Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Herabstufung der übrigen Himmelskörper

    27.08.2009, Jörg Michael, Hannover
    Die Ausführungen darüber, dass Kopernikus und seine Anhänger die "Verdrängung" der Erde aus dem Mittelpunkt des Universums keineswegs als Herabstufung empfanden, sind nachvollziehbar dargelegt. Man sollte dabei aber nicht vergessen, dass (ebenfalls aus Sicht der Zeitgenossen) für die "übrigen" Himmelskörper immer wieder das genaue Gegenteil galt. Dies ist mir durch einen Artikel über Galileo klar geworden ("The Moon, the Telescope, and the Birth of the Modern World", Sky & Telescope, Februar 2009, S. 28).

    Die Autoren machen folgendes deutlich:
    Seit Aristoteles war das westliche Weltbild davon ausgegangen, dass Körper der Himmelssphäre nichts mit der irdischen Sphäre zu tun haben. Irdische Dinge waren veränderlich, weil sie aus den vier Grundelementen Erde, Luft, Feuer und Wasser zusammengesetzt waren. Körper der Himmelssphäre waren im Gegensatz dazu vollkommene und unveränderliche Objekte aus "himmlischer" Substanz (besser bekannt als "Äther"). Der Mond als Bestandteil der Himmelssphäre wurde natürlich ebenfalls als vollkommenen angesehen und dies beinhaltete insbesondere eine perfekte Kugelform.

    Als Galileo nun entdeckte, dass der Mond Gebirge, Täler und Ebenen hat, also quasi irdische Landschaften besitzt, war sein Weltbild ziemlich erschüttert. Durch Messungen der täglich wechselnden Schattenlängen konnte er sogar nachweisen, dass einige Mondberge mehrere Kilometer hoch sind.

    Einige Zeitgenossen konnten sich mit diesen Tatsachen überhaupt nicht anfreunden und versuchten, die Mondgebirge als optische Täuschung wegzudiskutieren. Um die perfekte Kugelgestalt des Mondes zu "retten", nahmen sie an, das der Mond in eine unsichtbare Hülle aus Glas eingebettet sei, die alle Mondgebirge umhüllt.

    Die Entdeckung der Sonnenflecken und der vier größten Jupitermonde hat ähnlich ungläubige Reaktionen hervorgerufen. Es war undenkbar, dass die Sonne als Urbild der Reinheit Flecken haben könnte. Und neben dem Erdmond waren weitere Monde ebenfalls nicht vorgesehen.

    Kurz gesagt, aus Sicht der Zeitgenossen war es auch so, dass der Himmel mit jeder Entdeckung immer mehr in den Dreck gezogen wurde.
  • Das Anna-Karenina-Prinzip

    26.08.2009, Wolfgang Illig, Ruppertsgrün
    Ein längst überfälliger Artikel, der aktuelle Beobachtungsdaten berücksichtigt. Was fehlt ist ein allgemeines Prinzip, welches das kopernikanische Prinzip (KP) in seiner räumlichen Bedeutung enthält, aber auch die Besonderheiten oder Einzigartigkeiten auszeichnet, die die Beobachtungsdaten nahe legen.

    Dazu eignet sich nach meiner Auffassung das von Jared Diamond in seinem Buch "Kollaps" auf Gesellschaften angewandte Anna-Karenina-Prinzip "Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich." Dieses allgemeine Prinzip beschreibt dort im konkreten Fall, daß mehrere Faktoren oder Bedingungen zum Gelingen einer Sache (es gibt viele Familien, aber nur sehr wenige werden glücklich) erfüllt sein müssen und das Fehlen eines einzelnen Faktors zum Scheitern führt.

