Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Bestätigung von Darwins Evolutionstheorie

    25.03.2009, D. Krogmann
    Da sage noch jemand, Darwins Theorie wäre Hirngespinst. Zeigt doch das geschilderte Verhalten der putzigen Fadenpipras, wie ähnlich verschiedene Spezies auf völlig unterschiedlichen Ebenen der Fortentwicklung in ihrem Verhalten und Strategien sind.

    Eine wichtige Erkenntnis, die auch bereits bei unserem "nächsten Verwandten", den Menschenaffen beobachtet wurde, ist ein strukturiertes Verhalten der männlichen Spezies zum Zweck gemeinsamer Organisation.

    Bei den Fadenpipras beschränkt sich dieses Verhalten auf die Balz und der Fortpflanzung, beim Primaten "Mensch" auf rücksichtslose Konzentration von Macht über "Massenmorde" (gleich Kriege) und unterdrückerische gesellschaftliche Regelungen (Gesetze) die letztlich den egoistischen Machtanspruch ihrer Führungseliten gegenüber der Masse vernebeln sollen.

    Letztlich blicken wir bei der Betrachtung der Schnurrvögel - bei den grundlegenden Teilen seines Verhaltens - in unser Spiegelbild.
  • Fragwürdig?

    24.03.2009, Heinrich Nickel, Mühltal
    Ich denke, wir sollten uns immer der erkenntnistheoretischen Grenzen unserer Naturwissenschaften bewusst sein. Deshalb sollten wir uns von anderen Erkenntnisweisen nicht zu sehr abgrenzen und auch einen Blick über den Tellerrand wagen. Wir können dadurch nur gewinnen.

    Ich zitiere in diesem Zusammenhang immer gerne die Parabel vom Ichtyologen des englischen Astrophysikers Sir Arthur Eddington und empfehle die Lektüre der Vortragsmitschrift von "Sind Medizin und Biologie nur Physik? Reflexionen eines Quantenphysikers" von Hans-Peter Dürr (Emeritus des Max-Planck-Instituts für Physik).

    (Anm. d. Red.:) Die Parabel vom Ichtyologen wird in Dürrs Vortrag so berichtet: >>In seinem 1939 erschienenen Buche "The Philosophy of Physical Sciences" vergleicht Eddington den Naturwissenschaftler mit einem Ichtyologen, der das Leben im Meer erforschen will. Dieser wirft dazu sein Netz aus, zieht es an Land und prüft seinen Fang nach der gewohnten Art eines Wissenschaftlers. Nach vielen Fischzügen
    und gewissenhaften Überprüfungen gelangt er zur Entdeckung eines Grundgesetzes der Ichtyologie: Alle Fische sind größer als fünf Zentimeter! Er bezeichnet diese Aussage als Grundgesetz, da sie sich ohne Ausnahme bei jedem Fang bestätigt hatte. Dem kritischen Einwand eines Betrachters, des Metaphysikers, der die grundsätzliche Bedeutung dieses Grundgesetzes mit dem Hinweis auf die 5cm-Maschenweite des Netzes bestreitet, begegnet der Ichtyologe unbeeindruckt mit dem Hinweis: "Was ich mit meinem Netz nicht fangen kann, liegt prinzipiell außerhalb fischkundlichen Wissens, es bezieht sich auf kein Objekt der Art, wie es in der Ichtyologie als Objekt definiert ist. Für mich als Ichtyologen gilt: Was ich nicht fangen kann, ist kein Fisch."<<
  • Was existiert und was wir sehen

    23.03.2009, Heinz Dähling, Elsdorf
    Eine naive Hypothese, die (fast) alles erklärt: Die Welt existiert in vier Dimensionen, aber nicht in Raum und Zeit, sondern in vier gleichwertigen Raumdimensionen und davon "sehen" wir nur drei.

    Vier Dimensionen braucht es zur vollständigen Beschreibung von Gravitation. Elektromagnetische Erscheinungen hingegen kommen zur ihrer vollständigen Darstellung mit 3-D aus. Wir wechselwirken mit unserer Umwelt ausschließlich elektromagnetisch und somit ist auch unsere Anschauung 3-D. Vierdimensionale Ereignisse erfahren wir als Projektion auf die Dreidimensionalität. So bewegen sich Elementarteilchen vierdimensional, gelangen daher bei Beugungsexperimenten an Orte, an denen sie nach klassischer Vorstellung nicht sein dürften. Wir umschreiben das als Welle.

