Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Cannabisverbot historisch

    17.02.2016, Dongo
    Nicht vergessen sollte man das de facto Verbot von Hanf durch die Cannabis-Steuer in den USA im Jahre 1937 aufgrund von ökonomisch-politischen Interessen und Harry J. Anslingers persönlicher Kampf gegen Cannabis/Marijuana. Und das im "war on drugs" Myriaden von Dollar sinnlos verschwendet wurden, die sicher weitaus sinnvoller hätten verwendet werden können.
  • Sofern man nicht vergisst, wie man den Speicherkristall ausliest und die digitalen Daten interpretiert....

    17.02.2016, Sikasuu
    ...und wo man den/die Speicher hingelegt hat:-))
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    Eine tolle Lösung, solange die Technologie die gesellschaftlichen Umstände usw. lückenlos weitergegeben werden.
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    Andernfalls werden die, die nach uns kommen, diese Speicherchristalle als "mystische" Schmuckstücke beim gemeinsamen Regentanz ums Lagerfeuer verwenden. Wenn sie sie denn wiederfinden:-))
  • Klischees über die Kopenhagener Interpretation

    17.02.2016, André Wagner, Leipzig
    Die "Zwei-Welten-Theorie" von Bohr kommt dadurch zu Stande, dass es Menschen sind, die Physik betreiben, und dass in der Welt, die wir erleben, in der wir wahrnehmen und handeln und Wissenschaft betreiben (zu der also auch die Versuchsaufbauten und Messapparate gehören), sich die Objekte nicht wie „Quantenobjekte“ verhalten. Die Phänomene, um die es hier geht, können wir überhaupt erst untersuchen, indem wir bestimmte Versuchsaufbauten realisieren. Und für diese Aufbauten sieht Bohr die „Notwendigkeit klassischer Begriffsbildungen“, wie es richtig in einem Lexikoneintrag hier auf "Spektrum" zur Kopenhagener Interpretation steht.
    Weiterhin heißt es in diesem Eintrag: "Dies bedeutet erstens, dass der Rolle des Beobachters in der Quantenmechanik eine herausgehobene Bedeutung zukommt. Das liegt daran, dass im Rahmen der Kopenhagener Deutung die Wechselwirkung zwischen Objekt und Apparat weder ignoriert oder zum Verschwinden gebracht noch explizit untersucht werden kann. In diesem Sinn gibt es keine Unabhängigkeit des untersuchten Objekts vom Beobachter."
    Im Artikel wird das verzerrt dargestellt, wie die Abhängigkeit vom Beobachter zu verstehen ist. Bohr steht der Transzendentalphilosophie Kants nahe. Er reflektiert auf die Möglichkeitsbedingungen unseres physikalischen Wissens.
    Zum Abschluss lasse ich Heisenberg zu Wort kommen. Aus „Quantenphysik und Philosophie“: „Wenn wir beschreiben wollen, was in einem Atomvorgang geschieht, so müssen wir davon ausgehen, dass das Wort ‚geschieht‘ sich nur auf die Beobachtung beziehen kann, nicht auf die Situation zwischen zwei Beobachtungen. Es bezeichnet dabei den physikalischen, nicht den psychischen Akt der Beobachtung, und wir können sagen, dass der Übergang vom Möglichen zum Faktischen stattfindet, sobald die Wechselwirkung des Gegenstandes mit der Messanordnung und dadurch mit der übrigen Welt ins Spiel gekommen ist. Der Übergang ist nicht verknüpft mit der Registrierung des Beobachtungsergebnisses im Geiste des Beobachters.“ (S. 56)
    „Die Begriffe der klassischen Physik sind nur eine Verfeinerung der Begriffe des täglichen Lebens und bilden einen wesentlichen Teil der Sprache, die die Voraussetzung für alle Naturwissenschaft bildet. Unsere wirkliche Lage in der Naturwissenschaft ist so, dass wir tatsächlich die klassischen Begriffe für die Beschreibung unserer Experimente benützen und benützen müssen, denn sonst können wir uns nicht verständigen.“ (S. 58)
    Heisenberg geht auch auf die Möglichkeit ein, den Untersuchungsgegenstand mitsamt der Messanordnung quantenmechanisch zu beschreiben, weist aber darauf hin, dass es letztendlich keinen Unterschied am Ergebnis eines Experiments bewirkt. „Denn die Messanordnung verdient diesen Namen ja nur, wenn sie in enger Berührung steht mit der übrigen Welt, wenn es eine physikalische Wechselwirkung zwischen der Messanordnung und dem Beobachter gibt. Die Unsicherheit über das mikroskopische Verhalten der Welt wird also in die quantentheoretische Beschreibung des Systems hier genauso wie in der ersten Deutung eindringen. Wenn die Messanordnung von der übrigen Welt isoliert wäre, dann würde sie keine Messanordnung mehr genannt werden können, und sie könnte nicht mehr in den Begriffen das klassischen Physik beschrieben werden.“ (S. 59-60)


