Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Dezentrale Versorgung schneller zu realisieren

    27.08.2009, Kurt Kress, Frankfurt/Main
    Wenn jemand wie Prof. Müller-Steinhagen über Jahre hinweg intensiv und begeistert an einem Projekt wie Desertec arbeitet, kann man nicht erwarten, dass er gleichzeitig seine Arbeit ständig hinterfragt und Alternativen erwägt. Auch mich hat schon vor Jahren die durch Wissenschaftler des DLR entwickelte Idee des Wüstenstroms fasziniert - bis ich erfuhr, dass auch Herr Claassen, damals noch Chef von EnBW, sich für diese Pläne begeistert, während er die dezentrale Nutzung regenerativer Energien in Deutschland, also eine breitere Streuung von Eigentum, entschieden ablehnt.

    Nicht nur Herr Claassen, sondern ebenso das RWI (Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung, Anm. d. Red.) und vor allem die jetzt an Desertec interessierten Konzerne bemühen sich seit Jahren, das EEG, allgemein die dezentrale Energieversorgung zu hintertreiben. Sie streuten Horrorzahlen wegen der angeblichen finanziellen Belastung der Stromkunden, verweisen auf angeblich völlig unzureichende Potenziale erneuerbarer Energien in dem "sonnenarmen" Deutschland und erschwerten, wo möglich, die Einspeisung von Sonnen- und Windstrom; alles verständlich, denn jede energieautarke Kommune, jeder Selbstversorger ist ein verlorener Kunde.

    Aus dem Interview (Spektrum 9/09, S. 82f) geht hervor, dass Müller-Steinhagen das Desertec-Projekt nicht als einen Gegenentwurf zur dezentralen Energieversorgung, sondern als eine Zusatzversorgung sieht, da es "in Deutschland einfach nicht zu jeder Zeit genügend regenerative Energiequellen" gibt, die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht. Die Daten des Statistischen Bundesamtes führen jedoch zu einer anderen Einschätzung des Beitrags erneuerbarer Energien zu unserer Stromversorgung (siehe dieser Leserbrief, ebenfalls von Kurt Kress, Anm. d. Red.).

    Wegen der breiten Streuung von Eigentum benötigt man für eine dezentrale Versorgung keine finanzstarken Konzerne, im Gegensatz zu dem zentralistischen System, in dem die Unternehmen durch Bereitstellung von 400 Mrd. Euro für gigantische solarthermische Anlagen und ebenso gigantische Leitungssysteme dann beides nach ihren betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben werden.

    Mir ist auch nicht klar, wie und wann sich die für Desertec veranschlagten 400 Mrd. Euro amortisieren sollen, wenn, wie Müller-Steinhagen betont, der Strombedarf in Nordafrika sich bis 2050 verfünffacht und die neuen Kraftwerke ihren Strom zuerst in die lokalen Netze einspeisen sollen. Sollten die Konzerne wirklich ihre Finanzen einsetzen, um zuerst die arme, nicht zahlungskräftige Bevölkerung Afrikas mit Strom zu versorgen?
  • Mehrheit und Minderheit

    27.08.2009, Dr. Hans-Joachim Stortnik, 84375 Kirchdorf
    Ich glaube, der Artikel, wenn nicht die ganze Forschungsrichtung, geht am wesentlichen Problem vorbei. In den seltensten Fällen kommt es darauf an, ob eine Partei nun 16 oder 17 Vertreter in einem Parlament hat, die müssen sich dann halt entsprechend die Arbeit aufteilen. Viel wichtiger ist es, dass bei Abstimmungen, die sich ja - nach einer Listenwahl - an den Stimmenzahlen für die Parteien orientieren sollen, der Wählerwille nicht verfälscht wird. Werden beispielsweise 50000 Stimmen für Partei A abgegeben und 49999 für andere Parteien, so sollte bei einer ungeraden Anzahl von Sitzen Partei A immer die Mehrheit in dem Parlament haben und bei umgekehrtem Stimmenverhältnis immer in der Minderheit sein, egal, wie sich die Stimmen auf die kleineren Parteien verteilen. Bei gerader Anzahl von Sitzen muss von vorn herein feststehen, wie viele Stimmen Überhang erforderlich sind, damit es kein Patt gibt.

