Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Sprechen wir hier von Leistung oder von Spannung?

    11.10.2010, Hans Rudolf Zeller, Birr, Schweiz
    Die Beobachtung, dass sich Vögel bei Hochspannungsleitungen nur auf dem Neutralleiter oder auf den geerdeten Teilen der Masten aufhalten, habe ich schon oft gemacht. Irritiert hat mich dagegen im Artikel von Prof. Schlichting die Behauptung, dass sich "Vögel oberhalb einer durch die Kabel übertragenen Maximalleistung von 60 kW nicht mehr auf Leitungsseilen aufhalten. Experimente mit Tieren in Gefangenschaft zeigten zwar, dass sie je nach Art auch höhere Spannungen akzeptieren ..." Sprechen wir hier von Leistung oder von Spannung? Was die Vögel möglicherweise fühlen sind entweder elektrische oder magnetische Felder, sicher aber nicht die elektrische Leistung (Watt).

    Es gibt jedoch gute Gründe für die Annahme, dass es etwas ganz anderes ist, was die Vögel abschreckt. Jeder, der bei Regenwetter oder Raureif unter einer Hochspannungsleitung gestanden hat, kennt das typische Knistern. Dieses stammt von winzigen Koronaentladungen, die durch elektrische Feldüberhöhungen an Protrusionen am Leiter - Eiskristalle, Regentropfen etc. - hervorgerufen werden.

    Rein elektrisch gesehen ist auch ein Vogel, insbesondere sein Schnabel, eine Protrusion, die zu Feldüberhöhungen führt. Die durch eine Koronaentladung hervorgerufenen Ströme sind zwar winzig, aber viel größer als die im Artikel genannten Depolarisationsströme (die mit Antennen nichts zu tun haben). Die fließende Ladung pro 50-Hz-Zyklus ist zwar von ähnlicher Größenordnung wie die Depolarisationsladung, fließt aber innerhalb Mikrosekunden, was zu sehr viel höheren momentanen Strömen führt. Zudem treten chemische Reaktionen auf. Es bilden sich unter anderem Stickoxyde. Vermutlich sind es entweder die Korona-Ströme oder deren chemische Reaktionsprodukte, die die Vögel abschrecken. Die Kilowatt sind es sicher nicht.
    Antwort der Redaktion:
    Sie machen mit Recht auf einen Flüchtigkeitsfehler aufmerksam, den ich in meinem Beitrag übersehen habe. Es kommt natürlich auf die Spannung an und der Satz muss korrekt lauten: „…Vögel oberhalb einer Maximalspannung von 60 kV nicht mehr auf Leistungsseilen aufhalten…“. Auch Ihre zusätzliche Annahme erscheint mir sehr plausibel und damit eine schöne Ergänzung zu dem im Artikel Gesagten.



    Viele Grüße JS
  • Mehr als ein technisches Problem

    11.10.2010, Iko Tönjes
    Der Artikel enthält viele interessante Erkenntnisse, aber Einiges ist auch zu hinterfragen. Deswegen einige Ergänzungen:

    Der Satz "In Deutschland .. hat fast jeder, der alt genug dafür ist, einen Führerschein und ein eigenes Auto." stimmt so nicht. Die große Studie "Mobilität in Deutschland 2008" hat ermittelt, dass immerhin 20 Prozent der deutschen Haushalte kein Auto besitzen, in Großstädten sogar fast 30 Prozent. Und der Trend bei jungen Großstadtbewohnern zum Führerschein und Auto ist schon leicht rückläufig.

    Ob ein Auto das "komplexeste" Konsumprodukt ist, ist zweifelhaft. Ob es technisch komplexer ist als ein Computer, darüber mag man streiten; wenn man nur auf das Produkt und nicht auf die Produktion schaut, ist schon eine simple Topfpflanze bzw. jede einzelne ihrer Zellen wohl um ein Vielfaches komplexer. Das ist ein Punkt, den Ingenieure meist vergessen.

