Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Armut ist der tiefere Grund für Hunger

    02.06.2011, Martin Holzherr, CH-8406 Winterthur
    Wer Menschen aus extremer Armut befreit, befreit sie vom Hunger

    Nahrung ist heute ein Gut wie viele andere - und hat damit einen Preis. Und der entscheidet darüber wer sich genug davon leisten kann. Die landwirtschaftlichen Erträge wachsen weiterhin, neue Sorten, die besser an die lokalen Bedingungen angepasst sind, gibt es oder sie werden gerade entwickelt. Wieviele hungern, darüber entscheidet aber der Preis der Nahrungsmittel. Wer 70% und mehr seines Einkommens für Nahrung ausgibt, für den bedeutet eine einzige schlechte Ernte, Hunger und zwar umso mehr, je teurer Nahrungsmittel sind. Wer also die Menschen aus extremer Armut befreit, befreit sie auch vom Hunger. Dieser Zusammenhang wird hier gut vermittelt (übersetzt aus dem Englischen):
    Langzeit-wirksame Linderung von Hunger wurzelt in der Verminderung von Armut, denn Armut führt zu Hunger. Der Welthunger ist also Ausdruck der Weltarmut. Wenn nur Anstrengungen darauf gerichtet sind, Nahrung bereitzustellen oder die Nahrungsproduktion und -verteilung zu verbessern, dann verbleiben immer noch die strukturellen Gründe, die Hunger verursachen: Armut und Abhängigkeit.

    Die Ursachen für die letzte sind die Ursachen für die nächste Nahrungsmittelkrise?

    Wir stehen wieder vor einer Nahrungsmittelkrise wie 2007 - weil die Nahrungsmittelpreise steigen, auch wenn diesmal die Vorräte grösser sind. Es gibt mehrere Gründe warum die Nahrungsmittelpreise steigen:
    a) Der Ölpreisanstieg verteuert Düngemittel, den Betrieb der landwirtschaftlichen Maschinen und den Nahrungsmitteltransport.
    b) Nahrungsmittelüberschüsse, die von den USA früher billig exportiert wurden, werden nun zu Biotreibstoff verarbeitet.
    c) Biotreibstoffanbau bringt oft mehr Geld als Anbau von Nahrungsmitteln Zitat: Total grain utilization growth since 2006 (up three percent, over the 2000–2006 per annum average of two percent) has been greatest in non-food usage, especially in feed and biofuels.)
    d) Das Wachsutm der Mittelklasse in Asien (1990 noch 7-8%, 2007 schon 30%) verändert die Ernährung: Es werden mehr Fleisch (7 Mal mehr Input in Form von Futtermitteln nötig), mehr Milch, Fürchte und Gemüse konsumiert.

    Während der Bedarfsüberhang durch die gestiegenen Ansprüche der wachsenden Mittelklasse durch Ausdehnung der Anbauflächen oder höhere Eträge mit der Zeit ausgeglichen werden können, gibt es kaum ein Mittel gegen die steigenden Energiepreise (vor allem Öl) und die dadurch sekundär ausgelösten Steigerungen des Biotreibstoffanbaus.

    Eine zukünftige Ölkrise als Auslöser einer Nahrungsmittelkrise?

    Die Mai 2011-Rohölpreisprognose von Goldman Sachs: The Wall Street bank said it was 'structurally bullish' on oil and raised its year-end Brent forecast to $120 per barrel from $105 a barrel, and its 2012 forecast to $140 from $120 könnten durchaus mehr bedeuten als production will continue to tighten the oil market to critically tight levels in early 2012', nämlich den Beginn einer Ölkrise, die zugleich zu einer Nahrungsmittelkrise wird, weil teureres Öl die Nahrungsmittelpreise an und für sich erhöht und sekundär zu mehr Biotreibstoffanbau verleitet.
  • 7 kg Getreide je kg Fleisch?

    02.06.2011, Dieter, Langenbach
    Ein guter Artikel!
    Aber meine Schweine brauchen weniger als die Hälfte von 7kg Getreide um 1 kg Fleisch anzusetzen. Und meine Kühe fressen überwiegend Gras. Nur zur Info zu der immer wieder auftauchenden Zahl 7 in Bezug auf die Fleischerzeugung.

