass beide Fehler im Kontext des Artikels völlig belanglos sind.


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Keine einseitige Polemik, bitte!

    06.10.2011, Axel Sigwart
    Wenn Herr Springer meint, dass der Ausstieg aus der Atomenergie richtig sei wegen der ungelösten Endlagerfrage, so sollte er daran denken, dass die Behandlungsfrage des Abfalls ganz unabhängig von der Nutzung betrachtet und beantwortet werden muss. Insofern können wir gar nicht aussteigen, da auch die Bundesrepublik Deutschland radioaktive Abfälle hat und damit umgehen muss. Und Herr Springer hätte gut daran getan, wenn er sich über bereits vorhandene Behandlungskonzepte einmal informiert hätte. Seine Haltung lässt im Übrigen erkennen, wie es um die öffentliche Darstellung der Kernenergie in Deutschland bestellt ist. Formulierungen wie „... Zwischenlager zum Bersten gefüllt“ sind nichts als Polemik. Lager sind dazu da, gefüllt zu werden, das ist ihre Aufgabe. Herr Springer erweckt aber den Eindruck, dass diese Lager kurz vor einer Katastrophe stünden, denn Bersten bedeutet schlicht, dass die Lager auseinanderzubrechen drohen – was übrigens eine illegale Lagerung von übermäßig vielen Behältern einschlösse!

    Außerdem ist die Behauptung, es gäbe noch nirgends eine „akzeptable Lösung für das Endlagerproblem“ so nicht richtig. In Finnland, in der Schweiz und in Schweden werden gerade Lösungen umgesetzt – fragt sich nur, was Herr Springer mit „akzeptabel“ meint!

    Der Schlusssatz mit seiner rhetorischen Frage ist in zweierlei Weise naiv – und für ein wissenschaftliches Magazin wie Spektrum der Wissenschaft völlig inakzeptabel! Die chemische Industrie erzeugt abertausende Tonnen giftigen Abfalls, der tatsächlich über geologische Zeiträume hinweg gefährlich bleiben wird, behandelt man ihn nicht. Radioaktiver Abfall zerfällt von allein und müsste lediglich auf das Niveau einer Uranerzmine gesenkt werden, was durchaus mit bestimmten Techniken möglich ist! So würde ein Abfall entstehen, der in wenigen hundert Jahren – also in überschaubarer Zeit – irdischen Verhältnissen gleichkommt. Warum weiß Herr Springer davon nichts – ein betrüblicher Umstand nicht nur für ihn, sondern für Spektrum der Wissenschaft!

    Gerade Spektrum der Wissenschaft sollte es sich zur Aufgabe machen, keiner einseitigen Polemik gegen Kernenergie Raum zu geben, wie dies Herr Springer tut, sondern eine zwar kontroverse, aber wissenschaftlich bestimmte Darstellung liefern, in der einerseits die technische Seite beleuchtet wird, andererseits der bisweilen höchst unsachliche Umgang mit diesem Thema in Presse und Fernsehen. Denn gerade hier liegt in Deutschland einiges im Argen!

    Der Ausstieg Deutschlands wird jedenfalls die Frage zur Behandlung des Abfalls in keiner Weise einer Antwort näher bringen! Das sollte sich eigentlich auch Herr Springer sagen können!
    Antwort der Redaktion:
    Solange das Endlagerproblem für radioaktive Abfälle weltweit nicht befriedigend gelöst ist, landen sie in Zwischenlagern. Das ist der gegenwärtige Stand der Dinge. In einzelnen Ländern wie Schweden gibt es oberflächennahe Endlager, tiefere sind geplant. Doch in den meisten Staaten ist das Problem der Endlagerung offen. Bei weiter laufendem Betrieb von Kernkraftwerken stößt die Zwischenlagerung naturgemäß an Grenzen. Dieses Problem wird durch den Hinweis auf bereits vorhandene radioaktive Abfälle nicht kleiner. Auch der Hinweis auf die Giftigkeit mancher chemischer Abfälle mindert das spezielle Problem mit der Strahlung und Wärmeentwicklung radioaktiver Substanzen nicht. Gewiss löst ein Ausstieg aus der Kernenergie für sich genommen das Endlagerproblem nicht; aber er verschärft es wenigstens nicht immer weiter. Vergleichsweise würde man wohl kaum das hohe Ausmaß einer bereits vorhandenen Verschuldung als Argument für weiteres Schuldenmachen heranziehen.


