Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Meerwasser statt Trinkwasser?

    13.11.2009, Gerhard Zetzsche
    Könnte man nicht statt des kostbaren Grundwassers Meerwasser nehmen?
    Antwort der Redaktion:
    Ja und nein. Wasser kommt in solarthermischen Kraftwerken an verschiedenen Stellen zum Einsatz. Zum einen im Dampfkreislauf selbst. Hier kommt Meerwasser wegen der darin gelösten Stoffe nicht in Frage, allerdings sind die benötigten Wassermengen gering. Deutlich mehr Wasser benötigen die Verfahren zur Reinigung der Spiegel (an Trockenreinigungsverfahren wird noch geforscht), auch hier lässt sich kein Meerwasser einsetzen. Und schließlich wird sehr viel Wasser für die Kühlung am Ende des Dampfkreislaufs benötigt. Hier könnte tatsächlich Meerwasser genutzt werden. Alternativ existiert die Möglichkeit der Trockenkühlung.



    Würde man nun allerdings Meerwasser per Pipeline in die Sahara transportieren? Eher nicht, auch die Desertec-Planer rechnen mit spitzem Bleistift, obwohl der Rohstoff Sonne kostenlos ist. Nahe der Küste wäre dies allerdings möglich (hier wäre dafür wieder auf Bewölkungsgrad etc. zu achten). Also bleibt in der Regel die Trockenkühlung, die mit einem Wirkungsgradverlust von bis zu zehn Prozent behaftet ist, und höhere Investitionen verursacht. Wasser braucht sie allerdings auch. In der WRI-Studie "Juice from Concentrate" heißt es zum Beispiel: "Dry cooling systems—where exhaust steam is cooled using ambient air rather than water—reduce water usage by 90 percent, but can add 2–10 percent to levelized costs and reduce the plant’s efficiency by up to 5 percent. A variety of wet/dry hybrid cooling systems offer up to an 80 percent reduction in water usage with more modest cost and efficiency penalties."
  • Wird in der Praxis bereits erfolgreich angewandt

    11.11.2009, R. Sanderson, Berlin
    Ich unterrichte an einer Sprachschule Englisch - vor allem Business Englisch - und nutze bereits seit Jahren Filme im Original mit Untertitel.

    Leider gab es bisher nicht viel geeignetes Material. Seit ein paar Monaten nutze ich nun die untertitelten Online-Videos von LinguaTV, die speziell für den Fremdsprachenunterricht produziert werden. Es handelt sich um kurze und authentische Situationen aus dem privaten und beruflichen Alltag, die von Muttersprachlern gespielt und teilweise sehr unterhaltsam sind. Meine Kursteilnehmer lernen dadurch praxisrelevantes Vokabular und natürlich die Aussprache. Im Anschluss diskutieren und vertiefen wir einzelne Themen.

    Ich kann also den Lernerfolg, der in Ihrem Artikel beschrieben wird, nur bestätigen: Bei uns funktioniert es auch in der Praxis sehr gut. Die Fähigkeit der Kursteilnehmer, sich in Gesprächssituationen zu artikulieren, hat sich erheblich gesteigert.
  • Argumente der Ewiggestrigen

    03.11.2009, Prof. Dr. Fritz-Dieter Doenitz, 92718 Schirmitz
    "Wüste Beschimpfungen" wäre wohl der angemessenere Tittel für diesen Beitrag gewesen. Da dem Autor offensichtlich die Sachkenntnis und damit die sachlichen Argumente fehlen, hat er einen Schreckenskatalog aus Fehlschlägen und gigantismen der Vergangenheit zusammengestellt, um das Desertec-Projekt und mit ihm die Solarthermische Kraftwerkstechnik (STKT) zu diskreditieren. Was hat sie mit Atomenergie, "Rohstofffluch" und dem Scheitern technischer Großprojekte im vergangenen Jahrhundert zu tun? Es sind die sattsam bekannten Argumente der Ewiggestrigen, die sie auf ihren Rückugsgefechten seit Jahren wie eine Monstranz vor sich her tragen und eines nach dem anderen beerdigen müssen. Die Zeit wird über diesen Artikel hinweggehen, doch es tut weh zu sehen, wie die Meinungsfreiheit durch eine derartige (gezielte?) Desinformation missbraucht wird.

