Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Nicht Erlösung vom Glauben, sondern Aufklärung

    14.02.2008, Dr. Andreas Beyer, Essen
    In seinem Essay „Die Kunst, den Zweifel auszuhalten“ beschreibt Martin Urban pointiert und treffsicher das Verhältnis von Glauben und Wissenschaft; er legt dar, wieso Menschen empfänglich sind für Aberglauben, der gerade in der heutigen Umbruchsituation zwischen Globalisierung und high-tech Sicherheit zu geben scheint. Vollkommen zutreffend beschreibt er die auch in den Volkskirchen auszumachenden Tendenzen in Richtung evangelikaler Haltung, in Richtung Fundamentalismus.

    Allein: Urban geht erheblich zu weit. Wenn er schreibt, die evangelischen Kirchen vergäßen das Erbe der Aufklärung, oder indem er polemisch über „Offenbarung“ spottet, offenbart er selbst eine erhebliche Unkenntnis der christlichen Kirchen und Gemeinschaften. Es ist schlichtweg unwahr, dass die „allein etwa 34.000 christlichen Gemeinschaften [auf dieser] Welt“ so etwas wie einen allein-selig-machenden Anspruch vertreten: Die Zeit ist auch an Theologen nicht vorbeigegangen, sie leben wie wir alle in einer Welt der Unsicherheiten, sehenden Auges. Die Ära, in der von der Kanzel herunter unverrückbare Wahrheiten verkündet wurden, ist vorbei. Gemeinden, in denen der Gläubige das eindeutige, klar verstandene und richtig interpretierte Wort Gottes verkündigt bekommt, sind – Gottlob! – immer noch in der Minderzahl: Möge es so bleiben! Auch die Bibelexegese hat die letzten Jahrhunderte nicht verschlafen, aber Urban scheint die Begriffe „aufgeklärte Theologie“, „kritische Theologie“ !
    oder „Textkritische Bibelanalyse“ nicht zu kennen, obwohl er sie eine Seite weiter selbst verwendet...

    Richtig stellt Urban fest, „Offenbarung ist ein Totschlagargument, mit dem [alles] begründet werden kann“. Bedauerlicherweise argumentiert er jedoch selber reichlich oberflächlich, indem er Fundamentalisten und deren Denken im Rundumschlag als Hammer gegen jedwede Form von Glauben missbraucht. Empirische Wissenschaft kann Ursachen identifizieren, Erklärungen finden, Unverstandenes und Unbegreifliches erfassbar machen. Sie kann aufzeigen, was an Schöpfungsmythen, Astrologie und Gesundbetern falsch ist. Sie kann, soll, will und darf aber keine Sinnfragen beantworten und taugt zum Gottesbeweis ebenso wenig wie zur Gotteswiderlegung.

    Wir brauchen dringend Aufklärung, müssen entschieden gegen Aberglaube und Fundamentalismus vorgehen. Aber wir brauchen ganz sicher niemanden, der uns vom Glauben in allen Formen erlöst. Mal abgesehen davon, dass solches Ansinnen wissenschaftlich nicht zu rechtfertigen ist, treibt es die Menschen gerade in die Arme derer, vor denen Urban sie retten will.



  • Sehenswerte "Fraktale Perlen"

    09.02.2008, Predrag Popara, Belgrad
    Viele interessante und Sehenswurdigkeit. Ich bin kunstler aus Belgrade (Serbien) und hochschatcen ihre Zeitschrift. Auf dieser Art ich erachten inspirieren lesen diser Zeitschrift. Viele dank !!!!
  • Biosprit zu unrecht pauschal am Pranger

    08.02.2008, Markus Becker
    Beim Thema Bioenergie erhitzen sich die deutschen Gemüter schnell. Wir wollen die besten Klimaschützer sein, und wir mögen unsere Kanzlerin, wenn sie auf Gipfeln die Klimaqueen mimt. Ein Teil des EU-Klimapakets und der Klimastrategie der Bundesregierung setzt auf Biokraftstoffe. Die Idee klingt bestechend: Nur so viel CO2 wird verbrannt, wie zuvor beim Pflanzenwachstum der Atmosphäre entzogen wurde. Unterdessen melden sich jedoch Wissenschaftler zu Wort und ernüchtern die Vorstellung von einer klimaneutralen Mobilität. Ist nun der, der sein Auto mit Biosprit betankt, auf einmal ein Klimasünder?

