Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Neue Erkenntnisse scheinen Svensmark dennoch Recht zu geben

    06.09.2010, Dr. Jörg Kampmann, Physiker
    Der Artikel bezieht sich auf ein Paper von Calogovic von 2010 und auf einen Artikel von Svensmark von 2000.

    Inzwischen hat Svensmark allerdings wohl neue Erkenntnisse gewonnen, insbesondere mit Hilfe eines in Dänemark durchgeführten Experiments namens SKY - außerdem steht wohl noch das CERN-Experiment CLOUD aus.

    Mit SKY weist Svensmark nach, dass die kosmischen Strahlen durchaus an der Beteiligung der unteren Wolkenbildung (bis ca. 3000 Meter) beteiligt sind. Diese wiederum verursachen eine Vergrößerung der Albedo der Erde, was zu Abkühlungseffekten führt. Die kosmischen Strahlen, die von Sternexplosionen tief in der Milchstraße herrühren, und die unsere Erde treffen, werden durch das Magnetfeld der Heliosphäre mehr oder weniger abgelenkt.

    Svensmark hat das sehr schön beschrieben in seinem 2008 erschienenen Buch "Sterne steuern unser Klima".

    Offensichtlich hat Calogovic diese Erkenntnisse nicht gewusst, sonst hätte er sein Experiment anders gestaltet.

    Damit will ich nichts gegen den anthropogenen Einfluss von CO2 sagen. Es könnte aber doch sein, dass eben beide Einflüsse auf unser Klima einwirken, und womöglich noch mehr ...

    Dummerweise meint Svensmark allerdings, dass der kosmische Einfluss, das sog. Radiative Forcing, ca. 1,4 W/m2 ist, just genau der gleiche Wert wie der Einfluß von CO2 (Radiative Forcing) ... Immerhin könnte es ja sein, dass jeder hier noch einmal seine Hausaufgaben machen muss.
  • Religionsunterricht

    04.09.2010, Norbert Grundmann, Paraguay
    Hallo spektrumdirekt,

    um diesen weitverbreiteten Irrungen ein Ende zu bereiten, wäre es an der Zeit, den Religionsunterricht bundesweit abzuschaffen. Die Kirchen können ja für Interessierte und Unverbesserliche ihre "Märchenstunde" nach Schulschluss, aber außerhalb der Schulen, abhalten. Dann wäre es wohl bald vorbei mit dem ID-Unsinn -zumindest in Deutschland.

    N. Grundmann
  • Zwei Anmerkungen

    03.09.2010, Gerhard Düsing, Eppstein
    1) Die Betrachtung auf S. 62 im vorletzten Absatz soll die Vielecke mit n Ecken betreffen, wobei n keine Potenz von 2 sein soll, geschrieben n = m2s mit s ≥ 0. Dann genügt es nicht, dass m > 1 sei. m darf selbst keine Potenz von 2 sein; es reicht aber aus, wenn m ungerade ist (und damit automatisch m > 2).

    2) Die "kleinen" Vielecke sind so definiert, dass ihre "Breite" unabhängig von der Richtung einen bestimmten Wert nicht überschreitet. Dieser wird als 1 festgesetzt. So weit so gut, obwohl das Wort "klein" in diesem Zusammenhang nicht besonders glücklich ist. Wie aber sind dann die beiden ersten der am Schluss des Artikels gestellten, "ungelösten" Fragen zu verstehen? Jedes, nach obiger Definition "kleine" Achteck hat per definitionem die Breite 1, nicht mehr und nicht weniger.

    Antwort der Redaktion:
    1) Gemeint war in der Tat "m ungerade". Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.



    2) Der Autor Charles Audet hat uns eine Klarstellung geschickt, die die Unstimmigkeit auflöst. "Breite" war im Artikel in Bezug auf eine bestimmte Richtung definiert, nämlich der Abstand der beiden Geraden in dieser Richtung, die das Polygon einschließen. "Breite" ohne Bezug auf eine bestimmte Richtung meint das Minimum all dieser Breiten, also die Breite des engsten Schlitzes, durch den man das Polygon, geeignet gedreht, gerade noch durchschieben kann. Das "kleine Achteck maximaler Breite" ist demnach das "rundlichste" unter allen kleinen Achtecken.
  • Selber rechnen macht Spaß