    Analog gibt es überall im Universum Galaxien (Spiralen und Balkenspiralen, Elliptische sind weniger geeignet), die nach einer gewissen Existenzdauer primitives Leben "leicht" ermöglichen (KP räumlich Ja – zeitlich Nein). Aber ob dort zur entsprechenden Zeit höheres, sogar vernunftbegabtes Leben entsteht, hängt von vielen Faktoren ab; beispielsweise von einer lebensfreundlichen Zone in der Galaxie möglichst nahe am Korotationskreis, von einem dynamisch stabilen Planetensystem, einem Asteroidenfänger (Jupiter), einem Klimastabilisator (Mond), der Existenz einer lebensfreundlichen Zone im Planetensystem (Wasser, geeignete Temperaturen), einem Recycler (Plattentektonik) usw.

    Damit sind wir nicht der Mittelpunkt der Welt, aber doch etwas Besonderes. Denn diese vielen Bedingungen für die Entwicklung höheren Lebens (wie auch glücklicher Familien) scheinen mir (wie auch Ward, Brownlee in ihrem Buch "Unsere einsame Erde") äußerst selten zu sein. Aber diese Seltenheit oder Einmaligkeit höheren Lebens und unserer menschlichen Existenz scheint nur wenigen von uns bewußt zu sein, sonst würden wir nicht so "fröhlich" an der Zerstörung von Umwelt und Artenvielfalt und damit an unserem eigenen Niedergang arbeiten. Das Prinzip der Mittelmäßigkeit gibt uns noch etwa 3900 Jahre mit 95%iger Sicherheitswahrscheinlichkeit.
  • Zentrale oder dezentrale Nutzung von Sonne und Wind?

    26.08.2009, Kurt Kress, Frankfurt/Main
    Die Idee der Stromimporte aus Nordafrika, also Windstrom und Strom aus solarthermischen Anlagen, ist zweifellos faszinierend, vor allem für große Energieversorgungsunternehmen (EVU), da sie diese Anlagen sowie die dazu nötigen, teils Kontinente überspannenden Stromtrassen in eigener Trägerschaft zu ihren betriebswirtschaftlichen Vorstellungen übernehmen könnten. Das wäre ein nahtloser Übergang von der Monopolisierung fossiler Energieträger und des Uran zur Monopolisierung von Sonne und Wind.

    Die an Sonne und Wind in Afrika interessierten Konzerne versuchen natürlich mit allen Mitteln die dezentrale Nutzung von Sonne und Wind bei uns zu behindern, da jede energieautarke Kommune, jeder Selbstversorger zeigt, dass man auch ohne große Konzerne leben kann. Daher ist eine parallele Entwicklung zentraler und dezentraler Energieversorgung schwer vorstellbar.

    Die Meteorologen sind sich weltweit einig, dass wir schnell handeln müssen, um irreversible Klimaveränderungen zu verhindern - und da erweist sich eine dezentrale Energieversorgung, die Strom und Wärme dort erzeugt, wo diese Energien gebraucht werden, also mit kurzen verlustarmen Erdkabeln auskommt, als der schneller zu realisierende und wegen der breiten Streuung von Eigentum auch leichter zu finanzierende und demokratischere Weg.

    Das zeigen eindeutig die Zahlen des Statistischen Bundesamtes oder des BMU (Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik oder AGEE-Stat). So wuchs z.B. die Summe der Leistung dezentraler Anlagen, die nur mit erneuerbaren Energien betrieben werden, in Deutschland in der Zeit von 2001 bis 2006 um 16 571 MW. Diese 16 571 MW entsprechen etwa einer Leistung von 16 großen Kohle- oder Atomkraftwerken. In diesen 6 Jahren hätte man aber kein einziges Großkraftwerk fertig stellen können, da deren Planungs- und Bauzeiten den Zeitrahmen von 6 Jahren in der Regel überschreiten.

    Nicht nur die installierte Leistung dieser dezentralen Anlagen, sondern auch die Summe ihrer jährlichen Stromproduktion steigt kontinuierlich. Nach der genannten Statistik betrug die Summe der Stromerzeugung dezentraler Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland 24 505 GWh in 1997 und 87 450 GWh in 2007, Tendenz steigend. Das entspricht einem jährlichen Zuwachs von durchschnittlich etwa 6 300 GWh.

