Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Punkt 5

    14.11.2011, H. Weiche, Garbsen
    Ich kann den fünf Thesen nur nicht vollem Umfang zustimmen. Und glaube, dass die Dimension unseres Zeitüberblicks stärker betont werden muss. Allein die Frage: Wie warnen wir unsere Nachfahren vor unserem Müll? Scheint mir in Anbetracht der diverser unentzifferter Schriften nicht lösbar. Zu dem kommt noch der Charakter des Menschen Warnhinweise unserer Vorfahren schlicht zu ignorieren. Selbst wenn wir sie verstehen. Dabei sind dies bestenfalls Nahzeit-Probleme. Aber was passiert, wenn sich Meere ausbreichten, Gebirge auffalten oder Platten reißen. - Sicher ist es vermessen zu glauben, dass es Menschen auch noch in sagen wir 2, 5, 10 Millionen Jahren gibt. Aber unser Müll ist großem Teil, dann auch noch da.
  • Grundsätzliches

    08.11.2011, Berchtenbreiter, Augsburg
    Ich bin nicht technikfeindlich, eigentlich im Gegenteil, aber vieles in der Diskussion geht doch am Grundsätzlichen vorbei.
    1. Es gibt keine Technik, die störungsfrei oder sicher funktionieren kann.
    2. Kein Mensch kann störungsfrei funktionieren.
    3. Trifft beides aufeinander, kann das auch nicht störungsfrei funktionieren.
    4. Sind Unfälle und deren Auswirkungen dann so gravierend und lebensbedrohend über Generationen hinweg wie bei der Kerntechnik, dann dürfen wir diese nicht verwenden, egal wie hoch oder niedrig ein Restrisiko berechnet wird.
    5. Niemand kann das Verhalten der Natur vorhersagen mit unserem lächerlich kleinen zeitlichen "Überblick".

  • In der Beispielrechnung fehlen noch viele Annahmen

    07.11.2011, Gerhard Langenberger, Überlingen
    Ich finde den Artikel über Thomas Bayes im Prinzip gelungen.

    Trotzdem stören mich einige Details zur Beispielrechnung. So werden zahlreiche unbedingt notwendige Annahmen unterschlagen:

    1) Es wird angenommen, dass es ausschließlich Ärzte oder Bibliothekare sind, die wir treffen können, also keine anderen Menschen. Wo gibt es das?
    2) Bibliothekare und Ärzte haben unterschiedliche Arbeitszeiten
    oder unvergleichbare Arbeitsstrukturen. Ärzte machen häufiger Hausbesuche als Bibliothekare. Also sind auch mehr Ärzte unterwegs als Bibliothekare.
    3) Sie unterschlagen die Tageszeit. In der Nacht werden Sie
    keinem Bibliothekar begegnen, aber Ärzten bei einem Hausbesuch schon.
    4) Da acht von zehn Bibliothekare schüchtern und menschenscheu sind, werden sie einer Begegnung eher ausweichen als Ärzte, die häufiger alles andere als schüchtern sind.

    Es ließen sich noch weitere Annahmen finden, die Ihr Beispiel eher
    einer groben, wenn auch mathematisch exakten, Schätzung gleichkommen lassen.

    Ist das Ganze nicht ein Beweis, nach Thomas Bayes, dass es der
    Mathematik unmöglich ist, die Wirklichkeit exakt abzubilden, weil es
    unmöglich ist alle Parameter der Wirklichkeit zu berücksichtigen?
    Natürlich sind die Wahrscheinlichkeitsrechnungen hinreichend genau,
    aber kann das einem Mathematiker reichen?
    Antwort der Redaktion:
    Historisch gesehen bewegte sich Bayes im folgenden Problemhorizont: Angenommen, man weiß von einem Ereignis nur die Anzahl der Fälle, in denen es sich realisiert hat, und die Anzahl der Fälle, in denen es ausgeblieben ist. Ausgehend von diesen Beobachtungen suchte Bayes nach Formeln, die ihm die Berechnung der Wahrscheinlichkeit dafür erlaubten, dass das (ansonsten unbekannte) Ereignis sich wiederholt. Daher ist in der Problemstellung die Welt von vornherein auf zwei "Beobachtungszustände" eingeschränkt und damit weit besser auf wahrscheinlichkeitstheoretische Bedürfnisse zugeschnitten als auf erkenntnistheoretische. Letztere Interpretation ist illustrierend und wurde nachgeschoben.



