Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Gut geschrieben, doch einige Anmerkungen müssen sein

    21.10.2010, Dr.-Ing. Dietrich May, Gengenbach
    Dieser sehr gut geschriebene Artikel liefert neue Aspekte, gibt aber auch in mehreren Details Anlass zu einigen Bemerkungen.

    Der Autor schreibt: "Weil der Kontakt einen gut 1000fach zu hohen elektrischen Widerstand aufwies, stieg im Sektor 3-4 die Stromstärke zwischen dem Ablenkmagneten und einem Fokussiermagneten unerwartet auf fast 9000 Ampere." Es ist eine bemerkenswert neue physikalische Erfahrung, dass das passive Bauelement Widerstand aktiv auf die Quelle einwirkt und den Strom erhöht. Richtig ist (siehe CERN Document EDS 973073), dass der Strom mit 10 A/s bis auf 8,7 kA hochgefahren wurde, als an einer Stelle die Supraleitung aussetzte. Dabei entstand eine Spannung von 300 mV, die bis auf ein Volt anstieg und somit den weiteren Stromanstieg verhinderte. Die Stromquelle wurde daraufhin kontrolliert heruntergefahren.

    "Binnen weniger als eine Sekunde entflammte dort ein Lichtbogen und brannte blitzschnell ein Loch in die Helium-Ummantelung". Diese Behauptung bedürfte einer näheren physikalischen Begründung. Im Strahlrohr herrscht ein Ultrahochvakuum von 10-13 bar, im Isoliervakuum der Magnete eines von ca. 10-11 bar. Jedoch ist bei diesen Vakua die Teilchendichte so gering, dass bei den geringen Spannungen kein Lichtbogen entstehen kann. Selbst wenn man elektrische Feldüberhöhungen durch Spitzen und Kanten berücksichtigt, reicht die entstehende Spannung nicht aus, einen Lichtbogen zu zünden. Zum Vergleich: die Durchschlagspannung bei Luft unter Atmosphärenbedingungen und einem Zentimeter Elektrodenabstand beträgt 28 kV.

    Allerdings verringert sich die Durchschlagsspannung dramatisch, sobald Helium geringer Dichte als Folge einer Leckage vorhanden ist – dafür habe ich bei CERN jedoch keine Belege gefunden. Für die Durchschlagspannung ursächlich dürfte wohl die Induktionsspannung beim Abschalten des Stromes sein.

    Nach meinen Informationen aus dem CERN liegt die Ursache des Quenches in der Verbindung zweier Magnetspulen. Es gilt hier, zwei Kabel aus je 36 verdrillten Adern, die selbst wiederum aus 6000 bis 9000 Fasern à 7 Mikrometer Durchmesser bestehen, niederohmig zu verbinden. Der Übergangswiderstand sollte nominal drei Nanoohm sein.
    Aus dem CERN habe ich eine Bilddatei erhalten, die für ein Dipolelement eine Masse von 35 Tonnen (statt der im Artikel erwähnten 22) ausweist.

    Ökonomisch abwegig ist die Behauptung, "die Reparaturen haben sogar Geld gespart". Den Betriebskosten stehen üblicherweise Leistungen (in Form von wissenschaftlichen Ergebnissen) gegenüber, die Reparaturen sind aber per Saldo zusätzliche Ausgaben. Für die jetzt nicht durchgeführten Experimente braucht man das Geld eben später.

    Zum Interview S. 39:
    Sachlich korrekt wäre es, den Konjunktivus potentialis im allerletzten Satz durch ein Fragezeichen in der Überschrift auszudrücken. So entsteht eine sinnentstellende Aussageform.
    Antwort der Redaktion:
    Um mögliche Missverständnisse zu vermeiden, sei hier nochmal klargestellt: Die Verbindungsstelle ist zunächst supraleitend gewesen, dann brach diese Supraleitung spontan zusammen. So kam es, dass an dieser Stelle, an der zunächst kein Widerstand herrschte, plötzlich einer entstand. Das führte dazu, dass sich die Stelle in Sekundenbruchteilen enorm erhitzte (fast 9000 Ampere wirkten plötzlich auf einen dafür vollkommen unterdimensionierten Kupferdraht ein) - schneller, als dass die Power-Suppliers darauf reagieren konnten.