  • Gratuliere!

    17.02.2016, Liane Mayer
    Das ist doch einmal eine erfreuliche Nachricht - hoffentlich hört (oder liest) man bald von erfolgreichen Anwendungen!
  • Aber, aber, wer wird denn gleich in die Luft gehen!

    16.02.2016, Dr. Armin Quentmeier
    Herr Lingenhöhl hat in seinem bemerkenswerten Artikel die Auswirkungen der Windkraft auf die Vogelwelt dargestellt und sich gegen den Ausbau der Windkraft in Waldgebieten gewandt und er hat diese Meinung mit der Faktenlage begründet. Dazu habe ich eine Reihe von Zahlen, Daten und Fakten über die geringe Bedeutung, die große Unzuverlässigkeit der Stromerzeugung durch Windkraft, die mangelnde Speichermöglichkeit von Strom und die hohen Kosten gebracht. Alle Angaben kommen von Spiegel, FAZ, agora-energiewende und dem Umweltbundesamt, also von ausgesprochen seriösen Quellen und auf der Basis dieser Fakten habe ich argumentiert, manches auch wiederholt (repetitio est mater studeorum!). Die energiepolitische, ökologische und ökonomische Unsinnigkeit der Windkraft und die Naturzerstörung durch Windmühlen sind damit hinreichend belegt, jedenfalls für alle, die keine ideologischen Scheuklappen vor den Augen haben und den Mut haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen.
    Daher fällt Ihr Vorwurf, die Diskussion sei „fruchtlos“ und nicht „lernträchtig“ natürlich auf Sie zurück. Denken Sie bitte an den berühmten Satz von Gustav Heinemann (aus dem Gedächtnis zitiert): „Wer mit einem Finger auf andere zeigt, sollte stets daran denken, dass drei Finger seiner Hand auf ihn zurückweisen“. Ich verweise noch einmal auf die Fakten und möchte mit einem Zitat meines Lateinlehrers schließen: „Manche lernen es nie, andere noch später!“
  • Der Mensch, ein biologischer Vollautomat?

    16.02.2016, Eike Blum, Remscheid
    Wenn man die Ausführungen von Herrn Strutz ganz zu Ende führt, dann handelt es sich beim Menschen um einen biologischen Vollautomaten. Das reduziert die Untaten in den Vernichtungslagern, wie KZ, Gulag, Killing Fields u. a. auf Sachbeschädigung. Davon abgesehen, ergibt sich die Frage, ob Automaten überhaupt eine Verantwortung tragen und zur Rechenschaft gezogen werden können.
  • "Es lohnt sich also nicht für Bäume [...], noch mehr Energie und Material in die Standfestigkeit zu stecken."

    16.02.2016, Jasper Derfel
    Mir wird immer ein bisschen schummerig, wenn ich solche Von-hinten-durch-die-Brust-ins-Auge-Sprüche über die Evolution lese.

    Der maßgebliche evolutionäre Faktor (auch bei Bäumen) ist die Fortpflanzung. Die hervorstechende evolutionäre Reaktion bei Bäumen ist, dass sie Millionen von Samen produzieren. Es gibt einige wenige echte evolutionäre Anpassungen in Gebieten mit häufigen Waldbränden, Überschwemmungen, Trockenheit etc. Oder in Hochgebirgslagen an Wind.