    Bauer Dieter
  • Kein Vergleichsmaßstab für die Zeit

    01.06.2011, Ralph Hoffmann
    Die Einschätzung von George Musser kann ich nicht ganz nachvollziehen. Ich meine sogar, dass er dort einen Denkfehler macht. Auf Seite 43 schreibt er:

    „… Wir würden lediglich bemerken, dass ferne Objekte … sich immer schneller bewegen. Es ist unheimlich: Genau das beobachten die Astronomen tatsächlich …“

    Ich würde jedoch sagen: Wenn die Zeit für uns langsamer vergeht, vergeht sie überall auf unserer Bran gleich viel langsamer. Die Relationen in Raum und Zeit bleiben also erhalten. Wir werden nie feststellen können, ob die Zeit langsamer wird, schneller wird oder bleibt, wie sie ist. Uns fehlt ein Bezugspunkt, der mit unserer Raumzeit nicht in Verbindung steht, gleichsam einen Blick von „Außen“ in unser Universum zulässt. Ein ähnliches Problem kennt die Luftfahrt: Die tatsächliche Geschwindigkeit seines Flugzeugs kann der Pilot nur dann absolut sicher ermitteln, wenn er Landmarken und eine Stoppuhr nutzt und misst, wie lange er für eine Strecke braucht. Denn die Geschwindigkeit, die mit dem Staudruckrohr ermittelt wird, ist immer nur relativ zur Geschwindigkeit der umgebenden Luft.
    Antwort der Redaktion:
    Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn man die Möglichkeit zulässt, dass die Zeit an verschiedenen Stellen der Bran unterschiedlich schnell vergeht.

    Das muss man ohnehin tun, denn in unserem Universum (das zur Gänze in der Bran enthalten ist) gehen die Uhren ja schon in der Nähe großer Massen (zum Beispiel Schwarzer Löcher) anders. Wenn darüber hinaus unsere Bran sich in Falten legt wie ein fliegender Teppich, bloß eine Dimension höher, dann gibt es auf ihr stark gekrümmte und weniger (und/oder in die entgegengesetzte Richtung) gekrümmte Stellen. Wenn wir auf einer stark gekrümmten Stelle sitzen, deswegen – von außen gesehen – zur Bewegungslosigkeit verdammt sind, aber das Licht einer fernen Galaxie betrachten, die auf einer ungekrümmten Stelle sitzt …


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Kausalketten

    01.06.2011, Klaus Teutenberg, Lindlar
    Dass Philosophen sich über Kausalfaktoren Gedanken machen, ist ja normal, in der Biologie wegen ihrer Komplexität sicher notwendig. Was aber die Juristen (Hart, Honoré) aber da wohl suchen? Wollen sie den Zigarettenraucher vor Gericht mit dem Erdmagnetfeld oder dem Sonne-Erde-Abstand entschuldigen, ohne dem es keinen Zigarettenraucher gäbe?
    Wäre doch was für OH: "Angeklagter, was haben sie zu ihrer Verteidigung zu sagen?" "Mein Vater, äh, mein Großvater, äh, mein Urgroß...."
  • Die Kunst der Wissenschaft: Widersprüche minimieren

    01.06.2011, Peter Klamser, Egeln
    Der Autor, Gerhard Börner, zeigt die wesentlichen Probleme der heutigen naturwissenschaftlichen Forschung auf die zu dem Ergebnis führen, dass mit immer höherem Aufwand immer "kleinere" oder unter Umständen gar keine Ergebnisse erzielt werden: Die Kosten pro Einheit Erkenntnisgewinn steigen dabei wahrscheinlich exponentiell.

