Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Hirnphysiologische Vorgänge sind nicht determinierbar

    02.03.2011, Wolfgang Gorisch, München
    Willensfreiheit, Handlungsverantwortung und Gewissen des einzelnen Bürgers sind sowohl Prämissen als auch Forderungen unserer offenen Gesellschaft. Sowohl die demokratisch bestimmten Gesetze als auch deren geregelte Durchsetzung sind sehr hohe gesellschaftliche Güter. Es muss deshalb kritisch hinterfragt werden, ob es sich bei der willensfreiheitsnegierenden Determiniertheitsthese, die derzeit durch die Blätter rauscht, nicht vielleicht um eine irrige szientistische Idee, wenn nicht sogar um eine Ideologie handelt. Dieser notwendigen Untersuchung gibt Pauen leider nicht den gebührenden Raum.

    Die Verfechter der Determiniertheitsthese müssen sich fragen lassen, welche Widerlegung sie denn akzeptieren würden. Es ist sogar zu fragen, ob sich diese These überhaupt widerlegen lässt. Ließe sie sich nicht widerlegen, dann hätte die hirnphysiologisch begründete Determiniertheitsthese weder für die Hirnforschung noch gesellschaftswissenschaftlich irgendeine Relevanz. Die philosophische Erörterung baute dann auf Meinung auf und nicht auf empirischen Fakten.

    Die Behauptung, jeder bewussten Handlung entspräche ein materieller hirnphysiologischer Prozess, ist nicht gut zu widerlegen. Die anschließende, viel weitergehende Behauptung, das Gewissen oder der freie Wille an sich seien immateriell, gehirnphysiologisch in den bekannten neuronalen Aktivitätsschemata nicht zu verorten und deswegen per se nicht vorhanden, oder wenn vorhanden, dann als Illusion, gehört entweder in die Kategorie Gottesglauben oder ist, als wissenschaftliche Behauptung aufgefasst, jedenfalls nicht belegt. Ich weiß natürlich, dass die ideologische Position nicht zu erschüttern ist. Mein folgender Kommentar geht von der wissenschaftlichen, kritisierbaren Position aus.

    Die These von der Determiniertheit der hirnphysiologischer Vorgänge ist bis heute kein gesichertes wissenschaftliches Wissen. Zur Prüfung: Sucht man nach einer empirischen Methode, wie man die Determiniertheitshypothese überprüfen könnte, dann müsste man erheben, wie Menschen unter bestimmten gleichen Anfangsbedingungen handeln. Ergeben sich identische Handlungsweisen, dann könnte man auf Determiniertheit schließen. In der Tat gibt es eine Fülle psychologischer Forschungen zu Handlungsmaximen. Die Identität der Handlungen wurde jedoch nie überzeugend bewiesen. Schon bei wenigen Nachweisen von Handlungsvielfalt bei gleichen Anfangsbedingungen sähe es schlecht aus für die Determiniertheitsbehauptung.

    Hirnforscher erklären die Funktion des Gehirns letztlich mit biochemischen und biophysikalischen Gesetzen. Dieses reduktionistische Programm mag Erfolg versprechend sein, um manche Verhaltensweisen plausibel zu deuten, zugegeben. Es ist aber falsch, die prinzipielle hirnphysiologische Modellierbarkeit solcher Vorgänge mit Determiniertheit gleichzusetzen.