    Zu der Frage des Lichtbogens müssen wir auf eine CERN-Presseerklärung verweisen. Ihr Argument klingt überzeugend, aber unter http://press.web.cern.ch/press/PressReleases/Releases2008/PR14.08E.html heißt es: "Within one second, an electrical arc developed, puncturing the helium enclosure...". Endgültige Gewissheit - wenn man denn Zweifel an der Aussage des CERN hat - würde man erst durch eine genauere Prüfung der Umstände erhalten.



    Die Angabe über das Gewicht der Magnete, die bei dem Unfall verschoben wurden, stammen aus einem Videobeitrag des englischen Teilchenphysikers Brian Cox (ab Minute 2:00). Normalerweise wiegen die Dipolmagnete des LHC tatsächlich 35 Tonnen. Quadrupole sind leichter. Da der Unfall aber zwischen einem Ablenk- und einem Fokussiermagneten geschah, hat Brian Cox offenbar einen "Mittelwert" genommen.



    Ihre betriebswirtschaftlichen Anmerkungen sind zumindest diskussionswürdig, legen aber - wohl zu Unrecht - nahe, dass für ein solches Projekt der Grundlagenforschung eine auch nur annähernd präzise Kosten-Nutzen-Rechnung möglich sei. Der Autor will im Wesentlichen ausdrücken, dass der Unfall keine untragbaren finanziellen Schäden verursacht hat und dass das Jahresbudget nicht gesprengt wurde.
  • Sonnige Nacht?

    21.10.2010, Dr. Robert Riedl, Wien
    In der Bildunterschrift auf S. 23 heißt es: "Die Computergrafik zeigt, wie wir uns seine Landschaft in einer dunklen, stürmischen Nacht vorstellen können. Smogartiger Dunst verhüllt die Sonne ..." Wenn die Sonne über dem Horizont steht, ist es doch wohl Tag, auch wenn es relativ dunkel ist - oder habe ich da etwas missverstanden?
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben nichts missverstanden, im Gegenteil: Wir schließen uns Ihrer Ansicht an und bedauern den Fehler.
  • Falsche Frage

    21.10.2010, Dr. Michael Klement, St. Johann im Pongau, Österreich
    Entscheidend ist nicht, ob Zeit eine Illusion ist; wir sollten uns vielmehr fragen, WESSEN Illusion.
  • Einige Korrekturen notwendig

    21.10.2010, Dr.-Ing. Dietrich May, Gengenbach
    ich habe die Kolumne von Prof. Schlichting über die Zeit schätzen gelernt. Zu obigem Artikel sind leider ein paar dringende Korrekturen notwendig. Allerdings reicht ein Leserbrief nicht aus. In aller Kürze:

    Man unterscheidet Dreileiter- und Vierleitersysteme in der Drehstromtechnik – je nach Netzform (siehe zB. Wikipedia: IT-Netz, TT-Netz, inklusive Literaturhinweise). Die Umwandlung wird in Drehstromtransformatoren vorgenommen. Dreileiternetze finden sich idR. auf Mittel- und Hochspan-nungsebene. Nur Vierleiternetze (zB. 3x230 V Niederspannung) haben einen Neutralleiter (= Mittelpunktsleiter), der jedoch keinen Strom zum Kraftwerk führt! Freileitungen enthalten Dreileitersysteme. Hochspannungsnetze nutzen nicht die Erde als Rückleiter!