    Je älter Bäume werden, das weiß jeder Hobbygärtner, umso weniger Samen produzieren sie. Das ist nicht unbedingt eine evolutionäre Anpassung, sondern es ist lediglich so, dass bei Bäumen - ganz anders als bei Lebewesen - die körperliche Fitness eine viel geringere Rolle spielt. Speziell Eichen können nahezu aushöhlen, fast alle Äste verlieren, kaum noch Samen tragen und trotzdem noch weitere 100 Jahre leben.

    Von Seiten der Evolution (der ökologischen Nischen) gab es von der Seite bisher einfach keinen verschärften Druck. Darum ist es egal.

    Tatsächlich wichtiger für Bäume sind jährlich auftauchende Phänomen. Wasserknappheit im Sommer, Kälte im Winter, Überschwemmung im Frühjahr etc. - Arten, die das nicht verkraften verlieren am Ort ihren Stand. Wenn alle bei 150 km/h brechen, spielt das evolutionäre absolut gar keine Rolle. Evolutionär entscheidend ist dann nur, wie schnell die neuen Bäume die Nische füllen können. In den ersten Jahren gewinnen Eberesche und Birke, dann kommen die anderen nach. Das Ergebnis nach 50 Jahren, ist ein Mischwald. Der nächste Sturm kann kommen.

    Wenn Bäume tatsächlich auf Windgeschwindigkeit selektiert sind, wachsen sie z. B. eher nieder und/oder buschig oder schräg entsprechend der Hauptwindrichtung wie Gebirgsbäume/Büsche.

    Laubbäume _könnten_ sich anpassen, indem sie bei Starkwind zuerst ihre Blätter verlieren, um den Wind den Ansatzpunkt zu nehmen. Mit den nächsten ausgetriebenen Blättern hätten sie alle anderen am Standort endgültig ausgestochen.

    Eine ähnliche Art der Anpassung findet sich tatsächlich bei einigen Baumarten, die primär an Wassern wachsen. Aber nicht in Richtung Stabilität sondern Instabilität! Es gibt kaum eine Baumart, bei der die Äste leichter an der Gabel abbrechen, als bei Weiden. Die Äste fallen ins Wasser, treiben wieder ans Ufer und wachsen dort als neuer Baum weiter. Die Weiden sind die Darwinfinken der Gewässer.

    Auch abgebrochene Laubbäume treiben häufig neu aus, wenn das Licht an ihrem Standort günstig ist. Usw.

    Die berühmten Randfichten sind tatsächlich angepasst, aber nicht evolutionär.

    Daraus können wir lernen, dass Bäume an ihrem Standort einfach so wachsen, wie es für sie im Moment günstig ist. Nieder, krumm, hoch, ausladend, grazil, die Möglichkeiten jedes einzelnen Baums sind ortsbestimmt. Wenn Bäume oder die Evolution tatsächlich kalkulieren würden, wie das in dieser an einen neoliberalen Baumus oeconomicus erinnernden Formulierung unterstellt wird, dann würden Bäume ein Selbstmordprogramm starten, sobald ihre Samenproduktion nachlässt und ihre direkten Nachkommen gegenüber den umstehenden Bäumen Nachteile erleiden, weil sie weniger zahlreich sind.

    Wenn der Wind nicht ständig stark weht, ist er den Bäumen herzlich egal. Denn wenn er abbricht, treibt er neu, oder seine Xig Millionen Nachkommen streiten sich um den Platz, den er im Wald hinterlassen hat.

    Dem Förster ist seit langem bekannt, dass einzig ein Mischwald ein guter Schutz gegen Windbruch ist, aber das haben die Bäume eh nicht in der Hand.

    Nuf sed. Die Evolution ist das am schlimmsten misshandelte Kind der Wissenschaft.
  • Bruchsicherheit

    16.02.2016, Markus_P
    Interessant, dass die Härte des Holzes scheinbar andere evolutionäre Vorteile hat als die Bruchsicherheit. Allerdings: Wie konnte mit diesem Versuchsaufbau geklärt werden, dass die Art der Verwurzelung keinen Einfluss hat? Und: Korallen gehören nicht zu den Wasserpflanzen, selbst wenn sie so aussehen.
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Markus_P

    mit den Korallen haben Sie natürlich Recht, da haben wir geschlafen...
    Die Autoren haben mit ihrem Versuchsaufbau die Rolle der Wurzeln nicht untersucht. Die Bemerkung, dass die Verwurzelung keinen Einfluss hat, bezieht sich auf die Beobachtung, dass bei der kritischen Windgeschwindigkeit immer mindestens die Hälfte der Bäume fällt - teils wegen Stammbruch, teils wegen Entwurzelung, je nachdem, wo sich der schwächste Punkt befinde, erklären die Autoren. Für ihre Studie haben sie den Fall betrachtet, dass die Wurzel stark genug ist.