    Und genau das wünsche ich mir auch für die Bundestagswahl: Wenn CDU und FDP zusammen auch nur einen Wähler mehr haben als SPD, Grüne und Linke zusammen, dann sollte es für eine solche Koalition auch im Bundestag ein Mehrheit geben - und umgekehrt. Aber natürlich nicht nur in dieser Konstellation, sondern auch für "Jamaika" und für jede andere. Wie dafür gerundet wird, und wer dadurch vielleicht einen Sitz verliert oder gewinnt, ist mir hingegen ziemlich egal. Politisch wirksam ist, wie sich Mehrheiten abbilden, und das muss in erster Linie stimmen.

    Schon Willi Brand sagte (im Zusammenhang mit der Besetzung von Bundestagsausschüssen): "Eine Mehrheit muss eine Mehrheit bleiben." Das scheint mir bei Rundungsverfahren, die (nur) ein "Gerechtigkeitsideal" anstreben, nicht garantiert.
  • Ich habe auch das 57-Zell visualisiert

    27.08.2009, Carlo Séquin, University of California, Berkeley
    Der Schlusssatz des Artikels ist zu korrigieren. Ich habe auch das 57-Zell bearbeitet – und es war viel schwerer!
    Siehe
    http://www.cs.berkeley.edu/~sequin/PAPERS/2007_SIGGRAPH_57Cell.pdf
    und
    http://www.cs.berkeley.edu/~sequin/TALKS/2007_SIGGRAPH_57Cell.ppt

  • Nichtlokalität

    27.08.2009, Mr. Fry
    Ein Ansatz, den ich bisher noch nirgends gesehen habe, wäre jedem Teilchen mehr als einen Zeitpfeil zuzuordnen. Der gegenwärtige Status eines Teilchen würde dann durch die Überlagung seiner möglichen 'Gegenwarten' definiert. Bzw. mit der Überlagerung der Zeitpfeile der Messgegenwart. Oder anders ausgedrückt, der Status eines Teilchens kann damit nur durch die Summe aller möglichen Vergangenheiten beschrieben werden. Und
    die Zukunft eines Teilchens kann nur dann korrekt extrapoliert werden, wenn man nicht nur seine Gegenwart sondern auch die der möglichen Vergangenheiten miteinbezieht.

    In diesem Szenario zeichnen sich dann verschränkte Teilchen dadurch aus,
    daß sie nicht nur komplementäre Eigenschaften besitzen, sondern auch mehr
    als einen Zeitpfeil gemeinsam nutzen. Misst man nun eines der Teilchen so, daß die Messung den Zustand der Gegenwart soweit einschränkt, daß nur noch ein Zeitpfeil möglich ist, dann wird damit auch der Zustand des anderen Teilchens festgelegt, da es ja in dieser Zeitlinie mit einer komplementären Eigenschaft zum gemessenen Teilchen erzeugt wurde. Die 'spukhafte Fernwirkung' ist dann gar keine Wirkung, sondern man entscheidet sich einfach für diejenige Gegenwart, in der beide Teilchen nur noch genau einen möglichen Zeitpfeil und damit genau definierte Eigenschaften haben. Nichtlokalität würde so nicht auftreten.

  • Das ist logisch zulässig! Antwort auf Peter Kühn

    27.08.2009, Christoph Pöppe, Heidelberg
    Vorsicht mit den lateinischen Begriffen, deren Bedeutung selbst ihrem Anwender nicht immer hinreichend klar ist!
    "Antecedens" heißt "das Vorausgehende", und deswegen erscheint es auf den ersten Blick plausibel, die Aussage "das Universum ist geeignet, Beobachter wie uns hervorzubringen" als Antecedens zu bezeichnen. Schließlich war erst das Universum da und dann wir.

