Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Bewusstsein, Datenverarbeitung mit Hilfe geeigneter Sensorik

    08.01.2008, Dr. Jan Neumann
    Bei der Diskussion um die Entstehung von Bewusstsein vermisse ich bisher die Auseinandersetzung mit den Bewusstseinsinhalten. Sich einer Sache, Person oder sonst irgendetwas bewusst zu sein, bedeutet doch, es in einen assoziativen Kontext zu stellen. Das wiederum bedarf eines gewissen "Wiedererkennungswertes" der Bewusstseinsinhalte und damit einer Modellvorstellung. Selbst das Bewusstsein über sich selbst kommt nicht ohne eine Modellvorstellung aus. Ein Kleinkind lernt erst im Laufe seiner ersten Lebensmonate mit Hilfe von Sinneseindrücken, welche Körperteile originärer Bestandteil seiner selbst sind.
    Diese Überlegung führt sofort zur nächsten These: Bewusstsein bedarf der Kommunikation mit der Außenwelt über Sinnesorgane. Ohne die Reize von Sinnesorganen gibt es kein "Wiedererkennen" und damit keinen Kontext, in den mein Bewusstsein etwas einordnen könnte. Auch ein noch so komplexer Computer, der nicht über "Sinnesorgane" verfügt, wird nicht in der Lage sein, sich ein Modell über sich selbst - oder etwas anderes - zu schaffen, wessen er dann bewusst werden könnte. Meiner eigenen Körperlichkeit werde ich mir dadurch bewusst, dass ständig Druck-, Schmerz-, Kälte- und Wärmereize u.s.w., die aus meinem Körper stammen, auf mein Gehirn einströmen. Das Gehirn selbst entzieht sich diesem körperlichen Empfinden, was die Beschäftigung mit seinen inneren Strukturen ohne die Hilfe unserer Sinnesorgane, über die wir es naturwissenschaftlichen Experimenten "von außen" unterwerfen können, unmöglich macht.
    Ich wage deshalb die Umformulierung von Descartes These: "Ich denke, also bin ich" in "Ich fühle, also bin ich".
    Die Frage, ob Bewusstsein durch "Hardware" repräsentiert wird, wie es Koch präferiert, oder durch Software, die mal in diesem, mal in jenem Bereich des Computers Gehirn abläuft, wie Frau Greenfield postuliert, lässt sich sicher irgendwann durch verfeinerte Experimente entscheiden, die die mechanistischen Vorgänge im Gehirn noch besser sichtbar machen als bisher.
    Für Frau Greenfields These spricht die ihrem Modell innewohnende größere Flexiblität und der damit einhergehende geringere notwendige Hardwareaufwand, was es wesentlich kleineren Gehirnen als dem menschlichen schon ermöglichen sollte, bewusstseinsähnliche Prozesse zu entwickeln, was evolutionär nur Vorteile bringen kann.
    Insgesamt scheint mir Bewusstsein kein qualitatives Merkmal zu sein, das vorhanden ist oder nicht, sondern eine quantiative Eigenschaft komplexer Datenverarbeitung in Verbindung mit geeigneter Sensorik.

  • Zur Rezension "unser kläglich Brot" von D. Lingenhöhl

    07.01.2008, J.Götz
    Sehr geehrter Herr Lingenhöhl,

    ich konnte das rezensierte Buch leider noch nicht lesen. Die von Ihnen verbreiteten Furcht, die alten Apfelsorten sterben aus, kann ich nicht ganz zustimmen. In meiner Nähe befindet sich die Genbank Obst in Sachsen. Dort hatte ich Gelegenheit, 1500 verschiedene Apfelsorten gleichzeitig ausgestellt zu sehen. Darunter sehr viele alte Sorten. Ich denke, die Wahrheit liegt wohl in der Mitte: Meine Familie bevorzugt eher Sorten vom Großhandel, ich selbst eine Mischung von alten und neuen Sorten. Was die Lagerfähigkeit anbetrifft, hängt das von den Sorten und den Bedingungen ab: Die letzten meiner eigenen Äpfel verzehren wir im April - vergleichbar mit industriell gelagerten. Leider wollen viele Kunden gutaussehendes billiges Obst. Gute Ware hat ihren Preis, die als "Bio-" oder "Ökoware" deklarierten Äpfel haben die versprochene Qualität meist nicht, doch den Preis.
  • So einfach war er nicht!

    06.01.2008, Dr. Hans Georg von Heydebreck, Hohenzollernstr. 24, 45128 Essen
    Voller Neugierde und mit großen Erwartungen las ich Robert Shapiros neuesten Artikel zum Thema „Ein einfacher Ursprung des Lebens“. Leider hält er nicht, was der Titel verspricht.

    Überzeugend wirkt zwar der Hinweis auf die extreme Unwahrscheinlichkeit der spontanen Entstehung einer ersten selbst replizierenden RNA mit dem Vergleich eines Golfballs, der ohne Golfspieler ganz von allein nur „unter der Einwirkung natürlicher Kräfte wie Erdbeben, Stürmen, Regengüssen und so weiter“ einen 18-Löcher Golfkurs absolviert.