    Weiß der Autor nicht oder will er es nicht wissen, dass die STKT seit zwanzig Jahren höchst erfolgreich in Kalifornien läuft und darüber hinaus mittlerweile 50 Kraftwerke in Spanien mit einem Investitionsvolumen von rund 15 Milliarden Euro am Netz, im Bau oder in der Planung sind? Wo bleibt da das "unkalkulierbare Novum"? Weiß er wirklich nicht, dass es in der Kraftwerkstechnik anstelle der Wasserkühlung auch eine Trockenkühlung gibt, die selbstverständlich dort eingesetzt wird, wo das verfügbare Wasser nicht ausreicht? Die Effizienz der Stromproduktion wird dadurch zwar um circa 8 Prozent vermindert, doch durch die gegenüber Spanien um 30 Prozent stärkere Einstrahlung in der Sahara überkompensiert. Glaubt der Autor ernsthaft, wir könnten mit dezentraler Stromproduktion, vornehmlich über Photovoltaik, unseren Elektrizitätsbedarf decken, der sich in den kommenden Dekaden durch das Aufkommen des Elektroautos verdoppeln wird? Eine einfache Abschätzung zeigt, dass man durch Belegen der einigermaßen geeigneten Dächer in Deutschland bestenfalls einen einstelligen prozentbeitrag zu unserer Stromversorgung leisten kann. Oder will er etwa unsere Grünflächen zupflastern? Eine Schreckensvision!

    Woher schließlich nimmt dieser technisch Uninformierte die Behauptung, die STKT könne "in 40 Jahren technisch längst marginalisiert sein"? Im Gegenteil: die STKT wird 2050 dank ihrer Zuverlässigkeit, ihrer Fähigkeit zur Stromproduktion rund um die Uhr und der ihr zur Verfügung stehenden, unerschöpflichen Ressourcen das Rückgrat einer europäischen Stromversorgung bilden, die durch Hochspannungsgleichstromleitungen sämtliche erneuerbaren Stromquellen in Europa vernetzt und die konventionellen Kraftwerkstechniken abgelöst haben wird. Das ist die Wahrheit, und es wäre einer wissenschaftlichen Zeitschrift wie der Ihren angemessen, statt einer untragbaren, "wüsten" Polemik der sachlichen Information Raum zu geben.

    Vergeblich suche ich im Spektrum der Wissenschaft einen sachlich fundierten Bericht über die STKT, von dem bemerkenswerten Interview mit Herrn Müller-Steinhagen in Heft 9/09 einmal abgesehen. Dann würde vielleicht Ihr Autor wenigstens die Grundprinzipien dieser Technik verstanden haben.
  • ... mehr als ein Jahrzehnt können wir bislang nicht ....

    03.11.2009, Edy AHNEN, Luxemburg-Bereldange
    Es wird immer abstruser: Wenn es stimmt dass wir nicht mehr als ein Jahrzehnt in die Zukunft blicken können, wieso hat man dann für die letzten zehn Jahre apokalyptische Vorhersagen gemacht? Die Klimatologen haben sich ja gegenseitig übertroffen mit Vorhersagen wie "schneller, stärker, dramatischer als erwartet".

    Dieses Zurückrudern könnte man als Anpassung an die Realität ansehen, würde Herr Latif nicht schon wieder skandieren: "Danach wird sie (die Erwärmung) dafür wohl umso schneller weitergehen."

    Bevor man solche Vorhersagen macht, sollte man sich da nicht zuerst einmal fragen, wieso die letzten Vorhersagen nicht eingetroffen sind? Es gibt ja sogar Klimatologen, die behaupten, das Klima könnte erst einmal 25 Jahre lang "Pause machen", um das Versäumte dann wieder aufzuholen.

    Man fragt sich was mit den Prognosen geschehen ist, die man vor 10 oder 20 Jahren machte beziehungsweise mit den das Netz füllenden Untergangsprophezeiungen der letzten drei Jahre. Immerhin hat Sven Titz in seinem Artikel " Kalt Erwischt" http://www.spektrum.de/artikel/979390&_z=798888 deutlich auf diesen Sachverhalt hingewiesen.

    Wenn das Klima sich auf natürliche Weise so verändern kann wie die letzten 60 Jahre, wie kann man dann in den letzten 100 Jahren mit 99,999-prozentiger Wahrscheinlichkeit den Einfluss des Menschen herauslesen? Wer bei den hin- und zurückrudernden Aussagen der Klimatologen nicht skeptisch wird, ist selbst schuld, mit Verlaub.

