Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Räumlicher Abstand - nochmalige Antwort auf Klaus Hagemeyer

    02.09.2009, Thomas Stör, Nürnberg
    Ihre Argumentation verletzt die Lorentz-Invarianz der Theorie. Sie argumentieren mit einem räumlichen Abstand (gleich Null) in Bezugssystem eines Photons (die entsprechende Transformation ist singulär, d.h. nicht definiert!), man könnte aber auch mit dem räumlichen Abstand (ungleich Null) im Laborsystem argumentieren.

    Welcher Abstand gilt denn nun?!

    Die Antwort ist eben der vierdimensionale Abstand und die auf dem Lichtkegel beruhende Kategorisierung bzgl. "kausal beeinflussbar" und "kausal nicht beeinflussbar". Letztere hat eben den Vorteil dass sie Lorentz-invariant ist - wie es in der Relativitätstheorie eben sein muss.

    Wenn das eine Photon das andere (bzw. den entsprechenden Detektor) beeinflussen soll, dann muss es dazu sowohl den räumlichen als auch den zeitlichen Abstand überbrücken. Je mehr Sie den einen schrumpfen lassen, desto größer wird der andere, so dass in Summe der vierdimensionale Abstand zwischen den beiden Photonen (bzw. den beiden Detektoren) unabhängig vom Bezugssystem ist (das ist mathematisch nicht exakt, aber ich verzichte hier auf die Formeln)

    Für einen räumlichen Abstand L der Detektoren gemessen im Laborsystem beträgt das Quadrat des vierdimensionalen Abstandes -L². Das Minuszeichen bedeutet dabei eben "kausal nicht beeinflussbar", und das gilt unabhängig vom Bezugssystem.
  • Entrüstung

    02.09.2009, Georg Wawczyniak, Hamburg
    Selten habe ich einen solch arroganten und verantwortungslosen Artikel in meiner gern gelesenen Zeitschrift SdW gelesen wie dieses Interview mit Professor C. F. Gethmann.

    Mit 3 Ausführungen möchte ich das konkret und knapp darstellen:

    1. „Vorsorge sei immer besser als Nachsorge.“
    Er führt als Beispiel den Deichbau in den Niederlanden an und dass die Niederländer ihre Deiche um einen Meter in 6 Monaten erhöhen könnten. Ich glaube, Herr Professor Gethmann hat die arbeitsintensiven Vorgänge eines Deichsbaus noch nie in der Praxis gesehen, von den riesigen Beträgen an finanziellen Mitteln mal abgesehen, die jeder Bürger dafür aufzubringen hätte.

    2. Der Einsatz von Kernenergie und das Problem der Endlagerung des abgebrannten Materials:

    „Infolge medizinisch-technischer Möglichkeiten, auf die kein Mensch verzichten möchte, müssen wir mittel bis stark radioaktiven Müll entsorgen, warum nicht noch ein paar Tonnen mehr durch Kernenergie.“
    Ich habe den Eindruck, dass Herr Professor Gethmann nicht oder nur oberflächlich die Mengen, die Dimensionen, die Halbwertszeit, die Giftigkeit und die Sicherheitsproblematik kennt, um die es sich handelt, etwa so wie die Helmholtz-Gemeinschaft mit ihren vielen unabhängigen Mitarbeitern sagt, durch einen Übertragungsfehler seien in Asse statt 9 kg Plutonium doch 28 Kg Plutonium eingelagert.

    3. Zynisch finde ich seine Aussage: „Da sollten wir unseren Nachgeborenen einiges zutrauen, zum Beispiel, dass sie das Nahrungsproblem durch Züchtung und Chemie im Prinzip lösen, wie das unseren Vorgängern ja auch gelungen ist“.
    Leider ist dies gerade unserer Generation trotz riesiger technologischer und naturwissenschaftlicher Erfolge eben nicht gelungen, obwohl wir in der Lage wären, das Hungerproblem etwas besser und humaner zu lösen;
    Herr Professor Gethmann betrachtet anscheinend nur unsere industrialisierten Gebiete, und nicht oder nur ungenügend die Millionen von hungernden und krepierenden Menschen in den kaum industrialisierten Gebieten, die für unseren Wohlstand diktiert bekommen, zu welchen Preisen sie uns Nahrungsmittel und Rohstoffe zu liefern haben.

