Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Zweifelhafte Schlussfolgerungen

    31.07.2017, Hajo Dasting, Koblenz
    Leider konnte ich diesem Artikel nichts abgewinnen, weil die Aussagen ziemlich fragwürdig sind.

    Die erste Studie hat nichts mit Korruption zu tun, sondern hier geht es um Subventionsbetrug. Immer dann, wenn es um den Zugriff auf ein Allmendegut geht (hier die Subvention der öffentlichen Hand in Form von Essenskarten, die dann die Händler monetarisieren konnten), tritt das allseits bekannte Allmendeproblem (Tragik der Allmende) auf: Ohne Kontrolle gibt es immer Betrüger. Dass dies aber zu den genannten Konsequenzen führte, halte ich zumindest nach der Schilderung von Michael Springer für ziemlich fragwürdig. Es wurde ja geschrieben, dass die Händler für die Nahrungsmittelkupons deutlich höhere Beträge von den Behörden forderten, als sie für die Nahrungsmittel von der normalen Laufkundschaft verlangten. Wieso aber dann nach Auffliegen des Betrugs und Rückführung der von den Behörden erstatteten Beträge auf normale Preise (wie für die normale Laufkundschaft) sich das Geschäft für die Händler nicht mehr lohnen sollte, will mir nicht einleuchten, denn sie bekommen doch für die Kupons die gleichen Beträge wie die normale Laufkundschaft als Preis für die Nahrungsmittel bezahlt, und ihre Preise sind doch so berechnet, dass sie damit immer noch Gewinn machen. Die einzige Erklärung, warum die Händler diese stark nachgefragten (weil von allen benötigten Nahrungsmittel) aus ihrem Sortiment herausgenommen hatten, wäre die, dass die Behörden den Händlern einen geringeren Preis für die Kupons bezahlte, als diese von der normalen Laufkundschaft nahmen und sie zudem noch zwang, die Nahrungsmittel an die Kuponkundschaft abzugeben. Um dann keinen Verlust zu machen, gibt es zwei Möglichkeiten für die Händler, zu reagieren: Entweder die entsprechenden Produkte aus dem Sortiment zu nehmen oder die Preise für die übrige Kundschaft zu erhöhen. Beide Fälle sind wohl eingetreten. Mit Korruption hat das nicht das Geringste zu tun. Das sind eher Beispiele für die Reaktionen auf willkürliche und unüberlegte staatliche Zwangsmaßnahmen.

    Die zweite Studie passt zwar eher zum Korruptionsthema, aber auch hier finde ich die Kernaussage sehr fragwürdig. Letztlich behauptet der Autor ja in diesem Fall, dass das Verhindern des Schummelns, zum schlechteren Abschneiden der ärmeren Schüler (sprich der Unterschichtschüler) geführt hatte, weil die wohlhabenden Schüler sich "anscheinend" auch in der neuen Situation individuell ganz gut zu helfen wussten. Was soll das heißen? Dass die Oberschichtschüler es doch irgendwie geschafft hatten, die Prüfer zu bestechen? Oder doch, dass sie vielleicht einfach deswegen die Prüfung bestanden hatten, weil sie wirklich im Mittel besser waren? Und wieso soll bei dieser Gegenmaßnahme (das Verhindern des Schummelns) der Schuss (wie in der Überschrift angekündigt war) nach hinten losgegangen sein? Ist es denn besser, wenn Schüler sich durch Schummeln einen nicht verdienten Abschluss ergattern? Was haben sie davon, wenn sie sich später an einer Universität bewähren sollen?