    Die Bayes-Formel sagt daher nichts aus über die Wirklichkeit selbst; diese Aussagen stecken nach wie vor in den Beobachtungen, die der Wahrscheinlichkeitstheoretiker für seine Zwecke voraussetzen kann. Und die Formel sagt auch nichts aus über unseren Zugang zur Wirklichkeit, denn sie greift ja nur dort, wo außer registrierten Häufigkeiten nur Unwissen waltet.



    Herr Langenberger weiß nun von Ärzten und Bibliothekaren mehr als "erlaubt ist", will sagen für unser Beispiel vorausgesetzt werden darf. Wollte man sein Wissen einbeziehen, müssten die a priori-Wahrscheinlichkeiten entsprechend angepasst werden. Wüsste er noch mehr, beispielsweise Namen und Adresse, bräuchte er die Hilfe der Statistik gar nicht.



    Marc Dressler
  • Die wahre Geschichte der Pille

    06.11.2011, D. Peters, Rostock
    Wer einen differenzierten und hervorragend recherchierten Artikel zur Pille und deren "Vätern" lesen möchte, sollte den exzellenten Beitrag
    "50 Jahre Pille in Deutschland - Über die Heldentaten der Hormonsucher" des Chemikers Klaus Roth in Chemie in unserer Zeit lesen. Hier kann man sich auch über den Platz von Carl Djerassi im Stammbaum der Pille informieren. Djerassi ist ein herausragender Chemiker, ein ironisch-witziger Zeitgenosse und einer der "Hormonsucher" - aber er ist eben nicht der Vater der Pille.
  • Wissenschaft?

    04.11.2011, Fritz Kronberg
    Was Prof. Heitmeyer hier vorträgt sind allenfalls begründete Vermutungen, abgesehen davon, dass seine Grundlagen sehr brüchig sind. Gerechtigkeit, Solidarität und Fairness führt er als Kernnormen der Gesellschaft an, vergisst aber dabei, dass unter diesen Begriffen jeder etwas anderes versteht, auch wenn jeder diese Begriffe als unverzichtbar für ein ziviles Zusammenleben akzeptiert. Die angeblich "politisch gewollte Umverteilung von unten nach oben" ist ein Propagandamythos der linken Szene. Die Zahlen geben das jedenfalls zumindest für Deutschland und die Kernländer der EU nicht her. Die USA sind hier die Ausnahme.

    Da ist diese Umverteilung, wie auch der politische Wille dahinter jedenfalls für die Bush-Ära evident. Die mittelnde Gerade in der Wilkinson-Grafik hätte man durchaus begründet auch anders legen können, nämlich entweder flacher, wenn man die USA und Japan als krasse Ausreißer betrachtet, was dazu führen würde, dass gesundheitliche und soziale Probleme nur schwach mit der Einkommensverteilung korreliert sind oder steiler, wenn man diese Staaten wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und Bevölkerungszahl stärker gewichtet.

    Im Übrigen fehlen Angaben über die Einheiten, die für die Begriffe auf den Koordinatenachsen zugrunde gelegt worden sind. Hoch und niedrig sind willkürliche Angaben. Der Aussagewert dieser Grafik ist gleich Null. Die zweite Grafik ist genau so albern. Es fehlt die Angabe, wie denn die "Fremdenfeindlichkeit" zu definieren ist und wie sie "gemessen" wurde. Das Ganze sieht wie Wissenschaft aus, kann diesen Anspruch aber nicht einmal näherungsweise erfüllen.
  • Kausal, Zufall oder mehr ...

