Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Noch ein Grund für die Überlegenheit des christlichen Abendlandes

    07.04.2008, Hermann Block
    Ein weiterer Grund für den Erfolg des Christentums liegt m. E. darin, dass der Religionsstifter ein Handwerker, nämlich Zimmermann, war. Das hat den kleinen Handwerker gesellschaftlich enorm aufgewertet. Der so genannte "Gelehrte", der sich nicht die Finger schmutzig zu machen brauchte, hatte nun nicht mehr alleine das Sagen, und der wissenschaftlich interessierte Mensch wurde ermutigt, sich auch praktisch zu betätigen. Zur Zeit erleben wir wieder eine Abkehr von dieser erfolgreichen Geisteshaltung. Der praxiserprobte, erfahrene "Meister" gilt nichts mehr, es muss ein "Studierter" sein.
  • AdenosinTriArsenat?

    06.04.2008, Rüdiger Kuhnke, München
    Die starke Giftwirkung des Arsens beruht nicht darauf, daß Phosphoratome im Organismus, insbesondere im ATP, verdrängt werden, dies ist erst bei langanhaltender Belastung der Fall. (Die Substitution einzelner Atome in Proteinen ist eher bei Schwermetallen zu finden.) Vielmehr ist es die starke Affinität zur Thiolgruppe und die daraus resultierende Anlagerung an manche Proteine, die letztendlich zum Tode führen können.
    Zum Thema Silicium-Leben: Das ist ein alter Hut in der Science Fiction und ein Thema, über das sich phantasievoll spekulieren läßt. Nur zwei Einwände: die für die Vielfalt der Lebensvorgänge wichtigen C=C-Doppelbindungen existieren meines Wissens nur in syntehtischen Si-Verbindungen, und die Reaktionsgeschwindigkeiten würden viele wichtige Vorgänge viel zu langsam ablaufen lassen. (Eine biologische Zelle arbeitet mit enorm hoher Taktrate!)
  • So schwer ist die Gleichung gar nicht

    04.04.2008, Prof. Manfred Trümper, F-30700 Uzès
    "Alle Punkte (x, y, z) im Raum, die eine Gleichung wie x2z2 + z4y2z3 = 0 erfüllen, bilden eine Fläche. Aber wieder gibt es kein allgemeines, formelmäßig beschreibbares Verfahren,
    die Punkte dieser Fläche zu finden. Um sie darzustellen, muss der Computer ziemlich viele Punkte durchprobieren".

    Mit dem zweiten Teil dieser Aussage kann ich mich nicht einverstanden erklären. Auflösung der Gleichung nach y ergibt nämlich

    y = ± z √ (z2z + x2),

    und nun muss man nur noch sehen, für welche Punkte der xz-Ebene die Wurzel reell, d.h. z2z + x2 > 0 ist.

    Das alles lässt sich mit Kenntnissen der Schul-Mathematik machen.
    Danach muss der Computer überhaupt nichts mehr "durchprobieren", sondern kann die Flächenpunkte direkt berechnen und darstellen.

    Für viele andere Gleichungen höherer Ordnung trifft Ihre Aussage wohl zu, aber dann ist das gewählte Beispiel vielleicht einfach zu simpel.
  • Energiespeicherung mangelhaft

    04.04.2008, Dieter Sulzbacher, Traismauer
    Der tatsächliche Wirkungsgrad von Druckluftenergiespeichern kann, zieht man von der abgegebenen Energie jenen Betrag ab, welcher in Form von Erdgas zum Vorwärmen der Luft verwendet wird, wohl kaum in einem sinnvollen Bereich für eine reine Speicheranlage liegen. Die erhebliche Wärmeenergie, die beim Verdichten der Luft frei wird, soll, wie es gemäß der Skizze auf S.67 den Anschein hat, an die Atmosphäre abgeführt werden. Daher stellen diese Anlagen wohl quasi eine Möglichkeit dar, momentan nicht benötigte Energie später zur Erhöhung des Wirkungsgrades von Gasturbinen zu verwerten. Es soll nicht darüber hinweggetäuscht werden, dass es an wirtschaftlichen Lösungen, große Energiemengen zu speichern, derzeit noch mangelt.
  • Unzulässige Schlussfolgerung