    Schon gar nicht die gesellschaftsrelevanten, nicht einmal die direkten Auswirkungen solcher hirnphysiologischen, letztlich physikalischen Vorgänge können je vorausbestimmt (determiniert) werden. Erstens verbietet die heisenbergsche Unschärferelation jegliche Voraussage im Einzelfall, selbst für ein einziges Elektron im Molekülverband (die eine Wellenfunktion, die geeignet sein soll, die Idee des Determinismus zu retten, ist meiner Meinung nach eine neuplatonische falsche Sichtweise). Zweitens verhalten sich rekursive, nichtlineare komplexe Systeme chaotisch. Das heißt, das Auftreten bestimmter makroskopischer Wirkungen ist in solchen Systemen nicht voraussagbar. Beim Gehirn handelt es sich nicht um ein einfaches System wie z.B. einen tropfenden Wasserhahn, der schon chaotisches Verhalten zeigt, sondern um eine vielfache Verschaltung von hundert Milliarden Nervenzellen. Ionenkanäle öffnen und schließen sich. Schwärme von Ladungsträgern werden periodisch ausgetauscht, triggern und behindern solchen Austausch an anderer Stelle. Zahllose Leitungsbahnen verbinden das Gehirn mit Millionen Sinneszellen. Zahllose Muskelzellen werden aktiviert oder gebremst. Das alles ist bekannt. Hier von Determiniertheit zu sprechen, halte ich schon für recht ‚mutig’.

    Insofern sieht das Gehirn eher wie ein extrem erratisches System aus. Jedoch: Faktisch ist das Gehirn nicht erratisch, denn offenbar sind seine körperlichen Auswirkungen bei Weitem nicht beliebig, der Mensch ‚flimmert’ nicht. Also: Wie hat es die Evolution geschafft, die jederzeit fast unendlich vielen möglichen individuellen Handlungsvarianten auf sinnvolles, vielleicht sogar intelligentes, problemlösendes Handeln so einzuschränken, dass das Überleben des Individuums und letztlich die Weitergabe der Gene möglich ist? In Wirklichkeit geht es meiner Auffassung nach also nicht um positive handlungsdeterminierenden Regeln oder Abläufe im Gehirn, sondern um seine negativen Diskriminierungsstrategien oder Mechanismen, welche die fast unendlich vielen Handlungsvarianten aussieben, so dass zu jedem Zeitpunkt ein einziges Handlungskonzept übrig bleibt, nämlich dasjenige, das momentan zur Wirkung kommt.

    Viele Wissenschaftler akzeptieren das Emergenzprinzip. Dieses besagt, dass komplexe Systeme in der Lage sind, neue überraschende, d.h. vorher unbekannte und aus den Systemregeln nicht ableitbare Effekte oder Phänomene entstehen zu lassen (z.B. Geld und Vertragsrecht in Handel treibenden Gesellschaften). Eine wichtige emergente Eigenschaft des Gehirns ist der Einbezug von Metaebenen in dessen Abbildungsleistung. Dazu gehören die Ich-Wahrnehmung als denkendes Wesen und als Körper, die Abstraktionsfähigkeit, das Lernen, das das Ich einbezieht, die Fähigkeit zur Entwicklung von Theorien einschließlich der Theorien über den Menschen und sein Gehirn, die Kreativität im Allgemeinen, die Empathiefähigkeit, das Gewissen, d.h. die Reflexion und Wertung der eigenen Handlung, die Möglichkeit, in abstrakten Begriffen zu denken, von denen der Wahrheitsbegriff vielleicht einer der abstraktesten ist, zu denen aber auch Begriffe gehören wie Ehre, Moral, Recht, Gerechtigkeit, Strafe usw., nicht zu vergessen die ganze Welt von Hemmungen und Antrieben. Selbstverständlich dann auch die Verschmelzung all dessen zum freien Willen, unter Einbezug und Bewertung von äußeren und inneren Beschränkungen, das alles unter dem Einfluss von unbewussten und bewussten Gefühlen. Die Möglichkeit, dass im menschlichen Gehirn Raum ist für die emergente Fähigkeit zur Selbstbestimmung ist nach meiner Meinung sehr viel plausibler als die willkürliche und durch nichts belegte Negierung dieser Möglichkeit.

    Dem Gedanken, dass das Gehirn in der Lage ist, mehrere Metaebenen zugleich zu verarbeiten folgt konsequenterweise der Gedanke, dass sich die Handlungssteuerung ebenfalls auf mehreren Ebenen gleichzeitig abspielt, von der Expression des Willens bis hinunter zur Muskelzell-Enervierung.

