Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Alte Harddisks gegen neue Technologie?

    12.12.2009, Harald Schmidt, 3423 St. Andrä - Wördern
    Der Autor hat wohl etwas ältere Daten der HDDs verwendet. 7200 min-1 sind die Standardgeschwindigkeit seit 1-2 Jahren in normalen Heim-PCs bei 3,5" Festplatten. Echte Serverplatten (und dort braucht man sehr viel mehr Temo) laufen schon seit Längerem (Jahren) mit 15.000 min-1. Diese SCSI oder SAS Platten sind noch dazu dauerbetriebsfest, was bei den Heim-PC-Platten ja nicht der Fall ist.
    Ein großes Problem der derzeitigen HDDs werden aber die Nanodraht-Speicher nicht lösen können: die magnetische Beeinflußbarkeit. Wer auf eine Notebook-Platte schon mal ein Handy gelegt hat, dass dann angerufen wurde, kennt das Problem. Damit hat man ganz schnell mal die Daten unbrauchbar gemacht. Das ist aber bei jeder magnetischen Datenspeicherung so, und im Prinzip ist’s ja auch eine, sonst gäbe es ja keinen Kernspintomografen.
  • Astronomie in der Schule als freiwillige Zugabe!

    11.12.2009, Claus Fischer, Eschwege
    Die Idee, Astronomie als Unterrichtsfach zu lehren, ist prinzipiell gut. Ich bin selber Mathe-, Physik- und Astronomielehrer und habe als solcher sehr viel Erfahrung als Leiter einer Astronomiestation in Mecklenburg-Vorpommern gesammelt. Heute bin ich in Hessen Lehrer und muss feststellen, das es viele Baustellen im Fächerkanon gibt, die noch lange nicht geschlossen werden können. Ein neues Fach bringt nichts. Die Argumente des fächerübergreifenden Unterrichts kann jedes Fach für sich in Anspruch nehmen. Auch Philosophie, Geschichte und andere Kulturtechniken können sich Schüler dort aneignen.

    Wenn die Möglichkeiten vorhanden sind, können Arbeitsgemeinschaften und ähnliches sinnvoll sein. Wenn Jugendliche ihr Interesse an der Astronomie entdecken sollten, dann finden sie auch Wege, dieses zu vertiefen. Ein Pflichtfach ist dabei selten förderlich.
  • Finanzmathematik: Schmücken mit fremden Federn

    11.12.2009, W. Hinderer
    Der Name "Finanzmathematik" ist eigentlich ein Schmücken mit fremden Federn. Das Interesse dieser Disziplin ist das Geld und nicht die Mathematik, demnach müsste es "Mathematische Finanzlehre" oder "Mathematische Finanztheorie" oder ähnlich heißen. Es heißt ja auch "Mathematische Physik" und nicht "Physikmathematik".
    Antwort der Redaktion:
    Widerspruch!

    Das Interesse der Finanzmathematik ist die Mathematik und nicht das Geld. Die Finanzen sind für die Finanzmathematik insofern wesentlich, als sie die Probleme liefern, mit denen sich die Mathematiker beschäftigen. So verhält es sich übrigens auch mit der Physik. Allerdings heißt der entsprechende Teil nicht "Physikmathematik", sondern "angewandte Mathematik" – aus historischen Gründen, vermute ich. Dort findet sich nicht selten die jeder Bestrebung nach korrekten Etiketten spottende Situation, dass von zwei Leuten, die an ein und derselben Sache arbeiten, der eine sie der angewandten Mathematik zuordnet und der andere der mathematischen Physik. Das einzige, was sie unterscheidet, ist die Motivation.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Und wie haben sie das gemacht?

    10.12.2009, Kai Hiltmann, Coburg
    Wie wurde denn das Angstgedächtnis nun gelöscht?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Hiltmann,



    Beim so genannten Löschungstraining zeigen Forscher den Versuchspersonen wiederholt einen Angstauslöser, ohne dass die befürchteten negativen Folgen eintreten. In diesem Experiment bedeutet das konkret: Die Probanden sahen zwar das farbige Quadrat, erhielten aber keinen Stromschlag. Fand dieses Training innerhalb der Rekonsolidierungsphase statt, wurde das zuvor "angstauslösende" Quadrat im Gedächtnis dauerhaft als harmlos abgespeichert.