    04.04.2008, Frank Düpmann, Berlin
    Ich halte die Schlussfolgerung des Autors "Die Klimaziele [...] können nur mit Verlängerung der Laufzeit der Kernkraftwerke erzielt werden." für schlicht unzulässig. Die vorgestellten und untersuchten Szenarien beinhalten nicht einmal ansatzweise alle bzw. andere mögliche Alternativen, wie z.B.:
    - Blockheizkraftwerke (Wirkungsgrad ca. 90%) vs. Großkraftwerke (Wirkungsgrad ca. 50%) - diese können auch Grundlast erzeugen.
    - Energieeinsparung (auch über politische Maßnahmen) - in Australien sind normale Glühbirnen nicht mehr im Verkauf! Warum bei uns noch?
    - Erzeugung von Solarenergie außerhalb von Deutschland - Transport z.B. als Wasserstoff - wo steht denn, dass alle Kraftwerke in Deutschland stehen müssen?

    Der Artikel ist einseitig auf die Interessen der heutigen Stromerzeuger zugeschnitten. Ich halte es für keine gute Idee, die Risiken und Umweltschäden der Kernenergie gegen die Risiken der CO2-Problematik auszutauschen. Hier wird der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben! Es ist auch kein Argument, dass wir das auch tun müssen, nur weil das woanders so gemacht wird!

    Was fehlt, gerade auch aus der Forschung heraus, sind endlich einmal wirkliche Alternativkonzepte. Auch wenn die den bisherigen Monopolstrukturen in der Energieerzeugung entgegenstehen.

    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors:

    Die von Ihnen genannten möglichen Alternativen können auch nicht ansatzweise bis 2020 quantitativ den Verlust von 176 TWh elektrischer Energie aus Kernkraftwerken ausgleichen:
    1.die Blockheizkaftwerke haben einen GERINGEREN Wirkungsgrad der Umwandlung von Wärme in elektrische Energie, weil die Temperatur des "kalten Bades" höher gewählt werden muss und der Carnot-Wirkungsgrad mit der Differenz zwischen hoher und niedriger Temperatur des Kreisprozesses geht. Allerdings wird die Abwärme zur Heizung verwendet, sodass der Nutzungsgrad der Wärme höher ist. Das ist sinnvoll bei mittelgroßen Einheiten wie Krankenhäusern oder großen Bürogebäuden, bei denen über das ganze Jahr hinweg ein Bedarf an Wärmeleistung besteht. Für die Wohnungsheizung sind die BHKW weniger geeignet, da im Sommer kein Bedarf besteht.
    2. Energieeinsparung wird im Munde geführt, aber von Privatleuten wenig forciert- der Ersatz von Glühbirnen ist eine publikumswirksame Maßnahme, die 1% des Stromverbrauchs einspart; der Stromverbrauch in Deutschland nimmt im Jahr um 1% zu.
    3.Ich bin ein großer Verfechter von solarthermischen Kraftwerken im Süden. Der Bau solcher Kraftwerke in Südspanien war schon 1995 ein Vorschlag der DPG an das Wirtschaftsministerium, erst jetzt wird er umgesetzt. Andasol-1 in Andalusien bringt bei Sonne 50 MW Leistung, im Jahr 0.18 TWh Energie. Es kostet 300 Mill.Euro. Um ein Kernkraftwerk mit 10 TWh/a zu ersetzen, braucht man 50 solche Kraftwerke in Spanien , etwa 90 Quadratkilometer Fläche und 15 Mrd.Euro Investitionen.
    Ein solches Kraftwerk in Deutschland würde wegen der geringeren Sonneneinstrahlung 200 Quadratkilometer Fläche beanspruchen.
  • Der Weg zur Privattankstelle

    03.04.2008, Sebastian Putzke, Clausthal-Zellerfeld
    Zeigt uns die künstliche Photosynthese nicht genau das, was wir in der neuen Ölkrise brauchen?
    Dem Ziel einer unabhängigen Treibstoffversorgung aus solarer Erzeugung ohne treure Solarzellen oder Kollaps der Landwirtschaftlichen "Ökosysteme" sind wir hier doch gewaltig näher gekommen, glaube ich.
    Meiner Meinung nach sollte dieses Gebiet mehr Aufmerksamkeit bekommen und auf sein Potenzial hin näher beleuchtet werden.
  • CO2 bleibt in der Atmosphäre