    Ganz so einfach ist die Frage nicht. Es kommt nämlich ganz darauf an, woher die verwendete Biomasse stammt und wie sie verarbeitet wird. In der Tat ist der Anbau von Ölpalmen auf gerodeten Urwaldflächen ziemlich klimaschädlich. Erst nach vielen Jahrzehnten Anbaukultur ist das einmal frei gewordene Kohlendioxid wieder kompensiert. Doch Palmöl hat in Europa als Energierohstoff kaum Bedeutung. Neunzig Prozent des importierten Öls gehen in die Produktion von Lebensmitteln und Kosmetik.

    In puncto Nachhaltigkeitsbilanz des Biosprits brauchen wir sicherlich mehr Transparenz. Niemand will, dass Regenwälder abgeholzt und Nahrungsmittel knapp werden, damit die westliche Hemisphäre weiter Vollgas geben kann. Die geplagte deutsche Landwirtschaft hat indes genug Kapazitäten, um vier Fünftel des Rohmaterials für deutschen Biodiesel herzustellen. Hierfür werden auch so genannte Grenzertragsflächen reaktiviert, die zuvor brach lagen.

    Biodiesel aus deutschem Raps zerstört keine Wälder. Zudem weist er eine positive Klimabilanz auf: Das Bundesumweltministerium hat für 2006 berechnet, dass der Einsatz von Bioenergie im Strom-, Wärme- und Kraftstoffbereich insgesamt 49 Millionen Tonnen CO2 eingespart hat (BMU 2007: Erneuerbare Energien in Zahlen)! Bei der Berechnung der Klimabilanz geht es um die ganze Prozesskette mit vorgelagerten Elementen wie Transport, Herstellung etc. Bei fossilen Brennstoffen fällt diese zwangsläufig negativ aus. Effizient hergestellter Biosprit kann hingegen zu beträchtlichen Einsparungen führen.

    An einer Energiewende führt kein Weg vorbei, wenn wir unsere Mobilität erhalten wollen. Dazu brauchen wir in erster Linie mehr Effizienz. Daneben muss der Energiemix perspektivisch postfossil sein. Bioenergie kann ein Teil dieser Gesamtstrategie sein. Sie ist anders als viele Alternativen schon heute verfügbar und mildert zudem die ungesunde Abhängigkeit vom Öl.
  • Ausuferndes Rechtsstaatsverständnis

    04.02.2008, Dominique Boursillon, Sigmaringendorf
    Mir scheint, dass die Rezension zu undifferenziert mit dem Thema umgeht. Natürlich muss ein Buch dem Inhalt nach rezensiert werden. Aber die Kritik am Schluss der Rezension ist mir zu sanft und zu oberflächlich und wird dadurch der eigentlichen Problematik nicht gerecht.

    Mich ärgert nicht das Thema – ich wäre noch nicht einmal ein Gegner von Gewalt zur Erlangung von Täterwissen, gäbe es da nicht folgende drei „Probleme“:

    1) Wie kann sichergestellt werden, dass kein Unschuldiger gefoltert wird? Die alles entscheidende Frage – ohne deren Beantwortung darf man ein Buch wie das rezensierte erst gar nicht herausgeben. Das lapidare Zitat, so etwas sei unvermeidbar, ist ein Hohn. „Im Zweifel für den Angeklagten“ ist nicht bloß eine Floskel, bekannt aus Film und Fernsehen.