    Viele Grüße

    Julia von Sengbusch
  • Die Verantwortung des Ichs

    10.12.2009, Univ.-Prof. Dr. Uwe Lehnert
    Die Auffassung von Prof. Singer, dass der Mensch für sein Tun verantwortlich sei, obwohl seine Entscheidungen determiniert sind, ist absolut nachvollziehbar und in sich logisch. Begeht ein Mensch eine gesellschaftlich unerwünschte Tat, dann macht er sich zwar nicht schuldig, schließlich konnte er nicht anders, aber er bleibt verantwortlich für das, was er angerichtet hat. Er ist verantwortlich, weil er in seiner Person die Ursache für das ausgelöste Geschehen ist.

    Um zu verhindern, dass er in vergleichbaren Situationen wieder genau so gesellschaftsschädigend handelt, nimmt sich die Gesellschaft das Recht heraus, solche Handlungen zu sanktionieren und veranlasst therapeutische oder erzieherische Maßnahmen, gegebenenfalls in Form von Geldbußen oder Freiheitsentzug. Ziel ist es, eine veränderte Motiv- bzw. Verhaltensstruktur zu erreichen.

    Um die Autonomie des Menschen zu wahren, ist das Konstrukt der Willensfreiheit entbehrlich. Wenn ich mich frei von allen äußeren Zwängen so entscheiden kann, wie es meinem Charakter, meiner Erziehung, meiner Erfahrung und meinen Einsichten entspricht, dann realisiere ich das, was wir Selbstbestimmung nennen. Und nur darauf kommt es an, denn meine persönliche Freiheit drückt sich in der Möglichkeit zur Selbstbestimmung aus.
  • Mit keinem Wort die eigentliche Herkunft erwähnt

    09.12.2009, Dr. Thomas Ebel, Mildstedt
    In Ihrem Artikel wird mit keinem Wort die eigentliche Herkunft dieser Verbindungsklasse erwähnt.

    Die Verbindungen wurden nämlich nicht, wie im Artikel suggeriert, in Japan, sondern schon viele Jahre zuvor an der Westfälischen Wilhelms Universität in Münster, in der Gruppe von Prof. Wolfgang Jeitschko in Deutschland gefunden (s. Zitate).

    Ich war zu der Zeit, als die Verbindungen entdeckt wurden, selber Doktorand bei Prof. Jeitschko.

    Zitate:

    Barbara I. Zimmer, Wolfgang Jeitschko, Jörg H. Albering, Robert Glaum and Manfred Reehuis (1995). The rare earth transition metal phosphide oxides LnFePO, LnRuPO and LnCoPO with ZrCuSiAs type structure in: Journal of Alloys and Compounds 229 (2): 238–242, 1.11.1995.

    P. Quebe, L. J. Terbüchte, W. Jeitschko. Quaternary rare earth transition metal arsenide oxides RTAsO (T=Fe, Ru, Co) with ZrCuSiAs type structureJ. Alloys and Compounds 302, 70 (2000).

    Link auf Physics Today: New family of quaternary iron-based compounds superconducts at tens of kelvin, Mai 2008
  • Das Verhalten moderner Menschen mit dem ihrer Vorfahren erklären?

    09.12.2009, Jürgen Wüllrich, Ostfildern
    In dem Essay "Führen und Folgen" von Mark van Vugt wird wieder einmal versucht, das menschliche Verhalten in modernen Organisationen und Gruppen aus der Vorzeit des Menschen zu erklären. Gegen die Erkenntnisse und Einsichten in dem Essay möchte ich nichts einwenden.

    Wohl aber gegen die Logik der Argumentation und gegen die Methode.