    Die Determiniertheitshypothese stellt sich mir letztlich nur als eine grob simplifizierende Vorstellung dar, wonach die menschliche Handlung nichts anderes ist als das Resultat einer mechanistisch bestimmten linearen Reiz-Wirkungs-Kette des Großhirns. Weder berücksichtigt sie die prinzipielle Nichtdeterminiertheit dieser Vorgänge überhaupt, noch gibt sie den reflexiven und emergenten Eigenschaften des hochkomplexen Systems Gehirn den Platz, den sie verdienen. Deren philosophische Behandlung im vorliegenden Text greift deshalb bezüglich der Selbstbestimmung viel zu kurz, sogar ohne überhaupt Nennenswertes zu diesem Begriff auszusagen. Es überrascht dann auch nicht, dass Pauen in den zwei letzten Abschnitten dieses Artikels („Halten wir also fest: …“) außer Gemeinplätzen zur Selbstbestimmung nichts wirklich Interessantes festhält. Enttäuschend.
  • ...wie in den Niederlanden, so in Schweden

    02.03.2011, Uwe Zimmermann, Uppsala
    ...abgesehen davon, daß Doktortitel im Ausland in der Regel nicht Bestandteil des Namens werden, und z.B. nicht als schmückendes Beiwerk im Pass auftauchen, so überwiegt wohl die Heranziehung externer Gutachter.

    Hier in Schweden gibt es mit dem Doktortitel keine Schulnoten (auch nicht auf Latein). Der Doktor allein zeigt, daß man etwas selbständig erarbeitet hat. Naturwissenschaftliche Dissertationen bestehen in der Regel aus einer vergleichsweise kurzen Einführung (ca. 100 Seiten), gefolgt von 5-10 beigefügten Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften und Konferenzen, die also bereits zuvor durch externe und unabhängige Stellen begutachtet worden sind.

    Abgeschlossen wird die Promotion durch eine Disputation vor einem externen Opponenten, der die Arbeit vor einem öffentlichen Publikum im Dialog mit dem werdenden Doktor durchgeht, der aber selbst kein Stimmrecht besitzt. Auch der Betreuer oder Professor des Doktoranden hat keinen direkten Einfluß, stattdessen wird über Werden oder Nichtwerden des Doktors durch eine Kommission aus 3-5 Gutachtern unterschiedlicher Herkunft - vor allem nicht aus derselben Arbeitsgruppe - entschieden. Und hier gilt einzig und allein das Urteil "Bestanden" oder "Durchgefallen".

    Letzteres kommt wohl außerordentlich selten vor, weil man die Kommission und den Opponenten erst dann einlädt, wenn man sich der Qualität der Doktorarbeit schon recht sicher ist.

    Uwe Zimmermann, Uppsala
  • Schaden für die Wissenschaft

    02.03.2011, Dr. H. Ullrich
    Berechtigt zeigt sich die Gemeinschaft der Wissenschaftler bestürzt über die Art und Weise, wie einige Zeitgenossen zu ihren akademischen Weihen gelangen.

    Aber genauso entzetzt sollten wir sein, wenn wir solch enstellende Überschriften lesen, die dem spannenden Befund einer Korrelation der Zapfenanordnung auf der menschlichen Netzhaut und den lokalen Lichtverhältnissen vorangestellt wurde: "Afrikas Licht beeinflusste unsere Augenevolution".

    Die Autoren in PLoS beschreiben einen Tatbestand, wie er sich aktuell vorfindet und nicht im geringsten, wie es zu diesem gekommen ist. Erst wenn Letzteres geklärt ist, sollte man die hier leider auch nur als plakativ zu wertende Überschrift dem geneigten Leser anbieten.

    Man kann der Wissenschaft nicht nur durch falsche Titel sondern u.a. auch durch ungedeckte Überschriften schaden.
  • Endlich eine Erklärung!