    Der daraus gezogene Schluss, dass die RNA sich nicht zufällig „von allein“ gebildet haben kann, ist daher absolut nachvollziehbar. Nur leider leidet die von Shapiro vorgeschlagene Gegentheorie „Stoffwechsel zuerst“, wie Steven A. Benner in seinem Antwortkommentar richtig feststellt, unter demselben Problem. Dass sich Moleküle von allein bilden, die reaktiv genug sind, um an Stoffwechselreaktionen teilzunehmen, ohne sich gleich wieder zu zersetzen, ist genau so unwahrscheinlich. Es verwundert daher nicht, dass es bisher nicht gelungen ist, einen kompletten entsprechenden Zyklus in Gang zu bringen, oder zu zeigen, dass er sich selbst aufrecht erhalten und in einem Evolutionsprozess weiter entwickeln kann.

    Shapiro stellt folgerichtig am Schluß fest, dass „alle Szenarien zum nierdermolekularen Ursprung des Lebens also zugegebener Maßen hypothetisch“ bleiben.

    Wenn ein angesehener Biochemieprofessor am Ende eines langen Forscherlebens zu diesem Schluß kommt – und er steht mit dieser resignierenden Feststellung ja nicht allein - , so erhebt sich doch die Frage, warum nahezu die gesamte Naturwissenschaft es ablehnt, eine Planung, ein „intelligent Design“ bei der Entstehung des Lebens auch nur in Betracht zu ziehen.

    Der Biochemiker Michael J. Behe hat dazu schon in seinem 1996 in den USA erschienenen grundlegenden Buch „Darwin`s Blackbox“, das jetzt auch in deutscher Sprache vorliegt und auch die seitdem in der Wissenschaft zu dem Thema – leider im wesentlichen ergebnislos – geführte Diskussion in einem ergänzenden 12. Kapitel enthält, ausführlich Stellung genommen. Aus der Sicht eines Biochemikers, nicht eines Philosophen, hat er darauf hingewiesen, dass in der belebten Natur, insbesondere bei der Entstehung des Lebens, aber auch beim Aufbau bestimmter menschlicher oder tierischer Organe oder Prozesse wie zum Beispiel des Auges oder der Blutgerinnung bei Säugetieren, eine so genannte „irreduzible Komplexität“ vorliegt (ähnlich wie bei einer Mausefalle), die eine schrittweise evolutionäre Entwicklung zwar nicht unmöglich, aber ohne irgendeine Steuerung äußerst unwahrscheinlich macht. So unwahrscheinlich, wie der von Shapiro jetzt zitierte Golfball, der seinen Weg zum letzten Loch allein findet, und in einigen Fällen so unwahrscheinlich, dass nicht einmal die Milliarden Jahre, seitdem das Weltall nach dem neuesten Stand der Physik besteht, ausgereicht hätten, eine entsprechende „zufällig“ Entwicklung eintreten zu lassen. Daraus leitet er folgerichtig ab, dass ein „intelligent Design“ dahinter stehen muß, wie es uns ja bei allen menschlichen Produkten von der Mausefalle bis zum Computer geläufig ist.

    Leider scheint die „seriöse“ Wissenschaft eine derartige Erklärung zu scheuen wie der Teufel das Weihwasser! Dabei sind Shapiro und Behe doch gar nicht so weit auseinander. Beide konstatieren, dass ein Prozess irreduzibler Komplexität „von allein“, also durch ungeheuer viele kleine Schritte entstehen kann, dass dies aber ungeheuer unwahrscheinlich ist. Der einzige Unterschied ist der, dass Shapiro seit über 20 Jahren – und zwar jetzt doch schon deutlich resignierend, wie sein Artikel zeigt - auf ein erfolgreiches Experiment wartet, das die ungeheure Unwahrscheinlichkeit seiner Hypthesen verringert, während Behe – gewissermaßen mit dem gesunden Menschenverstand - davon ausgeht, dass ein planender Geist – er spricht nicht einmal von Gott oder dem Schöpfer – da sein muss, der diese Prozesse irreduzibler Komplexität ausgedacht und gesteuert haben muss, so dass sie zwar bis zu ihrer Realisierung immer noch viel mehr Zeit benötigten als alle vom Menschen erdachten Prozesse, aber eben doch in die uns aus der Geologie geläufigen erdgeschichtlichen Zeiträume hineinpassten. Man könnte auch sagen, dass sich Shapiro und Behe darin unterscheiden, dass letzterer ein „Corriger la fortune“ in der Erd-Geschichte zulassen will, während Shapiro und seine Anhänger noch immer ausschließlich an den reinen Zufall glauben!

    Es wäre zu wünschen, dass auch Ihre Zeitschrift, zu deren Abonnenten ich seit über 30 Jahren zähle, sich dieses Themas und der von Michael Behe und anderen vertretenen Theorie des „Intelligent Design“ etwas intensiver annähmen.

    von.heydebreck@manferrostaal.com

    06. Januar 2008



    Antwort der Redaktion:
    Spektrum der Wissenschaft wird erst im November dieses Jahres sein 30jähriges Bestehen feiern. Und zur Theorie des Intelligent Design haben wir schon mehrfach Stellung bezogen.