    Damit erübrigt sich meiner Meinung auch eine Erwiderung auf seine Ausführung zum Verteilersystem von Weltbank und Weltfonds im Bezug auf die zukünftigen Gewinner und Verlierer. Was unsere Generation nicht leisten will und demzufolge auch kein Vorbild sein kann, soll die nächste Generation machen, die von uns einen ausgeplünderten Planten erhält.

    Im Bezug auf Kernenergie und Klimaveränderungen sollte Herr Professor Gethmann sich auch andernorts informieren, z. B. bei Ökoinstituten und anderen unabhängigen Institutionen.
    Antwort der Redaktion:

    1. Vorsorge – Nachsorge:

    Entscheidend sind nicht die absoluten Zeitdimensionen, sondern ihre Verhältnisse. Der Anstieg des Meerwasserspiegels geschieht jedenfalls so langsam, dass die Niederländer ausreichend Zeit haben, sich darauf einzustellen. Deichbauten (einschließlich der Sperrwerke) sind zweifellos technisch aufwendig, aber der technische Aufwand ist weitgehend invariant hinsichtlich der Nachsorge-Vorsorge-Frage. Das gleiche betrifft die finanziellen Belastungen. Die sind bei Nachsorge und Vorsorge etwa gleich groß; daraus ergibt sich daher kein Argument, für das Vorsorge-Prinzip einzutreten, eher ist es umgekehrt: die Nachsorge bewahrt leichter vor unnötigen Fehlinvestitionen.



    2. Hier geht der Briefautor gar nicht auf die aufgeworfene Frage ein: die Giftigkeit des atomaren Mülls, das Problem der Halbwertzeit usw. hängen nicht davon ab, ob dieser Müll aus der Energiegewinnung, dem medizinischen Einsatz, der Materialtechnik oder anderen Anwendungen stammt. Wenn also aus anderen Anwendungen als der Energiegewinnung sowieso atomarer Müll anfällt, dann ist durch eine Beendigung der Kernenergie-Option das Müllproblem nicht gelöst, abgesehen davon, dass der in der Vergangenheit angefallene Müll ja einfach da ist (wir stehen eben nicht am Nullpunkt). Nebenbei spricht der weitere Anfall von atomarem Müll (auch wenn die Mengen deutlich geringer würden) gegen eine nicht-rückholbare Endlagerung; man müsste je immer wieder neue Lagerstätten erschließen. Auf die Möglichkeit, das „End“lager als Energieressource zu betrachten, sei nur am Rande hingewiesen.



    3. Welthungerproblem:
    Hier geht der Briefautor von starken ökonomischen und politischen Randannahmen aus, deren Richtigkeit keineswegs auf der Hand liegen. Abgesehen von der schwierigen Ursachenfrage bezüglich des Welthungerproblems (der Autor nennt einige Ursachen, vernachlässigt aber völlig „endogene“ Faktoren wie Verteilungsprobleme in den Ländern der Dritten Welt, strukturelle Fehlallokation von Entwicklungshilfe, autokratische politische Strukturen, Stammesfehden, Hochrüstung, soziale und weltanschauliche Kontexte). Ein wesentlicher Beitrag zur Lösung des Welthungerproblems könnte z. B. von der Grünen Gentechnik ausgehen, die dennoch von vielen aus eher weltanschaulichen Motiven abgelehnt werden.



    In dieser wie in den anderen Fragen scheint mir übrigens die Unabhängigkeit und wissenschaftliche Kompetenz von Ökoinstituten durchaus zweifelhaft. Ich ziehe da doch Forschungseinrichtungen vor, die von politisch-weltanschaulichen Vormeinungen weniger abhängig sind und regelmäßig evaluiert werden, obwohl selbstverständlich auch diese Einrichtungen keine Wahrheitsgarantie haben. Deswegen muss der Wissenschaftler skeptisch sein – immer (auch in der Klimafrage).



    Professor Dr. Dr. h.c. C. F. Gethmann
  • Radon gefährlich für Gesunde - Antwort auf Prof. Feldtkeller

    02.09.2009, Prof. Dr. med. Manfred Neuberger, Wien
    Bei bestimmten Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises wie Morbus Bechterew überwiegt der Nutzen das Risiko der Radontherapie. Dagegen gibt es für Gesunde keine nützliche Radondosis und auch jüngeren Patienten kann man wegen des Lungenkrebsrisikos meist nicht zu einer Radonbehandlung raten.
    Das Krebsrisiko nimmt durch kleine Radondosen nicht ab. Eine Resistenzzunahme gegenüber ionisierenden Strahlen ist nur kurzzeitig nachweisbar und bei vielen Menschen gar nicht. Radon gelangt aus dem Boden in die Wohnhäuser und wird wegen der langen Halbwertszeiten seiner Töchter, die nach Einatmung die Lunge von innen bestrahlen, zum zweitwichtigsten Umweltkarzinogen nach dem Tabakrauch. Die Grenzwerte zum Schutz der Allgemeinbevölkerung sind aus umwelt- und arbeitsmedizinischen Studien zum Lungenkrebs abgeleitet und die Gefährlichkeit ist keine Ideologie, sondern Realität.
  • Wer putzt die Kollektoren?