    Ist aber falsch! Denn in Kühns Kontext meint Antecedens das logisch Vorausgehende, genauer: das, wovon wir ausgehen und woraus wir dann unsere Schlüsse ziehen. In unserem Kontext ist das logische Antecedens die Aussage "wir beobachten das Universum". Das ist nämlich das, dessen wir uns sicher sein können. (Wenn wir das bezweifeln, können wir die ganze Philosophie einpacken.)

    Das Consequens ist "dann muss das Universum geeignet gewesen sein, bewusste Beobachter hervorzubringen". Logische Schlüsse können manchmal in die Vergangenheit reichen. Das ist nicht verboten.

    Um die Sache am Beispiel mit dem Regen und der Straße durchzudeklinieren: Wir erkennen den Schluss "Wenn es regnet, ist die Straße nass" ("aus A folgt B") als korrekt an. Es ist falsch, diesen Schluss umzukehren: Die Aussage "Wenn die Straße nass ist, muss es geregnet haben" ("aus B folgt A") ist falsch; es kann ja auch ein Wasserrohrbruch gewesen sein. Sie ist nicht schon deswegen falsch, weil sie aus Gegenwärtigem auf Vergangenes schließt. Im Gegenteil: Es gibt den korrekten Schluss "Aus nicht-B folgt nicht-A". Wenn die Straße trocken ist, kann es nicht geregnet haben.

    Von derselben, nicht besonders erregenden, Art ist das schwache anthropische Prinzip. Aus A (Antecedens) "wir beobachten das Universum" folgt B (Consequens) "das Universum muss für unsere Existenz geeignet sein". Die korrekte Umkehrung lautet ("aus nicht-B folgt nicht-A"): "Wenn das Universum nicht für die Existenz bewusster Beobachter geeignet ist, dann gibt es uns nicht."

    Diese Aussage hat die gewohnte Zeitrichtung, das heißt, sie schließt von Vergangenem auf Gegenwärtiges, erscheint uns schon deshalb als unmittelbar plausibel – und sagt genau dasselbe wie "Wenn wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet sein". Mehr ist das nicht!

    Die Aussage "Wenn wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet *gewesen* sein" ist fast dasselbe; sie impliziert nur zusätzlich, dass es überhaupt eine Vergangenheit gibt. Wer das bezweifelt, ist zwar nicht zu widerlegen, wie Kühn unter Bezugnahme auf Russell korrekt darlegt. Aber an dieser Stelle ziehe ich Occam's razor aus der Tasche und argumentiere: Die Vorstellung, dass wir alle uns die Vergangenheit nur einbilden, obwohl wir uns über sie miteinander und mit den verfügbaren Dokumenten in so hohem Maße einig sind, ist dermaßen abstrus und erfordert einen so ungeheuren begrifflichen Aufwand, dass die einfachere und die Beobachtungen perfekt erklärende Annahme, es gebe tatsächlich eine Vergangenheit, ihr eindeutig vorzuziehen ist.

    Kleiner Scherz am Rande: Wer die Existenz der Vergangenheit bestreitet, braucht über das anthropische Prinzip sowieso nicht nachzudenken.
  • Herabstufung der übrigen Himmelskörper

    27.08.2009, Jörg Michael, Hannover
    Die Ausführungen darüber, dass Kopernikus und seine Anhänger die "Verdrängung" der Erde aus dem Mittelpunkt des Universums keineswegs als Herabstufung empfanden, sind nachvollziehbar dargelegt. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass (ebenfalls aus Sicht der Zeitgenossen) für die "übrigen" Himmelskörper immer wieder das genaue Gegenteil galt. Dies ist mir durch einen Artikel über Galileo klar geworden ("The Moon, the Telescope, and the Birth of the Modern World", Sky & Telescope, Februar 2009, S. 28).