    Ein 3-D-Universum wäre in einer vierdimensionalen Welt so etwas wie die Oberfläche eines Objektes, also gekrümmt und in sich geschlossen (ein n-dimensionales Objekt hat eine n-1-dimensiomnale Oberfläche und Oberflächen sind nun mal in sich geschlossen; „gekrümmt und in sich geschlossen“ ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass überhaupt etwas existiert).

    Elektromagnetische Objekte, also wir selbst und alles was uns umgibt und auch das Licht sind dann nichts anderes als propagierende „Oberflächenstrukturen“ dieses einen 4-D-Objektes. Masse krümmt nicht den Raum, sondern Krümmungen dieser Oberfläche, eben Strukturen, erscheinen uns als Masse. Darin findet dann auch die Äquivalenz von Energie und Masse ihre Begründung, beide sind Strukturen ein und derselben Oberfläche.

    Die Oberfläche, die dreidimensionale, ist erfüllt von einem elektromagnetischen Grundrauschen, da alles, was abgestrahlt wird endlos umläuft, wenn es nicht irgendwo absorbiert wird. Da braucht man nicht das Echo des Urknalls zur Erklärung. Schwarze Löcher, dunkle Materie und was da sonst noch spukt, ließen sich anschaulich begründen. 4-D ist überall. Die Kürze des Leserbriefs lässt leider keine weitere Vertiefung zu.

    Es ist die Raumzeit, die uns die Sicht vernebelt. Die Erfinder derer haben auf die Uhr geschaut, ohne darüber nachzudenken, was eine Uhr eigentlich macht.

    Wenn irgendjemand mit diesen Überlegungen etwas anfangen kann, wäre ich an einer Rückmeldung interessiert.
  • Nicht so überzeugend ...

    23.03.2009, Ulysse Keller, Zürich
    ... finde ich den Artikel, weil er von der bloß etwa 300 Jahre alten temperierten chromatischen Tonleiter mit 12 gleichen Halbtönen ausgeht, die im Grunde etwas künstlich ist, auch wenn wir uns seit ihrer Erfindung zu J. S. Bachs Zeit an Musikstücke und viele Musikinstrumente derart an sie gewöhnt haben, dass viele nichts von der Temperieung ahnen oder diese Tonleiter als natürlich empfinden.

    Wo der Artikel die bekannte, vermutlich richtige Annahme benutzt, dass Intervalle wohl klingen, die zu Übereinstimmung bei Obertonfrequenzen führen, wird z. B. von einem Frequenzverhältnis 3:2 für eine Quinte ausgegangen. Ansonsten wird für dasselbe Intervall 7 Halbtöne mit 1/12 einer Oktave angenommen. Das ergibt ein Frequenzverhältnis 2 hoch 1/12 = ca. 1,4983, so nahe an 1,5 dass der 'normale' Hörer den Unterschied praktisch nicht hört, wodurch sich diese Tonleiter durchsetzen konnte (was ich wohlbemerkt durchaus gut finde). In einer Grundsatzfrage wie die im Artikel diskutierte sollte dies nicht ignoriert werden. Das um so mehr, als die Abweichungen bei den anderen relevanten Intervallen unter einer Oktave mehr ins Gewicht fallen, vor allem relativ zum Intervall, wenn dieses eher klein ist.
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften:

    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.
    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.
    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.
    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Frag-würdig

    23.03.2009, Maxim Graf, Quickborn
    Der Erhalt des Templeton-Preises zählt für einen Wissenschaftler aus meiner Sicht eher als Herabwürdigung. Nichts gegen originelle und weither geholte Einfälle, auch abstruse Ideen.

    Mir wäre es aber äußerst peinlich, von dieser Organisation zur Verbreitung von Religion und Aberglaube einen Preis zu erhalten.