    Was der Autor möglicherweise als Neutralleiter identifiziert, ist wohl das sogenannte Erdseil. Dieses führt nur beim Blitzeinschlag Strom. Seine eigentliche Aufgabe besteht darin, das Erdpotential über die Dreileiter zu ziehen, womit diese sich in feldschwachem Raum befinden und somit einen Schutz gegen Blitzeinschläge auf das Dreileitersystem darstellt. (Die Äquipotentiallinien stülpen sich vom Boden aus über Mast/Erdseil und Leiter wie eine Haube.)

    Bei nicht allzu hohen Spannungen (Mittelspannung) finden sich die Vögel auch auf den spannungsführenden Leitern, nicht nur auf dem Erdseil. Infolge der recht kleinen Rundungsradien der Leiter ergeben sich sehr große, inhomogene Felder nahe am Leiter, die große Kräfte auf geladene Körper (Ionen) ausüben, die zur Dissoziation der Körperflüssigkeit führen können. Ob das Magnetfeld der doch relativ geringen Ströme die entsprechende Wirkung entfaltet, bleibt fraglich. Vorrangig dürfte daher die Höhe der Spannung sein, weniger der Strom. Eine kW-Angabe scheint mir zweifelhaft: Viele Vögel sitzen auf Bahnstromanlagen mit Leistungen im Megawattbereich.

    Der Vogel wirkt eher wie ein Kondensator (Influenz) denn als Antenne (Wellenlänge mehr als tausend Kilometer!), so jedenfalls habe ich das einmal gelernt.

    Freileitungen sind keine Kabel! Kabel finden sich in der Erde (ausgenommen der Übergang von der Freileitung).
    Unter dem Aspekt, dass Vögel unmittelbar auf oder nahe bei den stromtragenden Leitern sitzen und damit deutlich stärker "belastet" werden, stellt sich die Frage, ob Menschen in 100 oder mehr Meter Entfernung tatsächlich noch den "Elektrosmog" verspüren.

    Hübsche Episode am Rande: In den 70er Jahren wurde in Bayern eine Dissertation durchgeführt, weil unerklärliche Kurzschlüsse in den ersten Morgenstunden auftraten. Ergebnis: Eine größere Vogelart flog morgens oft über die Freileitungen, und der flüssige und leitfähige Vogelschiss überspannte zwei Leiter mit der Folge des Kurzschlusses. (Daher sind grosse Vögel eher gefährdet als kleine).
  • Bifurkations-Geometrien fraktal & evolutionär

    20.10.2010, Werner Hahn 35075 Gladenbach
    Ein universelles mathematisches Prinzip erkannte Benoît Mandelbrot – in fraktaler Geometrie und Selbstähnlichkeit. Trotz innerer Ordnung mit Symmetrien wurde die Mandelbrot-Menge zum Symbol für das mathematische Chaos. Dass ausgerechnet der Vater der Schönheit des Mandelbrot-Männchens einem Krebs-Leiden erlag, ist als bestürzende Nachricht zu sehen. Krebs entwickelt sich zerstörend-chaotisch; Zell-Teilungen verlassen hier Symmetrien. Der Bremer Mathematiker und Fraktale-Experte Heinz-Otto Peitgen meinte einmal, man sei „versucht“, in der Morphogenese der Mandelbrot-Menge „eine Analogie zum Bauplan der Lebewesen zu vermuten“: „omnipotentes Genom: global selbstähnlich“. Heute entwickelt man dreidimensionale Fraktale; siehe SdW 04/10. Symmetrologie und Chaosforschung sind unter den Oberbegriffen Evolution und Selbstorganisation durch „Brücken“-Bildung zu vernetzen. Zwei Bifurkations-Geometrien gibt es: eine fraktale und evolutionäre. Eine „Evolutionäre Chaostheorie“ ist noch zu entwickeln. Zur Evolutionären Bifurkations-Geometrie („Evolutionären Symmetrietheorie“) siehe mehr im Internet. SdW 5/1997 berichtete dazu in einer Buchrezension mit Anmerkungen zur EST von mir.
    Benoît Mandelbrot wurde zu einer Schlüsselfigur bei der Wieder-Annäherung von Kunst und Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten; ein echter Neo-Renaissance-„Künstler“. Dank Herrn Christoph Pöppe für den Nachruf!
  • Von Meter zu Kilometer