    Die Autoren machen folgendes deutlich:
    Seit Aristoteles war das westliche Weltbild davon ausgegangen, dass Körper der Himmelssphäre nichts mit der irdischen Sphäre zu tun haben. Irdische Dinge waren veränderlich, weil sie aus den vier Grundelementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zusammengesetzt waren. Körper der Himmelssphäre waren im Gegensatz dazu vollkommene und unveränderliche Objekte aus "himmlischer" Substanz (besser bekannt als "Äther"). Der Mond als Bestandteil der Himmelssphäre wurde natürlich ebenfalls als vollkommenen angesehen und dies beinhaltete insbesondere eine perfekte Kugelform.

    Als Galileo nun entdeckte, dass der Mond Gebirge, Täler und Ebenen hat, also quasi irdische Landschaften besitzt, war sein Weltbild ziemlich erschüttert. Durch Messungen der täglich wechselnden Schattenlängen konnte er sogar nachweisen, dass einige Mondberge mehrere Kilometer hoch sind.

    Einige Zeitgenossen konnten sich mit diesen Tatsachen überhaupt nicht anfreunden und versuchten, die Mondgebirge als optische Täuschung wegzudiskutieren. Um die perfekte Kugelgestalt des Mondes zu "retten", nahmen sie an, das der Mond in eine unsichtbare Hülle aus Glas eingebettet sei, die alle Mondgebirge umhüllt.

    Die Entdeckung der Sonnenflecken und der vier größten Jupitermonde hat ähnlich ungläubige Reaktionen hervorgerufen. Es war undenkbar, dass die Sonne als Urbild der Reinheit Flecken haben könnte. Und neben dem Erdmond waren weitere Monde ebenfalls nicht vorgesehen.

    Kurz gesagt, aus Sicht der Zeitgenossen war es auch so, dass der Himmel mit jeder Entdeckung immer mehr in den Dreck gezogen wurde.
  • Das Anna-Karenina-Prinzip

    26.08.2009, Wolfgang Illig, Ruppertsgrün
    Ein längst überfälliger Artikel, der aktuelle Beobachtungsdaten berücksichtigt. Was fehlt ist ein allgemeines Prinzip, welches das kopernikanische Prinzip (KP) in seiner räumlichen Bedeutung enthält, aber auch die Besonderheiten oder Einzigartigkeiten auszeichnet, die die Beobachtungsdaten nahe legen.

    Dazu eignet sich nach meiner Auffassung das von Jared Diamond in seinem Buch "Kollaps" auf Gesellschaften angewandte Anna-Karenina-Prinzip "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich." Dieses allgemeine Prinzip beschreibt dort im konkreten Fall, daß mehrere Faktoren oder Bedingungen zum Gelingen einer Sache (es gibt viele Familien, aber nur sehr wenige werden glücklich) erfüllt sein müssen und das Fehlen eines einzelnen Faktors zum Scheitern führt.

    Analog gibt es überall im Universum Galaxien (Spiralen und Balkenspiralen, Elliptische sind weniger geeignet), die nach einer gewissen Existenzdauer primitives Leben "leicht" ermöglichen (KP räumlich Ja – zeitlich Nein). Aber ob dort zur entsprechenden Zeit höheres, sogar vernunftbegabtes Leben entsteht, hängt von vielen Faktoren ab; beispielsweise von einer lebensfreundlichen Zone in der Galaxie möglichst nahe am Korotationskreis, von einem dynamisch stabilen Planetensystem, einem Asteroidenfänger (Jupiter), einem Klimastabilisator (Mond), der Existenz einer lebensfreundlichen Zone im Planetensystem (Wasser, geeignete Temperaturen), einem Recycler (Plattentektonik) usw.

    Damit sind wir nicht der Mittelpunkt der Welt, aber doch etwas Besonderes. Denn diese vielen Bedingungen für die Entwicklung höheren Lebens (wie auch glücklicher Familien) scheinen mir (wie auch Ward, Brownlee in ihrem Buch "Unsere einsame Erde") äußerst selten zu sein. Aber diese Seltenheit oder Einmaligkeit höheren Lebens und unserer menschlichen Existenz scheint nur wenigen von uns bewußt zu sein, sonst würden wir nicht so "fröhlich" an der Zerstörung von Umwelt und Artenvielfalt und damit an unserem eigenen Niedergang arbeiten. Das Prinzip der Mittelmäßigkeit gibt uns noch etwa 3900 Jahre mit 95%iger Sicherheitswahrscheinlichkeit.
  • Zentrale oder dezentrale Nutzung von Sonne und Wind?