    02.09.2009, Eilhard Haseloff, Landshut
    Haben die Erfinder des Desertec-Plans schon einmal ausgerechet, wieviel arbeitslose Beduinen sie brauchen werden, um nach einem Sandsturm die Kollektoren zu putzen? Wer einmal einen solchen Sturm erlebt hat, wird von einem solchen Projekt schnell Abstand nehmen.
    Antwort der Redaktion:
    Die Redaktion hat bei Dr. Franz Trieb nachgefragt, dem Verantwortlichen für die drei Studien des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, die als Basis für das Desertec-Konzept dienen.



    Er schreibt: "Die verschiedenen Betreiber haben unterschiedliche Reinigungskonzepte (www.estelasolar.eu). Das reicht vom Absprühen mit Hochdruckzerstäubern (wenn ausreichend Wasser verfügbar ist) bis zur Trockenreinigung durch Roboter. In manchen Ländern kann das sogar Personal per Hand übernehmen. Gereinigt wird regelmäßig und nicht nur nach Sandstürmen, um die Reflektivität der Spiegel zu optimieren.



    Erosionsschäden sind bei den bisherigen Anlagen nicht aufgetreten. Bei großer Windlast fahren die Spiegel in eine Schutzposition.



    Standorte werden so ausgesucht, dass Sturmgefahren minimiert werden. Es gibt überall - auch in der Sahara - genügend geeignete Standorte ohne extreme Gefahr von Sandstürmen."



    Auf den Seiten des DLR zu Desertec ist auch folgende Information (in der dort herunterladbaren pdf-Datei "Fragen zum Wüstenstrom") zu finden:


    "Können die Spiegel unter den harten Bedingungen in der Wüste auch Sandstürme
    überstehen?


    Solarthermische Kraftwerke arbeiten seit über 20 Jahren in der Mojave-Wüste in Kalifornien. Sie haben Hagel-, Sandstürme und Zyklone überstanden. Bei Gefahr gibt es eine Schutzposition der beweglichen Spiegel. Was trotzdem zu Bruch geht - etwa 0,4 Prozent pro Jahr
    - wird ersetzt und ist Teil der Betriebskosten.

    Abnutzungserscheinungen der Spiegel sind in
    Kramer Junction nach 20 Jahren noch nicht relevant. Die Kraftwerke arbeiten heute aufgrund verbesserter Betriebs- und Wartungsmethoden mit höherem Wirkungsgrad als bei ihrer Inbetriebnahme."
  • Radon-Therapie kein "gefährlicher Irrtum"

    02.09.2009, Prof. Dr. rer. nat. Ernst Feldtkeller, München
    Ich habe mich gefreut, dass Sie in Ihrem 100-Jahres-Rückblick auch den Beginn der Radon-Therapie vor 100 Jahren in St.-Joachimsthal gewürdigt haben, der alten Bergwerksstadt, in der aus Sachsen zugewanderte Bergleute in früheren Jahrhunderten zunächst Silber, dann Blei, Wismut und Kobalt und im 19. Jahrhundert auch Uran (zur Farbherstellung) abbauten. Die Silberproduktion im 16. Jahrhundert war so bedeutend, dass die Silbermünzen in ganz Deutschland „Thaler“ genannt wurden und der amerikanische „Dollar“ noch heute diesen Namen trägt.

    Damals sprach man vom Radiumkurort, nachdem Marie Curie das gemeinsam mit ihrem Mann Pierre Curie entdeckte Element Radium aus vielen Tonnen Material aus St. Joachimsthal in reiner Form isoliert hatte, dafür 1903 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, und das Edelgas Radon damals noch Radium-Emanation hieß. Der heute Jáchymov heißende Ort nennt sich stolz ältester Radon-Kurort der Welt. Allerdings wurde schon lange vorher z. B. im österreichischen Bad Gastein die Heilkraft des radonhaltigen Wassers genutzt, ohne zu wissen, dass die Wirkung auf dem im Wasser gelösten Radon beruht.

