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Lesermeinungen - Spektrum der Wissenschaft - Seite 27

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Prämisse fehlerhaft; Schlussfolgerung akzeptabel

    03.04.2018, Daniel Scott
    Bei seiner Prämisse, dass apokalyptische Sichtweisen ein Produkt der Neuzeit bzw. der Moderne sind, muss ich Herrn Jäger widersprechen. Apokalyptische Visionen sind seit der Antike dokumentiert, in der Tat ist die Offenbarung des Johannes, aber auch Visionen des Daniel in der Bibel, genau die Form von (wortwörtlich, weil gr. Offenbarung) apokalyptischer Weltsicht, die sich gegen eine als fehlerhaft, zu komplex oder dem für wahr erachteten Streben des Menschen entglitten wahrgenommene Lebensform richtet und dieser an radikales Modell entgegensetzt. Thomas More ist in dieser Hinsicht nicht wirklich anders, wenn auch nicht radikal; denn Utopia ist eben keine Utopie in der heutigen (oft irreführenden) genutzen Bedeutung. Utopos ist ein Nicht-Ort, im speziellen ein "Nicht-Hier". Morus benutzte den Entwurf von Utopia, um auf Misstände in seiner eigenen englischen Heimat hinzuweisen; dabei muss auch bedacht werden, dass Morus Politiker war, der um diese Misstände genau wusste und sie unter seinem König Heinrich VIII. in einer solchen Art anprangern wollte, dass man sich ihrer (hoffentlich) annehmen könnte. Gleiches Prinzip der Beschreibung einer romantisiert-perfekten Gesellschaft, um die eigene zu kritisieren oder zum Umdenken zu bewegen, findet sich auch in römischer Schrift, so z.B. bei Tacitus, der die Germanen in seinen (wohl stark romantisierenden) Beschreibungen zu einer perfekten Kultur erhob, wogegen die Römer dekadent und faul geworden seien.
    All diesen Schriftstellern ist gemein, dass sie Kritik an ihrem gegenwärtigen Zeitgeist übten, indem sie ein Gegenmodell entwarfen. Man darf nicht vergessen, dass eine Apokalypse mitnichten ein Ende ist, sondern mit einer Postapokalypse einhergeht, sei es der Jüngste Tag, die Errettung durch Aliens oder eben einfach eine Veränderung der Gesellschaft zugunsten einer menschengerechteren Lebensform. Diese Idee und der ihr zugrundeliegende Wunsch ist nicht neu; soweit man es überblicken kann ist dies eine Form die nicht nur die westliche Kultur, sondern menschliches Denken schon immer begleitet hat: Angesichts einer als komplex und (teils schon deswegen) entarteten Zivilisation wird eine vereinfachende, "reinigende" Veränderung herbeigesehnt, die uns wieder zu dem (wie auch immer gearteten) "richtigen" Leben zurückführen wird.

    Dementsprechend sollte man die Schlussfolgerung hier wenn nicht revidieren, dann doch etwas anpassen: Denn angesichts der gestiegenen Komplexität unserer Gesellschaft und der von Herrn Jäger beschriebenen Verneinung einfacher bzw. absoluter Sachverhalte werden diese Ängste und die damit verbundenen Ausdrucksformen natürlich um so stärker. Stärkere Ignoranz gebirt, platt gesagt, stärkere Angst.

    Wir sollten in der Tat diesem Unverständnis durch Bildung versuchen entgegenzuwirken, indem man gewissermaßen auf Logos, Pathos und Ethos gleichermaßen einwirkt um den Menschen an seine "neue" Lebensumgebung und die damit einhergehenden Anforderungen zu gewöhnen.
    Gleichwohl sollten wir nicht den Fehler machen, zu denken, das Problem vor dem wir sitzen sei neu, oder ein singuläres Produkt unserer Zeit: Denn dies ist genau der Fehlschluss, dem die Apokalyptiker aufgesessen sind, und wir sollten dieser Denkart nicht entgegenkommen. Im Gegenteil, wir sollten mit Blick auf Geschichte und Kultur darauf verweisen, dass Angst vor Veränderung bei Menschen schon immer vorhanden war - dass man sich von ihr aber nicht bestimmen lassen darf.
  • Optionen?