    26.08.2009, Kurt Kress, Frankfurt/Main
    Die Idee der Stromimporte aus Nordafrika, also Windstrom und Strom aus solarthermischen Anlagen, ist zweifellos faszinierend, vor allem für große Energieversorgungsunternehmen (EVU), da sie diese Anlagen sowie die dazu nötigen, teils Kontinente überspannenden Stromtrassen in eigener Trägerschaft zu ihren betriebswirtschaftlichen Vorstellungen übernehmen könnten. Das wäre ein nahtloser Übergang von der Monopolisierung fossiler Energieträger und des Uran zur Monopolisierung von Sonne und Wind.

    Die an Sonne und Wind in Afrika interessierten Konzerne versuchen natürlich mit allen Mitteln die dezentrale Nutzung von Sonne und Wind bei uns zu behindern, da jede energieautarke Kommune, jeder Selbstversorger zeigt, dass man auch ohne große Konzerne leben kann. Daher ist eine parallele Entwicklung zentraler und dezentraler Energieversorgung schwer vorstellbar.

    Die Meteorologen sind sich weltweit einig, dass wir schnell handeln müssen, um irreversible Klimaveränderungen zu verhindern - und da erweist sich eine dezentrale Energieversorgung, die Strom und Wärme dort erzeugt, wo diese Energien gebraucht werden, also mit kurzen verlustarmen Erdkabeln auskommt, als der schneller zu realisierende und wegen der breiten Streuung von Eigentum auch leichter zu finanzierende und demokratischere Weg.

    Das zeigen eindeutig die Zahlen des Statistischen Bundesamtes oder des BMU (Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik oder AGEE-Stat). So wuchs z.B. die Summe der Leistung dezentraler Anlagen, die nur mit erneuerbaren Energien betrieben werden, in Deutschland in der Zeit von 2001 bis 2006 um 16 571 MW. Diese 16 571 MW entsprechen etwa einer Leistung von 16 großen Kohle- oder Atomkraftwerken. In diesen 6 Jahren hätte man aber kein einziges Großkraftwerk fertig stellen können, da deren Planungs- und Bauzeiten den Zeitrahmen von 6 Jahren in der Regel überschreiten.

    Nicht nur die installierte Leistung dieser dezentralen Anlagen, sondern auch die Summe ihrer jährlichen Stromproduktion steigt kontinuierlich. Nach der genannten Statistik betrug die Summe der Stromerzeugung dezentraler Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland 24 505 GWh in 1997 und 87 450 GWh in 2007, Tendenz steigend. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich etwa 6 300 GWh.

    Im Jahr 2007 betrug dieser Zuwachs aus neu errichteten Anlagen sogar 15 400 GWh. Das entspricht etwa der Stromproduktion von zwei Grundlastkraftwerken mit je einer Leistung von 1000 MW und jährlich 8000 Volllaststunden, also einer Stromproduktion von jährlich ca. 16 000 GWh. In einem Jahr hätte man aber nicht zwei Großkraftwerke fertig stellen können.

    Hermann Scheer hat also Recht, wenn er sagt, dass keine Energietechnik schneller zu realisieren ist als der Bau von Anlagen zur dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien. Von diesen Energien gibt es in Europa mehr, als wir benötigen.