    Beste Grüße, jd/Red

  • Fruchtlos und deswegen Schluss

    15.02.2016, Raimund Kamm
    Ich beende hier die Diskussion mit Ihnen.
    Eine Diskussion ist lernträchtig, wenn man auf die Argumente der anderen Seite eingeht und sie widerlegt, relativiert oder akzeptiert. Copy & paste oder einfaches Wiederholen von Aussagen ohne Bezug zur Diskussion führen hingegen nicht zu neuen Erkenntnissen.
    Raimund Kamm
  • Bemerkenswerter Bericht für Windkraft-Freunde und -Feinde (vor allem für letztere!)

    15.02.2016, Dr. Armin Quentmeier
    Vielleicht hilft dieser kurze Artikel aus dem "Spiegel" Nr. 53/2015 zu einem gewissen Nachdenken über Sinn oder besser Unsinn der Windkraft:
    „Windenergie Flaute auf See
    Windräder mit fast 3000 Megawatt Leistung sind inzwischen in der Nordsee in Betrieb, die Hoffnung auf verlässliche Stromlieferungen erfüllt sich allerdings nicht: Am vorvergangenen Dienstagvormittag sank die gesamte Einspeiseleistung der dort installierten Offshore-Anlagen auf bis zu ein Megawatt. Die riesigen Windmühlen im Wert von mehr als zehn Milliarden Euro hätten in diesem Zeitraum gerade einmal wenige Hundert Haushalte mit Strom versorgen können. Es herrschte nicht zum ersten Mal in den vergangenen drei Monaten Flaute auf der Nordsee. An insgesamt 25 von 91 Tagen rutschte die Windstromproduktion teilweise mehrmals in den zweistelligen oder einstelligen Megawatt-Bereich. Mit 2631 Megawatt wurde am 11. November spätabends am meisten Energie eingespeist. Die teilweise extremen Schwankungen muss der Netzbetreiber Tennet durch Zuschalten oder Abschalten konventioneller Kraftwerke ausgleichen."
  • Dopplereffekt

    15.02.2016, Marco Schmid
    Verhält sich der Gravitationswellen-Doppler wie der optische Doppler?
  • Anschlussfrage

    15.02.2016, Thomas Gebert
    Vielen Dank für Ihre freundliche Antwort. Ich schließe aus dem mir bekannten Artikel, dass sich möglicherweise ein "Fußabdruck" des Urknalls in der Hintergrundstrahlung finden lässt. Dass man aber quasi "live" über ein Echo mit Hilfe von Gravitationswellen dem Urknall zuhören können wird, wie es in den Medien (Welt, Zeit, Financial Times) berichtet wurde, scheint mir doch ausgeschlossen. Sind die Gravitationswellen übrigens rotverschoben? Wenn ja, woher weiß man das? Man hat doch keine Eichung über Wasserstofflinien. Woher weiß man dann, dass sie 1,2 Mrd Lichtjahre unterwegs sind?
    Antwort der Redaktion:

    Der "Fußabdruck" ist in dem Sinne live, dass er bereits mit der Hintergrundstrahlung entstanden und in deren Polarisation zu erkennen ist. Er wandert mit der Hintergrundstrahlung, die wir messen und muss sie nicht etwa überholen.

    Die Frage mit der Rotverschiebung hatte auch ein anderer Leser, Andreas Lenzing, Kommentar Nummer 4. Eine Antwort finden Sie dort. Die Kurzfassung: Eine Rotverschiebung spielt keine Rolle bei der Bestimmung der Distanz. Man schätzt über die Amplitude und die Frequenzänderung des "Chirps" die Entfernung der Quelle ab.

