Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Feedbackloops

    22.10.2017, Jens Roeth
    Worauf im Artikel leider nicht eingegangen wird (wahrscheinlich würde es auch den Rahmen sprengen), sind die Feedbackloops, die uns davon abhalten, stark zu- oder abzunehmen. Das Hormon Leptin, was von Fettzellen ausgeschüttet wird (und zwar je mehr, desto voller diese sind), macht zum einen satt, zum anderen erhöht es den Grundumsatz. Wenn man nun abnimmt, wird davon weniger ausgeschüttet, und man hat mehr Hunger sowie weniger Energieverbrauch. Was auch zum Jo-Jo-Effekt führt. Da es einige Zeit dauert bis sich das Gehirn an niedrigere Level gewöhnt (Stichwort Leptinresistenz), ist man nach einer Gewichtsabnahme sehr anfällig für erhöhten Appetit und schnelle Gewichtszunahme.

    Ein Vergleich der Leptinlevel zwischen den indigenen Völkern und den Wohlstandsmenschen wäre dabei sehr interessant.
  • Reflexartige Schuldzuweisung

    22.10.2017, Gisbert
    "Und ebenfalls im Dunkeln liegt noch die Antwort auf die Fragen, ob Homotherium damals Homo sapiens gejagt hat und ob unsere Vorfahren etwas mit seinem Aussterben zu tun hatten."
    Was soll denn angesichts der damals extrem dünnen menschlichen Populationsdichte der Mensch mit dem Verschwinden dieser Großkatze zu tun haben? Damals konnte man jahrelang hoch und runter durch Europa latschen, ohne einem Menschen zu begegnen.
  • Menschen sind nicht übergewichtig, weil ihr Körper Hunger hat

    22.10.2017, Uwe Hampel, Barsinghausen
    Beiträge über das große Thema Übergewicht bringen mich immer wieder zum Schmunzeln. Schade finde ich allerdings die Verwirrung, die Sie, gerade bei den Betroffenen erzeugen, weil Sie von der eigentlichen Misere ablenken. Gene hin oder her: Übergewichtige Menschen essen nicht, weil ihr Körper Hunger hat. Sie essen, weil der Essvorgang in ihnen ein gutes Gefühl erzeugt. Gefühle erzeugen (Ess)Verhalten. Und Gedanken erzeugen Gefühle. Taucht man in die Gefühlswelt Übergewichtiger ein, findet man sehr schnell genau das, was Sigmund Freud als inneren Konflikt bezeichnet hat. Die Gefühlswelt übergewichtiger Menschen leidet unter einem Konflikt zwischen Denken und Fühlen. Und kompensiert wird dieser Konflikt durch die Nahrungsaufnahme. Warum? Weil Gehirne beim Essen das Denken einstellen und in den Fühlmodus wechseln. Die Nahrungsaufnahme erzeugt ein gutes Gefühl.

    Nun funktioniert dies leider nicht bei Nahrung, die wir als gesund und nützlich für den Körper bezeichnen. Somit wird, um ein gutes Gefühl zu erzeugen, Nahrung gewählt, die weniger vorteilhaft für den Körper ist. Und diese Nahrung erzeugt Übergewicht.
  • Energiebilanzen verwirren mich

    22.10.2017, Walther Glaubitt, Würzburg
    "Ein gesunder, erwachsener, durchschnittlich großer und normalgewichtiger US-Amerikaner benötigt täglich etwa 10 500 Kilojoule (2500 Kilokalorien), um sein Körpergewicht zu halten. Bei einer gesunden, erwachsenen und normalgewichtigen Durchschnittsamerikanerin sind es zirka 8400 Kilojoule (2000 Kilokalorien)." Nach der Grafik "Grundumsatz" setzen 30 bis 50 Jahre alte, normalgewichtige Männer aber nur 1700 Kilokalorien um. Laut Grafik "Glykämischer Index (GI)" werden nach einer Mahlzeit von 394 Kilokalorien und niedrigem GI nur noch 764 Kilokalorien während des restlichen Tages verzehrt. Das sind insgesamt nur noch 1158 Kilokalorien am Tag. Die Zahlenangaben variieren in einem Bereich von 1150 kcal und 2500 kcal. Das verstehe ich nicht und ich bitte um Erläuterung.
    Stellungnahme:
    Sehr geehrter Herr Glaubitt,

    in der Grafik "Grundumsatz" ist der Grundumsatz von Männern und Frauen angegeben (aufgeschlüsselt nach Körpergewicht und Altersgruppe). Im Durchschnitt macht dieser etwa zwei Drittel des Gesamtenergieumsatzes aus. Das noch fehlende Drittel entfällt auf den so genannten Leistungsumsatz, also den Energieaufwand für physische Aktivität etc., der zum Grundumsatz hinzukommt. Zu den von Ihnen genannten 1700 Kilokalorien täglich müssen Sie also noch etwa 800 Kilokalorien täglich addieren und kommen dann auf rund 2500 Kilokalorien pro Tag.