    Natürlich wäre die dezentrale Nutzung der Wüstensonne und der starken Winde der Küsten Afrikas durch unsere Technik eine sehr sinnvolle Entwicklungshilfe für die dort lebende meist arme Bevölkerung; eine Stromproduktion, die vielleicht in einigen Jahrzehnten auch zum Verkauf von Wüstenstrom nach Europa führen könnte. Zur Vermeidung einer Klimakatastrophe kämen Planung und Realisierung dieses Mammutprojektes zweifellos zu spät.
  • Intersexualität

    26.08.2009, D. Boursillon, Scheer
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit all der Information war der Artikel über die Intersexualität sicher wertvoll! Vielleicht sollte aber nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich hierbei um einen massiven Angriff auf die Persönlichkeitsrechte eines Athleten handelt. Es gibt keinerlei Verdachtsmomente, die eine solche Anschuldigung rechtfertigen. Damit, dass Sie diese Nachrichten als "Information" weiterleiten, gehen Sie und Ihre Kollegen zu weit! Alleine schon mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, weil sie Herausragendes leistet, ist ungebührlich. Ihr dann auch noch die Beweislast des Gegenteils zu suggerieren ist grotesk.
    Aber: Das mit der Menschlichkeit und mit der Menschenwürde sieht natürlich jeder anders...
    Viele Grüße
  • Von nicht vorurteilsfreiem Halbwissen geprägt

    26.08.2009, Winfried Krech, per E-Mail
    Als langjähriger Leser habe ich schon oft festgestellt, dass Spektrum-Beiträge zu religiösen Fragen weitergehende Kenntnisse christlicher Quellen sowie eindeutige Definitionen religiöser Begriffe (insbesondere der christlichen Traditionen) vermissen lassen. So wird z. B. gern über „Gott“ schwadroniert, ohne dass mir deutlich würde, was damit gemeint sei. Schließlich ist der Gott, der Feindesliebe fordert und sich in Jesus am Kreuz hingibt, sicher ein anderer als jener, der verlangt, die Ungläubigen zu töten.

    Von Martin Luther wird überliefert: „Woran Du Dein Herz hängst, das wird Dein Gott sein“. Insofern sind auch Atheisten nicht das, was sie zu sein vorgeben.
    Ebenso vermisse ich bei der Kritik an kirchlichem Umgang mit Naturwissenschaftlern Klarheit - denken wir mal an Galilei: Wer oder was ist die Kirche? Für mich als evangelischer Christ ist der Papst ziemlich gleichgültig und ich lasse mich ungern mit der römischen Kirche in einen Topf werfen, auch wenn sie behauptet, die „katholische“ zu sein. Trotzdem bedaure ich, dass unsere Gesellschaft sich der künstlerischen Freiheit rühmt, sich über ihn in menschenunwürdiger Art lustig zu machen, wahrscheinlich, weil die Feigheit verbietet, Witze über dem Islam Heiliges zu verbreiten.

    Auch bei Herrn Springer hatte ich stets den Eindruck, dass seine Beiträge zu Fragen von (christlichem) Glauben und Religion eher von nicht vorurteilsfreiem Halbwissen denn von tiefer gehenden Sachkenntnis geprägt wären. In dem Einwurf „Lernen Computer einst voneinander?“ kann ich jedenfalls mit dem Hinweis auf „Moses im Weidenkörbchen“ keinen Zusammenhang mit Wolfskinder, Tarzan und Kaspar Hauser herstellen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Springer eine sehr wichtige Frage anspricht.

    In der Tat sind letztere Drei (Wolfskinder, Tarzan, Hauser) gern genutzte Beispiele von „Sozialisation“ abseits menschlicher Einflüsse. Moses aber ist nach Exodus 2 (2. Buch Mose, 2. Kapitel) von seiner Mutter im Weidenkörbchen auf den Nil ausgesetzt worden oberhalb der badenden Tochter des Pharaos. „Und als sie (die Tochter des Pharaos) das Kästlein im Schilf sah, sandte sie eine Magd hin und ließ es holen. Und als sie es auftat, sah sie das Kind und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie ...“ (Exodus 2, 5 f).

    Wenn Herr Springer sich die Mühe macht, weiterzulesen, wird er feststellen, dass Mose - doch wohl kaum vergleichbar mit Wolfskinder, Tarzan oder Kaspar Hauser, gleich ob dieser adliger Geburt war - am Hofe des Pharaos eine wohl für seine Zeit ausgezeichnete Ausbildung erhalten haben dürfte. Wahrscheinlich wäre er sonst kaum in der Lage gewesen, die Hebräer in Freiheit zu führen (säkular wissenschaftlich gedacht).