    2) Wie kann sichergestellt werden, dass die benötigten Informationen auch erhalten werden? Hier werden Folterüberlegungen ebenfalls ihr jähes Ende finden, denn ein Patentrezept gibt es nicht (das werden die Peiniger in Guantanamo bestätigen, sie würden sich sonst wohl nicht immer neue Sachen einfallen lassen).

    3) Wer soll foltern? Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass ein neuer Berufszweig entstehen würde, nämlich der des Henkers … Für mich eine Horrorvision.

    Mich stört die „Intellektualisierung“ des Themas. Vom Euphemismus „selbstverschuldete Zwangsbefragung“ mal ganz abgesehen: Das ist nur zynisch! Kann „umsichtiges und differenziertes“ Darüberreden das absichtliche Quälen eines Menschen tatsächlich legitimieren? Da muss schon deutlich mehr her als die Konstruktion abstruser Fälle, wie der eines Terroristen mit einer Zeitbombe.

    Ich denke, eine Hauptursache für solche Debatten liegt in der ausufernden Ausweitung der Rechtstaatlichkeit. Es ist (vielleicht nur subjektiv) schon so, dass Täterschutz vor Opferschutz geht. Das mag seine Gründe haben, aber man muss sich fragen, ob Polizeirecht (Landes- und Bundesrecht) und Strafprozessordnung (Bundesrecht) nicht in sich so widersprüchlich sind, dass man dort anfangen müsste. Vielleicht blieben dann Forderungen nach „Bundestrojaner“, Folter, Rasterfahndung, Biometrie aus. Nur wenige Beispiele…

    a) Warum müssen Angehörige ein Zeugnisverweigerungsrecht haben? Die Ehefrau darf schweigen, aber ihr Ehemann soll auf der Streckbank alles gestehen!
    b) Warum darf ein Angeklagter vor Gericht schweigen oder sogar ungestraft lügen? Unter Qualen verriet er wichtige Details, wodurch Schlimmes verhütet wurde. Vor Gericht kommt er aber aus Mangel an Beweisen frei!
    c) Warum wird keine Gendatenbank angelegt, damit Ermittlungen einfacher werden?
    d) Warum soll Folter nur für Terroristen gelten? Ich möchte lieber die realen Verbrechen aufgeklärt wissen, als die theoretischen.
    e) Was passiert mit den Folteropfern, wenn (wie kürzlich in anderem Zusammenhang geschehen) diese gar keine Terroristen waren, sondern doch nur „gewöhnliche“ Kriminelle (weil nicht jeder Bombenleger ein Terrorist ist!)
    f) Die Liste ließe sich endlos erweitern!

    Eine Rezension muss auf solche „Details“ eingehen (Punkte 1 bis 3), weil sie auch auf das Absurde aufmerksam machen sollte. Lapidare Aussagen wie „Zumindest […] liegen also die Dinge noch komplizierter, als es in den umsichtigen und differenzierenden Texten […] zum Ausdruck kommt“ sind nicht geeignet, dem Leser die Unmoral der Argumentation aufzuzeigen. Zuerst müssen die Missstände an anderer Stelle behoben werden (Punkte a bis f). Foltern, weil sich erwachsene Menschen in übergreifender Auslegung von Rechts(ver)ordnungen nicht einigen können: Das ist keine schöne neue Welt! Was wir brauchen, ist keine Debatte über Folter, sondern klarere rechtstaatliche Grundsätze.
  • Gott: geoffenbart und doch verborgen?