    In der Grafik "Glykämischer Index" sind Werte angegeben, die bei einer Untersuchung an fettleibigen Jungen mit einem Alter von zirka 15 Jahren gewonnen wurden, also nicht an Erwachsenen. Dies erklärt, dass die dort angegebenen Werte zwischen rund 1200 und rund 1800 Kilokalorien täglich liegen und somit niedriger als bei Erwachsenen.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.
  • Grundlagenforschung?

    22.10.2017, Elmar Bodet, Solingen
    "All diese Befunde zeigen, dass Kalorie nicht gleich Kalorie ist."

    Dieser Satz steht bereits in Pollmer/Fock/Gonder/Haug 'Prost Mahlzeit' von 1994/2001! Selbstverständlich können sich ganze Wissenschaftszweige der Pflege von falschen Konzepten widmen.

    Was in dem oben stehenden Artikel sorgfältigst vermieden wurde, ist die Frage nach dem Warum der Fettleibigkeitsepidemie. Hierzu jüngst erschienen: Lustig 'The hacking of the american mind', Untertitel: The science behind the corporate takeover of our bodies and brains. Einen zusammenfassenden Beitrag dazu gibt es auf youtube: https://www.youtube.com/watch?v=EKkUtrL6B18&t=23s
  • Künstliche Intelligenz

    22.10.2017, Roland Schröder
    Erfreulich, dass der Sammelband "Was sollen wir von künstlicher Intelligenz halten?" darauf hinweist, dass wir nicht aufhören sollten, selber zu denken. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Überlegenheit der künstlichen Intelligenz vor allem in der Schnelligkeit und der Kapazität der Systeme liegt und nicht in der Genialität oder der Kreativität.
  • Verständnisfrage

    22.10.2017, Pollo Asado
    Lieber Herr Lingenhöhl,

    so ganz verstehe ich die Herleitung ja nicht: selbst, wenn die Zapfenmuster 100% gleich sind, muss doch allein der Augenabstand für verschiedene Bilder sorgen? Außerdem: meint Symmetrie in diesem Fall Spiegelsymmetrie (die Gegenüberstellung von "d" und "b", sowie "3" und "E" legt das nahe)? Im letzteren Falle müsste ja wohl noch ein weiterer Fehler vorliegen, da "normalerweise" die binokulare Sehrinde beide gleich ausgerichteten, aber leicht um den Augenabstand verschobenen Bilder zum dreidimensionalen Gesamtbild verrechnet. Wäre eines davon "seitenverkehrt", müsste das von der Sehrinde erst "umgedreht" werden. Möglicherweise könnte das sogar funktionieren. Es gab ja schon erfolgreiche Experimente mit per Optik vertauschem Oben/Unten, an das sich das Gehirn auch gewöhnt hat.
    Die Augendominanzplastizität ist mir bisher nur bekannt im Zusammenhang mit Amblyopie, wenn nämlich in der "kritischen Phase" der Entwicklung der Sehrinde das schwächere Auge "abgeschaltet" wird - oder eben, bei künstlich induzierter erneuter "kritischen Phase" (nach Richtungskorrektur der Augen) wieder "angeschaltet", also die Dominanz eines einzelnen Auges aufgehoben werden kann. Ist es tatsächlich so, dass bei gleich funktionalen Augen beim Lesen das Bild eines der beiden ausgeblendet wird? Davon habe ich bisher nichts gelesen.

    Freundliche Grüße,
    Pollo Asado

    P.S.: folgend dem Artikeltext müsste im letzten Satz "Asymmetrie" durch "Symmetrie" ersetzt werden.
    Stellungnahme:
    Lieber Pollo Asado,

    das ist eine gute Frage, die die Forscher selbst noch nicht beantworten können: Sie haben ja erstmal nur einen Zusammenhang zwischen der Asymmetrie/Symmetrie der Zapfen und der Ausbildung einer Dyslexie entdeckt - und wie man diese mit Lichtblitzen womöglich abmildern kann. Alles weitere müssen wohl erst neue Studien klären.

    Und danke für den Hinweis - ich bessere das aus.