    Michael Springer
  • Unkritische und industriefreundliche Haltung?

    05.10.2011, Wolfgang Bosswick, Erlangen
    Vielen Dank für die Veröffentlichung meines Leserbriefs. Der Kommentar der Redaktion ist allerdings eigenartig und vermittelt den Nachgeschmack einer sehr unkritischen und industriefreundlichen Haltung. Ich schätze als Abonnent Spektrum der Wissenschaft seit mehreren Jahrzehnten sehr und würde es sehr bedauern, wenn die Zeitschrift bei diesem Thema ihr bislang gewohntes Niveau verraten würde.

    Zwar stammt der verlinkte Artikel von einer atomkraftkritischen Quelle in Japan, kann aber dennoch nicht ohne inhaltliche Auseinandersetzung abgetan werden. Insbesondere, weil sowohl der Bericht der japanischen Regierung Handlungszwängen aus außenpolitischen Gründen unterliegt und somit in seiner Objektivität durchaus fragwürdig ist, als auch die IAEA als Adressat keine unabhängige international Institution ist (wie meist suggeriert wird), sondern eine von der Atomkraftindustrie finanzierte NGO, die eher zum Lobbying neigt.

    Es mehren sich Hinweise, dass schwere Schäden bereits unmittelbar nach dem Erdbeben vor dem Ausfall der Notstromgeneratoren durch den Tsunami bestanden, und dass diese Schäden bereits wesentlich, wenn nicht maßgeblich zum weiteren katastrophalen Verlauf des Reaktorunglücks beigetragen haben.

    Yasuteru Shibamoto, Forscher der Japan Atomic Energy Agency, hat durch Analyse der Messdaten starke Hinweise darauf gefunden, dass zumindest in Reaktor 2 bereits unmittelbar nach dem Erdbeben schwere strukturelle Schäden am Containment entstanden waren, die zu massiven Kühlmittelverlust geführt haben: http://www.yomiuri.co.jp/science/news/20110922-OYT1T00668.htm?from=main1

    "The simulation done by Yasuteru Shibamoto, researcher at Japan Atomic Energy Agency, shows that the Containment Vessel of Reactor 2 at Fukushima I Nuclear Power Plant may have been damaged, and had a hole about 7.6 centimeters in diameter right after the March 11 earthquake.
    It is the first time that the degree of damage on the Containment Vessel is estimated in numbers. It was announced on September 21 at the fall conference of the Atomic Energy Society of Japan in Kitakyushu City.
    For his simulation, Shibamoto utilized the data TEPCO had announced regarding the operation of the reactor core isolation cooling (RCIC) system and the change in pressure [inside the Containment Vessel]. In 14 hours after the earthquake hit, the water supply to the RCIC was switched from the condenser storage tank that had run dry to the suppression pool at the base of the Containment Vessel.
    As the heat wouldn't dissipate, the pressure should have risen to about twice the design pressure (which is about 5 atmospheric pressures) within 2 days after the quake. However, in the actual data, the rise of the pressure was gradual, and it took more than 3 days to reach 7 atmospheric pressures (auszugsweise Übersetzung durch einen anonymen japanischen Blogger)."

    Die rundwege Ablehnung der Analyse von Mitsuhiko Tanaka (Link in meinem Leserbrief) unter Verweis auf den offiziellen IAEA-Bericht ohne jede inhaltliche Würdigung ist äußerst fragwürdig, zumal Mitsuhiko Tanaka in seiner Analyse genau auf die strategische Bedeutung der Tsunamihypothese für die Atomlraftindustrie hinweist.