    Denn es ist ein logischer Zirkelschluss, das Verhalten des modernen Menschen mit einem Verhalten des vorzeitlichen Menschen zu erklären, das man aus dem Verhalten der Menschen unserer Tage erst erschließt. Diesen Zirkelschluss kann man durch eine noch so große Fülle an Fakten und Plausibilitäten nicht durchbrechen: Wir können kaum etwas Gesichertes über das Denken und Verhalten der vorzeitlichen Menschen aussagen. Das Kaninchen, das der Autor aus dem Hut zaubert, hat er zuvor hineingesteckt.

    Auch ist es fraglich, weil unbewiesen, ob man tatsächlich von "dem" Verhalten der vorzeitlichen Menschen sprechen kann. Was berechtigt uns zu der Annahme, dass beispielsweise die Europäer des Gravettien sich so verhalten haben wie die Europäer des Magdalénien? Und warum sollten die Jäger der Eiszeit so gelebt haben wie die Jäger in Namibia? Die Unterschiede unter den verbliebenen Jägern und Sammlern der Gegenwart sind doch so gewaltig, dass es schon eine drastische Vereinfachung darstellt, ungeachtet aller offensichtlichen Gemeinsamkeiten überhaupt von "den" Jägergesellschaften zu sprechen.

    Angesichts der überlieferten kulturellen Vielfalt der vorgeschichtlichen Gesellschaften ist es im Gegenteil sogar höchst plausibel, dass es keine einheitliche Verhaltensweise und Sozialstruktur gab. Den Typus Alphamännchen, Big Man, Häuptling und Politiker etc. mag es also zu allen Zeiten in allen Ausprägungen gegeben haben - bis heute.
  • Quantenverschränkung und lokaler Realismus

    09.12.2009, Prof. Dr. A. Kilian, Merseburg
    In SDW 12/09 schreibt Herr Dr. Brewig in seinem Leserbrief zum Thema quantenphysikalische Verschränkung, dass es keiner Fernwirkung bedürfe, um die beobachtete Koinzidenz der Messergebnisse zu erklären, weil ja die verschränkten Wellenfunktionen denselben Zustand beschreiben würden und daher die beobachtete Kopplung der Messergebnisse ganz natürlich sei. Dies wäre auch so, wenn die Wellenfunktion das Ergebnis der Messung bereits in sich tragen würde. Diese Vermutung ist als die Theorie der verborgenen Parameter lange bekannt, konnte aber nie bestätigt werden. Tatsächlich erlaubt die Wellenfunktion nur eine Vorhersage des Erwartungswerts, also des statistischen Mittelwerts bei sehr vielen Messungen, der Ausgang der Einzelmessung ist hingegen in der Regel völlig unbestimmt. Unter dieser Prämisse ist die heute wohl am weitesten verbreitete Folgerung aus den experimentellen Befunden, dass unsere Welt nicht "lokal-realistisch" ist.
  • Fragwürdige Beweisführung

    09.12.2009, Dr. Steffen Eckmann
    In obigem Artikel werden Beispiele für positive (Gaia-Hypothese) und insbesondere negative (Medea-Hypothese) Rückkopplungen der Biosphäre auf die Lebensgrundlagen aufgeführt. Hieraus ein allgemeines Prinzip abzuleiten ist jedoch fragwürdig, da es auf großen Zeitskalen die lebensexternen Ursachen – wie z. B. Supervulkanismus, Einschläge von Asteroiden oder Kometen sowie nahe Supernova- oder Gammastrahlenausbrüche – unterschätzt. In diesem Zusammenhang verwundert es sehr, wie der Autor alle Massensterben (bis auf das Kreide-Tertiär-Ereignis) der letzten 500 Millionen Jahre für die Medea-Hypothese vereinnahmt. Das Fehlen eines – aufgrund der enormen zeitlichen Distanzen immerhin sehr schwer zu führenden – schlüssigen Beweises für eine externe Ursache eines weit zurückliegenden Massensterbens bedeutet eben nicht, dass nicht doch eine solche Ursache vorlag. In der Medea-Hypothese scheint sich der moderne Zeitgeist zu spiegeln: Die beliebte These "Der Mensch zerstört seine Umwelt" wird eine Ebene höher transformiert: "Die Biosphäre zerstört
    ihre eigene Lebensgrundlage".
  • Ward ist fantasielos