    03.04.2008, Daniel Neike, Aachen
    Im ersten Abschnitt wird gesagt, dass das einmal entstandene CO2 nicht mehr aus der Atmosphäre zurückgeholt werden kann. Zitat: Einmal entstanden, kann es von dort nicht mehr zurückgeholt werden.
    Meines Wissens stimmt das nicht, denn Pflanzen zum Beispiel benutzen CO2 bei der Photosynthese, um daraus Glukose zu machen. Als ich dies gelesen habe, hat mir der Artikel irgendwie keinen Spaß mehr gemacht, obwohl ich das Thema sehr spannend finde. So ein Fehler darf nicht passieren denke ich, sofern meine Behauptung stimmt. Der ganze Artikel danach ist in meinen Augen dann nicht mehr lesenswert, wenn solche Fehler passieren.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Neike,


    wenn Sie in meinem Buch (Wer im Treibhaus sitzt - wie wir der Klima- und Energiefalle entkommen, Piper Verlag München 2007) die Seite 163 aufschlagen, sehen Sie die Entwicklung der CO2-Konzentration von 1957 bis 2006, gemessen von Charles Keeling auf Mauna Loa, Hawaii. Daraus können sie entnehmen, dass in der Tat im Sommer die Pflanzen der Nordhalbkugel den CO2-Gehalt der Atmosphäre geringfügig absenken ( um etwa 5 ppm), im Winter geht der Wert dann wieder nach oben, weil die Blätter abfallen und vermodern. Die Südhalbkugel hat viel weniger Pflanzen, deshalb der Effekt der "Atmung" der Biosphäre.

    Aber dieser Effekt wird überlagert vom unaufhaltsamen Anstieg der CO2-Konzentration durch die Verbrennung der fossilen Brennstoffe Kohle, Erdöl, Erdgas und durch die Abholzung oder das Abbrennen der Regenwälder zur Gewinnung von Bioethanol. Dieser Anstieg von 280 ppm im Jahr 1840 auf 385 ppm im Jahr 2006 kommt daher, dass das anthropogene CO2 überwiegend nicht im Meer gelöst werden kann, sondern in die Atmosphäre geht und dort bleibt. Wie Sie sehen, ist der menschengemachte Anstieg (105 ppm) inzwischen 20-mal größer als der jährliche Atmungseffekt der Biosphäre.

    Wir verbrennen im Augenblick so viel fossile Brennstoffe, wie in 10000 Jahren (in der Karbonzeit vor 400 Millionen Jahren) durch Photosynthese und anschließende anaerobe Zersetzung gebildet wurden. Das sind 28 Milliarden Tonnen CO2.

    Macht es Ihnen jetzt wieder Spaß, die Sache etwas genauer anzusehen?


    Mit besten Grüßen,


    Konrad Kleinknecht.

  • Keine Werbung für Mathematik

    02.04.2008, Dr. Günter Lichtenberg
    In der Bildunterschrift auf Seite 85 heißt es:

    "Der Walkman setzt 44 000 Zahlenwerte pro Sekunde in Musik um, aber die stehen nicht alle auf der CD. Zur Platzersparnis werden die Daten komprimiert; hier gezeigt ist eine einfache Lauflängen(run length)-Kompression (...)"

    Da haben sich ja gleich ein paar Fehler eingeschlichen! Die Samplerate bei CDs ist 44100 Hz und nicht 44000 Hz. Wenn man 5 Stellen angibt sollten die stimmen. Und natürlich stehen alle Werte auf der CD - denn die enthält ja auch die Originalmusik.

    Das Plakat an sich ist auch keine alltagsnahe Werbung für die Mathematik: Die runlength Methode mag ja ein möglicher Komprimierungsalgorithmus, der aber leider gar nichts mit den üblichen mp3, ogg vorbis oder FLAC Komprimierungen zu tun.
    Antwort der Redaktion:
    Ein Punkt für Sie – die 44000 Hertz hatte ich aus dem Gedächtnis und nicht weiter verifiziert.

    Die Werte stehen in der Tat alle auf der CD – müssten aber nicht. Denn die Lauflängen-Kodierung ist verlustfrei. Der CD-Spieler könnte also die originalen Daten bitgetreu rekonstruieren (was er nicht tut, weil es in der Norm nicht vorgesehen ist).