    02.03.2011, Hugo Bender, Edegem, Belgien
    Mit viel Vergnügen habe ich diesen Artikel gelesen. Am 19. September 2007 fotografierte ich selbst einen Eiszapfen in der Nähe des Maessersee im schweizerischen Wallis (siehe Bild). So etwas hatte ich vorher nie gesehen. In unserer Mineralienzeitschrift "Geonieuws" (Ausgabe 33(6), Juni 2008, www.minerant.org), die der Mineralogische Kring Antwerpen herausgibt, hatte ich das Foto veröffentlicht (auf der letzten Seite). Damals hatte ich mich gewundert, wie so ein Gebilde wachsen kann - in einem kleinen Wasserbecken auf einem Stein inmitten einer Wiese nach nur einer kalten Nacht!

    Jetzt konnte ich die Erklärung lesen, vielen Dank dafür!

  • Nach oben wachsender Eiszapfen

    02.03.2011, Dr. Helen Wider, Wettingen, Schweiz
    Vor rund zwei Wochen habe ich auch einen Eiszapfen beobachten können, der gegen oben wuchs. Er wuchs aus einer gelochten Abdeckung eines Pfostens heraus. Da ich nur ein Handy bei mir hatte, ist die Bildqualität begrenzt.

  • Software und Hardware des menschlichen Geistes

    02.03.2011, Paul Kalbhen, Gummersbach
    Wenn Albert Newen behauptet: "Der Geist ist untrennbar an Materie gebunden und seine Existenz unabhängig vom Körper eine pure Fiktion", so meint er damit doch nichts anderes, als dass die "Software" des menschlichen Geistes in der "Hardware" des menschlichen Gehirns fixiert ist. Doch wo bleibt dann Platz für einen eventuellen "informationstechnischen" Hintergrund, nämlich die Intelligenz des Progammierers?
  • Bei Gärtnern seit Urzeiten bekannt

    02.03.2011, Ernst Schwemmer, Heidelberg
    Der Verfasser schreibt: "Auch Untersuchungen der in Deutschland verbreiteten Regenwurmart Lumbricus terrestris wären noch wünschenswert." Ich halte sie aber für überflüssig, denn alles was der Autor herausgefunden hat, ist bei uns den Gärtnern und Anglern seit Urzeiten bekannt.

    Zwei Möglichkeiten sind noch nicht genannt. Das Herausziehen von kleinen Unkräutern mit ihren Wurzeln zwischen den ausgesäten Kulturpflanzen veranlasst die Würmer ebenfalls schnell an die Oberfläche zu kommen. Angler dagegen benutzen zwei Eisenstäbe und eine Autobatterie, eine sehr gefährliche Methode, schnell viele Regenwürmer zu sammeln!
  • Wer bin ich? – Lückenhaft

    02.03.2011, Kinseher Richard, Kelheim
    Der Beitrag ´Wer bin ich?´ ist hervorragend geschrieben geht aber leider nicht auf wichtige Fragen ein:
    Wie lange dauert ein Ich? Wodurch entsteht das Gefühl einer dynamischen Kontinuität des Ich-Gefühles?

    Hier lohnt es sich, im Buch ´Grundlagen tibetischer Mystik, (von Lama Anagarika Govinda, Fischer Taschenbuch, Ausgabe August 1975) nach zu lesen: Darin wird die Idee eines Ichs als Illusion betrachtet, da (Zitat:) "... dass die Lebensdauer eines Lebewesens genau genommen nicht länger sei als die Dauer eines Gedankens".

    Die dynamische Natur, welche das Gefühl einer anhaltenden Ich-Kontinuität erzeugt, entsteht demnach erst dadurch, dass dauernd (im Gedächtnis gespeicherte) Erfahrungen (als Abfolge von Gedanken) bei Bedarf ins Wachbewusstsein treten.
  • Im Ausland inspirieren lassen

    02.03.2011, Stephan Schleim, Groningen
    An unserer Universität (Groningen, Niederlande), beruft der Betreuer ("Promoter") eine Promotionskommission ein, die die Arbeit prüft. Geht es um die Verleihung des Prädikats (hier schlicht "cum laude"), muss sogar eine zweite Kommission eingeschaltet werden. Ich denke, das ist in den Niederlanden so üblich. Die Arbeit muss daraufhin übrigens nicht erst publiziert werden; nach der Verteidigung wird sofort die Urkunde verliehen.

