Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Die unendliche Kugel

    01.09.2009, Eckhart Triebel, Berlin
    Auf S. 71 heißt es: "Heutige Kosmologen gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie behaupten nicht nur, dass es keinen auf irgendeine Weise ausgezeichneten Mittelpunkt gebe, sondern dass überall das Zentrum sei."

    Dieses Zitat erinnert mich an zwei Aussagen aus dem "Buch der 24 Philosophen" (Liber XXIV philosophorum) vom Ende des 12. Jahrhunderts. Dort lautet die 2. Definition:
    "Deus est sphaera infinita, cuius centrum est ubique, circumferentia nusquam." - "Gott, das ist die unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgends ist."

    Und als 18. Definition wird gegeben:
    "Deus est sphaera, cuius tot sunt circumferentiae, quot sunt puncta." - "Gott, das ist die Kugel, die so viele Umfänge wie Punkte hat."

    Ersetzt man nun Gott durch Universum oder Kosmos, hören sich diese Aussagen sehr modern an.
  • Vision und Konsortium

    01.09.2009, Stefan Eissing, Münster
    Die Vision, die zugrunde liegende Technik, die ökologische Verträglichkeit: Alles ist rund an dieser Idee. Auch die Emotionen spielen da mit. Endlich einmal eine Zukunftsvision, die auf Weiterentwicklung ausgerichtet ist, und keine Untergangsszenarien, bei denen wir uns in letzter Konsequenz die Kugel geben müssen, um den Planeten zu retten.

    Aber wann wurden Visionen schon mal von einem Konsortium realisiert? Hier stellt der Artikel die richtigen Fragen, denn die Realisierung von Desertec ist in erste Linie keine technische, sondern eine organisatorische Herausforderung.

    Ein Konsortium im Besitz der (fast) gesamtem Stromerzeugung in Europa wird zu einer politischen Macht, die anstelle von Steuern einfach den Strompreis erhöhen kann. Wem will man diese Macht in die Hand geben? Wohl niemandem.

    Es erscheint also sinnvoll, dieses Projekt aufzuteilen. Und in der Tat spricht nichts dagegen, Desertec durch mehrere Betreiber anzugehen: Die Sonnenkraftwerke stehen eh nicht alle an derselben Stelle, die Leitungen nach Europa sind mehrfach und unabhängig voneinander zu bauen.

    So kann auch hier gelenkter Wettbewerb entstehen, der immer schon zum Nutzen aller notwendig gewesen ist.
  • Wo bleibt China?

    01.09.2009, Richard Scheffenegger, Wien
    Desertec als Konzept ist ja bekanntermaßen bereits einige Jahre (Jahrzehnte) alt ...

    Nachdem es ein äquivalentes Konzept auch für Nordamerika gibt, stellt sich die Frage, warum China nicht ebenfalls derartige Technologien implementiert.

    Gerade China hätte - ähnlich wie die USA - sowohl die industrielle Basis als auch die geographischen Vorraussetzungen (Wüste Gobi, Hochebene von Tibet), und, was noch viel wichtiger erscheint, ein politisches System, das eine kurzfristige Implementierung derartiger Technologie massiv beschleunigt.

    Trotzdem gehen dort wöchentlich mehrere Kohle-Großkraftwerke ans Netz (soviel auch zur Unmöglichkeit, mehrere Gigawattstunden pro Jahr kontinuierlich zu implementieren).

    Wäre es global gesehen - und die rasante Aufholjagd zeigt dies ebenso deutlich wie der nunmehrige Spitzenplatz von Chinas CO2-Emissionen zeigen dies deutlich - kosteneffizienter, diese Technologie in und mit China aufzusetzen?

    Natürlich besteht dabei die realistische Gefahr - wie dies ja auch schon beim Transrapid zu sehen war -, dass China ultimativ das Heft selbst in die Hand nimmt, und eine ausreichend gute Technologie unschlagbar preiswert auf den globalen Markt werfen wird.

    Jedoch, gerade in diesem Fall, wäre nicht ein massiver Verfall der Gestehungskosten für Solarrinnenkraftwerke mit thermischem Zwischenspeicher gerade das beste, was der Erde widerfahren kann?

