Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Inflation der Doktortitel

    25.02.2011, Uwe Zimmermann, Uppsala
    Warum sind eigentlich Doktortitel in Deutschland so wichtig? Warum muss ein Politiker einen Doktortitel haben, und dafür 7 Jahre lang neben seiner wirklichen Arbeit an einer Doktorarbeit schreiben, wenn er anschließend doch nichts mehr mit der Forschung zu tun hat? Warum brauchen Firmen Doktortitel als Aushängeschilder ihrer Chefetagen?

    Ich selbst habe meinen Doktortitel an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm erarbeitet, und bin seither auch in der Forschung tätig. Da es sich um einen schwedischen Doktortitel handelt, ist dieser in Deutschland noch nicht einmal als Namensbestandteil akzeptiert - wie dies für einen deutschen Doktortitel der Fall wäre.

    Vermutlich hat sich Herr Guttenberg an dem allgemeinen Vorurteil orientiert, dass nach dem Ablegen einer Doktorarbeit, diese ohnehin nur in irgendwelchen Archiven verstaubt, ohne dass jemand sie wirklich lesen würde - geschweige denn, mit anderen Quellen vergleichen würde. So peinlich seine ersten Reaktionen waren, die Sache zu beschwichtigen, desto peinlicher muss die Sache für die Universität sein, die diesen Doktorgrad vergeben hat - zeigt es doch, wie "intensiv" sich Doktorvater und Gutachter mit der Arbeit auseinandergesetzt haben...
  • Uni Ulm: Keine Geisteswissenschaften = keine Plagiate

    25.02.2011, Maria Winter, Ulm
    Die ziemlich fragwürde Reaktion der Dekane der Uni Ulm auf die Guttenberg-Affaire: Den Mangel an Geisteswissenschaften zum Standort-Vorteil zu erklären.

    http://www.swp.de/852902

    Die Gegenargumente finden sich ja bereits zu einem großen Teil unter dem Absatz "Weiße Kittel, weiße Weste?".
  • Lehrer zu Unrecht am Pranger

    25.02.2011, Sepp Zimmermann 79682 Todtmoos
    Hallo Herr Könneker,

    in Ihrem Artikel schreiben Sie: "All dies wird kaum je erläutert, schon gar nicht in den Schulen, wo es in der Regel um das Lehren und Abfragen von "fertigem Wissen" geht".

    Wann waren Sie das letzte Mal in der Schule? Ich selbst arbeite seit 38 Jahren als Biologie- und Chemielehrer an einem Gymnasium. Mein ganzes Unterrichtsleben war davon dominiert, dass ich genau das mit meinen Schülern nicht mache, sondern Arbeitstechniken und Denkweisen der Naturwissenschaften eingeübt habe. Sehr viele meiner gleichalten Kollegen haben dies auch als Hauptthese über ihrem Unterricht stehen.

    Leider prangern Sie hier etwas an, was gar nicht mehr in den Schulen existiert sondern nur noch in den Köpfen von Journalisten, die angeblich über Schule Bescheid wissen.
    Dieser Kommentar in Bezug auf die Schule hat mich doch tief getroffen.

    Insgesamt bin ich aber täglicher Ticker- und leider nur monatlicher Spektrumleser. Ihre Arbeit ist für uns Lehrer sehr wichtig. Deshalb vielen Dank. Ich werde Ihnen deshalb auch die Entgleisung nachsehen, schon deshalb, weil ich diese von allen Seiten höre.

    Servus
    Sepp Zimmermann
  • Schlag ins Gesicht

    25.02.2011, Michael Krause
    Hallo Herr Könneker,
    in einem Punkt muss ich Ihnen widersprechen, auch in Schulen wird gelehrt wie Wissenschaftler "ticken". Nicht zuletzt müssen Schüler dies sogar "erfahren, indem sie beispielsweise eine sog. wissenschaftliche Arbeit - genannt Facharbeit anfertigen müssen.
    Umso mehr empfinde auch ich die Reaktionen auf Hr. von Guttenbergs Fehlverhalten als Schlag ins Gesicht. Denn wie will ich künftig meinen Schülern die Qualifikation verweigern, wenn sie nicht ordentlich zitieren. Bisher wurde es stets so an unserer Schule gehandhabt, dass Arbeiten, in denen Quellenangaben fehlten, mit ungenügend (6) bewertet wurden. Die Quellenangaben waren (und werden es hoffentlich auch in Zukunft sein) ein ganz wichtiges Kriterium für die Nachvollziehbarkeit der Argumentationen. Umso stärker erschüttert mich die "Bagatellisierung" des Verhaltens von Herrn Guttenberg.
    Es ist erfreulich, dass Sie diesem Thema so breiten und öffentlichen Raum einräumen.
    Viele Grüße,
    Michael Krause
  • In Zukunft wird es schwerer, geistigen Diebstahl zu begehen!