    Ich würde mich freuen, wenn Spektrum der Wissenschaft diese Diskussionen in einem kritischen Artikel wieder aufgreift und sich nicht eine unkritische Plattform für offizielle Legenden von interessierter Seite zur Verfügung stellt. Tut mir leid, aber der Artikel, der Anlass für meinen Leserbrief war, vermittelt mir genau letzteren Eindruck. Vielleicht sollte da die Redaktion etwas wachsamer sein.
  • Arabische Architektur

    05.10.2011, Vinzenz Schönfelder, Berlin
    Hallo liebe Redaktion,
    ihr habt im Archiv einen netten Bericht über quasi-kristalline Muster in der arabischen Architektur:

    "Das Geheimnis der Girih"
    http://www.wissenschaft-online.de/artikel/866284&_z=859070

    Ich war damals als Praktikant so stolz auf diesen Beitrag, und ein Absatz bezieht sich auch direkt auf Quasikristalle und auf den heutigen Preisträger ... :)

    Liebe Grüße!
    Vinzenz
  • Falsche Fragen

    04.10.2011, Joachim Eibl, München
    Immer wieder kommen biologisch motivierte Artikel zum Gehirn, die letztendlich bloß sagen: Es ist alles so komplex, dass man fast nichts verstehen kann.

    Dabei, finde ich, werden vor allem die falschen Fragen gestellt. Die Frage ist nicht: "Wie funktioniert das fertige Gehirn?", sondern: "Wie entsteht es?" Nicht "Wie sind die Neuronen vernetzt?", sondern: "Warum vernetzen sie sich so?" Nicht "Wie ist das Wissen gespeichert?", sondern: "Wie wird es gelernt?"

    Vielleicht gibt es ja Fortschritte beim Zusammenführen der Theorien zu neuronalen Netzen, Informationstheorie sowie Reinforcement Learning (Bestärkendes Lernen). Dazu würde mich ein Artikel brennend interessieren.

    Ein mathematischer Ansatz, der erklärt, wie das Lernen im Kleinen funktioniert, läßt sich vielleicht eines Tages auch im Großen anwenden. Dann müssten uns die Milliarden von Nervenzellen nicht Bange machen.
  • Der Selbstmörder im Flugzeug

    03.10.2011, Michael Scheiber, Wien
    Die beiden Artikel über Stoßprozesse bewegten mich dazu, Ihnen das folgende Gedankenexperiment zu beschreiben und Sie zu bitten, mir Ihre Sichtweise kundzutun.

    Ein Flugzeug fliegt mit 1000 km/h. Eine Person schießt mit einer Pistole, welche eine Mündungsgeschwindigkeit von 1000 km/h hat, gegen die Flugrichtung auf ein U-förmig gebogenes Rohr.
    Aus meiner Sicht würde die Kugel den Pistolenlauf nach einem Schuss verlassen, in das Rohr hineinfliegen, durch die U-Form in die entgegengesetzte Richtung das Rohr wieder verlassen (in der Annahme, dass Reibungsverlusste des U-Rohrs sehr gering sind), und die Kugel würde die Person treffen.
    Das war der erste Teil des Gedankenexperiments.
    Im zweiten Teil des Gedankenexperiments fliegt das U-Rohr mit 1000 km/h, auf eine an einem Haar hängende Pistolenkugel zu, welche vom U-Rohr erfasst wird und aus meiner Sicht in der Rohrmitte zu stehen kommt (also das Rohr nicht sofort wieder verlässt).
    So und jetzt kommt der mystische Teil.
    Wir stellen uns vor, das Flugzeug ist sehr lange und auf der Seite aufgeschnitten, so dass ein Beobachter die Möglichkeit hat, hineinzuschauen. Dieser Beobachter schaut in dem Moment hin, als der Schütze im ersten Teil des Experiments die Kugel Richtung U-Rohr abgeschossen hat. Da sich das Flugzeug mit 1000 km/h in die eine Richtung bewegt und die Kugel mit 1000 km/h in die andere Richtung, sollte die Kugel für den Beobachter in der Luft stehen.