    09.12.2009, Daniel Arnold, 91322 Gräfenberg
    Der Essay "Gaias böse Schwester", ist meiner Ansicht nach in erster Linie eine Polemik. Anscheinend ist die eigentliche (unerwähnte) Kritik des Autors an der Gaiatheorie, dass diese in jeder Form teleologisch sei. Dieser Eindruck verstärkte sich durch Anmerkungen wie "All das will nicht zu dem anheimelnden Gaia-Bild passen".

    Auch in einem Essay wie diesem kann man erwarten, dass die Regelmechanismen von Gaia nicht nur durch Aneinanderreihung von Details unklar darstellt werden. Wenigstens hätte der Autor die Funktionsweise von Gaia anhand eines einfachen Modells anschaulich erläutern können, wie Lovelocks Daisyworld [1], welches beschreibt, wie das Leben den Wärmehaushalt eines Planeten bei veränderlicher Strahlungsleistung seines Sterns regelt [2]. Die Zusammenfassung von Gaia auf Kernsätze muss daher wie Postulate einer quasireligiösen Theorie auf den Leser wirken. Dem stellt der Autor die globalen Katastrophen der Erdgeschichte gegenüber, welche er im Widerspruch zu Gaia sieht. So lässt sich leichtfertig argumentieren.

    Auch halte ich seine Ansicht, dass die Erde ohne Leben eine kohlendioxidreiche Atmosphäre wie der Mars oder die Venus hätte, für schlichtweg falsch. Auf der Erde gab und gibt es neben einer dichten Atmosphäre große Mengen offenen Wassers. Der allergrößte Teil des früheren Kohlendioxids der Erdatmosphäre ist in Form von in Wasser gebildetem Kalk gebunden. Würde das Leben heute verschwinden gäbe es immer noch die Ozeane, welche Kohlendioxid (wenn auch nicht mehr ganz so effektiv wie mit Leben) binden würden. Die Erde würde ohne Leben eine stickstoffreiche, sauerstoffarme Atmosphäre haben, deren Kohlendioxidanteil durch die Ozeane relativ niedrig gehalten wird. Auch die Venus dürfte am Beginn ihres galoppierenden Treibhauseffekts wenig Kohlendioxid in ihrer Atmosphäre gehabt haben. Vielmehr dürfte der Treibhauseffekt durch einen zu hohen Wasserdampfanteil ausgelöst worden sein, als die Venus komplett in Wolken gehüllt war und eine Zunahme des Wasserdampfes die Albedo nicht mehr erhöhen und somit keine weitere Kühlung mehr erreichen konnte. Erst als die Ozeane der Venus verdampft waren, konnte das vulkanische Kohlendioxid nicht mehr gebunden werden. Eine kohlendioxidreiche heiße Atmosphäre steht bei erdähnlichen Planeten also wohl erst ganz am Ende und nicht am Anfang eines galoppierenden Treibhauseffekts. Das heißt, rudimentäre Gaiaregelkreisläufe können sogar vollkommen abiotisch ablaufen.