    Ob wir nun

    * Gravitationswellen-Detektoren errichten, die noch keine
    Gravitationswellen nachweisen können

    (vielleicht weil im für die Gravitationswellen die einsteinschen Feldgleichungen zu lösen sind, die bis heute nur näherungsweise mit linearen Differenzialgleichungen angenähert gelöst werden können, was zu Ungenauigkeiten führen kann und vielleicht die unbekannte genaue Lösung dazu führt, dass eine Gravitationswelle nicht als Längenänderung messbar ist)oder

    * mit riesigen Teilchenmaschinen theoretisch vorhergesagte und erhoffte Higgs-Boson suchen sollen, das aber ebenfalls unter Umständen gar nicht existiert, wir das aber wegen einer Lücke in der Theorie heute nicht erkennen können oder

    * wir mit riesigen Messmaschinen wie Tomografen ebenso große
    Datenmengen sammeln, die auf neue Erkenntnisse in der Biologie ausgewertet werden

    (wobei man den Eindruck hat das die Zahnräder und Schalter gesucht werden, die sich beim Denkvorgang drehen und beim Entscheidungsvorgang umgelegt werden),

    immer hat man den Eindruck, dass die Diskussion in der Mathematik zwischen Herrn Hilbert und Herrn Gödel zur Frage der widerspruchsfreien Mathematik (und damit einer widerspruchsfreien Theorie über die Welt) dann doch nicht so ganz ernst genommen wird.

    Denn was soll eine Theorie von allem, die manche Physiker suchen, leisten, wenn sie nicht widerspruchsfrei verschiedenen Felder der Physik verbinden kann?

    Am besten noch deterministisch, also z. B. dass beim Überschreiten einer Entscheidungsschwelle mit dem Wert X ich mich für eine Ehe mit der Frau Y entscheiden werde und ich das messen und vielleicht sogar vorhersagen kann.

    Kann es eine solchen Theorie vor dem Hintergrund der
    Unvollständigkeitssätze von Gödel geben?

    Ich meine, nein, denn dann wäre ein Unvollständigkeitssatz von Gödel falsch, da es es ihm insofern widersprechen würde.

    Die Kunst der Wissenschaft ist es also wahrscheinlich, diese
    Widersprüche zu minimieren, ausräumbar oder vermeidbar sind sie aber grundsätzlich nicht.

    Entweder versuchen wir so viel zu messen, dass aus den vielen Daten keine hinreichend einfache, sondern beliebig komplexe Theorie entsteht, die im Grunde genommen nur im Stande ist, den gemessenen Einzelfall zu beschreiben.

    Oder die Theorie ist unvollständig, kann z. B. nicht die
    Quantenmechanik mit der Gravitation koppeln und umgeht damit die sich vielleicht genau aus dieser Kopplung ergebenden Widersprüche.

    Oder sie ist an sich widersprüchlich, wobei wir wahrscheinlich dazu neigen, Widersprüche nicht erkennen zu wollen. Jeder Wissenschaftler will beim Schaffen von Wissen nicht gleich darauf hinweisen müssen, dass auf Grund der Widersprüche X, Y und vielleicht auch Z sein geschaffenes Wissen nur eingeschränkt, in wenigen Fällen, anwendbar ist.

    Ignorierte grundlegende Widersprüche sind vielleicht die Hemmschwelle an sich, die dazu führen, dass wir uns beim Schaffen von Wissen festfahren. Ein Beispiel:

    Der Anfang der modernen Wissenschaft ist eng mit der
    Infinitesimalrechnung von Newton und Leibniz verbunden, die auf der kartesischen Darstellung von Funktionen von René Descartes aufbaut. Die Idee der Grenzwertbildung gegen null für eine Differenz delta x war genial und revolutionär und hat die Wissenschaft bis heute maßgeblich bestimmt.

    Steht dieser Ansatz im Sinn des Unvollständigkeitssatzes im
    Widerspruch zu den heutigen Erkenntnissen?

    Ich meine, dass das zumindest nicht ausgeschlossen werden kann, wenn der Widerspruch zur Planck-Länge von 10^-35 m als kleinste denkbare Strecke, bei deren Unterschreitung wir den Gültigkeitsbereich der heute hergeleiteten Physik verlassen, bei der Grenzwertbildung einer Strecke dx gegen null beachtet wird.

    Vielleicht ist es deswegen sinnvoll in der Ordnung der zellulären Automaten zu denken, wie es Stephen Wolfram in seinem Buch "A new kind of science" getan hat.