    Warum aber trägt die Notiz in Ihrer hochgeachteten Zeitschrift die Überschrift „Gefährlicher Irrtum“?
    In den Kurorten Jáchymov in Tschechien, Bad Gastein in Österreich, Bad Kreuznach in Deutschland und vielen anderen Radon-Kurorten werden auch heute entzündlich-rheumatische Krankheiten wie die rheumatoide Arthritis und die ankylosierende Spondylitis (Morbus Bechterew) mit bestem Erfolg behandelt. Die Zahl der behandelten Patienten ist z. T. größer als in jeder Rheumaklinik. Die nachhaltige Wirkung der Radon-Therapie wurde durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen (siehe z.B. Arthritis Care & Research 45 (2001) S. 430–438).

    Vor allem gelingt es vielen Patienten, auf Grund dieser Therapie die Dosis entzündungshemmender Medikamente zu reduzieren oder sie ganz abzusetzen. Dabei ist zu bedenken, dass die Radon-Therapie mit ihrer geringen Strahlendosis (von der Größenordnung der natürlichen Jahresdosis) selbst unter Zugrundelegung der (umstrittenen) linearen Extrapolation vom bekannten Risiko hoher Strahlendosen ein wesentlich geringeres Risiko darstellt als die regelmäßige Einnahme entzündungshemmender Medikamente. Für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Krankheiten stellt die Radon-Therapie also eine risikomindernde Therapie dar.

    Wieso also „Irrtum“? Wollte der Redakteur, der sich diese Überschrift ausdachte, damit in den Chor der Umweltideologen einstimmen, die jede noch so kleine Strahlendosis verteufeln, egal wozu sie in Kauf genommen wird?
  • Da wir im Universum existieren, ist es dafür geeignet.

    01.09.2009, Paul-Gerhard Schank, Berlin
    Und da Einhörner und Feuer speiende Drachen in der Fantasie existieren, ist diese dafür geeignet.
    Und da Auferstehungen in Religionen geschehen, sind diese dafür geeignet.
    Und da dies alles in Sprachspielen existiert, ist dieses für das alles geeignet.

    Sorry, aber mir ging irgendwie der "semantische Gehalt" verloren. Kann mir jemand helfen, ihn wieder zu finden?

    WAS will uns das "anthropische Prinzip" denn nun sagen? Ich dachte, es gehe um Naturkonstanten und um Multiversen. Wo kommen die denn nun ins Spiel? Doch nicht bei einer einfachen (mir tautologisch erscheinenden) Aussage wie: "Wenn wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet sein" bzw. "Da wir existieren, ist das Universum für unsere Existenz geeignet."

    Bitte nicht falsch verstehen, an der Logik von Christoph Pöppes Ausführungen sehe ich nichts Lächerliches, aber der Inhalt dessen, für den die logische Entfaltung oder Darlegung betrieben wurde, ist für mich im Augenblick unsichtbar.
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben völlig Recht: Die logischen Fallstricke, die ich diskutiert habe, beziehen sich auf den trivialen Teil des anthropischen Prinzips. Die nichttrivialen Schlüsse aus der Aussage "Da wir existieren, muss das Universum für unsere Existenz geeignet (gewesen) sein" lauten, je nach Autor, zum Beispiel:

    – Dann müssen die Neigung der Erdachse und die Umlaufbahn der Erde in den letzten paar Milliarden Jahren einigermaßen stabil gewesen sein, sonst hätten die extremen Temperaturschwankungen jedes Leben zerstört, und es hätte immer wieder von vorne anfangen müssen.

    – Die Tatsache, dass alle Naturkonstanten so fein aufeinander abgestimmt zu sein scheinen (schon bei sehr geringen Abweichungen von den beobachteten Werten gäbe es nicht einmal mehr stabile Atome und Moleküle), ist zwar erstaunlich, aber erklärbar. Schon die schiere Tatsache, dass wir zur Beobachtung fähig sind, impliziert, dass wir in dem (theoretischen) Raum aller denkbaren Universen nicht irgendeinen zufälligen Platz haben, sondern einen sehr speziellen. Da dürfen wir uns nicht wundern, wenn das Universum, in dem wir leben, sehr speziell aussieht.

