Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Spekulationen sind sicherlich interessant ...

    27.08.2008, ---
    ... und für den weiteren Fortschritt der Wissenschaft auch notwendig. Allerdings sollte man gerade von einer populärwissenschaftlichen Zeitschrift erwarten, dass sie ihren Lesern deutlich macht, was gesicherte physikalische Erkenntnis ist und was sich nur noch auf der Ebene mehr oder weniger plausibler Vermutungen bewegt. Daran hat es leider in den letzten Artikeln über Weltmodelle gemangelt.
  • Wenn eine Wasserwolke auf die Erdatmosphäre trifft

    27.08.2008, Markus Böhm, Seeg
    Eines ist in der Astronomie schon lange bekannt, aber im Zusammenhang mit der Tunguska-Explosion meines Wissens als Ursache noch nicht in Betracht gezogen worden: Asteroiden beziehungsweise Kometen können auseinanderbrechen oder sich auflösen, lange bevor sie irgendwo aufschlagen oder auch so weiterexistieren. Der Komet Shoemaker-Levy wurde beim Vorbeiflug an Jupiter aufgebrochen und in eine perlenschnurartige Kette auseinandergezogen, bevor seine Einzelteile nacheinander auf den Planeten stürzten. Solche Objekte können auf Monden ihre Spuren hinterlassen, wie auf unserem Erdenmond oder dem Marsmond Phobos. Die Strukturen auf Phobos stammen meines Erachtens nicht von Auswurfmaterial aus einem Einschlagkrater, da sie keine radialstrahlige, sondern eine parallele Anordnung haben. Sie rühren von Objekten aus dem Asteroidengürtel her, die in den Einflussbereich von Mars geraten waren und von diesem ähnlich wie Shoemaker-Levy auseinandergezogen worden sind. (Siehe Vortrag vor den Vorarlberger Amateurastronomen, www.erdmagnetfeld.at/krater.htm)


    Dieser Vorgang wird durch Gezeitenkräfte bewirkt: die Seite des Kometen, die dem Planeten zugewandt ist, erfährt von diesem eine geringfügig stärkere Anziehungskraft als die abgewandte Seite. Besteht der Komet aus einzelnen Stücken, die nicht sehr fest zusammengefügt sind, so werden sie unterschiedlich stark abgelenkt und ihre Bahnen streben fächerförmig auseinander. Besteht der Komet aus (beziehungsweise enthält er) Eis, so wird er durch die innere Reibung zu einer Wasserwolke aufgetaut.


    Verschiedene Schicksalsszenarien sind nun möglich. Bekannt sind jene Kometen, die sich in Sonnennähe auflösen und völlig verschluckt werden. Bewegt sich eine Wasserwolke etwas weiter von der Sonne weg, aber innerhalb der so genannten "Schneegrenze", das heißt, in etwa nicht weiter als Jupiter von der Sonne entfernt, so verdampft sie. Durch den inneren Gasdruck, bläht sie sich immer mehr auf, ebenso treibt der Sonnenwind sie auseinander und manipuliert die Richtung.


    (Interessant ist auch folgende Fragestellung: Kann ein Komet, der eine exzentrische elliptische Bahn hat und im Perihel in Sonnennähe in eine Kette auseinandergezogen worden ist, sich auf seinem weiteren Weg in Richtung Aphel wieder ganz oder teilweisen zusammenfügen?)


    Was passiert, wenn eine Wolke aus Wassertropfen oder Dampf mit sagen wir 50 km/sek. auf die Erdatmosphäre trifft. Vor circa drei Jahren war ich Zeuge eines Ereignisses, welches ich als solch einen Vorgang im Kleinformat gedeutet habe. Eine Art Meteor schoss mit einer langen Bahn und einer Geschwindigkeit wie andere Meteore auch über den klaren winterlichen Nachthimmel. Es war aber kein kleiner Punkt, sondern ein großer Fleck von schmutzig rotbrauner Farbe, gleichmäßig verteilt, ohne einen hellen Kern und ohne scharfen Rand, nicht besonders hell, aber doch deutlich sichtbar. Die scheinbare Größe war etwas kleiner als die des Mondes, nach einer spontanen Abschätzung. Gehe ich wie bei anderen verglühenden Meteoren von einer Höhe von 80 km aus, so hatte er einen Durchmesser von circa 1/2 km. Wenn es sich tatsächlich um eine Wasserdampfwolke gehandelt hat, so mag der ursprüngliche Eisklotz vielleicht nur wenige Kubikdezimeter betragen haben.