    03.04.2018, Stefan
    Es ist letztlich immer eine Frage des Standpunkts, ob in der Religion, Evolution,
    Kosmologie, Quantenphysik etc. Ich zähle mich seit einiger Zeit auch oft zu den Schwarzmalern.
    Wie aber könnte das geforderte demokratische Engagement eines jeden von uns heute aussehen?
    Twittern, etliche Petitionen unterzeichnen, demonstrieren?
    Können wichtige fundamentale Themen überhaupt nennenswerte Mehrheiten vereinen?
    Vielleicht ja, aber was muß passieren, damit sie auf die Straße gehen
    und für unser Überleben kämpfen?
    z.B. weltweites Verbot von Atomwaffen oder Kunststoffen, Verbrennungsverbot für fossile Brennstoffe,
    Renaturalisierung der Umwelt, weltweite massive Aufforstung,
    Artenschutz und Biodiversität als oberste Priorität.

    Auf die großen Aspekte Gier, Angst, Neid, Dummheit, Sucht...
    und Tragödien wie Kriege und einsetzende Völkerwanderungen
    liefert die Wissenschaft leider keinerlei Handlungsoptionen.
    Sie hat kaum Einfluß auf das reale Leben, solange die Mehrheit
    sich kein Wissen aneignet oder es anwendet.
    Und dabei rede ich nicht von komplexen Themen wie z.B. das Lebenswerk von Stephen Hawking.
    Einfache Lehren fehlen, z.B. wie wird ein Mensch tolerant, emphatisch, engagiert?

    Wenn nicht mal unsere Minister die geringste Ahnung von der ihr anvertrauten Materie haben,
    wie und wofür soll dann der kleine Mensch noch handeln?
    Wie beschrieben sind die meisten Politiker einfach zu alt und träge, unwillig oder unfähig
    Veränderungen zuzulassen.
    Gibt es dazu eigentlich Empfehlungen aus der Wissenschaft, z.B. aber welchem Alter schwindet die
    Bereitschaft, sich zu verändern?
    Die Welt befindet sich nach wie vor im Beta-Stadium, aber bei dem Tempo der Veränderungen
    kommt keine Gesetzgebung mit, was können wir konkret dagegen tun?
    Der Systembaustein Bildung, naturwissenschaftlich, ganzzeitlich, weltweit, weltoffen und verbunden
    kommt leider zu selten zur Sprache. Meiner Meinung nach liegt dort eine Ursache
    für die Probleme der Menschheit.

    "Nur im globalen Zusammenspiel, mit Hilfe des geistigen und ethischen Potenzials aller Menschen"
    bedeutet unterm Strich: Schwarmintelligenz und Weltregierung.
    Das ganze System Menschheit bedarf wohl eines Neustarts und wenn wir den Resetknopf nicht drücken,
    wird es unsere Mutter Natur für uns erledigen.

  • Grosse Macht gebietet auch große Verantwortung

    03.04.2018, Dr. Armin Azima
    Ansonsten werden die Apologeten des Untergangs recht behalten, da wir Menschen uns ähnlich wie Kinder verhalten, die mit Feuer spielen. Dies haben zum Beispiel die 50er und 60er Jahre gezeigt, in denen H-Bomben Test mit mehr als 10MT Sprengkraft überirdisch getestet wurden ohne Respekt vor der Naturkraft oder der Umweltverschmutzung dahinter. Und selbst heute existieren 14.000 abschussbereite H-Sprengköpfe mit mehr als 300kT weltweit, und wir spielen immer noch mit dem Feuer !
  • Vertrauen ins Leben erlangen

    03.04.2018, Thomas
    Die Angst vor dem Unbekannten/Unkalkulierbaren wohnt schon immer im Menschen. Diese Angst ist in der Illusion begründet, das Leben selbst steuern zu können, es selbst "im Griff" zu haben. Im heutigen Zeitalter der Informationsflut und Hochtechnologie sind die Menschen mit dieser illusionären Ansicht schlichtweg überfordert. Zum Einen glauben sie, gezielt mithalten zu müssen, wollen soviel wie möglich verstehen und durchschauen um dann das Bestmögliche für ihr Leben "selbst" auszuwählen, zum Anderen merken und ahnen sie, dass dies nicht geht und es kommt schlichtweg zur Überforderung und die Angst und Flucht in "Altbewährtes" (Ablehnung des Neuen) kommt auf.