    Auch der Redation eines populärwissenschaftlichen Magazins sollten die unwissenschaftlichen Ziele der Templeton-Foundation bekannt sein. Dieser Preis eines ehemaligen Autors ist kein Grund zum Jubeln.
  • Schattenboxen um Popper

    21.03.2009, Prof. Dr. Andreas Beyer, Essen
    Dieser sehr interessante Beitrag über Wissenschaftstheorie kann nicht unwidersprochen bleiben; insbesondere ist es immer wieder ärgerlich, wenn Karl Popper Ansichten zugesprochen werden, die er nicht vertreten hat.
    1.) hat Popper in der Logik der Forschung unfalsifizierbare Sätze nicht als „pseudowissenschaftlich“ bezeichnet, sondern als „metaphysisch“ – das ist ein riesiger Unterschied. Ersteres ist eindeutig negativ wertend, und man darf dieses Verdikt nur aussprechen, wenn man positive Evidenz für Unwissenschaftlichkeit vorweisen kann. „Metaphysisch“ hingegen bedeutet zunächst einmal nur, dass ein Satz nicht überprüfbar und daher nicht zu entscheiden ist. SELBSTVERSTÄNDLICH ist es unser Job als Wissenschaftler, dies zu ändern – so wie es im Beispiel der Gravitationslinsen geschehen ist.
    2.) Eine Theorie, von der man nicht wissen kann, ob sie falsifizierbar ist, bleibt aus exakt diesem Grund so lange metaphysisch, bis die Falsifizierbarkeit geklärt ist, um über diesen Weg am Ende als „gut betätigt“ oder „falsch“ klassifiziert zu werden. Es ist absurd anzunehmen, die Wissenschaft würde sich mit Widersprüchen oder nicht-Falsifizierbarkeit dauerhaft zufrieden geben: Die (z.Zt. noch metaphysische) Multiversum-Hypothese wird am Ende entweder die Deduktion prüfbarer Aussagen erlauben (und dann bestätigt oder widerlegt werden), oder aber sie wird im Kuriositäten-Kabinett verschwinden, wo sie dann auch hingehört. Übrigens: Die im Artikel gemachte Aussage, das Multiversum sei eine Konsequenz der Quanten- und Relativitätstheorie, ist falsch: Es ist eine Konsequenz der Everett’schen INTERPRETATION der Quantenphysik, Niels Bohrs Interpretation gelangt zu ganz anderen Szenarien.
    3.) Man sollte Popper mit dem zitieren, was er auch tatsächlich vertreten hat. Wenn Frau Goldstein meint, 'Popper unterstelle den Wissenschaftlern Distanz zu ihren Theorien, so dass sie diese ständig „abzuschießen“ versuchen', sollte sie nochmals in Poppers Werk nachlesen: Ihm war völlig klar, dass Wissenschaftler i.d.R. eben keine solche Distanz aufbauen werden, und so ergänzte er 'wenn der betreffende Wissenschaftler schon nicht gewillt sein wird, zu versuchen, seine Theorien auf Herz und Nieren zu prüfen und umzustoßen, so wird es sein Kollege im Labor nebenan sicherlich sein – und nur darauf kommt es an'.
    4.) Auch die Behauptung, Poppers Wissenschaftsbegriff müsse bei Konfrontation mit der Realität „kollabieren“, ist schlicht falsch, denn in der Debatte um Popper wird ständig etwas wichtiges übersehen: Popper war ein Systematiker, der sich für das Prinzip und wenig für den Wissenschaftsalltag interessiert. Trotzdem war auch ihm klar, dass die wissenschaftliche Welt nicht einfach, die Beobachtungs- und Versuchsresultate in aller Regel mehrdeutig sind. Aus genau diesem Grund hat er explizit darauf hingewiesen, dass auch die falsifizierenden Beobachtungen und Ergebnisse ggf. selbst falsifikationsfähig (auf jedem Fall aber zu überprüfen!) sind. Konsequenterweise hat er sich auch nicht um die Frage gekümmert, wann denn nun nach einer Falsifikation eine ganze Theorie widerlegt ist oder ob sie vielleicht bloß unvollständig war. (So wie übrigens die Newton’sche Mechanik, die eben nicht, wie im Artikel behauptet, falsch ist, sondern die lediglich einen geringeren Allgemeinheitsgrad, einen kleineren Geltungsbereich aufweist als die Relativitätstheorie). Vergleicht man unter diesem Aspekt Popper mit dem „Bayes’schen Vorgehen“, so erweist sich die Diskrepanz als Scheinwiderspruch: Popper beschreibt das Prinzip, Bayes die Praxis.