    Gestatten Sie mir die Bemerkung: Es wäre gut, wenn auch naturwissenschaftlich Gebildete, insbesondere wenn sie meinungsbildend als Journalisten tätig sind, abseits von Vorurteilen wüssten, wovon sie reden, wenn sie sich schon auf nicht so gut bekanntem Terrain tummeln. Mose in eine Reihe mit Tarzan, Wolfskinder und Kaspar Hauser in diesem Beitrag zu stellen, offenbart schon einen gewissen Mangel an Kompetenz auf dem religiösen Problemfeld, in dem Herr Springer sich - mitunter fast arrogant erscheinend - zu tummeln beliebt.
  • Krabbelkinder brauchen eine feste Bezugsperson

    25.08.2009, Prof. Dr. Gerhard Krebs, Quickborn
    Herr Springer findet sein Voruteil, wie er selbst eingesteht, durch eine Anthropologin (für Affen) bezüglich der Betreuung von Menschenkindern durch eine Mutter bestätigt. Doch selbst ein Physiker sollte wissen, dass man das Thema, was einem Menschenkind gut tut, nur in Abhängigkeit vom Alter des Kindes diskutieren kann. Was soll ein Menschenbaby im ersten Lebensjahr, in einer Hirnentwicklungsphase, die ein Schimpansenbaby noch im Mutterleib mitmacht, in einer „Krabbelgruppe“?

    Selbst dann, wenn das eigentliche „Krabbelalter“ beginnt, braucht das krabbelnde Kind, wie ausgiebig und unwiderleglich nachgewiesen, einen festen körperlich-emotionalen Bezugspunkt, um seine Umwelt mutig krabbelnd zu erkunden, und keinesfalls eine Bezugsgruppe. Zu diesem Hort kehr es wie an einem Gummi immer wieder zurück zum „emotionalen Auftanken“, wie M. Mahler et al. es nennen. Andernfalls verlässt das Kind im wahren Sinne des Wortes die Antriebsenergie. Das gilt nach den umfangreichen, einschlägigen Experimenten von Harlow sogar noch weitgehend für Rhesusaffen, obwohl diese eher als Menschenkinder Ersatz bei Gleichaltrigen finden können (sie klammern sich dann zu Klumpen aneinander).

    Alsdann benötigt das Kleinkind ein Muster und einen großen „Gegenwillen“ (Trotz!), um den herum es sein „Selbst“-Bild aufbauen kann. Eine solche psychische Einrichtung haben Affen allenfalls andeutungsweise. Erst ab etwa 3 Jahren ist das Kind so weit, von Beziehungen in einer Gruppe zu profitieren.

    Das sind Fakten, die sich nur ideologisch wegdiskutieren lassen. Das Kleinkind benötigt eine feste, liebevoll-fürsorgliche Bezugsperson. Ob das unbedingt die leibliche Mutter sein sollte, ist eine andere Frage. Auch Schimpansenmütter lassen ihr Baby von anderen betreuen, allerdings nur von Hordenmitgliedern, die ihnen als sehr vertrauenswürdig gelten – und dafür gibt und gab es auch bei Menschen guten Grund.
  • Grammatikfehler

    25.08.2009, Dirk-Alexander Becker, Braunschweig
    Liebe Spektrum-Redaktion,

    diese Anmerkung bezieht sich ausnahmsweise nicht auf den Inhalt, sondern auf die äußere Form des Textes.

    Auf Seite 84 der neuen Ausgabe findet sich folgender Satz: "... fällt dank steigender Produktionszahlen und effizienterer Herstellungsverfahren der Preis für kristallines Silizium, dem Standardhalbleiter für die Stromgewinnung aus Licht; ..."