    In Wirklichkeit hat jedoch noch nie jemand etwas gesteuert oder veranlasst. Das (eigene) Leben folgt genetischen Vorgaben/Prägungen. Gedanken und Handlungen sind determiniert vorgegeben und im Wechselspiel mit Allem (Alles interagiert in Abhängigkeit mit Allem) treibt es die Lebensgeschichten voran, ohne das der Einzelne in absoluter Verantwortung stehen kann. In der Konsequenz dieser Erkenntnis, kann es nur bedeuten, dass der Einzelne Marionette des Lebens ist und sich genauso auch dem Leben absolut hingeben kann. Der Gedanke etwas "falsch" machen zu können, kann dann auch nicht mehr auftauchen. Dann wird losgelassen, die Anspannung fällt ab und das Leben wird einfach erlebt ohne weiter am illusionären Gedanken zu hängen, irgendetwas könnte/müsste/sollte anders sein als es ist.

    Damit wird sich eine positive Weltsicht einstellen, denn es ist dann auch klar, dass wir zwar weiterhin nicht alles verstehen können, aber eben auch gar nicht müssen.
  • Oh würde doch endlich die Menschheit begreifen

    03.04.2018, Lya
    Sehr geehrter Herr Jaeger
    vielen Dank für diesen Beitrag.
    Ich bin eine Frau und 70 Jahre alt, in der DDR - dem so verhassten Sozialismus - aufgewachsen und über diese Ur-Kapitalistische Entwicklung entsetzt.
    Natürlich lebten wir in einer Diktatur. Das bestreite ich hier keineswegs.
    Jedoch uns wurde in meiner Schulzeit ein positives Zukunftsbild vermittelt. Die Errungenschaften von Wissenschaft und Technik sollten der Menschheit dienen, nicht sie vernichten!
    Diese aktuell dominierende grenzenlose Gier ist mir unbegreiflich.
    Für mich als Mensch, vor allem aber als Frau, war diese "Machtübergreifung" des Kapitalismus seit den neunziger Jahren ein absoluter Rückschritt.
    An dieser Stelle nur zum besseren Verständnis: ich bin weder "Rechts" noch "Links" und verabscheue jegliche extremistische Gewalt, die gezeilt geschürt wird und lediglich der allgemeinen Verdummung der Menschen dient!

  • Apokalyptische Zukunftsvisionen sind kein 'modernes' Phänomen

    03.04.2018, Kreuz9
    Lieber Herr Jaeger,
    es tut mir leid, aber Ihre Ausgangsthese ist schlichtweg falsch. Auch wenn sich mittelalterliche und moderne Apokalyptik natürlich nur sehr schwer vergleichen lässt, sind solche Szenarien ganz und gar kein modernes Phänomen. Gerade zu Zeiten von Reformation und Konfessionalisierung, also genau zur Zeit von Morus Utopia, sind apokalyptische Zukunftsvisionen ein sehr breites Phänomen. Die Krise der katholischen Kirche, die Glaubensspaltung im Reich und nicht zu vergessen die Bedrohung durch das Osmanische Reich, führten zu einer reellen Endzeiterwartung. Viele lebten in der Gewissheit, die Apokalypse selbst noch miterleben zu werden, und wenn nicht sie, dann zumindest die nächste Generation. Im Zuge dessen war die Angst um das eigene Seelenheil (die 'Zukunft' also in einem jenseitigen, aber für die Menschen dieser Epoche nicht weniger realen Sinn) eine treibende Kraft - ökonomisch (siehe Max Weber) wie auch politisch. Schauen Sie doch zum Beispiel mal, was der Kirchenhistoriker Volker Leppin zu diesem Thema veröffentlicht hat.
    Wenn man Morus Utopia mit diesem Wissen noch einmal liest, lässt sich vielleicht auch eine gewisse Ironie darin erkennen...
  • Schwerelosigkeit?

