Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • zu "Licht aus für die Evolutionspsychologie" Bolhuis und Kollegen

    11.12.2011,
    Wenn der Mensch ein Produkt der Evolution ist, woran ja außer einigen religiösen Fanatikern niemand ernsthaft zweifelt, dann fängt die doch nicht erst in der Altsteinzeit oder bei "Lucie" an. Der Mensch bringt doch aus dem so genannten Tierreich schon eine Menge an Verhaltensrepertoire mit. Dabei haben wir doch bisher durch die Hirnforschung und die Genforschung erst eine ganz schwache Vorstelleung davon, wie komplex das in unseren biologischen Strukturen abgebildet ist. Die von der Psychologie jahrzehntelang belächelte Verhaltensbiologie hat auf diesem Feld seit Konrad Lorenz und Eibl-Eibesfeldt mehr an plausiblen Erklärungen zu bieten, als weithin Berücksichtigung findet.
  • Kohlendioxidspeicherung

    11.12.2011, yoatmon
    Die Untergrundspeicherung von CO2 ist so sicher wie die Speicherung von radioaktiven Abfällen in ASSE.
  • Die Grundannahmen sind falsch

    11.12.2011, Jürgen Weiss
    Die Annahme, dass Biotreibstoffe mit der Nahrungsmittelproduktion konkurrieren ist so nicht richtig. Hat einer der hier aufgeführten Studien eigentlich berücksichtigt, wie viel Biotreibstoffe man auf den bereits vorhandenen Ackerflächen gewinnen könnte, wenn bei uns und anderen Industriestaaten der unsägliche Umgang mit Lebensmitteln geändert würde? Es ist doch bekannt, dass ungefähr die Hälfte aller erzeugten Nahrungsmittel entweder wegen Überangebot oder nicht den Qualitätsanforderungen der EU-Richtlinien und des Lebensmittelhandels entsprechende Produkte bereits auf den Feldern verrottet oder untergepflügt werden, dass wegen einer angefaulten Tomate in einem Gebinde das gesamte Gebinde in der Mülltonne landet oder im Kühlregal oder im Kühlschrank der Verbraucher jede Menge Lebensmittel nur deshalb ausgesondert werden, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht oder überschritten ist. Brot muss in den Filialbetrieben der großen Supermärkte auch noch eine halbe Stunde vor Ladenschluss in seiner gesamten Sortimentsbreite zur Auswahl stehen und kann angeblich am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Der Dokumentarfilm "We feed the World" belegt dies eindrücklich.

    Wurde in die Studien mit einbezogen, welche Mengen an Energie zum Transport, zur Kühlung und zur Erzeugung dieser vernichteten Nahrungsmittel weit gehend sinnlos verschwendet wird? Hier läge meines Erachtens ein gewaltiges Einsparpotenzial, und es verwundert schon, wenn dann ein Landwirt oder ein Bäcker ins moralische Abseits gedrängt wird, wenn er seine Überschussproduktion statt unterzupflügen in einer Biogasanlage zu nutzbarer Energie oder Grundlage für Biotreibstoffe umwandelt oder der Bäcker seine "Altbrote" zur Wärmegewinnung im Backofen statt Erdöl nutzt.

    Ähnlich verhält es sich mit dem Argument, Wälder würden wegen Nahrungsmittelmangel abgeholzt und Nahrungsmittel wegen der Konkurrenz zu Biotreibstoffen verteuert. Wie jeder aus den Tagesmeldungen entnehmen kann, werden Nahrungsmittel durch Spekulationen mit Agrarerzeugnissen erheblich verteuert, und Regenwälder werden deshalb abgeholzt, damit Soja für den immer mehr steigenden Fleischkonsum angebaut werden kann und Palmöl eben letztendlich billiger ist als Öl aus bei uns angebauten Sonnenblumen oder Raps.

    Sind von den besagten Studien eigentlich die CO2-Emissionensdifferenzen berechnet worden, die bei der Erzeugung von wahrlich nicht CO2-freiem Bioethanol einerseits und der wohl künftig steigenden Erdölproduktion aus Ölsanden andererseits resultieren? Werden in Kanada nicht erst riesige Flächen entwaldet, um dann mit sehr hohem Energie- und Chemieeinsatz letztlich Diesel oder Benzin zu erzeugen? Und dabei sind die ganzen anderen Umweltschäden durch die Nutzung unserer letzten fossilen Energiereserven noch gar nicht berücksichtigt.

