Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Was ist daran rätselhaft?

    07.07.2016, Gunter Berauer, München
    Neutronen sind zwar elektrisch neutral, sie haben aber, so steht es ja auch im letzten Absatz des Beitrags, „bestimmte magnetische Eigenschaften“. Dann wird ihr Verhalten aber auch ganz sicher beim Flug durch ein Feld (egal ob es ein elektrisches oder magnetisches ist) beeinflusst, was bei der Flaschenfalle nicht passiert. Diese unterschiedliche Behandlung der Neutronen könnte sich ja vielleicht auch direkt oder indirekt auf ihre Zerfallsrate auswirken (zumindest wäre das vielleicht eine Idee). Sicher gibt es noch andere Unterschiede zwischen den beiden Messmethoden, die der Leser nicht erfährt, die aber auch einen Einfluss auf das Messergebnis haben könnten. Ganz sicher sind ja wohl auch die Geschwindigkeiten der Neutronen in beiden Versuchen deutlich verschieden.

    Dass die beiden Methoden zu verschiedenen Ergebnissen führen, wundert mich gar nicht. Mich würde es vielmehr sehr wundern, wenn die doch sehr unterschiedlichen Messmethoden das gleiche Ergebnis liefern würden. Und zwar allein schon deshalb, weil nach der Quantenmechanik Objekte bestimmte Eigenschaften ja gar nicht an sich d.h. a priori besitzen, sondern diese erst durch eine Messung oder allgemein durch eine Wechselwirkung hervorgebracht, d.h. erzeugt oder festgelegt werden, wobei die Art und Weise der Wechselwirkung, entscheidend das bestimmt, was sich zeigt (hier befinde ich mich übrigens in guter Übereinstimmung mit Professor Zeilinger in Wien). Es ist davon auszugehen, dass dies auch für die Eigenschaft der mittlere Lebensdauer eines Neutrons gilt. Man kann deshalb auch vermuten, dass es gar keine feste mittlere Lebensdauer eines Neutrons gibt (wie eben auch keine andere feste Eigenschaft im Mikrokosmos). Sie ist offensichtlich je nach Situation eine andere.

    In dem Zusammenhang sei auf das so genannte „Rätsel“ des Protonenradius hingewiesen, wobei man im myonischen Wasserstoffatom den einen und im normalen Wasserstoffatom einen deutlich anderen Protonenradius gemessen und sich darüber gewundert hatte. Wundern braucht man sich darüber nicht, denn beide Werte sind vermutlich richtig.

    Weil es (nach der Quantenmechanik) eine Welt an sich gar nicht gibt, präsentiert sich ein bestimmter Teil der Welt eben unterschiedlich: Je nach Umfeld, in dem er sich befindet, aber auch abhängig davon, wie man hinschaut, weil der oder das Hinschauende ja auch zum Umfeld gehört. Ich hatte geglaubt, dass sich das mittlerweile zumindest unter den Physikern herumgesprochen hat.

    Hier noch eine einfache Erklärung für die Differenz der Messwerte: Ein im Atomkern stark gebundenes Neutron lebt praktisch ewig und ein völlig freies etwa 15 Minuten. In Zwischenzuständen schwacher Bindungen sollte seine Lebensdauer dann doch wohl auch zwischen diesen beiden Werten liegen. Im Flaschenexperiment sind, soweit ich das Experiment verstehe, die Neutronen praktisch gar nicht gebunden. Im Teilchenstrahl sind sie aber im elektromagnetischen Feld zumindest schwach gebunden. Und damit ist zu erwarten, dass die Neutronen in der Umwelt des Teilchenstrahls auch eine etwas längere Lebensdauer haben als in der Flasche, was ja auch so gemessen wurde. Also noch einmal: Was ist daran rätselhaft?
  • Zur Theodizee

    07.07.2016, Paul Kalbhen
    Vor Leibniz haben sich u. a. die Kirchenväter Augustinus (um 400 n. Chr.) und Thomas von Aquin (um 1250 n. Chr.) mit der "Theodizee", der Rechtfertigung Gottes angesichts des Bösen und des Leides in der Welt, also der Frage nach der Gerechtigkeit eines gütigen und liebenden Schöpfergottes befasst. Die für mich "katastrophale" Auffassung des Augustinus, dass Gott das Böse um des Guten willen zulasse – damit das Gute deutlicher hervortrete –, wurde durch Thomas von Aquin mit dem Argument widerlegt, dass nichts für gut zu erachten sei, außer es entspreche der Idee "gut" durch sich selbst. Denn Gott ist Güte – "Gutheit" – jenseits des Bösen: Deus caritas est; Gott ist Liebe und Allgüte "durch sich selbst".
    Für mich persönlich ist eine Deutung des "irrsinnigen" Leides nur über die Freiheit – Freiheitsgrade – gegeben, die Gott grundsätzlich Mensch, Natur und Kosmos zugesteht und die auch das "Bösartige" wirken und wuchern lässt.
  • Pioniere des Unterwasserkabels