    01.04.2018, Bernd Huhn
    In der Schwerelosigkeit gebe es keine Erdanziehungskraft, behauptet Philip Häusser gut eine Minute nach Beginn des Videos. Zweieinhalb Minuten später sagt er, die Erdanziehungskraft auf der ISS sei deutlich geringer als auf der Erdoberfläche. Das ist zumindest kein Widerspruch, beides trägt aber zu der üblichen Verwirrung über die angebliche Schwerelosigkeit in einem antriebslosen Raumschiff bei. Wäre die ISS nämlich tatsächlich schwerelos, gäbe es dort also keine Erdanziehungskraft, so würde sie sich mit konstanter Geschwindigkeit auf einer geradlinigen Flugbahn auf Nimmerwiedersehen von der Erde entfernen. Allein die Erdanziehungskraft zieht sie auf ihre geschlossene Umlaufbahn! Und nur weil alle ihre Teile angenähert dieselbe Bahn durchlaufen, wirken zwischen ihnen nur sehr geringe mechanische Kräfte. Dieses Phänomen sollte man, um Fehlvorstellungen zu vermeiden, stets als „relative Schwerelosigkeit“ bezeichnen.

    Die Stärke des Gravitationsfeldes der Erde nimmt zwar mit der Entfernung von der Erde ab; 400 km über der Erdoberfläche ist sie aber nur rund ein Zehntel kleiner als an der Erdoberfläche.
  • Danke

    01.04.2018, Horst Lüning
    für diese wirklich gute Beschreibung der Zustände in einem Whiskyglas.
  • Evolutionspfade indie Zukunft offen halten

    29.03.2018, Dr. Wolfgang Epple
    Nichts gegen all die Fortschritte in der "Vorratshaltung" seltener Arten bzw. deren Gen-Material.
    Das große Lebensspiel aber - die Evolution - verlangt Anforderungen, die nur der klassische Naturschutz liefern und erfüllen kann:
    Artenschutz, der umfassend und ganzheitlich verstanden all jene Schutzmaßnahmen beinhaltet, der das Verschwinden bereits von Teilpopulationen verhindert: Habitatschutz und Habitatvernetzung, wirksame Schutzmaßnahmen gegen Übernutzung, Bejagung, gegen Vergiftung und und und...Schutz bis hinab auf das Individuum, wie dies einmal die Intention des Naturschutzes war.
    Weltweit ist das Gegenteil im Gange: Nutzungsdruck des Menschen auf entlegenste Wildnisse, Landnutzungswandel von Primärwald zum Forst und Holzacker, vom Wald zum Agrarland, vom Extensiv-Kulturland zur Intensiv-Monokultur, Verinselung und Zerschneidung vormals zusammenhängender Lebensräume, Überfischung, Trophäenjagd ohne Berücksichtigung von Genetik oder Gesamtfintess, Siedlungsdruck für Industrie, Wohnen und Verkehr, Flächenfraß und Entwertung von Wäldern und Extensiv-Agrarland (sogenannten "Konversion") für "Erneuerbare Energien"...
    Der letzte Bericht des Welt-Biodiversitäts-Rates hat es gezeigt, dass unser Leben auf Pump noch nie krasser mit der Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen kollidierte als heute. Nie war mehr Wissen angesammelt über die Notwendigkeiten des umfassenden Artenschutzes. In den Hotspots der Artenvielfalt aber findet größtes Bevölkerungswachstum der ohnehin überbordenden Menschheit statt. Auf die letzten unberührten Flecken findet der Run der Freizeitindustrie statt. Die Liste der Konflikte ließe sich verlängern...