    Freundliche Grüsse aus Luxemburg
  • Einfluß der Erdgravitation?

    02.11.2009, Dr. med. Stephan Zschocke, 25469 Halstenbek
    In Ihrem ausgezeichneten Artikel vermisse ich eine Diskussion des möglichen Effektes der Gravitationswirkung der Erde auf den Mond. Da die gebundene Rotation des Mondes, wie in dem Aufsatz erwähnt, schon sehr früh begann und anfangs der Mond der Erde auch noch viel näher war, könnte die - bei gebundener Mondrotation - gleichförmig auf den Mond einwirkende erhebliche Gravitationskraft der Erde doch ebenfalls einen differenzierenden Einfluß auf die Magmabewegungen und die Krustenbildung von Vorder- und Rückseite des Mondes gehabt haben.
  • Warum ist Wirtschaftswissenschaft rational?

    31.10.2009, Dr. C. Monnerjahn, Magdeburg
    Es ist schon erstaunlich, wie in den klassischen Wirtschafts-Wissenschaften der "homo oeconomicus" konsequent von aller Menschlichkeit befreit wurde- er ist ohne jede Emotion und frei aller "Triebe" eines eben biologischen Wesens. Wie auf dieser Grundlage verläßliche Schlüsse über das Funktionieren von Wirtschaft gezogen werden können, bleibt ein Rätsel - und funktioniert nicht. "Blasen" und "Crashs" laufen unter rein emotionalen Kriterien, wie der Beitrag herausstellt. Sei es beim "Tulpen-Hype" oder der Finanzblase der 1920ger Jahre, die dann Ende 1929 platzt- oder in der aktuellen Finanzkrise bei der Frage, Lehman-Brothers zu retten oder nicht. Glaubt man einer Fernsehdokumentation die u.a. auf Phoenix lief, war die Entscheidung hier stark von der Antipathie zwischen dem US-Finanzminister und dem CEO von Lehman bestimmt- keine Spur des emotionsfreien "homo oeconomicus". Nicht zuletzt führten eigentlich irrsinnige Versprechungen zu der US-Immobilienkriese ("Du kannt ein Haus kaufen, auch wenn Du kein Grundkapital hast"), die rein emotionale Wünsche erfüllten (zu erfüllen schienen). Da ist es höchste Zeit, daß die Wirtschaftswissenschaft den Elfenbeinturm der "reinen Rationalität" verläßt.
  • Eine überraschende Erklärung

    29.10.2009, Wolfgang Gahr, Berlin
    Die Frage, warum die Kruste des Mondex auf der erdabgewandten Seite 100..110 km dick ist, während ihre Dicke auf der erdzugewandten Seite nur 20..30 km beträgt, läßt sich vielleicht auf eine einfache Weise erklären:
    Zum Zeitpunkt der Entstehung des Mondes vor 4527 Millionen Jahren war auch die nahegelegene Erde flüssig und strahlte Wärme ab. Ihr damaliger Abstand zum Mond soll damals lediglich 20.000 bis 30.000 km betragen haben. Vom Mond aus hatte sie demnach einen Durchmesser von 24 bis 35.4 grad. Eine glühende Scheibe am Himmel mit einer Oberflächentemperatur von auch nur 1000 grad muss die der Erde zugewandte Seite des Mondes erheblich erwärmt haben, und hat ganz sicher die Abkühlung auf dieser Seite verlangsamt. So ist es ganz natürlich, dass sich zuerst auf der erdabgewandten Seite des Mondes feste Kruste gebildet hat. Da von diesem Material nicht beliebig viel zur Verfügung stand, blieb für die spätere Krustenbildung auf der erdzugewandten Seite weniger Material übrig, so dass die Kruste hier dünner gebildet wurde.
    Antwort der Redaktion:
    Wir haben Ihren Vorschlag an den Autor weitergeleitet. P. Surdas Mohit antwortete:



    "That's a good question. It's certainly possible that energy from the Earth may have warmed the nearside of the Moon early on, and that this may have had an effect. However, the problem is that this would have produced a relatively small temperature difference between the two sides, so it's not clear whether that would be enough to produce the asymmetry that is observed.