    Dass die Reduzierung der Schadstoffe eine "Erfolgsgeschichte" ist und dass die Abgase manchmal sauberer sind als die Umgebungsluft, ist zumindest für Stickoxide und Partikel sicher nicht zutreffend. Viele europäische Großstädte haben Probleme, die gültigen EU-Grenzwerte für Partikel (PM10) und NO2 einzuhalten, und das gerade an Hauptstraßen.

    Als vor ca. 10 Jahren einige Vorzeige-Sparmodelle (VW Lupo, Audi A2) zu kaufen waren, waren die Preise so hoch angesetzt und wurde in den Autohäusern aktiv vom Kauf abgeraten, dass es kein Wunder war, dass die Modelle kein Erfolg wurden. Es lag wohl nicht in erster Linie an den Kunden.

    Es ist nicht die Technik, die die Probleme des Autoverkehrs lösen kann, sondern die gesellschaftliche Organisation:

    - Solange das Geschäftsmodell und die Kalkulation der Autoindustrie davon ausgeht, dass der größte Gewinn mit dem Verkauf der größten Autos gemacht wird, solange werden sparsame Autos eher PR-Objekte als Massenprodukt sein. Und verbrauchsunabhängige Kosten für die Dienstwagennutzung unterstützen das.

    - Solange das Konzept der privaten
    Allzweck-Reise-und-Transport-Renn-Limousine mit Insassenschutz bis 200 km/h die Regel ist, solange werden Autos weiterhin zu schwer sein und fast nur herumstehen, und dann werden sich technische Innovationen auch nur mit großer Verzögerung verbreiten.

    Ohne moderne Konzepte von CarSharing (s. Car2go in Ulm und Mu von Peugeot), bei denen man sich für jeden Nutzungszweck das passende Fahrzeug mietet, und einen intelligenten Verkehrsmittelmix inklusive (E-)Fahrrad und Bahn wird sich weder das Elektroauto durchsetzen noch wird der Autoverkehr global überleben können.

    "Wir behalten unsere bisherigen Autos und bauen nur einen neuen Motor ein", das wird nicht die Zukunft sein.
  • Fraglicher Eindruck

    10.10.2010, Peter Maier, Wien
    Der Artikel macht einen in einigen Punkten fraglichen Eindruck.

    1. Wie ist der 60-Kilowatt (60kW) Grenze bei Freileitungen zu verstehen? Wie bekannt ist, definiert sich elektr. Leistung aus dem Produkt Spannung mal Strom. Fliesst kein Strom durch die Leitung, aber liegt die (Hoch)spannung an, beträgt die übertragene Leistung nahezu 0 Watt. Trotzdem nehmen Vögel nicht auf Freileitung mit Hochspannung wie Leitungen mit 220kV oder 380kV "Platz".

    Im Mittelspannungsnetzen, welche je nach Region mit 10 bis 30kV betrieben werden, nehmen Vögel hingegen sehr gerne Platz. Das ist bei Freileitungen im Bereich der Isolatoren sogar ein Problem, wie im Artikel bei den Störchen erwähnt. Bei Mittelspannungsnetzen beträgt die durchschnittliche Leistung einige Megawatt bis zu einigen 10 Megawatt die übertragen werden. Wie passt diese Leistungen also zu dieser postulieren 60-Kilowatt-Grenze?

    (Wurde da etwa Kilowatt mit Kilovolt verwechselt? - das ist dann schon ein recht arger Schnitzer der im Review auffallen sollte und ich daher nicht glauben will.)