    Vor allem in der Vergangenheit, aber auch noch heute sorgt das Leben durch einen geregelten Treibhauseffekt für eine mittlere optimale Temperatur. Dass ein einzelner Regelkreislauf durch einen Eingriff in seinen Mechanismus empfindlich gestört werden kann, ist nicht weiter verwunderlich, genauso wenig, dass der zeitweilige Ausfall eines einzelnen dominierenden Regelkreislaufs drastische Folgen haben kann. So geschehen bei der Sauerstoffrevolution mit dem Methanregler. Die methanerzeugenden Archaeen sind aber dennoch nicht von der Erde verschwunden. Zu ihrem heute nicht mehr dominanten, aber immer noch funktionsfähigen Regler kamen weitere biogene Temperaturregler hinzu, wie die Landpflanzen, welche unter anderem die Albedo der Erde beeinflussen (außerdem hat sich die Sonneneinstrahlung erhöht, sodass es weniger Temperaturerhöhung bedarf). Je mehr redundante gleichgerichtete Regelkreisläufe es gibt, desto stabiler reagiert das System auf Störung, ganz gleich welcher Art diese ist – dies kann natürlich auch eine biogene Störung sein. Es wäre doch viel merkwürdiger, wenn es überhaupt keine biogenen Störungen gegeben hätte. Dann würde Gaia doch noch viel teleologischer, ganz so als hätte das Leben einen ihm innewohnenden lenkenden Oberhirten. Gaia heißt nicht, dass es niemals Katastrophen gibt, sondern dass das Leben das Klima eines Planeten in der Summe (aber nicht auch stets in allen seinen Teilen) auf Werten stabilisiert, die dem Leben zuträglich sind.

    Wie stark dieser Stabilisierungseffekt ist, ist eine offene und wie ich finde auch spannende Frage, welche unmittelbar mit der Zukunft des Lebens auf der Erde in den nächsten 500 Millionen Jahren zusammenhängt. Ohne Zweifel wird es den gegenwärtigen natürlichen Treibhauseffekt durch die weiter erhöhte Sonneneinstrahlung dann nicht mehr brauchen – im Gegenteil, die Erde muss gekühlt werden. Dies kann auf verschiedenen Wegen geschehen:
    * Zum einen abiotisch durch Reflexion an Wolken und Eis, wie auch schon heute, zum anderen durch erhöhte Reflexion durch Landpflanzen. Schon heute gibt es sehr helle bis fast weiße Pflanzen ganz unterschiedlichster Ordnungen an lichtdurchfluteten Standorten: Kakteen mit ihren dichten hellen Stacheln, Pappeln und Sanddorn durch silbrige Blätter, ebenso viele Gräser. Diese sind gegenüber dunkelgrünen, stark absorbierenden Schattenpflanzen an diesen Standorten im Vorteil, und derartige Standorte werden in erdgeschichtlicher Zukunft mehr werden. Die Farbe der Pflanzen der Zukunft wird weiß-grün sein.
    * Wenn schon Landpflanzen durch konvergente Evolution mehrfach auf denselben Trick kamen, wieso dann nicht auch Algen im Meer? Vielleicht geschieht das zuerst im Wattenmeer und in Seen, wo durch Trockenfallen Algen mit Verdunstung klarkommen müssen und weißere Algen somit länger feucht blieben. Das Meer der Zukunft hätte dann keine grüne, sondern eine milchige Algenblüte, und das Meer würde insgesamt mehr hellblau werden.
    * Aber noch ein ganz anderer Regler wäre über die Verringerung der Dichte der Atmosphäre und somit größere Transparenz (dank nachlassender Druckverbreiterung von Absorptionslinien) auch im die Temperatur der Erde bestimmenden Infrarot möglich (vgl. [3]). Heute gibt es bereits Pflanzen, die sich auf schlechten Böden einen Standortvorteil durch Symbiose mit luftstickstoffbindenden Bakterien verschaffen. In Zukunft wird der Vulkanismus nachlassen, welcher fruchtbare Böden schafft und Gase in die Atmosphäre ausstößt. Stickstoffbindende Pflanzen werden also zunehmen, und zudem wird das Inertgas Stickstoff wieder in den Boden zurückgeführt, was ohne Leben nicht möglich wäre.

    All diese kühlenden Effekte könnten dann auch ausreichen, einen Mindestanteil von 1 bis 40 ppm Kohlendioxid, auf heutige Atmosphärendichte (je nach Pflanzentyp die untere Grenze für Photosynthese) bezogen, auch länger als 500 Millionen Jahre ohne galoppierenden Treibhauseffekt zu halten. Ich halte daher auch die derzeit in dieser Zeitschrift häufiger zu lesende Ansicht, dass das Leben in seiner Spätblüte sei und das heutige reiche Leben auf der Erde in 200 bis maximal 500 Millionen Jahren vorbei sei, für phantasielosen Defätismus, welchen ich mir auch zum Teil psychologisch als Ist-Sowieso-Egal- Antwort auf die in viel kürzeren Zeitspannen ablaufende drohende Selbstauslöschung der Menschheit in der aktuellen biogenen Katastrophe interpretiere.