    Zumindest könnten solche fundamentalen Grenzen, wie der Planck-Länge, der Grund sein, warum wir bei der Anwendung der hergebrachten Mathematik zur Lösung der offenen Probleme der Physik im Sinn des Artikels von Gerhard Börner in einer Sackgasse stecken.
  • Die Welt außerhalb unseres Selbst

    30.05.2011, Thomas Schmidt, Pullach
    Den Vertretern des Skeptizismus fehlt die empirische Basis für ihre Behauptung, dass wir in einer Scheinwelt leben. Es ist eine reine Fantasieannahme, die zwar in gewisser Weise amüsant ist, aber für die es keine Beweise gibt. Solche Fantasieannahmen lassen sich allerdings auch nicht widerlegen, da es erkenntnistheoretisch unmöglich ist, einen positiven Beweis für eine Nichtexistenz (hier der Nichtexistenz der postulierten Scheinwelt) zu führen.
    Deshalb stimme ich der Autorin zu, dass dann, wenn objektiv nichts für eine globale Täuschung spricht, d.h. wenn keine reproduzierbaren Daten für eine Täuschung vorliegen, eine von uns unabhängige Außenwelt angenommen werden darf und ein Wissen darüber möglich ist. Wozu haben wir denn unsere Sinnesorgane, wenn es außerhalb unseres Selbst nichts geben soll, das sinnlich wahrnehmbar ist?
  • Die Geschichte gibt es zu Dantzig auch

    30.05.2011, Max Gebhardt, Saarbrücken
    Die Geschichte über das Lösen einer
    vermeintlichen Übungsaufgabe, die in Wirklichkeit ein
    offenes Problem war, erinnert mich an eine isomorphe Geschichte über George Dantzig, den Erfinder des Simplex-Verfahrens (siehe http://en.wikipedia.org/wiki/George_Dantzig und http://supernet.som.umass.edu/photos/gdobit.html).
    Ob diese Geschichte stimmt, weiß man natürlich auch nicht.
    Antwort der Redaktion:
    Die Geschichte, dass John Milnor seinen ersten
    Satz, über die Gesamtkrümmung, quasi
    "versehentlich" bewiesen hat, ist also eine
    (schöne) Legende. Wahr ist hingegen, dass er
    seinen wohl bekanntesten Satz, die Existenz der
    "exotischen Sphären", tatsächlich "versehentlich"
    bewiesen hat. Das erzählte er mir vor wenigen Tagen am Rande der
    Abel-Preisverleihung: Er hatte
    versucht, bestimmte Mannigfaltigkeiten zu
    verstehen, die sich aus Produkten von drei- und
    vierdimensionalen Sphären zusammensetzen lassen.
    Dabei war er verwirrt, weil er anscheinend
    einen Widerspruch in der Mathematik entdeckt hatte:
    Ein Argument zeigte, dass die entstehende
    Mannigfaltigkeit homöomorph zu einer
    7-dimensionalen Sphäre war, ein anderes Argument zeigte
    das Gegenteil. Dann fiel ihm auf, dass das zweite
    Argument nur gelten würde, wenn die Mannigfaltigkeit "diffeomorph" zur
    7-Sphäre wäre; und damit waren die exotischen
    Sphären quasi versehentlich geboren.


    Prof. Dierk Schleicher, Jacobs University Bremen
  • Schnellerer Zugang zum "Beugungsgitter CD"

    30.05.2011, Prof. Dr. Gerhard Ackermann, 12167 Berlin
    Die Ideen und Experimente von Herrn Schlichting laden immer wieder zum Nachdenken und Weiterdenken ein. So auch seine interessanten Ausführungen zum "Beugungsgitter CD". In der Tat sind die merkwürdigen Resultate bei zeitweiligem Abdecken einer CD oder DVD überraschend, weil Teile des Spektrums, die zu verschiedenen Radien gehören, verschwinden.

    Einen schnelleren Zugang zu dem Phänomen und seiner Erklärung bekommt man, wenn man die CD/DVD bis auf einen radial angeordneten Spalt von vielleicht 5 Millimeter Breite abdeckt. Dann hat man ein lineares Gitter, und die +/- erste Ordnung liegt - wie immer - symmetrisch zum Gitter und natürlich nicht zur CD. Bezüglich der CD liegt deswegen ein Spektrum der 1. Ordnungen bei größerem, das andere bei kleinerem Radius. Wenn man nun die Schablone dreht oder eine andere mit vier zueinander wie ein Koordinatenkreuz angeordneten Spalten fertigt, hat man die ganze Figur und die notwendige Erklärung.