    Meine Fragen sind nun:

    Kann der Beobachter nun die Kugel gegen eine andere, welche er in der Hosentasche hat, austauschen?
    Würde die ausgetauschte Kugel den Schützen auch töten können, oder würde diese das U-Rohr nicht verlassen?
    Was bemerkt der Beobachter, wenn er eine Kugel mit einem Impuls von 1000 km/h berührt?
    Antwort der Redaktion:
    Dieses U-Rohr! Leider hat man mit festen Gegenständen, die durch ein U-Rohr umgelenkt werden, zu wenig praktische Erfahrung. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man mit einem U-Rohr eine Pistolenkugel gegen sich selbst lenken kann (einerlei, ob im Flugzeug oder am Boden).


    Aber wegen der Relativität der Bewegung muss es vollkommen gleichgültig sein, ob eine bewegte Pistolenkugel in ein stehendes Rohr gerät oder umgekehrt. Also: Wenn die Kugel im Flugzeug aus dem Rohr wieder herauskommt (eine ziemlich fantastische Idee), dann gibt das bewegte Rohr der unbewegten Pistolenkugel so viel Impuls, dass sie zum anderen Ende hinausfliegt. (Die Luft spielt keine Rolle, haben wir stillschweigend vereinbart. Oder?) Es kommt auch nicht darauf an, ob der Beobachter im Flugzeug sitzt oder draußen.


    Für die Vorstellung ist es hilfreich, das U-Rohr durch ein senkrecht gestelltes Trampolin zu ersetzen – aus so hartem Gummi, dass die Kugel nicht durchschlägt, sondern die Gummimatte deformiert und daraufhin zurückgeschleudert wird. Immer noch eine sehr umständliche Art, sich umzubringen; aber dass ein fliegendes Trampolin eine ruhende Pistolenkugel in Flugrichtung schleudert, das ist man bereit zu glauben.


    Ach so, die Fragen: Ja, der Beobachter kann eine ruhende Kugel gegen eine austauschen, die er in der Hosentasche hat. Sie tötet den Schützen genau so wie die originale. Und der Beobachter bemerkt nur die Relativgeschwindigkeit der Kugel. Wenn das aufgeschnittene Flugzeug an ihm vorbeifliegt und der Schütze schießt, kann der Beobachter die Kugel gefahrlos greifen, weil sie relativ zu ihm die Geschwindigkeit null hat. Und wenn er eine Kugel berührt, die relativ zu ihm eine Geschwindigkeit von 1000 km/h hat, dann hat er hinterher ein Loch in der Hand.


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Dunkle Materie

    30.09.2011, Ralph Hoffmann
    Hallo,

    ich wundere mich darüber, dass die Wissenschaftler normale Materie zur Erklärung der Beobachtungen ausschließen.

    Oder WISSEN die Wissenschaftler ganz genau, wieviel normale Materie in einer Galaxie existiert? Vor noch nicht allzu langer Zeit konnte sich die Wissenschaft mit Planeten versehenen Sonnensysteme nicht vorstellen. Huete wissen wir, dass Planeten wohl eine natürliche Begleiterscheinung sind und eher Planetenlose Sonnen die Ausnahmen sein könnten.

    Weiter wurden Irrläufer-Planeten bisher nicht für möglich gehalten. Dass schließe ich aus den Berichten über Wissenschaftler und deren Kommentare, als solche Planeten gefunden wurden.

    Die Erd- wie auch die Allgestützen Teleskopen sind nicht so gut, dass sie Planeten und Asteoriden (einzelene und Wolken/Gürtel) sicher nachweisen können.