    Im Jahr 2007 betrug dieser Zuwachs aus neu errichteten Anlagen sogar 15 400 GWh. Das entspricht etwa der Stromproduktion von zwei Grundlastkraftwerken mit je einer Leistung von 1000 MW und jährlich 8000 Volllaststunden, also einer Stromproduktion von jährlich ca. 16 000 GWh. In einem Jahr hätte man aber nicht zwei Großkraftwerke fertig stellen können.

    Hermann Scheer hat also Recht, wenn er sagt, dass keine Energietechnik schneller zu realisieren ist als der Bau von Anlagen zur dezentralen Nutzung erneuerbarer Energien. Von diesen Energien gibt es in Europa mehr, als wir benötigen.

    Natürlich wäre die dezentrale Nutzung der Wüstensonne und der starken Winde der Küsten Afrikas durch unsere Technik eine sehr sinnvolle Entwicklungshilfe für die dort lebende meist arme Bevölkerung; eine Stromproduktion, die vielleicht in einigen Jahrzehnten auch zum Verkauf von Wüstenstrom nach Europa führen könnte. Zur Vermeidung einer Klimakatastrophe kämen Planung und Realisierung dieses Mammutprojektes zweifellos zu spät.
  • Intersexualität

    26.08.2009, D. Boursillon, Scheer
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    mit all der Information war der Artikel über die Intersexualität sicher wertvoll! Vielleicht sollte aber nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich hierbei um einen massiven Angriff auf die Persönlichkeitsrechte eines Athleten handelt. Es gibt keinerlei Verdachtsmomente, die eine solche Anschuldigung rechtfertigen. Damit, dass Sie diese Nachrichten als "Information" weiterleiten, gehen Sie und Ihre Kollegen zu weit! Alleine schon mit dem Finger auf eine Person zu zeigen, weil sie Herausragendes leistet, ist ungebührlich. Ihr dann auch noch die Beweislast des Gegenteils zu suggerieren ist grotesk.
    Aber: Das mit der Menschlichkeit und mit der Menschenwürde sieht natürlich jeder anders...
    Viele Grüße
  • Von nicht vorurteilsfreiem Halbwissen geprägt

    26.08.2009, Winfried Krech, per E-Mail
    Als langjähriger Leser habe ich schon oft festgestellt, dass Spektrum-Beiträge zu religiösen Fragen weitergehende Kenntnisse christlicher Quellen sowie eindeutige Definitionen religiöser Begriffe (insbesondere der christlichen Traditionen) vermissen lassen. So wird z. B. gern über „Gott“ schwadroniert, ohne dass mir deutlich würde, was damit gemeint sei. Schließlich ist der Gott, der Feindesliebe fordert und sich in Jesus am Kreuz hingibt, sicher ein anderer als jener, der verlangt, die Ungläubigen zu töten.

    Von Martin Luther wird überliefert: „Woran Du Dein Herz hängst, das wird Dein Gott sein“. Insofern sind auch Atheisten nicht das, was sie zu sein vorgeben.
    Ebenso vermisse ich bei der Kritik an kirchlichem Umgang mit Naturwissenschaftlern Klarheit - denken wir mal an Galilei: Wer oder was ist die Kirche? Für mich als evangelischer Christ ist der Papst ziemlich gleichgültig und ich lasse mich ungern mit der römischen Kirche in einen Topf werfen, auch wenn sie behauptet, die „katholische“ zu sein. Trotzdem bedaure ich, dass unsere Gesellschaft sich der künstlerischen Freiheit rühmt, sich über ihn in menschenunwürdiger Art lustig zu machen, wahrscheinlich, weil die Feigheit verbietet, Witze über dem Islam Heiliges zu verbreiten.