    – Variante: Dieser Raum aller denkbaren Universen ist nicht nur ein theoretisches Konstrukt, es gibt ihn tatsächlich. Wir stecken halt in einem der wenigen Ausnahmeuniversen, die für die Entstehung bewussten Lebens geeignet sind. Aber da uns die anderen Universen prinzipiell nicht zugänglich sind, ist das mit der tatsächlichen Existenz so eine Sache. Sie würde Occams Rasierer nicht standhalten.

    – Ein intelligentes Wesen (frühere Bezeichnung: Gott) muss dieses Universum mit den sorgfältig ausgewählten Naturkonstanten geschaffen haben, mit dem Ziel, dass wir entstehen (Intelligent Design).



    Gegen alle diese nichttrivialen Folgerungen kann man etwas einwenden, im Gegensatz zu der trivialen Aussage vom Anfang.



    Christoph Pöppe
  • Räumlicher Abstand - Antwort auf Thomas Stör

    01.09.2009, Klaus Hagemeyer, Leverkusen
    Ich habe keinen "vierdimensionalen Abstand" gemeint, sondern die "ganz normale" räumliche Entfernung der beiden Photonen zueinander. Und der räumliche Abstand zweier zueinander bewegter Punkte wird in deren Bezugssystemen auf Grund der relativistischen Längenkontraktion mit zunehmender Geschwindigkeit immer kürzer und ist (bleibt) bei Lichtgeschwindigkeit Null. D. h., die Photonen sehen keinen räumlichen Abstand zueinander und befinden sich am selben Punkt. Aus ihrer Sicht ist das gesamte Universum in ihrer Bewegungsrichtung auf Null zusammengeschrumpft, sie sehen sozusagen eine Raumdimension weniger als wir. (Keine Ahnung, wie sie die anderen beiden sehen, weiß das jemand?)
  • Die unendliche Kugel

    01.09.2009, Eckhart Triebel, Berlin
    Auf S. 71 heißt es: "Heutige Kosmologen gehen aber noch einen Schritt weiter. Sie behaupten nicht nur, dass es keinen auf irgendeine Weise ausgezeichneten Mittelpunkt gebe, sondern dass überall das Zentrum sei."

    Dieses Zitat erinnert mich an zwei Aussagen aus dem "Buch der 24 Philosophen" (Liber XXIV philosophorum) vom Ende des 12. Jahrhunderts. Dort lautet die 2. Definition:
    "Deus est sphaera infinita, cuius centrum est ubique, circumferentia nusquam." - "Gott, das ist die unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall und deren Umfang nirgends ist."

    Und als 18. Definition wird gegeben:
    "Deus est sphaera, cuius tot sunt circumferentiae, quot sunt puncta." - "Gott, das ist die Kugel, die so viele Umfänge wie Punkte hat."

    Ersetzt man nun Gott durch Universum oder Kosmos, hören sich diese Aussagen sehr modern an.
  • Vision und Konsortium

    01.09.2009, Stefan Eissing, Münster
    Die Vision, die zugrunde liegende Technik, die ökologische Verträglichkeit: Alles ist rund an dieser Idee. Auch die Emotionen spielen da mit. Endlich einmal eine Zukunftsvision, die auf Weiterentwicklung ausgerichtet ist, und keine Untergangsszenarien, bei denen wir uns in letzter Konsequenz die Kugel geben müssen, um den Planeten zu retten.

    Aber wann wurden Visionen schon mal von einem Konsortium realisiert? Hier stellt der Artikel die richtigen Fragen, denn die Realisierung von Desertec ist in erste Linie keine technische, sondern eine organisatorische Herausforderung.

    Ein Konsortium im Besitz der (fast) gesamtem Stromerzeugung in Europa wird zu einer politischen Macht, die anstelle von Steuern einfach den Strompreis erhöhen kann. Wem will man diese Macht in die Hand geben? Wohl niemandem.

    Es erscheint also sinnvoll, dieses Projekt aufzuteilen. Und in der Tat spricht nichts dagegen, Desertec durch mehrere Betreiber anzugehen: Die Sonnenkraftwerke stehen eh nicht alle an derselben Stelle, die Leitungen nach Europa sind mehrfach und unabhängig voneinander zu bauen.

    So kann auch hier gelenkter Wettbewerb entstehen, der immer schon zum Nutzen aller notwendig gewesen ist.
  • Wo bleibt China?

    01.09.2009, Richard Scheffenegger, Wien
    Desertec als Konzept ist ja bekanntermaßen bereits einige Jahre (Jahrzehnte) alt ...