    Beide Studien sind gerade schlechte Beispiele für Korruption und deren Bekämpfung. Die erste Studie hat gar nichts mit Korruption zu tun und die zweite legt im Fazit des Autors nahe, es sei irgendwie ein Vorteil, wenn man sich einen Abschluss erschummelt.
  • Kennzeichen der Lebewesen

    31.07.2017, Martin Behr, Mörlenbach
    Ich bin in der Situation, meinen Schülern die Unterschiede zwischen Lebewesen und unbelebter Natur erklären zu müssen. Keines Ihrer Argumente überzeugt mich dabei, Viren als Lebewesen zu bezeichnen.
    Lebewesen zeichnen sich durch folgende Kennzeichen aus:
    - sie bestehen aus Zellen
    - sie können wachsen
    - sie haben einen Stoffwechsel
    - sie können auf Reize reagieren
    - sie können sich fortpflanzen
    - sie haben die Möglichkeit, durch Mutation Nachkommen zu erzeugen, die sich von ihren Vorfahren dauerhaft unterscheiden.
    Die ersten drei dieser Kennzeichen besitzen Viren eindeutig nicht. Die Reaktion auf Reize beschränkt sich auf die Interaktion mit der Zellmembran ihrer Wirtszelle. Die beiden Kennzeichen, die sie voll erfüllen, sind Fortpflanzung und Mutation.
    Das Argument, die Zelle würde durch die Infektion mit einem Virus zu einem anderen Organismus, ließe sich genauso auf einen von Cholerabakterien oder Plasmodien infizierten Menschen anwenden. In diesem Zustand möchte ich keinem Arzt begegnen, der Ihre Ansicht von Viren teilt.
    Ebenso geht es mir mit den Argumenten zu Alter und Evolution von Viren. Diese beruhen - abgesehen von den Ergebnissen der Nucleinsäureanalysen - auf Hypothesen, deren Zahl sich seit dem Millerschen Experiment, das zu dem Begriff "Ursuppe" führte, vervielfacht hat. Das Problem dabei ist, dass diese Hypothesen kaum jemals zu beweisen sein werden, da aus der Zeit vor etwa 4 Mrd. Jahren, in der diese Vorgänge abgelaufen sind, die Belege fehlen.
    Ein Problem, das Sie vollständig ignorieren, ist, dass Lebewesen im Gegensatz zu Viren nicht nur aus wenigen Proteinmolekülen und einem Nucleinsäuremolekül bestehen, sondern ein extrem komplexes System von vielen weiteren Stoffen bilden. Ich nenne an dieser Stelle nur die Kohlenhydrate. Zudem halte ich es für möglich - vielleicht ist es auch schon getan worden - dass ein Virus von Grund auf von Chemikern synthetisiert wird. Das dürfte mit einer Zelle nach allem, was ich bisher weiß, unmöglich sein.
    Mir ist neu, dass ein Bakterium tot sei, wenn sein Genom zerstört ist, bevor seine Zellmembran geplatzt ist. Ein Gentechniker könnte auf die Idee kommen, das Virusgenom zu zerstören, ein Bakteriengenom zu synthetisieren und dieses in das kranke Bakterium zu injizieren. Aber so weit ist die Bakterienmedizin noch nicht. Außerdem müsste dann auch eine Raupe, die von ihrem Parasiten langsam von innen aufgefressen wird, tot sein oder ein todkranker Mensch, der nach ärztlichem Ermessen nicht mehr zu retten ist. Interessanterweise behaupten Sie bei ihrem Forschungsgegenstand, dass "Virale Giganten ... erkranken" könnten.
    Dass Viren im Zusammenhang mit den Lebewesen entstanden sind, steht außer Frage, dazu sind ihre Grundbestandteile, Proteine und Nucleinsäuren zu ähnlich. Und dass Evolution nicht so schön geradlinig ablief, wie man sich das noch vor 60 Jahren vorgestellt hat, sieht man zum Beispiel an den neuen Erkenntnissen zur Humanevolution. Aber deswegen die eindeutige Grenze zwischen Lebewesen und Viren abzuschaffen, ist für mich ein Beitrag zur Begriffsverwirrung. Denn dann müssten Sie zuerst neue Kennzeichen für Lebewesen finden, der die Mehrheit der Biologen zustimmt.
  • Smarter Einkaufswagen...

    31.07.2017, Marc S
    der den kürzesten Weg durch den Laden kennt ist genau das Gegenteil des Ladenbesitzer-Interesses. Der verteilt die Waren so dass der durchschnittliche Kunde durch möglichst viele Gänge muss, und räumt sogar regelmäßig um damit Kunden ihren bevorzugten Weg ändern müssen. Wer suchen muss der findet auch Anderes und kauft evtl. Sachen die gar nicht vorgesehen waren (Impulskauf).
    Smarter Einkaufswagen? Never...
  • Aaber...