    03.09.2010, Fritz Diem, München
    Madame Vincze hat vor 60 Jahren sicher eine elegantere Lösung für ein 8-Eck mit einem Umfang größer als das regelmäßige gefunden als ich.
    Mit Oberschulmathematik habe ich die 8 Koordinaten der Eckpunkte für ihr 8-Eck gefunden, Rechenzeit um 0,01 Sekunden.
    Ist es sonnenklar, dass es eine so einfache Lösung für diese Anordnung der Durchmesser gibt? Nämlich eine unabhängige Variable (Seitenlänge) und eine abhängige (einer der Durchmesser)?
    Das letzte 8-Eck rechts ist wohl wirklich schwerer zu berechnen.
    Insgesamt ein amüsanter (was so ein Mathematiker alles rechnet) wie anregender (selber rechnen) Artikel!
  • Literatur und Physik: Tolle Kombination

    01.09.2010, Anne S.
    Literatur und Physik, welch tolle Kombination! Ich unterstütze diesen Brückenschlag zwischen Geistes- und Naturwissenschaften aus vollem Herzen. Ich arbeite als Kulturwissenschaftlerin auch zu Wissenschaftsthemen, liebe die Mathematik ebenso wie die Kunst. Und natürlich Sprache. Insofern bin ich sehr gespannt, ob und wie sich Spektrum weiterentwickelt.
  • Spannungsbogen

    01.09.2010, Andreas Schwald, München
    Vielen Dank für das hochinteressante Interview!

    Dem neuen Chefredakteur viele gute Wünsche für sein Wirken, die spannenden (und manchmal gespannten) Beziehungen zwischen komplementären Denkweisen deutlich zu machen und - hoffentlich - das Verstehen der anderen zu fördern.
  • Unnötig kompliziert

    31.08.2010, DI Michael Schindler, Wien
    Ich habe mit Interesse den in der Überschrift genannten Artikel gelesen. Die technische Anwendung als Kraftwerk erscheint mir jedoch unnötig kompliziert, ebenso wie derzeitige Süßwassergewinnungsanlagen.

    Man könnte einfach einen zweiseitig mit Membranen versehenen Körper ca. 200 Meter tief im Meer schwebend versenken. Aus diesem Körper würde Süsswasser noch hinausströmen - man könnte diesen Körper als unteres Ende eines Wasserkraftwerkes verwenden. Für größere Volumenströme müsste man mehrere solcher Platten nebeneinander anordnen.

    Die einzelnen Platten sollten vertikal stehen - das sorgt für eine Strömung aufgrund des Dichtegradienten auf der Salzwasserseite.

    Taucht man die Apparatur tiefer ein und ersetzt die Wasserkraftanlage durch eine Pumpe, hat man ein Süßwasserwerk mit geringerem Energieverbrauch als derzeitige an Land gebaute. Es muss lediglich das Süßwasser im Tauchkörper auf Meeresniveau angehoben werden.

    Zusätzlich sollte durch die ständige Durchströmung der Salzgehalt auf der Salzwasserseite geringer sein - was kleinere Druckdifferenzen ermöglicht. Zur Wartung wird der tauchende Teil zur Oberfläche gebracht.

    Hier eine Skizze für ein im Wasser hängendes Süßwasserwerk:

    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank für Ihre konstruktiven Überlegungen zu unserem Spektrum-Beitrag. Wenn ich Ihren alternativen Vorschlag, durch Osmose Energie bzw. Süßwasser aus Meerwasser (Nichtgleichgewichtsozean voraussetzend) richtig verstehe, sprechen Sie Ideen an, die bereits 1974 von Levenspiel und de Nevers angestellt wurden.



    Der Unterschied zu dem im Spektrum-Beitrag skizzierten Osmosekraftwerk liegt demnach vor allem darin, dass man auf große Meerestiefen angewiesen ist - mit allen Problemen praktischer Art, die sich daraus ergeben. Da den Wissenschaftlern und Konstrukteuren auch diese Variante eines Osmosekraftwerks bekannt war, werden wohl diese und/oder andere Probleme eine Rolle bei der Entscheidung für einen der Kraftwerkstypen gespielt haben.



    Prof. Dr. H. Joachim Schlichting
  • Zuviele

    29.08.2010, Harald Weiche, Garbsen
    Der Grund aller von Menschen verursachten Probleme ist nicht eine falsche Technik oder eine mangelhafte Effizienz. Es ist schlicht die Anzahl: Wir sind zu viele und zwar nicht nur ein paar, sondern gut und gern sechs mal zu viele.

    Auch ein besser verwalteter Mangel wird bei einem Zuwachs unweigerlich wieder zum Problem.