    Viele Grüße
    Daniel Lingenhöhl
  • Wohl bisher unterschätzter Einfluss genetischer Faktoren

    21.10.2017, sherfolder
    Wenn die Autoren schreiben, dass bereits ein Überschuss von 50 bis 100 Kilokalorien pro Tag die Körpermasse um ein bis drei Kilogramm pro Jahr und über die Dauer eines Jahrzehnts zwischen 10 bis 30 Kilogramm erhöhen kann, was für einen Einfluss haben dann erst genetische und andere individuelle, biochemische Faktoren auf die Stoffwechselaktivität und damit auf die Gewichtskontrolle, wie es durch die Ergebnisse der Studie aus dem Jahre 1986 nahegelegt wird, bei der Unterschiede von bis zu 500 kcal (!) gefunden wurden.

    "bei den Hazda ist eben nicht (nur) der Grundumsatz gleich hoch wie bei Durchschnittsamerikanern, sondern der gesamte Energieumsatz (Grundumsatz plus Leistungsumsatz). Obwohl sich die Hazda wesentlich mehr bewegen als Durchschnittsamerikaner, setzen sie insgesamt nicht mehr Kalorien um als diese"

    Das war für mich das Überraschendste, was ich im Zusammenhang mit Ernährungsphysiologie seit Langem gelesen habe. Das wirft ja praktisch alles über den Haufen, was bisher an vermeintlich gesichertem Wissen zu diesem Thema in der medialen Öffentlichkeit zu erfahren war: dass Sport in Bezug auf Gewichtsreduktion eine eher untergeordnete bis vernachlässigbare Rolle spielt.
    Diese Nachricht muss ich jetzt erstmal verdauen …
  • Überproportionale Grösse

    21.10.2017, Anton
    Hat dieser Zahn - so wie immer abgebildet - überhaupt existiert? Wenn ja, dann ist er hinderlich statt nützlich gewesen.
    Stellungnahme:
    ja, er existierte so, wie Fossilien zeigen. Diese langen Zähne waren allerdings auch nicht besonders bruchfest, vermutet wird daher, dass sie wie ein Dolch genutzt wurden. Die Tiere töteten nicht mit dem Biss, sondern durch Aufschlitzen...
  • Punctuated equilibria?

    21.10.2017, Carl Strutinski
    Da ich mich selbst mit dem Thema Evolution befasse, kann ich mich den in diesem kurzen Beitrag gemachten Annahmen nur anschließen. Dazu möchte ich noch einige erläuternde Bemerkungen machen. Die graduellen Verbesserungen will ich nicht in Abrede stellen, bringe sie aber immer mit sich verändernden äußeren Umständen in Verbindung. Wenn diese Umstände sich nur ganz langsam, also über geologische Zeiträume, verändern, bleiben die Arten zumindestens äußerlich unverändert. Das ist auch der Grund, weshalb es in der Geologie "Leitfossilien" gibt. Sie zeichnen sich über große Räume und Zeiten durch Formbeständigkeit aus, die es uns ermöglicht bestimmte Gesteinsformationen über weite Gebiete miteinander zu vergleichen und ihnen anhand dieser Leitfossilien dasselbe Alter zu erteilen. Es sollte hinzugefügt werden, dass es sich meist um Millionen von Jahren handelt, die in der Geologie zwar kurze Zeitspannen sind, aber biologisch betrachtet doch lange Zeiten der relativen Ruhe und Beständigkeit darstellen.
    Ändern sich nun die äußeren Umstände relativ schnell, kommen all diejenigen Gene zum Einsatz, die sich "in rudimentärer Form" schon verändert hatten, wenn denn die Veränderung der Anpassung an die neuen Umweltbedingungen dienlich ist. Daraufhin finden dann "plötzlich" (das kann aber auch Jahrtausende oder sogar länger dauern) die radikalen Veränderungen statt. In der Entwicklungslehre ist diese Auffassung, der ich mich anschließe, als "punctuated equilibria" bekannt. Sie wurde von den Amerikanern Gould und Eldredge in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts aufgestellt, ist aber immer noch nicht allgemein akzeptiert. Die großen Massenextinktionen und anschließenden Neuentstehungen von Arten lassen sich aber sehr gut durch dieses Modell erklären.
    Ich kenne die Stammesgeschichte der Rhagovelia-Gattung nicht, also kann ich auch nicht beurteilen, weshalb sie ihre "neue" Eigenschaft entwickelt hat. Denkbar wäre eine schnelle Veränderung ihrer gewohnten Lebensumstände an Ort und Stelle oder aber die Annahme, die Gattung sei aus einem anderen Gebiet eingewandert und musste sich ohnehin an die veränderten Umweltbedingungen anpassen. Die Annahme, dass Arten sich kontinuierlich verändern, um sich immer besser an die Umwelt anzupassen, die noch Darwin vertrat, scheint den tatsächlichen Bedingungen und Beobachtungen nicht zu entsprechen.
  • Randbemerkungen zum Thema