    Dass die zweite Ordnung sehr schwach ist oder nicht zu sehen, hängt vielleicht damit zusammen, dass bei dem mir nicht genau bekannten Herstellungsprozess der CD/DVD ein Sinusgitter herauskommt. Dann gibt es ja außer der ersten keine weiteren Ordnungen.

    Dank an Herrn Kollegen Schlichting für das schöne Experiment.
  • Bäume wachsen "oben"!

    29.05.2011, Dr. Karl-Ernst Friederich, Freiburg i. Br.
    Eine Markierung, die man 1 m über der Erdoberfläche an einem Baum anbringt, befindet sich auch nach 100 Jahren noch 1 m über der Erdoberfläche, denn das Längenwachstum der Bäume findet wie bei allen Pflanzen nur an den Vegetationspunkten in den Knospen statt - das Beispiel passt also nicht.
    Das ist auch der Grund dafür, dass man Wegweiser oder Wanderzeichen an Bäumen anbringen kann, ohne befürchten zu müssen, dass sie nach oben entschwinden.

    Antwort der Redaktion:
    Es kann durchaus sein, dass Bäume für unseren Vergleich zu ungleichmäßig wachsen. Nehmen wir ersatzweise ein treffenderes, wenn auch weniger lustiges Beispiel: Wir messen die thermische Ausdehnung eines Stoffes mit einem Maßband, das sich selbst stärker ausdehnt.


    Prof. Dr. Norbert Treitz
  • Was ist die Ursache für den Tod des Mauerflüchtling?

    26.05.2011, Jörg Wartmann, Volkenshagen
    Anknüpfend an die Person, die mit der brennenden Zigarette die Explosion der Tankstelle auslöst, wende ich die im Artikel vorgestellte Theorie auf einen DDR-Flüchtling an, der an der innerdeutschen Grenze ums Leben kommt und auch noch seine Angehörigen unter nachfolgenden Sanktionen zu leiden haben.

    Die "Mauer" ist insbesondere aus Sicht des Flüchtlings als invariabler potenzieller Differenzfaktor anzusehen. Die Handlung des Flüchtlings ist dagegen genauso kausal spezifisch wie die des Todesschützen. Da wir aber mehrheitlich das rigide Grenzregime als Todesursache ansehen, kommen womöglich moralische Bewertungen der Kausalfaktoren in die Diskussion.
  • Wünschenswerte Alternative

    26.05.2011, Winfred Krech, Itzehoe
    Immer wieder lese ich, dass das direkte Essen pflanzlicher Proteine, spricht die vegetarische Ernährung besser und ökologischer sei, weil so der große Umweg über die Fleischprodution vermieden würde, bei dem ein Vielfaches an Biomasse - und damit Ackerfläche - erforderlich wäre. Ich bezweifle aber, dass das so stimmt.

    Während einer Reise kam ich mit einer Meterologin oder Klimatologin aus der Schweiz zusammen. Als ich ihr gegenüber erwähnte, dass in der Bibel (1. Mose, bzw. Genesis) merkwürdigerweise bis zur Sintflutgeschichte nur die vegetarische Ernährung (1. Mose 1, 29 f) erwähnt wird, erst nach der Sintflut in 1. Mose 9, 2.3. der Fleischgenuss freigegeben wird (die Kainsgeschichte spricht von Tieropfer, aber nicht vom Fleischessen), wurde sie sehr interessiert. Sie erzählte, dass einer ihrer Doktoranten über eine gewaltige Regenflut im ausgehenden Mittelalter im Zusammenhang mit den damaligen Klimaveränderungen eine Promotionsarbeit verfasst. Die Ernte der Nahrungspflanzen wurde damals stark in Mitleidenschaft gezogen bzw. weit gehend vernichtet. Der Doktorant fand Hinweise, dass die Ernährung der Menschen sich in der Folge vom Pflanzlichen zum Tierischen hin veränderte.