    Ein Kollege aus Großbritannien erzählte mir, an ihrer Universität seien akademischer Arbeitgeber und Gutachter der Promotion nicht identisch.

    Natürlich kann es sehr schön sein, von jemandem promoviert zu werden, mit dem man lange zusammen gearbeitet hat. Im Fall zu Guttenbergs hat das persönliche Betreuungsverhältnis aber wohl dazu geführt, dass die Arbeit nicht kritisch genug untersucht wurde. Auch für den Doktoranden kann es im Konfliktfall unangenehm werden, von Chef und Doktorvater/-mutter in Personalunion abhängig zu sein.

    Mein Eindruck ist übrigens, dass die Promotion gerade auch in den Naturwissenschaften mehr und mehr zu einer bloßen Formalität wird. Die kumulative Zusammenstellung mehrerer Arbeiten von mehreren Autoren kommt der Publikationspraxis in Journals entgegen; die Doktorarbeit ist dann aber nicht mehr das eine große Werk eines jungen Forschenden, das es einmal war. Wenn in der zukünftigen akademischen Laufbahn der Doktorgrad selbst keine Rolle mehr spielt, sondern man nur anhand seiner akademischen Vita (Publikationen, Drittmittel, Lehre, …) bewertet wird, dann verändert sich der Charakter der Promotion vielleicht zunehmend. Welche Rolle spielt sie dann noch?
  • Ein dummer Kommentar

    02.03.2011, Prof. Dr. Gilbert Brands
    mit einer Reihe von Fehlern. Einen Doktortitel kann man beispielsweise nicht zurückgeben, der kann nur aberkannt werden. Und dass Sie ausgerechnet "guttenplag" zitieren, beweist, dass Sie sich oberflächlicher mit der Sache beschäftigt haben als angeblich Guttenberg mit seiner Dissertation. Nach dem, was dort alles als Plagiat angeprangert wird, hätte G. seinen Doktortitel vermutlich erst recht verdient, denn das zusammenzusuchen und nicht zu zitieren wäre noch komplizierter als eine eigene Arbeit. Und bei den offensichtlichen Plagiaten sollten Sie sich auch einmal die Frage stellen, wie oft es Ihnen selbst passiert, dass Sie unbewusst aus Gelesenem oder Gehörtem zitieren, ohne dass Ihnen dies direkt bewusst ist, oder in einem Gespräch mit "das passt, darf ich das verwenden?" reagieren, ohne zu wissen, dass der andere auch nur zitiert hat.

    Seien wir ehrlich: Guttenberg ist vorzugsweise medial erfolgreich gelyncht worden, das Bltzverfahren an der Universität Bayreuth eingeschlossen (ich hätte große Lust, hierzu ein Verwaltungsgerichtsverfahren wegen Prüfungsfälschung einzuleiten). Trotzdem herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Brands,



    den Doktortitel kann man tatsächlich nicht zurückgeben - deshalb haben wir das Wort nachträglich in Anführungszeichen gesetzt. Es bezog sich auf die Aussage von zu Guttenberg, dass er seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen wolle.



    Mit freundlichen Grüßen



    Die Redaktion
  • Es trifft alle

    02.03.2011, Michael Kühnapfel
    Sehr geehrte Herren, ich kann ihren Kommentar nur gutheißen, vielen Dank. Sowohl die Konsequenzen, die Guttenberg ziehen musste, als auch die jetzt nötige Selbstkritik der Wissenschaft (denn so, wie Guttenberg sich äußerte, war der Doktortitel für ihn nur Accessoire, die Doktorarbeit nur ein notwendige Formalität dafür). In einem Land wie Deutschland, in der Bildungs- und Akademikerfeindlichkeit so tief verwurzelt sind, ein Betrug mit weit reichenden Folgen: Auf der diesjährigen Didacta war die häufigste Bemerkung nach Lesen meines Namensschildes: "Na, haben Sie sich denn den Doktor ehrlich verdient?".
  • Doktortitel