    19.10.2010, Leif Matthiessen, Fulda
    Im Text zur Grafik auf Seite 85 heißt es: "zwischen 2600 und 2900 Metern", was jedoch Kilometer sein sollten.
  • Für tote Tiere und Fallwild in der Landschaft

    18.10.2010, Peter Neuhäuser
    Die Ökologen wissen es seit Langem; nun wird es auch im Naturschutz begriffen. Wie kann ein Ökosystem funktionieren, wenn eine ganze Gilde - die der Aas- und Kotfresser und der Zersetzer - eliminiert wird?
    Wir brauchen dringend mehr große Pflanzenfresser in unserer Landschaft, ihren Kot, aber auch ihre Kadaver, und sei es zunächst nur in großen Schutzgebieten. Nur dann haben wir die Chance, einiges der Artenvielfalt auch hierzulande zu erhalten, indem ökosystemare Prozesse komplett ablaufen können.
    Die Befürchtungen (der Eurokraten) und Veterinäre sind absolut unbegründet, denn die bisherigen Seuchen kamen allesamt aus der Massentierhaltung! Die aber wird subventioniert und dem Verbraucher aufgebürdet...
  • Die Physik des Subjekts

    15.10.2010, Dr. Michael Klement, St. Johann im Pongau, Österreich
    Die Quantenmechanik selbst weist auf die zentrale Rolle des Beobachters hin: Zeit als wenig greifbares Substrat, das sich der Objektbeschreibung entzieht, sei es die Wheeler-DeWitt Gleichung oder Hawkings Universum als Summe aller seiner Geschichten.

    Andrej Linde hat in 'Elementarteilchen und inflationärer Kosmos' sehr anschaulich das Phänomen 'Beobachtung' beschrieben - nämlich als Zerfall des Universums in den Beobachter und das beobachtete 'quasiklassische' Restuniversum. Für Letzteres finden wir in der Quantenmechanik eine hervorragende Beschreibung. Für Ersteres, das beobachtende Subjekt, fehlt uns bislang jeder Ansatz einer Theorie.

    Zeit als kann nur als Phänomen der Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt verstanden werden, Veränderung nur in Bezug auf etwas geschehen. Um eine Analogie aus der objektorientierten Programmierung zu bemühen - die Klasse, das Objekt ist zeitlos und unveränderlich, erst die Instanz 'erfährt' Veränderung und Zeit. Der Vorgang der Instanzierung eines Programmobjekts kann cum grano salis als Selbstbeobachtung des Programms verstanden werden. Im Fokus der Selbstbeobachtung fließt Zeit, geschieht Veränderung.

    Eine vollständige Theorie des Universums muss also eine Theorie des Beobachters miteinschließen. Eine Physik des Subjekts.
  • Zwei Bedeutungen von "Zeitlosigkeit"

    15.10.2010, Peter Eisenhardt, Frankfurt am Main
    Die Entfernung der (physikalischen) Zeit aus einer zu erstellenden fundamentalen Theorie der Natur geschieht in zwei Schritten, die oft nicht auseinandergehalten werden: Zuerst beseitigt man die absolute Zeit (Newtons) als eine externe Parameterzeit, denn diese wird von der allgemeinen Relativitätstheorie nicht mehr zugelassen. Man kommt zu einer relationalen Zeit als "Zahl der Bewegunge(en)" (Aristoteles), die jedoch sofort von der Quantenmechanik zurückgeführt wird auf Korrelationen von statischen (bewegungslosen) Zuständen. "Zeitlos" hat also in diesem Zusammenhang zwei Bedeutungen: "Ohne absolute Zeit" oder "ohne relationale Zeit" (Callender vermengt diese Bedeutungsunterschiede m. E. ein wenig). Wie freilich aus einem "absolut" statischen Zustand (analytisch, nicht durch eine Annäherung beschrieben) eine Veränderung emergieren soll, bleibt rätselhaft; auch für Callender.
  • Eigentlich kein Problem, oder bin ich zu naiv?