    Wer die Problem der Menschen lösen will, sollte nicht vergessen, unsere Bildung, unser Sozialsystem und die Emanzipation der Frau zu exportieren. Ein Segen für das Individuum und in der Summe für die Bevölkerung.
  • Bahnbrechendes Buch

    28.08.2010, Richard Pestemer
    Ein bahnbrechendes Buch!

    Hans-Peter Dürr redet Tacheles, nicht in apokalyptischen Tiraden, nicht moralisierend, sondern unglaublich-gelassen und eloquent. Er fordert angesichts der Tatsache, dass uns der materialistische Industrialismus bürgerlicher oder "marxistischer" Prägung verknüpft mit den Heilslehren des "ewigen Wachstum und Konsum" - mal ungerecht, mal "gerecht" verteilt - in die globale Sackgasse von ökologischer, sozialer und humaner Krise geführt haben, ganz bescheiden die Umkehr. Kein Predigerton, unaufgeregt und leise-eindringlich. Und immer mit ungebrochenem Optimismus, mit der Strahlkraft des Lebendigen, was hohe Potentialität hat.

    Und seine lebensbejahende offenherzige Philosophie ist kompatibel mit allen lebensbejahenden Philosophien aus allen Weltregionen. ist nicht auf Streit aus, sondern klärt dahingehend, das sich nicht alles unmittelbar klären lässt. Dennoch ist Dürr nicht naiv, nicht esoterisch-abgehoben oder guruhaftig. Er ist die seltene Verbindung von Geist und Physik. In seinem Buck "Warum es ums Ganze geht" zieht er aus seinen persönlichen erschütternden Kriegserlebnissen, die er nur seelisch überdauerte, weil seine Familie und Freunde ihn durch alle Schrecken hindurch Halt gaben, die richtigen richtungsweisen Schlüsse, nämlich sich zu fragen wie gemeinsam 6 Milliarden Menschen das Überleben ihrer Existenz sichern können: in Frieden und Würde.
  • Skeptiker und Dogmatiker

    26.08.2010, Dr. Nico Bäcker, Teltow
    Nach der philosophischen Denkrichtung steht der Skeptiker dem Dogmatiker gegenüber. Jedes Argument wird hinterfragt, argumentative Ausgangspunkte werden immer weiter ins Fundamentale verschoben. Auch bei den Klimaskeptikern entwickeln sich Diskussionen um eine wissenschaftlich vermeintlich längs geklärte Frage zuweilen in eine Endlosschleife durch die Wissenschaftsgeschichte. Und man sieht sich als Naturwissenschaftler umringt von Personen, die argwöhnen, dass so etwas an sich harmloses wie die Mittelwertbildung für die Verschleierungstaktik von "Klimaalarmisten" benutzt würde, da wird plötzlich die fachmännische Bearbeitung von Rohdaten als Versünden an der Menschheit angesehen.

    Der Dogmatiker unterbricht die Endlosschleife des Skeptizismus durch Dogmen, die nicht weiter hinterfragt werden und Ausgangspunkte von Thesen sind. Aus Sicht eines Gutteils pragmatisch denkenden Naturwissenschaftlers ist bei beiden philosophischen Richtungen das prinzipielle Scheitern vorprogrammiert. Mit Dogmen arbeiten auch die Naturwissenschafter (Naturgesetze, first principles, Axiome). Das starre Festhalten daran wäre jedoch für den wissenschaftlichen Fortschritt tödlich. Die Wissenschaft der Aufklärung sieht es also pragmatisch: Dogmen so viel wie nötig, so wenig wie möglich und stets zum Umstürzen bereit, wenn es die Erkenntnisse erfordern.

    Skeptisch sein ist somit nicht schlecht, aber man muss auch wissen, was man will und wo Schluss ist. Ein bekennender Klimaskeptiker zeichnet sich vor allem durch zwei Merkmale aus: erstens die freimütige Interpretation von wissenschaftlichen Arbeiten durch selektives Zitieren oder eigenwilliges Darstellen und zweitens das notorische Umgehen, die eigentliche wissenschaftliche Arbeit zu verstehen und einzuordnen.

    Der Klimaskeptizismus ist wie die auf der anderen Seite bestehende zu unkritische Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse ein Phänomen der öffentlichen Klimadebatte. Zu hoffen ist, dass die Wissenschaft dadurch nicht gestört wird.
  • Sind Klimaskeptiker verrückt?