    Beruht das Tunguska-Ereignis auf einer Wasserpfütze, die ursprünglich ein Eisklotz von 10 Meter Durchmesser war und mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre geschossen kam? Wenn es solche Ereignisse auf der Erde oder dem Mond tatsächlich gibt oder gegeben hat, wie müssten dann eindeutig interpretierbare Spuren aussehen?
  • Theologische Weltmodelle

    26.08.2008, Dieter Schmidt
    Kann mir mal einer erklären, worin der Unterschied zwischen spekulativen Weltmodellen und zum Beispiel der Schöpfungsgeschichte der Bibel liegt? Mathematische Formeln, die bisher viele physikalische Vorgänge erklärt haben, reichen mir als Grund für solch weitgehenden Spekulationen nicht aus.
  • Grundsätzlich verschiedene Dinge

    26.08.2008, Friedrich Seibold
    Vor möglichen Gefahren warnen und mögliche präventive Maßnahmen dagegen vorschlagen (hier: Klimaschutz) einerseits und essentielle Behauptungen über bereits Existierendes (hier: die Welt) aufstellen andererseits sind grundsätzlich verschiedene Dinge. Es ist abwegig, beide gegenseitig abwägen zu wollen.

    Im übrigen führen Erklärungsversuche der Welt, wenn sie ihre Essenz erklären wollen, zwangsläufig in einen naturalistischen Zirkel, in dem Hirnvorgänge u.a. zur Welt gehörende Hirnvorgänge erklären wollen.

    Mit einem Zirkel, ob rein begrifflich oder begrifflich-sachlich läßt sich essentiell (substantiell) letztlich gar nichts erklären. Nicht davon betroffen sind dagegen funktionale (operative) Erklärungen.
  • sed tamen amoto quaeramus seria ludo

    26.08.2008, Peter Schmid, Salzburg
    Den Artikel "Spekulation statt Wissenschaft" von T.Körkel als begleitenden Text dieser Umfrage finde ich völlig fehl am Platz.

    Schon der Titel stellt eine falsche Alternative. Natürlich müssen Wissenschafter "spekulieren" um neue Theorien über unerklärte Naturphänomene zu entwickeln und um Gemeinsamkeiten noch unzusammenhängender Theorien zu entdecken ("Vereinheitlichung"). Das Ärgernis vieler kosmologischer Spekulation liegt darin, dass das, was als "Erklärung" angeboten wird, in Wirklichkeit kaum einen wissenschaftlichen Erklärungswert hat und dieser Mangel durch ideologische Gespinste kompensiert wird. Der Vorwurf der Ideologie gilt immer dann, wenn wissenschaftliche Daten in ein ausschweifendes Gebäude von Annahmen eingebettet werden, die prinzipiell weder bewiesen noch widerlegt werden können, wobei Voraussagen über verifizierbare Phänomene äusserst spärlich, wenn überhaupt vorhanden, sind.

    In Laughlins Sprache handelt es sich dabei um "Anti-Wissenschaft", da diese ideologisch dominierten Aussagen von eigentlicher wissenschaftlicher Arbeit ablenken oder sie für überflüssig erklären. Solche ideologisch dominierte Gehirnwäsche nimmt tatsächlich amoralische Formen an.

    Hier liegt auch der Unterschied zu Klimamodellen. Solche Modelle verwenden eine Unzahl wissenschaftlich nachprüfbarer Daten und produzieren Voraussagen, deren grösster Teil in absehbaren Zeiten verifizierbar ist. Der Vergleich von Klimamodellen mit vielen kosmologischen Modellen ist daher völlig schief.

    Eine Diskussion der Kriterien für Wissenschaftlichkeit ist wohl überfällig. Ich bin neugierig, was der für Dezember versprochene Artikel dazu beitragen wird.
  • Arthur's Regeln

    26.08.2008, Karl-Heinz Birkel
    1. When a distinguished but elderly scientist states that something is possible, he is almost certainly right. When he states that something is impossible, he is very probably wrong.

    2. The only way of discovering the limits of the possible is to venture a little way past them into the impossible.

    3. Any sufficiently advanced technology is indistinguishable from magic.

    Arthur C. Clarke 1917-2008
  • Was sind denn Multiversen?

    26.08.2008, van Treeck, Leipzig
    Was sind denn Multiversen? Die Mehrzahl von Multiversum, nicht wahr? Und ein Multiversum beinhaltet viele Universen; wozu also noch Multiversen?

    Ohne eine Spekualtion, was sein könnte, kommt man nicht zum Wissen, was ist. Es ist also unumgänglich, zu spekulieren. Ein Wissenschaftler weiß das!