    Solange einige wenige, ausgesprochen große und profitorientierte Konzerne versuchen, diesen Kuchen unter Ausschluß möglichst aller anderen unter sich aufzuteilen, wird aus diesem Konzept a) weder rasch noch b) kostengünstig etwas werden.

    Desertec sollte meiner Meinung nach entsprechend dem Open-Source-Konzept entsprechend die Kernkomponenten entwickeln und frei an jeden Interessierten lizenzieren.

    Anders ist keine rasche Umsetzung, vor allem nicht in wenig entwickelten Regionen, möglich.

    Übrigens liegen auch viele ehemalige Teilrepubliken Russlands in Regionen, wo ausreichend Sonneneinstrahlung, extreme niedriges Bruttoinlandsprodukt und mehr als genug anderweitig nicht nutzbarer Boden zusammenfallen (zum Beispiel der Ex-Aralsee, dessen versalzener und chemikalienverseuchter ehemaliger Seeboden im Megatonnen-Maßstab jedes Jahr vom Winde verweht wird).

    Abschließend bleibt auch mir nur noch zu bemerken, dass durch diese Großprojekte eine weitere massive Förderung der lokalen Energieproduktion durch alternative Quellen nicht zu kurz kommen sollte. Bevor jedoch irgendwo in ein Atom-, Öl- oder Kohlekraftwerk investiert wird, ist Desertec in jedem Fall vorzuziehen (Erdgaskraftwerke schließe ich explizit aus, da das Methanhydrat, das in den kommenden Jahrzehnten destabilisiert wird oder es bereits ist, dort in das gegenüber Methan weniger potente CO2 umgewandelt werden muss. Und um dieses Methan nicht sinnlos abzufackeln, braucht es einige zusätzliche Erdgaskraftwerke).
  • Es wird wie immer alles falsch laufen

    31.08.2009, T. Budgoust, Worms
    Was falsch laufen kann:
    - Die tatsächlichen Kosten werden ein Vielfaches von dem betragen, was uns jetzt vorgelogen wird.
    - Vorauszusehende Probleme und Nachteile werden uns verschwiegen.
    - Konzerne werden Subventionsbetrug in vielfacher Milliardenhöhe betreiben.
    - Die Macht der asozialen, kriminellen Energiekonzerne wird nicht zerschlagen, sondern betoniert. Bestehende Abhängigkeiten der Bürger werden lediglich leicht modifiziert, aber keinesfalls abgebaut.
    - Korrupte Politiker in Deutschland/Europa und in Afrika werden sich die Taschen und Konten füllen.
    - Die Bevölkerung in Afrika wird die Schäden und Nachteile haben, aber keine Vorteile.
    - Es wird zu einer Militarisierung kommen, um die Investitionen zu schützen.
    - Der technische Fortschritt wird verlangsamt werden, weil alle intelligenten Entwicklungen, die die Gewinne der Großkonzerne schmälern könnten, sabotiert werden, wie bisher auch.
    - Es werden die wichtigsten und einzig aussichtsreichen Zukunftsstrategien verhindert: Energie sparen und Energie dezentral erzeugen mit möglichst geringen ökologischen Schäden.
    - Jeder, der sein Großhirn bestimmungsgemäß verwendet, nämlich zum Denken und zum Lernen aus Erfahrung, muss solche und möglicherweise noch andere ungünstigen Konsequenzen aller Mammutprojekte voraussehen.
  • Expansion des Universums unmöglich

    31.08.2009, John Jobson, Wiesbaden
    Nach dem Spruch von Sherlock Holmes (alias Sir Arthur Conan Doyle): Wenn man das Unmögliche eliminiert hat, muss das, was übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich, die Wahrheit sein.
    Ich betrachte die vermeintliche Expansion des Universums, die seit 1998 zwangsläufig exponentiell "in alle Ewigkeit" sein müsste (d. h. die Hubble-Konstante ist wirklich eine Konstante), als unmöglich. Nicht nur, weil es dafür noch keine Naturgesetze gibt, sondern auch, weil die sogenannte "Dunkle Energie" auch exponentiell anwachsen müsste.
    Im Sinne von Sherlock Holmes, was übrig bleibt, sind die Photonen, die ihre Energie verlieren. Meinen Berechnungen nach, mit einer Halbwertzeit von ca. 677,8 / H Milliarden Jahren, wobei H der Hubble-Konstante in den üblichen Einheiten km / s / Mpc ausgedruckt wird.
  • Desertec kann mehrere Probleme gleichzeitig lösen

    31.08.2009, Wolfgang Lang, Nador/Marokko
    Die Diskussionen um Desertec gleiten leider schon in einem frühen Stadium in starre ideologische Fixierungen ab. Das ist schade.