    15.10.2010, Prof. Dr. Dietrich H. Nies
    Interessanter Artikel, allerdings ist das Argument, dass unserer Zeit-EINTEILUNG (Umlaufbahn Erde/Mond, Erdrotation) willkürlich ist, trivial und kein Argument für die Nichtexistenz von Zeit per se. Vielleicht bin ich als Mikrobiologe naiv, für mich resultiert Zeit einfach aus der Ausdehung des Universums oder umgekehrt. Vom anderen Ende des Ereignishorizontes aus gesehen (etwa 4 Gigaparsek entfernt) entfernen wir uns mit Lichtgeschwindigkeit wohl in die 4. Dimension der Raumzeit, die Zeit? Damit wäre Zeit vektoriell und es gibt Vergangenheit (da waren wir eben noch) und Zukunft (da „dehnen“ wir hin). Nimmt man Masse als Widerstand einiger Energieformen gegen diese Ausdehnung an, resultieren Gravitation und die Verkrümmung der Raumzeit an Orten hoher Massedichten. Kontinuierliche Raum-Dilatation führt zur Entropie. Im Quantenbereich sind die Ereignisse so kurzlebig, das es zeitliche Unschärfen nach Heisenberg gibt. Alles ganz einfach. Hoffentlich bin ich jetzt kein „Welträtsellöser“!
  • Hohlwelttheorie doch widerlegbar?

    14.10.2010, Ernst Reinwein
    In diesem Artikel (siehe auch Spektrum-Dossier "Physikalische Unterhaltungen", Seite 76) wird erläutert, dass eine spezielle Hohlwelttheorie nicht widerlegbar sei. Bei den gebrachten Argumenten wird aber nicht auf die Gravitation eingegangen. Dies scheint mir aber wichtig, denn im Artikel Pendelverkehr durch die Erde und seiner Fortsetzung (im Dossier ab Seite 28) wird mehrfach darauf hingewiesen, dass das Schwerefeld in einer Hohlkugel null sei, also wirkungslos. Damit ist doch jede Hohlwelttheorie widerlegbar, oder?
    Antwort der Redaktion:
    Eben nicht. Die Hohlwelttheoretiker müssen sich ja auch eine andere Gravitationstheorie zulegen. Wenn sie die Realität korrekt beschreiben soll, dann muss sie eine Umformulierung der klassischen Gravitationstheorie für die Hohlwelt sein, mit dem Effekt, dass die Gravitation zumindest in der Nähe der Erdoberfläche alle Objekte nach außen (nämlich auf die Erdoberfläche zu) ziehen muss. Wie diese Theorie beschaffen sein müsste, damit sie die Bewegungen der Planeten korrekt beschreibt – denken wir lieber nicht darüber nach. Sie wäre in jedem Fall aberwitzig kompliziert. Insbesondere käme sie nicht zu dem Ergebnis, dass das Gravitationsfeld im Inneren einer Hohlkugel gleich null sein müsste.


    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Neutralleiter oder Steuerleitung?

    13.10.2010, David Rickers, Hamburg
    Sehr geehrter Herr Schlichting, mit großem Interesse lese ich regelmäßig Ihre Artikel im Spektrum der Wissenschaft. In Ihrem Beitrag "Hoch hinaus" schreiben Sie, es handele sich bei der zentralen, auf der Mastspitze platzierten Leitung um den Neutralleiter. Dies nahm auch ich noch bis vor kurzem an, musste mich jedoch durch einen Mitarbeiter der E.ON belehren lassen, dass es sich bei diesen um Steuerleitungen zur Signalübertragung handelt. Wahlweise sind diese aus Metall oder neuerdings auch als Lichtwellenleitern ausgeführt. Die von Ihnen beschriebenen Effekte und Schlussfolgerungen bleiben dadurch natürlich unangetastet.
    Antwort der Redaktion:
    Danke für Ihre Anmerkung. In der Tat sind in unterschiedlichen Quellen diesbezüglich unterschiedliche Informationen zu finden. Aber wie Sie schon zutreffend bemerken: Im Endeffekt ist für das in Herrn Prof. Schlichtings Artikel dargestellte Phänomen nur entscheidend, dass der Leiter nicht stromführend ist.
  • Zeit entsteht durch den Akt des Beobachtens