    Dem Artikel stimme ich voll zu.
  • Magnetsensor

    26.08.2008, Hans-Helmut Schmitz
    hm, wenn sich bei so vielen Arten bei genauerer Suche ein Sinn für das Magnetfeld finden lässt, drängt sich da nicht die Frage auf, ob das vielleicht auch beim Menschen der Fall sein könnte, aus welchen Gründen auch immer.
    Antwort der Redaktion:
    Lieber Leser,



    in der Tat haben sich die Autoren des aktuellen Artikels darüber ein paar flüchtige Gedanken gemacht: Sie erwähnen Experimente aus den 1980er Jahren mit menschlichen Freiwilligen, deren physiologische Reaktion möglicherweise tatsächlich vom Magnetfeld der Erde beeinflusst wurde. So ändert sich etwa der Beginn der REM-Phasen im Schlaf je nach Ausrichtung der Probanden zu den Magnetfeldlinien.



    Statistisch nachweisbare Unterschiede sollen auch die EEGs von in Nord-Süd oder Ost-West-Richtung ausgerichtet sitzenden Menschen aufweisen, wie Experimentatoren im Jahr 1993 herausgefunden haben wollen. Diese Ergebnisse wurden aber offenbar nicht bestätigt, eine mögliche Erklärung für einen hypothetische Magnetfühligkeit steht aus.



    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Osterkamp, Redaktion spektrumdirekt
  • Nicht nur Scharlatane!

    25.08.2008, Dr. rer. nat. W. von Bonin, 51375 Leverkusen
    Der Gang von der zur Zeit falsifizierbaren zur spekulativen wissenschaftlichen Betrachtung unserer universalen Welt führt über nobelpreisverdächtiges Glatteis. Dennoch können es Helden sein, die ihn zu gehen versuchen.
  • Sind wir Marsianer ?!

    25.08.2008, Dr. Thilo Weitzel, Bern
    Nun hat auch die Sonde Phoenix Wasser ausgegraben. Es scheint immer klarer zu werden, dass der Mars früher lebensfreundlich war.

    Wir wissen, dass sich auf der Erde erstes Leben ausbreitete, sobald die Bedingungen dies erlaubten, praktisch sobald sich unser Planet ausreichend abgekühlt hatte.

    Da der Mars kleiner ist als die Erde, sollte diese Abkühlung dort schneller erfolgt sein.
    Eventuell herschten also auf dem Mars bereits lebensfreundliche Bedingungen _bevor_ es auf der Erde soweit war.

    Wir wissen weiter, dass die Planeten in Folge "Beschuss" durch Meteoriten untereinander Material austauschen, insbesondere war dieser "Beschuss" in den frühen Phasen des Sonensystems sehr viel heftiger.

    Und wir wissen inzwischen auch, dass manche einfache Lebensformen in getrockneter Form oder in Form von Sporen eine Reise durch den freien Weltraum überleben können bzw. wieder aufleben, wenn sie mit Wasser in Berührung kommen.

    Somit scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich das Leben ursprünglich in den Meeren des frühen Mars entwickelte und nur nebenbei die Erde kontaminiert wurde.

    Evtl. wären wir dann die letzten überlebenden Marsianer ...

    In diesem Kontext erscheinen die Pläne für ein "Terraforming" des Mars besonders plausibel. Nachdem wir Marsianer die Erde ruiniert haben, können wir dann zurück in die alte Heimat.
  • Mehr Fundamente für die Spekulation, bitte!

    25.08.2008, Dr. med. Elz-Fianda, Dipl.-Physiker, Nördlingen
    Ich finde die spekulativen Themen der Astro- und Teilchenphysik brennend interessant, möchte mich aber nicht mit der bisher vorherrschenden oberflächlichen Darstellung abfinden. In den letzten Jahren werden Seiten mit plakativen, großformatigen Phantasiebildern gefüllt, die sehr wenig Bezug zu den eigentlichen, abstrakt zu formulierenden Ideen haben.

    Das ist sehr ärgerlich, könnte man doch auf dem gleichen Platz durchaus mehr an quantenphysikalischer Ableitung unterbringen. Das würde wenigstens einem Teil der Leser erlauben, die nebulösen Aussagen mit ihren eigenen physikalischen Vorkenntnissen zu verbinden.

    Welchen Sinn macht z.B. ein Artikel über Paralleluniversen, wenn nicht der Bezug zur experimentellen Praxis herstellbar ist? Genauso könnte da ein Artikel über Engel oder Dämonen stehen, alle drei Entitäten finden bisher nur in der Phantasie einzelner oder eines Kollektivs statt. Eine Brücke zu gesicherten Grundlagen der theoretischen Physik fehlt.