    2. In Hochspannungsnetzen dient die Erde, das Erdseil (an der Mastspitze bei Metallmasten, tlw. auch als Blitzschutzseil bezeichnet) nicht als Retourleiter zum Kraftwerk. Offensichtlich liegen hier völlig falsche Vorstellung vor, wie Dreiphasensysteme wie das Mittelspannungsnetz oder auch die Hochspannungsebene mit 110kV/220kV/400kV realisiert sind. Auch ist der "Neutralleiter" auf Niederspannungsnetz im Haushaltsbereich üblich, kommt aber in Hochspannungsnetzen in dieser Form gar nicht vor. (Es gibt im Hochspannungsbereich bei Leistungstransformatoren einen so genannten Sternpunkt und unterschiedliche Behandlungen wie dieser Sternpunkt geerdet werden kann oder ob er "schwebend" ist. Im Niederspannungsnetz mit 230V/400V ist dieser Sternpunkt geerdet und mit dem Neutralleiter verbunden)

    Erdschlussfehler treten bei Freileitungen öfter auf, z.B. Baum der in eine Freileitung hinein wächst. Dazu gibt es die Erdschlusskompensation welche bei einpoligen Erdschluss einen Zeit lang den Weiterbetrieb erlaubt. Würde die Erde als "Retourleiter" verwendet werden, wäre das ein Kurzschluss und keine Ersdschlusskompensation möglich. Details finden sich in einschlägigen Lehrbüchern wie "Rene Flosdorff, Elektrische Energieverteilung" ISBN 3-519-26424-2.

    3. Vögel nehmen nicht auf den Leiterseilen von Hochspannungsleitungen (110kV, 220kV und 440kV) Platz, weil die im Artikel korrekt erwähnte elektrische Feldstärke über den Leiterseilen sehr hoch ist und an der Durchbruchsgrenze (Ionisierungsgrenze) von Luft liegt. Was fehlt ist die Erwähnung von den einsetztenden Koronaentladungen ("Sprühentladungen") welche an spitzen Kanten ausgeht. Wie es eben auch Vogel auf so einer Leitung darstellen. Diese Entladungen führen zu nervlichen Reizen und sind entsprechend unangenehm. Das ist aber nur durch die hohe Spannung gegen Erdpotential bedingt, hat nichts mit Übertragungsleistungen zu tun.

    Die Koronaentladungen treten auch direkt auf der Oberfläche von dem Leiterseil auf, weil es "dünn" im Querschnitt ist. Deswegen werden Hochspannungsleitungen welche mit 400kV betrieben werden, auch als Bündelleiter mit mehreren Metallseilen in engen Abstand ausgeführt, quasi wie holes "Rohr". Um so die "scharfe Krümmung" und die damit verbundene hohe elektrische Randfeldstärke über den Leiterseilen zu reduzieren und so Koronaentladungen (sind Verluste) zu minimieren.

    Diese Koronaentladungen sind übrigends auch der Grund, neben Effekten an den Isolatoren, warum es unter einer 400kV-Freileitung so "knistert und prasselt". Mit entsprechenden Koronakameras und im Dunkeln (Nacht) kann man diese kleinen Entladungen entlang des Leiterseils von 400kV-Hochspannungsfreileitungen auch optisch beobachten. Und das ist auch der Grund, warum Hochspannungsteile in Uni-Hochspannungslabors mit so grossen Runden Metallblechen ausgekleidet werden, Stichwort Hochspannungsringe. Auch das findet sich alles in einschlägigen Lehrbüchern der Hochspannungstechnik.

    In den USA werden arbeiten wie das Austauschen von Abstandshaltern bei diesen Bündelleitern auch in Betrieb befindlichen Höchstspannungsleitungen (um 500kV) von Hubschraubern aus getätigt. Weil dort so wenig Reserveleitungen vorhanden sind. Die Arbeiter haben dazu einen leitfähigen Schutzanzug an, um durch die Koronaentladungen (das "beisst" ziemlich) nicht zu stark beeinträchtigt zu werden wenn sie auf der Hochspannungsleitung "sitzen". Genau das ist der Grund warum auch Vögel, die klarerweise keinen solchen Schutzanzug tragen, nicht auf diesen Hochspannungsleitungen sitzen.