    Tiefgefrorene "Archen" sind für sich genommen Erfolge wissenschaftlicher Akribie. Sie sind keineswegs geeignet, die evolutiven Pfade des Lebens in die Zukunft nachhaltig offen zu halten. Dies würde nur eine Renaissance des klassischen Naturschutzes mit einer mit großem Ernst und effektiver Überwachung der Ergebnisse praktizierten Zurückhaltung des Menschen vor weiterer Landnahme zu Lasten der Natur leisten.

    Der klassische Naturschutz aber wird zur Zeit - auch medial - platt gemacht durch den Hype um den angeblichen "Klimaschutz". Verzichten zu Gunsten des außermenschlichen Lebens ist halt allemal unbequem. Weltrettung durch "Artenbanken" und Groß-Technik klingt dagegen verheißungsvoll. Weltrettung ohne Überprüfung unseres naturfressenden Lebensstils - eine der großen Selbsttäuschungen dieser Zeit.
  • Irreführender Beitrag

    29.03.2018, Dieter Freundlieb
    Ich halte den Beitrag des Autors zu der Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland" bzw der entgegengesetzten Aussage "Der Islam gehört nicht zu Deutschland" für weitgehend irreführend. Er ist irreführend, weil sich der Autor in seiner Analyse auf Gottlob Frege beruft.

    Schon seine Behauptung "Gottlob Frege (1848–1925) ist vermutlich der wichtigste, nicht weit bekannte Philosoph überhaupt – es gibt kaum jemanden, der größeren Einfluss auf die Entwicklung des Fachs ab etwa 1900 hatte" lässt nichts gutes ahnen.

    Frege hatte zweifellos einen großen Einfluss auf die anglo-amerikanische analytische Philosophie. Aber das ist ja nur EINE Richtung in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Und wenn es um die Bedeutung und den Wahrheitsgehalt des umstrittenen Satzes zum Islam geht, wäre es angebracht, sich auf die moderne Linguistik als empirischer Wissenschaft zu berufen, statt auf Freges Philosophie. Dann würde nämlich sehr schnell klar, dass die Bedeutung von realen Sprechakten wie der in der Islamdebatte gemachten Äußerungen sehr viel komplizierter ist, als das, was man auf der Basis von Freges Sprachphilosophie dazu zu sagen vermag.

    Zu zeigen, dass die Analyse der Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland" anhand von Freges Kompositionalitätsprinzips zu der Feststellung führt, dass diese Aussage gar keinen Wahrheitsgehalt hat und die Diskussion darum sinnlos ist, ist völlig irreführend.

    Schon die Tatsache, dass die Aussage "Der Islam gehört zu Deutschland" und ihr Gegenteil nicht nur eine empirisch-faktische, sondern auch eine normative Komponente aufweist, zeigt, dass es politisch gesehen um mehr als faktische Wahrheit oder Falschheit geht - im Sinn von: "sollten wir Deutsche den Islam als zu Deutschland gehörig betrachten oder nicht".

    Das Hauptproblem ist die Bedeutung von 'gehört zu' bzw 'gehört nicht zu'. Die Analyse dieser beiden Ausdrücke, wie sie der Autor vorführt, hat mit der vermutlich von Wulff, Seehofer, Merkel und anderen jeweils gemeinten Bedeutung meiner Meinung nach so gut wie nichts zu tun.
  • Ich hab's geahnt.

    29.03.2018, Konrad Lehmann
    Ich bin ja kein Philosoph, aber dass die Aussage "Der Islam gehört (nicht) zu Deutschland." keiner sprachphilosophischen Analyse standhalten würde, sagte mir die Intuition.
    Sie sagte mir außerdem, dass es mindestens zwei Formen des Sprachgebrauchs gibt, die hier kollidieren bzw. verwechselt werden: Auf der einen Seite das wissenschaftliche Sprechen, das Sachverhalte klären will. Auf der anderen Seite das politische Sprechen, das Wirkung erzielen will. Dass "Der Islam gehört (nicht) zu Deutschland." im ersteren Sinne ein Nullsatz ist, hindert ihn nicht daran, im zweiten Sinne mächtig zu sein.
    Etwas ausführlicher habe ich das gerade vor einer Woche hier ausgeführt:
    https://derschwarzekater.wordpress.com/2018/03/22/esst-mehr-verben-oder-die-wirklichkeit-unwirklicher-woerter/
  • Pestizide