    04.11.2011, Karl-Heinz Schack, Minden
    Der Zeitpunkt des Zündens einer einzelnen Nervenzelle die sich in einer Nährlösung langweilt, mag bei genauer Kenntnis der molekularen Abläufe unter Berücksichtigung der brownschen Molekularbewegung und eventueller Quanteneffekte beim Ladungsaustausch zwischen einzelnen Molekülen, streng kausal ablaufen. Von außen betrachtet wird der Abstand zwischen zwei im Impulsen immer nicht vorhersehbaren Schwankungen unterliegen. Wenn in einer Schaltung die Zufallszahlen mittels radioaktiven Zerfalls erzeugt, die Impulse des Zählrohrs durch die Impulse einer einsamen Nervenzelle ersetzt werden, sollte diese Schaltung nach wie vor Zufallszahlen erzeugen. (Falls laufend der Satz des Pythagoras erscheint, ist das grundsätzliche Verständnis wie eine Nervenzelle funktioniert noch etwas zu überdenken.)

    Das virtuelle Gehirn zeigt, abhängig von der Art der Verknüpfung, unterschiedliche Muster. Unabhängig von der Art der Verknüpfung sind diese Muster jedoch auf jeden Fall reine Zufallsmuster. Unter der Voraussetzung, dass die einzelnen ‚Neuronen’ wie eine echte Nervenzelle ähnlich zufällige Impulse liefern und nicht etwa auf eine feste Zyklenzahl eingestellt sind.

    Das Verhalten realer Wesen kann nicht nur als zufällig betrachtet werden. Zumindest einige Exemplare versuchen den Anschein zu erwecken, dass mehr dahintersteckt.

    Hier stellt sich nun die Frage, welche Bedeutung haben diese zufälligen Impulse, die zumindest bei Langeweile hin und wieder auftreten sollten, in einem realen Gehirn. Ist das lediglich so etwas wie ein unterschwelliges Rauschen, ohne Bedeutung, das nicht bewusst wird? Ermöglichen diese Impulse im multiplikativen Zusammenwirken mit einem realen Gehirn eventuell Kreativität? Oder sind diese Impulse zusammen mit weiteren Faktoren eine Voraussetzung für den freien Willen?

    Wenn diese Impulse in einem realen Gehirn mehr als ein unterdrücktes Rauschen darstellen, ist dieses zumindest ein starkes Indiz dafür, dass sich die geistigen Abläufe im menschlichen Bewusstsein kaum streng kausal erklären lassen.
  • Kosmischer Radius

    03.11.2011, Beate Basner, Kiel
    Ich hatte die gleiche Fragestellung, wie Herr Grimm und bin durch die Antwort Ihrerseits nun noch verwirrter.

    Elektromagnetische Strahlung konnte sich erst nach der Entkopplung von Materie und Photonen zunehmend frei durch den expandierenden Raum bewegen (Neutrinos wohl früher), und dass geschah meines Wissens ungefähr 380 000 Jahre nach dem Urknall. Wie passt dieses zusammen, dass Licht aus dieser Zeit eine wesentliche größere Strecke zurückgelegen konnte.

    Und die "Mitbeförderung" durch den sich ausdehnenden Raum, wird dieses nicht durch die Rotverschiebung definiert?

    Kann man den tatsächlichen Horizont von 42 Milliarden Lichtjahren mit einem Schiff vergleichen, welches gerade hinter dem Horizont verschwindet, für uns aber bedingt durch eine Nebelwand davor nicht sichtbar ist? Aber wir wissen die nötigen Parameter (Inflation, beschleunigte Expansion usw.), um seine Entfernung zu berechnen.

    Antwort der Redaktion:
    1. Beim Beobachtungshorizont geht es um die prinzipielle Beobachtungsschranke (kann uns Licht von dort überhaupt erreichen?), nicht um tatsächliche Strahlungen. Details in den ersten (380 000) Jahren nach dem Urknall fallen gegenüber einer Abschätzung in der Größenordnung von Milliarden Jahren nicht ins Gewicht.