    24.02.2011, Joachim Datko, Regensburg
    Sicherlich hat der Skandal um zu Guttenberg die gute Seite, dass man in Zukunft Texte genauer auf Urheberrechtsverletzungen überprüft.

    Dafür wird es über kurz oder lang ausgefeilte Programme geben.

    Wissenschaftliche Arbeiten könnten dadurch massiv schrumpfen.

    Joachim Datko
  • Skepsis gegenüber Doktortiteln

    24.02.2011, S. Hänsgen
    Meine Lehre aus der Affäre um Guttenberg und seinem Plagiat, ist die Tatsache, dass ich in Zukunft Doktortitel gleich welcher Art mit großer Skepsis bewerten werde.

    Denn es scheint so, das auch hier in der Wissenschaft Lug und Trug (Plagiate, Dissertations- und Patentklau etc.) an der Tagesordnung, also Normalität, sind. Wissenschaftler sind auch nicht besser als normale Menschen und mit der Affäre Guttenberg hat die Wissenschaft einen guten Stacken an Respekt eingebüßt, ob nur bei meiner Person? Das wird sich in Zukunft zeigen...

    Generell beneide ich die Herren und Damen Doktoren und zukünftige Doktoranden in der kommenden Zeit nicht. Der ein oder andere wird sich nun wohl öfters folgende Frage anhören müssen: " Ghostwriter oder selbst kopiert?"

    Ein Schelm, wer böses dabei denkt!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte/r S. Hänsgen,



    diese Skepsis ist eine nachvollziehbare, aber auch bittere Reaktion. Bitter, weil Lug und Trug in der Wissenschaft eben nicht die Regel ist. Bitter, weil durch entsprechende schwarze Schafe all jene diskreditiert werden, die ihre Arbeit gewissenhaft machen. Und das ist, trotz teilweise wirklich schwieriger Umstände, sicher immer noch die Mehrheit. Sebastian Reusch hat einige Daten dazu in seinem Beitrag "Chronik einer Lächerlichkeit und Wissenschaftsethos" zusammengetragen.



    Ich halte es für unfair, nun alle angehenden und gestandenen Wissenschaftler unter Generalverdacht zu stellen. Und es macht mich umso wütender, mit welcher Abgebrühtheit so manches aktuelle wie vergangene schwarze Schaf noch immer präsent ist. Sie haben nicht allein den Schaden, sie schaden der Wissenschaft insgesamt. Und dafür gehören sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zur Rechenschaft gezogen. Ob das nun dem Wunschdenken der Durchschnittsbevölkerung entspricht oder nicht.



    In diesem Sinne: Schimpfen Sie auf die schwarzen Schafe, seien Sie mit gesundem Menschenverstand skeptisch - aber vertrauen Sie bitte trotzdem darauf, dass nicht jeder in der Wissenschaft ein Schurke ist :-)



    Mit besten Grüßen

    Antje Findeklee

    Redaktion spektrumdirekt
  • Eiszapfen

    24.02.2011, Manfred Uphoff, 65520 Bad Camberg
    Hallo Redaktion,

    am 10.1.2011 habe ich aufrecht stehende, bis zu 20 Zentimeter lange Eiszapfen auf meinem Garagendach fotografiert. Leider kann ich keine Fotos in dem Leserbrief mitschicken. Gibt es eine Erklärung für dieses Phänomen?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Uphoff,



    wird Ihr Garagendach von einem Baum oder einem anderen Dach überragt? Denn dann könnte diese Eiszapfen ähnlich entstanden sein wie Stalagmiten in einer Höhle: Die Wassertropfen fallen auf ihr Garagendach, wo sie gefrieren und nach oben wachsen, was aber nur in einem engen Temperaturfenster möglich sein dürfte.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Gehört Philosophie in Spektrum der Wissenschaft?