    Sehr zweifelhaft finde ich da die derzeitige Meinung in der Wissenschaft, dass es zu wenig normale Materie in Galaxien gibt, um zu erklären, dass diese auf Grund von Fliehkräften nicht auseinanderbrechen.
  • Klosterstudie

    30.09.2011, Michael Kühnapfel
    Sehr geehrte Redaktion,

    "Beim Menschen und anderen Säugetierarten haben Frauen eine deutlich höhere Lebenserwartung"

    ich hatte immer gedacht, die höhere Lebenserwartung von Frauen sei im wesentlichen auf soziale, nicht genetische Faktoren zurückzuführen. Das legt ja auch die "Kloststerstudie" nahe, die immer angeführt wird.
    Im Zusammenhang mit diesem Artikel jedoch wird die unterschiedliche Lebenserwartung in einen biologischen Kontext gestellt. Das war mit neu, daher würde ich gerne, wenn es Ihnen keine Mühe macht, die Quelle wissen.
    Vielen Dank für Ihre Mühen.

    Michael Kühnapfel
    Antwort der Redaktion:
    Die Autoren der Studie führen eine ganze Reihe Literaturquellen als Belege für eine höhere männliche Mortalität an, darunter



    Gannon et al, Shock 21: 410–4

    Wichmann et al, Intens Care Med 26: 167–72



    und einige andere.



    Die Erkenntnisse der vorliegenden Studie stehen nach meinem Verständnis nicht im Widerspruch zur Aussage der "Klosterstudie", denn selbstverständlich hängen die Auswirkungen genetischer Faktoren von der Umwelt ab. Wenn man die Umwelt als Faktor in einer Weise ausschließt wie das in der "Klosterstudie" der Fall ist, kann man natürlich auch nur begrenzte Aussagen über genetische Hintergründe einer höheren Mortalität machen.
  • Ausgezeichneter Überblick über Leben und Wirken

    29.09.2011, Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer, Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Berlin
    Gratulation zu dem Text über Gottfried Wilhelm Leibniz. Dem Verfasser gebührt großer Dank in doppelter Hinsicht. Prof. em. Eberhard Knobloch ist nicht nur eine treibende Kraft bei der Edition der zahlreichen Schriften dieses großen Gelehrten und hat sich damit bereits jetzt bleibende Verdienste erworben, sondern auch – wie der Artikel auf Schönste belegt – ein hervorragender Kommunikator. Der Artikel gibt einen ausgezeichneten Überblick über das Leben und Wirken Leibniz’ – und er unterstreicht, wie richtig die Gründungsväter der Leibniz-Gemeinschaft lagen, als sie diesen vielseitigen Wissenschaftler und Politikberater als Namenspatron für unsere Wissenschaftsorganisation wählten. Leibniz‘ Werk und sein universaler Anspruch sind für uns nach wie vor Ansporn unserer Arbeit.
  • Zurück zu den Sachfragen

    29.09.2011, Dr. Wolfgang Monninger, Essen
    Den drei Lehren aus Fukushima, die Allison Macfarlane nennt, ist zuzustimmen. Aber: Das Problem, das aus Lehre 3 (geologische Eigenschaften eines Endlagers) erwächst, ist lösbar. Zwar mag sogar den naturwissenschaftlich interessierten Laien ein "heiliges Erschrecken" erfassen, wenn er sich vorstellt, dass so gefährliche Substanzen wie
    hochradioaktiver Müll über einen Zeitraum von einer Million (!) Jahren sicher aufbewahrt werden müssen. Offenbar geht dies weit über das menschliche Vorstellungsvermögen hinaus. ABER: Große Salzstöcke in tektonisch stabiler Umgebung (unter anderem Gorleben) liefern eine Lösung - sie bieten gegenüber einer Endlagerung in Tonformationen oder Tiefengesteinen (wie Graniten) generell die besseren Möglichkeiten.