    Leider greift sich Herr Dr. Heydebreck aus dem Artikel von Shapiro nur das heraus, was zu seinen Vorstellungen passt. So unterschlägt er aus dem Antwortkommentar von Steven A. Brenner die Schilderung, wie ein früher als unlösbar angesehenes Problem bei der Entstehung einer RNA-Welt plötzlich eine sehr einfache Erklärung gefunden hat. Im übrigen irrt Herr Dr. Heydebreck in der Annahme, Shapiro habe sein Leben lang über die in Spektrum vertretene These eines niedermolekularen Lebensursprungs geforscht. Diese These vertritt er erst seit seiner Emeritierung vor wenigen Jahren. Er selbst schreibt in seinem Artikel, dass es bisher so gut wie keine Experimente dazu gibt. Nur deshalb bezeichnet er die Theorie als noch rein hypothetisch



    Zu Michael J. Behe und seinem Konzept der irreduziblen Komplexität sei auf den folgenden Beitrag bei Wikipedia verwiesen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Nichtreduzierbare_Komplexität
  • Kirche c/a Naturwissenschaften

    04.01.2008, Walter Weiss
    Der Artikel von URBAN war für mich erfrischend klar. Dass mit Fundamentalisten - aus welcher Religion sie auch kommen mögen - nicht rational diskutiert werden kann, muss zur Kenntnis genommen werden. Und ein heutiger rational denkender Mensch kann keine Religion achten, die die mindesten Voraussetzungen nicht erfüllt:
    - Beachtung der Regeln der Demokratie, der Men-
    schenrechte und eines geordneten Rechts-
    systems,
    - Verzicht auf die Missionierung Andersdenkender
    (einschließlich Atheisten und Agnostiker),
    - Toleranz gegenüber allen Andersdenkenden,
    - Verzicht auf jede Alleinstellung ('erwähltes
    Volk'...)

    Man frage einen x-beliebigen evangelischen Pfarrer, katholischen Priester, Imam oder Rabbi-
    ner (auch den Pabst): alle werden diese Regeln
    ablehnen - und sich damit im Ergebnis genauso verhalten wir ihre Vorgänger in der gesamten uns bekannten Geschichte, die eine lückenlose Kette übelster Kriege, Überfälle, Vergewaltigungen, Folterungen...ist.

    Daran ändert auch nicht das geringste, dass alle Religionen, die ja von Menschen ausgedacht worden sind, möglicherweise jeweils hehre Ideen gehabt haben könnten: die Praxis sah stets anders aus, und zwar bis zum heutigen Tage. Abscheulichste Terrorakte auf der einen Seite, dümmlichstes Leugnen der Lehre von DARWIN, Verbot von Präservativen selbst in aidsdurchseuchten Weltgegenden und Frauenverachtung auf der anderen Seite sprechen eine sehr deutliche Sprache.

    Man kann nach alledem nicht genug tun, den unheilvollen Einfluss der Kirchen zurückzudrängen.
    Sollen die gewaltigen geistigen Anstrengungen der Aufklärung (denen bezeichnenderweise die Religionsvertreter heftigsten Widerstand geleistet haben und heute noch leisten - bis hin zum Er-morden Andersdenkender) umsonst gewesen sein?

    Wenn hier der Leser Vogels entsprechende Inhalte von äußerst zurückhaltenden und leider viel zu vornehmen Artikeln des SPEKTRUMS der Wissenschaften bemängelt, dann hat er entweder die Zeichen der Zeit noch immer nicht begriffen - oder sollte zum nächsten Bistumsblatt wechseln. Eine Zeitschrift, die der Ratio verbunden ist, muss sich unbedingt mit diesen sehr wichtigen Fragen befassen und darf sie gerade nicht 'irrational' behandeln, sondern allein mit dem (naturwissenschaftlich ausgerichteten) Verstand. Sie würde sich ja sonst absolut selbst in Frage stellen und nicht nur sich selbst, sondern unsere gesamte westliche Kultur. Es wäre auch absurd, sich gerade von den Fundamentalisten (und das sind nicht nur, s.o., Terroristen jeder Couleur!) das Gesetz des Handelns vorschreiben zu lassen.






  • Stochern im Nebel

    04.01.2008, Manfred Schlabbach, Berlin
    Ich lese Ihre Zeitschrift jedes Mal mit großem Interesse, und ich freue mich darüber, dass es immer wieder Menschen gibt, die versuchen, den Wissenshorizont dort zu durchbrechen, wo die Hürden besonders hoch zu sein scheinen.

    In dem genannten Artikel wird versucht, die Ergebnisse der Messungen am menschlichen Hirn zu analysieren. Es werden dazu auch Erfahrungen aus dem täglichen Leben herangezogen. Ich beziehe mich hier auf den Kasten auf Seite 45.

    Die Meinung von Frau Greenfield, dass nur die Quantität der Geräusche für das Aufwachen maßgeblich ist, kann ich aus eigener Erfahrung nicht nachvollziehen. Wie wäre es zu erklären, dass man bei erheblichem Straßenlärm oder sogar bei heftigen Gewitter tief schläft, bei leisen aber ungewohnten Geräuschen, zum Beispiel nächtlich schleichenden Schritten in der Nähe des Zeltes, im Bruchteil einer Sekunde hellwach im Schlafsack sitzt, während einem das Grauen im Nacken hoch kriecht?