    Zunächst einmal: Jeder, der sich an der Diskussion qualifiziert beteiligen möchte, sollte die hervorragende Studie von Herrn Czisch zumindest überflogen und die dortigen Schlussfolgerungen verstanden haben. Dann würde manche Diskussion rationaler verlaufen. (Über Gregor Czischs Pläne schrieb Gerhard Samulat bereits in der März-Ausgabe 2008 von Spektrum der Wissenschaft. Der Artikel findet sich auf S. 66 in dieser kostenfreien pdf-Datei, Anm. d. Red.)

    Ich will jetzt nicht auf technische Details eingehen, sondern nur kurz die meiner Meinung, nach wichtigsten Argumente für Desertec einmal zusammenstellen.

    1. Saubere und günstige regenerative Energie im Grund-, Mittel- und Spitzenlastbereich wird großräumig zur Verfügung gestellt.

    2. Durch das Supergrid in Gleichstromtechnik werden durch Ausgleichseffekte in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung beim Verbrauch wie bei der Erzeugung regenerative Energien viel günstiger als heute. Das gilt auch für nichtsolare regenerative Energien.

    3. Die breite internationale Kooperation wird Konflikte entschärfen und jetzt noch als Krisengebiete bezeichnete Regionen stabilisieren.

    4. Nordafrika wird jetzt schon, beginnend in Marokko bis an den Golf, ein Problem bei der Stromversorgung bekommen und bei der Wasserversorgung. Beides wird die wirtschaftliche Entwicklung hemmen, zu Auswanderung, gesellschaftlicher Destabilisierung und als Folge zu Extremismus führen. Wenn es nicht gelingt für die Hunderte von Millionen junger arbeitssuchender Menschen in diesem Raum wirtschafltiche Perspektiven zu entwickeln, dann werden wir von dort noch wesentlich größere Probleme nach Europa importiert bekommen, als wir uns jetzt vorstellen können.

    Desertec hat Antworten auf diese Probleme. Es produziert umweltverträglichen Strom in der Region, kann zugleich durch Meerwasserentsalzung Trinkwasser und Nutzwasser herstellen und es schafft Arbeit in der Region.

    Außerdem wird die erforderliche Zusammenarbeit lokale Konflikte langfristig entschärfen.

    5. Last but not least ein sehr wichtiger Punkt, der meines Erachtens viel zu kurz kommt:
    Wenn mit Desertec kein sauberer Strom in der Region Nordafrika und mittlerer Osten produziert wird, dann werden diese Länder Kernkraftwerke bauen. In Marokko z. B. sind derartige Planungen, durch Frankreich und die EdF vorangetrieben, im Gange. Steht aber in dieser Region von Marokko bis zum Golf aus Mangel an Alternativen erst einmal eine große Zahl an Kernkraftwerken, wird Europa nicht mehr ruhig schlafen können. Und die Diskussion um terroristische Anschläge auf Desertec-Anlagen erübrigt sich oder wird absurd.

    Desertec ist eine große Chance für den Raum Europa-Nordafrika-Mittlerer Osten. Die Argumente, die dagegen aufgefahren werden, sind sehr oft national(istisch). Besser regenerative Energien in Deutschland erzeugen als im Ausland. In einer globalisierten Welt mit offenen Grenzen sollte diese Haltung aus dem 18. und 19. Jahrhundert ad acta gelegt werden. Es gibt keine Alternative zu Kooperation und Austausch.
  • Die Verantwortung des Ichs