    Die Bewegung eines Salzstocks in der geologischen Vergangenheit lässt sich sehr genau aus der Konfiguration der überlagernden Schichten ablesen. Diese erlaubt eine zuverlässige Prognose der Bewegung des Salzstocks in der Zukunft. Wenn man zum Beispiel für Gorleben eine Aufstiegsrate von 1/10 Millimeter pro Jahr (die höchste und damit "gefährlichste" Rate in den letzten zwei Millionen Jahren) zu Grunde legt, erhält man nach einer Million Jahren (so lange soll Gorleben sicher sein) einen Aufstieg des Salzstocks und damit der eingelagerten radioaktiven Abfälle von 100 Metern. Es ist kein Problem, die Endlagerungsteufe so tief zu platzieren, dass aus diesem Aufstiegsbetrag kein Problem erwächst, zumal massives nutzbares Steinsalz bis zu eine Teufe von über 3000 Metern vorliegt. Das Niedersächsische Becken ist tektonisch sehr ruhig. Sollte, wenn der Teufel es will, aus heute nicht erkennbaren Gründen ein Erdbeben eine Störung von einem(?) Meter Sprunghöhe mitten durch das postulierte Endlager schlagen, so würde eine offene Kluft durch das Steinsalz sehr schnell verschlossen werden, da Steinsalz plastisch reagiert. Zwar ist die Plattentektonik noch eine relativ junge Wissenschaft, die meisten offenen Fragen aber betreffen die Plattenränder, nicht eine Position im Inneren einer Platte wie im Fall von Gorleben und ähnlichen.


    Wichtig für die Endlagerung ist, dass die einzelnen Fässer
    (Pollux-Behälter, Durchmesser zirka 1,50 Meter) in der Mitte der Salzstocks eingebracht werden. Dort gibt es radial nach allen Seiten auf mehrere 100 Meter massives Steinsalz. Es ist ohne Weiteres möglich, die komplizierten Randbereiche zu meiden, wo problematische Gesteine wie Anhydrit vorliegen (siehe "Endlager" Asse) und wo Taschen von Formationsfluiden unter Druck angetroffen werden können, zumal dann, wenn man die Fässer als einen langen Turm bis zu einer Teufe von zirka 3000 Metern übereinanderstapelt. Bei dieser Lagerung sind die Fässer sicher. Zusätzlicher Vorteil: Bei der Einlagerung als Turm ließen sich die Fässer kostengünstig wieder herausholen, falls neue Techniken (zum Beispiel Transmutation, Wiederentdeckung des Mülls als Wertstofflager) irgendwann einmal dies erwünscht erscheinen lassen.


    Eines aber ist klar: Die Castoren können nicht eine Million Jahre im Freien stehen bleiben. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir von der hochemotionalisierten Diskussion wieder zurück zu den Sachfragen kommen.
  • Astronauten, Taikonauten, Kosmonauten?

    29.09.2011, Tobias Seyb
    Aus Anlass einer aktuellen Meldung möchte ich eine Sache anregen, die mich schon länger beschäftigt. Im westlichen Kulturraum werden Weltraumfahrer als Astronauten bezeichnet. Redet man von russischen Akteuren, werden diese als Kosmonauten bezeichnet. Und jetzt kommen noch die "Taikonauten" aus China.

    Ich finde, diesen Sprachgebrauch sollte man vermeiden. Abgesehen von der konfusen Sprachvermischung sollte man doch nicht jeder emporkommenden Technologienation (sprachlich) das All zugestehen. Stattdessen sollte man Weltraumfahrer jeder Nation einheitlich bezeichnen. Das wäre auch ein Zeichen, dass über den Wolken kleinlicher Nationalismus verschwinden sollte. Denn es ist nicht der amerikanische, nicht der russische, chinesische oder meinetwegen indische Weltraum, an dessen äußerem Rand die Astronauten zaghaft kratzen. Es ist ein Teil des Himmels, der allen Menschen gehört.
  • Die Nebel lichten sich

    29.09.2011, Michael Kühnapfel
    Es ist gut, dass die Erziehungswissenschaft wieder die individuelle Variation wahrnimmt und zunehmend weniger in dumpfen Geschlechterstereotypen agiert. Sowohl bei Mono- wie bei Coedukation wird es Schüler geben, die in dem jeweiligen System gut aufgehoben sind, wobei verschiedene, auch soziale, Faktoren ursächlich sind.