    07.07.2016, Friedrich Leymann, Oldenburg
    Ergänzend zum Artikel:
    1. Guttaperchaumpresste Kabel verwendete Werner von Siemens schon seit 1846 und gilt seit 1847 als deren Erfinder. Nachzulesen in seinen „Lebenserinnerungen“ (Julius von Springer, Berlin 1988, 13. Auflage, S. 81)
    2. In der gleichen Quelle wird schildert, welche Erfahrungen von Siemens mit der Konstruktion und Verlegung von Unterwassertelegrafiekabeln lange vor der im Artikel beschriebenen Atlantikverlegung bereits machte und welche erfolgreichen Lösungen er fand und anwendete.
    Ihrem Artikel ist leider nicht zu entnehmen, wie bei der dort erwähnten Kabelverlegung verfahren wurde. Ein Vergleich wäre interessant.
  • na klar

    07.07.2016, Fritz Kronberg
    "Würden viele Menschen eine solche experimentelle Therapie gegen das "Altern ab 40" fordern? "
    Ich für mich auf jeden Fall. Was natürlich nicht geht, wäre, das verpflichtend zu machen.
  • Eine Frage der Verantwortung

    07.07.2016, Dr. Axel Cholewa
    "Wir produzieren ständig selbst neue Daten durch Suchanfragen, Surfverhalten, Kreditkartenbenutzung."
    Dies ist meiner Meinung nach eine falsche Sichtweise, denn das hieße ja, dass wir auch Daten produzieren, wenn wir daheim von der Küche ins Bad laufen.
    Es sind aber nicht die Verbraucher, die die Daten produzieren, sondern diejenigen, die die Daten aufzeichnen. Baut jemand eine Kamera in mein Eigenheim, ist er derjenige, der die Daten produziert, der meinen Gang von der Küche ins Bad dokumentiert.
    Demnach ist es eben nicht die Verantwortung des Verbrauchers, weniger Daten zu produzieren, sondern die Verantwortung der Aufzeichner - Google, Apple, Amazon etc. Die werden natürlich freiwillig nicht auf die Daten verzichten.
    Da ich möchte, dass weniger Daten über mich produziert werden, und ich überdies denke, dass es für die Gesellschaft insgesamt besser wäre, wenn weniger Daten produziert würden, möchte ich, dass die Politik auf die großen Datenproduzenten einwirkt, die Datenaufzeichnungen selbst einzuschränken.
  • Altern ist keine Krankheit sondern notwendig

    06.07.2016, Ralph Fischer
    Praktisch alle langlebigen Lebewesen ohne natürliche Feinde haben eine eingebaute Zeitbegrenzung.

    Was wir persönlich als lästig und unfair erleben ist ganz entscheidend für das Überleben der Art.

    Wenn Methusalems unbegrenzt lange die Ressourcen der nächsten oder gar übernächsten Generation Verbrauchen, ist der Untergang vorprogrammiert
  • Zeitdilatation im Teilchenstrahl?

    06.07.2016, Daniel Högerl
    Vielen Dank für diesen erleuchtenden Artikel! Es zeigt sich wiedereinmal, dass man auch auf Gebieten noch dazu lernen kann, wo man landläufig von bereits gesichertem Wissen ausgeht. Es wird im Artikel nicht explizit erwähnt, aber nachdem bei dem Experiment mit den Teilchenstrahlen von energiereichen Strahlen die Rede ist, gehe ich davon aus, dass bei der Zeitmessung auch die von Einsteins Spezieller Relativitätstheorie vorhergesagte Zeitdilatation berücksichtigt wurde. Liege ich da richtig?
    Antwort der Redaktion:
    Die Neutronen sind (freilich nicht nach menschlichen Maßstäben, aber im Vergleich zur Lichtgeschwindigkeit) derart langsam, dass relativistische Effekte hier keine bedeutsame Rolle spielen - erst recht keine, die den Unterschied erklären könnte.
  • Wally hat's gewusst.