    Der menschliche Organismus hat sich im Laufe der Evolution ein nicht schlafendes Sinnesorgan geschaffen, um den gegenüber Raubtieren kräftemäßig weit unterlegenen Homo sapiens vor Gefahren zu warnen. Deshalb schlafen wir bei bekannten, auch sehr lauten Geräuschen ruhig weiter, sogar das Scheppern des Weckers wird gelegentlich als vorbeifahrender Zug in unsere Träume eingebaut, ohne dass wir erwachen. Anderseits kann schon das leise Knacken der Uhr, wenige Sekunden vor dem Alarm, den Schläfer wecken. Und was passiert eigentlich, wenn man sich vornimmt, zu einer bestimmten Uhrzeit aufzuwachen. Das funktioniert nämlich nach einiger Übung auch. Wie kommt da die große Menge Neuronen zusammen, die das Aufwachen bewirken sollen?

    Im Schlaf wahrgenommene Geräusche werden also offenbar im Gehirn analysiert, oder zumindest unterschieden nach Gefahr oder keine Gefahr. Der dafür verwendete Algorithmus ist jedoch so einfach strukturiert, dass man nach dem Erwachen oft feststellt, dass man im Schlaf das beunruhigende Geräusch falsch eingeordnet hat.

    Jedenfalls ist nur die Qualität der wahrgenommenen Information für die Entscheidung maßgeblich: Aufwachen oder Weiterschlafen. Leise Wecker erfüllen ihre Funktion ebenso zuverlässig wie laute. Diese Erfahrung kann jeder Mensch an sich selbst beobachten.

    Wir können unser Gehirn an Messgeräte anschließen und Theorien über die Kurven aufstellen. In der modernen Hirnforschung können wir aber nur die elektromagnetischen und die chemischen Vorgänge beobachten. Solange wir nicht einmal die blasseste Ahnung haben, welche physikalischen Gesetze es dem menschlichen Hirn in Grenzsituationen ermöglichen, Informationen zielgerichtet und entfernungsunabhängig auszusenden, oder Gegenstände über einige Entfernung zu bewegen, ist das alles nicht viel mehr als ein Stochern im Nebel. Es ist anzunehmen, dass diese Phänomene auch innerhalb des Organs eine Rolle spielen. Ob dabei Quanteneffekte, wie einige Wissenschaftler vermuten, eine Rolle spielen, konnte bisher nicht bestätigt werden.



  • Welche physikalischen Grundsätze verwertete die Evolution?

    04.01.2008, Michael Rosengarth, Kornwestheim
    In seinem Buch "Schatten des Geistes" (Spektrum Verlag) beschreibt Roger Penrose seine Schlussfolgerungen bezüglich der Funktionsweise des Bewusstseins aus mathematischer und physikalischer Sicht. Danach gibt es deutliche Hinweise darauf, dass Bewusstsein durch Quantenkohärenz der Mikrotubuli verursacht wird, d.h. einem kollektiven Phänomen analog zur Supraleitfähigkeit entspricht.
    Die beiden im Artikel vorgestellten Theorien gehen zwar bezüglich der Annahme eines synchron tätigen Neuronenensembles in dieselbe Richtung, jedoch basieren beide "nur" auf Experimenten zur kausalen Wechselwirkung der Koalitionspartner.
    Im "Zeitalter der Emergenz" (Robert B. Laughlin in "Abschied von der Weltformel", Spektrum Verlag) müssten sich eigentlich zunehmend Physiker mit der Fragestellung befassen, welche physikalischen Grundsätze die Evolution entdeckt und verwertet hat, um das menschliche Genie zu bilden.


  • Anfrage zum redaktionellen Kurs von SdW

    03.01.2008, Reiner Vogels, Swisttal-Odendorf
    Sehr geehrte Damen und Herren in der Redaktion von "Spektrum der Wissenschaft",

    seit einiger Zeit beobachte ich, dass Sie in Ihrem Heft immer wieder religionskritische bzw. offen atheistische Beiträge veröffentlichen. Als Beispiele für diese Beobachtung nenne ich

    manche Glossen von Michael Springer,
    ein vor einigen Monaten veröffentlichtes Editorial von Reinhard Breuer über Pascal, in dem über die theologischen Kämpfe dieses Gelehrten in Fragen des Jansenismus so geschrieben wurde, als seien die dort aufgeworfenen Probleme so abwegig, dass man ihren Sinn heute als rationaler Mensch gar nicht mehr verstehen könne,
    die Tatsache, dass immer wieder religionskritische bzw. atheistische Bücher unter der Rubrik "Rezensionen" positiv rezensiert werden,
    und schließlich den - argumentativ ausgesprochen schwachen - Beitrag von Martin Urban im jüngsten Heft.

    Die Häufung derartiger Beiträge schließt es in meinen Augen aus, dass es sich ein rein zufälliges Geschehen handelt. Offensichtlich hat Ihre Redaktion beschlossen, einen antireligiösen bis atheistischen Kurs zu steuern. Ich habe mich eine Zeitlang gefragt, aus welchen Motiven heraus Sie als eine Zeitschrift mit überwiegend naturwissenschaftlichem Schwerpunkt zu einem solchen Kurs gekommen sind.