    21.10.2017, Carl Strutinski, Saarbrücken
    Ein in vielen Hinsichten aufschlussreicher Artikel, gut mit Beobachtungen untermauert.
    Es hängt immer auch von uns selbst ab, wie leicht wir es den Herstellern von "processed food" machen, beziehungsweise wie schwer wir uns damit selbst tun. Ich habe oft den Eindruck, unsere Lebensmittelgroßkonzerne möchten am liebsten, dass uns durch Gesetz untersagt wird, noch selbst was in unseren Gärten zu produzieren oder Waldfrüchte und Pilze in Wald und Wiese zu sammeln. Das scheint schon dergestalt von unserer (Konsum)Gesellschaft verinnerlicht worden zu sein, dass viele Menschen es "uncool" finden, wenn man auf Pilzsuche geht.
    In anderer Hinsicht: dass das Gehirn so viel mehr Energie nötig hat als unsere Muskeln, klingt doch beruhigend. Sollten wir nicht vielleicht auch nach dem Motto leben: Denke dich gesund???
    Es ist mir in diesem Zusammenhang schon immer aufgefallen, wie oft mich der Hunger packt, wenn ich ein gutes Buch, ganz gleich ob schöngeistige oder wissenschaftliche Literatur, lese. Zum Unterschied von langweiligen Gesetzestexten, beispielsweise. Nun habe ich eine Erklärung dafür. Vielen Dank!
  • 14C

    21.10.2017, Gottfried Heumesser
    14C alleine scheint bei so alten Funden nicht unbedingt das Wahre zu sein, wenn etwas solange im Seewasser gelegen ist. Da wären andere Datierungsmethoden interessant. Aber da es offenbar keine Stratigrafie gibt dürfte man da im Dunklen tappen. Bis vor kurzem ging die Kalibration von 14C ja nur bis 30ka, jetzt bis 50ka. Würde den Ergebnissen daher nicht unbedingt zuviel Gewicht zumessen.
  • Einfachere Methode

    21.10.2017, Liane Mayer
    Wenn die Augen einander "in die Quere kommen", wie im Artikel beschrieben, warum dann nicht einfach ein Auge schließen und nur mit dem anderen lesen? Man kann die Augen ja auch abwechselnd zum Zug kommen lassen, nur halt nicht beide gleichzeitig. Räumliches Sehen wird beim Lesen ja ohnehin nicht gebraucht. So könnte man leicht und ohne finanziellen Aufwand feststellen, ob die Leseschwierigkeiten wirklich nur an den Augen liegen oder nicht.
  • Psychologische Wirkungen

    21.10.2017, Dirk Braun
    Reale Studie (vereinfacht):
    - bodennahe(<1m) Fluginsekten
    - in Schutzgebieten
    - Flachland in D
    positive Effekte
    - Stickstoffgehalt
    - Pflanzenvielfalt
    negative Effekte
    - Ackerfläche
    - Waldfläche
    - Baumvielfalt

    Psychologische Wirkungen:
    - in "großen Teil Deutschlands"
    - "belegt endlich auch anekdotische Berichte..etwa der heute sauberen Autoscheiben" [die ca.1m über dem Habitat schweben]
    - "vieles [was nicht genannt werden darf] deutet" auf
    -- Monotonisierung [Studie: "200m radius better predicted insect biomass than elements at 500 and 1000m radius"]
    -- Überdüngung [Studie:"nutrient-rich grasslands, margins and wasteland containing 43% more insect biomass than nutrient-poor heathland, sandy grassland, and dunes.]
    - Erfindung von: "Wie die Studie in "PLoS One" zeigt, schlägt dies bis in die meist zu kleinen Naturschutzgebiete durch, die vom Gifteintrag entweder direkt betroffen sind oder deren Arten sich über die ausgeräumte Feldflur nicht mehr verbreiten und austauschen können"
    - "bunt blühenden Ackerrandstreifen" [Studie: keine Farben erfasst; die meisten Insekten in der Zielgruppe sind Pflanzenesser und keine Blütensauger]
    - Bericht über "viele Verbraucher [die] nach billigen Lebensmitteln [verlangen]" und so vermeiden das zu viel teure Ackerflächen, die Insekten nicht fördern, für deren Lebensmittel gebraucht werden
    - Bericht über die Rolle der Kleingärtner, die in der Studie über Insekten in Schutzgebieten völlig ignoriert wurden

    Zusammengefasst könnte eine Studie, die die Auswirkungen von der Existenz einer realen Studie mit nachlesbaren Aussagen messen würde, zu dem Ergebnis kommen, dass es allenfalls eine Zahl aus so einer Studie schaffen würde bekannt zu werden und ansonsten lediglich vorher gelernte Vermutungen sprudeln ließe, die sich sehr stark am ästhetischen Naturschutz orientieren.