    24.02.2011, Helmut Fink, Erlangen
    Philosophie ist Geisteswissenschaft. Wer Wissenschaft nur im Sinne von "science" versteht, wird daher skeptisch sein. Doch konnten Naturwissenschaftler auch schon vor der neuen Spektrum-Serie den Mehrwert philosophischer Konzepte entdecken: Beispiele sind die Unterscheidung von Gründen und Ursachen (in Neurowissenschaft und Psychologie), das Ineinandergreifen von Funktionalerklärungen und Kausalmechanismen (in Biologie und Medizin) oder die Anforderungen an die Interpretation der Quantentheorie (in der Physik). Nicht nur Ethiker, auch Wissenschaftsphilosophen haben den Forschern und der Öffentlichkeit etwas Wichtiges zu sagen. Deshalb gebührt der Philosophie ein Ort im Spektrum der Wissenschaft - und der Redaktion Dank für ihre mutige Entscheidung!
  • Nun kontaminiert?

    23.02.2011, Dortmund
    Hallo Redaktion,

    es gab vor einiger Zeit eine Diskussion um ähnliche Funde unter einem der Pole (?). Dort war ein Hauptthema, dass das Wasser nicht kontaminiert werden darf, damit dieses Ökosystem erhalten bleibt. Wie steht es denn in diesem Fall um etwaiges vorausschauendes Verhalten der Forscher?

    Mit freundlichen Grüßen,
    Andre Versuemer
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Versuemer,

    vielen Dank für die - berechtigte - Nachfrage: Sie beziehen sich auf den antarktischen Wostoksee, den russische Forscher anbohren wollen (http://www.wissenschaft-online.de/artikel/1061983) und der kontaminiert werden könnte.



    In Südafrika stellt sich die Situation anders dar: Die Wasserblase wurde ursprünglich aus Versehen angezapft, als dort der Schacht einer Goldmine vorangetrieben wurde. Erst in diesem Zusammenhang wurden die Forscher aufmerksam und haben dann Proben aus angrenzenden Gesteinspartien gezogen.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Zwei Fehler

    21.02.2011, Joachim Geldmacher, Freienhagen
    Das Grundgesetz gibt es seit knapp 62 Jahren (23. 5. 1949). Vor 70 Jahren war noch Krieg, nicht die Zeit der Grundrechte.
    In Artikel 3 heißt es: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich". Das heißt ganz und gar nicht, dass Frauen und Männer gleich sind. Kein Gesetzgeber kann Ungleiches gleich machen, allenfalls kann er für gleiche Rechte sorgen.
    Antwort der Redaktion:
    Die Rezensentin ist unschuldig. Der Redakteur (ich) hatte das Grundgesetz falsch im Kopf und keinen Anlass gesehen, nachzuschauen (der eigenen Erfahrung vertrauend).

    Mein Fehler.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Panikmache!

    20.02.2011, Ludwig Hoffer
    530 Gigatonnen oder etwa 530 Kubikkilometer sind nichts im Vergleich zur Gesamteismenge von fast 3 Millionen Kubikkilometer. Und das nur geschätzt!
  • Titel Ihres Leserbriefes

    18.02.2011, Iris Eickhoff
    Die Frage ist berechtigt!
    Ich suche nun schon seit Langem eine effektive Möglichkeit, den Bau der Südumgehung zu unterstützen und die nördliche Route zu verhindern.
    Eine Spendensammlung für die Finanzierung hab ich auch noch nicht gefunden. Da Deutschland eine gute Beziehung zu Tansania hat, wäre eine Unterstützung ein guter Ansatz. Die Arbeit von Grizmeks zu bewahren sollte uns ein großes Anliegen sein: www.savetheserengeti.org



  • Individualität ist nicht einfach

    18.02.2011, Christian Monnerjahn, Magdeburg
    Erst einmal vielen Dank für dieses "Streitgespräch". Wenn ich den hier vorgestellten Ansatz zur "individualisierten Medizin" richtig verstanden habe, dann geht es darum, die genetische Disposition einen Tumors zu bestimmen und im Abgleich mit einer zu erstellenden "Effizienz-Datenbank" das/die vermutlich optimalen Medikamente auszuwählen. Ein solcher Ansatz ist im Grunde positiv - sowohl für den einzelnen Patienten, der zumindest weniger zum "Versuchskaninchen" wird, wie auch für die Krankenkassen, da der Einsatz teurer Krebsmedikamente effizienter erfolgen sollte - wenn das System funktioniert. Das hängt von der Qualität der zu erstellenden Datenbank ab.