    Wenn die Schöne auf dem Plakat allerdings einer MP3-Datei lauscht, nimmt sie einen (geringen) Qualitätsverlust in Kauf. Dafür passen mehr Songs aufs Speichermedium. Aber die Mathematik hinter MP3 würde beim besten Willen nicht aufs Plakat passen.

    Christoph Pöppe
  • Wie geht analytisch?

    01.04.2008, Bernhard Becker Neudorfer Markt 9 57057 Duisburg
    Sehr geehrter Herr Breuer,
    Sie schreiben im Editorial 4/08 über einen von Ihnen geschätzten Klimaforscher: “Kleinknecht nähert sich dem Problem nicht ideologisch, sondern analytisch“, und ich frage mich, wie das überhaupt gehen soll. Es gibt zwar bei Kant die Unterscheidung analytisch/synthetisch, die aber seit Quine (1951) als „unempirisches Dogma“ gilt, sodass Sie vermutlich eher damit meinen, Kleinknecht beziehe sich ausschließlich auf (einige von unendlich vielen!) Fakten, deren empirische Existenz für alle Beobachter unbestreitbar ist. Nur – tut das nicht z.B. auch Wolfgang Behringer in seiner „Kulturgeschichte des Klimas“? Und ist es nicht so, dass aus Sicht der heutigen Kognitionswissenschaft sich auch „Fakten“ erst als Ergebnis kontingenter (auch anders möglicher) Unterscheidungen ergeben, bei Bedarf also jeder jeden einen „Ideologen“ nennen könnte? Somit ergeben sich jedoch nicht weiter dekomponierbare Letztelemente, auf die man sich „analytisch“ beziehen könnte, keinesfalls „ontologisch“ für alle Beobachter, sodass die Forderung Platons, die Natur müsse an ihren „Gelenken“ zergliedert werden, leider unerfüllbar bleibt – es sei denn, man hätte gerade den „masterplan“ Gottes zur Hand.
    Vielleicht könnte man sich darauf einigen, dass die Verwendung des Prädikats „analytisch“ außerhalb der Mathematik heute wenig Sinn macht, und im Übrigen auch für Klimaforscher nach wie vor der Satz des Aristoteles gilt, dass Aussagen über die Zukunft nur in der Möglichkeitsform möglich sind.
  • Quanten und Politik

    01.04.2008, Rüdiger Kuhnke, München
    Ein Werk darf in der Science-Fiction-Liste zum Artikel nicht fehlen: "Unternehmen Proteus" von James P. Hogan. Eine wirklich gelungene Mischung aus Vielewelten-Interpretation, Geschichte und Politik, in der man Churchill, Einstein, Teller und vielen anderen bekannten Leuten begegnet. Das ganze noch mit Spannung und Action angerührt.
  • Ablösung des Geisterglaubens

    01.04.2008, Albert Bühler, Feldbach (Schweiz)
    Im Buch "Naturwissenschaften im Kulturvergleich" von Karl Wulff sowie in dessen Rezension scheint eine recht einleuchtende Grundlage der naturwissenschaftlichen und technischen Überlegenheit des christlichen Abendlandes unerwähnt geblieben zu sein:
    Solange die Menschen jedem Gewässer (Bach, Fluss) einen oder mehrere Geister(-herren) zuschrieben, konnten und durften sie nie auf die Idee kommen, deren Wasser um- und über ein Mühlrad zu leiten und damit "zum Arbeiten zu zwingen". Erst die Ablösung solchen Geisterglaubens durch das Christentum machte den Menschengeist frei, so "frech" vorzugehen, was die "neutrale", von (Angst-)Gefühlen tunlich unbeeinflusste, eben wissenschaftliche Erforschung der Natur wie auch die darauf basierende Technik-Entwicklung ermöglichte.
  • Universum als Überlagerung möglicher Welten

    01.04.2008, Gerhard Fischer, 2125 Neubau, Österreich
    Meines Erachtens existieren die von Everett vorgeschlagenen parallelen Welten nicht in verschiedenen Universen, sondern unser Universum besteht aus der quantenmechanische Überlagerung von vielen verschiedenen möglichen Welten. Der Urknall unseres Universums war ein quantenmechanischer Prozess und diese Prämisse führt zu bemerkenswerten Vorhersagen, zum Beispiel zur Berechnung der tatsächlich gemessenen räumliche Verteilung der kosmischen Hintergrundstrahlung.