    12.10.2010, Gerhard Fischer, Neubau (Österreich)
    Sowohl die Physik von Newton und Einstein als auch die Schrödinger-Gleichung der Quantenmechanik sind streng deterministisch. Das bedeutet, dass alle Zeitpunkte gleichwertig sind, Systemzustände sind untereinander abbildbar und daher nicht wesentlich verschieden. In diesen Theorien besitzt ein System (auch das Universum) keine inhärente Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, es existiert einfach in der Form, die durch zeitfreie Anfangs- und Randbedingungen vorgegeben ist.

    Im Rahmen der Quantenmechanik kommt noch der wichtige Aspekt hinzu, dass ein unbeobachtetes System sich in keinem eindeutigen, bestimmten Zustand befindet. Alle auf Grund der Randbedingungen möglichen Zustände sind quasi gleichzeitig vorhanden, sie sind einander überlagert.

    Wie kommt also die Zeit in die unsere Welt?

    In der Quantenmechanik ist ein weiterer Effekt bekannt, der allerdings mit Mitteln der Schrödinger-Gleichung nicht beschreibbar ist und der bisher völlig rätselhaft und gesetzlos erscheint: In dem Augenblick, in dem ein System beobachtet wird, nimmt ein zunächst unbestimmter Zustand plötzlich einen bestimmten Zustand an (dies wird auch Kollaps der schrödingerschen Wellenfunktion genannt). Durch den Vorgang der Beobachtung entsteht ein Vorher und ein Nachher, das System ist nach der Beobachtung wesentlich verschieden von jenem vor der Beobachtung: Das Ergebnis der Beobachtung ist aus dem vorhergehenden System nicht ableitbar und die im Zuge der Beobachtung gewonnenen Fakten übernehmen die Rolle von zusätzlichen Randbedingungen. Dieser Effekt ist für einzelne Photonen und Elementarteilchen sehr ausgeprägt, für einen Vorgang des menschlichen Alltags, in dem Myriaden von Photonen und Atomen im Spiel sind, ist der Gesamteffekt dieser Kollapse einzelner Teilchen winzig, auf Grund statistischer Effekte erscheinen neue makroskopische physikalische Gesetze. Dies ändert jedoch nichts am Prinzip der permanent stattfindenden mikroskopischen nichtdeterministischen Vorgänge.

    Auch ist zu bedenken, dass sich menschliches Beobachten in Zuständen des Neuronennetzes des Gehirns repräsentiert. Die permanent stattfindenden Kollapse von unbestimmten Zuständen eines beobachteten Systems zu bestimmten Zuständen spiegeln sich also wider in permanenten nichtdeterministischen Zustandswechseln des Gehirns. Da das Gehirn diese Zustandswechsel selbst erkennen kann, entsteht die Wahrnehmung der Zeit.