    Auch bei Herrn Springer hatte ich stets den Eindruck, dass seine Beiträge zu Fragen von (christlichem) Glauben und Religion eher von nicht vorurteilsfreiem Halbwissen denn von tiefer gehenden Sachkenntnis geprägt wären. In dem Einwurf „Lernen Computer einst voneinander?“ kann ich jedenfalls mit dem Hinweis auf „Moses im Weidenkörbchen“ keinen Zusammenhang mit Wolfskinder, Tarzan und Kaspar Hauser herstellen. Das ändert natürlich nichts daran, dass Springer eine sehr wichtige Frage anspricht.

    In der Tat sind letztere Drei (Wolfskinder, Tarzan, Hauser) gern genutzte Beispiele von „Sozialisation“ abseits menschlicher Einflüsse. Moses aber ist nach Exodus 2 (2. Buch Mose, 2. Kapitel) von seiner Mutter im Weidenkörbchen auf den Nil ausgesetzt worden oberhalb der badenden Tochter des Pharaos. „Und als sie (die Tochter des Pharaos) das Kästlein im Schilf sah, sandte sie eine Magd hin und ließ es holen. Und als sie es auftat, sah sie das Kind und siehe, das Knäblein weinte. Da jammerte es sie ...“ (Exodus 2, 5 f).

    Wenn Herr Springer sich die Mühe macht, weiterzulesen, wird er feststellen, dass Mose - doch wohl kaum vergleichbar mit Wolfskinder, Tarzan oder Kaspar Hauser, gleich ob dieser adliger Geburt war - am Hofe des Pharaos eine wohl für seine Zeit ausgezeichnete Ausbildung erhalten haben dürfte. Wahrscheinlich wäre er sonst kaum in der Lage gewesen, die Hebräer in Freiheit zu führen (säkular wissenschaftlich gedacht).

    Gestatten Sie mir die Bemerkung: Es wäre gut, wenn auch naturwissenschaftlich Gebildete, insbesondere wenn sie meinungsbildend als Journalisten tätig sind, abseits von Vorurteilen wüssten, wovon sie reden, wenn sie sich schon auf nicht so gut bekanntem Terrain tummeln. Mose in eine Reihe mit Tarzan, Wolfskinder und Kaspar Hauser in diesem Beitrag zu stellen, offenbart schon einen gewissen Mangel an Kompetenz auf dem religiösen Problemfeld, in dem Herr Springer sich - mitunter fast arrogant erscheinend - zu tummeln beliebt.
  • Krabbelkinder brauchen eine feste Bezugsperson

    25.08.2009, Prof. Dr. Gerhard Krebs, Quickborn
    Herr Springer findet sein Voruteil, wie er selbst eingesteht, durch eine Anthropologin (für Affen) bezüglich der Betreuung von Menschenkindern durch eine Mutter bestätigt. Doch selbst ein Physiker sollte wissen, dass man das Thema, was einem Menschenkind gut tut, nur in Abhängigkeit vom Alter des Kindes diskutieren kann. Was soll ein Menschenbaby im ersten Lebensjahr, in einer Hirnentwicklungsphase, die ein Schimpansenbaby noch im Mutterleib mitmacht, in einer „Krabbelgruppe“?

    Selbst dann, wenn das eigentliche „Krabbelalter“ beginnt, braucht das krabbelnde Kind, wie ausgiebig und unwiderleglich nachgewiesen, einen festen körperlich-emotionalen Bezugspunkt, um seine Umwelt mutig krabbelnd zu erkunden, und keinesfalls eine Bezugsgruppe. Zu diesem Hort kehr es wie an einem Gummi immer wieder zurück zum „emotionalen Auftanken“, wie M. Mahler et al. es nennen. Andernfalls verlässt das Kind im wahren Sinne des Wortes die Antriebsenergie. Das gilt nach den umfangreichen, einschlägigen Experimenten von Harlow sogar noch weitgehend für Rhesusaffen, obwohl diese eher als Menschenkinder Ersatz bei Gleichaltrigen finden können (sie klammern sich dann zu Klumpen aneinander).