    Das heisst auch, dass man aufgrund der quantenmechanischen Prinzipien nicht voraussetzen kann, dass ein bestimmter Verteilungszustand der Ursuppe zur Zeit Inflation vorhanden war, sondern dass alle Verteilungsmöglichkeiten gleichzeitig als Überlagerungen realisiert waren. Das ist die universale Wellenfunktion. Erst aufgrund einer Messung kollabiert die Wellenfunktion zu dem konkreten Messwert, den wir beobachten. Nach Everett wird in jeder parallelen Welt ein anderer Messwert festgestellt.

    Hier möchte ich einige zusätzliche Gedanken anbringen.

    Das Prinzip der Dekohärenz ist für das Universum als Ganzes nicht anwendbar. Dieses geht ja davon aus, dass die Photonen die an einer Messung beteiligt sind, in die Umgebung entweichen. Ein Universum hat keine Umgebung, daher kann keine Dekohärenz stattfinden. Der Zustand des Universums war und ist in einem unbestimmten Zustand.

    Genaugenommen kollabiert die universale Wellenfunktion nicht zu einem einzigen speziellen Messwert, sondern zu einem Subset von Wellenfunktionen (ich nenne es Wellenfunktionsbündel), die dadurch festgelegt sind, dass in allen der gemessene Messwert fix ist. Alle anderen denkbaren, aber (noch) nicht tatsächlich gemessenen Messwerte bleiben als Möglichkeiten in dem Wellenfunktionsbündel erhalten. Mathematisch ist ein Wellenfunktionsbündel die Menge aller Eigenfunktionen der universellen Wellenfunktion, die zu demselben Eigenwert bzw. zur selben Menge von Eigenwerten gehören, welche die beobachteten Messwerte representieren.

    Eine fundamentale Art einer Messung ist die Beobachtung eines Ereignisses durch das Bewußtsein eines Menschen. Durch jede konkrete Beobachtung eines Menschen wird das Wellenfunktionsbündel enger und enger. Aber da es aus einem Kontinuum von Eigenfunktionen der universellen Wellenfunktion besteht, bleibt die Unbestimmtheit und daher die Menge von Freiheitsgraden trotzdem stets unendlich.

    Wellenfunktionen haben die Eigenschaft, streng deterministisch zu sein. Nur der Messvorgang stört auf unerklärliche Weise diesen Determinismus. Dieses Paradoxon kann meines Erachtens durch das Modell des Wellenfunktionsbündels aufgelöst werden: Alle elementaren Wellenfunktionen eines Wellenfunktionsbündels bleiben deterministisch, durch die Messung wird „nur“ jenes Wellenfunktionsbündel aus der universellen Wellenfunktion ausgewählt, das den/die beobachteten Messwert(e) enthält.

    Es könnte der Einwand gebracht werden, dass durch die Auswahl eines Wellenfunktionsbündels die Vergangenheit geändert wird, was unmöglich sei. Doch ist dies kein Gegenargument. Die Vergangenheit ist sowieso unbestimmt – siehe oben. Die festgelegte Vergangenheit ist eine Fiktion. Weiters sind die Begriffe von Vergangenheit und Zukunft durch den Determinismus der Wellenfunktion sowieso bedeutungslos weil gleichwertig, da deren Zustände streng ineinander abgebildbar sind.

    Einen anderen Einwand würde ich gelten lassen: dass nämlich der Kollaps der Wellenfunktion noch immer nicht verhindert ist, sondern nur verschoben ist, nämlich hin zum Zeitpunkt des Urknalls. Ich sehe in diesem Modell dennoch einen Fortschritt, da dadurch mehrere Rätsel (Kollaps und Ursache des Urknalls) zu einem einzigen Rätsel zusammengefasst sind und wenigstens die weitere Entwicklung des Universums widerspruchsfrei dargestellt werden kann.

    Die universelle Wellenfunktion kann konzeptionell auch die Überlagung von Welten mit unterschiedlichen Naturkonstanten beinhalten. Wenn ein Mensch andere Menschen beobachtet, die Umwelt beobachtet, deren chemische Zusammensetzung feststellt etc., wird durch diese Beobachtungen auf natürliche Weise jenes Wellenfunktionsbündel ausgewählt, in dem all dies möglich ist. Das antropische Prinzip ergibt sich automatisch daraus.