    The model of Loper and Werner that I mention in the article is an attempt to use this small temperature difference to produce a large-scale effect."
  • Ziemlich gefährlich

    28.10.2009, Lukas John, Nürnberg
    Ich glaube durchaus, dass es vorkommen kann, dass sich verschiedene Gene von Population zu Population unterscheiden, allerdings sollte man meiner Meinung nach trotzdem auf die Wertung solcher Ergebnisse achten. Der Unterschied zwischen "ängstlicheren, leichter negativ beeinflussbaren" Asiaten und "psychisch belastbareren" Europäern hat einen stark anrüchigen Anklang an die nationalsozialistische Rassenlehre.

    Wenn dieser Zusammenhang stimmen sollte, wäre es vielleicht eher ratsam darüber nachzudenken ob es einen Grund im Sinne eines bisher unbekannten evolutiven Vorteils für einen derartigen Unterschied geben könnte.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr John,



    Vielen Dank für Ihre Zuschrift. Die Studie der beiden Forscherinnen kommt ja genau zu einem anderen Schluss. Zwar haben verschiedene Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein des S-Allels und erhöhtem Risiko für Depressionen oder Angstzustände hergestellt. Dennoch scheinen sie Völker kaum zu treffen, in denen die S-Variante häufiger vorkommt.



    Im Laufe ihrer Entwicklung haben sie offensichtlich Mechanismen entwickelt, die so vor der Ausbildung solcher Krankheitsbilder schützen (so wie diese laut Aussage der beiden Wissenschaftlerinnen sie bereits früher bis zu einem gewissen Grad vor Seuchen bewahrt haben könnten). So gesehen, wären diese asiatischen Völker uns Europäern oder Amerikanern "überlegen", weil unser Gesellschaftsmodell eben nicht über diese Schutz"strategie" verfügt.



    Noch direkt zum Thema "nationalsozialistische Rassenlehre": Auch wenn die Nazis dies damals pervertiert haben, dürfen wissenschaftliche Untersuchungen zu genetischen Unterschieden heute nicht verboten sein. Problematisch ist ein politischer Missbrauch solcher Ergebnisse.



    Mit freundlichen Grüßen


    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Die Ressource der "Großelternschaft"

    28.10.2009, Christian Krippenstapel, Hildesheim
    Interessante Hypothese, daß wir die Neandertaler auskonkurriert haben, weil uns plötzlich die Ressource der „Großelternschaft“ zuwuchs, was im Artikel fast nur beiläufig erwähnt wird. Natürlich! Dadurch konnten plötzlich beide Geschlechter aktiv zum Nahrungserwerb des Stammes beitragen, nicht nur die Männer durch die Jagd, sondern in viel größerem Umfange als vordem auch die Frauen durch Sammeln, während die Großeltern den Nachwuchs betreuten und wichtiges Wissen tradierten. Die durchschnittliche Neandertalerin dagegen dürfte durch die Brutpflege ungleich stärker gehandicapt gewesen sein. Darüberhinaus starb sie sehr bald nach dem Ende ihrer fertilen Lebensphase und nahm wertvolle Kenntnisse und Fähigkeiten mit ins Grab, während Homo sapiens eine dritte Lebensphase hinzugewann, die im Tierreich einzigartig ist und über deren Bedeutung wir bislang gerätselt haben.

    Damit bekommt die Hypothese beinahe tagespolitische Aktualität. Oftmals wird ja die Frage, ob Kinder nun eher zur Mutter oder eher zum Vater gehören, recht lautstark diskutiert. Vielleicht können die Anthropologen diesen Streit entschärfen, indem sie anmerken: „Möglicherweise weder - noch! Sie gehören eher zu den Großeltern.“
  • Von "Rassen" und "Geschlechtern"

    27.10.2009, U. Elsaesser
    Seit "Lewontin, R The Apportionment of Human Diversity, Evolutionary Biology, vol. 6 (1972) pp. 391-398" wissen wir als statistisches Dogma, dass es Rassen nicht gibt: Die größte Variation (80 - 85%) innerhalb der Menschheit liegt innerhalb von geschlossenen lokalen geographischen Gruppen, und Unterschiede, die man "Rassen" zuschreiben kann, haben nur eine Variabiltät von 1 - 15%.