    25.08.2010, Bernhard Schwarz, Wien
    Es muss nicht der irrationale und paranoide Glaube an eine Verschwörung aller Klimatologen sein, der zur Skepsis gegenüber einigen diesbezüglichen Prognosen und Weltuntergangsszenarien führt. Schließlich hat sogar das UNO-Panel Änderungen bei der Präsentation von Prognosen angekündigt, weil der Übereifer mancher Retter der Menschheit mit Seriosität nicht vereinbar war. Computersimulationen sind zwar offenbar in der heutigen Wissenschaft unverzichtbar, das einzige Sichere, was man über sie sagen kann, ist aber doch wohl, dass ihre Ergebnisse nicht zutreffen werden, weil es unmöglich ist, alle Einflussfaktoren in Simulationen zu berücksichtigen. Und Irrtümer der Wissenschaft in der Vergangenheit - vom Geozentrismus bis zum Glauben an die Besessenheit von Menschen durch den Teufel - beruhten auch nicht auf der Weltverschwörung, sondern einfach auf der Fehlinterpretation verschiedener Beobachtungen, und auf dem Zeitgeist, der meistens bestimmten Interpretaionen sehr zugeneigt ist.
    Allen Klimaskeptikern - ob sie nun Blogs schreiben oder nicht - zu unterstellen, sie fühlten sich durch Verschwörungen verfolgt und seien damit mehr oder weniger geisteskrank, wird wohl nicht die Intention von Herrn Springer gewesen sein, hoffe ich.
  • Essentials der Willensfreiheitdebatte

    19.08.2010, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Soviel ich davon verstehe, geht es auch bei der Diskussion des Verhältnisses von Willensfreiheit und Determinismus um bloße Logik. Die Frage ist nämlich, ob "Freiheit" mit einem Denkmodell logisch kompatibel ist, in dem eine kausal geschlossene "Welt" fingiert wird. Die Antwort ist selbstverständlich negativ, und zwar simpler Weise deswegen, weil "Freiheit" aus dieser Vorstellungswelt a priori ausgeschlossen wurde.

    Das Glasperlenspiel, sich ständig neue Variationen von "Welten" beliebiger Art auszudenken und deren logische Konsequenzen zu diskutieren, bereitet offenbar intellektuellen Spaß. Ob es zu mehr nütze ist, wäre zu zeigen. Es bindet allerdings intellektuelle Kapazität. Ich fände es besser, sie in die empirische Erforschung von Eigenheiten und Grundlage unserer Willensfreiheit in Form ihrer genauen psychologischen Analyse zu investieren.

    Als Vorleistung gehört dazu, die dabei verwendeten Worte "wollen" und "frei" in ihrer Bedeutung zu klären, damit Einigkeit darüber besteht, worüber geredet wird. (s. dazu die Erörterungen insb. in Abschnitt 6 hier) Die Versubstantivierung des Verbs 'wollen' zu "der Wille" verändert dabei logisch nichts; nach meiner Kenntnis der deutschen Umgangssprache drücken wir nämlich mit der Wendung "mein Wille ist" das aus, was wir auch mit "ich will" sagen wollen, nämlich sich entschlossen zu haben etwas zu tun.

    Die Diskussion müsste deswegen auch auf unsere Entschließungs- oder Entscheidungsfreiheit ausgedehnt werden sowie ihre sachlich notwendige Voraussetzung, nämlich Wahlfreiheit.

    Psychologisch wäre dabei zu klären, wie wir es lernen und konkret anstellen, in realen Situationen nicht "einfach" reflexhaft auf innere Impulse oder äußere Reize hin zu reagieren; denn wir können bekanntlich alle derartige natürliche Abläufe ab einem bestimmten Alter auch stoppen und bei genügender Übung oder "Beherrschung" erst gar nicht in Gang kommen lassen. Momente derartigen Innehaltens können deswegen genutzt werden, sich Handlungsalternativen zu jedem von Natur aus reflektorischen Verhalten aus- und hinzuzudenken. Dadurch ermöglichen wir uns auch, die Wahlmöglichkeiten zu erkennen, die in einer denkbaren oder tatsächlichen Situation zur Verfügung stehen.

    Diese "Tatsachen" und die Fähigkeit reflexhaft einsetzendes Tun zu an sich jedem beliebigen Moment zu stoppen, sind bekannt; Letztere ist von John Locke (1632-1704) als Suspensionsvermögen bezeichnet worden. Daran hat in den letzten Jahren der seit Neuestem in Berlin lehrende Philosoph Geert Keil in seinen Büchern zum Thema erinnert, zuletzt in seinem Beitrag zur Reclam-Reihe "Grundwissen Philosophie" Nr. 20329 mit dem Titel "Willensfreiheit und Determinismus".