    Dr. Andreas Beyer
    Prof. f. Molekulare Biologie
    Essen
  • Dur & Moll: die Stimmung natürlicherweise unterschiedlich?

    21.03.2009, Prof. Dr. Andreas Beyer, Essen
    In dem sehr interessanten Beitrag von Cook und Hayashi ist zunächst ein Fehler zu berichtigen: Das erhöhte, also größere Intervall (die gr. Terz) bildet einen Dur-Dreiklang, das kleinere Moll – im vorletzten Absatz wurde es umgekehrt dargestellt. Die Beziehung, welche die Autoren zur sprachlichen Intonation herstellen, wird damit fragwürdig.
    Zu ergänzen ist ferner ein Aspekt, der sehr wohl einen Ansatz zum Verständnis der emotionalen Wertigkeit von Dur vs. Moll liefert: Die Dur-Terz ist ein früh in der Obertonreihe des Grundtones auftretender Ton (nämlich bereits der vierte), während die Moll-Terz SEHR viel später folgt. Insofern ist Dur aufgrund der näheren Verwandtschaft der beteiligten Töne der „natürlichere“ Akkord, das könnte sehr gut erklären, dass wir ihn als angenehmer empfinden. Dass das Hörempfinden kulturell stark überprägbar ist, muss natürlich mit einkalkuliert werden.
    Dr. Andreas Beyer
    Prof. f. Molekulare Biologie
    Essen
    Antwort der Redaktion:
    Sammelantwort der Autoren auf alle Zuschriften


    Zunächst möchten wir allen Kommentatoren für ihre sorgfältige Lektüre des Artikels und die anregende Diskussion danken. In der Tat ist die Abbildung, die das Phänomen der Obertöne grundlegende erklären soll, durch den Vergleich zur bekannten Klaviatur etwas unpräzise, beispielsweise müsste F2 näher bei F3 liegen. In der heute üblichen wohltemperierten Stimmung allerdings werden die Unterschiede ein wenig nivelliert. Detlev Rosbach hat natürlich Recht damit, dass beispielsweise der 6. Oberton, vom Grundton aus gesehen, zwischen dem 33. und 34. Halbton liegen würde, mit C als Grundton also wäre das ein Ton zwischen A und Bb. Musikalisch bedeutet das übrigens, dass höhere Ordnung der Obertöne immer etwas Dissonanz erzeugen, was heute allgemein akzeptiert wird, in den Stimmungen des Mittelalters Bedeutung hatte.


    Wie Theo Hartogh richtig moniert, wird das Deutschlandlied nicht immer in D-Dur gespielt, Haydn komponierte die Melodie ursprünglich in G-Dur. In der wohltemperierten Stimmung bedeutet die Wahl einer anderen Dur-Tonart lediglich ein Verschieben der Tonhöhe, der grundlegende Charakter – kraftvoll, hell, optimistisch – ändert sich dadurch nicht. Hartogh irrt, was den Beatles-Song »Yesterday« angeht: Die Tonfolge von »Why she had to go« ergibt einen Moll-Akkord in 2. Umkehrung auf (D, G, Bb), so erzielte Paul McCartney den beabsichtigen Eindruck von Verlorenheit und Trauer.


    Dieser Moll-Charakter bleibt übrigens auch dann erhalten, wenn man die Passage mit Dur-Akkorden begleitet. Dennoch steht die Bedeutung des musikalischen Kontextes von Mehrklängen und Tonfolgen für deren Funktion innerhalb eines Stücks außer Frage. Der Clou unserer Arbeit ist aber gerade, dass wir einen biologischen „Mechanismis“ entdeckt haben, der einen Dur- oder Moll-Charakter auch dann zu erklären vermag, wenn Akkorde und Sequenzen für sich allein, also ohne Kontext erklingen. Und dieser Charakter entspricht der musikalischen Erfahrung.


    Die Tonalität von Dreiklängen wird unseres Erachtens also primär von ihrer akustischen Struktur, nicht von der jeweiligen Kultur mit ihren Wahrnehmungsgewohnheiten bestimmt. Auch wenn seit der Renaissance meist mit Bezug zur Dur-Tonalität komponiert wurde, symmetrische, spannungsvolle Akkorde hingegen seltener Verwendung fanden, eignen sie sich unseres Erachtens besser als Referenz, um die emotionale Qualität von Mehrklängen modellhaft zu untersuchen.