    Die wirklich entscheidende Frage in Sinne der Tauglichkeit der Gaiatheorie ist also nicht, ob Gaia immer fürsorgend ist, sondern wie widerstandsfähig Gaia gegen alle Arten von Störungen ist und ob wirklich – und wenn ja, wie sehr – diese Widerstandsfähigkeit mit der Entwicklungszeit zunimmt. Eine Frage, deren erster Teil sich vielleicht auch durch die spektrale Untersuchung von erdähnlichen Exoplaneten in den nächsten Jahrzehnten entscheiden lassen kann, selbst wenn man dabei nur vollkommen abiotische Gaias entdecken sollte.

    [1] Ein Überblicksartikel zu Daisyworld siehe:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Daisyworld
    [2] Eine interaktive Javasimulation von Daisyworld:
    http://gingerbooth.com/courseware/pages/demosdaisy.html
    [3] Atmospheric pressure as a natural climate regulator for a terrestrial planet with a biosphere:
    http://www.pnas.org/content/early/2009/06/01/0809436106.abstract
  • Paarbildung

    04.12.2009, Wolfgang Graßmann
    Wieso zerfällt das Photon in e+ e-, wenn es keinen energetischen Vorteil dabei gibt? Oder wird der resultierende Phasenraum kleiner?
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Graßmann,



    durch die Möglichkeit, die Gesamtzahl der Teilchen zu erhöhen, ist
    eine Entropiezunahme verbunden. Aus demselben Grund zerfallen die
    Produkte in Teilchenbeschleunigern in eine maximale Anzahl von
    Partikeln.



    Hat ein Gammaquant mehr als die doppelte Ruheenerige eines Elektrons
    bzw. Positrons (je 511 keV/c2), kann es ein solches Paar bilden (die
    Leptonenzahl bleibt bei einem Teilchen/Antiteilchenpaar ja erhalten,
    ebenso die Bruttoladung und der Gesamtspin).

    Voraussetzung ist aber die Nähe eines (möglichst massereichen) Kerns,
    der überschüssigen Impuls aufnehmen muss. Dies ist auch der Grund,
    warum uns Gammastrahlung aus dem Kosmos überhaupt erreicht: Die
    Wahrscheinlichkeit, einem Kern im "freien Weltraum" nahe genug zu
    kommen, ist einfach gering.



    Anders dagegen innerhalb eines Sterns.
    Bei den hier beschriebenen PISN-Vorläufersternen kommt den
    Gammaphotonen ein bedeutender Teil des Strahlungsdrucks zu, sodass
    dessen Reduzierung schließlich zur Supernova führt.



    Mit freundlichen Grüßen

    Oliver Dreissigacker
  • Wie geht es weiter?

    04.12.2009, Dr. Wolfgang Mecklenbräuker, Wien
    Es ist sicher sehr lehrreich, die Entstehung der Finanzkrise im Nachhinein mit wissenschaftlichen Methoden genau begründen zu können.

    Die Wirksamkeit wissenschaftlicher Methoden wird aber im allgemeinen an ihrer Prognosefähigkeit gemessen: Wodurch und weshalb tritt bei unveränderten (in diesem Fall: wirtschaftlichen) Prozessen ein bestimmtes Ereignis (z. B. eine Finanzkrise) ein? Hierfür sollte u. a. auch die Finanzmathematik gut begründete Methoden entwickeln und deren Aussagen dann auch so deutlich publizieren, dass die Öffentlichkeit (die durch diese Finanzkrise einen enormen Schaden erleiden würde) entsprechend gewarnt wird.
  • Zisternen unerwünscht