    02.02.2008, Dr. Klaus Robra, Düsseldorf
    Die mit der Theodizee verbundenen Probleme beruhen anscheinend in hohem Maße auf einigen Grundproblemen des christlichen Glaubens. Wir sind als Christen erlöst und doch (noch) nicht ganz erlöst, wir versuchen, Gott zu erkennen, aber es gelingt uns offenbar nicht, jedenfalls nicht "vollständig". Dennoch ist die Vorstellung eines 'Deus absconditus' (oder besser: eines völlig verborgenen Gottes) gänzlich unchristlich und daher schon vom frühchristlichen Konzil von Nikäa (4. Jh.) verworfen worden. Und doch müssen wir demütig einräumen, dass uns "die ganze Wahrheit" stets verborgen bleibt, Gott also in bestimmter Hinsicht tatsächlich jeglichem Vorstellungsvermögen entzogen ist. Bleibt also nur die Hoffnung auf das Noch-Nicht, d. h. auf den 7. Schöpfungstag, der, wie Augustinus prophezeite, wir selbst sein werden? "Was nicht ist, kann noch werden", sagt der Volksmund. Reiner Vogels würde dem zustimmen.
  • Teleskopqualität vor 200 Jahren?

    31.01.2008, Raimund Leistenschneider, Sindelfingen
    Auf Seite 34 schreiben Sie, Maarten Schmidt richtete sein Teleskop (auf dem Mount Palomar, 5m-Spiegel?) auf einen schwach leuchtenden, bläulichen Lichtpunkt (in der Radioquelle 3C 273). Auf Seite 36 steht nun, dass 3C 273 bereits seit Jahrhunderten (Plural) beobachtet wurde. Das heißt seit mindestens 200 Jahren. Handelt es sich hier um einen „Druckfehler“, oder konnte man vor mehr als 200 Jahren mit den damaligen Teleskopen bereits solch lichtschwache Objekte beobachten? Radioastronomie gab es seinerzeit bekanntlich nicht.
    Antwort der Redaktion:
    Sie haben recht; das ist ein Übersetzungsfehler, der uns allerdings hätte auffallen müssen. Erst rund hundert Jahre lang wurde das Objekt damals bereits vom Harvard-Observatorium beobachtet.



    Seine geringfügig schwankende visuelle Magnitude liegt bei durchschnittlich 12,8. Das Objekt strahlt also heller als Pluto mit 15 mag. Im Prinzip hätte es bereits im 18. Jahrhundert entdeckt werden können. Beispielsweise William Herschels größtes Teleskop mit 122 Zentimeter Spiegeldurchmesser 1789 wäre dazu sicher in der Lage gewesen. Heute können Amateurastronomen 3C273 wohl bereits mit einem Sechszöller bei guten Sichtbedingungen entdecken. Damit ist das Objekt der einzige Quasar, der auch für typische Amateurinstrumente „in Sichtweite“ ist.
  • Es wird immer peinlicher

    31.01.2008, Karl-Heinz Birkel
    Die bisherigen Versuche der Menschen, sich über die Tierwelt zu stellen, konnten nie lange aufrechterhalten werden. Der jetzige Versuch, es mit Wirtschaft und Fastfood zu erklären, ist nunmehr der Gipfel der Peinlichkeit und beweist eigentlich nur das genaue Gegenteil.

    Außerdem sollten wir schon mal gehört haben, dass es hilfreiche Verhaltensweisen auch im Tierreich gibt, und so finde ich, sollte man die Sprüche eines Goethe besser aus einer wissenschaftlichen Diskussion herauslassen.
  • Fehler: Ausdünnung, nicht Zerfall von C-14

    31.01.2008, Karl Bednarik
    Hallo an die Redaktion,

    Falsch:
    "In der Umwelt sinkt er (der C-14-Gehalt) seit dem Atomteststopp von 1963 wegen des natürlichen Zerfalls des Isotops."

    Richtig:
    "In der Umwelt sinkt er (der C-14-Gehalt) seit dem Atomteststopp von 1963 weil das C-14-Kohlendioxid vom Regen aus der Atmosphäre in das Meer gespült wird."

    Die Halbwertszeit für den Betazerfall von C-14 beträgt 5730 Jahre.

    Die Halbwertszeit für das Ausdünnen von C-14 aus der Atmosphäre liegt in der Größenordnung von etwa 10 Jahren.