    Einen kleinen Hinweis zur Beantwortung dieser Frage habe ich im vorletzten Heft gefunden, und zwar in einer Werbung für das jüngste Dawkins-Buch. Dort wurde - sinngemäß - gesagt, dass man die Religionskritik unterstützen müsse, weil sonst die Gefahr bestehe, dass die Religion die Wissenschaft in ihrer Freiheit beeinträchtige. Ob dies Motiv das Einzige ist, das Sie zu Ihrem Kurs bewegt, wissen Sie selbst besser als ich. Dass es für Sie ein gewisses Gewicht hat, scheint jedoch offenkundig zu sein.

    Ich muss gestehen, dass ich Ihren Kurs für falsch halte.

    Einmal halte ich es nicht für eine primäre Aufgabe einer Zeitung wie der Ihren, sich zu einem antireligiösen bzw. atheistischen Kampfblatt zu entwickeln. Sie sind aber auf dem besten Wege, genau das zu tun.

    Dann meine ich, dass Ihre Ängste unbegründet sind, da die Gefahr einer Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit durch religiöse "Fundamentalisten", überhaupt nicht gegeben ist. Von den christlichen Kirchen hat die Wissenschaft jedenfalls nichts zu befürchten.

    Schließlich beobachte ich wenigstens in Teilen der bisher erschienenen einschlägigen Beiträge, dass die antireligiösen Autoren so tun, als ob sie beweisen könnten, was sie behaupten. Sie überschreiten dabei manchmal die Grenzen des rational Ableitbaren und werden selbst zu Ideologen bzw. "Gläubigen" des Atheismus. Mit exakter, skeptischer und rational überprüfbarer Wissenschaft, wie ich sie eigentlich in Ihrem Heft zu finden erwarte, hat das oft wenig zu tun.


    Ich bitte Sie, Ihren redaktionellen Kurs in Sachen Religion noch einmal zu überdenken.
  • Sind Männer bewusster als Frauen?

    03.01.2008, Max Happel, Magdeburg
    Denn das behauptet Susan Greenfield in dem hochinteressanten Streitgespräch mit Christoph Koch. Männer haben mehr Hirnmasse als Frauen und „Bewusstsein wächst, wenn das Gehirn an Größe gewinnt.“, so Greenfield. Diese Interpretation ist sicher ein wenig überspitzt, allerdings nimmt Greenfield in der Diskussion, ob Bewusstsein mehr von der Qualität oder der Quantität neuronaler Zusammenspiele abhängt, ganz klar letztere Position ein. Letztlich sind die beiden Meinungen allerdings deutlich besser repräsentiert durch die Dichotomie: Holistisch vs. Lokalisiert. Doch auch hier sind der Position von Greenfield die neurowissenschaftlichen Befunde der letzten beinahe 150 Jahre gegenüberzustellen. Begonnen mit der Lokalisationstheorie von Pierre-Paul Broca (1861) haben sich bis heute nicht abzuzählende Befunde über lokalisierte funktionsspezifische Hirnbereiche etabliert. Das Gegenargument der Epilepsie wendet Greenfield noch elegant ab. Allerdings wird es schwierig zu erklären, warum Patienten mit einer Hemispherektomie nicht mehr nur „halb so bewusst“ sind wie zuvor. Oder: stimuliert man den humanen Cortex elektrisch und aktiviert extrem große Neuronenpopulationen, so werden maximal Basisperzepte, wie Lichtblitze oder Knackgeräusche evoziert. Neuronale Quantität kann nicht alles sein!
    Zusätzlich begeht sie weitere argumentative Fehler: (1) Stanley Cobb hat in den 1960ern das Vogel-Gehirn als „einzigartig“ beschrieben und zeigte, dass das Hyperstriatum analoge Funktionen zum Cortex erfüllt. Corviden gelten als hoch intelligente Vögel und haben die größten und zellreichsten Hyperstriata, was zwar die Quantitätshypothese stützt, aber ganz und gar nicht gegen Koch´s Hypothese spricht! (2) Ihre Schlussfolgerung: „Gäbe es zum Bewusstsein nichts weiter an neuronalen Korrelaten, als dass sich jeweils bestimmte Neuronen entladen [..], dann befände sich dieses in den Hirnneuronen selbst“ hält keiner Logik stand.
    Aber wie bei allen wertvollen wissenschaftlichen Diskussionen, haben beide Positionen ihre Berechtigung. Ich stimme Greenfield zu, dass die Lokalisation von Hirnphänomenen keine Rückschlüsse auf das emergente Entstehen des Bewusstseins erlaubt. Weiterhin unterstütze ich die These, dass das Gehirn ein Set aus Hierarchien ist (sensorisch, motorisch, interpretativ, kognitiv etc…), welches notwendigerweise auch in gewissem Maße holistisch und distributiv funktionieren muss. Allerdings muss dieses Netzwerk über Lernprozesse spezialisiert werden – dabei entstehen zweifelsfrei auch spezialisierte Neuronenpopulationen. Z.B. Friston (2003, Neural Netw.) zeigt, wie lokalisierte Funktionen, verknüpft über holistische Netzwerke, die größte Effizienz neuronaler Verarbeitung bieten.