    Nachdem es ein äquivalentes Konzept auch für Nordamerika gibt, stellt sich die Frage, warum China nicht ebenfalls derartige Technologien implementiert.

    Gerade China hätte - ähnlich wie die USA - sowohl die industrielle Basis als auch die geographischen Vorraussetzungen (Wüste Gobi, Hochebene von Tibet), und, was noch viel wichtiger erscheint, ein politisches System, das eine kurzfristige Implementierung derartiger Technologie massiv beschleunigt.

    Trotzdem gehen dort wöchentlich mehrere Kohle-Großkraftwerke ans Netz (soviel auch zur Unmöglichkeit, mehrere Gigawattstunden pro Jahr kontinuierlich zu implementieren).

    Wäre es global gesehen - und die rasante Aufholjagd zeigt dies ebenso deutlich wie der nunmehrige Spitzenplatz von Chinas CO2-Emissionen zeigen dies deutlich - kosteneffizienter, diese Technologie in und mit China aufzusetzen?

    Natürlich besteht dabei die realistische Gefahr - wie dies ja auch schon beim Transrapid zu sehen war -, dass China ultimativ das Heft selbst in die Hand nimmt, und eine ausreichend gute Technologie unschlagbar preiswert auf den globalen Markt werfen wird.

    Jedoch, gerade in diesem Fall, wäre nicht ein massiver Verfall der Gestehungskosten für Solarrinnenkraftwerke mit thermischem Zwischenspeicher gerade das beste, was der Erde widerfahren kann?

    Solange einige wenige, ausgesprochen große und profitorientierte Konzerne versuchen, diesen Kuchen unter Ausschluß möglichst aller anderen unter sich aufzuteilen, wird aus diesem Konzept a) weder rasch noch b) kostengünstig etwas werden.

    Desertec sollte meiner Meinung nach entsprechend dem Open-Source-Konzept entsprechend die Kernkomponenten entwickeln und frei an jeden Interessierten lizenzieren.

    Anders ist keine rasche Umsetzung, vor allem nicht in wenig entwickelten Regionen, möglich.

    Übrigens liegen auch viele ehemalige Teilrepubliken Russlands in Regionen, wo ausreichend Sonneneinstrahlung, extreme niedriges Bruttoinlandsprodukt und mehr als genug anderweitig nicht nutzbarer Boden zusammenfallen (zum Beispiel der Ex-Aralsee, dessen versalzener und chemikalienverseuchter ehemaliger Seeboden im Megatonnen-Maßstab jedes Jahr vom Winde verweht wird).

    Abschließend bleibt auch mir nur noch zu bemerken, dass durch diese Großprojekte eine weitere massive Förderung der lokalen Energieproduktion durch alternative Quellen nicht zu kurz kommen sollte. Bevor jedoch irgendwo in ein Atom-, Öl- oder Kohlekraftwerk investiert wird, ist Desertec in jedem Fall vorzuziehen (Erdgaskraftwerke schließe ich explizit aus, da das Methanhydrat, das in den kommenden Jahrzehnten destabilisiert wird oder es bereits ist, dort in das gegenüber Methan weniger potente CO2 umgewandelt werden muss. Und um dieses Methan nicht sinnlos abzufackeln, braucht es einige zusätzliche Erdgaskraftwerke).
  • Es wird wie immer alles falsch laufen

    31.08.2009, T. Budgoust, Worms
    Was falsch laufen kann:
    - Die tatsächlichen Kosten werden ein Vielfaches von dem betragen, was uns jetzt vorgelogen wird.
    - Vorauszusehende Probleme und Nachteile werden uns verschwiegen.
    - Konzerne werden Subventionsbetrug in vielfacher Milliardenhöhe betreiben.
    - Die Macht der asozialen, kriminellen Energiekonzerne wird nicht zerschlagen, sondern betoniert. Bestehende Abhängigkeiten der Bürger werden lediglich leicht modifiziert, aber keinesfalls abgebaut.
    - Korrupte Politiker in Deutschland/Europa und in Afrika werden sich die Taschen und Konten füllen.
    - Die Bevölkerung in Afrika wird die Schäden und Nachteile haben, aber keine Vorteile.
    - Es wird zu einer Militarisierung kommen, um die Investitionen zu schützen.
    - Der technische Fortschritt wird verlangsamt werden, weil alle intelligenten Entwicklungen, die die Gewinne der Großkonzerne schmälern könnten, sabotiert werden, wie bisher auch.
    - Es werden die wichtigsten und einzig aussichtsreichen Zukunftsstrategien verhindert: Energie sparen und Energie dezentral erzeugen mit möglichst geringen ökologischen Schäden.
    - Jeder, der sein Großhirn bestimmungsgemäß verwendet, nämlich zum Denken und zum Lernen aus Erfahrung, muss solche und möglicherweise noch andere ungünstigen Konsequenzen aller Mammutprojekte voraussehen.
  • Expansion des Universums unmöglich