    Alsdann benötigt das Kleinkind ein Muster und einen großen „Gegenwillen“ (Trotz!), um den herum es sein „Selbst“-Bild aufbauen kann. Eine solche psychische Einrichtung haben Affen allenfalls andeutungsweise. Erst ab etwa 3 Jahren ist das Kind so weit, von Beziehungen in einer Gruppe zu profitieren.

    Das sind Fakten, die sich nur ideologisch wegdiskutieren lassen. Das Kleinkind benötigt eine feste, liebevoll-fürsorgliche Bezugsperson. Ob das unbedingt die leibliche Mutter sein sollte, ist eine andere Frage. Auch Schimpansenmütter lassen ihr Baby von anderen betreuen, allerdings nur von Hordenmitgliedern, die ihnen als sehr vertrauenswürdig gelten – und dafür gibt und gab es auch bei Menschen guten Grund.
  • Grammatikfehler

    25.08.2009, Dirk-Alexander Becker, Braunschweig
    Liebe Spektrum-Redaktion,

    diese Anmerkung bezieht sich ausnahmsweise nicht auf den Inhalt, sondern auf die äußere Form des Textes.

    Auf Seite 84 der neuen Ausgabe findet sich folgender Satz: "... fällt dank steigender Produktionszahlen und effizienterer Herstellungsverfahren der Preis für kristallines Silizium, dem Standardhalbleiter für die Stromgewinnung aus Licht; ..."

    Statt "dem" muss es hier "den" heißen, denn "für" verlangt den Akkusativ. Bei dem hohen sprachlichen Niveu, das ich von Ihrer Zeitschrift gewohnt bin, überrascht ein derart schwerer - wenn auch verbreiteter - Grammatikfehler doch sehr.
  • Wird uns ein wenig sinnvolles Mammutprojekt untergejubelt?

    24.08.2009, (Name der Redaktion bekannt)
    Ich denke, es ist unstrittig, dass eine Wende hin zu erneuerbaren Energien in Zukunft ein großes, wenn nicht das beherrschende Thema der technischen Weiterentwicklung darstellt und darstellen muss.

    Trotzdem bin ich einem solchen Mammutprojekt gegenüber sehr skeptisch. Für mich als Endverbraucher in Sachen Energie scheint es doch sinnvoller, zunehmend Energiegewinnung im kleinen Rahmen wie Erdwärme, Photovoltaik etc. zu forcieren als ein solches Projekt zu finanzieren, von dem wirtschaftlich auf lange Sicht nur die großen Energiekonzerne profitieren.

    Die Energielobby versucht uns hier ein Projekt unterzujubeln, welches bei genauer Betrachtung nur das Energiemonopol sicherstellen soll, für den Bürger und Steuerzahler aber weit weniger sinnvoll ist als staatliche Subventionen, die den Gemeinden erlauben sich autark mit Energie zu versorgen und somit ein solches Mammutprojekt von vornherein überflüssig erscheinen lassen. Und dann muss man sich auch über die politischen Auswirkungen und die Abhängigkeit von politisch zumindest nicht hundertprozentig stabilen Ländern keine Gedanken machen.
  • Fernwirkung erscheint mir nicht spukhaft

    24.08.2009, Klaus Hagemeyer, Leverkusen
    Für verschränkte Photonen erscheint mir deren "Fernwirkung" überhaupt nicht spukhaft, zumindest nicht für solche, die zusammen am selben Ort zur selben Zeit entstanden sind (ist bei denen aber glaube ich immer so). Denn sie bewegen sich ja mit Lichtgeschwindigkeit voneinander fort, und aufgrund der Zeitdilatation bleibt die Zeit in ihrem lokalen System einfach stehen, und die Länge ihrer Bahn kontrahiert für sie auf Null. Und wenn sie dann nach einiger Zeit von uns oder sonst wem irgendwo nachgewiesen werden (aus unserer Sicht an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten), ist das für sie in jedem Fall der selbe Ort und die selbe Zeit, nämlich genau der/die, an dem sie entstanden sind (eigene Lebensdauer und Abstand Startpunkt-Ziel im mitbewegten System gleich Null). Und dass sie voneinander wissen, wenn sie sich zu genau der selben Zeit an genau dem selben Ort befinden, erscheint mir nicht verwunderlich, sie sind sozusagen nur ein einziges Teilchen.