    Überhaupt ist es erfreulich zu sehen, dass nach und nach viele der feministischen und genderistischen Konstrukte an Bedeutung verlieren zugunsten realistischerer Betrachtungsweisen. Das liegt wohl auch daran, dass es trotz aller politischer Steuerung immer Wissenschaftler geben wird, die Erkenntnisse erlangen und nicht Ideologien untermauern wollen. So können wir, wenn wir uns von der Vorstellung lösen, das Geschlecht sei das wichtigste Merkmal der Menschen in unserer Gesellschaft und es gäbe eine Geschlechterungerechtigkeit als zentrales Problem, uns endlich den richtigen Fragen zuwenden, die uns voranbringen.

    Und das führt uns zu den Bildungssystemen: Wenn wir bessere Bildung wollen, dann müssen wir zuerst einmal die engstirnige, intolerante, moralisierende, diffamierende, vorurteilsbeladene und wissensfeindliche Gesellschaft ändern, Platz schaffen für neue Ideen, ein Klima geistiger Offenheit und gegenseitiger Wertschätzung, in der Bildung ein wertvolles Gut ist, das es wert ist, dass man auch dafür Geld ausgibt. Wenn wir wieder gelernt haben, dass es einen Unterschied gibt zwischen persönlicher Meinung und wissenschaftlicher Erkenntnis, und dass Menschen, die anderer Meinung sind, durchaus gute Gründe dafür haben können, wenn wir wieder zuhören können und verstehen statt zu verurteilen, dann wird das auch für die Bildung, für die Kinder und Jugendlichen in diesem Land mehr bringen als sämtliche konstruktivistischen Didaktikkonzepte.
  • Titel Ihres Leserbriefes

    28.09.2011, Gerhard Pahl, Winsen
    Fluoreszierende Tausendfüßer habe ich schon vor 30 Jahren als Zivildienstleistender auf Hallig Langeneß beobachtet - und das Phänomen für etwas ganz Normales bei dieser Tiergruppe gehalten...
  • Interessante Theorie von Herrn Kächele

    27.09.2011, Dipl. Phys. Kai Petzke
    Die von Herrn Kächele geäußerte Vermutung, dass das "Neutrino-c" im Gegensatz zum "Photon-c" nicht durch die Masse unserer Galaxie im allgemeinen und der Erde und der Sonne im speziellen beeinflusst wird, und daher gemäß allgemeiner Relativitätstheorie (kurz ART) höher liegt, ist sehr interessant. Die Folge wäre natürlich, dass Neutrinos nicht der Gravitation unterliegen. Dieses ließe sich in einem Satellitenexperiment grundsätzlich überprüfen, indem die Ablenkung eines Neutrinostrahls durch die Sonne gemessen wird. Dieses Experiment wäre ähnlich fundamental wie die Messung der Ablenkung von Sternenlicht in der Nähe der Sonne während einer Sonnenfinsternis, mit der vor knapp 100 Jahren erstmalig die ART bestätigt wurde.

    Würde bei einem solchen Experiment verifiziert, dass Neutrinos nicht der Gravitation unterliegen, wirbelt dieses das komplette Standardmodell durcheinander. Das ist aber nicht schlimm, immerhin beißen sich die Physiker an der Vereinigung von ART und den anderen Naturkräften seit mehreren Jahrzehnten die Zähne aus. Ein abweichendes Verhalten von Neutrinos gegenüber den Vorhersagen der ART würde Hinweise geben, wo Fehler in den bisherigen Theorien stecken, und folglich möglicherweise auch, wie eine Vereinigung doch noch zu schaffen ist.

    Man sollte aber nicht zu früh auf "neue Physik" hoffen. Viel wahrscheinlicher ist, dass man bei der Messung der Länge der Basislinie einen systematischen Fehler von 18 Metern begangen hat.