    Ein Blick auf nichtwestlichen Musikkulturen ändert daran übrigens nichts, mögen diesen 5-, 7- oder gar 22-tönige Skalen zugrunde liegen. Auch dort gibt es Tonfolgen mit implizit Dur- oder Moll-Charakter. Das gilt für traditionelle chinesische und japanische Stücke ebenso wie für nordindische Ragas. Die Wahrnehmung der Tongeschlechter ist also ein Kulturen übergreifende Phänomen und das spricht wohl ebenfalls für eine biologische Grundlage.
  • Literatur zum Thema Höhlenlöwen

    21.03.2009, Ernst Probst, Wiesbaden
    Über Höhlenlöwen in Europa, Asien und Amerika informiert das Taschenbuch "Höhlenlöwen. Raubkatzen im Eiszeitalter" des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Es umfasst 332 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und enthält eine umfangreiche Liste über Funde von Höhlenlöwen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Was war Ötzi von Beruf?

    17.03.2009, Charlotte Staffehl
    Was hatte Ötzi für einen Beruf ?!
    Antwort der Redaktion:
    Welchen Beruf Ötzi hatte, dürfte wohl sein Geheimnis bleiben - aus den Fundstücken auf einen bestimmten Beruf zu schließen ist unmöglich. Vielleicht war er Schamane, Hirte, Jäger oder Handwerker, vielleicht Vagabund. Da die Dinge, die er bei seinem Tod mit sich führte, für viele Berufe denkbar sind, bleibt viel Spielraum für Spekulationen und Fantasie.
  • Anode? Kathode?

    17.03.2009, Fritz Diem, 81476 München
    Meine rudimentären Kenntnisse der Elektrotechnik stammen noch aus der Zeit der Trioden und Pentoden. Elektonen flögen - so hat man uns beigebracht - zur Anode und weiter durch den Arbeitswiderstand zum Pluspol der Anodenbatterie.
    Im Kasten auf Seite 92 ist das aber recht unklar: Zumindest fehlt eine Bezeichnung, in welcher Richtung der Strom fließt beim Laden und Entladen. Ein Zeichen für Plus- und Minuspol wäre auch angebracht gewesen.

    Zudem: Nennt man die Elektrode, die beim Entladen Elektronen liefert, in der Elektrochemie wirklich Anode, wie im Text darunter behauptet wird?
    Antwort der Redaktion:
    Die Abbildung ist tatsächlich etwas unklar. Gezeigt und in der Bildunterschrift beschrieben ist nur der Entladevorgang und der dazugehörige Stromfluss (Pfeil rechts oben).


    Ansonsten gilt, dass die Kathode Elektronen an die Elektrolytösung abgibt und die Anode Elektronen aus der Lösung aufnimmt. Dann aber liefert die Anode (als Minuspol) die Elektronen in den Stromkreis. Das Missverständnis kann wohl entstehen, weil man den Elektronentransport mit Bezug auf die Lösung oder auf den Stromkreis beschreiben kann.
  • Das glaube ich Ihnen keineswegs

    17.03.2009, Dr. Klaus Fabian, Waldkraiburg
    Da ich selbst Chemiker bin, hätte ich gerne Genaueres über den Aufbau der Lithium-Ionenbatterien erfahren. Aus genanntem Artikel kann ich das nicht, da der Autor den Chemismus leider selbst nicht verstanden hat.

    Auf S. 91 steht: "Beim Aufladen wandern Lithiumionen von der Kathode weg und setzen sich im Graphit (der Anode) fest." Auf S. 92 unten lese ich dagegen: "... es wandern positiv geladene Li-Ionen von der Anode ... zur Kathode. An der Anode werden dabei Elektronen frei, die als Strom zum Verbraucher fließen." Beides ist Unsinn. An der Kathode gehen natürlich Lithiumionen in Lösung und werden Elektronen frei; und beim Wiederaufladen kehren die Lithiumionen zur Kathode zurück, denn es sind ja Kathionen.