    2. Die Rotverschiebung infolge der Dehnung der Raumzeit definiert eher eine Zeit: Wie lange ist es her, dass das rotverschobenes Licht ausgesandt wurde? Je stärker die Rotverschiebung, desto "jünger" das strahlende Objekt. Die Reste der frühesten Strahlung, die etwa 380 000 Jahre nach dem Urknall entstand, bilden die heutige kosmische Hintergrundstrahlung. Ihr entspricht eine Entfernung des Rands des beobachtbaren Universums von damals nur rund 30 Millionen Lichtjahren, gegenüber rund 42 Milliarden Lichtjahre heute.


    3. Wegen der unterschiedlichen Entfernungsmaßstäbe aufgrund der kosmologischen Expansion trifft ein statischer Vergleich (Erdhorizont, Nebelwand) nicht zu. Etwas passender wäre der (trotzdem hinkende) Vergleich mit einem Überschallflugzeug, dessen Überschallknall uns nicht mehr erreicht, weil die Luft selbst sich von uns wegbewegt.
  • Was ist Naturwissenschaft ?

    03.11.2011, Dr. Peter Schmid, Salzburg
    Der Artikel "Multiversum in Beweisnot" von G.F.R. Ellis ist ein wichtiger Beitrag zur Beantwortung dieser scheinbar trivialen Frage. Der Erfolg der Naturwissenschaft beruht auf einem engen Wechselspiel empirischer Erfahrungen und theoretischer Interpretation. Alle Theorien machen "All-Aussagen", die notwendigerweise über das endliche Datenmaterial hinausgehen. Gerade deswegen ist "Ockhams Rasiermesser" ein Leitprinzip der Naturwissenschaft, die empirischen Daten mit der kleinstmöglichen Anzahl theoretischer Annahmen zu erklären.

    Wie Ellis überzeugend darlegt, verletzen alle Konzepte von Multiversen das ockhamsche Prinzip in grober Weise. Sollten Phänomene ausserhalb unseres Universums existieren, so können sie prinzipiell nicht beobachtet werden. Mögliche indirekte Folgen auf beobachtbare Phänomene bleiben immer hypothetisch. Im besonderen Fall ist das Trivialisieren der Eigenschaften unseres Universums als statistische Realisierung in einer unendlichen Zahl von Multiversen keine Erklärung, sondern, in den Worten R.B. Laughlins, nur "schlechte Wissenschaft", weil es eine tatsächliche Erforschung dieser Eigenschaften für überflüssig erklärt.

    Selbstverständlich ist es interessant und fruchtbar, die Darstellungsmöglichkeiten mathematischer Theorien zu klären. Den in solchen Theorien angenommenen "Entitäten" entspricht aber zunächst keinerlei physikalische Realität. Der Schluss des Artikels scheint mir besonders wichtig: "Gegen philosophische Spekulationen auf wissenschaftlichen Grundlagen ist an sich nichts einzuwenden. Nur sollten wir dann das Kind beim Namen nennen" und die Öffentlichkeit nicht unter Vorspiegelung "naturwissenschaftlicher Ergebnisse" hinters Licht führen.
  • Quantengravitationstheorien widerlegt

    03.11.2011, Dr. Dipl.-Phys. Manfred Lichtinger, Straubing
    Vielen Dank für den Artikel über parallele Universen. Den dort gemachten Aussagen kann man nur zustimmen. Aber viel schlimmer als die mangelnde Nachprüfbarkeit der Multiversum-These ist ja die fehlende Falsifizierbarkeit. Wie soll man jeweils experimentell die Existenz von parallelen Welten widerlegen können? Die Inflationstheorie mag noch falsifizierbar sein. Die Stringtheorie erweist sich als prinzipiell widerlegbar. Aber was nicht jeder weiß und von den Quantengravitationstheoretikern bis jetzt ignoriert wurde, ist die Tatsache, dass alle Theorien, die eine kleinstmögliche Länge von 10 hoch -35 Metern annehmen, schon vor Kurzem widerlegt wurden.