    Für die Altersbestimmung im Zeitraum nach den Atombombentests kann nur die Halbwertszeit für das Ausdünnen von C-14 verwendet werden.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Kernwaffen-Effekt

    Mit freundlichen Grüßen,
    Karl Bednarik.

    Antwort der Redaktion:
    Lieber Herr Bednarik,



    da haben sie natürlich Recht. Wie Sie selbst schon geklärt haben, ist mein Zusatz zwar im Prinzip nicht ganz falsch (die Isotop-Konzentrationen sinken ja auch, sehr langsam, durch den natürlichen Zerfall), relevant für die vorgestellte Methode ist aber in der Tat das Abtauchen von C-14 im Ozean. Bitte entschuldigen Sie den Fehler, ich habe meinen in die Irre leitenden Halbsatz getilgt.



    Wir wünschen weiterhin viel Spaß mit spektrumdirekt.

    Mit freundlichen Grüßen

    Jan Osterkamp (Redaktion)
  • Gerne auch mehr Mathematik!

    30.01.2008, Klaus Bigge
    Ich unterstütze voll und ganz das Anliegen des Herrn Dr. Heemann (zu dessen Leserbrief geht es durch Klick auf den Link, Anm. d. Red.).
    Ich habe keine nähere Beziehung zur Mathematik. Aber ich würde doch zu gerne wenigstens ansatzweise wissen, wie die Physiker ihre Modelle mathematisch entwickeln. Ein Blick in das Physik-Oberstufenbuch meines Sohnes hat mich abgeschreckt, mich selbst einzuarbeiten. Aber mathematische Erläuterungen in beigefügten Kästen wären ein großer Wunsch meinerseits.
  • Leuchtstofflampe

    29.01.2008, Prof. Paul Kalbhen, Gummersbach
    Zu den beiden Leserbriefen vom 25. bzw. 27.01.08 zum Artikel in Spektrum Heft 2/08, Seite 88 "Elektronen mögen's heiß" möchte ich "Wesentliches" ergänzen:

    Mit EVG kommt es bei der Leuchtstofflampe zu nichtsinusförmigen Pulsströmen und damit bei vielfältigem Einsatz zu einer kritischen Oberschwingungsbelastung des Netzes (Verzerrungsblindleistung), auf die der VDE (Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik) bereits warnend hingewiesen hat.

  • Edelmut aus Egoismus: Ergänzung

    28.01.2008, Helmut Hubert
    Ergänzung zu meinem Leserbrief und zu der Antwort der Redaktion vom 28.01.08:
    Meine Strategie – und hoffentlich auch die meines Partners – sieht so aus, dass bei jedem Szenario beide die gleiche Punktzahl erreichen. Dieses Ergebnis kann man durch Iterieren erhalten. Damit ist eine gegenseitige Auszahlung natürlich nicht notwendig.
    Wenn sich alle 6 Gewinner bei den von Ihnen ausgewählten 5 Szenarien so verhalten hätten, dann hätte jeder Teilnehmer 1294,4 Punkte erreicht, Gesamtsumme = 7766,4. Dagegen haben die 6 Gewinner nur eine Gesamtsumme = 7221 erreicht. Meine "edelmütige" Strategie hätte die Bank also deutlich mehr geschädigt!!
    Antwort der Redaktion:
    Es gibt hier zwei Strategien zu vergleichen:

    1) Ich maximiere meine Auszahlung unter der Bedingung, dass die Auszahlung des Partners gleich meiner eigenen ist (Ihre Strategie).

    2) Ich maximiere die Summe aus meiner Auszahlung und der des Partners (im Artikel MaxSum genannt).

    Sie behaupten: Die Gewinner des Preisausschreibens hätten noch mehr kassiert, als sie kassiert haben, wenn sie sämtlich Strategie 1 angewandt hätten. Das bezweifle ich nicht.