    Konform gehe ich allerdings mit der Aussage, dass die Biotreibstoffe, die aus der Verwertung organischer Reststoffe gewonnen werden, sinnvoller sind als der Anbau von sog. "Energiemais". Letztendlich bestätigt sich aber auch bei dieser Diskussion die Binsenweisheit: Die umweltschonendsten Energien sind die, die nicht genutzt werden. Deshalb oberste Priorität: Energie effizienter nutzen und Energie einsparen und erst dann auf andere Energieträger - ob fossil oder bio - setzen.
  • Wissenschaftsaussagen müssen sorgfältig und nicht entsprechend jeweiliger Interessenlage erfolgen

    11.12.2011, Eberhard Bieski
    Das zeigt wieder einmal, wenn Experten nicht bis zum Ende gedacht, die Politik aber allen Unsinn mitmacht, nur weil es gerade ins Wahlprogramm passt. Es ist nicht die erste Fehlentscheidung und wird auch nicht die letzte der EU oder auch deutschen Regierungen sein. Schnellschüsse können immer zu nichtgewollten und fatalen Auswirkungen führen. Aber auch die Wissenschaft sollte sorgfältig mit ihren Aussagen umgehen. Denn sie liefert der Politik und den Medien die Argumente, die letztendlich zu solchen Fehlentscheidungen führen, die kurzfristig zwar vom Volk getragen aber der Welt oft nur Schaden zufügen. Lieber etwas langsamer, aber dafür sorgfältiger die Auswirkungen erkunden.
  • Ähnliche spontane Geschichte

    10.12.2011, Halec Radicec
    Interessante Geschichte, auch wenn bekannt ist, dass Ratten zu den "intelligenten" Lebewesen zählen.
    Ich habe einmal, während ich im Winter in der Wanne lag, beobachtet wie ein Marienkäfer von einem Spinnweber gefangen wurde. Kurz darauf sind ca. 10 weitere Marienkäfer aus ihren Verstecken gekommen und um den Spinnweber herumgeflogen. Weil ich den Eindruck hatte, dass diese dem Gefangenen helfen wollten, habe ich die Geschichte in einen Blog, in dem ich wusste, dass es dort Spezialisten gibt, gestellt. Es ist eine lebhafte und interessante Debatte entstanden. Hier die Fundstelle: http://nafoku.de/
    Gruß,
    Halec
  • Schädelverletzung beim Brainstorming?

    10.12.2011, Dr. Hans-Joachim Scheel
    Beim Menschen unvorstellbar, denn da gäbe es beim Brainstorming im Bundestag oder Industriegremien Schädelverletzungen und Platzwunden mit Krankenhausaufenthalten.
  • Falscher Ansatz von Bolhuis und Kollegen

    10.12.2011, Rudi Zimmerman
    Erstens: Die ererbten Verhaltenskonstanten der Menschen stammen gar nicht aus der Altsteinzeit, sondern aus dem Tierreich. Das Balzverhalten beginnt mit der zweigeschlechtlichen Vermehrungsweise der Tiere und hat sich bis zum heutigen Balzen der jungen Männer, wenn Sie auf der Straße ein menschlichen Weibchen sehen, nicht wesentlich geändert, auch nicht die Rivalenkämpfe. Selbst das Brutpflegeverhalten des Menschen können Sie bereits im Tierreich beobachten, beispielsweise bei Vögeln. Diese Verhaltenssteuerung geht auch nicht von zerebralen Gedächtnisspeichern aus, so dass Neurowissenschaft hier nicht greift, sondern es handelt sich um genetisch gespeicherte Verhaltensprogramme, die ihre Wirkungen über Hormonausschüttungen entfalten.
    Zweitens: Diese ererbten Verhaltensprogramme werden selbstverständlich überlagert durch die zivilisatorischen Errungenschaften der Menschen, der sich heutzutage beispielsweise beim Balzen des Autos bedienen kann. Und zur Brutpflege kann er auch nicht mehr in den Wald gehen und Beeren sameln, sondern muss eine Ausbildung machen, arbeiten gehen und Geld verdienen, um sich die Beeren im Supermarkt kaufen zu können.
    Das können Sie alles in meinen Büchern und Internetveröffentlichungen genauer nachlesen.

  • Wer will schon Hunger tanken?

    09.12.2011, UTC
    Auch die Hilfsorganisationen haben den Bio-Sprit Wahnsinn angeprangert. Nicht nur die CO2-Bilanz ist fragwürdig, auch die "Hunger-Bilanz": http://www.brot-fuer-die-welt.de/ernaehrung/4521_DEU_HTML.php
  • Eutektikum

    09.12.2011, Johann Springer
    Kann mir jemand die Frage beantworten, warum man für solche Experimente nicht eine eutektische Legierung aus Natrium und Kalium verwendet? Die wäre schon bei Raumtemperatur flüssig und man würde sich die Heizung sparen.
  • Geodynamos auch in Deutschland

    09.12.2011, Wolfgang Hering
    Warum denn in die Ferne schweifen...

    ich darf daran erinnern, dass schon um die Jahrtausendwende in Karlsruhe am FZK ein Geodynamo-Experiment mit sieben Kubikmeter Natrium aufgebaut wurde, das den Aufbau eines Magnetfeldes nachvollziehen konnte.
    ( http://www.g-r-z.org/pdf-dateien/erdmagnetfeld-labor.pdf ). Heute läuft noch ein Geodynamo-Experiment in Riga, ein weiteres wird im Dresdyn Labor in Rossendorf (HZDR) aufgebaut.
  • 08.12.2011,
    Danke für den Buchtipp, das schau ich mir mal genauer an.