    Wozu braucht man so etwas, geht es darum, Wissenschaft als prinzipiell unverständlich erscheinen zu lassen oder mit emotionalem Getöse Forschungsgelder einzusammeln?
  • Angeödet

    25.08.2008, Dr. Peter Holl, Herzberg
    Als langjähriger Abonnent Ihrer Zeitschrift fühle ich mich von der Häufung spekulativer Artikel, die mit solider Wissenschaft nichts zu tun haben, dermaßen angeödet, daß ich das Abonnement Ihrer ehemals guten Zeitschrift kündigen werde!
  • Alles erforscht...?!

    25.08.2008, Klaus Fekete, Wien
    Grundsätzlich spricht ja nichts gegen Theorien und neue Denkansätze oder Spekulationen, wenn man damit erreicht über "altes" Wissen nachzudenken, ja sogar es in Frage zu stellen.

    Diese aber, wie Al Gore es formuliert, als endgültig darzustellen, weiter Forschung als unnötig, "da ja dazu alles erforscht ist", quasi zu verbieten, ist nicht nur unwissenschaftlich, sondern auch unmoralisch.

    Laughlins Buch auf die selbe Ebene wie die IPCC-Berichte zu stellen ist etwas zu kurz gegriffen. Ersteres hat mir viele anstrengende, aber befriedigende Stunden beschert, letztere haben mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet und sind mit evidenten Widersprüchen gespickt, von "Fehlern" a la Mann`sche Kurve gar nicht zu sprechen. Das ist unso bedauerlicher, als wir zweifelsfrei dabei sind, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

    Szenarien über die Zukunft in 100 Jahren sind nicht zielführend, heute hungern 800 Millionen Menschen, roden wir Wälder der Mobilität zu Liebe, vermehren uns mit knapp 80 Millionen jährlich.

    Ob im Weltklimarat wirklich die besten Köpfe sitzen? Ich weiß es nicht, wage es aber zu bezweifeln. Es müsste nämlich ein Szenario geben: Das Klima ändert sich, welche Maßnahmen sind zu ergreifen, um damit zurecht zu kommen, zu überleben. Und dieses fehlt mir.
  • Denken wagen…

    25.08.2008,
    Gerade in einer disziplinübergreifenden Zeitschrift wie dem Spektrum sehe ich den Raum für neue Denkansätze oder spekulative Theorien gegeben. Es macht den Reiz aus, sich auf Neuland zu begeben und die gewohnten Denkbahnen zu verlassen, gerade auch wenn man sich nicht nur an die "Spezialisten" wendet.
  • Spekulation ist Teil des wissenschaftlichen Methodenkanons

    25.08.2008, Dr. Joachim Paul, Neuss
    Die begründete Spekulation sollte als wissenschaftliche Methode auch in den Naturwissenschaften unbedingt anerkannt werden. Sie dient als aktiver Bestandteil der »wissenschaftlichen Erkenntnisprozesse dazu, den kognitiven Boden vorzubereiten, auf dem sich später exakte Aussagen formulieren lassen. Ich halte es da mit einem Geisteswissenschaftler, dem Historiker Lewis Mumford, der dies, bezogen auf seinen Forschungskontext, treffend formuliert hat:
    „Der wissenschaftlichen Forschung waren natürlich insofern Grenzen gesetzt, als man über die nicht aufgezeichneten Anfänge der Entwicklung des Menschen – das ist die ganze Zeit seiner Existenz bis auf die letzten ein bis zwei Prozent – größtenteils nur spekulieren kann. Das ist ein riskantes Unternehmen, dessen Schwierigkeiten nicht durch vereinzelte Funde von Knochenfragmenten und Artefakten verringert werden, da ohne gewisse intuitive Einsichten und Analogieschlüsse aus diesen Objekten nur allzu wenig herauszulesen ist. Aber auf Spekulation zu verzichten wäre noch unsinniger, weil dann die spätere geschriebene Geschichte einen Anschein des Einzigartigen und Unvermittelten erhielte, so als wäre eine neue Spezies entstanden. Wenn wir von 'Agrarrevolution' oder 'städtischer Revolution' sprechen, vergessen wir meist, wie viele Vorgebirge das Menschengeschlecht bezwang, ehe es diese Gipfel erreichte. Ich plädiere also für Spekulation als ein notwendiges Instrument, um zu adäquatem Wissen zu gelangen."
    Lewis Mumford, Mythos der Maschine, Frankfurt 1977, Fischer Tb, S. 27

    In diesem Sinne,
    mfG, Joachim Paul (Biophysiker)