    Uns schien das logisch: Tiere können Pflanzen fressen, die auch nach einer derartigen Katastrophe schnell wieder heranwachsen, für Menschen aber völlig unbekömmlich sind. So mag Rolffs These vielleicht für die moderne, industrielle Fleischproduktion gelten. Wenn die Kuh nach Altvätersitte auf der Weide ihren Nahrungsbedarf deckt, trifft dies sicher so nicht zu.

    Darüber hinaus ist der Mensch nach meiner Kenntnis physiologisch auf eine ausgewogene Nahrung angewiesen, zu der auch tierische Proteine gehören. Insbesondere Kleinkinder sind durch einseitig pflanzliche Ernährung der extremen Form des Vegetarismus der Veganer in ihrer Entwicklung gefährdet, und viele Kinderärzte verstanden die unerklärliche verminderte Entwicklung manches Kleinkindes erst, als sie erfuhren, daß die Eltern auch ihr Kind veganisch ernähren.

    Mich würde sehr interessieren, ob es zu diesem Thema (Übergang von pflanzlicher zu tierischer Ernährung nach großen Katastrophen sowie Nachteile und Vorteile vegetarischer Ernährung) wissenschaftliche Untersuchungen gibt. Immerhin, wenn ich ein Steak zu Mittag esse, kann ich fast auf das Abendbrot verzichten. Bei pflanzlicher Kost knurrt mir zur Kaffeestunde längst der Magen. Und die gegenwärtigen Darmbakterienepidemie lässt daran zweifeln, ob pflanzliche Kost tatsächlich immer so gesund ist. Insofern sind Sarah Simpsons Aquakulturen eine wünschenswerte Alternative.
  • An einer Stelle zu kurz abgebogen ...

    25.05.2011, Daniel Schiller, Köln
    Warum gewinnt der Mond an Drehimpuls? Mit den Worten, dass alle Energieanteile bis auf Reibungswärme ins Schwerefeld wandern und so der Mond angehoben wird, wird das Phänomen zwar formal knackig kurz erfasst, aber der Prozess nicht beschrieben, schon gar nicht anschaulich. Warum ändert sich die Bewegung? Warum beschleunigt der Mond? Was "jeder" nachvollziehen kann, ist die Wirkung von Kräften auf eine Masse. Eine Kraft beschleunigt eine Masse. Und genau diese Argumentation fehlt.
    Der Flutberg auf der Erde liegt nicht genau unter dem Mond, sondern wird, durch Reibung an der schnell drehenden Erdoberfläche, mitgezogen ... "vor" den Mond. Dadurch wirkt die Gravitation dieser Wassermassen nicht lotrecht nach "unten" sondern auch aus Sicht des Mondes nach vorne. So wird er beschleunigt, gewinnt Drehimpuls und steigt höher. Umgekehrt wird der Flutberg durch den Mond zurück gezogen und bremst so die rotierende Erde.
    Die Größenordnung ist klein, aber wirkt ewig und anhaltend ... und der Kreis schließt sich zu Kant.

  • Alles Chimäre, aber mich unterhalt’s

    25.05.2011, Martin Piehslinger, Wien
    sagte Johann Nestroy.
    Oder, moderner:
    "Das Leben ist ein Sch...spiel, aber die Grafik ist geil."

    Warum wollen wir das skeptische Argument überhaupt anfechten und zurückweisen? Wenn wir in einer Scheinwelt der Illusionen leben, so leben wir doch ganz gut und die Illusionen folgen den Gesetzen die wir über sie herausgefunden haben.

    Ich sehe auch keinen Grund, dem Verursacher der Illusionen von vornherein unlautere Motive zu unterstellen. Sofern wir benutzt werden (und der Benutzer unserer Logik folgt), ist unser Nutzen wahrscheinlich die Ursache unserer Existenz - wie bei einem Nutztier.

    Wenn wir das skeptische Argument aus unserem Denken verbannen, berauben wir uns selbst jeglicher Möglichkeit eine eventuelle Täuschung zu durchschauen.