    In der Hoffnung, dass die Qualität der SdW bei solch fast schon alltäglichen Dingen nicht zu sehr nach unten abrutscht ...
    Antwort der Redaktion:
    Die Verwechslung von Kilowatt und Kilovolt war ein Versehen des Autors, das dem Redakteur hätte auffallen müssen; wir bitten um Entschuldigung. Das Thema der Koronaentladungen war uns bekannt; zu deren Auswirkungen auf Lebewesen haben wir indessen keine wissenschaftlichen Veröffentlichungen gefunden, sodass dieser Aspekt im Text außen vor blieb.
  • Vielen Dank

    09.10.2010, Jürgen Knödlseder, Toulouse
    Trotz all der berechtigten Kritik: Danke für die Rezension, sie hat mir ein paar gute Stunden mit einem Buch eingebracht, das zum Nachdenken anregt. Über die Sachfehler hier und da kann man da gerne wegsehen.
  • Watt ihr V(V)ol(l)t?

    09.10.2010, Gerald Winzer, München
    Den Artikel fand ich sehr interessant, weil ja die allgemeine Meinung vorherrscht, Vögel könnten sich beliebig auf Hochspannungsleitungen setzten, das elektrische Feld vergisst man dabei schnell.

    Jedoch würde ich von einem wissenschaftlichen Magazin erwarten, dass Leistung und Spannung nicht durcheinander gewürfelt werden, denn nachdem klar beschrieben ist, dass nicht das Magnetfeld die Vögel stört, sondern das elektrische, ist auch klar, dass es sich um ein Spannungs- und nicht Leistungsphänomen (das wäre es bei gleichbleibender spannung wenn der Strom und damit das Magnetfeld variieren würde) handelt. Also müßte es richtigerweise wohl 60 Kilovolt und nicht 60 Kilowatt heißen.
    Antwort der Redaktion:
    Der Autor hat auf eine ähnliche Anmerkung geantwortet, siehe Leserbrief "Sprechen wir hier von Leistung oder von Spannung?"
  • Sexuelle Selektion beim Menschen – ein Tabu?

    08.10.2010, Prof. Dr. Dieter Böning, Berlin
    Nach Charles Darwin gibt es zwei Formen der Evolution: natürliche Selektion (ein zufällig entstandenes vererbbares Merkmal verbessert die Überlebens- und Fortpflanzungsfähigkeit in der jeweiligen Umwelt) und sexuelle Selektion (ein zufällig entstandenes vererbbares Merkmal erhöht die sexuelle Attraktivität und dadurch den Fortpflanzungserfolg).

    In der "Abstammung des Menschen" (1874) diskutiert er den Ursprung der Nacktheit. Er findet keine besseren Überlebenschancen durch Verlust des Fells. Daher vermutet er sexuelle Selektion und spekuliert, etwas viktorianisch verklausuliert, dass der Mensch, "am wahrscheinlichsten das Weib, das Fell aus ornamentalen Gründen verlor".

    Die Bedeutung der Nacktheit als Seh- und Berührungsreiz für die Sexualität ist eigentlich unübersehbar. Bei den heutigen Evolutionsbiologen ist im Gegensatz zu Darwin anscheinend sexuelle Evolution beim Menschen ein Tabuthema, auch im vorliegenden Artikel wird sie nur verschämt als Nebeneinfluss erörtert. Das führt zu teilweise unsinnigen Spekulationen, wie dass die Behaarung von Achsel und Scham vor Bewegungsreibung schütze. Es ist doch offensichtlich, dass Auftreten und langsame Zunahme der Schambehaarung in der Pubertät die Geschlechtsreife signalisiert.

    Im Übrigen spricht Geschlechtsverschiedenheit eines Merkmals (Geschlechtsdimorphismus) für sexuelle Selektion. Die Behaarung der Geschlechter unterscheidet sich folgendermaßen:
    1. Stärkere Körperbehaarung bei Männern
    2. Bart beim Mann (höchstwahrscheinlich, um einen imposanten Eindruck zu machen wie die Mähne beim Löwen)
    3. Verschiedene Abgrenzung der Schambehaarung nach oben
    4. Häufige Kahlheit beim älteren Mann; da diese erst spät auftritt, dürfte sie für Fortpflanzung und Selektion eine recht geringe Bedeutung haben.