    31.08.2009, Dr. J. Krebs, Starnberg
    Die Auffassung Prof. Singers, der Mensch sei für sein Tun verantwortlich, auch wenn er darüber nicht frei entscheiden kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ohne Handlungsfreiheit wäre „Verantwortung“ ein völlig inhaltsleerer Begriff. Dann bräuchte man im Strafrecht auch nicht darüber diskutieren, ob ein Täter zurechnungsfähig war oder nicht – es wäre ja in jedem Fall sein „Ich“, das die Tat begangen hat.
    Die Konsequenz dieses konsequent naturalistischen Denkens ist m. E. nach eine ganz andere: Wenn die Handlungen eines Individuums letztendlich determiniert sind, dann ist es auch die (gesellschaftliche) Reaktion auf diese Handlungen. Wenn also der Täter nicht anders kann, als die Tat zu begehen, dann kann die Gesellschaft auch nicht anders, als ihn dafür zu bestrafen. Dann ist unser Wille nur ein „Epiphänomen“ unseres physischen Verhaltens; es ist dann ganz egal, was wir wollen, es kommt sowieso alles, wie es kommen muss. Diese Haltung führt geradewegs in einen philosophischen Fatalismus.

    Was uns die Hirnforscher hier gerne als eine revolutionäre Erkenntnis ihres Fachgebiets verkaufen, ist im Grunde eine triviale Folgerung aus der Geschlossenheit des naturwissenschaftlichen Weltbildes: Die Physik – und damit die Beziehung von Ursache und Wirkung – gilt eben auch in unserem Gehirn. Was uns Menschen auszeichnet, ist die Vielzahl der komplexen Handlungsoptionen, die uns i.A. zur Verfügung stehen. Wenn wir uns dann aber in einer konkreten Situation für eine dieser Optionen entscheiden, dann hat das auch irgendwelche Gründe – ob sie uns nun bewusst sind oder nicht. Deshalb ist Willensfreiheit weder auf der materiellen noch auf der psychischen Ebene wirklich fassbar und infolgedessen auch nicht nachweisbar.

    Trotzdem ist es richtig, die Willensfreiheit als ein soziales Konstrukt beizubehalten. Es ist ein letztlich ein philosophisch–ontologischer Begriff, der untrennbar zu unserer Selbstwahrnehmung als autonomes „Subjekt“ gehört, und als solcher steht er sozusagen per definitionem außerhalb einer wissenschaftlichen Erfassung, die sich auf die „objektive“ Realität konzentriert. Ohne dieses Konstrukt aber kann die menschliche Gesellschaft nicht funktionieren – und die Hirnforscher sollten sich vielleicht einmal bewusst machen, dass auch sie sich in ihrer Forschertätigkeit zwangsläufig als autonome Subjekte erfahren.
  • Mukundis Krone ist schon länger bekannt

    31.08.2009, Werner Gubler, Fällanden (Schweiz)
    Mark Thomas verwendet in seinem Artikel "Self-surrounding tiles" (http://home.flash.net/~markthom/html/self-surrounding_tiles.html) eine Form, die er "crown" nennt und die mit Mukundis Krone identisch ist.
    Dabei heißt ein Pflasterstein "self-surrounding", wenn man ihn mit Kopien seiner selbst lückenlos "umringen" kann – aber nur endlich oft (siehe "Heesch's problem", http://en.wikipedia.org/wiki/Heesch%27s_problem). Da die "Krone", wie in dem Artikel dargestellt, sogar den ganzen Raum lückenlos füllt, und das auf die verschiedensten Arten, ist sie nicht in diesem sehr speziellen Sinn "self-surrounding".
  • Große Risiken

    31.08.2009, Fritz Kronberg, Rondeshagen
    So gut sich das Konzept auf den ersten Blick anhört, ich halte die erforderlichen Investitionen für keine gute Anlage. Das größte und entscheidende Risiko liegt in der politischen Instabilität der Region und der zu großen Teilen mittelalterlichen Mentalität ihrer Bewohner.

    Eine empfindliche wirtschaftliche Abhängigkeit mit hohen finanziellen Aufwendungen zu schaffen ist auch keine sonderlich gute Strategie.

    Nebenbei bemerkt: Wenn entsprechend Kohlekraftwerke stillgelegt werden, könnte sich das Risiko gleichwohl lohnen, aber bei der inzwischen in Deutschland vorherrschenden Manie, irrationale Ängste für schlimmer zu halten, als klar auf der Hand liegende Gefahren, würde es wohl auf den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie hinauslaufen. Das aber hieße, einen eher harmlosen "Teufel" mit einem real gefährlichen Beelzebub auszutreiben. ...
  • Ziemliche Fehlbenennung

    31.08.2009, Prof. Dr. Arnold Oberschelp, Heikendorf
    In den beiden letzten Heften ist vom "kopernikanischen Prinzip" die Rede (August: "Umstrittene dunkle Energie" von Clifton und Ferreira, September: "Das Vermächtnis des Kopernikus" von Danielson). In dem Sinne, wie der Ausdruck dort gebraucht wird und angeblich üblich ist, handelt es sich aber um eine ziemliche Fehlbenennung.