    Ich behaupte: Die Summe aller Auszahlungen wäre noch größer – jedenfalls nicht kleiner – gewesen, wenn alle Beteiligten Strategie 2 angewandt hätten. Warum? Nehmen wir an, zwei Spieler arbeiten nach Strategie 1 und kommen (unabhängig voneinander) auf die nach dieser Strategie optimale Wahl. Jetzt schalten sie beide (durch synchronen Geistesblitz) auf Strategie 2 um. Entweder kommen sie zu dem Ergebnis, dass sie bei ihrer Wahl bleiben sollten – dann ändert sich nichts –; oder sie stellen fest, dass sie abweichen können mit dem Ergebnis, dass einer der beiden mehr hinzugewinnt, als der andere verliert, sodass die Summe beider Auszahlungen größer wird. Das kann passieren, denn das Optimum nach Strategie 1 ist eine zulässige Wahl nach Strategie 2, nicht aber umgekehrt.

    Christoph Pöppe, Redaktion

  • Edelmut aus Egoismus

    28.01.2008, Helmut Hubert
    In diesem Artikel bleibt zum Schluss die Frage, warum so viele Teilnehmer eine Strategie gewählt haben, die als "edelmütig" bezeichnet wird.
    Was mich angeht, kann ich Ihnen diese Frage beantworten: Es handelte sich bei diesem Preisausschreiben ja nicht um ein Zwei-Personen-Spiel, bei dem man gegen einen Gegner spielt. Die Bank, die die Gewinne auszahlen sollte, habe ich als dritte Partei gesehen. Meine "edelmütige" Strategie zielt darauf ab, zusammen mit meinem Partner – also nicht Gegner – der Bank den größtmöglichen Betrag abzunehmen und die Beute dann mit meinem Partner fair zu teilen.
    Ich habe meine Strategie also aus schlichtem Egoismus gewählt!
    Antwort der Redaktion:
    Da bleibt die Frage, wie Sie das faire Teilen realisiert hätten (wenn Sie gewonnen hätten). Wenn Sie mehr als Ihr Partner gewonnen hätten, hätte es Ihnen freigestanden, ihm die Hälfte der Differenz auszuzahlen und damit die faire Teilung herzustellen; aber das wäre nicht gerade egoistisch. Dasselbe würde sich auch Ihr Partner überlegen, wenn er den größeren Anteil gewonnen hätte. Es ist also nicht besonders plausibel anzunehmen, dass er Ihnen etwas abgibt.


    Offensichtlich haben Sie aber genau darauf vertraut; denn sonst hätten Sie wahrscheinlich keine edelmütige Strategie gewählt.

    Christoph Pöppe, Redaktion
  • Mehr Mathematik würde den faszinierenden Eindruck verstärken!

    28.01.2008, Dr. Ulrich Heemann
    Der Zerfall von multidimensionalen Branen und Antibranen wird als Erklärung bemüht, die Dreidimensionalität unserer Welt zu erklären oder zumindest plausibel zu machen. Es kann sich dabei aber im besten Falle um einen Erkenntnisschritt handeln, denn auch wenn diese Mechanismen so tatsächlich real sein sollten, erklärt dies nicht unsere Welt, da unser Wissen darüber definitiv dem anthropischen Prinzip unterworfen ist oder hier besser: der anthropischen Einschränkung. Man stelle sich vor, dass auch in einer fünfdimensionalen Welt intelligentes Leben entstünde und mit uns Kontakt aufnähme: schon wäre die Erklärung hinfällig. Eine Aussage über die Häufigkeit der verschiedenen Welten ist bei Zerfallsprozessen weiterhin und insbesondere zeitabhängig, so dass auch unsere 3D-Welt nur ein Übergangsstadium auf dem Weg zu einer Sammlung eindimensionaler Welten mit weit höherer Existenzwahrscheinlichkeit darstellt.