    Auf derselben Seite oben liest man von Anodenmaterial Lithiumtitanat. Gemeint ist wohl Kathodenmaterial. Falls die Anode nur aus Graphit besteht und der Elektrolyt Lithiumnitrat enthält, würde mich interessieren, was beim Aufladen mit dem Nitrat passiert, das ja als Anion zur Anode wandert.

    Im Übrigen: Dass die Zukunft elektrisch fährt, glaube ich Ihnen keineswegs. Hinsichtlich Energiedichte, auch Bequemlichkeit, sind flüssige Treibstoffe wie Benzin, Diesel (auch Methanol aus Kohle) immer überlegen, solange man in Kraftwerken und Heizungen weltweit massenhaft Öl (auch Kohle) verfeuert.
    Antwort der Redaktion:
    Ihre erste Bemerkung müssen wir (leider) unumwunden bestätigen.

    Zum Thema des Anodenmaterials Lithiumtitanat: Hier geht es tatsächlich um eine Anode. Da die Firma Altairnano allerdings ein Patent auf ihre Technologie und genauere Informationen unter Verschluss hält, ist Genaueres nicht zu erfahren. Soviel ist aber bekannt, dass die Anode - bei der Graphit durch Li-Titanat ersetzt wurde - dank der Nanostrukturierung eine extrem hohe Oberfläche besitzt, sodass die Ladungsträger viel besser andocken beziehungsweise die Anode verlassen können.
  • Erste Brustamputation

    17.03.2009, Jörg Michael, Hannover
    Im Kasten "Meilensteine der Brustkrebstherapie" (S. 40) schreiben Sie, dass die erste Brustamputation im Jahr 1882 stattfand. Wie ich soeben in der aktuellen Ausgabe des "New Scientist" (7. März 2009, S.44)
    erfahren habe, muss man dieses Datum offenbar noch um etliche Jahrzehnte nach vorne korrigieren.


    So wurde die englische Schriftstellerin Fanny Burney bereits im Jahr 1811 auf diese Weise behandelt - und das ohne Betäubung.
    Aber auch dies war nicht die weltweit erste Brustamputation wegen Brustkrebs.
    "Unknown to the rest of the world" hat der japanische Chirurg Seishu Hanaoka bereits am 13. Oktober 1804 bei der 60-jährigen Kan Aiya die krebskranke Brust
    entfernt - und hat dabei ein von ihm entwickeltes, auf einheimischen Pflanzen basierendes Narkosemittel benutzt.


    Da Hanaoka die Anregung zur Brustamputation als Brustkrebsbehandlung aus Beschreibungen in "westlichen Büchern" bezogen hat und anschließend fast
    zwanzig Jahre für die Entwicklung seines Narkosemittels gebraucht hat, könnte es sein, dass die allererste Brustamputation sogar noch ein paar Jahrzehnte früher stattgefunden hat.
  • Zuschreibung eigener Motive auf das Gegenüber

    16.03.2009, Dipl.-Med. Andreas Thumulla, Bomlitz
    An Ihrem Kurzbericht wird das Phänomen der Zuschreibung eigener Motive auf das Gegenüber deutlich. An dem Beispiel zeigt sich ein eklatantes Problem unserer heutigen Gesellschaft.

    Entgegen der Schlussfolgerung des Testberichts ist der Hund nicht neidisch. Wäre er es, dann würde er aggressiv gegenüber dem bevorzugten Hundekollegen reagieren. Dieser schaut aber gar nicht ängstlich. Der Beleidigte begreift offenbar, von wem er ungerecht behandelt wurde und ist abweisend gegenüber dem, der die Spielregeln verletzt. Das heißt, er agiert die Spannung nicht affektiv an dem Blitzableiter aus, weil er Angst vor dem Untersucher hat, sondern reagiert logisch auf dem Boden der Regel und präsentiert sich souverän gegenüber dem Regelverletzer. Das Gerechtigkeitsgefühl ist nachgewiesenermaßen genetisch-neurobiologisch präformiert.

    Wer hier nicht versteht und destruktive Motive unterstellt (projiziert), das ist der Mensch.

    Der gleiche Effekt ist gegenwärtig im Sozialsystem zu beobachten: Wer auf Ungerechtigkeiten hinweist, der wird des Neides bezichtigt. Angriff ist die beste Verteidigung des Argumentlosen. Eigene Aggression wird unter dem Vorwurf der Aggression versteckt.