    Für mit Unterlichtgeschwindigkeit fliegende Teilchen ist dieser Erklärungsversuch natürlich nicht anwendbar. Mich wundert nur, dass die meisten Experimente zu dieser Thematik mit Photonen gemacht worden sind. Weiß jemand, (ob) was an meinem Erklärungsversuch falsch ist?
  • Unbegrenzte Brennstoffversorgung?

    24.08.2009, Arno Bazzanella, Krefeld
    Zum Leserbrief von Rudolf Eberhart: Leider gibt es keine unbegrenzten Lagermöglichkeiten für Atommüll auf der Erde. Nicht einmal für die bisher eingerichteten Lagerstätten kann die Sicherheit der nächsten 500 (!) Jahre zuverlässig garantiert werden. Ich befürchte, dass die Kernspaltung eine Sackgasse ist, da man diese Kraftwerke nicht nachhaltig betreiben kann. Zukunft liegt für mich persönlich nur in erneuerbaren Energiequellen. Diese KÖNNEN nachhaltig betrieben werden. Wer über seine eigene Lebensspanne hinaussieht und die Zukunft der Menschheit im Blick hat, muss sich über die Nachhaltigkeit in sämtlichen Belangen (nicht nur der Energieversorgung) klar sein.
  • Unbegrenzte Brennstoffversorgung aller Kernkraftwerke

    24.08.2009, Rudolf Eberhart, 31303 Burgdorf
    Die April-Ausgabe Ihrer Zeitschrift habe ich verspätet in die Hand bekommen, daher dieser zeitlich verzögerte Kommentar.

    In Ihrem Beitrag zum Thema Elektroautos benutzen Sie leider eine Floskel, die der Anti-Atom-Propaganda der Rot-Grünen entnommen sein könnte, nämlich:
    "So richtig umweltfreundlich wird der Elektroantrieb allerdings erst, wenn ausschließlich grüne, aus regenerierbaren Quellen stammende Energie getankt wird..."

    Sie begründen das mit der Endlichkeit fossiler Kraftstoffe. Bei Öl und Gas mögen Sie, was Ihre Bedenken bzgl. der nur noch begrenzten Reichweite betrifft, Recht haben. Kohle dagegen reicht schon wesentlich länger. Voll daneben liegen Sie allerdings, wenn Sie die Reichweite der Kernenergie mit der Reichweite der Weltvorräte an Öl oder Gas gleichsetzen! Eine Zeitschrift mit dem anspruchsvollen Titel "Spektrum der Wissenschaft" müsste eigentlich in der Lage sein, sich bei seriösen Kennern der Reservensituation bei Kernbrennstoffen zu informieren.

    Diese wird z.B. vom Deutschen Atomforum wie folgt beschrieben: "Die Brennstoffsituation bei Uran ist mehr als komfortabel. Nach heutigem Kenntnisstand steht Uran noch mindestens 200 Jahre zur Verfügung. Dank der ständigen Weiterentwicklung der Technologie zur Auffindung und Förderung von Uran ist sogar noch eine deutlich größere Reichweite zu erwarten." Laut einer Aussage von AREVA bzw. URENCO steht dieser Brennstoff sogar unbegrenzt zur Verfügung, wenn man das im Meerwasser gelöste Uran zu den Vorräten zählen würde.