  • Funk statt Licht!

    31.12.2007, Andreas Weber, Berlin
    Mit Erstaunen habe ich den Beitrag von Mohsen Kavehrad zur Datenübertragung per Licht gelesen. In zentralen Punkten liegt er falsch. Die vorgeschlagene Lösung hat keinen besseren Abhörschutz, es sei denn wir mauern unsere Fenster zu. Im Übrigen garantiert verfügbare WPA-Verschlüsselung eine ausreichende Sicherheit in nicht abgeschotteten Netzen. Wenig durchdacht scheinen auch die Angaben zur erreichbaren Übertragungsgeschwindigkeit zu sein, denn der Engpass ist der Weg zum Lichtsender. Kavehrad schlägt Powerline als Lösung vor – eine Technik, die den Amateurfunk stört sowie durch hohe Investitionskosten und niedrige Gesamtbandbreite (für alle an einer Kopfstation angeschlossenen Nutzer) auffällt. DSL hat übrigens eine 10- bis 12-fach höhere Leistungsfähigkeit, als Kavehrad zubilligt. Nachteilig an der Lichtlösung ist zweifelsohne auch, dass jeder Raum separat ausgerüstet werden muss. Echtes Potenzial dürfte die Technik also eher als Drahtlosverlängerung von Ethernet-Kabeln haben.
  • Foto oder Illustration

    27.12.2007, Jürgen Koch, 22769 Hamburg
    Ich habe den Artikel "Hell wie tausend Galaxien" mit Interesse gelesen, nebst unglaublich gut aufgelösten Bildern entfernter Sternsysteme. Meine Frage: ist die Abbildung auf Seite 35 ein gemaltes Bild oder auch eine Fotografie?
    Mit den besten Wünschen für Ihre weitere Arbeit im Neuen Jahr 2008
    Jürgen Koch
    Antwort der Redaktion:
    Die Darstellung ist (leider) nur eine Illustration. Ein entsprechender Hinweis wäre allerdings in der Tat angebracht gewesen.
  • Atheismus ist keine Ideologie

    26.12.2007, Stephan Sandhaeger, Germering
    Martin Urbans Essay, insbesondere die entwicklungsgeschichtliche Erklärung unseres Hangs zum Aberglauben, scheint mir plausibel. Einem Satz muß ich jedoch widersprechen:

    "Spätestens seit Immanuel Kants Kritik wissen auch Theologen, dass es weder einen Gottesbeweis noch einen Gegenbeweis geben kann, weshalb auch der Atheismus nur eine Ideologie ist."

    Im allgemeinen ist ein Atheist jemand, der die Annahme, es gebe Götter, für nicht plausibel hält. In bezug auf hinreichend konkrete Gottesvorstellungen (Schöpfung der Arten, Leben nach dem Tode) kann dies sogar besser begründet werden als der Unglaube an rosa Einhörner, Russells Teekanne oder das fliegende Spaghettimonster. In bezug auf solche Götter ist Atheismus also nichts weiter als eine "derzeit beste Theorie", von derselben epistemologischen Restunsicherheit behaftet wie alle unsere guten Theorien. Beweise gibt es eben nur in formalen Systemen.

    Hinreichend unkonkrete Gottesbilder dagegen eignen sich überhaupt nicht für sinnvolle Ausagen und damit auch nicht wirklich für Ideologien.

    Es bleiben also nur solche Götter für einen legitimen Agnostizismus, die hinreichend konkret, aber gleichzeitig hinter den jeweiligen Stand der Wissenschaft zurückgezogen sind, so daß sie nicht oder noch nicht falsifiziert werden können. Ein Beispiel wäre in der heutigen Zeit etwa ein Schöpfer der Naturgesetze, der seit ca. kurz nach dem Urknall nicht mehr wesentlich in die Welt eingreift. Natürlich sind solche deistischen Vorstellungen für wissenschaftlich denkende Menschen ebenfalls unbefriedigend, da sie nichts wirklich erklären, aber sie sind immerhin akzeptable Hypothesen.

    Insgesamt scheint mir daher die Bezeichnung "Ideologie" für den Atheismus als Weltanschauung unzutreffend. Die Asymmetrie zum Theismus sieht man übrigens auch in der Lebenspraxis daran, daß die meisten Atheisten ihren Unglauben keineswegs als ihre zentrale epistemologische oder sinngebende Überzeugung ansehen, ganz anders als bei religiösen wie auch bei weltlichen Ideologien.
  • Die Transzendenz der Wirkprinzipien

    26.12.2007, Dr. Gunter Berauer, Albert-Schweitzer-Straße 36, 81735 M.
    Ergänzen möchte ich noch etwas zu dem, in diesem Zusammenhang auch wichtigen, Begriff der Transzendenz, unter welcher man einen Bereich der Welt versteht, zu dem wir Menschen aus prinzipiellen Gründen keinen Zugang haben. Wenn wir auch eine transzendente Welt weder beweisen noch widerlegen können, so wäre es aber doch in höchsten Grade anthropozentrisch, wenn wir deren Existenz leugneten. Hieße dies doch, zu behaupten, wir Menschen seien prinzipiell in der Lage alles zu erfassen, was es geben könnte. Allein aus menschlicher Bescheidenheit heraus müssen wir wohl von der Existenz einer neben unserer immanenten Welt existierenden, oder mit ihr verwobenen, transzendenten Welt zwingend ausgehen.