    Das führt zu einem weiteren, allerdings scheinbaren Widerspruch in den Argumentationen von Nina Jablonski: Haare auf dem Kopf sind gut für die Thermoregulation, auf dem Rumpf aber schlecht. Den Vorteil von Haaren auf dem Kopf bei starker Sonneneinstrahlung kann jeder Mann mit gelichtetem Haupthaar bestätigen. Am Rumpf (mit Ausnahme der Schultern, die vom Kopfhaar mitbedeckt werden können) konnte der Mensch auf diesen Schutz in der Savanne eher verzichten als vierbeinige Tiere, da durch die aufrechte Haltung der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen in der Mittagshitze flach ist. Zumindest scheint die geringe Rumpfbehaarung dadurch keinen wesentlichen Nachteil für die Thermoregulation in der tropischen Umwelt gehabt zu haben.

    In diesem Zusammenhang interessant ist, dass es auch heute noch vereinzelt Menschen mit vollständiger Körperbehaarung gibt (sogenanntes Ambras-Syndrom nach Schloss Ambras in Tirol, wo Gemälde einer Familie mit Fell ausgestellt sind). Die verantwortliche (Rück?)Mutation liegt auf Chromosom 8 (Baumeister FA et al., Clin. Gen. 44, 121–128 (1993)).
  • "Ignoranz und Forschungsamnesie"

    08.10.2010, Dr. Erika Butzmann, Wildeshausend
    Würden die neuen Säuglings- und Kleinkinderforscher sich die Mühe machen, Piaget zu lesen und zu verstehen, müssten sie nicht ständig behaupten, was in diesem Artikel über Piaget steht. Dann wüssten sie auch, dass mit Piagets Erkenntnissen die Ergebnisse aller neuen Untersuchungen zum Forscherverhalten von Babys zu erklären sind. Es ist ein Trauerspiel, wieviel Forschungsgelder überall verpulvert werden, nur weil sich kaum noch jemand die Mühe macht, sich Erkenntnisse früherer Forscher wirklich anzueignen. Rainer Dollase nennt das "Ignoranz und Forschungsamnesie".
  • Warum wir nackt sind

    08.10.2010, Josef Brusa, Schweiz
    Das fehlende Fell hilft wohl zur besseren Kühlung des Körpers. Doch unter freiem Himmel kann es selbst in heißen Ländern auch mal empfindlich kalt werden. Daher meine These: Erst das Feuer hat es ermöglicht, dass Fell los zu werden. Es gibt zwar keine eindeutigen Beweise, doch scheint das Feuer schon eine Million Jahre oder länger bekannt zu sein. Das passt ganz gut mit dem beginnenden Haarausfall zusammen. Das Feuer ermöglichte eine effizientere Nahrungsaufnahme durch das Kochen, was wiederum Voraussetzung für das Wachstum des Gehirns ist. Vielleicht haben sich all diese Effekte gegenseitig unterstützt. Feuer verhilft zu Intelligenz und damit zur noch besseren Nahrungsbeschaffung, aber auch zu intelligenten Konzepten zum Schutze des Körpers vor Wettereinflüssen. Dies ermöglicht den Haarausfall, was wiederum die Nahrungsbeschaffung verbessert, usw.
  • Haarsträubende Interpretation

    08.10.2010, Dr. Anna Winner, München
    Die Ergebnisse von Gopnik sind faszinierend, deren Interpretation aber haarsträubend. Welchen Sinn ergibt das Wort Theorie noch, wenn man das Adjektiv "intuitiv" davor setzt. "Ein Kind experimentiert, arbeitet (?) mit Statistiken und stellt intuitive physikalische, biologische und psychologische Theorien auf." (S. 69)