    Außerdem vermutete man lange, dass es zwei Arten von Menschen (so genannte Geschlechter) gibt, die sich jedoch nur durch ein sogenanntes Y-Chromosom unterscheiden. Dieses Y-Chromosom (mit seinen 58 Millionen Basenpaaren) trägt aber nur zu 0,38% der gesamten DNA einer menschlichen Zelle bei (siehe wikipedia). Offensichtlich macht es keinen Sinn, von zwei verschiedenen Geschlechtern innerhalb der Menschheit zu reden, wenn es nur um ein drittel Promille und nicht wie bei den (nicht existenten) Rassen um 15 Prozent geht.

    Mir ist klar, dass der kleine Unterschied zwischen den Beinen wesentlich länger zurückliegt als der in der Hautfarbe oder den Augenlidern, aber ich glaube dennoch, die biologischen Dogmatiker müssen nochmals in sich gehen.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Elsaesser,

    das Merkwürdige ist doch, dass die beiden Geschlechter zusammenwirken müssen, damit Fortpflanzung erfolgt – ein grundlegendes Faktum für die Evolution.

    Viele Grüße
    Dr. Adelheid Stahnke

  • Weiteres Vorkommen der größten Radnetzspinne

    26.10.2009, Suzanne van de Graaff
    Ich denke, dass ich Ihnen einen weiteren Ort nennen kann, an dem die Spinne vorkommt: die Insel Rodrigues im Indopazifik. Ich bekam dort persönlich einige Exemplare zu sehen. Die Netze hängen so zum Wind, dass sich alles unweigerlich darin verfängt. Äußerst geschickt!
  • Marokko stabil?

    25.10.2009, Paul R. Woods, Neumagen-Dhron
    Abgesehen davon, dass Marokko so seine Probleme mit Demokratie und Menschenrechten einerseits und mit Gruppen, die einer extremen Auslegung des Islam anhängen, anderseits hat, ist auch sein Anspruch auf die Phosphatvorkommen illegal. Die Lagerstätten liegen in der West-Sahara, einem Gebiet, das Marokko nach Ansicht der UN widerrechtlich besetzt hält und in dem es eine Mischung aus ethnischer Säuberung und militärischer Unterdrückung unterhält.
    Eine solche Nation als stabil zu bezeichnen halte ich für übertrieben. Wir sollten uns eine Menge Gedanken zur Minderung des Phosphateinsatzes machen, damit wir nicht auf Länder wie Marokko angewiesen sind.
  • Vermenschlichung der Wissenschaft

    24.10.2009, Rolf Schauder, Frankfurt
    Die Menschen scheinen immer noch zu glauben, sie seien der Mittelpunkt der Welt.

    "Schlüsselmikrobe beherrscht marine Todeszone" - so der Titel. Beschrieben wird ein Forschungsergebnis, demzufolge ein offenbar sulfidoxidierendes, nitratreduzierendes autotrophes Bakterium der vorherrschende Mikroorganismus in einem sauerstofffreien marinen Lebensraum sei. Schön, das finde ich ja interessant - wenn es denn auch so beschrieben wäre. Nein: Der Fokus liegt in dem Bericht auf den "Todeszonen". Bereiche, die offenbar kein Leben enthalten, da dort der Sauerstoff fehlt. Richtig ist, dass ich als Mensch dort nicht überleben könnte. Was aber ist das Besondere für die vielen Bakterien, die gerade dort ihr Auskommen finden? So wie bei der Herstellung von Joghurt, Käse, Wein? Oder bei Biogas? Ist die Abwesenheit von Sauerstoff grundsätzlich tödlich? Nein. Es schwimmen in solchen Bereichen nur keine Fische rum, oder andere so genannte "höhere" Lebewesen. Aber das bedeutet nicht, dass diese Biotope tot seien. Ganz im Gegenteil.

    In die gleiche Richtung zielt die Bemerkung, die Bakterien würden "schädliches Sulfid" entfernen, aber im Gegenzug "schädliches Lachgas" bilden - nun: für den Menschen schädlich. Viele Bakterien freuen sich über diese Substanzen.

    Bakterien sind faszinierende Organismen. Sie können in ihrer Gesamtheit so viel mehr als die "höheren" Lebewesen. Sie würden es wahrscheinlich (wiederum als Gesamtheit) nicht merken, wenn alle Eukaryonten von der Erde verschwänden. Wir aber (ebenfalls Eukaryonten) können ohne Bakterien nicht überleben.