    Aber schon Konfuzius wusste: „Wenn sich die Worte verwirren, bleiben die richtigen Dinge unbenannt, die wichtigen Dinge ungetan und der Staat verdirbt.“

    Ein Beispiel: Eine Bank kann einem Siebzigjährigen keinen Kredit über acht Jahre geben. Aber sie kann 1000 Siebzigjährigen einen Kredit über acht Jahre geben, wenn sie eine durchschnittliche Lebenserwartung von 10 Jahren haben.

    Das stimmt aber nur, wenn die 1000 nichts miteinander zu tun haben. Wenn sie aber alle in einem Altersheim leben und von derselben Grippewelle dahingerafft werden können, dann ist das Risiko nicht gestreut, sondern gebündelt.

    Ebenso war die Risikostreuung der "Giftpapiere" CDO-Derivate keine Streuung, sondern eine Bündelung, denn die Risiken waren über den erhitzten Immobilienmarkt verbunden. Der Markt suchte ja zwecks "Streuung" des Risikos gerade nach hohen Risiken. Kunden mit niedrigen Risiken wurden überredet, ihr gedecktes Darlehen aufzustocken auf die Höhe des durch eben diese Risikosuche überbewerteten "Wertzuwachses" der Immobilie. Die überschüssigen "Nickelschips" sollten verkonsumiert werden. Als dann weniger neue Risiken (neue Hoffnungen) akquiriert werden konnten als sich manifestierten (platzten), da wurde der Kahn kopflastig.
    Das war insgesamt ein Schneeballsystem, welches in Europa und den USA strafbewehrt verboten ist. Da es aber als "geniales Finanzprodukt" benannt wurde, wurden und werden die falschen Dinge getan. Neue Kredite (Hoffnungen) sollen nun das Kredit-(Vertrauens-)problem lösen. Das ist als ob die Suchtberatung Alkohol ausschenkt, damit ja niemand ins Entzugsdelir gerät (vor allem dem Bürgermeister und dem Sparkassenchef, denn die sind ja "systemrelevant"!).

    Auch in Sozio- und Psychologie muss man eins und eins zusammenzählen können, denn da der Mensch auch Natur ist, unterliegt auch er letztlich Naturgesetzen.


  • Form der Menschentrauben

    16.03.2009, Dr. Lothar Kiefer, Bietigheim-Bissingen
    Bermerkenswert erscheint mir die Form der Menschentrauben vor den Großbildschirmen. Die Menschen versuchen, das Geschehen auf dem Bildschirm unter nicht zu kleinem Winkel zu sehen, wodurch sich als Rand einer Menschentraube in guter Näherung ein Fasskreis durch die Seiten der Leinwand ergibt.
  • Aussage über Vertrauenswürdigkeit einer Theorie

    15.03.2009, Philipp Wehrli, Winterthur, Schweiz
    Die Erkenntnistheorie soll klären, wann eine Aussage oder eine Theorie vertrauenswürdig ist und wann nicht. Genau dies leistet Poppers Kriterium nicht.


    Angenommen, ich habe 100 Steine zum Fenster hinausgeworfen und alle sind hinuntergefallen. Es gibt unendlich viele falsifizierbare Theorien, die mit dieser Beobachtung übereinstimmen, z. B.:


    Theorie 1: Die ersten 100 Steine fallen hinunter, alle weiteren nicht.


    Theorie 2: Die ersten 101 Steine fallen hinunter, alle weiteren nicht.


    Theorie 3: Die ersten 102 Steine fallen hinunter, ...


    Alle diese Theorien sind falsifizierbar. Alle haben sich gleich oft bewährt, wie die Behauptung, alle Steine fallen immer hinunter. Poppers Kriterium sagt uns nicht, welche Theorie die vertrauenswürdigste ist. Wäre Induktion nicht möglich, so hätten wir nicht den geringsten Grund zur Annahme, der nächste Stein falle auch hinunter.


    Hume hat gezeigt, dass Induktion nie zur absoluten Sicherheit führen kann. Das bedeutet aber nicht, dass auch keine Wahrscheinlichkeitsabschätzungen über die Zukunft gemacht werden können. Denn Bayes hat gezeigt, dass dies sehr wohl möglich ist.