    Verhielten sich Kleinkinder denn anders, als es für die Menschheit solche Theorien noch gar nicht gab, waren die Kleinkinder intuitiv schlauer als ihre Eltern? Verlernen wir das alles beim Erwachsen werden? Dass Kinder eine enorme Beobachtungsgabe besitzen, eben weil sie nicht theoriegeleitet wahrnehmen (wie auch Gopnik erwähnt), bewunderte schon Goethe. Kleinkinder wollen die Welt durchschauen, sie strengen sich gerne an und wiederholen Tätigkeiten ausdauernd. Ihr ganzer Körper, nicht nur der Kopf, entwickelt dabei ein Gespür für die Zusammenhänge.

    Man könnte das Erfahrungswissen oder gesunder Menschenverstand nennen, wissenschaftliches Denken ist es nicht. Nur weil jemand gut Skateboard fahren kann, kann er noch nicht gut Flugbahnen berechnen und nur weil jemand gut Flugbahnen berechnen kann, kann er noch nicht gut Skateboard fahren.
  • Haarsträubende Interpretation

    08.10.2010, Dr. Anna Winner, München
    Die Ergebnisse von Gopnik sind faszinierend, deren Interpretation aber haarsträubend. Welchen Sinn ergibt das Wort Theorie noch, wenn man das Adjektiv "intuitiv" davor setzt. "Ein Kind experimentiert, arbeitet (?) mit Statistiken und stellt intuitive physikalische, biologische und psychologische Theorien auf." (S. 69)

    Verhielten sich Kleinkinder denn anders, als es für die Menschheit solche Theorien noch gar nicht gab, waren die Kleinkinder intuitiv schlauer als ihre Eltern? Verlernen wir das alles beim Erwachsen werden? Dass Kinder eine enorme Beobachtungsgabe besitzen, eben weil sie nicht theoriegeleitet wahrnehmen (wie auch Gopnik erwähnt), bewunderte schon Goethe. Kleinkinder wollen die Welt durchschauen, sie strengen sich gerne an und wiederholen Tätigkeiten ausdauernd. Ihr ganzer Körper, nicht nur der Kopf, entwickelt dabei ein Gespür für die Zusammenhänge.

    Man könnte das Erfahrungswissen oder gesunder Menschenverstand nennen, wissenschaftliches Denken ist es nicht. Nur weil jemand gut Skateboard fahren kann, kann er noch nicht gut Flugbahnen berechnen und nur weil jemand gut Flugbahnen berechnen kann, kann er noch nicht gut Skateboard fahren.
  • Quadratjahr

    07.10.2010, O. Meckes
    Was bitte ist ein Quadratjahr ?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Meckes,



    auch uns irritierte die Einheit "Quadratjahr" anfangs.



    Jay Famiglietti, Forscher aus der Studie, erklärte uns das Zustandekommen dieser Einheit folgendermaßen:

    Der Wasserabfluss (kombiniert aus Fluss- und Eisdecken-Strom) in die Meere ist ein Verhältnis von Kubikmetern (km3) pro Jahr (y). Ein Trend ist dann per Definition zu bestimmen, indem man durch die Zeiteinheit (hier das Jahr) dividiert. In den Einheiten gesprochen: km3 /y * 1/y. Daraus ergibt sich das durchaus nicht geläufige Quadratjahr.



    Wir bedanken uns für Ihre Rückfrage,

    Ihre Redaktion von spektrumdirekt
  • Bumerang als Austauschteilchen

    02.10.2010, Donnie W. Agema, Hattersheim
    Im Artikel wird behauptet: "Für die Anziehung von zwei Teilchen gibt es" im Gegensatz zu den wohl bekannten Tennisspielern, mit denen sich Abstoßung durch Austauschteilchen plausibel machen lässt, "keine so anschauliche Analogie".