    01.03.2011, Neumann, Konstanz
    "Die Doktorarbeit soll dem wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn und Fortschritt dienen und weniger der Profilierung Einzelner". Zu diesem Zitat hätte ich doch ein paar Anmerkungen: Wenn es der Wissenschaft beim Doktortitel um Erkenntnisgewinn und Wissenschaft geht, wieso geht es dann "weniger" um Profilierung und nicht "garnicht". Und wieso dürfen dann nicht alle Akademiker mit erfolgreichem Abschluss die Möglichkeit haben, mit einer wissenschaftlichen Doktorarbeit zu dem Erkenntnisgewinn in der Wissenschaft beizutragen, sondern nur "Auserwählte"? Dann hätte jeder Akademiker eine Chance, einen Doktortitel zu erwerben, wenn er eine gute wissenschaftliche Arbeit abliefert.

    Tatsache ist doch auch, dass viele nur deshalb den "Doktor" machen, weil das Berufsbild in der Gesellschaft das fordert (z.B. Medizin) oder weil der Dr. karriere- und damit einkommensfördernd ist. Vielen Doktorarbeiten kommt zudem nur ein sehr begrenzter wissenschaftlicher Wert und faktisch kein praktischer Wert zu. Sie werden geschrieben und nie mehr von irgendjemand gebraucht oder auch nur angeschaut. Zusammengefasst: Es muss nicht strenger kontrolliert werden, wer zur Dokorarbeit zugelassen wird, sondern was abgeliefert wird.

    Ich glaube auch nicht, dass die Affäre Guttenberg Grund für einen zukünftig verschärften Ingenieursmangel ist, sondern viel mehr der Umstand, dass im Kindergarten und an der Schule alles mögliche unterrichtet wird, von Malen über Theater bis Häkeln, aber Physik, Chemie, Astronomie etc. viel zu spät den Kindern nähergebracht werden, und zwar deshalb, weil die mehrheitlich weiblichen Erzieherinnen und Lehrerinnen in Kindergarten und Grundschule zu oft selbst kein Interesse daran und zudem noch öfter "keinen Plan" von diesen Themen haben.
  • "Hochstapelei"

    01.03.2011, Heinrich Badhofer, Steyr (Österreich)
    Die Doktorarbeit ist das Grundwesen eines Doktortitels.
    "Doktor" wird man ja nicht durch ein Studium oder sonstige Bemühungen, Doktor wird man einzig und allein durch die Doktorarbeit. Eine gefälschte Doktorarbeit ergibt einen falschen Doktortitel und man fällt damit unter "Hochstapelei"
  • Forschung ohne Tierversuche

    01.03.2011, Antonietta Tumminello, 47167 Duisburg
    Allein in der Bundesrepublik Deutschland sterben jährlich noch immer mehrere Millionen Tiere im Namen der Wissenschaft. Dass man von den aus Tierversuchen gewonnenen Ergebnissen nicht auf die Wirkung beim Menschen schließen kann, ist inzwischen bekannt. Für Hamster ist leckere Petersilie tödlich, Meerschweinchen sterben an dem für uns lebensrettenden Penicillin, Schafe können Unmengen des Nervengifts Arsen vertilgen – wie will man da wissen, welches im Tierversuch gewonnene Ergebnis auf den Menschen übertragbar ist und welches nicht?
  • Bequemlichkeit der Forscher

    28.02.2011, Dr. rer.nat. Manfred Schweizer
    Sie tun ja so, als wären Tierversuche in irgendeiner Form zu rechtfertigen und nur das Publikum müsste richtig aufgeklärt werden! Meines Erachtens ist aber immer noch der größte Teil der Tierversuche der Bequemlichkeit der Forscherkollegen geschuldet. Wer verschwendet denn tatsächlich einen Gedanken daran, wie Tierversuche reduziert werden könnten? Das läuft doch immer nach dem Motto: Haben wir immer so gemacht.
    Mit dieser antiquierten Einstellung wird doch nur verhindert, dass Alternativmethoden zu Tierversuchen stärker erforscht werden.