  • Kontrolle

    15.02.2016, M. Meyer
    Der Artikel spricht ganz richtig von der mangelhafte Kontrolle der Antibiotikavergabe. Es fehlt noch an konkreten Vorschlägen. Man muss sich jedoch auf harten Widerstand der Medikamentenindustrie einstellen, denn deren Absatz würde sinken. Deshalb ist die Kontrolle eine weltweite, zuerst politische Aufgabe.

    Ein Ansatz wäre, Antibiotika in der Mehrzahl der Fälle nur unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus zu verabreichen. Damit kann man das Problem bekämpfen, dass ein frühzeitiges Absetzen zu mehr Resistenzen führt. Das weltweit in allen Gesundheitssystemen zu verankern wäre ein erster Schritt.
  • Unsinnige Grafik

    15.02.2016, Dirk Becker
    Es ist sicher legitim, komplizierte Sachverhalte in einem Kurzartikel stark vereinfacht darzustellen. Anschauliche Grafiken können das Ihre dazu beitragen, sofern sie die wesentlichen physikalischen Verhältnisse korrekt abbilden und stimmige Schlussfolgerungen zulassen. Die Grafik im Heft auf S. 49 wird diesem Anspruch leider nicht im Entferntesten gerecht. Laut Bildunterschrift soll sie zeigen, dass "der helle Schnee einfallende Lichtstrahlen vorwiegend in die Mulde reflektiert".

    Selbst wenn man die Darstellung ansonsten unkritisch hinnimmt, stützt sie aber diese Schlussfolgerung nicht; der vordergründige Eindruck entsteht nur dadurch, dass der Zeichner sich auf ein Strahlenbündel am Rand der Mulde beschränkt hat. Ergänzt man die Zeichnung um die fehlenden Strahlen, dann sieht man, dass über die gesamte Mulde zirka 60 % der Strahlen direkt wieder aus der Mulde heraus reflektiert werden. Im Übrigen hängt dieser Wert offensichtlich stark von der Gestalt und der Tiefe der Mulde (im Verhältnis zu ihrem Durchmesser) ab.

    Noch schwerer als diese fehlerhafte Schlussfolgerung wiegt aber, dass die Grafik die tatsächlichen strahlenoptischen Verhältnisse nicht einmal annähernd korrekt wiedergibt. Zum einen fallen Lichtstrahlen nur in den seltensten Fällen senkrecht von oben auf eine Schneefläche. Sie kommen vielmehr aus der Richtung der naturgemäß meist tief stehenden Sonne, wodurch zum Beispiel Schattenwurfeffekte am Muldenrand eine Rolle spielen können, die im Text gar nicht erwähnt werden. Zum anderen werden Lichtstrahlen an einer makroskopischen Schneeoberfläche eben nicht, wie in der Grafik dargestellt, nach dem Prinzip "Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel" reflektiert, sondern gleichmäßig in alle Richtungen gestreut. Genau das ist schließlich der Grund dafür, dass Schnee weiß erscheint und nicht spiegelt. Der weitere Weg eines auf die Muldenwand auftreffenden Lichtstrahls ist demnach prinzipiell nicht vorhersagbar.

    Die Behauptung, eine einmal vorhandene flache Mulde im Schnee würde das Sonnenlicht sozusagen einfangen und dadurch selbstverstärkend ihren eigenen Bildungsprozess antreiben, scheint mir zumindest fragwürdig, aus der grafischen Darstellung lässt sie sich jedenfalls nicht ableiten. Keine Grafik wäre hier besser gewesen als diese.
  • Die Erde eine Scheibe …

    15.02.2016, Olaf Schlüter, Baldham
    Die Legende der Neuzeit, im Mittelalter habe man die Erde für eine Scheibe gehalten, mag ich nicht auch noch in "Spektrum der Wissenschaft" lesen. Hier sollte man es doch eigentlich besser wissen. Dass die Erde eine Kugel ist, davon ging man schon in der Antike aus (das ptolemäische Weltbild hatte sogar den Segen der Kirche) ,- und hatte auch eine ziemlich gute Schätzung ihres Umfangs. Nur Kolumbus war davon überzeugt, dass die Erde kleiner war als bis dahin angenommen. Der bisher erfolgreichste Irrtum der Geschichte. Was den Wert von "Wahrheit" etwas relativiert.