    Kopernikus hat die Stellung der Erde dahingehend relativiert, dass er lehrte, die Erde sei nur ein Planet unter Planeten (insgesamt sechs). Er wollte statt der Erde die Sonne in das Zentrum der Welt setzen.

    Die Stellung der Erde im Zentrum der Welt mit dem Himmel darüber und der Hölle unten im Innern wurde durchaus als natürlich empfunden und die Entfernung der Erde aus dieser ausgezeichneten Position als Häresie. Im Prozess gegen Galilei konnte man die Berge auf dem Mond, die Phasen der Venus und die Jupitermonde schlecht leugnen. Es ging nur um die Bewegung der Erde, die Galilei widerrufen musste.

    Kopernikus hat keineswegs gesagt, dass die Sonne nur ein Stern unter Sternen sei. Diese Auffassung setzte sich erst später durch. Der Erste, der sie vertrat, war wohl Giordano Bruno, der wegen des Pantheismus, den er damit verband, auf dem Scheiterhaufen endete. Dass die Milchstraße nur eine Galaxie unter anderen ist, hat mit Kopernikus selbst gar nichts mehr zu tun.
  • 400 Milliarden Euro blenden alle Bedenken weg

    31.08.2009, Ralf Weinmann, Eschenburg
    Es ist normal und sicher auch gut, dass ein Großprojekt wie desertec kontrovers diskutiert wird und neben vielen Befürwortern auch seine Kritiker findet. Erstaunlich ist nur, dass die Kritiker bisher kaum zu Wort kamen.
    Wahrscheinlich hat es damit zu tun, dass es bei einem geplanten Investitionsvolumen von 400 Milliarden Euro sehr viele finanzielle Gewinner geben wird, die mit ihrem Geld sicher jede Studie und Prognose kaufen können.

    Jeder weiß aus der Vergangenheit, dass der Import von Energie mit einem politischen Risiko behaftet ist, vor allem dann, wenn der Anteil einen gewissen Prozentsatz übersteigt. Die Energieversorgung eines Staates aus externen Quellen birgt nun mal die Gefahr politischer Abhängigkeit und Erpressbarkeit.

    Ferner stellen die trans-mediterranen Verbindungen interessante Ziele für Terroristen dar, und dass einer der geplanten Standorte ausgerechnet im Gazastreifen liegt, macht die Sache keineswegs sicherer.

    Aber die Probleme werden auch hier auftauchen, vor allem da jetzt schon absehbar ist, dass die geplanten 400 Milliarden kaum mehr sind als eine immer wieder nach unten korrigierte grobe Schätzung. Und da im deutschen Bürokratendschungel die Genehmigung und der Bau von Überlandtrassen viele Jahre und manchmal Jahrzehnte in Anspruch nimmt, wird der Strom, wenn er denn wirklich mal kommt, erst mal an der Grenze warten müssen.

    Alles in allem bergen zu viele Bereiche noch viel zu viele Unwägbarkeiten und Risiken, doch die gigantische Summe von 400 Milliarden Euro blendet alle Bedenken weg.
  • Ist die Umfrage unprofessionell oder manipulativ?

    31.08.2009, Alexander Jung, Tübingen
    Die Antwort "Desertec ist genau das, was wir brauchen." impliziert doch, dass mit Desertec alle Energieprobleme gelöst sind, oder zumindest, dass es keine Alternative gibt.

    Was aber, wenn man wie ich meint, daß Desertec eine gute Sache ist, daß aber gleichzeitig andere regenerative Energiequellen entwickelt und gefördert werden müssen? Das kann man auch nicht ernsthaft als Mangel des Desertec-Konzeptes sehen. Welche Antwort soll ich also in dieser Umfrage wählen?