    Es ist äußerst interessant, dass wir Menschen gerade die beiden wichtigsten Wirk- oder Schöpfungsprinzipien, den (quantenmechanisch begründeten) absoluten Zufall und das Prinzip der Rationalität, die zusammen alles haben werden lassen, was es in dieser Welt gibt, uns eben aus der immanenten Welt heraus nicht erklären können (Martin Urban spricht von den Prinzipien Zufall und Notwendigkeit). So benennen wir den absoluten Zufall genau mit diesem Namen, weil wir eben prinzipiell keine Möglichkeit haben, in dieser Welt Gründe für ein wirklich zufälliges Ereignis zu finden. Alle quantenmechanischen Ereignisse und über Verstärkungsmechanismen auch eine Fülle makroskopischer Ereignisse (wie etwa die Lottozahlen) unterliegen dem absoluten Zufall. Und was die rationalen Naturgesetze angeht, können wir diese auch nur beobachten oder feststellen, werden aber aus unserer immanenten Welt heraus niemals erklären können, warum sie eben gerade so sind, wie sie sind, und nicht anders. Wir können uns deshalb diese beiden Prinzipien durchaus als im für uns unerreichbaren Transzendenten begründet vorstellen und auch von, in diesem Sinne verstandenen, transzendenten Verursachungen von immanenten Vorgängen reden. Und damit wären wir und alles in der Welt, wie Hoimar von Ditfurth es so schön sagte, eben "nicht nur von dieser Welt".

    Ich bin davon überzeugt, dass wir mit diesem Ansatz auch einen "intellektuellen" Weg finden könnten, Glauben und Wissen wieder miteinander zu versöhnen.

    Einiges mehr zu diesem Thema findet sich in meinem im LIT-Verlag erschienenen Buch "Freiheit, die ich meine, und was von der Freiheit übrig blieb".
  • Mit dem zweiten Auge..

    24.12.2007, Jürgen Biel, Rheinau
    Dem Autor muss ein objektiver Leser wohl weit gehend zustimmen - ausgenommen in zwei Punkten:
    1. kein kritischer Gläubiger -gleich welcher Religion- würde sich anmaßen, den Willen Gottes erklären zu können.
    2. der Autor hat eine große Gemeinde moderner Fundamentalisten vergessen: sein eigener Berufsstand ! Mit fundamentalem Eifer werden wie vor Jahrhunderten die zeitgenössischen Arbeitshypothesen gegen Zweifler verteidigt. Ich meine damit nicht jene selbst ernannten Pseudowissenschaftler, die haarsträubende Theorien zum Besten geben, sondern ernsthafte Physiker, die nicht mit der Mainstream schwimmen, sondern objektive Argumente vorbringen möchten. Sie werden bestenfalls ignoriert, oder mit Totschlagargumenten zum Schweigen gebracht. Von moderner Aufklärung beim Umgang mit Zweiflern keine Spur.
    Nach 40 Jahren Berufserfahrung im Wissenschaftsbetrieb habe ich eine wichtige Erfahrung gemacht: jener alte Grieche hatte verdammt Recht, als er meinte, wir sehen nur die Schatten an der Höhlenwand, die von draußen vorbeihuschen.
  • Glaube ist nicht gleich Glaube

    24.12.2007, Andreas Maier, Regensburg
    In Ihren Artikel haben sich leider ein paar gängige Fehler eingeschlichen:
    Die katholische Kirche behauptet keineswegs, die Wahrheit zu kennen. Vielmehr ist die Wahrheit nicht fassbar für den menschlichen Verstand, so dass der Christ auf Gott vertrauen muss. Dieses Vertrauen heißt im Christentum "Glaube". Hier liegt der ewige Quell hitziger Missverständnisse, da "Glaube" im normalen Sprachgebrauch auch blindes Nachlaufen bedeuten kann.
    Dass es Fundamentalisten gibt, die etwa die Bibel wörtlich nehmen, ist nichts Neues. Aussagen von Papst Benedikt XVI., wie die von ihnen zitierte, die den Sinn unserer Existenz betreffen, haben jedoch nichts mit Kreationismus zu tun, sondern verdeutlichen das "Grundaxiom" des Christentums, dass es einen Sinn gibt, dass wir gewollt sind. Außerdem ist das Oberhaupt der katholischen Kirche Professor der Theologie und kann von daher wohl schlecht seine Wissenschaft und das Grundprinzip der Wissenschaft allgemein, die kritische Reflexion, verleugnen.
    Des Weiteren hat Benedikt XVI., soweit ich weiß, stets betont, dass der Zweifel ganz elementar zum Glauben gehört.
  • Diffamierung statt wissenschaftliche Diskussion

    23.12.2007, Ernst Beck, Postfach 1409, 79202 Breisach
    Der Autor des Kommentars zitiert unter anderem mich und meine Arbeit speziell meine Veröffentlichung in Energy&Environment Vol. 18/2: "180 Years of Atmospheric CO2 Gas Analysis by Chemical Methods", die ein 2faches Peer Review-Verfahren durchlaufen hat. Seine Semantik ist nahezu identisch mit seinem langjährigen Co-Autor Stefan Rahmstorf. Dabei verläßt er wie dieser den Boden sachlich wissenschaftlicher Auseinandersetzung, zumal es sich bei meiner Arbeit nicht um eine Arbeit aus seinem Fachbereich handelt, sondern um analytische Chemie, eine dem Autor fachfremde Disziplin.