    Eine knifflige Frage bleibt mir offen: Kann es auch Welten geben, in der die Quantenmechanik nicht gültig ist?
  • Lobbyismus?

    30.03.2008, Martin Grün, Neckarsulm
    So löblich und auch unbedingt notwendig die Kritik an der CO2- Endlagerung ist, vielleicht wäre auch ein Satz zu der unklaren Situation der Endlagerung im Kernkraftbereich sinnvoll gewesen und wenn nur um eine Ausgewogenheit der Betrachtung zu ermöglichen.
    Wenn ich das richtig sehe, beruht der Artikel überwiegend auf der Studie Klimaschutz und Energieversorung der dpg von 2005, die auf deren homepage heruntergeladen werden kann.
    Stimmt es eigentlich, dass zurzeit ein erstaunlich hoher Anteil der Reaktoren in Deutschland heruntergefahren ist oder auf Sparflamme läuft, um sich über die nächste Bundestagswahl hinweg zu retten? Wenn dem so wäre, kann es mit der knappen Energie hier ja nicht so weit her sein und die Aussagen von 40% Überkapazität stimmen doch.
    Eine Lücke von 26% tut sich dann also nicht auf oder? Wie lange weiß denn die Stromindustrie schon, dass die Kernkraftwerke 2020 abgeschaltet werden? Ist glaub ich auch schon etwas her. Läuft eben wie bei der Selbstverpflichtung der Automobilindustrie mit der CO2-Begrenzung. Täuschen, jammern und hoffen, dass man drumrum kommt. Und mit den Rieseneinnahmen lieber andere Energieversorger aufkaufen als in die Zukunft zu investieren.
    Antwort der Redaktion:
    Antwort des Autors an Herrn Grün:


    Gerne füge ich einen Bemerkung zur Endlagerung der abgebrannten Brennelemente an, die Sie vermißt haben:
    Das Endlager für CO2 ist die Atmosphäre oder vielleicht (irgendwann) der Untergrund in Norddeutschland. Die Menge von CO2 ist 400 Millionen Tonnen pro Jahr, die Menge von Uranrückständen 400 Tonnen pro Jahr. Der Salzstock Gorleben wurde vor 30 Jahren als bester Standort bestimmt, der Salzstock besteht seit 70 Millionen Jahren unverändert, das Gestein ist hart, es hält 200 Bar Druck aus. Die Eignung des Endlagers Gorleben wäre langst bekannt ,wenn nicht der Minister Trittin im Jahr 2000 die Untersuchung gestoppt hätte, zu der er verpflichtet ist. Es spielt für das Endlager keine große Rolle, ob die Rückstände von 30 oder von 50 Jahren Betrieb eingelagert werden müssen.
    Conclusio: Das Risiko des Klimawandels mit seinen sozialen Folgen , Bevölkerungswanderungen und möglicherweise Kriegen ist schlimmer als die Einlagerung einer vergleichweise kleinen Menge abgebrannter Brennstäbe im Salzstock.
  • Artikel nur auf den ersten Blick ausgewogen