    Hier stellt sich die Frage, wo die Daten dazu herkommen. Letztlich kann sie nur auf klinischen Studien beruhen, bei denen die Tumore der einzelnen Patienten genetisch untersucht wurden. Das ist aber problematisch, wenn einer solchen "Weiterverwendung" der Daten von den Patienten nicht zugestimmt wurde. Datenschutz/Datenmanagement sind somit zentrale Herausforderungen. Hier bietet die EU-Gesetzgebung für klinische Forschung aber durchaus einen Rahmen. Ferner ist auch eine Erfolgskontrolle nötig - und die kann nur wieder in klinischen Studien erfolgen.

    Leider ist die angestrebte Individualität der Therapie auch eine Herausforderung an das Gesundheitssystem, das derzeit ja mehr auf Pauschalen setzt und nicht zuletzt mit den Rabattverträgen Individualität ja gerade ausschließt. Die individualisierte Diagnostik und Beratung muß sich für alle Beteiligten lohnen - sonst wird sie nur ein Nischendasein führen.
  • cui bono

    15.02.2011, Dr. Klaus Moll, Baden bei Wien
    In einer anderen Zuschrift auf diesen Artikel wird die Frage gestellt: Wem nutzt die Wissenschaftsphilosophie?

    Weder in der Wissenschaft noch in der Wissenschaftsphilosophie ist die aus der Kriminologie oder auch aus der Politwissenschaft stammende Frage nach dem Nutzen von Interesse. Sonst gäbe es die erste und zweite dieser Disziplinen möglicherweise nicht, sondern nur die dritte und vierte. Mit allen vieren dagegen ist das Leben doch etwas reicher.
  • Artikel über kopernikanisches Prinzip widerspricht sich selbst

    15.02.2011, Martin Kaufmann
    Der Artikel "Das Vermächtnis des Kopernikus", den ich im aktuellen Spektrum-Dossier gelesen habe (ursprünglich erschienen im September 2009, Anm.d.Red.), widerspricht sich selbst. Im Artikel selbst wird behauptet, dass es keinen Grund dafür gibt, die räumliche Homogenität anzuzweifeln. Aber genau das ist die Aussage des kopernikanischen Prinzips, nicht mehr und nicht weniger.

    Außerdem wird behauptet, dass wir in einer "ausgezeichneten" Zeit leben, in der Leben möglich ist. Das ist trivial, da unser Universum seit seiner Entstehung eine zeitliche Entwicklung durchgemacht hat und durchmacht, also zeitlich nicht homogen ist. Von einer zeitlichen Homogenität ist aber im kopernikanischen Prinzip gar nicht die Rede, nur von einer räumlichen.

    Wie man diese räumliche "Mittelmäßigkeit" interpretiert, bleibt jedem selbst überlassen. Also auch hier kein Grund, das kopernikanische (= kosmologische) Prinzip infrage zu stellen.

    In einem Punkt gebe ich dem Autor Recht: Die Erde in dem Mittelpunkt der Welt zu stellen, führte zu unerträglichem Hochmut der Menscheit über die Natur. Aber gerade durch seine Argumentation bietet er diesem Hochmut neue Nahrung!

    Was bleibt in dem Artikel an Argumenten übrig? Nichts! Umso überraschender, dass der Autor zum Schluss kommt, dass man sich mit guten Gründen vom kopernikanischen Prinzip verabschieden sollte.

    Auch seine Schlussfolgerung, dass sich selbst klügste Wissenschaftler irren können, ist trivial. Das weiß man spätestens seit dem Ausspruch Einsteins "Gott würfelt nicht". Beim kopernikanischen Prinzip haben sie jedenfalls nicht geirrt!