    31.08.2009, John Jobson, Wiesbaden
    Nach dem Spruch von Sherlock Holmes (alias Sir Arthur Conan Doyle): Wenn man das Unmögliche eliminiert hat, muss das, was übrig bleibt, egal wie unwahrscheinlich, die Wahrheit sein.
    Ich betrachte die vermeintliche Expansion des Universums, die seit 1998 zwangsläufig exponentiell "in alle Ewigkeit" sein müsste (d. h. die Hubble-Konstante ist wirklich eine Konstante), als unmöglich. Nicht nur, weil es dafür noch keine Naturgesetze gibt, sondern auch, weil die sogenannte "Dunkle Energie" auch exponentiell anwachsen müsste.
    Im Sinne von Sherlock Holmes, was übrig bleibt, sind die Photonen, die ihre Energie verlieren. Meinen Berechnungen nach, mit einer Halbwertzeit von ca. 677,8 / H Milliarden Jahren, wobei H der Hubble-Konstante in den üblichen Einheiten km / s / Mpc ausgedruckt wird.
  • Desertec kann mehrere Probleme gleichzeitig lösen

    31.08.2009, Wolfgang Lang, Nador/Marokko
    Die Diskussionen um Desertec gleiten leider schon in einem frühen Stadium in starre ideologische Fixierungen ab. Das ist schade.

    Zunächst einmal: Jeder, der sich an der Diskussion qualifiziert beteiligen möchte, sollte die hervorragende Studie von Herrn Czisch zumindest überflogen und die dortigen Schlussfolgerungen verstanden haben. Dann würde manche Diskussion rationaler verlaufen. (Über Gregor Czischs Pläne schrieb Gerhard Samulat bereits in der März-Ausgabe 2008 von Spektrum der Wissenschaft. Der Artikel findet sich auf S. 66 in dieser kostenfreien pdf-Datei, Anm. d. Red.)

    Ich will jetzt nicht auf technische Details eingehen, sondern nur kurz die meiner Meinung, nach wichtigsten Argumente für Desertec einmal zusammenstellen.

    1. Saubere und günstige regenerative Energie im Grund-, Mittel- und Spitzenlastbereich wird großräumig zur Verfügung gestellt.

    2. Durch das Supergrid in Gleichstromtechnik werden durch Ausgleichseffekte in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung beim Verbrauch wie bei der Erzeugung regenerative Energien viel günstiger als heute. Das gilt auch für nichtsolare regenerative Energien.

    3. Die breite internationale Kooperation wird Konflikte entschärfen und jetzt noch als Krisengebiete bezeichnete Regionen stabilisieren.

    4. Nordafrika wird jetzt schon, beginnend in Marokko bis an den Golf, ein Problem bei der Stromversorgung bekommen und bei der Wasserversorgung. Beides wird die wirtschaftliche Entwicklung hemmen, zu Auswanderung, gesellschaftlicher Destabilisierung und als Folge zu Extremismus führen. Wenn es nicht gelingt für die Hunderte von Millionen junger arbeitssuchender Menschen in diesem Raum wirtschafltiche Perspektiven zu entwickeln, dann werden wir von dort noch wesentlich größere Probleme nach Europa importiert bekommen, als wir uns jetzt vorstellen können.

    Desertec hat Antworten auf diese Probleme. Es produziert umweltverträglichen Strom in der Region, kann zugleich durch Meerwasserentsalzung Trinkwasser und Nutzwasser herstellen und es schafft Arbeit in der Region.

    Außerdem wird die erforderliche Zusammenarbeit lokale Konflikte langfristig entschärfen.

    5. Last but not least ein sehr wichtiger Punkt, der meines Erachtens viel zu kurz kommt:
    Wenn mit Desertec kein sauberer Strom in der Region Nordafrika und mittlerer Osten produziert wird, dann werden diese Länder Kernkraftwerke bauen. In Marokko z. B. sind derartige Planungen, durch Frankreich und die EdF vorangetrieben, im Gange. Steht aber in dieser Region von Marokko bis zum Golf aus Mangel an Alternativen erst einmal eine große Zahl an Kernkraftwerken, wird Europa nicht mehr ruhig schlafen können. Und die Diskussion um terroristische Anschläge auf Desertec-Anlagen erübrigt sich oder wird absurd.