    30.03.2008, Ullrich Martini, München
    Der Artikel "Energie und Klimawandel" von Konrad Kleinknecht wirkt auf den ersten Blick ausgewogen, bei genauerem Hinschauen ergeben sich doch ein paar Korrekturen und Anmerkungen:
    1) Laut VDN betrug die in 2007 von der Windenergie abgegebene Strommenge knapp 40 TWh oder 7,3% des Gesamtverbrauchs von 541 TWh. Im Artikel wird eine geringere Zahl von 2006 zitiert.
    Die Steigerung zwischen 2006 und 2007 beträgt fast 9 TWh. Da ist also fast ein Kernkraftwerk dazugebaut worden.
    2) Wenn die Kernkraftwerke wie in Szenario A ohne Zubau ein Drittel des Strombedarfes decken und nicht ein Viertel wie jetzt, muss stark Strom gespart werden. Das wäre begrüßenswert, würde aber auch dem Anteil der Regenerativen zugute kommen.
    3) Der Einstieg in die Brütertechnologie ist nicht unnötig, sondern indiskutabel gefährlich.
    4) Die 80000 neuen Windräder beziehen sich scheinbar auf eine veraltete Technologie. Mit der Ausbeute von 2007 (20%) und modernen 2MW-Rotoren (z.B. Enercon E-82) komme ich auf 40000 zusätzliche Windräder, und mit 5MW-Rotoren (z.B Multibrid M5000, speziell für den Offshore-Einsatz entwickelt) auf nur 16000 neue Windräder. Es ist plausibel anzunehmen, dass bis 2015 noch leistungsfähigere Rotoren am Markt sind, so dass auch meine Zahlen noch zu gross wären.
    Darüber hinaus gibt es den Ersatz kleiner Windräder durch neue, größere, das so genannte "repowering" und andere regenerative Energiequellen.
    5) Ich vermisse komplett die Diskussion, ob und wie man mit Hilfe eines modernen Hochspannungs-Gleichstromnetzes oder neuen Speichertechnologien wie adiabatischen Druckluftspeichern oder Redox-Flow-Batterien Lastspitzen oder Windflauten ausgleichen kann. Zum Beispiel könnte man mit einem solchen Netz Regenerativenergie aus Spanien, Skandinavien oder Nordadfrika importieren.
    5) Die EEG-Vergütung für On-Shore-Windenergie sinkt im Entwurf des EEG für 2009 auf 5 Cent, das ist weniger als der Betrag von 6-7 Cent, der derzeit an der Leipziger Strombörse verlangt wird. Die indirekte Subvention für die Windenergie läuft also aus, andere regenerative Energien werden folgen. Insbesondere die Photovoltaik hat noch riesige Entwicklungspotenziale. Im Licht der aktuellen Strompreise möchte ich auch die zitierten Erzeugungskosten für Strom aus Kohle- oder Kernkraftwerken von 3-5 Cent anzweifeln.
    6) Es wird im Szenario A unterstellt, dass die Stromkonzerne Extra-Gewinne aus einer Laufzeitverlängerung in erneuerbare Energien und Einsparmaßnahmen investieren würden. Ob das wirklich funktioniert, ist im Lichte des bisherigen Verhaltens der Konzerne doch schon zweifelhaft. Wie die Beispiele Brunsbüttel und Krümmel zeigen, muss man mit Ausfallzeiten rechnen, die dann als Argument verwendet werden könnten, um die Zahlungen auszusetzen.
    7) Schliesslich ist die Frage der Entsorgung von Atommüll weiterhin ungeklärt, und somit auch die Frage der Kosten der Entsorgung.
  • Entwicklung einer Maschine = Evolution der Kultur?

    29.03.2008, Daniel Schiller, Köln
    In der Spektrogrammmeldung "Kanus, Kultur und Darwin" aus 04/08 zeigt Paul R. Ehrlich, dass man den evolutionären Algorithmus auf die Entwicklung einer Maschine (Kanus der Polynesier) anwenden kann. Dies stellt er der Entwicklung von Schmuck (Ornamente an den Kanus) gegenüber und schließt daraus, dass man die Evolutionstheorie auch auf die kulturelle Entwicklung einer Gesellschaft anwenden könne. Geht das wirklich? Ich glaube nicht ...
    Eine funktionierende Maschine in einer Umwelt ist nichts anderes als ein Lebewesen, welches unter den Gegebenheiten der Umwelt optimiert/angepasst wurde. Natürlich kann man dann auch evolutionäre Algorithmen auf die Entwicklung der Technik anwenden (wird so ja im Operations Research gemacht). Die Technik entwickelt sich dann auch zum globalen Optimum hin und stabilisiert sich in diesem Zustand, wenn die Umwelt stabil bleibt.
    Aber wie kann man daraus schließen, dass sich auch Kultur (hier die Entwicklung von schmückendem Beiwerk) evolutionär entwickelt? Wo ist da die Optimierung? Wo ist der evolutionäre Druck? Wo ist die Fitnessfunktion? Man kann kulturelle Abhängigkeiten, Stammbäume und Entwicklungswege aufzeigen. Aber man kann daraus noch nicht auf Evolution schließen.
    Die in der Meldung dargestellte Schlussfolgerung ist aus meiner Sicht nicht haltbar.