    Aus den Quellen www.pro-physik.de/details/news/1304247/Herausforderung_fuer_die_Quantengravitation.html
    und Originalveröffentlichung P. Laurent et al.: Constraints on Lorentz Invariance Violation using INTEGRAL/IBIS observations of GRB041219A, Phys. Rev. D 83, 121301 (2011) doi: 10.1103/PhysRevD.83.121301 geht hervor, dass die Raumzeit erst ab einer Skala kleiner als 10 hoch -48 Meter quantisiert sein kann, was sowohl die Wheeler-de-Witt- als auch die Schleifenquantengravitations- als auch die Superstring-Theorie falsifiziert. In diesen Theorien einfach anzunehmen, die kleinste Länge sei sehr viel kleiner als die Planck-Länge, führt auch nicht zum Ziel. Denn dann wäre die Kopplungskonstante des Gravitationsfelds bei diesen kleinen Abständen sehr viel größer als eins (bis zu 10 hoch 26). Das würde dazu führen, dass man keine Störungstheorie mehr anwenden könnte, was sich von selbst verbietet. Dann könnte man keine physikalischen Observable der Quantengravitationstheorie mehr berechnen!
  • War das nötig?

    02.11.2011, Rainer Wessel, Hamburg
    Die Thermodynamik ersparte sich zu den Atomen konkrete Vorstellungen - brauchte sie auch nicht. Daher damals der Streit, ob es die Atome "wirklich gibt". Nein, nicht wirklich. Nicht im Sinn alltäglicher Realität. Atome sind ferne Welten mit anderen Gesetzen. Heute können wir Atome sogar "ertasten". Als ob das nötig gewesen wäre.
    Die Theorie der Erdkugel machte "Gegenfüßler" plausibel. Platon hielt sie für möglich. Der führende antike Geograf Strabo tat sie als Spekulation ab. Nach Kolumbus wurden die Kritiker vorsichtig und hielten lieber den Mund.
    Sobald Gegenwelten zwanglos ins Weltbild der Zeit passen, verstummt die Kritik. Der endgültige Beweis hat dann Zeit.
  • Klärungsbedarf

    02.11.2011, Otto Schult, Jülich
    Michael Springers „Lehren aus Fukushima“ sind lesenswert, aber sie bedürfen der Klarstellung und Ergänzung. Sind für Terroristen vollbesetzte Fußballstadien, Botex oder Cyberangriffe nicht attraktiver als ein Kernreaktor? Mit „hätte“, „wäre“ oder „könnte“ lässt sich alles andiskutieren, aber kein Probleme lösen. Der Auffassung, dass abgebrannte Brennelemente „als separates Sicherheitsproblem erkannt“ werden müssen, ist zuzustimmen. Aus diesem Grund bin ich seit Jahrzehnten gegen Wiederaufarbeitung und Endlagerung, weil die Zeit dafür noch nicht reif ist. Radioaktiver „Abfall“, wobei es sich eigentlich um Wertstoff handelt, bedarf wegen der Strahlung besonders sorgfältiger Handhabung. Dazu ist es sinnvoll, abzuwarten, bis der Fortschritt uns die Werkzeuge an die Hand gibt, um die radioaktiven Substanzen optimal zu verarbeiten. Bis dahin muss man die nicht benötigten radioaktiven Substanzen reversibel und somit kontrollierbar zwischenlagern.

    Der von unserer Regierung beschlossene kurzfristige Kernenergieausstieg ist falsch. Er ist antieuropäisch und widerspricht der globalen Energiestrategie. Herrn Springers Aussage „darf es kein Atomprogramm ohne langfristig geplante Endlagerung geben“ bedarf der Klärung. Kernenergie, die mit Reaktionen des Atomkerns zu tun hat, und Atomenergie, die auf Prozesse in der Elektronenhülle zurückzuführen ist, wie jede chemische Reaktion, also auch die Verbrennung von Kohle oder Treibstoff im Automotor, sollte man sauber trennen. Herr Springer weiß das sicherlich. Die Forderung von Dr. Springer bedeutet, dass man auch aus dem Automobilverkehr aussteigen muss und alle Kohlekraftwerke abzustellen sind. Denn das Problem der „Endlagerung“ von Kohlendioxid ist ungelöst. Der Straßenverkehr bedeutet im Verlauf eines Menschenlebens allein in Deutschland rund 300 000 Tote und ein vieles mehr an Verletzten. Das wird besonders von den Nachrichtensprechern beim Fernsehen kaum erwähnt, denn das Auto ist des Deutschen liebstes Kind.