    Liebe Grüße,

    Elisa.
  • "Das ist gut so" - mehr, das ist absolut notwendig!

    08.12.2011, Jürg Walter Meyer
    Ich bin überzeugt: Die neue Vorgabe der Europäischen Union muss die Umweltkriterien für Agrarkraftstoffe verschärfen und hat das Aus für Biodiesel und Co zu bedeuten.
  • Dank an Spektrum

    08.12.2011, Jürg Walter Meyer
    Es war an der Zeit, dass eine wissenschaftliche Zeitschrift wie "Spektrum" über die Nachteile von Biokraftstoffen, über die für wache Menschen unübersehbaren katastrophalen Folgen der Produktion und Verwendung von Biokraftsoffen verständlich und eindrücklich referiert.

    Ich frage mich, wie weit die maßgebenden Deutschen Politiker diese Erkenntnisse zur Kenntnis nehmen wollen - oder besser können - und in ihren Entscheiden berücksichtigen. Ich bin skeptisch: Die deutsche Politikerkaste denkt, wie ihre Bundeskanzlerin alternativlos. Die von Spektrum gelieferten Fakten werden dem Merkelschen Denkverbot unterliegen.
  • Ein harter Schlag an die Betonköpfe der Deutschen Automobilindustrie

    08.12.2011, Jürg Walter Meyer
    Es mir schon lange klar, dass dieses Biosprit-Gefasel nur dazu dient, der deutschen Automobilindustrie ein Feigenblatt zu liefern, weiterhin Spritfressende Autos der Premiumklasse zu produzieren. Spektrum liefert die Bestätigung für meinen Verdacht.
    Hat Frau Merkel, die Nachbeterin der Deutschen Autowirtschaft, die Alibifunktion erkannt? Von einer Doktorin der Physik sollte das erwarten werden können. Wenn dies so ist, dann hat sie bewusst die deutsche Öffentlichkeit in die Irre geführt.
    Ein Schlag gegen alle Grünen und Ihre Nachbeter. Der Ausstieg aus der Kernenergie wird noch stärker mit Unsicherheiten belastet.
    Wie ich Frau Merkel, Herrn Röttgen et al. beurteile, werden sie dies nicht zur Kenntnis nehmen wollen. Wie überall bei der Bundeskanzlerin Merkel – die Augen zu und alternativlos durch – wie lange noch?
  • Biomasse für den Energiehunger unserer Gesellschaft nicht ausreichend

    07.12.2011, Horst Wetzel
    Reine Potenzialabschätzungen zeigen, dass Biomasse für den Energiehunger unserer Gesellschaft nicht ausreichend sind. Schon das allein ist der Grund, hier die Kirche im Dorf zulassen. Anders in der Politik: Da wird ein Grüner Weltuntergang an die Wand geschrieben und in blinden Aktionismus alles niedergemacht, was nicht der reinen Lehre entspricht!

    Da wird in die Aufarbeitung von Rohstoffen aus der Natur viel Aufwand gesteckt, nur damit sie den fossilen Treibstoffen gleichen. Anschließend wundert man sich über die akkumulierten Emissionen!

    Naheliegend wäre doch, dass der Traktor auf deutschem Feld mit kalt gepresstem Pflanzenöl fahren würde! Die Subventions- und Steuerpolitik verhindert das ebenso wie die Motorenhersteller. Mit der Einführung der Mineralölsteuer auf Pflanzenöl und der Zwangsbeimischung in hochreinen "Bio"-Treibstoffen zu fossilen Treibstoffe wird doch nur Profit gesichert, ohne Rücksicht auf Nützlichkeit.

    Nachdem die Industrieländer mit unserer wirtschaftlichen Überlegenheit die traditionelle Landwirtschaft in den Entwicklungsländern nicht gefördert und entwickelt, sondern durch billige Lebensmittel ruiniert haben, müssen wir uns nicht wundern, dass raumgreifende Plantagenwirtschaft versucht, den Weltmarkt zu befriedigen. Koste es was es wolle an Naturreserven.

    Ich habe in den 90iger Jahren eine Machbarkeitsstudie zur Strom- und Wärmegewinnung aus Biomasse gemacht.
    Erkenntnisse daraus werden auch heute nicht beachtet:
    - Nachhaltig nur, wenn aus einem Umkreis von ca. 50 km gewonnen
    - Leistungsgröße 5 MW elektrisch oder 20 MW thermisch
    - Um energetische Verluste zu minimieren, sollte keine weitere Aufarbeitung der Biomasse erfolgen!
    - Auch natürlicher Aufwuchs hat oft Chlorgehalte, die höher sind als bei Abfallverbrennung zulässig!

    Mein Projekt wurde preisgekrönt und ging auch in die Planung, da mit dem damaligen Stromeinspeisungsgesetz aber die EVU ausgeschlossen waren, konnte ich im wirtschaftlichen Vergleich mit fossilen Kraftwerken nicht mithalten und das Projekt wurde abgebrochen!
    Soweit ein Beispiel, wo Nützliches im Kampf zwischen Profit und grünem Fundamentalismus auf der Strecke bleibt!