    Schließlich aber noch der wichtigste Gesichtspunkt zur oben angesprochenen Fragestellung: Unabhängig von der Richtigkeit der Stringtheorie wird die Frage nach der Existenz der Welt damit nur auf höhere Dimensionen verlagert. Seit wann existiert die neundimensionale Welt und wie ist ihre Existenz zu begründen?

    Ich möchte hier aber noch mal einen dringenden Wunsch anschließen: Bitte veröffentlichen Sie in einem eigenen Kasten parallel zum existierenden Text die wichtigsten Formeln in ihrer elementarsten Form, so dass sich zumindest Leser mit einer gewissen mathematischen Grundbildung – von denen es in Ihrer Zeitschrift zweifellos viele gibt – einen weit besseren Eindruck des Hintergrundes solcher Weltbilder machen können.

    Ich bestreite grundsätzlich, dass es den immer wieder behaupteten negativen Zusammenhang zwischen der Zahl der publizierten Formeln und der Zahl der Leser gibt, wenn es zu einer klaren Trennung dieser beiden Bereiche kommt. Ich bitte Sie um etwas Mut, zumindest einen vorsichtigen und durch Leserbefragungen unterstützten Versuch in dieser Richtung zu machen, um so auch die Chance zu einer Vorreiterrolle ihrer ansonsten hervorragenden Zeitschrift zu erhalten.

    Hin und wieder separat dargestellte und erläuterte Formeln können auch beim mathematisch weniger gebildeten Leser nicht den Eindruck einer populärwissenschaftlichen und für ihn soweit verständlichen Zeitschrift beeinträchtigen, sondern auch bei ihm ggf. sogar den faszinierenden Eindruck verstärken, den z.B. die „allgemeinverständliche“ Darstellung eines gekrümmten Raumes etc. bei ihm hervorruft. Ich darf hierbei daran erinnern, dass Sie auf den mathematischen Seiten durchaus einen Anspruch an den Leser haben, der in scharfem Gegensatz zur ängstlichen Vorgehensweise bei physikalischen Phänomenen steht. – Schade!

    Mit freundlichen Grüßen
    und in der Erwartung, dass Sie insbesondere meinen letzen Absatz ernsthaft in Erwägung ziehen,

    Dr. U. Heemann
  • Warum keine Audio-Datei?

    27.01.2008, Siegfried Manhold, Wachtberg
    Laut Angabe neben dem Titel (Seite 82) kann der Essay als Audiodatei bezogen werden. Ich konnte ihn aber auch nach meinem Login nicht auf Ihrer Homepage finden. Wo steckt er bzw. wie kann ich ihn erreichen?
    Antwort der Redaktion:
    Bitte geben Sie die dort angegebene Internet-Adresse www.spektrum.de/audio in Ihrem Browser ein. Dort finden Sie ein entsprechendes Angebot des Hörbuchportals www.audible.de. Der erste Download ist kostenfrei, alle weiteren kostenpflichtig. Dieses Angebot ist unabhängig von Ihrem Abonnement von Spektrum der Wissenschaft.

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  • Wechselspannung und Polaritätswechsel

    27.01.2008, Klaus Kassner, Bochum
    Der Artikel enthält leider Falschbezeichnungen wie "Birne" für Glühlampe und Leuchtstoffröhre.
    Eine Lampe beleuchtet, in eine Leuchte eingebaut, die Birnen in der Schale auf dem Tisch. Sobald die Birnen beginnen selbst zu leuchten, ist Gefahr im Verzug. Und wenn dann auch noch die Äpfel und Bananen in der Obstschale Licht aussenden, ist Flucht eine gute Wahl...

    Ein weiterer Fauxpas findet sich in der Beschreibung zum Bild. Hier wird der 40 kHz Wechselspannung angedichtet, dass sie 40 000-mal in der Sekunde die Polarität wechselt. Wo bleiben da die anderen 40 000 Polaritätswechsel? Werden die auf Vorrat abgespeichert? Nein, in der Tat vollführt eine 40 kHz Wechselspannung 80 000 Polaritätswechsel pro Sekunde!