    Meine Arbeit sei mit Fehlern gespickt, ich stütze mich auf fehlerhafte Messungen, ich sei als Biologe ein unechter Fachmann, meine Stimme unseriös. Gerne bin ich als gelernter Pflanzenphysiologe und Biochemiker dem Meteorologen Titz beim Thema Kohlenstoffdioxid behilflich. In dem kritisierten Papier untersuchte ich die in der Fachliteratur dokumentierten CO2-Messungen seit 1800 nach Gesichtspunkten der modernen analytischen Chemie mit dem Ziel einer Evaluierung, also fehlerhafte von akzeptablen zu selektieren, methodische und systematische Fehler zu quantifizieren. Dazu wurde aus über 390 Fachartikeln 138 Datenreihen mit mehr als 90 000 Werten seit 1812 selektiert, die ab 1857 innerhalb 3% Genauigkeit lagen und die an Meßstandorten unter kalibrierten Bedingungen durchgeführt wurden. Das Ergebnis war überraschend.

    Entgegen den Aussagen des IPCC, das nur insgesamt 38 historische Papiere betreffend CO2 teilweise fehlerhaft ausgewertet hatte ohne z.B. die verwendeten chemischen Methoden zu untersuchen, gab es vor den Messungen Charles Keelings 1957 auf Mauna Loa hochpräzise CO2-Messungen über mehrere Jahre, z.B. in Giessen zwischen 1939 und 1941 durch W. Kreutz mit einem korrigierten Mittelwert von 390 ppm. Der Gasanalysator von Kreutz war genauer als der von Keeling um 1960. Tatsächlich wurden diese Daten fälschlicherweise ignoriert oder von Keeling falsch bewertet, was zu einem nicht korrekten vorindustriellen CO2-Wert von ca. 290 ppm führte. Dieser lag tatsächlich im 19.Jh. bei 312 ppm. Außerdem ergab sich eine seit 1812 auf der Nordhemisphäre schwankende CO2-Kurve mit Maxima um 1825, 1857 und 1942. Bemerkenswerterweise ist der so rekonstruierte CO2-Verlauf zwischen 1875 und 1925 identisch innerhalb des Fehlerbereichs und er korreliert sehr genau mit der gemessenen Temperatur der Nordhemisphäre und der Antarktis im Gegensatz zu modernen Darstellungen des CO2-Verlaufs.

    Weiterhin und unbemerkt von allen Untersuchungen seit Keeling ergab sich eine CO2-Schwankung mit den Mondphasen, die auch in modernen Daten zu finden sind.

    Ich bin überzeugt, daß diese stärkere Differenzierung das Niveau des Kommentars angehoben hätte.

    Ernst Beck Dipl. Biol.
    Postfach 1409
    79202 Breisach
    Mail: egbeck@biokurs.de
    Antwort der Redaktion:
    Antwort von Sven Titz

    In meinem Kommentar stütze ich mich auf das einhellige Urteil kompetenter Wissenschaftler, wonach die Studie von Herrn Beck für die Klimaforschung ohne Wert ist. Eines der wichtigsten Argumente, das gegen seinen Artikel in Energy & Environment vorgebracht wird, hat mit der CO2-Hintergrundkonzentration zu tun. Sie ist nicht leicht zu messen, denn an vielen Orten an der Erdoberfläche steigt der CO2-Gehalt wegen lokaler Quellen immer wieder über den Hintergrundwert hinaus an (auf solche Messungen stützt sich Herr Beck). Doch an der in Eisbohrkernen eingeschlossenen Luft lässt sich erkennen, dass die CO2-Hintergrundkonzentration in den Jahrhunderten zwischen dem Ende der letzten Eiszeit und dem Beginn der Industriellen Revolution um den Wert 280 ppm herum lag. Erst in den vergangenen 150 Jahren ist die CO2-Hintergrundkonzentration rasant angestiegen - dieser Vorgang lässt sich anhand charakteristischer Isotope eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurückführen und gilt in der Fachwelt als unumstritten.



    Herr Beck schreibt in seinem Leserbrief außerdem, Stefan Rahmstorf sei ein "langjähriger Co-Autor" von mir. Diese Aussage ist bestenfalls amüsant und hat folgenden Hintergrund: Als ich noch Doktorand an der Unversität Potsdam war, entstanden zwei Forschungsartikel, an deren Produktion Stefan Rahmstorf, meine Person und weitere Wissenschaftler beteiligt waren. Das ist alles.



    Über ernsthaft strittige Punkte in der Klimaforschung berichte ich als Journalist regelmäßig und kritisch (siehe beispielsweise meinen Spektrum-Artikel "Wolkige Projektionen" vom April 2007). Dabei geht es aber um vollkommen andere Dinge, als sie Herr Beck propagiert.