    Hinzu kommt noch Thorium, das etwa dreimal so häufig auf der Erde vorkommt wie Uran. Beim Einsatz im Reaktor bildet sich aus dem Thorium Uran-233, das ebenfalls wie Uran-238 und Plutonium-239 als Kernbrennstoff geeignet ist. Der in Deutschland entwickelte Thorium-Hochtemperaturreaktor wurde mit einer Leistung von 300 MW in Hamm-Uentrop nach 2-jährigem Betrieb nach ständig neuen Nachforderungen der NRW-SPD-Regierung unter Johannes Rau stillgelegt. Südafrika und China betreiben die Entwicklung weiter. Nimmt man die Vorräte von Uran und Thorium zusammen, so ist die künftige unbegrenzte Brennstoffversorgung aller Kernkraftwerke weltweit als absolut sichergestellt anzusehen.
  • Energie in Hülle und Fülle

    24.08.2009, Alexander Peevsky, München
    Gott sei Dank rückt die technisch-industrielle Machbarkeit in den Brennpunkt der Öffentlichkeit. Die in DESERTEC beschriebene Energiewende verhält sich in etwa so wie der einstige Ausbau des Schienennetzes. Würde man heute das Schienennetz aus dem Nichts aufbauen müssen, erschiene das finanziell utopisch. Damals war man sich der volkswirtschaftlichen Tragweite nicht bewusst. Man fing einfach an. Heute profitieren wir davon.

    Welche Tragweite eine Ausrichtung der Energiewirtschaft auf die Solartechnologie hat, können sich nur die wenigsten vorstellen. Allein die nichtaufgewendeten Gelder für die Primärenergie (Öl, Kohle) verbleiben als Kaufkraft in der Volkswirtschaft. Dass wir Energie in Hülle und Fülle haben, zeigt die Überlegung, wer uns wohl im Sommer die Badeseen erwärmt. Mann stelle sich vor, wir müssten den Bodensee zum Baden mit fossilen Energien oder mit Kernenergie aufheizen. Dies zeigt uns die Menge der uns zur Verfügung stehenden Energie von der Sonne.

    Meiner Ansicht nach befinden wir uns mitten in einer industriellen Revolution ungeahnten Ausmaßes, welche die letzte (von ca. 1750 bis 1950) verblassen lässt. Wie hieß es noch mal in einer Werbung?
    Es gibt viel zu tun. Packen wir es an!
  • Gut begründbare, wenn auch nicht ganz neue Theorie

    23.08.2009, Christian Hornstein, Bonn
    Die Sensitivierung-Homöostase-Theorie von DiFranza, die er als neues Modell zur Nikotinsucht vorstellt, ist durchaus plausibel, gerade weil sie inhaltlich nicht ganz so neu ist. Analoge Überlegungen finden sich in der Literatur seit vielen Dekaden. Bereits 1957 haben Hurvich und Jameson ein Prozess-Opponentenmodell entwickelt, das im Grundsätzlichen ganz ähnliche Annahmen macht und 1973 von Solomon und Corbit zur Erklärung von Zigarettenabhängigkeit verwendet wurde. Auch hier geht es um antagonistische Systeme, die bei der Bemühung des Nervensystems, ein Gleichgewicht zu gewährleisten, interagieren.

    Andere Autoren haben dies später aufgegriffen und teilweise auch mathematisch modelliert. Eine ähnliche Modellierung ist z. B. auch für Alkohol vorgeschlagen worden: die Zweiphasenwirkung von Alkohol (siehe z. B. Lindenmeyer).

    Dass Verlangen und nicht Lust im Dopaminsystem und bei Sucht im Zentrum steht, legen verschiedene Befunde nahe (z. B. Berridge, Rolls, Panksepp). Selbst die neuronalen und molekularen Mechanismen, die letztlich hinter den antagonistischen Prozessen stehen, sind mit immer größerer Detaillierung (z. T. auch in SdW) beschrieben worden: kompensatorische Gegenreaktionen an den Synapsen von Ratten (extrazelluläre Konzentration von Dopamin und Serotonin im Nucleus accumbens) nach einer mehrstündigen Dauerapplikation von Kokain, Bedeutung von CREB für die Toleranzentwicklung, von delta-FosB für die Sensitivierung, und über entsprechende Auswirkungen auf die negative Rückkoplung über Dynorphin zwischen Nucleus accumbens und ventralem Tegmentum, die Eigenschaften von Nicotin als MAO-Hemmer d. h. als Antidepressivum.