    31.07.2017, Andreas
    wir denken "weitreichend" und wir sprechen "weitreichend". Und wir meinen "weitreichend"! Ein Beispiel, das den Wahn der neuen Schreibregeln (es heißt ja mit voller Absicht und verschämt Schreibregel und nicht Rechtschreibung) so richtig zeigt: "Ich möchte Dich kennen lernen." Bitte, was soll das sein ?? Auf Deutsch heißt das "Ich möchte Dich kennenlernen.", etwas anderes ist überhaupt nicht möglich.

    [Kommentar gekürzt, Hinweis d. Red. Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen, gemäß unseren Kommentarrichtlinien]
    Antwort der Redaktion:
    Wie kommen Sie darauf, es heiße nicht mehr "Rechtschreibung"? Zitat des Rates der deutschen Rechtschreibung, des Regulierungskörpers der Rechtschreibung der deutschen Sprache:

    "Der Rat für deutsche Rechtschreibung ist ein zwischenstaatliches Gremium, das vonseiten der staatlichen Stellen damit betraut wurde, die Einheitlichkeit der Rechtschreibung im deutschen Sprachraum zu bewahren und die Rechtschreibung auf der Grundlage des orthografischen Regelwerks im unerlässlichen Umfang weiterzuentwickeln. Der Rat ist somit die maßgebende Instanz in Fragen der deutschen Rechtschreibung und gibt als solche mit dem amtlichen Regelwerk das Referenzwerk für die deutsche Rechtschreibung heraus." (http://www.rechtschreibrat.com/)
  • Zur "Ehrenrettung" der Sonne: Sie ist ein überdurchschnittlicher Stern.

    30.07.2017, tohuwabohu
    Der Behauptung "Die Sonne ist also groß – doch verglichen mit anderen Sternen ist sie eher unterdurchschnittlich" kann ich so nicht folgen, denn im eigenen Blog "Sternengeschichten" in Folge 229 sagen Sie selbst, dass über drei Viertel aller Sterne "roter Zwerge" sind. Somit ist unsere Sonne größer als die meisten Sterne, auch wenn es (sehr wenige) viel größere Sterne gibt.
  • Hinweis fuer Allergiker

    30.07.2017, Timo
    Die Kehrseite des Kaffees sollte aber auch erwaehnt werden. Koffeinallergiker, auch wenn es sie seltener gibt, leiden unter Migraeneattacken, Schwindel, Kommunikationsstoerungen, Verwirrtheit, etc. Ebenso regt es die Histaminausschuettung im menschlichen Koerper an, so dass Allergiker doppelt leiden, zum Teil mit erheblichen Folgen.
  • In die Tonne statt auf den Teller

    30.07.2017, Herbert Klein
    Wenn ich die Rezension zu dem Buch lese, frage ich mich, warum ich es lesen sollte, insbesondere, weil es kaum Ansätze zu einer Lösung des Problems enthält. Für mich: Überflüssig wie ein Kropf!
    Schade um die Bäume, die für das Papier gefällt werden mussten.
  • Ich möchte

    30.07.2017, Andreas
    allzu gern mal wissen, wie Menschen denken und empfinden, die statt "Was trivial scheint, hat weitreichende Folgen." schreiben: "Was trivial scheint, hat weit reichende Folgen. ", also etwas ganz anderes (und gleichzeitig unsinniges) als gemeint ist.
    Antwort der Redaktion:
    Solche Menschen denken zum Beispiel an den Duden, in dem diese Schreibung aufgeführt ist (und im Hinblick auf die Steigerung "weiter reichend" durchaus konsistent).

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.
  • "..entdeckt und gesammelt.."