    Also: Ich bekomme soeben die Illusion vorgespiegelt, einen Leserbrief zu schreiben und kann mich der Illusion hingeben, dass Sie ihn lesen. Ist doch nicht schlecht!

    PS: Sollten die Verursacher der Illusion hier mitlesen: Bitte den Bug in der Matrix zu beheben, der mir immer wieder einzelne Socken vorgaukelt! Danke.
  • Parallaxefehler beim Ablesen

    24.05.2011, Helmut Leffler
    Die falsche Beschreibung der Nonius-Funktion im Heft 05/11 hat Reinhard Göller zwar richtiggestellt; trotzdem trifft die Beschreibung nicht auf die abgebildete Schieblehre zu.
    Diese hat nämlich einen 20-teiligen Nonius von
    39 mm Länge und gestattet somit die Maß-Ablesung mit einer Genauigkeit von 5/100 mm, wie auch auf dem Schieber eingraviert.
    Der Gewinn an Genauigkeit wird aber durch den Parallaxefehler beim Ablesen der langen Skale wieder zunichtegemacht.
  • Bewusstsein und Zeit

    24.05.2011, Dr. Klaus-Werner Böddeker
    Das Bewusstsein wird als akut in der Gegenwart erlebt. Tatsächlich ist die Gegenwart schon weiter. - Erfahrung: Ich befinde mich in einem Raum mit Gesprächen, Geräuschen, Gerüchen etc. Plötzlich wird der die ganze Zeit laufende Ventilator abgestellt. Ich nehme das wahr und denke: "komisch, gerade in der letzten Sekunde hatte ich das Geräusch des Ventilators bemerkt." - Kontinuierlich werden externe und interne Informationen aus den verschiedenen Modalitäten vom Gehirn aufgenommen, in ihrer großen Fülle natürlich nicht wahrgenommen, und verblassen zu Gunsten der nachfolgenden Informationen. Erst durch nachfolgende Informationen - hier das Aufhören des Ventilatorgeräuschs - bekommen die in einer kurzen Latenz befindlichen Informationen Bedeutung und werden wahrgenommen (für wahr genommen = für bedeutsam). Jemand anderes im Raum nimmt die Geräuschveränderung nicht wahr, weil er vielleicht intensiv im Gespräch ist; d.h. in die Bereitschaft, etwas im Nachhinein mit Bedeutung zu versehen, gehen individuelle motivationale und andere Faktoren ein (siehe auch "Meinigkeit"), - was Bearbeitungszeit braucht und verschiedene Hirnregionen beschäftigt. - Was für die Wahrnehmung von sinnlichen Reizen gilt, nämlich der zeitliche Nachklapp des Bewusstseins gegenüber der akuten Gegenwart, gilt ebenso für das Sprachverstehen, die Sprachproduktion, das Musikhören etc. Erst wenn sich (oder dadurch dass sich) aus der Informationsfülle (mit Hilfe von Invarianten etc.) etwas wie eine bedeutsame Gestalt gebildet hat, wird diese bewusst wahrgenommen. Dabei ändert sich die Gestalt in der Zeit ständig, bleibt aber in einem Zusammenhang, so dass das Vorangehende einen Einfluss auf die Bedeutungsgebung des Nachfolgenden ausübt. - Dass wir das Bewusstsein als in der akuten Gegenwart stattfindend erleben, hängt damit zusammen, dass wir im Ultrakurzzeit-Bereich keine Zeitwahrnehmung haben. Gibt man einem Probanden zwei Stimuli in kurzem zeitlichem Abstand, so kann er eindeutig sagen, dass sie nicht gleichzeitig erfolgen, nicht aber welcher der erste und welcher der zweite war; das betrifft je nach Unterschiedlichkeit der Reize und der betroffenen Sinnesorgane einen Zeitbereich bis weit über eine Zehntelsekunde (eigene kursorische Untersuchungen; Veröffentlichungen sind mir nicht bekannt). Dabei spielen notwendigerweise auch Leitungs- und Verknüpfungszeiten eine Rolle. - Während das alles für die verschiedenen Bewusstseinszustände - ob qualitativ unterschiedlich oder als Kontinuúm verstanden - gilt, könnte man spekulieren, dass das Traumbewusstsein in Echtzeit stattfindet.