    Insofern ist die Sensitivierung-Homöostase-Theorie von DiFranza inhaltlich zwar nicht ganz neu (ein Hinweis DiFranzas auf die Vordenker wäre m.E. angemessen gewesen), aber durchaus gut begründbar. Und seine Befunde leisten einen wertvollen Beitrag zur Entbagatellisierung des Nikotinkonsums.
  • Alter Hut mit neuem Mascherl

    22.08.2009, Renate Baumann, Baden/Wien, Österreich
    Ich halte diesen doch sehr alten Plan für ausgesprochen gut und wirtschaftsbelebend. Da sich die nordafrikanischen Länder ohnedies seit längerem der EU annähern, kommen diese als Strompartner in Betracht (ich sehe hier das involvierte Länderrisiko als nicht so hoch wie der Autor an).

    Jedoch sollte man danach trachten, zunächst alle EU-Länder, die aufgrund ihrer Sonnenstunden und des vorhandenen Platzes genug Sonnenenergie liefern können, mit Anlagen auszustatten. Je mehr Länder involviert sind, desto geringer ist auch das Risiko, wenn ein Land ausfällt. Mehr involvierte Länder bedeuten allerdings höhere Kosten, das sollte uns jedoch die Versorgungssicherheit wert sein.

    Grundsätzlich bin ich für alle regenerativen Energiequellen, die dazu dienen, unsere Mitwelt (und nicht Umwelt) wieder in Ordnung zu bringen. In einigen Jahrzehnten benötigen wir Strom für 9 Milliarden Menschen, Milliarden von Autos/Flugzeugen etc. Ökologisch erzeugter Strom sollte daher im Vordergrund stehen.

    Für die nordafrikanischen Länder ist die EU der Haupthandelspartner. Gleichzeitig arbeiten bereits Millionen Nordafrikaner in den EU-Ländern. Die Angst, dass wir aufgrund des Strombezugs von diesen Ländern erpressbar wären, halte ich eher für unwahrscheinlich. Man kann eher davon ausgehen, dass es zu besseren Kooperationen, sei es wirtschaftlicher, politischer oder kultureller Natur, kommen wird.
  • Wirklich so egoistisch sein?

    22.08.2009, Niels Warncke, Bad Nauheim
    In dem Artikel wird einerseits über die negativen Folgen von großen Exporten berichtet (Uganda muss Mais und Weizen exportieren, unabhängig davon, ob das Land selbst genug hat etc.), andererseits auch vor den für Deutschland nicht optimalen wirtschaftlichen Aspekten gewarnt.

    Ich finde gerade die wirtschaftlichen Aspekte gut: So können wir ohne Verluste für uns den Menschen in Afrika, denen es größtenteils nicht sonderlich gut geht, helfen, indem wir ihnen eine Arbeit schaffen. In Europa lässt sich das nun mal nicht umsetzen, da der benötigte freie Platz nicht vorhanden ist. Soll man dann wirklich so egoistisch sein, dass man die Entwicklung den Kommunen überlässt?

    Die Abhängigkeit Europas stellt in meinen Augen ein größeres Problem dar, die Stromversorgung sollte deshalb (zumindest in der Anfangsphase) so bleiben, dass wir auch größere Ausfälle verkraften können. Als positiver Nebeneffekt käme zum Tragen, dass die Länder bei Bedarf selbst kleine Mengen abzapfen können, um die anfangs genannten Ausbeuteeffekte zu vermeiden.