    Statt "dem" muss es hier "den" heißen, denn "für" verlangt den Akkusativ. Bei dem hohen sprachlichen Niveu, das ich von Ihrer Zeitschrift gewohnt bin, überrascht ein derart schwerer - wenn auch verbreiteter - Grammatikfehler doch sehr.
  • Wird uns ein wenig sinnvolles Mammutprojekt untergejubelt?

    24.08.2009, (Name der Redaktion bekannt)
    Ich denke, es ist unstrittig, dass eine Wende hin zu erneuerbaren Energien in Zukunft ein großes, wenn nicht das beherrschende Thema der technischen Weiterentwicklung darstellt und darstellen muss.

    Trotzdem bin ich einem solchen Mammutprojekt gegenüber sehr skeptisch. Für mich als Endverbraucher in Sachen Energie scheint es doch sinnvoller, zunehmend Energiegewinnung im kleinen Rahmen wie Erdwärme, Photovoltaik etc. zu forcieren als ein solches Projekt zu finanzieren, von dem wirtschaftlich auf lange Sicht nur die großen Energiekonzerne profitieren.

    Die Energielobby versucht uns hier ein Projekt unterzujubeln, welches bei genauer Betrachtung nur das Energiemonopol sicherstellen soll, für den Bürger und Steuerzahler aber weit weniger sinnvoll ist als staatliche Subventionen, die den Gemeinden erlauben sich autark mit Energie zu versorgen und somit ein solches Mammutprojekt von vornherein überflüssig erscheinen lassen. Und dann muss man sich auch über die politischen Auswirkungen und die Abhängigkeit von politisch zumindest nicht hundertprozentig stabilen Ländern keine Gedanken machen.
  • Fernwirkung erscheint mir nicht spukhaft

    24.08.2009, Klaus Hagemeyer, Leverkusen
    Für verschränkte Photonen erscheint mir deren "Fernwirkung" überhaupt nicht spukhaft, zumindest nicht für solche, die zusammen am selben Ort zur selben Zeit entstanden sind (ist bei denen aber glaube ich immer so). Denn sie bewegen sich ja mit Lichtgeschwindigkeit voneinander fort, und aufgrund der Zeitdilatation bleibt die Zeit in ihrem lokalen System einfach stehen, und die Länge ihrer Bahn kontrahiert für sie auf Null. Und wenn sie dann nach einiger Zeit von uns oder sonst wem irgendwo nachgewiesen werden (aus unserer Sicht an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten), ist das für sie in jedem Fall der selbe Ort und die selbe Zeit, nämlich genau der/die, an dem sie entstanden sind (eigene Lebensdauer und Abstand Startpunkt-Ziel im mitbewegten System gleich Null). Und dass sie voneinander wissen, wenn sie sich zu genau der selben Zeit an genau dem selben Ort befinden, erscheint mir nicht verwunderlich, sie sind sozusagen nur ein einziges Teilchen.

    Für mit Unterlichtgeschwindigkeit fliegende Teilchen ist dieser Erklärungsversuch natürlich nicht anwendbar. Mich wundert nur, dass die meisten Experimente zu dieser Thematik mit Photonen gemacht worden sind. Weiß jemand, (ob) was an meinem Erklärungsversuch falsch ist?
  • Unbegrenzte Brennstoffversorgung?

    24.08.2009, Arno Bazzanella, Krefeld
    Zum Leserbrief von Rudolf Eberhart: Leider gibt es keine unbegrenzten Lagermöglichkeiten für Atommüll auf der Erde. Nicht einmal für die bisher eingerichteten Lagerstätten kann die Sicherheit der nächsten 500 (!) Jahre zuverlässig garantiert werden. Ich befürchte, dass die Kernspaltung eine Sackgasse ist, da man diese Kraftwerke nicht nachhaltig betreiben kann. Zukunft liegt für mich persönlich nur in erneuerbaren Energiequellen. Diese KÖNNEN nachhaltig betrieben werden. Wer über seine eigene Lebensspanne hinaussieht und die Zukunft der Menschheit im Blick hat, muss sich über die Nachhaltigkeit in sämtlichen Belangen (nicht nur der Energieversorgung) klar sein.