    03.12.2009, Ralf Howe-König, 48565 Steinfurt
    Mit den Argumenten ihres Artikels wollte ich beim Neubau einer Sporthalle die Anlage einer Regenwasserzisterne anregen, um die Toilettenspülung nicht mit dem wertvollen Trinkwasser betreiben zu müssen. Diese Investition hätte sich spätestens nach 20 Jahren amortisiert, sollte aber in erster Linie das Bewusstsein bei den Grundschülern für die wertvollen Rohstoffe schärfen. Ein Ausschussmitglied knallte mir das Argument um die Ohren, dass Trinkwassersparen in Deutschland zu Problemen mit der Abwasserentsorgung führen, die die Umweltbilanz negativ ausfallen lassen. In der Sendung 'Quarks &Co' vom 24.11.2009 wurde dieses nun betätigt. Gibt eine Lösung für diese Crux? Rangar Yogeshwar empfiehlt, sich mehr um die viruelle Wasserverschwendung zu kümmern, z.B. spanische Erdbeeren im Dezember und den tausende Liter Trinkwasserverbrauch bei der Jeansherstellung anzuprangern.
  • Bauern als Durchgangssperre

    02.12.2009, Angela Busam, Heidelberg
    Bilden nur zwei feindliche Bauern die Durchgangssperre für schräge Züge oder auch Bauern der eigenen Partei?
    Antwort der Redaktion:
    Auch Bauern der eigenen Partei bilden eine Durchgangssperre. Die entsprechende Spielregel handelt nicht von eigenen oder gegnerischen Bauern, sondern von zwei Bauern gleicher Farbe.
    So hat das inzwischen Eberhard Wiedmann, der Autors des Spiels, bestätigt.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Bewährte Ingenieurtugend

    01.12.2009, Prof. Dr. rer. nat. Dietrich Schwägerl, 85521 Ottobrunn
    Hans von Storch beschreibt für die "Science Community" die Unsicherheiten, denen wir in der Klimaforschung tatsächlich begegnen. Für die breite Öffentlichkeit halte ich das für nicht so gut geeignet, weil es nur allzuleicht - absichtlich oder aus Nachlässigkeit - missverstanden wird. Wir sind doch da mit einer immensen Trägheit konfrontiert, die so häufig die Augen vor notwendigen Veränderungen verschließt.

    Klimaschutz wie Naturschutz insgesamt hat daher auch eine psychologische Seite. Sonst sind wir dem Heer der schrecklichen Vereinfacher ausgesetzt, die nach dem Motto verfahren: "Ach, das ist doch alles noch gar nicht sicher, also machen wir weiter wie bisher." Die Bequemlichkeit siegt.

    Was sich auch hierbei noch weit, weit mehr im öffentlichen Bewusstsein verankern muss, ist die bewährte Ingenieurtugend, "Sicherheitsmargen" einzubauen. Von einem Tiefbau-Ingenieur habe ich erfahren, dass Brücken für das Doppelte der Last konstruiert werden, für die sie hernach im Verkehr zugelassen sind. Beim Automobilbau sorgt man nach Aussage eines Konstrukteurs für die dreieinhalbfache Sicherheit der nach menschlichem Ermessen(!) "nötigen". Es ist allerhöchste Zeit, in unserem Umgang mit der Erde uns diese bewährte Ingenieurtugend anzueignen.

    Hans von Storch hat Recht, wenn er nicht "einer politischen Sache dienen" will. Aber der Erhalt des Lebensraums steht weit über jeder "politischen Sache"; dies abzuleugnen wäre extrem unwissenschaftlich und gegen jede Ethik gerichtet.

    Ein Wissenschaftler sollte auch die rosarote Brille ablegen und nicht, wie Hans von Storch es de facto tut, sich und so viele, viele andere mit einem simplen "Alles wird gut" einlullen. Wissenschaft ist nicht optimistisch und nicht pessimistisch, sondern hat realistisch zu sein. Nur das erhält den klaren Blick. Das heißt insbesondere auch, dem, was Not tut, keine Prügel in den Weg zu werfen. Leider hat Hans von Storch dies stellenweise übersehen.