    29.03.2018, Dieter Euler
    Die Steigerung des Pestizidabsatzes von 1994 bis 2015 beruht im wesentlichen auf der Zunahme bei den inerten Gasen(CO2, N2) als Lagerschutzmittel, der Absatz stieg von 3.000 t auf 13.000t.
    Ansonsten jährliche Schwankungen.
  • zweite Bedeutung von "gehören Zusammen"

    29.03.2018, Jochen
    Herr Warkus trifft in diesem Artikel den Nagel auf den Kopf. Selbst wenn ein Satz nur einen einzigen vagen oder generischen Ausdruck enthält, lässt sich über die Existenz eines Wahrheitswertes streiten. Wenn es dann drei solche Begriffe sind, multipliziert sich das Ganze entsprechend.

    Was ich allerdings nicht nachvollziehen konnte, ist, dass Teile zusammengehören, wenn sie jeweils Teil eines größeren Objektes sind. Es erschließt sich nicht, dass die Teil-Ganzes-Relation eine Teil-Relation der Teile beinhaltet.

    Wenn man das annimmt, explodieren einem schließlich die Teil-Relationen. Teil-Ganzes-Relationen sind transitiv (Motor ist Teil des Autos, Ventil ist Teil des Motors -> Ventil ist Teil des Autos). Wenn nun zwischen allen Teilen eine Zusammengehörigkeitsrelation besteht, gehören alle Teile des Autos (ohne Unterscheidung) zueinander (z.B. der Reifen zum Motor, die Felge zum Motor, der Sicherheitsgurt zum Scheibenwischer etc.)

    Angewendet auf 'Deutschland' müsste das heißen, dass der Leberfleck auf meinem rechten Mittelfinger (Teil meines rechten Mittelfingers, Teil von mir, und ich bin als Deutscher Teil von Deutschland) zum Strafgesetzbuch (wohl auch Teil von Deutschland) "gehört". Das ist intuitiv eindeutig falsch.

    Die Zugehörigkeitsrelation trifft mMn nur auf die erste Beschreibung vor. Die zweite mag auch existieren, aber sicher nicht als "Zugehörigkeit".
  • Wahrheit in der politischen Auseinandersetzung

    29.03.2018, Arnold Friedrich Steimle
    Der Artikel ist reine intellektuelle Spielerei ohne jede Relevanz.
    Die Aussagen dass der Islam (nicht) zu Deutschland gehöre werden nicht getätigt, um Wahrheiten zu verbreiten, sondern um politische Entscheidungen und Positionen zu rechtfertigen.
    Der Versuch des Philosophen, die Anhänger der einen oder anderen Position zu Dummköpfen zu erklären, ist seinerseits dumm.
    Es geht nämlich um die Zukunft Deutschlands und darum, ob man den Einfluss einer als Religion getarnten totalitären Ideologie für wünschenswert hält oder nicht.
    Mit dem formallogischen Wahrheitswert von den in Rede stehenden Aussagen hat das nicht einmal am Rande zu tun.
  • Crowdfunding(?)

    29.03.2018, Damian Vollmert
    Ich verstehe nicht, wieso für derlei Projekte noch immer kein Crowdfunding angedacht wird - eine weltweite Online-Kampagne in der Richtung würde das Teleskop mit Sicherheit finanzieren (und ganz bestimmt die jetzigen Zusatzkosten und finanziellen Unwägbarkeiten, die sich zwangsläufig bei derart komplexen Projekten auftun, reinholen). Es gibt bestimmt genug Menschen auf der Welt, die interessiert sind und dafür einen kleine Obolus hergeben würden. Über die schiere Menge der Spender (und sei es nur ein Dollar) würden sicher manche Probleme gelöst werden können...

    Aber das ist ja nicht Sinn und Zweck von Politik, den "normalen" Leuten einen auch noch so geringen Einfluss zu geben.