    Ich biete dazu Folgendes an: Zwei Aborigines haben den Tennisspielern zugeschaut und sich angeboten, ihre Version des Spiels vorzuzeigen. Nachdem sie, einander den Rücken zuwendend, auf die reibungsarmen Fahrzeuge aufgestiegen sind, fangen sie an, durch gekonnte Wurftechnik sich gegenseitig einen Bumerang zuzuwerfen. Nach jedem Wurf oder Wiederauffangen bemerken sie, dass sie einander ein Stück näher gerückt sind.

    Ist doch ebenso anschaulich, oder?


  • Statistisch fragwürdig

    01.10.2010, Thomas Rivinius
    Nicht "synodisch" sollte in Anführungszeichen stehen im Satz die Frequenz "erinnere an die 'synodische' Eigenrotation der Sonne", sondern wohl eher das Wort "erinnern", denn so richtig nahe ist 365/11.23 = 32.5 nicht an 27.3. Besonders, wenn man eine Datenbasis von 16 Jahren hat, ist das doch recht weit außerhalb des Fehlers. Dass in der auf arXiv erhältlichen Fassung (http://arxiv.org/abs/1006.4848) nicht ein einziger Fehlerbalken auftaucht, macht sie übrigens auch nicht gerade besser.

    Als jemand, der gerade mit Zeitserienanalyse astronomischer Daten und besonders der Lomb-Scargle-Statistik sehr vertraut ist, schätze ich vom Aussehen der Daten und des Frequenzspektrums, dass die berichtete Periode die Drei-Sigma-Hürde gerade so reißen würde - wenn überhaupt. Es ist wirklich schade, dass eine entsprechende Signifikanzanalyse im Paper unterlassen wurde, denn dafür ist sowas wie Lomb-Scargle nämlich gerade da.
  • Kochen ohne Kochtöpfe?

    29.09.2010, Prof. Dr. Dieter Böning, Berlin
    Der Titel dieser Buchbesprechung zeigt die Problematik von Übersetzungen. Das Buch von Richard Wrangham heißt im Original: "Catching Fire. How Cooking made us Human". Cooking hat im Englischen laut Wikipedia zunächst die allgemeine Bedeutung "Essen durch Hitzeanwendung zubereiten", im Deutschen dagegen zunächst "Erhitzen einer Flüssigkeit bis zum Siedepunkt", erst im weiteren Sinne "Garen und Zubereiten von Lebensmitteln allgemein". Der deutsche Titel: "Feuer fangen. Wie uns das Kochen zum Menschen machte" klingt daher etwas seltsam. Ein Steinzeitmensch konnte zwar ohne weiteres braten oder backen, aber zum Kochen, also Zubereiten in heißem Wasser, fehlten ihm die Töpfe!

    Ohne feuerfeste Behälter ist Kochen eine mühsame Angelegenheit. Kanadische Indianer an der Küste des Stillen Ozeans, die keine Metalltöpfe hatten, lösten das Problem noch vor wenigen Jahrhunderten nur, indem sie glühende Steine in wasserdichte Holzkisten warfen. Man kann davon ausgehen, dass gekochte Eier oder Suppen bis zum Beginn der Bronzezeit vor etwa 5 000 Jahren auch in Europa seltene Delikatessen waren.
  • Löwe mit Gepard verwechselt

    28.09.2010, Berthold Rupprecht, Tecklenburg
    Der Ausschnitt des ägyptischen Totenbuches auf S. 65 zeigt zwei Geparde und nicht zwei Löwen, wie in der Bildunterschrift vermittelt wird. Das weiß-schwarz gestreifte Ende des Schwanzes, die schwarzen Flecken, die langen Beine kennzeichnen eindeutig Geparde. Die Mähne kennen wir alle natürlich vom Löwenmännchen, aber auch junge Geparde tragen in den ersten Wochen eine auffällige Mähne. So wird die Sonne auf dem Bild nicht von zwei Löwen, sondern von zwei Geparden flankiert.
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