    Haben Sie die meiner gemäßigten Meinunge entsprechende, sozusagen "mittlere" Antwort mit Absicht weggelassen, um zu polarisieren?

    Auch wenn es schwerfällt, sollte der seriösere Teil der Presse den Verlockungen des Sensationalismus zu widerstehen versuchen.
  • Geothermie als Alternative?

    30.08.2009, Ephrim Khong, München
    Desertec ist, meiner Meinung nach, ein riesiger Fortschritt - vor allem auch, da das Projekt eine Kehrtwende in der Denkweise der großen Energiekonzerne wiederspiegelt. "Regenerative" Energien rücken mehr und mehr in den Fokus und werden als notwendige und mögliche Alternative anerkannt.

    Dass ein solches Projekt nicht ohne die entsprechende politische Unterstützung machbar ist, sollte klar sein. Abhängig sind wir heute von den Öl-, Gas- und Uran-exportierenden Ländern sowieso schon, so dass sich in dieser Hinsicht keine wirkliche Veränderung ergibt. Die Streuung über ganz Nordafrika wird wohl zumindest keine Verschlechterung darstellen.

    Neben Wind- und Sonnenenergie ist in den letzten Jahren das Potential der Geothermie leider etwas aus dem Blickfeld geraten. Als lokale, sichere, grundlastfähige und je nach Ausbau auch dezentrale Energiequelle wäre hier mit entsprechenden Forschungsmitteln noch viel mehr möglich. Wer einmal den Energiegehalt eines Kubikkilometers Granit bei 200 Grad Celsius gesehen hat, wird sicher zustimmen, dass sich massive öffentliche Forschung in diesem Bereich lohnen würde. Einen Spektrum-Artikel darüber wünsche ich mir schon seit längerem.
  • Säubern?

    30.08.2009, F. Möllenkamp, Borchen
    Wie und womit werden die Spiegel nach Sandstürmen gereinigt? Wie werden Erosionsschäden verhindert?
    Antwort der Redaktion:
    Mehr dazu als Antwort der Redaktion zu einem weiteren Leserbrief zum selben Thema.
  • Eine Lösung für viele Probleme

    29.08.2009, Hartwig Sendner, 27432 Bremervörde
    Das Projekt Desertec ist der erste sinnvolle Ansatz in Richtung Nachhaltigkeit. Aber es könnte noch durchdachter sein. Hier ein paar Anmerkungen zu meinem Leserbrief auf zeit-online.de.

    1. Der Energieverbrauch
    Man sollte noch weiter greifen und den Gesamtenergiebedarf einplanen, nicht nur den Stromverbrauch. Außerdem sollte man hinterfragen, wieviel die reichen Länder an Energie einsparen müssten, nur um den heute armen Ländern bei gleicher globaler Emissionsrate von CO2 Energieverbrauchszugeständnisse zu machen.

    Unsere lächerlichen Versuche mit dem Verbot der alten Glühbirnen und dem Einsatz von Energiesparlampen wirken im Licht dieser gigantischen Einsparungen eigentlich nur kindlich. Aber die Industrielobby hat mal wieder einen Sieg errungen und Politiker dazu gebracht, Marktgrundsätze für die angeblich gute Sache über Bord zu kippen.

    2. Die Technik
    Die Solarthermie ist lange erprobt und die Kosten und Energieausbeuten sind gut abzuschätzen. Ein Faktor, der stark in die Kosten geht, ist die nötige Energiespeicherung.
    Meines Wissens verteuert sich ein 50-MW-Solarthermie-Kraftwerk von ca. 200 Mio. Euro auf ca. 300 Mio Euro nur durch diese Speichertechnologie.

    Deswegen kommt folgendes Prinzip in Frage:
    Aus Solarstrom wird mittels Elektrolyse Wasserstoff erzeugt. Dieser wird mit dem CO2 aus der Luft vor Ort zu Methanol umgewandelt. Dieser universelle Energieträger kann jetzt sehr gut gelagert, transportiert und auch gespeichert werden.