    Desertec ist eine große Chance für den Raum Europa-Nordafrika-Mittlerer Osten. Die Argumente, die dagegen aufgefahren werden, sind sehr oft national(istisch). Besser regenerative Energien in Deutschland erzeugen als im Ausland. In einer globalisierten Welt mit offenen Grenzen sollte diese Haltung aus dem 18. und 19. Jahrhundert ad acta gelegt werden. Es gibt keine Alternative zu Kooperation und Austausch.
  • Die Verantwortung des Ichs

    31.08.2009, Dr. J. Krebs, Starnberg
    Die Auffassung Prof. Singers, der Mensch sei für sein Tun verantwortlich, auch wenn er darüber nicht frei entscheiden kann, ist für mich nicht nachvollziehbar. Ohne Handlungsfreiheit wäre „Verantwortung“ ein völlig inhaltsleerer Begriff. Dann bräuchte man im Strafrecht auch nicht darüber diskutieren, ob ein Täter zurechnungsfähig war oder nicht – es wäre ja in jedem Fall sein „Ich“, das die Tat begangen hat.
    Die Konsequenz dieses konsequent naturalistischen Denkens ist m. E. nach eine ganz andere: Wenn die Handlungen eines Individuums letztendlich determiniert sind, dann ist es auch die (gesellschaftliche) Reaktion auf diese Handlungen. Wenn also der Täter nicht anders kann, als die Tat zu begehen, dann kann die Gesellschaft auch nicht anders, als ihn dafür zu bestrafen. Dann ist unser Wille nur ein „Epiphänomen“ unseres physischen Verhaltens; es ist dann ganz egal, was wir wollen, es kommt sowieso alles, wie es kommen muss. Diese Haltung führt geradewegs in einen philosophischen Fatalismus.

    Was uns die Hirnforscher hier gerne als eine revolutionäre Erkenntnis ihres Fachgebiets verkaufen, ist im Grunde eine triviale Folgerung aus der Geschlossenheit des naturwissenschaftlichen Weltbildes: Die Physik – und damit die Beziehung von Ursache und Wirkung – gilt eben auch in unserem Gehirn. Was uns Menschen auszeichnet, ist die Vielzahl der komplexen Handlungsoptionen, die uns i.A. zur Verfügung stehen. Wenn wir uns dann aber in einer konkreten Situation für eine dieser Optionen entscheiden, dann hat das auch irgendwelche Gründe – ob sie uns nun bewusst sind oder nicht. Deshalb ist Willensfreiheit weder auf der materiellen noch auf der psychischen Ebene wirklich fassbar und infolgedessen auch nicht nachweisbar.

    Trotzdem ist es richtig, die Willensfreiheit als ein soziales Konstrukt beizubehalten. Es ist ein letztlich ein philosophisch–ontologischer Begriff, der untrennbar zu unserer Selbstwahrnehmung als autonomes „Subjekt“ gehört, und als solcher steht er sozusagen per definitionem außerhalb einer wissenschaftlichen Erfassung, die sich auf die „objektive“ Realität konzentriert. Ohne dieses Konstrukt aber kann die menschliche Gesellschaft nicht funktionieren – und die Hirnforscher sollten sich vielleicht einmal bewusst machen, dass auch sie sich in ihrer Forschertätigkeit zwangsläufig als autonome Subjekte erfahren.
  • Mukundis Krone ist schon länger bekannt

    31.08.2009, Werner Gubler, Fällanden (Schweiz)
    Mark Thomas verwendet in seinem Artikel "Self-surrounding tiles" (http://home.flash.net/~markthom/html/self-surrounding_tiles.html) eine Form, die er "crown" nennt und die mit Mukundis Krone identisch ist.
    Dabei heißt ein Pflasterstein "self-surrounding", wenn man ihn mit Kopien seiner selbst lückenlos "umringen" kann – aber nur endlich oft (siehe "Heesch's problem", http://en.wikipedia.org/wiki/Heesch%27s_problem). Da die "Krone", wie in dem Artikel dargestellt, sogar den ganzen Raum lückenlos füllt, und das auf die verschiedensten Arten, ist sie nicht in diesem sehr speziellen Sinn "self-surrounding".