    Die Schlussfolgerung lautet: Menschlich wahrgenommene Zeit entsteht durch den Akt des Beobachtens, sie ist keine inhärente Eigenschaft des beobachteten Systems.
  • Appetit auf mehr

    12.10.2010, Klaus Herrmann, Hürth
    Nach Nina G. Jablonski war der Selektionsdruck, der zur nackten Haut führt und zur Fähigkeit, außergewöhnlich stark schwitzen zu können, folgender (S. 64): „Mit ihren langen Beinen vermochten sie [unsere Vorfahren] in der weiten Landschaft rasch und ausdauernd zu gehen oder zu laufen und bei Bedarf auch gut zu rennen, ob sie nun Beutetiere verfolgten oder selbst vor Raubtieren oder Feinden flüchten mussten. Solches Verhalten steigert natürlich stark die Hitzschlaggefahr. ... Mit einem Fell und ohne zusätzliche ekkrine Schweißdrüsen hätte die starke, andauernde Muskelaktivität ihren Körper zu sehr aufgeheizt.“ Die Jagd auf zwei Beinen war also nach N.G. Jablonski der Selektionsdruck, der zu der nackten Haut führte und zu der Fähigkeit, so außergewöhnlich stark schwitzen zu können,

    Wir erfahren von N.G. Jablonski jedoch nichts darüber, warum diese Primaten zum aufrechten Gang mit langen Gliedmaßen übergingen. Die Umstellung von der vierbeinigen zur zweibeinigen Fortbewegung hat sehr umfangreiche anatomische Veränderungen erfordert: an den Fußgelenken, den Knie-, und Hüftgelenken, am Becken, an der Wirbelsäule und auch am Schädel. Das hat sehr lange gedauert, und in dieser Phase konnten sich die Primaten nur langsam und sehr schwerfällig fortbewegen. Sie konnten kein Großwild in der Savanne jagen. Jeder vierbeinig laufende Konkurrent war ihnen haushoch überlegen. Sie waren eine leichte Beute. Der aufrechte Gang machte sie weithin sichtbar.

    Warum haben unsere Vorfahren dennoch überlebt? Was war der Selektionsdruck, der diesen Übergang förderte? Folgt man N.G. Jablonski, dann war während der Phase der langsamen Bewegung eine nackte Haut und Schwitzen als Kühlung nicht erforderlich. War es danach für die Jagd und das Sammeln von Nahrung wirklich erforderlich? Löwen und Steppenpaviane kommen in sehr heißer Umgebung zurecht. Sie schwitzen nicht, und sie haben ein Fell.

    Die Thesen von Nina G. Jablonski waren zur Zeit ihrer ersten Publikation (in den 1980er Jahren) aktuell und für die Diskussion sehr hilfreich. Heute jedoch gibt es viele neue Erkenntnisse, die zu einer Revision zwingen. Ihr Artikel liest sich wie eine interessante Vorspeise, lecker zubereitet macht sie Appetit auf mehr, aber richtig satt wird man nicht.

    Um den Hunger zu stillen, empfiehlt sich als Hauptgericht Stefan Berking (Zoologe aus Köln) "Vom aufrechten Gang und vom Ackerbau" (2010, ISBN 978-38391-3254-8). Er bewertet alle aktuellen Theorien zur Entstehung des aufrechten Ganges, zeigt ihre Schwachstellen, kombiniert sie und würzt sie mit neuen Ideen.
    Ich wünsche guten Appetit und viel Spaß beim Lesen.
  • Das wusste schon Freud

    12.10.2010, Herrmann Cropp
    

Ich finde es sehr unbefriedigend in Ihren Artikel häufig zu lesen, wie umwerfend neu die jeweiligen Erkenntnisse seien, dabei genügt etwas Allgemeinbildung, um zu erkennen, dass damit nur der Artikeln wichtig gemacht werden soll - also wie ein Verkaufsargument.

 Eigentlich hätten Sie sowas gar nicht nötig, denn die vorgestellten Untersuchungen sind ohnehin interessant genug. Da die Autorin Piaget erwähnt, dürfte ihr auch bekannt sein, was Freud zu dem Thema schreibt, dass Kinder nämlich schon im frühesten Stadium als Forscher anzusehen seien, die viel mehr von der Welt verstehen, als Erwachsene wahrhaben wollen.

 Künftig würde ich mich also freuen, wenn die wissenschaftsgeschichtliche Einleitung weniger spektakulär und dafür korrekt wäre.