    Losgelöst von all dem und nur zu dem Zweck, um dagegen polemisieren zu können, anzunehmen, dass wir mit dem Substantiv "Wille" nicht eigentlich auf vorgängige Entscheidungen verweisen, sondern dass wir uns damit auf etwas substanziell Eigenständiges beziehen würden – nämlich auf "einen" Wille, der will, dass wir etwas wollen, wobei jeder dabei auch noch seinen eigenen Willen haben müsste – ist ersichtlich derart unsinnig, dass ich mich seit Langem wundere, wie oft diese Denkfigur bemüht wird, die offensichtlich der alten Geistmetaphysik angelehnt oder ihr sogar entlehnt ist.

    Entschieden wichtiger finde ich darauf hinzuweisen, dass selbstverständlich auch das Substantiv "Freiheit" durch rein sprachliche Umformung des – zudem zweistelligen - Adjektivs "frei" zu Stande kommt. Es meint bekanntlich immer "frei von". Aussagen über Freiheiten sind erst dann vollständig, wenn gleichzeitig mit angegeben wird oder als eindeutig unterstellt werden kann, um welche Freiheit es geht und wovon man dabei frei ist. Erst dann ist es sinnvoll darüber zu sinnieren, "wozu" man die jeweilige Freiheit nutzen kann.

    Wovon wir uns durch – vor allem überlegte, reflektierte – Willensbildung frei machen und zwar selbst befreien, sollte nach dem zuvor Gesagten allerdings kein Rätsel mehr sein.

  • Seit wann ist "der" Determinismus eine empirische Tatsache?

    19.08.2010, Ingo-Wolf Kittel, Augsburg
    Weil ich das bis jetzt nicht mitbekommen habe die Frage, wann und ggf. von wem tatsächlich empirisch nachgewiesen worden ist, dass sämtliche Geschehnisse in der Welt (wie groß ist die eigentlich?) immer eine kausale Ursache haben und es niemals und jemals eine Ausnahme davon gab und geben wird?

    Schon die faktische Unterscheidung von notwendigen und hinreichenden Bedingungen für die Auslösung experimentell isolierter Vorgänge scheint mir schlecht, wenn überhaupt mit der einfachen Ansicht vereinbar zu sein, dass es für alles "eine Ursache" gibt.

    Meiner Kenntnis nach liegt dem kausalen Erklären in der Naturwissenschaft ganz anderes zugrunde, nämlich eine logische Konstruktion. Sie ist bekannt und wird fachlich als "deduktiv-nomologisches Erklärungsschema" bezeichnet oder nach seinen Beschreibern "Hempel-Oppenheim-Schema", abgekürzt auch als "HO-Schema".

    Nach diesem Erklärungsmodell gelten solche Geschehnisse als "erklärt", deren auslösenden Bedingungen experimentell vollständig isoliert werden konnten und somit in ihrer Aus/"Wirkung" bekannt sind. Faktisch bislang nicht auf diese Weise erklärbaren Geschehnisse sind dann – bis auf weiteres – eben noch nicht kausal erklärt.

    Die darüber unbegrenzt weit hinaus gehende "Annahme", diese könnten irgendwann einmal kausal vollständig erklärt werden, ist ein ungedeckter Scheck auf die Zukunft. Dagegen ist die noch weiter gehende Behauptung, "prinzipiell" seien alle Geschehnisse in der Welt bisher und in alle Zukunft immer kausal bedingt, entweder eine Setzung a priori oder verdankt sich einem sog. "naturalistischen Fehlschluss".

    Der Essener Wissenschaftsphilosoph Dirk Hartmann bezeichnet diesen von ihm als dritten herausgearbeiteten Fehlschluss (hier auf S. 327) als "ontologische Hypostasierung". Diese besteht darin, das methodische Prinzip des kausalen Erklärens metaphysisch zu einem universalen "Kausalgesetz" zu überhöhen oder im Jargon von Philosophen: zu "ontologisieren" – gleich einer willkürlichen und grenzenlosen Verallgemeinerung einer Hypothese.
  • Kommentar zu Akausalität und Indeterminiertheit