    29.07.2017, Florian Mengedoht
    ..bedeutet das etwa "ausgestopft" ??
    Antwort der Redaktion:
    das bedeutet präpariert, ja - betrifft aber den Fund vor 60 Jahren und war eine gängige Praxis. Heute macht man dies bei seltenen Arten normalerweise nicht mehr...
  • Graf de Forbin

    29.07.2017, Gunnar Reinboth
    Wenn die Tempel von Abu Simbel heute auf einer Insel im Nil stehen, wie in der Bildbeschreibung geschrieben, muss sich dort in den letzten 2,5 Jahren viel getan haben. Oder trifft der Vorwurf an den Grafen de Forbin auch auf den Author zu? ;-)
  • Viele Verursacher

    29.07.2017, Wolfgang Höneise
    Grundsätzlich finden wir Insekten natürlich toll und wir kennen Ihre Bedeutung in der Natur.
    Aber in unserer Nähe haben wollen wir sie dann doch nicht (ausser vielleicht Schmetterlingen): Schnaken im Schlafzimmer, Läuse im Salat, Motten im Mehl, Wespen im Garten ... alles unbeliebt. Mit Ställen und Misthaufen sind auch Insekten aus den Dörfern verschwunden (und Schwalben), niemand hat sich darüber beklagt. Stinkende Mülldeponien und Abwasserkanäle haben wir nicht mehr, wir entsorgen in geschlossenen Systemen, geruchlos, hygienisch, ohne Insekten. Erwünschte Verbesserungen, aber eben mit der Nebenwirkung von weniger Insekten.
    Und die vielzitierte Windschutzscheibe ist nicht nur ein Indikator sondern wohl auch ein Teil des Problems: wenn Millionen Autos über Jahrzehnte insgesamt Billionen von Insekten fangen, dann sind die irgendwann alle.
  • Wagenschieber

    29.07.2017, Anja Völlert
    Zugegeben, ein Gegenbeispiel hat in diesem Fall keine allgemeine Aussagekraft, aber: In meinem Heimatort haben die Supermärkte sehr wohl Leute abgestellt, die nicht nur auf dem Parkplatz, sondern im ganzen Stadtteil herumliefen und Einkaufswagen einsammelten. Sie wurden sogar anders bezahlt als die anderen Hilfskräfte, und wer schon einmal eine meterlange Schlage eineinandergesteckter Wagen vor sich her bugsiert hat, weiß auch warum. Mit der Einführung der Pfandmünze ist dieser Schülerjob größtenteils weggefallen. Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich in Grenzen halten, aber die Behauptung, es habe nicht den Beruf des Wagenschiebers gegeben, kann ich nicht bestätigen.
  • "Netter Gott"

    29.07.2017, Stefan Räbiger
    der seinen Anhängern befiehlt die vom anderen Stamm umzubringen, oder gibt es den garnicht und diese kranke Erfindung Gott, wurde dazu benutzt das eigene menschlich verwerfliche Handeln zu bemänteln.
    Was ein Glück das dieses Abschlachten nicht gelungen ist. Dem Wahn der kranken Erfindung eines Allmächtigen sind ja auch heute noch viel zu viele Menschen verfallen und rechtfertigen mit dieser Illusion Mord und Totschlag.
  • Noch eine aufmerksame Leserin

    29.07.2017, Svenna Triebler
    … (und großer Numberphile-Fan) weist euch darauf hin, dass die beiden Herrschaften nicht Mathematiker, sondern Physiker sind. Was erklären dürfte, warum sie so "hemdsärmelig" mit der Sache umgehen. ;)
  • @Krüger: Probleme der Knicklandschaft?

    28.07.2017, SM
    Lieber Herr Krüger, Sie schreiben

    "Ich kenne auch die Knick-Situation in Schleswig-Holstein. Was dort gemacht wurde, das werden die Enkel ihren Großvätern nochmal ganz groß ankreiden. Die Groß- und Urgroßväter waren früher klüger.".

    Könnten Sie das noch einmal genauer ausführen, welche Probleme die Knicklandschaft mit sich bringt?

    Laut einem Bericht [1] des NDR, scheint die Knicklandschaft doch sehr sinnvoll zu sein oder habe ich Sie falsch verstanden?

    [1] http://www.ndr.de/ratgeber/reise/46000-Kilometer-Knicks-in-Schleswig-Holstein,knicklandschaften101.html