    Außerdem sind unsere heutigen Autos relativ leicht auf Methanol umzustellen. Hier in Europa kann dann durch Verbrennen des Methanols die Solarenergie wieder zurückgewonnen werden. Es entsteht Wasser und CO2. Die Energiekreislaufwirtschaft ist erreicht. (Zur Technik von Methanol siehe auch: "Beyond Oil and Gas - The Methanol Economy" von G. Olah)

    3. Ökonomie:
    Mann kann ausrechnen, dass man für den Gesamtenergieverbrauch der BRD eine Wüstenfläche von 10.000 km² bräuchte. Der Methanolpreis inklusive Steuern würde bei ca. 60 Euro-Cent an der Tankstelle liegen. Damit ist man in etwa konkurrenzfähig bei einem Rohölpreis von ca. 100 US-$ pro Barrel. Zur Erinnerung: 2008 war der Preis schon auf ca. 140 US$ pro Barrel gestiegen.

    Das Projekt müsste nicht subventioniert werden, sondern muss in den in den ersten Jahren durch eine CO2-Abgabe für alle CO2-emittierenden Energieträger geschützt werden.

    Mittelfristig bis langfristig wird sich dieser Energieträger sowieso durchsetzen, weil die zu seiner Herstellung nötigen Rohstoffe überall zu finden sind, sodass auch die heutigen OPEC-Staaten sich diesem Trend voll anschließen werden.

    Die Anzahl von Arbeitsplätzen, die durch den Einsatz des Energieträgers Methanol enstehen, sind beträchtlich - bei uns, aber auch weltweit.

    Politik:
    Dies ist das zunächst wichtigste Feld. Es müssen langfristige Verträge über die Anmietung von menschenleeren Wüstenflächen mit Ländern wie Mauretanien, Marokko, Namibia, Mali etc. abgeschlossen werden. In diesen Verträgen verpflichten wir uns, eine jährliche Summe von 1 Milliarde Euro für die genannten Flächen zu bezahlen, die dann ausschließlich zur Energiegewinnung genutzt werden dürfen. Nach 100 oder 200 Jahren gehen diese Gebiete automatisch wieder an die Vermieterländer zurück.

    Damit erreichen wir mehre Vorteile:
    1. Die Vermieterländer erhalten eine stetige verlässliche Einnahmequelle, die es ihnen erlaubt, ihre Volkswirtschaften zu stärken und aufzubauen. Damit wird dem Auswanderungsdruck der Menschen in Afrika nach Europa entgegengewirkt. Die Menschen haben dort eine Zukunft.
    2. Wir erhalten in diesen Gebieten zeitlich befristete Hoheitsrechte und können damit für das eingesetzte Kapital die nötige Sicherheit bereitstellen.
    3. Der Staat sollte sich an diesen Vorhaben aktiv beteiligen. Wenn man eine "Volksaktie" ausgeben würde und mit diesem Kapital in diese Technologie investiert, kann man der heutigen jungen Generation eine staatlich gesicherte Möglichkeit geben, langfristig eine zweite Rente aufzubauen.

    Ökologie:
    In 30 Jahren könnten wir komplett CO2-neutral unseren gewohnten Lebensstandard mit gutem Gewissen genießen. Auch sämtliche anderen Staaten dieser Welt könnten dem Beispiel folgen.

    Noch ein paar Worter zu den Kritikern und Skeptikern:

    1. Betrachten Sie den globalen Primärenergieverbrauch und das Bevölkerungswachstum. Kann man all diesen Menschen einen unseren heutigen Lebensstandard und damit Energieverbrauch zubilligen auf der Basis von Atomkraft oder der anderen bekannten Energieträger?
    2. Der oben genante Ansatz hat nichts mit Kolonialisierung zu tun, sondern nimmt endlich auch die ärmsten Länder mit ins Boot und gibt ihnen eine Zukunft. Im Gegenteil: Heute ist es uns doch egal, ob sich infolge des Klimawandels die Wüstengebiete weiter ausdehnen und den Menschen ihre Existenzbasis genommen wird.
    3. Diese Technologie ist kaum waffentauglich und hinterlässt auch keine problematischen Abfälle.
    4. Die Nutzung der Sonnennenergie beinhaltet eine "Demokratisierung des globalen Reichtums". Viel mehr Länder als die heutigen reichen Ölländer können profitieren. Die Einnahmen aus Verpachtung (oder auch der Aufbau eigener Methanolproduktionen) ist gerade für die ärmsten Länder der Welt eine Möglichkeit, dem Elend zu entkommen.

    Welche andere Technologie hat so viel zu bieten?
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