    Ich würde mich freuen, weitere Bakterien mit spannenden Stoffwechseleigenschaften kennenzulernen, als neue Facetten in der immensen Vielfalt der biologischen und chemischen Umwelt.
  • Unter Niveau

    24.10.2009, G. Fuchs
    Der Artikel entspricht nicht dem, was ich mir von
    Spektrum erwarte. Der Text ist von verschiedenen Quellen
    ohne viel Sinn und Verstand abgeschrieben, was daran zu
    erkennen ist, dass für ein und dieselbe physikalische
    Größe - nämlich die Leistung verschiedene Enheiten
    benutzt werden, nämlich Terawatt Stunden/Jahr und
    PetaJoule/Jahr.
    Bei der Angabe von 15,1% des Anteils der erneuerbaren
    Energien ist dem Autor anscheinend der Unterschied
    zwischen installierter Leistung, mittlerer Leistung
    und auch die Tatsache, dass wir Energie für Heizung,
    Verkehr und elektrische Geräte verbrauchen nicht ganz
    in seiner Bedeutung klar. Es gibt einen Unterschied
    zwischen verbrauchter Energie und Nutzenergie (Wirkungsgrad).
    Man darf eben nicht einfach die Daten, die Herr Gabriel, der
    gewesene Umweltminister wegen seiner speziellen Vorlieben
    benutzt, einfach abschreiben.
    Eine sichere Versorgung mit elektrischer Energie setzt voraus,
    dass die abgefragte Leistung zu jeder Zeit zur Verfügung steht.
    Das ist ohne Speicherung (über Wochen oder Monate) mit erneuerbaren
    Energien nicht möglich und technische Energiespeicher gibt es zur
    Zeit nicht und sind auch nicht kurzzeitig zu realisieren.
    Wenn der Autor das Wüstenprojekt nicht mag, hätte er sich besser
    über die technischen Schwierigkeiten und Kosten (unter Wasser Kabel)
    informieren sollen.
    Eines hat mir aber gefallen: In letzten Abschnitt wird auf die Arbeiten
    von Bruno Latour aufmerksam gemacht.
    Ich habe das Abhänger der Hitler Bilder und die Auslagerung der Lenin,
    Kalinin und Genossen Statuen in den Pushkin Park gesehen. Mich würde es
    freuen, wenn auch die Verschandelung der Landschaft durch Windmühlen
    obsolet würde, ohne dafür auf Kohlekraftwerke zurückzufallen und
    kurzzeitig unsere Energieresoucen zu verbrauchen.
    Ich empfehle, die Gedanken von Latour auch auf die eigene Phantasie anzuwenden.
  • Zunehmend Vermutungen (zur Stellungnahme von Prof. Rebhan)

    24.10.2009, Wolfgang Pfannkuchen, 71254 Ditzingen
    Herr Rebhan weist in seiner Einleitung auf eine um sich greifende Unsitte hin, nämlich die, dass zunehmend Veröffentlichungen publiziert werden, die sich in Vermutungen und nicht beweisbaren Spekulationen ergehen. Frei nach dem Motto: Solange das Gegenteil nicht bewiesen werden kann ist jede Hypthese erst einmal gültig. Da es an überprüfbaren Fakten fehlt, ja nicht einmal Vorschläge zur Überprüfung gemacht werden, ist solchen Veröffentlichungen jeder wissenschaftliche Wert abzusprechen.

    Der Grund für dieses Verhalten liegt im Zwang zur Veröffentlichung und im Druck durch den in die Wissenschaft eingeführten Wettbewerb. Das Ergebnis sind entweder pseudowissenschaftliche Spekulationen oder, wie in der Medizin, immer wieder aufgedeckte Manipulationen.

    Wissenschaftler, die sich mit Einsteins Theorien beschäftigen und sogar Zweifel anmelden, rate ich, sich an ihm zu orientieren. Einstein hat zu seinen Vorhersagen in der Regel Experimente beschrieben, mit denen seine Theorien überprüft werden können. Auch wenn die Technik noch nicht so weit ist, ist es doch wichtig neue Hypothesen so weit zu denken.

    Von der Spektrum-Redaktion wünsche ich mir, Veröffentlichungen in dieser Hinsicht auf ihre Seriosität zu prüfen und nicht jede Spekulation zu veröffentlichen.