    06.07.2016, Konrad Lehmann
    Auf der Dilbert-Netzseite hat Scott Adams in der letzten oder vorletzten Woche eine Serie von Comics veröffentlicht, in der Wally (der völlig nutzlose Kollege von Dilbert) vom spitzhaarigen Boss den Auftrag erhält, eine Maschine mit künstlicher Intelligenz zu erschaffen. Als Lösung bringt er daraufhin einen Holzklotz an.
    Wann immer jemand dem Holzklotz eine Frage stellt, sagt Wally: "Er ist nicht in der Laune zu antworten." Und stets ist der Gesprächspartner verblüfft, wie menschenähnlich Wallys Erfindung doch ist.
  • Schreibfehler?

    06.07.2016, H.-D.Steinhöfer
    "Kristallinformationen" im Abstract soll doch wohl "Kristallformationen" heißen, oder?
    Antwort der Redaktion:
    Nein, denn der Begriff leitet sich vom geologischen Fachbegriff "Kristallin" ab: https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallin

    Siehe auch diese Seite der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Endlagerstandorte/endlagerstandorte_node.html
  • Bienenharz lässt Haare schneller wachsen

    06.07.2016, Anja
    Die im Artikel genannten Versuche wurden mit der grünen Propolis aus Brasilien gemacht, denn nur diese Propolis enthält Artepillin C. Auf eben diesen Inhaltsstoff sind die Erfolge in Bezug auf Haarausfall zurückzuführen.
  • ..Informationen oder ..formationen?

    06.07.2016, Udo Onnen-Weber
    Heißt das wirklich Salz-, Ton oder Kristallinformationen und nicht ...-formationen?
    Antwort der Redaktion:
    Ja, denn der Begriff leitet sich vom geologischen Fachbegriff "Kristallin" ab: https://de.wikipedia.org/wiki/Kristallin

    Siehe auch diese Seite der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): http://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Endlagerung/Endlagerstandorte/endlagerstandorte_node.html
  • Aberglaube 2.0

    06.07.2016, Detlef Kroll
    Kaffeesatz lesen, Sterne deuten, so versuchte man bisher, durch Mustererkennung in die Zukunft zu blicken. Heute versucht man dasselbe mit Computern. Als aufgeklärte Menschen wissen wir, dass sich die Zukunft nicht vorhersagen lässt.

    Abergläubische Menschen projezieren hier ihre Ängste und Sehnsüchte auf eine Technologie und Mathematik, die sie nicht verstehen. Dagegen hilft nur Schulunterricht und Aufklärung.

    Wenn aber genug daran glauben und beispielsweise ihre Aktienkäufe danach ausrichten, könnte es sogar funktionieren. Das nennt man dann Selbsterfüllende Prophezeiung.

  • Alles vergebliche Liebesmüh'

    05.07.2016, Jakob A.
    Wie so oft könnte man sehr viel Zeit und Geld sparen, würde man einfach einen Mathematiker fragen. Dem würde nur ein einziges Wort genügen: "Nicht-Linearität".
    Mit der Zeit werden Verbrecher, insbesondere diejenigen die planen, sich an Predictive Policing anpassen, dort einbrechen wo es "unwahrscheinlich" ist, zum Beispiel. Somit wären die ganzen Systeme hinfällig und müssten neu gestaltet werden. Die Verbrecher werden ihr Verhalten wiederum anpassen, und so weiter und so fort. Solche Systeme sind schlichtweg unmöglich.
  • Schlechte Formel

    05.07.2016, Ulrich Heemann
    Dass die Wahrscheinlichkeit invers proportional zur Größe des Bakteriums(!!) sein soll, ist schlechterdings purer Unsinn. Ein fertiges Bakterium als Basis zu nehmen, ist geradezu absurd. Und die Größe Pa sollte auch in diesem Kurzbericht schon etwas genauer definiert werden, um überhaupt zu verstehen, was sie aussagen soll. Nimmt man die genannten Zahlen, so ergibt sich die Wahrscheinlichkeit für Leben als 1E-6 oder 1E-12 pro 1 Milliarden Jahren mal der Zeit. Setzt man nun großzügig 1 Milliarde Jahre für die Zeit an, so ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit von 1E-6 oder 1E-12.
    Toll!
    Man sollte nicht jeden Unsinn weiterreichen, der veröffentlicht wird.
  • Rechnen für Anfänger

    05.07.2016, Hermine Loidolt
    Nimmt man die Aussage der Autroren ernst dass sich in 10 Jahren die Datenmenge alle 12 Stunden verdoppeln wird so kommt man zu dem Ergebnis (einfaches nachrechnen) dass nach etwa einem weiteren Jahr die gespeicherte Datenmenge weit höher ist als die angenommene Zahl der Atome im ganzen Universum.

    Spätestens an dem Punkt muss man den Artikel in seiner Seriosität in Frage stellen.