    Kai Petzke
  • Plagiat statt Fälschung

    27.09.2011, Dipl. Phys. Kai Petzke, Berlin
    mit Interesse habe ich Ihren Artikel "Echte Gefahr durch falsches Botox" gelesen. Allerdings stoßen einige Teile der Darstellung stark negativ auf:

    * Erst mal eine Begrifflichkeit: Als "gefälschte" oder "manipulierte" Arzneimittel sollten nur solche Zubereitungen bezeichnet werden, die den angegebenen Wirkstoff nicht oder nur in sehr stark abweichender
    Konzentration enthalten oder die stattdessen oder zusätzlich einen nicht deklarierten Wirkstoff enthalten oder die unter Verletzung des Markenrechts vertrieben werden (gleicher Name und Aufmachung wie das Original). Das im Artikel beschrieb eine angebliche Malariamittel Artesunat ist eine typische Fälschung. Bei Botox schreiben Sie hingegen, dass von den nicht lizensierten Botox-Medikamenten nur 20 % wirkstofffrei, also gefälscht sind. Von diesen "echten Fälschungen" geht aber genau keine Gefahr aus! Die 80 % der Botox-Nachahmerprodukte mit Wirkstoff sollte man hingegen als "Plagiate" (soweit Patente verletzt werden), als "nicht zugelassene Arzneimittel", als "Wirkstoffe aus dubiosen Quellen", als "illegale Nachahmerprodukte" oder ähnlich bezeichnen, nicht als "Fälschungen".

    * Wie der beständige Markt für illegale Rauschdrogen und der zunehmende Markt für illegale Nachahmerprodukte legaler Medikamente zeigt, kann ein Programm zur Verringerung des Vertriebs von Botox aus nicht kontrollierten Quellen nur erfolgreich sein, wenn das Verbot mit der Verfügbarkeit legalen Botox für einen fairen Preis nahe an den Herstellungskosten gekoppelt ist. Andernfalls werden dubiose Hersteller immer versuchen, mit der Arbitrage zwischen den niedrigen Herstellungskosten und den hohen Preisen der offiziellen Produkte einen Gewinn zu machen. Dies gilt um so mehr, je einfacher Botox in der Herstellung ist. Ein reines Verbot illegalen Botox ohne die günstige Verfügbarmachung legalen Botox ist in etwa genauso Erfolg versprechend wie ein Verbot von Alkohol, Nikotin, Kokain oder Heroin.

    * Der Artikel enthält nicht die geringsten Hinweise darauf, wie aufwändig die Herstellung größerer Mengen konzentrierten Botox-Toxins ist. Es handelt sich ja um ein recht empfindliches Eiweißmolekül, das an Luft oder bei Hitze schnell denaturiert. Viele einfache Methoden zur Aufkonzentration, wie etwa die Abdestillation von Wasser aus einer Vorlage, scheiden damit aus. Entsprechend selten war bisher der erfolgreiche Einsatz von Botox als Biowaffe, obwohl das Toxin schon lange bekannt ist und die Toxin produzierenden Bakterien einfach zu züchten sind.

    * Die Ehec-Epidemie hat jüngst gezeigt, wie gefährlich lebende Bakterien für die Bevölkerung sein können, und wie hilflos die Behörden bei der Suche nach der Infektionsquelle agieren. Warum sollte es ein Terrorist also
    überhaupt darauf anlegen, das Toxin zu isolieren oder für viel Geld von jemandem zu kaufen, der es für ihn isoliert, wenn er stattdessen mit viel weniger Aufwand das Bakterium selber züchten und für den Angriff nutzen kann?

    Am Ende erscheint der Artikel als der Ruf eines Pharmalobbyisten nach staatlicher Kontrolle und Verboten, um die etablierten Hersteller vor dem Umsatzverlust durch Nachahmerpräparate zu schützen. So etwas hat Ihre Zeitschrift eigentlich nicht nötig.