    Dass der Ausstieg aus der Kernenergie langfristig richtig ist – und zwar global – wird jedem klar, der sich im Internet darüber informiert, wie lange wir auf Öl, Gas und Kohle, oder auch Kernenergie zurückgreifen können um unseren weltweiten Energiebedarf zu decken. Langfristig (mehr als ~1000 Jahre) haben wir nur Wasser, Wind und Sonne. Kurzfristig falsch war auch die massive Subvention von Photozellen auf unsern Dächern und sogar Feldern (Brot für die Welt?). Bei uns scheint die Sonne nicht so intensiv wie in südlichen Ländern. Offenbar geschieht der Aufbau von Off-Shore-Windenergieanlagen auch überhastet, was Pannen beweisen. Solide Forschung und Entwicklung aus Steuermitteln und nicht durch Zwangsbeglückung des Stromverbrauchers ist die richtige Politik. Solide Politik beansprucht Zeit, die verfügbar ist, globales Denken und weltweite Kooperation. Da haben wir alle Nachholbedarf.
  • Belanglos selbst für Gläubige

    02.11.2011, Hartmut Schirneck
    Wie religiöse Bekenntnisse (denen man m.M. eine viel zu hohe Werstellung zubilligt) auf den Verlust der vermeintlichen Singularität des Menschengeschlechts reagieren würden, ist doch reichlich belanglos. Belanglos sogar für die Gläubigen dieser Bekenntnisse selbst. Denn im Unterschied zur strengen Ratio der Wissenschaft ist Religion - auch die große Buchreligion - Auslegungssache. Von den blutigen Rückzugsgefechten gegen das Vordringen der Aufklärung müssen wir an dieser Stelle nicht einmal reden. Zumindest die Kirche hat ihren Wahrheitsanspruch dank eines Tricks nicht aufgeben müssen, indem sie angesichts der nackten Tatsachen aus der Wissenschaft den Inhalt ihrer Schrift kurzerhand zur Symbolsprache erklärt. Jeden Vers im Johannesevangelium kann und wird uns die Kirche, jede Sure wird uns der Islam zu einer klugen Metapher erklären, die viel zu erhaben sei, um sie wortwörtlich zu nehmen. Mit dem Rücken an der Wand kann noch jeder Pfarrer seinen Jüngern "Adam", "Eva" und den "Apfel" zu poetischen Gleichnissen verklären, die die kosmische Nukleosynthese beschreiben, den "Urknall", das Entstehen von Materie, Zeit, Raum und schließlich auch von Struktur und Leben.