    17.08.2010, Paul Kalbhehn, Gummersbach
    Wieso sollen akausale - "zufällige" - Ereignisse innerhalb einer statistischen, wahrscheinlichkeitsbedingten Naturgesetzlichkeit zur "Lotterie des Würfelspiels" führen (wobei es "auf Dauer" auch dort statistische Gesetzmäßigkeiten gibt)? Betrachtet man etwa das Wechselspiel von zufälliger Mutation und molekularer Selektion bzw. Adaption der modernen Evolutionstheorie, so drängt sich mir die Frage auf: Ist die logische Folgerung aus dem Kausalitätsprinzip nach einer scheinbaren Zwangsläufigkeit (Determinierung) der Naturgesetzlichkeit nicht zu vergleichen mit der sukzessiven Folgerung aus der Fiktion des griechischen Dialektikers Zenon nach einer scheinbaren Uneinholbarkeit der Schildkröte durch Achilles, da nämlich der Bruchteil des Abstandes zu ihr zwar immer kleiner, aber nicht null werden könne - bis die Infinitesimalrechnung eine neue Perspektive aufzeigte; eine Analogie zur Quantenphysik?
  • Dominanz der US-amerikanischen Forschung ein Artefakt?

    16.08.2010, Dr. Rolf Pausch, Köln / Trin (Schweiz)
    Seit den Anfängen vor mehr als 30 Jahren gehört Spektrum der Wissenschaft zu meiner regelmäßigen Lektüre, mit der ich mich vor allem über Forschungsbereiche außerhalb meines eigenen Fachgebiets informiere. Selten lege ich ein Heft aus der Hand, ohne den überwiegenden Teil der Beiträge gelesen zu haben. Ich schätze insbesondere die naturwissenschaftliche Ausrichtung der Zeitschrift auch da, wo es sich um 'weiche' Themen handelt. (Dies ist ausdrücklich ein ernstgemeintes Kompliment und nicht die übliche Lobhudelei, mit der man gern schon einmal einen Leserbrief einleitet.)

    Mein außergewöhnliches Interesse hat diesmal die dem Juli-Heft beigelegte Sonderpublikation "Schwerelos – Europa forscht im Weltraum" erregt. Die Fachbeiträge dieses Heftes lassen die hohe Qualität der europäischen Forschung - nicht nur im Weltraum - durchscheinen, über die man in allgemeinverständlichen Wissenschaftspublikationen gern auch mehr lesen möchte. Insofern ist der Titel der US-amerikanischen Vorlage "Looking Up - Europe’s Quiet Revolution in Microgravity Research" durchaus zutreffend.

    Dies rührt an eine generelle Problematik, die mir sowohl bei Spektrum der Wissenschaft wie auch in Wissenschaftsbereichen auffällt, die mir in anderen Zusammenhängen zugänglich sind: Die Wahrnehmung der außeramerikanischen Forschung in der Scientific Community wie auch im Wissenschaftsjournalismus ist ihrer tatsächlichen Qualität nicht angemessen. Es deutet vieles darauf hin, dass Vorsprung und weltweite Dominanz der US-amerikanischen Forschung ein Artefakt ist.

    Dies hat m. E. folgende Ursachen: Der amerikanische Wissenschafts- und Technologiebetrieb nimmt Forschungsergebnisse, die außerhalb der USA entstehen, nicht in ausreichendem Maße zur Kenntnis. Z. B. werden ausländische Patente oder Rechtsvorschriften weitgehend ignoriert (siehe Google & Co.). Publikationen, die nicht in englischer Sprache vorliegen, haben kaum eine Chance, außerhalb des eigenen Sprachraums wahrgenommen zu werden.

    Damit geht für die globale Wissenschaft die große Zahl von vielleicht weniger spektakulären Forschungsergebnissen verloren, die aber eine Grundlage für die Spitzenforschung darstellen. Der Forschungsbetrieb im englischsprachigen Raum erscheint dagegen im Vergleich etwa zum europäischen, japanischen oder chinesischen reicher und vielfältiger als es der Wirklichkeit entspricht.

    Publikationen wie Spektrum der Wissenschaft, wie auch dem qualifizierten Wissenschaftsjournalismus generell, kommt m. E. die Aufgabe zu, diesen Eindruck zu korrigieren und ausführlicher über die europäische bzw. außeramerikanische Forschung zu berichten, da es ihm eher als dem einzelnen Leser möglich ist, auch andersprachliche Publikationen zu erschließen. Die vorliegende Sonderpublikation kann hierfür als gutes Beispiel angesehen werden.