    Die ästhetischen Themen, die Kommentatoren anstelle der Studie für relevant hielten:
    "Rasen mähen"/"Flüchtlinge"/"sexy Insekten"/" Millionenbeträge an Politiker"/"übermächtige Lobby"/"Ordnungswahn der Hausbesitzer"/"allherbstichen Anblick"/"Verstromung von Biogas"/"Mobilfunksignale"/"social media" und "mein Vorgarten der Schandfleck"
    deuten stark auf eine ästhetische Abneigung gegenüber zu artenreichen Studien, die eine Zahl unnötig verkomplizieren, hin.
  • Gewichtszunahme ungleich Fettzunahme

    21.10.2017, Henry Jesuiter, München
    Ich bin ja sonst nicht so der Das-wissen-wir-längst-Typ, aber in diesem Fall: Das man bei erhöhter Kaloriezufuhr bei gleichzeitig intensivem Sport zunimmt, hätte Ihnen jeder Kraftsportler der letzten 100 Jahre erzählen können. Darauf beruht ja in gewissen Sinn der gesamte Kraftsport (nicht zu verwechseln mit Bodybuilding)! Der Unterschied ist doch aber: Zu welchen Teilen besteht die Massezunahme aus Muskeln und zu welchen Teilen aus Fett? Darauf geht der Artikel leider nicht ein.

    Der Verweis auf die Jäger und Sammler des Hazda-Volkes ist dabei leider nur bedingt hilfreich. Denn das deren Ruheumsatz nicht wesentlich anders ist, als der des durchschnittlichen Amerikaners ist zumindest für mich nicht sonderlich überraschend (überraschend hätte ich tatsächlich eher das Gegenteil gefunden). Interessant wären hier eher Dinge wie Beweglichkeit, Reaktionsvermögen, Zustand der Gelenke et cetera. Also die Dinge, die durch das Treiben von Sport viel stärker beeinflusst werden, als nur der Kalorienumsatz.

    Leider wird der Artikel meines Erachtens so leicht falsch verstanden: Sport ändert den Kalorienverbrauch nicht/kaum, und wäre daher nicht wichtig. Aber das wäre ein Trugschluss, denn Beweglichkeit, Reaktionsvermögen und gesunde (weil durch Muskeln geschützte) Gelenke helfen bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Eine gesunde Ernährung hilft dabei natürlich ebenfalls, aber nicht eben sicher nicht allein.
    Stellungnahme:
    Sehr geehrter Herr Jesuiter,

    bei den Hazda ist eben nicht (nur) der Grundumsatz gleich hoch wie bei Durchschnittsamerikanern, sondern der gesamte Energieumsatz (Grundumsatz plus Leistungsumsatz). Obwohl sich die Hazda wesentlich mehr bewegen als Durchschnittsamerikaner, setzen sie insgesamt nicht mehr Kalorien um als diese - das ist ja der Witz der ganzen Geschichte. Das erscheint zunächst natürlich völlig kontraintuitiv, und die Mechanismen dahinter sind auch nur ansatzweise verstanden. Ein weiterer Artikel zum Thema, ebenfalls in Spektrum der Wissenschaft (SdW) 11/2017, streift dieses Problem. Demnach hält der Organismus den gesamten Energieumsatz bei erhöhter körperlicher Aktivität ungefähr konstant, indem er Energie von anderen Prozessen abzieht (etwa Entzündungen, Ausschüttung von Geschlechtshormonen und Wundheilung) und indem er in Ruhephasen tiefer entspannt (beispielsweise tiefer schläft).

    Die medizinisch positiven Wirkungen von Sport, auf die Sie völlig berechtigt hinweisen, stehen außer Zweifel. Die beiden Artikel in SdW betonen das ebenfalls mehrfach. Sport hilft aber nur bedingt bei der Gewichtsreduktion, wie die Daten belegen.

    Mit freundlichen Grüßen, d. Red.