    Gegenüber der belanglosen Fragestellung des Artikels hielte ich es für sinnvoller, sich weißen Flecken unserer Erkenntnis, die wir auf lange Sicht noch nicht direkt erforschen können, wenigstens mit methodischer Logik sowie mit Modellexperimenten zu nähern, damit uns am Ende wenigstens Wahrscheinlichkeitsaussagen zur Verfügung stehen, auf die wir uns einigermaßen verlassen können. So erkennen wir es heute z.B. als sehr wahrscheinlich an, daß Leben außerhalb der Erde nicht nur überhaupt existiert, sondern sogar außerordentlich häufig ist. Nahezu alle Wissenschaften und Teildisziplinen arbeiten an solchen Wahrscheinlichkeitsrechnungen mit. Selbst die Frage, ob mögliche Besucher uns eher ausrotten oder eher gemütlich mit uns feiern wöllten, muß nicht vollkommen unbeantwortet bleiben. Als Beispiel: eine ferne Zivilisation, die in der Lage wäre, uns physisch zu erreichen, muß auch so etwas wie Kultur mit einem verbindlichen Wertekanon entwickelt haben, wenn sie selbst viele tausend Jahre friedlich reifen konnte, ohne an ihren eigenen Konflikten unterzugehen. Wie viele Arme und Beine oder Augenpaare "die da draußen" nun haben, spielt überhaupt keine Rolle: man darf durchaus sehr irdisch denken und die Erkenntnisse dennoch mit einiger Sicherheit auf Fremde übertragen. Bestimmte Mechanismen menschlicher Kultur und Moral sind wahrscheinlich universell und selbst im Tierreich, wo wir Begriffe wie Kultur und Moral nicht anwenden, kennen die Zoologen den Sozialtrieb und die Beißhemmung. Würden wir Menschen eine fremde Zivilisation im Kosmos besuchen, kämen wir in friedlicher Absicht. Und das sogar, obwohl wir dank Atomwaffen schon nahe dran waren, uns auszurotten. Daß dies dennoch nicht geschah, kann bedeuten, daß die Ratio und Vernunft der Männer an den Schalthebeln trotz allem etwas weiter entwickelt war als die vergleichbarer Machthaber etwa in der Antike. Wie gesagt, wissen wir schon aus der Zoologie, daß nicht einmal Kultur und Moral erforderlich sind, um sich einigermaßen wohl zu verhalten. Raubtiere quälen ihre Beute nicht unnötig und Rangkämpfe enden abrupt, sobald ein Kontrahent eine Unterwerfungsgeste ausgibt. Religionen waren ein fataler Irrweg auf der Suche des Menschen nach dem perfekten Wohlverhalten. Gerade im Namen der Moral wurden noch die größten Verbrechen verübt. Würde eine Zivilisation, die die Unterwerfung aller Ungläubigen fordert, oder aber deren Tod, jemals in der Lage sein, ein fremdes Sternsystem aufzusuchen? Daß dies nicht geschehen kann, bin ich guter Dinge. Weil Wahnsinn und ein langes Überleben einander ausschließen. Und so auch eine lange friedliche Entwicklung zu großer technologischer Reife vereiteln.
  • Scheinlösung Multiversumtheorie

    31.10.2011, Ingo Mehling, Frankfurt
    Der Autor hat sehr klar das eigentliche Dilemma der Stringtheorie beschrieben: Eine Theorie, in der alles möglich ist, erklärt im Grunde genommen überhaupt nichts.

    Die Multiversumtheorie in ihrer erweiterten Form versucht sich daraus zu befreien, indem sie postuliert, dass alles, was die Stringtheorie ermöglicht, auch tatsächlich existiert, selbst wenn es nicht beobachtbar ist. Das hat dann aber nichts mehr mit Naturwissenschaften zu tun, denn die beschäftigen sich aus gutem Grund nur mit beobachtbaren Sachverhalten: Ein Wissenschaftsverständnis, das theoretischen Spekulationen eine eigene Realität einräumt, hat schon seit den Zeiten von Platon und Aristoteles nur zu Unsinn geführt.

    Deswegen sollten wir auch endlich zugeben, dass unser theoretisches Verständnis der Entwicklung des Universums noch unzureichend ist und uns auf die Suche nach einer besseren Lösung machen. Scheinlösungen wie die Multiversumtheorie halten uns nur davon ab, das zu tun.
  • Sauber informiert und analysiert

    28.10.2011, Wolfgang Fischer, Schlägl (Österreich)
    Sehr gut geschrieben (= informiert und analysiert), Herr Michael Springer!
  • Akademische und wirkliche Frage

    28.10.2011, Dr. Ralf-Gerald Abitz, Berlin
    Die Überlegungen über die Welt jenseits unseres kosmischen Horizonts erinnern mich an das Rezept Wilhelm Ostwalds, eine wirkliche Frage von einer akademischen Frage zu unterscheiden: Man denke sich die Antwort in dem einen oder anderen Sinn gegeben und prüfe, ob dies einen Unterschied mache. Sind also die Straßen jenseits des Welthorizonts mit Zucker bestreut?